Oyavas 400 mg/16 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

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Fachinformation Fachinformation (SPC)

19-01-2022

Wirkstoff:
bevacizumabum
Verfügbar ab:
Spirig HealthCare AG
ATC-Code:
L01XC07
INN (Internationale Bezeichnung):
bevacizumabum
Darreichungsform:
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Zusammensetzung:
bevacizumabum 400 mg, trehalosum dihydricum, natrii dihydrogenophosphas monohydricus, dinatrii phosphas, polysorbatum 20, aqua ad iniectabile q.s. ad solutionem pro 16 ml corresp. natrium 21.68 mg.
Klasse:
A
Therapiegruppe:
Biotechnologika
Therapiebereich:
Metastasiertes Kolon- oder Rektumkarzinom, Metastasiertes Mammakarzinom, Fortgeschrittenes, metastasiertes oder rezidivierendes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC), Fortgeschrittenes und/oder metastasierendes Nierenzellkarzinom, Glioblastom (WHO Grad IV), Ovarialkarzinom, Zervixkarzinom
Zulassungsnummer:
67857
Berechtigungsdatum:
2021-04-06

Dokumente in anderen Sprachen

Fachinformation Fachinformation - Französisch

01-06-2021

Fachinformation Fachinformation - Italienisch

01-06-2021

▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle

Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind

aufgefordert, den Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur

Meldung von Nebenwirkungen, siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen».

Oyavas®

Spirig HealthCare AG

Zusammensetzung

Wirkstoffe

Bevacizumabum (gentechnologisch hergestellt unter Verwendung von CHO [Chinese Hamster Ovary]-

Zellen).

Hilfsstoffe

α,α-trehalosum dihydricum, natrii dihydrogenophosphas monohydricus, dinatrii phosphas anhydricus,

polysorbatum 20, aqua ad iniectabilia.

1 ml Konzentrat enthält 1.355 mg Natrium, d.h. 5.42 mg bzw. 21.68 mg pro Durchstechflasche.

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.

Klare bis leicht opaleszierende, farblose bis gelblich-braune sterile Flüssigkeit zur intravenösen Infusion.

1 Durchstechflasche zu 4 ml enthält 100 mg Bevacizumab.

1 Durchstechflasche zu 16 ml enthält 400 mg Bevacizumab.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Metastasiertes Kolon- oder Rektumkarzinom

Oyavas (Bevacizumab) ist zur Erstlinientherapie bei Patienten mit metastasiertem Karzinom des Kolons

oder Rektums in Kombination mit folgenden Chemotherapien indiziert:

·5-Fluorouracil/Folinsäure

·5-Fluorouracil/Folinsäure/Irinotecan

·Capecitabine/Oxaliplatin (XELOX)

Oyavas ist als Zweitlinientherapie in Kombination mit einem Irinotecan- oder Oxaliplatin-haltigen

Chemotherapieschema bei Patienten mit metastasiertem Kolon- oder Rektumkarzinom mit vorheriger

Oxaliplatin- oder Irinotecan-basierter Chemotherapie mit oder ohne Oyavas indiziert.

Metastasiertes Mammakarzinom

Oyavas (Bevacizumab) ist in Kombination mit Paclitaxel zur Erstlinientherapie von Patienten mit

HER2-negativem, metastasiertem Mammakarzinom indiziert.

Fortgeschrittenes, metastasiertes oder rezidivierendes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)

Erstlinientherapie in Kombination mit einer Cisplatin- und Gemcitabin-haltigen Chemotherapie bei

nicht-resezierbarem, fortgeschrittenem, metastasiertem oder rezidivierendem, nicht-

plattenepithelartigem, nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC).

Fortgeschrittenes und/oder metastasierendes Nierenzellkarzinom

Oyavas in Kombination mit Interferon alfa-2a ist zur Erstlinientherapie von nephrektomierten Patienten

mit fortgeschrittenem und/oder metastasierendem Nierenzellkarzinom indiziert.

Glioblastom (WHO Grad IV)

Oyavas ist als Monotherapie zur Behandlung von Patienten mit rezidivierendem Glioblastom (WHO

Grad IV) nach Vortherapie mit Temozolomid indiziert.

Ovarialkarzinom

Nicht-vorbehandelte Patienten

Oyavas ist in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel für die Therapie nicht vorbehandelter

Patienten mit Ovarialkarzinom (FIGO Stadium III und IV), bei welchen der Tumor nicht vollständig

reseziert werden konnte und welche von einer im Anschluss an die Chemotherapie durchzuführenden

weiteren Operation (Second look mit interval debulking) nicht potenziell profitieren, indiziert.

Rezidivierende, platin-sensitive Patienten

Oyavas in Kombination mit Carboplatin und Gemcitabin oder in Kombination mit Carboplatin und

Paclitaxel ist zur Behandlung von Patienten mit rezidivierendem, platin-sensitivem epithelialem

Ovarialkarzinom, Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom indiziert (mit einem platinfreien

Intervall von mindestens 6 Monaten).

Rezidivierende, platin-resistente Patienten

Oyavas ist indiziert in Kombination mit Topotecan oder pegyliertem liposomalem Doxorubicin zur

Behandlung von Patienten mit rezidivierendem, platin-resistentem epithelialem Ovarialkarzinom,

Eileiterkarzinom oder primärem Peritonealkarzinom, die mit bis zu zwei vorgängigen

Chemotherapieregimen behandelt wurden, und nicht vorbehandelt wurden mit Bevacizumab oder

anderen VEGF-Inhibitoren.

Zervixkarzinom

Oyavas ist in Kombination mit Chemotherapie (siehe «Eigenschaften/Wirkungen; Zervixkarzinom») für

die Behandlung von Patienten mit persistierendem, rezidivierendem oder metastasiertem

Zervixkarzinom indiziert.

Dosierung/Anwendung

Die Initialdosis Oyavas sollte über 90 Minuten als intravenöse Infusion verabreicht werden. Wenn die

erste Infusion gut vertragen wird, kann die zweite Infusion über 60 Minuten infundiert werden. Wenn

die über 60 Minuten verabreichte Infusion gut vertragen wird, ist bei allen weiteren Infusionen eine

Infusionsdauer von 30 Minuten ausreichend.

Nicht als intravenöse Bolusinjektion verabreichen.

Infusionen mit Oyavas dürfen nicht mit Glukoselösungen verabreicht oder gemischt werden.

Um die Rückverfolgbarkeit von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln sicherzustellen, wird

empfohlen Handelsname und Chargennummer bei jeder Behandlung zu dokumentieren.

Übliche Dosierung

Metastasiertes Kolon- oder Rektumkarzinom

Die empfohlene Dosis Oyavas verabreicht als intravenöse Infusion ist wie folgt:

Erstlinientherapie: 5 mg/kg Körpergewicht einmal alle zwei Wochen oder 7,5 mg/kg Körpergewicht

einmal alle drei Wochen.

Zweitlinientherapie: 5 mg/kg oder 10 mg/kg Körpergewicht einmal alle zwei Wochen oder 7,5 mg/kg

oder 15 mg/kg Körpergewicht einmal alle drei Wochen.

Es wird empfohlen, die Behandlung mit Oyavas bis zur Progression der Krankheit fortzuführen.

Metastasiertes Mammakarzinom

Die empfohlene Dosis Oyavas beträgt 10 mg/kg Körpergewicht, einmal alle 2 Wochen oder 15 mg/kg

Körpergewicht einmal alle 3 Wochen als intravenöse Infusion verabreicht. Es wird empfohlen, die

Behandlung mit Oyavas bis zur Progression der malignen Krankheit fortzuführen.

Fortgeschrittenes, metastasiertes oder rezidivierendes nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom (NSCLC)

Oyavas wird zusätzlich zu einer Cisplatin- und Gemcitabin-haltigen Chemotherapie für eine Dauer von

bis zu 6 Behandlungszyklen verabreicht. Anschliessend wird Oyavas als Monotherapie bis zur

Krankheitsprogression fortgeführt.

Die empfohlene Dosierung von Oyavas in Kombination mit einer Cisplatin- und Gemcitabin-haltigen

Chemotherapie beträgt 7,5 mg/kg Körpergewicht einmal alle 3 Wochen als intravenöse Infusion.

Fortgeschrittenes und/oder metastasierendes Nierenzellkarzinom

Die empfohlene Dosis Oyavas beträgt 10 mg/kg Körpergewicht einmal alle zwei Wochen als

intravenöse Infusion.

Es wird empfohlen, die Behandlung mit Oyavas bis zur Progression der Krankheit fortzuführen. Die

Dosis von 5 mg/kg Körpergewicht wurde nicht untersucht.

Glioblastom (WHO Grad IV)

Die empfohlene Dosis Oyavas beträgt 10 mg/kg Körpergewicht alle zwei Wochen als

intravenöse Infusion. Es wird empfohlen, die Behandlung mit Oyavas bis zur Progression der Krankheit

fortzuführen. Die Dosierung von 15 mg/kg alle 3 Wochen ist nicht durch die vorgelegten Daten belegt.

Ovarialkarzinom

Nicht vorbehandelte Patienten: Oyavas wird in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel über eine

Dauer von bis zu 6 Behandlungszyklen verabreicht. Anschliessend wird Oyavas über eine Dauer von 15

Monaten oder bis zur Progression der Krankheit, falls diese eher eintritt, verabreicht. Die empfohlene

Dosis Oyavas beträgt 7,5 mg/kg Körpergewicht einmal alle 3 Wochen als intravenöse Infusion.

Rezidivierende, platin-sensitive Patienten: Oyavas wird in Kombination mit Carboplatin und Gemcitabin

über eine Dauer von 6-10 Behandlungszyklen oder in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel über

eine Dauer von 6-8 Behandlungszyklen verabreicht. Anschliessend wird Oyavas bis zur Progression der

Krankheit verabreicht. Die empfohlene Dosis Oyavas beträgt 15 mg/kg Körpergewicht einmal alle 3

Wochen als intravenöse Infusion.

Rezidivierende, platin-resistente Patienten: In Kombination mit Topotecan (wöchentlich verabreicht)

oder pegyliertem liposomalem Doxorubicin beträgt die empfohlene Dosis Oyavas 10 mg/kg

Körpergewicht einmal alle 2 Wochen als intravenöse Infusion. In Kombination mit Topotecan,

verabreicht an den Tagen 1–5, beträgt die empfohlene Dosis Oyavas 15 mg/kg Körpergewicht alle 3

Wochen als intravenöse Infusion.

Zervixkarzinom

Oyavas wird in Kombination mit Paclitaxel und Cisplatin oder Paclitaxel und Topotecan verabreicht.

Die empfohlene Dosis von Oyavas beträgt 15 mg/kg Körpergewicht einmal alle 3 Wochen als

intravenöse Infusion.

Dosisanpassung aufgrund unerwünschter Wirkungen/Interaktionen

Eine Dosisreduktion von Oyavas wegen unerwünschter Wirkungen wird nicht empfohlen.

Gegebenenfalls sollte Oyavas entweder ganz oder vorübergehend abgesetzt werden (siehe

«Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Sicherheit und Wirksamkeit von Oyavas wurden bei Patienten mit Leberinsuffizienz nicht untersucht.

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Sicherheit und Wirksamkeit von Oyavas wurden bei Patienten mit Niereninsuffizienz nicht untersucht.

Ältere Patienten

Bei Patienten der Altersgruppe ≥65 Jahre ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe «Warnhinweise

und Vorsichtsmassnahmen» und «Unerwünschte Wirkungen»).

Kinder und Jugendliche

Oyavas ist für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht zugelassen. Die Sicherheit und

Wirksamkeit von Oyavas wurden bei dieser Patientengruppe nicht erwiesen (siehe Ende Rubriken

«Eigenschaften/Wirkungen» und «Pharmakokinetik»).

Es sind Berichte zu beachten, nach denen bei Patienten unter 18 Jahren Fälle von nicht-mandibulärer

Osteonekrose aufgetreten sind. Zu beachten sind auch die Befunde zur Dysplasie der Epiphysenfuge in

Tierversuchen (siehe «Präklinische Daten»).

Kontraindikationen

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss Zusammensetzung.

Überempfindlichkeit gegen CHO-(Chinese hamster ovary)-Zellprodukte oder andere rekombinante

humane oder humanisierte Antikörper.

Schwangerschaft.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Gastrointestinale Perforationen und Fisteln

Bei Patienten kann ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer gastrointestinalen Perforation und

einer Perforation der Gallenblase bestehen, wenn sie mit Oyavas behandelt werden (siehe

«Unerwünschte Wirkungen»). Bei Patienten, bei denen sich eine gastrointestinale Perforation

entwickelt, muss Oyavas endgültig abgesetzt werden.

Patientinnen mit persistierendem, rezidivierendem oder metastasiertem Zervixkarzinom, die mit Oyavas

behandelt werden, können ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Fisteln zwischen der Vagina und

dem GastrointestinaI-Trakt (Gastrointestinal-Vaginal-Fisteln) haben (siehe «Unerwünschte

Wirkungen»).

Fisteln ausserhalb des Magen-Darm-Traktes

Patienten unter Oyavas-Behandlung haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von

Fisteln (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Oyavas ist bei Patienten mit Tracheoösophageal (TE)-Fisteln oder anderen Fisteln vom Schweregrad 4

dauerhaft abzusetzen. Zur fortgesetzten Anwendung von Oyavas bei Patienten mit anderen Fisteln liegen

nur begrenzte Informationen vor. Im Falle eines Auftretens von inneren Fisteln, die sich nicht im

Gastrointestinaltrakt befinden, sollte das Absetzen von Oyavas in Erwägung gezogen werden.

Blutungen

Patienten, die mit Oyavas behandelt werden, haben ein erhöhtes Risiko für Blutungen, speziell für

tumorassoziierte Blutungen (siehe «Unerwünschte Wirkungen», «Hämorrhagien»). Bei Patienten, bei

denen unter der Therapie mit Oyavas Blutungen von Grad 3 oder 4 auftreten, sollte Oyavas endgültig

abgesetzt werden.

Patienten mit unbehandelten ZNS-Metastasen, die basierend auf bildgebenden Verfahren oder

Hinweisen und Symptomen beurteilt werden, wurden routinemässig aus klinischen Studien mit

Bevacizumab ausgeschlossen. Aus diesem Grund wurde bei diesen Patienten das Risiko für eine ZNS-

Hämorrhagie nicht prospektiv in randomisierten klinischen Studien untersucht (siehe Abschnitt

«Pulmonale Hämorrhagie bzw. Hämoptoe»). Patienten sollten auf Hinweise und Symptome einer ZNS-

Blutung beobachtet werden und die Behandlung mit Oyavas sollte im Fall einer intrakranialen Blutung

abgesetzt werden.

Da in den klinischen Studien der tägliche Gebrauch von nicht-steroidalen Antiinflammatorika [NSAIDs]

(Acetylsalicylsäure in Dosen >325 mg täglich sowie andere NSAIDs) ausgeschlossen war, liegen keine

Erfahrungen über Oyavas in Kombination mit diesen Substanzen vor.

Es liegen keine Informationen zum Sicherheitsprofil von Oyavas vor bei Patienten mit kongenitalen

Blutungsstörungen, erworbener Koagulopathie, oder bei Patienten, die vor Einleitung der Therapie mit

Oyavas zur Behandlung einer Thromboembolie Antikoagulanzien in voller Dosishöhe erhalten hatten,

da solche Patienten von klinischen Studien ausgeschlossen wurden. Daher ist vor Einleitung einer

Therapie mit Oyavas bei solchen Patienten Vorsicht geboten.

Zu Patienten, die Antikoagulanzien zur Prophylaxe erhalten hatten, liegen nur eingeschränkte

Informationen vor. Jedoch war bei diesen Patienten die Rate von Blutungen Grad 3 und höher offenbar

nicht erhöht. Das Gleiche gilt auch für Patienten, bei denen sich unter Therapie mit Oyavas eine

Venenthrombose entwickelte und die gleichzeitig mit Warfarin in voller Dosishöhe und mit Oyavas

behandelt wurden.

Mit Acenocoumarol oder Phenprocoumon in Kombination mit Oyavas liegen keine Erfahrungen vor.

Pulmonale Hämorrhagie bzw. Hämoptoe

Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC), die mit Oyavas behandelt wurden, können

dem Risiko schwerer und manchmal letal verlaufender pulmonalen Hämorrhagie bzw. Hämoptoe (siehe

«Unerwünschte Wirkungen»/«Tumorassoziierte Hämorrhagien») unterliegen. Patienten mit kürzlich

aufgetretener pulmonaler Hämorrhagie bzw. Hämoptoe (>½ Teelöffel Blut pro Ereignis) dürfen nicht

mit Oyavas behandelt werden.

Hypertonie

Bei mit Oyavas behandelten Patienten wurde eine erhöhte Inzidenz einer Hypertonie festgestellt. Aus

klinischen Sicherheitsdaten geht hervor, dass die Inzidenz einer Hypertonie dosisabhängig ist. Eine

vorbestehende Hypertonie sollte vor Beginn einer Behandlung mit Oyavas adäquat eingestellt sein. Es

liegen keine Informationen über den Effekt von Oyavas bei Patienten vor, bei denen bei Einleitung der

Therapie mit Oyavas eine unbehandelte Hypertonie besteht. Es wird empfohlen, während einer Therapie

mit Oyavas den Blutdruck zu kontrollieren (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

In den meisten Fällen konnte die Hypertonie durch eine individuell angepasste, antihypertensive

Standardtherapie angemessen eingestellt werden. Oyavas sollte endgültig abgesetzt werden, wenn eine

klinisch signifikante Hypertonie durch eine antihypertensive Behandlung nicht adäquat eingestellt

werden kann, oder wenn der Patient eine hypertensive Krise oder eine hypertensive Enzephalopathie

entwickelt (siehe auch weiter unten und «Unerwünschte Wirkungen»).

Enzephalopathie

Hypertensive Enzephalopathie

Sehr seltene Fälle mit hypertensiver Enzephalopathie sind gemeldet worden, die vereinzelt tödlich

verliefen. Zu den Symptomen einer hypertensiven Enzephalopathie gehören Kopfschmerzen, verringerte

Aufmerksamkeit, Verwirrtheit oder Stupor, mit oder ohne Krämpfe (siehe «Unerwünschte Wirkungen»

und «Hypertonie»).

Posteriores reversibles Leukoenzephalopathie-Syndrom (PRLS)

In seltenen Fällen ist bei Patienten, die mit Bevacizumab behandelt wurden, das Auftreten einer

Symptomatik gemeldet worden, die mit dem posterioren reversiblen Leukoenzephalopathie-Syndrom

(PRLS) übereinstimmt. Hierbei handelt es sich um eine seltene neurologische Störung, die sich unter

anderem mit der folgenden Symptomatik manifestiert: Krampfanfälle, Kopfschmerzen, Veränderungen

des psychischen Zustandes, Sehstörungen oder kortikale Blindheit, mit oder ohne Begleithypertonie. Die

Diagnose eines PRLS muss durch bildgebende Verfahren zur Gehirnuntersuchung, vorzugsweise

Magnetresonanztomographie (MRT), bestätigt werden. Bei Patienten, die ein PRLS erleiden, wird

empfohlen, die spezifischen Symptome, einschliesslich Hypertonie, zu behandeln und die Therapie mit

Oyavas abzusetzen. Die Sicherheit einer erneuten Verabreichung von Oyavas an Patienten, die zuvor ein

PRLS erlitten haben, ist nicht bekannt (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Die Differenzialdiagnose zwischen hypertensiver Enzephalopathie und posteriorem reversiblem

Leukoenzephalopathie-Syndrom kann schwierig sein, und es können auch Mischformen auftreten.

Arterielle Thromboembolie

In klinischen Studien war die Inzidenz arterieller Thromboembolien einschliesslich Schlaganfall,

transienter ischämischer Attacken (TIA) und Myokardinfarkten bei den Patienten, die Bevacizumab in

Kombination mit einer Chemotherapie erhielten, höher als bei Patienten, die nur mit Chemotherapie

behandelt wurden (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Oyavas sollte bei Patienten, bei denen sich arterielle Thromboembolien entwickeln, endgültig abgesetzt

werden.

Patienten mit arterieller Thromboembolie in der Vorgeschichte, Diabetes oder einem Alter über 65

Jahren, die Oyavas in Kombination mit Chemotherapie erhalten, haben ein erhöhtes Risiko für arterielle

Thromboembolien während der Behandlung mit Oyavas. Bei der Behandlung solcher Patienten mit

Oyavas ist daher Vorsicht geboten.

Venöse Thromboembolien

Patienten unter einer Oyavas-Behandlung haben möglicherweise ein Risiko für die Entwicklung venöser

Thromboembolien einschliesslich Lungenembolien (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Bei Patienten mit lebensbedrohlichen (Grad 4) venösen thromboembolischen Ereignissen einschliesslich

Lungenembolie sollte Oyavas abgesetzt werden, Patienten mit venösen thromboembolischen

Ereignissen ≤ Grad 3 sind engmaschig zu überwachen.

Chronische Herzinsuffizienz

In klinischen Studien wurden Ereignisse gemeldet, die einer chronischen Herzinsuffizienz (CHF)

entsprachen. Die Symptomatik reichte von einer asymptomatischen Abnahme der linksventrikulären

Auswurfsfraktion (LVEF) bis zu symptomatischer CHF, die eine Behandlung oder Hospitalisierung

erforderte.

Die meisten Patienten mit CHF litten unter einem metastasierten Mammakarzinom und hatten eine

vorhergehende Anthracyclin-Behandlung oder eine vorhergehende Strahlentherapie der linken

Brustwand erhalten oder hatten andere Risikofaktoren für eine CHF, wie z.B. eine vorbestehende

Koronarerkrankung oder eine begleitende kardiotoxische Therapie (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Bei der Oyavas-Behandlung von Patienten mit klinisch bedeutsamer kardiovaskulärer Erkrankung oder

vorbestehender chronischer Herzinsuffizienz ist Vorsicht geboten.

Neutropenie

Bei Patienten, die mit myelotoxischen Chemotherapieregimen und Oyavas behandelt worden waren,

wurden im Vergleich zu denjenigen Patienten, die nur Chemotherapie erhalten hatten, häufiger schwere

Neutropenien, febrile Neutropenien oder Infektionen mit schwerer Neutropenie (einschliesslich einiger

Todesfälle) beobachtet (siehe «Unerwünschte Wirkungen»).

Wundheilung

Oyavas kann den Wundheilungsprozess beeinträchtigen (siehe «Präklinische Daten» und

«Unerwünschte Wirkungen»). Es wurde über schwerwiegende Wundheilungskomplikationen mit

tödlichem Ausgang berichtet.

Eine Therapie mit Oyavas sollte frühestens 28 Tage nach einer grösseren Operation beziehungsweise

erst nach vollständig erfolgter Wundheilung eingeleitet werden. Bei Patienten, bei denen während der

Therapie mit Oyavas Wundheilungskomplikationen auftreten, ist Oyavas abzusetzen, bis die Wunde

vollständig verheilt ist. Bei einer elektiven Operation sollte die Therapie mit Oyavas unterbrochen

werden.

In Zusammenhang mit der Anwendung von Oyavas wurde über seltene Fälle einer nekrotisierenden

Fasziitis, teilweise mit tödlichem Verlauf, berichtet. Diese Fälle traten mehrheitlich bei Patienten mit

Risikofaktoren wie Immunsuppression, Wundheilungsstörungen, gastrointestinaler Perforation oder

Fistelbildung auf. Bei Patienten, die eine nekrotisierende Fasziitis entwickeln, ist die Oyavas-Therapie

abzubrechen und umgehend eine geeignete Behandlung einzuleiten (siehe auch «Unerwünschte

Wirkungen»).

Proteinurie

In klinischen Studien war die Häufigkeit von Proteinurie bei Patienten unter Bevacizumab in

Kombination mit Chemotherapie höher als bei Patienten unter Chemotherapie allein. Grad 4 Proteinurie

(nephrotisches Syndrom) trat bei bis zu 1,4% der mit Bevacizumab behandelten Patienten auf (siehe

«Unerwünschte Wirkungen»).

Im Falle eines nephrotischen Syndroms sollte Oyavas endgültig abgesetzt werden.

Hypersensitivitätsreaktionen/Infusionsreaktionen

In einigen klinischen Studien traten Hypersensitivitätsreaktionen/Infusionsreaktionen häufig (bis zu 5%

bei mit Bevacizumab behandelten Patienten) auf. Zu den im Rahmen von klinischen Studien und Post-

Marketing-Beobachtungen gemeldeten Infusionsreaktionen gehörten Hypertonie, hypertensive Krisen in

Assoziation mit neurologischen Zeichen und Symptomen, pfeifende Atemgeräusche (Wheezing),

Sauerstoffsättigungsabfälle, NCI-CTC Grad 3 Hypersensitivität, Brustschmerzen, Kopfschmerzen,

Grippesymptome und Diaphorese. Die Symptome können während oder sofort nach der Infusion oder

bis zu 2 Tage später auftreten. Es wird empfohlen, Patienten während und nach der Verabreichung von

Oyavas eng zu monitorieren. Die Infusion von Oyavas sollte bei Auftreten schwerer

Infusionsreaktionen/Hypersensitivitätsreaktionen abgebrochen und eine geeignete medikamentöse

Therapie verabreicht werden. Über die Anwendung von Prämedikation liegen keine Daten vor.

Ebenfalls liegen keine Angaben über die geeignetste Methode zur Ermittlung von Patienten vor, die

nach einer schweren Infusionsreaktion bedenkenlos wieder mit Oyavas behandelt werden könnten.

Immunogenität

Patienten aus zwei Phase-III-Studien zur adjuvanten Therapie des Kolonkarzinoms wurden mittels

Immunoassay hinsichtlich Antikörper gegen Bevacizumab untersucht. Bei 14 von 2'233 Patienten,

wurden Antikörper gegen Bevacizumab nachgewiesen (0.6%), wobei bei drei dieser Antikörper-

positiven Patienten neutralisierende Antikörper festgestellt wurden.

Die klinische Bedeutung einer Immunreaktion gegen Oyavas ist nicht bekannt. Jedoch wurde bei keinem

der unerwünschten Ereignisse bei Patienten, die Antikörper gegen Bevacizumab entwickelt hatten, ein

Zusammenhang mit einer Typ-I-Hypersensitivität oder einer Immunkomplex-vermittelten Reaktion vom

Typ III gesehen.

Daten zur Immunogenität hängen in hohem Masse von der Sensitivität und Spezifität des verwendeten

Tests ab und können durch verschiedene Faktoren beeinflusst sein, wie beispielsweise

Probenhandhabung, Zeitpunkt der Probenentnahme, Medikamenteninteraktionen, Begleitmedikamente

sowie zugrunde liegende Krankheiten. Aus diesem Grund kann ein Vergleich der Inzidenz von

Antikörpern gegen Oyavas zwischen den verschiedenen Indikationen oder mit der Inzidenz von

Antikörpern gegen andere therapeutische Proteine irreführend sein.

Kiefernekrose

Bei Krebspatienten unter Bevacizumab-Behandlung sind Fälle von Kiefernekrosen berichtet worden.

Die Mehrzahl dieser Patienten wurde vorher oder gleichzeitig intravenös mit Bisphosphonaten

behandelt, was ein bekanntes Risiko für die Entstehung von Kiefernekrosen darstellt.

Bei gleichzeitiger oder aufeinanderfolgender Anwendung von Oyavas und intravenösen

Bisphosphonaten ist daher besondere Vorsicht geboten.

Invasive zahnärztliche Eingriffe stellen ebenfalls einen zusätzlichen Risikofaktor dar.

Vor Beginn einer Behandlung mit Oyavas sollten eine zahnärztliche Untersuchung und geeignete

zahnmedizinische Vorsorgemassnahmen erwogen werden. Bei Patienten, die intravenös Bisphosphonate

erhalten oder erhalten haben, sollten invasive zahnärztliche Eingriffe nach Möglichkeit vermieden

werden.

Intravitreale Anwendung

Oyavas ist nicht für die intravitreale Anwendung geeignet.

Augenerkrankungen

Nach nicht zugelassener intravitrealer Anwendung von Bevacizumab wurden Einzelfälle und Cluster

schwerwiegender unerwünschter Ereignisse am Auge berichtet. Diese umfassten infektiöse

Endophthalmitis, intraokuläre Entzündung wie sterile Endophthalmitis, Uveitis und Vitritis,

Retinaablösung, Riss des retinalen Pigmentepithels, erhöhten intraokulären Druck, intraokuläre

Hämorrhagie wie Glaskörper- oder Retinablutung sowie Bindehautblutung. Einige dieser unerwünschten

Ereignisse führten zu unterschiedlich starken Sehbeeinträchtigungen, einschliesslich dauerhafter

Erblindung.

Systemische Wirkungen nach intravitrealer Anwendung

Es wurde gezeigt, dass nach einer intravitrealen Anti-VEGF-Behandlung die Konzentration des

zirkulierenden VEGF abnimmt. Nach intravitrealer Injektion von VEGF-Inhibitoren wurden

systemische unerwünschte Ereignisse einschliesslich nicht-okularer Hämorrhagien und arterieller

thromboembolischer Ereignisse berichtet. Es besteht das theoretische Risiko eines Zusammenhangs

dieser Ereignisse mit der VEGF-Inhibition.

Ovarialinsuffizienz/Fertilität (siehe «Schwangerschaft/Stillzeit» und «Unerwünschte Wirkungen»)

Oyavas kann die Fruchtbarkeit von Frauen beeinträchtigen. Daher sollten vor Beginn einer Behandlung

mit Oyavas bei Frauen im gebärfähigen Alter Strategien zur Erhaltung der Fruchtbarkeit besprochen

werden.

Aneurysmen und Arteriendissektionen

Die Verwendung von VEGF-Signalweg-Hemmern bei Patienten mit oder ohne Hypertonie kann die

Entstehung von Aneurysmen und/oder Arteriendissektionen begünstigen. Vor Beginn der Behandlung

mit Oyavas sollte dieses Risiko bei Patienten mit Risikofaktoren wie Hypertonie oder Aneurysmen in

der Vorgeschichte sorgfältig abgewogen werden.

Natrium

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Durchstechflasche, d.h. es ist

nahezu «natriumfrei».

Interaktionen

Pharmakokinetische Interaktionen

In-vivo-Daten

Wirkung antineoplastischer Arzneimittel auf die Pharmakokinetik von Bevacizumab

Aufgrund der Ergebnisse einer pharmakokinetischen Populationsanalyse wurden keine klinisch

relevanten pharmakokinetischen Interaktionen einer gleichzeitig verabreichten Chemotherapie auf die

Pharmakokinetik von Bevacizumab beobachtet. Bei Patienten, die eine Bevacizumab-Monotherapie

erhielten, wurden im Vergleich zu Patienten, die Bevacizumab in Kombination mit Interferon alfa-2a

oder anderen Chemotherapien (IFL, 5-FU/LV, Carboplatin-Paclitaxel, Capecitabine, Doxorubicin oder

Cisplatin/Gemcitabine) behandelt wurden, weder statistisch signifikante noch klinisch relevante

Unterschiede hinsichtlich der Bevacizumab Clearance nachgewiesen.

Wirkung von Bevacizumab auf die Pharmakokinetik anderer antineoplastischer Arzneimittel

Wie die Ergebnisse einer diesbezüglichen Interaktionsstudie (AVF3135g) zeigten, hat Bevacizumab

keine signifikante Wirkung auf die Pharmakokinetik von Irinotecan und dessen aktiven Metaboliten SN-

Die Ergebnisse einer Studie (NP18587) von Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom zeigten,

dass Bevacizumab keine signifikante Wirkung auf die Pharmakokinetik von Capecitabine und dessen

Metaboliten sowie auf die Pharmakokinetik von Oxaliplatin hatte (nach Bestimmung des freien und des

gesamten Platingehalts).

Die Ergebnisse der Studie BO17704 wiesen keinen signifikanten Effekt von Bevacizumab auf die

Pharmakokinetik von Cisplatin nach.

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