Diazepam-ratiopharm 10 mg Tabletten

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Diazepam
Verfügbar ab:
ratiopharm GmbH
ATC-Code:
N05BA01
INN (Internationale Bezeichnung):
diazepam
Darreichungsform:
Tablette
Zusammensetzung:
Diazepam 10.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
17447.01.00

Gebrauchsinformation:

Information für Anwender

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg Tabletten

Wirkstoff: Diazepam

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte

weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden

haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies

gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe

Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

beachten?

Wie ist

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Diazepam-ratiopharm

®

10 mg und wofür wird es angewendet?

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

ist ein Arzneimittel gegen Angst- und Spannungszustände aus der

Gruppe der Benzodiazepine.

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg wird angewendet

zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und

Angstzuständen.

Die Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

bei behandlungsbedürftigen Schlafstörungen,

die durch Angst, Spannung und Erregung bedingt sind, ist nur dann gerechtfertigt, wenn

gleichzeitig tagsüber die Diazepam-Wirkungen erwünscht sind.

Hinweis:

Nicht alle Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände bedürfen einer medikamentösen

Therapie. Oftmals sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer Erkrankungen und können

durch andere Maßnahmen oder durch eine Therapie der Grundkrankheit beeinflusst werden.

zur Beruhigung und Vorbereitung (Prämedikation) vor chirurgischen und diagnostischen

Eingriffen bzw. danach (postoperative Medikation).

zur Behandlung von Zuständen mit erhöhter Muskelspannung (erhöhtem Muskeltonus).

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Diazepam-ratiopharm

®

10 mg beachten?

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg darf nicht eingenommen werden,

wenn Sie allergisch gegen Diazepam, andere Benzodiazepine oder einen der in Abschnitt 6.

genannten sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind

wenn Sie früher einmal abhängig von Alkohol, Drogen oder Arzneimitteln waren

bei akuter Vergiftung mit Alkohol, Schlaf- und Schmerzmitteln oder mit Arzneimitteln zur

Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen (Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium-Präparate)

bei schwerer, krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis)

bei schwerer Beeinträchtigung der Atmung

bei kurzzeitigem Aussetzen der Atmung während des Schlafes (Schlafapnoe-Syndrom)

bei schweren Leberschäden, z. B. Gelbsucht mit Gallenstauung (cholestatischer Ikterus)

bei Neugeborenen und Säuglingen unter 6 Monaten

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

einnehmen,

bei Störungen des geordneten Zusammenwirkens von Muskelgruppen (spinale und zerebellare

Ataxien)

wenn bei Ihnen hirnorganische Veränderungen vorliegen

bei Kreislauf- und Atemschwäche

bei eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion

Bei längerer Einnahme werden Kontrollen des Blutbildes und der Leberfunktion empfohlen.

Wegen der ausgeprägten muskelerschlaffenden Wirkung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

insbesondere bei älteren Patienten Vorsicht (Sturzgefahr!) geboten.

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

sollte nicht gleichzeitig mit Alkohol und/oder Arzneimitteln mit

dämpfender Wirkung auf das zentrale Nervensystem eingenommen werden. Die gleichzeitige

Einnahme kann die Wirkung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

verstärken und möglicherweise zu

Bewusstlosigkeit und zu einer Abflachung der Herz-Kreislauffunktion und/oder der Atmung führen,

die eine Notfallbehandlung erfordern.

Toleranzentwicklung

Nach wiederholter Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

über wenige Wochen kann es zu

einem Verlust an Wirksamkeit kommen (durch Entwicklung einer Toleranz gegenüber dem

Beruhigungsmittel).

Abhängigkeitsentwicklung

Wie auch bei anderen Beruhigungsmitteln kann die Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

Entwicklung von körperlicher und seelischer Abhängigkeit führen. Das Risiko einer Abhängigkeit

steigt mit der Dosis und der Dauer der Behandlung, es besteht jedoch bereits bei vorschriftsmäßiger

Dosierung und kürzerer Behandlung.

Wenn bei Ihnen derzeit eine Abhängigkeit von Arzneimitteln mit dämpfender Wirkung auf das

zentrale Nervensystem oder von Alkohol besteht, sollten Sie, außer bei akuten Entzugsreaktionen,

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

nicht einnehmen.

Eine ununterbrochene, länger als 4 Wochen dauernde Einnahme sollte vermieden werden, da sie zur

Abhängigkeit führen kann.

Absetzen der Therapie/Entzugssymptome

Wenn sich eine körperliche Abhängigkeit entwickelt hat, treten beim plötzlichen Abbruch der

Behandlung Entzugserscheinungen auf. Diese können sich in Kopfschmerzen, Muskelschmerzen,

Angst- oder Spannungszuständen, innerer Unruhe, Schwitzen, Zittern, Schlafstörungen, vermehrtem

Träumen, Stimmungswechsel, Verwirrtheit und Reizbarkeit äußern.

In schweren Fällen können außerdem folgende Symptome auftreten: Wahrnehmungsstörungen in

Bezug auf die eigene Person oder die Umwelt (Depersonalisation, Derealisation), Überempfindlichkeit

gegenüber Licht, Geräuschen und körperlichem Kontakt, Taubheit und kribbelndes Gefühl in den

Armen und Beinen, Sinnestäuschungen oder epileptische Anfälle.

Auch beim Beenden einer kürzeren Behandlung mit

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

können durch

plötzliches Absetzen Angst-, Spannungs- und Erregungszustände vorübergehend verstärkt wieder

auftreten. Als Begleiterscheinungen sind Stimmungswechsel, Schlafstörungen und Unruhe möglich.

Deshalb wird empfohlen, die Behandlung durch schrittweise Verringerung der Dosis zu beenden.

Gedächtnisstörungen

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

kann zeitlich begrenzte Gedächtnislücken (anterograde Amnesien)

verursachen. Das bedeutet, dass Sie sich z. B. an Handlungen, die Sie nach der Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

ausgeführt haben, später nicht mehr erinnern können. Dieses Risiko

steigt mit der Höhe der Dosierung und kann durch eine ausreichend lange ununterbrochene

Schlafdauer (7-8 Stunden) verringert werden.

Psychische und „paradoxe“ Reaktionen

Bei der Anwendung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

kann es, insbesondere bei älteren Patienten

oder Kindern, zu Sinnestäuschungen sowie zu einer Wirkungsumkehr (sogenannten „paradoxen

Reaktionen“ wie Unruhe, Reizbarkeit, aggressivem Verhalten, Albträumen, Sinnestäuschungen,

Wahnvorstellungen, unangemessenem Verhalten und anderen Verhaltensstörungen) kommen (siehe 4.

„Welche Nebenwirkungen sind möglich?“). In solchen Fällen sollte die Behandlung mit

Diazepam-

ratiopharm

®

10 mg

beendet werden.

Psychosen

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

wird nicht zur Erstbehandlung geistig-seelischer Störungen

(Psychosen) empfohlen.

Depressionen

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

sollte nicht allein zur Behandlung von Depressionen oder

Angstzuständen, die mit Depressionen verbunden auftreten, angewendet werden. Unter Umständen

kann das Krankheitsbild der Depression verstärkt werden, wenn keine geeignete Behandlung der

Grunderkrankung mit entsprechenden Arzneimitteln (Antidepressiva) erfolgt (Selbstmordgefahr).

Kinder und Jugendliche

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

darf nicht angewendet werden bei Neugeborenen und Säuglingen bis

zum Alter von 6 Monaten (siehe unter „

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

darf nicht eingenommen

werden“).

Eine Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

sollte nur bei

zwingendem Grund erfolgen.

Ältere und geschwächte Patienten

Bei älteren oder geschwächten Patienten wird eine niedrigere Dosis empfohlen. Bei älteren Patienten

ist wegen der Sturzgefahr, insbesondere bei nächtlichem Aufstehen, Vorsicht geboten (siehe 3. unter

„Besondere Patientengruppen“).

Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion ist Vorsicht geboten. Ihr Arzt wird Ihre

Dosierung anpassen (siehe 3. unter „Besondere Patientengruppen“).

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

darf nicht angewendet werden von Patienten mit schweren

Leberschäden (siehe unter „

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

darf nicht eingenommen werden“).

Einnahme von Diazepam-ratiopharm

®

10 mg zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden,

kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Bei Anwendung mit folgenden Arzneimitteln kann es zu einer gegenseitigen Verstärkung der Wirkung

und möglicherweise zu einer Verstärkung von Nebenwirkungen kommen:

Schlaf-, Beruhigungs-, Schmerz- und Narkosemittel

Arzneimittel zur Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen (Neuroleptika, Antidepressiva,

Lithium-Präparate)

Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle

angstlösende Arzneimittel (Anxiolytika)

bestimmte Arzneimittel gegen Allergien (sedierende Antihistaminika)

Arzneimittel zur Behandlung einer bestimmten Form der Narkolepsie (Natriumoxybat)

bestimmte Arzneimittel zur Behandlung von HIV (HIV-Protease Inhibitoren)

Bei Anwendung mit folgenden Arzneimitteln kann die Wirkung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

verlängert und verstärkt werden:

Cimetidin oder Omeprazol (Arzneimittel zur Behandlung von z. B. Magengeschwüren)

Disulfiram (Arzneimittel zur Alkoholentzugsbehandlung)

Ketoconazol (Arzneimittel zur Behandlung von Pilzerkrankungen)

Fluvoxamin und Fluoxetin (Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen)

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

kann die Wirkung und möglicherweise die Nebenwirkungen folgender

Arzneimittel verstärken:

Schmerzmittel vom Opiat-Typ (Es kann zu einer Verstärkung der stimmungshebenden Wirkung

und damit zu beschleunigter Abhängigkeitsentwicklung kommen)

Arzneimittel, die die Muskelspannung herabsetzen (Muskelrelaxanzien) (Insbesondere bei

älteren Patienten und bei höherer Dosierung kann es zu erhöhter Sturzgefahr kommen)

Theophyllin (Arzneimittel zur Behandlung von z. B. Asthma)

Theophyllin hebt in niedriger Dosierung die durch

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

bewirkte

Beruhigung auf.

Levodopa (Arzneimittel zur Behandlung der Parkinson’schen Krankheit)

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

kann die Wirkung von Levodopa hemmen.

Phenytoin und Phenobarbital (Arzneimittel zur Behandlung epileptischer Anfälle)

In seltenen Fällen kann durch

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

der Abbau von Phenytoin im Körper

gehemmt und dessen Wirkung verstärkt werden. Phenobarbital und Phenytoin können den Abbau von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

beschleunigen.

Andere Arzneimittel

Bei Patienten, die unter Dauerbehandlung mit anderen Arzneimitteln stehen, wie z. B. bestimmte

Arzneimittel gegen zu hohen Blutdruck (zentral wirksame Antihypertonika, Beta-Rezeptorenblocker),

blutgerinnungshemmende Arzneimittel und Arzneimittel zur Stärkung der Herzkraft

(Antikoagulanzien, herzwirksame Glykoside) sind Art und Umfang von Wechselwirkungen nicht

vorhersehbar. Daher ist bei gleichzeitiger Einnahme des Präparates, insbesondere zu Beginn der

Behandlung, besondere Vorsicht geboten. Teilen Sie Ihrem behandelnden Arzt mit, wenn Sie solche

Dauerbehandlungen erhalten.

Die gleichzeitige Anwendung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

und Opioiden (starke Schmerzmittel,

Arzneimittel zur Substitutionstherapie und einige Hustenmittel) erhöht das Risiko von Schläfrigkeit,

Atembeschwerden (Atemdepression), Koma und kann lebensbedrohlich sein. Aus diesem Grund sollte

die gleichzeitige Anwendung nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen

Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Wenn Ihr Arzt jedoch

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

zusammen mit Opioiden verschreibt, sollten die

Dosis und die Dauer der begleitenden Behandlung von Ihrem Arzt begrenzt werden.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt über alle opiodhaltigen Arzneimittel, die Sie einnehmen, und halten

Sie sich genau an die Dosierungsempfehlung Ihres Arztes. Es könnte hilfreich sein, Freunde oder

Verwandte darüber zu informieren, bei Ihnen auf die oben genannten Anzeichen und Symptome zu

achten. Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn solche Symptome bei Ihnen auftreten.

Bei Rauchern kann die Ausscheidung von Diazepam

beschleunigt werden.

Aufgrund langsamer Ausscheidung von Diazepam

aus dem Körper müssen Sie auch nach Beenden der

Behandlung mit

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

noch mit möglichen Wechselwirkungen rechnen.

Einnahme von Diazepam-ratiopharm

®

10 mg zusammen mit Alkohol

Meiden Sie während der Behandlung mit

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

den Konsum von Alkohol, da

durch Alkohol die Wirkung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

in nicht vorhersehbarer Weise

verändert und verstärkt wird.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt um Rat.

In der Schwangerschaft sollten Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

nur in Ausnahmefällen aus

zwingenden Gründen anwenden. Wenn Sie während der Behandlung mit

Diazepam-ratiopharm

®

10

mg

schwanger werden oder vermuten, dass Sie schwanger sind, teilen Sie dies bitte umgehend Ihrem

Arzt mit.

Eine längerfristige Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

in der Schwangerschaft kann zu

Entzugserscheinungen beim Neugeborenen führen. Die Verabreichung größerer Dosen vor oder

während der Geburt kann beim Säugling eine erniedrigte Körpertemperatur, erniedrigten Blutdruck,

Atemdämpfung, herabgesetzte Muskelspannung und Trinkschwäche (sog. „Floppy-Infant-Syndrom“)

hervorrufen.

Während der Stillzeit sollten Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

nicht anwenden, da Diazepam, der

Wirkstoff in

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg,

und seine Abbauprodukte in die Muttermilch übergehen.

Ist die Behandlung unausweichlich, sollte abgestillt werden.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit

verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von

Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Daher sollten Sie das Führen von Fahrzeugen, die Bedienung von Maschinen oder sonstige

gefahrvolle Tätigkeiten ganz, zumindest jedoch während der ersten Tage der Behandlung unterlassen.

Die Entscheidung in jedem Einzelfall trifft der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der

individuellen Reaktion und der jeweiligen Dosierung.

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg enthält Lactose

Bitte nehmen Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn

Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Zuckerunverträglichkeit leiden.

3.

Wie ist Diazepam-ratiopharm

®

10 mg einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei

Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die Dosierung richtet sich nach der individuellen Reaktionslage, Alter und Gewicht des Patienten

sowie Art und Schwere der Krankheit. Hierbei gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die

Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten.

Die empfohlene Dosis beträgt:

Behandlungsbedürftige Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände

Behandlung außerhalb des Krankenhauses

Erwachsene und Jugendliche über 14 Jahre nehmen zu Beginn der Behandlung 1-mal täglich ½

Tablette (entsprechend 5 mg Diazepam pro Tag) ein. Wenn bei dieser Dosierung die gewünschten

Wirkungen nicht erzielt werden können, kann die Dosis vom Arzt auf 2-mal täglich ½ Tablette oder 1-

mal täglich 1 Tablette (entsprechend 10 mg Diazepam pro Tag) gesteigert werden. Höhere

Dosierungen sind nur in seltenen Fällen notwendig (z. B. psychiatrische und neurologische

Erkrankungen) und erfolgen in der Regel nur im Krankenhaus.

Stationäre Behandlung

Bei schweren Spannungs-, Erregungs-, Angst- und Unruhezuständen kann die Dosis schrittweise auf

3- bis 6-mal täglich 1 Tablette (entsprechend 30-60 mg Diazepam pro Tag) gesteigert werden.

Behandlung von Zuständen mit erhöhter Muskelspannung

Nehmen Sie zu Beginn der Behandlung 2- bis 4-mal täglich ½ Tablette (entsprechend 10-20 mg

Diazepam pro Tag) ein.

Zur Fortsetzung der Behandlung genügt 1- bis 2-mal täglich ½ Tablette (entsprechend 5-10 mg

Diazepam pro Tag).

Zur Beruhigung und Operationsvorbereitung in Anästhesiologie und Chirurgie bzw. danach

(Prämedikation/postoperative Medikation)

Am Vorabend der Operation

Erwachsene erhalten 1-2 Tabletten (entsprechend 10-20 mg Diazepam).

Nach der Operation

Erwachsene erhalten ½-1 Tablette (entsprechend 5-10 mg Diazepam), ggf. ist eine Wiederholung

möglich.

Besondere Patientengruppen

Ältere oder geschwächte Patienten sowie Patienten mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf-

und Atemschwäche sowie eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion sowie Kinder über 7 Jahre und

Jugendliche bis 14 Jahre erhalten in der Regel die Hälfte der oben angegebenen Tagesdosierung, d. h.

anfangs ¼ Tablette bis maximal ½ Tablette pro Tag (entsprechend 2,5-5 mg Diazepam). Hierfür

stehen gegebenenfalls niedriger dosierbare Darreichungsformen zur Verfügung.

Art der Anwendung

Nehmen Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein. Die Tabletten

sind teilbar.

Bei ambulanter Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sollten Sie

Diazepam-

ratiopharm

®

10 mg

hauptsächlich abends einnehmen.

Abends sollten Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

ca. ½ Stunde vor dem Schlafengehen und nicht auf

vollen Magen einnehmen, da sonst mit verzögertem Wirkungseintritt und - abhängig von der

Schlafdauer - mit verstärkten Nachwirkungen (z. B. Müdigkeit, Konzentrationsstörungen) am

nächsten Morgen gerechnet werden muss.

Bei der stationären Behandlung von Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sowie bei der

Behandlung von Zuständen mit erhöhter Muskelspannung sollten Sie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

über den Tag verteilt unabhängig von den Mahlzeiten einnehmen.

Dauer der Anwendung

Über die Dauer der Einnahme entscheidet der Arzt je nach Art und Schwere des Krankheitsbildes.

Bei akuten Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen sollten Sie die Einnahme von

Diazepam-

ratiopharm

®

10 mg

auf einzelne Gaben oder wenige Tage beschränken.

Bei chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen richtet sich die Dauer der Einnahme

nach dem Verlauf. Nach 2-wöchiger täglicher Einnahme sollte vom Arzt durch eine schrittweise

Verringerung der Dosis geklärt werden, ob eine weitere Behandlung mit

Diazepam-ratiopharm

®

10

mg

angezeigt ist. Jedoch sollten Sie auch bei chronischen Spannungs-, Erregungs- und

Angstzuständen

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

nicht länger als 4 Wochen anwenden.

Bei längerer Anwendungsdauer (länger als 1 Woche) sollte beim Absetzen von

Diazepam-

ratiopharm

®

10 mg

die Dosis schrittweise verringert werden. Hierbei müssen Sie mit dem Auftreten

möglicher Absetzphänomene rechnen (siehe 2. unter „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).

Zur Vorbereitung von chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen sowie zur Behandlung von

Zuständen mit erhöhter Muskelspannung wird das Arzneimittel im Allgemeinen kurzfristiger

angewendet.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von Diazepam-ratiopharm

®

10 mg eingenommen haben, als Sie

sollten

Im Falle einer Überdosierung oder Vergiftung mit

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

ist in jedem Fall

unverzüglich ein Arzt um Rat zu fragen. Bei jeder Beurteilung einer Vergiftung sollte an das

Vorliegen einer Mehrfach-Vergiftung durch mögliche Einnahme/Anwendung mehrerer Arzneimittel

gedacht werden.

Die Symptome einer Überdosierung treten verstärkt unter dem Einfluss von Alkohol und anderen auf

das Gehirn dämpfend wirkenden Arzneimitteln auf.

Symptome einer Überdosierung und erforderliche Maßnahmen

Symptome leichter Überdosierung können z. B. Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Gang- und

Bewegungsstörungen, undeutliches Sprechen, Blutdruckabfall, Muskelschwäche sein. Treten solche

Krankheitszeichen in Erscheinung, ist umgehend ein Arzt zu informieren, der über den Schweregrad

und die gegebenenfalls erforderlichen weiteren Maßnahmen entscheidet.

In Fällen hochgradiger Vergiftung kann es zu einer zentralen Verminderung der Herz-Kreislauf- und

Atemfunktionen mit blau-roter Färbung von Haut und Schleimhaut, Bewusstlosigkeit bis hin zum

Atemstillstand oder Herzstillstand kommen. In solchen Fällen ist eine Intensivüberwachung

notwendig!

In der Abklingphase können hochgradige Erregungszustände vorkommen.

Wenn Sie die Einnahme von Diazepam-ratiopharm

®

10 mg vergessen haben

Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben.

Nehmen Sie zum nächsten vorgesehenen Zeitpunkt die verordnete Dosis ein.

Wenn Sie die Einnahme von Diazepam-ratiopharm

®

10 mg abbrechen

Sollten Sie die Behandlung unterbrechen wollen, besprechen Sie dies vorher mit Ihrem Arzt. Beenden

Sie nicht eigenmächtig ohne ärztliche Beratung die medikamentöse Behandlung. Sie können damit

den Therapieerfolg gefährden.

Durch plötzliches Absetzen des Arzneimittels nach längerer täglicher Einnahme können nach ca. 2-4

Tagen Schlaflosigkeit und vermehrtes Träumen auftreten. Angst, Spannungszustände sowie Erregung

und innere Unruhe können sich verstärkt wieder einstellen. Das Erscheinungsbild kann sich in Zittern

und Schwitzen äußern und sich bis zu bedrohlichen körperlichen (z. B. Krampfanfälle) und seelischen

Reaktionen wie symptomatischen Psychosen (z. B. Entzugsdelir) steigern. Deshalb sollte die

Behandlung durch schrittweise Verringerung der Dosis beendet werden.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt

oder Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Nebenwirkungen von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

sind häufig - abhängig von Ihrer persönlichen

Empfindlichkeit und der eingenommenen Dosis - unterschiedlich stark ausgeprägt und treten vor

allem zu Beginn der Behandlung auf. Sie können durch sorgfältige und individuelle Einstellung der

Tagesdosis oft vermindert oder vermieden werden bzw. verringern sich im Laufe der Behandlung.

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Personen betreffen)

Unerwünscht starke Beruhigung am Tage sowie Müdigkeit (Schläfrigkeit, Mattigkeit,

Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit). Am Morgen nach der abendlichen Verabreichung

können Konzentrationsstörungen und Restmüdigkeit die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Schwindelgefühl, Gang- und Bewegungsstörungen

Kopfschmerzen, Verwirrtheit

Zeitlich begrenzte Gedächtnislücken (anterograde Amnesie) (siehe 2. unter „Warnhinweise und

Vorsichtsmaßnahmen“)

Selten

(kann bis zu 1 von 1.000 Personen betreffen)

Appetitzunahme

Niedergeschlagenheit (Depression). Bei Patienten mit vorbestehender depressiver Erkrankung

können depressive Verstimmungen verstärkt werden.

Änderung des sexuellen Bedürfnisses (Zu- oder Abnahme der Libido)

Verlangsamung des Herzschlages

erniedrigter Blutdruck, Veränderung des Pulsschlags

Stimmritzenkrampf, Brustschmerzen, Atemdämpfung einschließlich Atemstillstand. Die

atemdämpfende Wirkung kann bei bestehender Atemnot durch verengte Atemwege und bei

Patienten mit Hirnschädigungen verstärkt in Erscheinung treten. Dies ist besonders bei

gleichzeitiger Anwendung mit anderen auf das Gehirn wirkende Arzneimittel zu beachten.

Übelkeit, Erbrechen, Oberbauchbeschwerden, Verstopfung, Durchfall, Mundtrockenheit

Gelbsucht

Allergische Hautreaktionen (wie z. B. Juckreiz, Nesselsucht, Hautausschlag)

Harnverhaltung

Störungen der Regelblutung bei Frauen

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Zittern

Vermehrter Speichelfluss

Drehschwindel (Vertigo)

Muskelschwäche

Inkontinenz

Erhöhte Werte für bestimmte Enzyme (Transaminasen und alkalische Phosphatase)

Herzrhythmusstörungen, Herzversagen einschließlich Herzstillstand

Sturzgefahr (insbesondere bei älteren Patienten oder wenn Diazepam nicht nach Vorschrift

eingenommen wurde)

Bei mehrtägiger Verabreichung des Arzneimittels in sehr hoher Dosierung kann es zu kolikartigen

Bauchschmerzen und Durchfall kommen.

Bei älteren Patienten wurde unter Benzodiazepin-Behandlung ein erhöhtes Risiko für Stürze und

Knochenbrüche beobachtet.

In hoher Dosierung und bei längerer Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

können

vorübergehende Störungen wie verlangsamtes oder undeutliches Sprechen, Sehstörungen

(Doppelbilder, verschwommenes Sehen, Augenzittern), Bewegungs- und Gangunsicherheit auftreten.

Die Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

kann zu Abhängigkeit führen. Bereits bei täglicher

Einnahme über wenige Wochen besteht die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung (siehe 2. unter

„Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).

Bei längerer oder wiederholter Einnahme von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

kann es zur Abnahme der

Wirkung (sog. Toleranzentwicklung) kommen (siehe 2. unter „Warnhinweise und

Vorsichtsmaßnahmen“).

Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass Sinnesstörungen (Halluzinationen) auftreten oder eine

Wirkungsumkehr („paradoxe Reaktionen“) eintritt, wie z. B. akute Erregungszustände, Erregbarkeit,

Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Unruhe, Nervosität, Feindseligkeit, Angstzustände, Suizidalität

(Selbstmordneigung), Schlafstörungen, Wutanfälle, vermehrte Muskelkrämpfe, Albträume und

lebhafte Träume (siehe 2. unter „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).

Bei Beenden der Behandlung können Absetzerscheinungen in Form von wiederkehrenden Angst-,

Erregungs- und Spannungszuständen bzw. Entzugssymptomen auftreten (siehe 2. unter

„Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).

Gegenmaßnahmen

Sollten Sie eine oder mehrere der oben genannten Nebenwirkungen bei sich beobachten,

benachrichtigen Sie Ihren Arzt, damit er über den Schweregrad und die gegebenenfalls erforderlichen

weiteren Maßnahmen entscheiden kann. Nebenwirkungen bilden sich im Allgemeinen nach

Verringerung der Dosis zurück und lassen sich in der Regel durch sorgfältige und individuelle

Einstellung der Tagesdosen vermeiden.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch

für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können

Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt.

Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzeigen.

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Diazepam-ratiopharm

®

10 mg aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und den Blisterpackungen nach

„Verwendbar bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich

auf den letzten Tag des angegebenen Monats.

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Diazepam-ratiopharm

®

10 mg enthält

Der Wirkstoff ist Diazepam. Jede Tablette enthält 10 mg Diazepam.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Cellulosepulver, Copovidon, Talkum, Hochdisperses

Siliciumdioxid, Magnesiumstearat.

Wie Diazepam-ratiopharm

®

10 mg aussieht und Inhalt der Packung

Weiße, runde, gewölbte Tablette mit Kreuzbruchkerbe auf der einen Seite.

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

ist in Packungen mit 10, 20 und 50 Tabletten erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

Hersteller

Merckle GmbH

Ludwig-Merckle-Str. 3

89143 Blaubeuren

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im April 2018

__________________________________________________________________________________

Zur Beachtung durch den Patienten!

Dieses Arzneimittel enthält einen Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine!

Benzodiazepine sind Arzneimittel zur Behandlung von Krankheitszuständen, die mit Unruhe- und

Angstzuständen, innerer Spannung oder Schlaflosigkeit einhergehen. Darüber hinaus werden

Benzodiazepine zur Behandlung von Epilepsie und bestimmten Muskelverspannungen angewendet.

Nicht alle Angst- oder Schlafstörungen bedürfen der Behandlung mit einem Arzneimittel. Oftmals

sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer Erkrankungen oder anderer Konflikte und können

durch andersartige Maßnahmen oder eine Behandlung der Grunderkrankung beeinflusst werden.

Benzodiazepine beseitigen nicht die Ursache der Störung. Sie vermindern den Leidensdruck und

können darüber hinaus eine wichtige Hilfe sein, um z. B. den Zugang zu einer weiterführenden

Behandlung und die entsprechende Problemverarbeitung zu erleichtern.

Bei der Anwendung von Benzodiazepin-haltigen Arzneimitteln kann es zur Entwicklung einer

körperlichen und psychischen Abhängigkeit kommen.

Um dieses Risiko so gering wie möglich zu halten, wird Ihnen geraten, die folgenden Hinweise genau

zu beachten:

Benzodiazepine sind ausschließlich zur Behandlung krankhafter Zustände geeignet und dürfen

nur nach ärztlicher Anweisung eingenommen werden.

Wenn Sie derzeit oder früher einmal abhängig von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen sind

bzw. waren, dürfen Sie Benzodiazepine nicht einnehmen; seltene, nur vom Arzt zu beurteilende

Situationen ausgenommen. Machen Sie Ihren Arzt auf diesen Umstand aufmerksam.

Eine unkontrollierte, längerfristige Einnahme muss vermieden werden, da sie zu einer

Medikamentenabhängigkeit führen kann. Bei Beginn der Therapie ist mit dem behandelnden

Arzt ein Folgetermin zu vereinbaren, damit dieser über die Weiterbehandlung entscheiden kann.

Bei einer Einnahme ohne ärztliche Anweisung verringert sich die Chance, Ihnen durch ärztliche

Verordnung mit diesen Arzneimitteln zu helfen.

Erhöhen Sie auf keinen Fall die vom Arzt vorgeschriebene Dosis und verringern Sie auf keinen

Fall die Zeitabstände zwischen den einzelnen Einnahmen, auch dann nicht, wenn die Wirkung

nachlässt. Dies kann ein erstes Zeichen einer entstehenden Abhängigkeit sein. Durch

eigenmächtige Änderung der vom Arzt verordneten Dosis wird die gezielte Behandlung

erschwert.

Benzodiazepine dürfen nie abrupt abgesetzt werden, sondern nur im Rahmen einer schrittweisen

Dosisreduktion (Ausschleichen). Bei Absetzen nach längerem Gebrauch können – oft mit

Verzögerungen von einigen Tagen – Unruhe, Angstzustände, Schlaflosigkeit, Krampfanfälle

und Halluzinationen auftreten. Diese Absetzerscheinungen verschwinden nach einigen Tagen

bis Wochen. Sprechen Sie darüber nötigenfalls mit Ihrem Arzt.

Nehmen Sie Benzodiazepine nie von anderen entgegen, und nehmen Sie diese nicht ein, weil sie

„anderen so gut geholfen haben“. Geben Sie diese Arzneimittel auch nie an andere weiter.

Versionscode: Z05

FACHINFORMATION

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg Tabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Jede Tablette enthält 10 mg Diazepam.

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Lactose

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Tablette

Weiße, runde, gewölbte Tablette mit Kreuzbruchkerbe auf der einen Seite.

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und

Angstzuständen.

Der Einsatz von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

als Schlafmittel ist nur dann gerechtfertigt, wenn

gleichzeitig die Diazepam-Wirkungen am Tage erwünscht sind.

Hinweis:

Nicht alle Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände oder Schlafstörungen bedürfen einer

medikamentösen Therapie. Oftmals sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer Erkrankungen und

können durch andere Maßnahmen oder durch eine Therapie der Grundkrankheit beeinflusst werden.

Zur Prämedikation vor chirurgischen oder diagnostischen Eingriffen/postoperative Medikation.

Zur Behandlung von Zuständen mit erhöhtem Muskeltonus.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach der individuellen Reaktionslage, Alter und Gewicht des Patienten

sowie Art und Schwere der Krankheit. Hierbei gilt der Grundsatz, die Dosis so gering und die

Behandlungsdauer so kurz wie möglich zu halten.

Soweit nicht anders verordnet, gelten folgende Dosierungsempfehlungen:

Behandlungsbedürftige Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände

Ambulante Therapie

In der Regel sollte die Behandlung mit ½ Tablette pro Tag (entsprechend 5 mg Diazepam), in 1-2

Gaben (z. B. morgens und/oder abends), begonnen werden. Können bei dieser Dosierung die

gewünschten Wirkungen nicht erzielt werden, so kann die Dosis auf bis 1 Tablette (entsprechend 10

mg Diazepam), verteilt auf 1-2 (evtl. mehrere) Gaben, gesteigert werden.

Der Schwerpunkt der Behandlung ist auf den Abend zu legen.

Höhere Dosierungen sind nur in seltenen Fällen notwendig (z. B. psychiatrische oder neurologische

Erkrankungen) und sollten in der Regel nur stationär verabreicht werden.

Stationäre Behandlung

Bei schweren Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen kann die Dosis schrittweise auf 3- bis 6-

mal täglich 1 Tablette (entsprechend 30-60 mg Diazepam pro Tag) gesteigert werden.

Behandlung von Zuständen mit erhöhtem Muskeltonus

Zur Anfangsbehandlung erhalten Erwachsene 2- bis 4-mal täglich ½ Tablette (entsprechend 10-20 mg

Diazepam pro Tag). Zur Fortsetzung der Behandlung werden 1- bis 2-mal täglich ½ Tablette

(entsprechend 5-10 mg Diazepam pro Tag) eingenommen.

Prämedikation für diagnostische oder chirurgische Eingriffe in Anästhesiologie und

Chirurgie/postoperative Medikation

Am Vorabend der Operation

Erwachsene erhalten 1-2 Tabletten (entsprechend 10-20 mg Diazepam).

Nach der Operation

Erwachsene erhalten ½-1 Tablette (entsprechend 5-10 mg Diazepam), ggf. ist Wiederholung möglich.

Besondere Patientengruppen

Ältere oder geschwächte Patienten sowie Patienten mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf-

und Ateminsuffizienz sowie eingeschränkter Leber- und Nierenfunktion sowie Kinder über 7 Jahre

und Jugendliche bis 14 Jahre erhalten in der Regel die Hälfte der oben angegebenen Tagesdosierung,

d. h. anfangs ¼ Tablette pro Tag (entsprechend 2,5 mg Diazepam) bis maximal ½ Tablette

(entsprechend 5 mg Diazepam) (siehe Abschnitt 4.4). Hierfür stehen gegebenenfalls niedriger

dosierbare Darreichungsformen zur Verfügung.

Art der Anwendung

Die Tabletten sind teilbar.

Die Tabletten werden tagsüber, unabhängig von den Mahlzeiten, unzerkaut mit ausreichend

Flüssigkeit eingenommen.

Abends sollte die Einnahme ca. ½ Stunde vor dem Schlafengehen und nicht auf vollen Magen

erfolgen, da sonst mit verzögertem Wirkungseintritt und - abhängig von der Schlafdauer - mit

verstärkten Nachwirkungen am nächsten Morgen gerechnet werden muss.

Bei akuten Krankheitsbildern ist die Anwendung von Diazepam auf Einzelgaben oder wenige Tage zu

beschränken.

Dauer der Anwendung

Bei chronischen Krankheitsbildern richtet sich die Dauer der Anwendung nach dem Verlauf. Nach 2-

wöchiger täglicher Einnahme sollte vom Arzt durch eine schrittweise Verringerung der Dosis geklärt

werden, ob eine weitere Behandlung mit Diazepam angezeigt ist. Jedoch sollte die Behandlungsdauer

4 Wochen nicht überschreiten.

Bei einer Langzeittherapie werden Kontrollen des Blutbildes und der Leberfunktion empfohlen.

Bei längerer Anwendungsdauer (länger als 1 Woche) sollte beim Absetzen von Diazepam die Dosis

schrittweise reduziert werden. Hierbei ist das vorübergehende Auftreten möglicher Absetzphänomene

zu berücksichtigen (siehe Abschnitt 4.4 und 4.8).

Zur Vorbereitung von chirurgischen und diagnostischen Eingriffen sowie zur Behandlung von

Zuständen mit erhöhtem Muskeltonus wird Diazepam im Allgemeinen kurzfristiger angewendet.

4.3

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen Diazepam, andere Benzodiazepine oder einen der in Abschnitt 6.1

genannten sonstigen Bestandteile

Abhängigkeitsanamnese (Alkohol, Arzneimittel, Drogen)

akute Alkohol-, Schlafmittel-, Schmerzmittel- sowie Psychopharmakaintoxikation

(Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium)

Myasthenia gravis

schwere Ateminsuffizienz

Schlafapnoe-Syndrom

schwere Leberinsuffizienz

Neugeborene und Säuglinge bis zum Alter von 6 Monaten

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Risiken durch eine gleichzeitige Anwendung mit Opioiden:

Die gleichzeitige Anwendung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

und Opioiden kann zu Sedierung,

Atemdepression, Koma und Tod führen. Aufgrund dieser Risiken ist die gleichzeitige Verschreibung

von sedierenden Arzneimitteln wie Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel wie

Diazepam-

ratiopharm

®

10 mg

zusammen mit Opioiden nur bei den Patienten angebracht, für die es keine

alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wenn dennoch eine gleichzeitige Verschreibung von

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

zusammen mit Opioiden für notwendig erachtet wird, sollte die

niedrigste wirksame Dosis verwendet werden und die Behandlungsdauer sollte so kurz wie möglich

sein (siehe auch allgemeine Dosierungsempfehlung in Abschnitt 4.2).

Die Patienten sollten engmaschig auf Anzeichen und Symptome von Atemdepression und Sedierung

überwacht werden. In diesem Zusammenhang wird dringend empfohlen, Patienten und deren

Bezugspersonen (falls zutreffend) über diese Symptome zu informieren (siehe Abschnitt 4.5).

Bei zerebellaren und spinalen Ataxien darf

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

nur unter besonderer

Vorsicht eingenommen werden.

Kinder und Jugendliche

Eine Therapie von Kindern und Jugendlichen mit

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

sollte nur bei

zwingender Indikation erfolgen (siehe Abschnitt 4.2).

Zu Beginn der Therapie sollte die individuelle Reaktion des Patienten auf das Arzneimittel kontrolliert

werden, um eventuelle relative Überdosierungen aufgrund von Akkumulation möglichst schnell

erkennen zu können. Dies gilt insbesondere für ältere und geschwächte Patienten, Kinder und

Jugendliche sowie für Patienten mit hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf- und Ateminsuffizienz

sowie eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion. Weiterhin sollten den Patienten unter

Berücksichtigung der spezifischen Lebenssituation (z. B. Berufstätigkeit) genaue

Verhaltensanweisungen für den Alltag gegeben werden.

Nach ambulanter Anwendung zu diagnostischen Zwecken sollte der Patient erst nach 1 Stunde und nur

in Begleitung nach Hause entlassen werden. Weiterhin ist der Patient anzuweisen, keinen Alkohol

einzunehmen.

Diazepam sollte nicht gleichzeitig mit Alkohol und/oder Arzneimitteln mit dämpfender Wirkung auf

das zentrale Nervensystem eingenommen werden. Die gleichzeitige Einnahme kann die Wirkungen

von Diazepam verstärken und möglicherweise zu tiefer Sedierung und klinisch relevanter Herz-

Kreislauf- und/oder Atemdepression führen (siehe Abschnitt 4.5)

Bei älteren Patienten ist wegen der Sturzgefahr, insbesondere bei nächtlichem Aufstehen, Vorsicht

geboten.

Risikopatienten

Benzodiazepine werden nicht zur primären Behandlung von Psychosen empfohlen.

Benzodiazepine sollten nicht zur alleinigen Behandlung von Depressionen oder Angstzuständen, die

von Depressionen begleitet sind, angewendet werden. Unter Umständen kann die depressive

Symptomatik verstärkt werden, wenn keine geeignete Behandlung der Grunderkrankung mit

Antidepressiva erfolgt (Suizidgefahr).

Bei älteren und geschwächten Patienten sowie Patienten mit eingeschränkter Leber- und

Nierenfunktion ist – wie allgemein üblich – Vorsicht geboten und gegebenenfalls die Dosierung zu

verringern (siehe Abschnitt 4.2).

Eine niedrigere Dosis wird auch für Patienten mit chronischer Ateminsuffizienz aufgrund des Risikos

einer Atemdepression empfohlen (siehe Abschnitt 4.2).

Patienten mit schweren Leberfunktionsstörungen dürfen nicht mit Benzodiazepinen behandelt werden,

da bei ihnen die Gefahr einer Enzephalopathie besteht (siehe Abschnitt 4.3).

Patienten mit Abhängigkeit von Arzneimitteln mit dämpfender Wirkung auf das zentrale

Nervensystem einschließlich Alkohol sollten, außer bei akuten Entzugsreaktionen, nicht mit Diazepam

behandelt werden.

Toleranzentwicklung

Nach wiederholter Einnahme von Benzodiazepinen über wenige Wochen kann es zu einem Verlust an

Wirksamkeit (Toleranz) kommen.

Abhängigkeitsentwicklung

Die Anwendung von Benzodiazepinen kann zur Entwicklung von psychischer und physischer

Abhängigkeit führen. Dies gilt nicht nur für die missbräuchliche Anwendung besonders hoher Dosen,

sondern auch bereits für den therapeutischen Dosierungsbereich. Das Risiko einer Abhängigkeit steigt

mit der Dosis und der Dauer der Behandlung. Auch bei Patienten mit Alkohol-, Arzneimittel- oder

Drogenabhängigkeit in der Anamnese ist dieses Risiko erhöht.

Eine ununterbrochene, länger als 4 Wochen dauernde Einnahme sollte vermieden werden, da sie zur

Abhängigkeit führen kann.

Wenn sich eine körperliche Abhängigkeit entwickelt hat, treten bei plötzlichem Abbruch der

Behandlung Entzugssymptome auf (siehe unten).

Absetzerscheinungen/Entzugssymptome

Insbesondere beim Beenden einer längeren Behandlung kann es zu Entzugssymptomen kommen.

Diese können sich in Schlafstörungen, vermehrtem Träumen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen,

Angst, Spannungszuständen, innerer Unruhe, Schwitzen, Zittern, Stimmungswechsel, Verwirrtheit und

Reizbarkeit äußern. In schweren Fällen können außerdem folgende Symptome auftreten:

Verwirrtheitszustände, Depersonalisation, Derealisation, Überempfindlichkeit gegenüber Licht,

Geräuschen und körperlichem Kontakt, Taubheit und Parästhesien in den Extremitäten, epileptische

Anfälle, Halluzinationen und symptomatische Psychosen (z. B. Entzugsdelir).

Auch beim plötzlichen Beenden einer kürzeren Behandlung kann es vorübergehend zu

Absetzerscheinungen (Rebound-Phänomenen) kommen, wobei die Symptome, die zu einer

Behandlung mit Diazepam führten, in verstärkter Form wieder auftreten können. Als

Begleitreaktionen sind Stimmungswechsel, Angstzustände und Unruhe möglich.

Da das Risiko von Entzugs- bzw. Absetzphänomenen nach plötzlichem Beenden der Therapie höher

ist, wird empfohlen, die Behandlung durch schrittweise Reduktion der Dosis zu beenden.

Es ist angebracht, den Patienten zu Beginn der Therapie über die begrenzte Dauer der Behandlung zu

informieren und ihm die allmähliche Verringerung der Dosis genau zu erklären. Darüber hinaus ist es

wichtig, dass dem Patienten die Möglichkeit von Rebound-Phänomenen bewusst ist, wodurch die

Angst vor solchen Symptomen - falls sie beim Absetzen des Arzneimittels auftreten sollten -

verringert werden kann.

Amnesie

Benzodiazepine können anterograde Amnesien verursachen. Das bedeutet, dass (meist einige Stunden)

nach Arzneimitteleinnahme unter Umständen Handlungen ausgeführt werden, an die sich der Patient

später nicht erinnern kann.

Dieses Risiko steigt mit der Höhe der Dosierung und kann durch eine ausreichend lange,

ununterbrochene Schlafdauer (7-8 Stunden) verringert werden.

Psychische und „paradoxe" Reaktionen

Bei der Anwendung von Benzodiazepinen kann es, insbesondere bei älteren Patienten oder Kindern,

zu psychischen sowie sogenannten „paradoxen“ Reaktionen kommen (siehe Abschnitt 4.8). In solchen

Fällen sollte die Behandlung mit diesem Präparat beendet werden.

Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-

Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Opioide:

Die gleichzeitige Anwendung von sedierenden Arzneimitteln wie Benzodiazepine oder verwandte

Arzneimitteln wie

Diazepam-ratiopharm

®

10 mg

mit Opioiden erhöht das Risiko für Sedierung,

Atemdepression, Koma und Tod aufgrund einer additiven ZNS-dämpfenden Wirkung. Die Dosierung

und Dauer der gleichzeitigen Anwendung sollten begrenzt werden (siehe Abschnitt 4.4).

Der oxidative Abbau von Diazepam zu N-Desmethyldiazepam, 3-Hydroxydiazepam (Temazepam)

und Oxazepam wird durch die Cytochrom-P450-Isoenzyme CYP2C19 und CYP3A katalysiert. In-

vitro-Studien haben gezeigt, dass die Hydroxylierung hauptsächlich durch CYP3A vermittelt wird,

während an der N-Desmethylierung durch beide Isoenzyme, CYP3A und CYP2C19 beteiligt sind.

Diese In-vitro-Beobachtungen wurden durch Befunde aus In-vivo-Studien mit Probanden bestätigt.

Gleichzeitig angewendete Arzneimittel mit Wirkstoffen, die ebenfalls Substrate von CYP3A und/oder

CYP2C19 sind, können daher die Pharmakokinetik von Diazepam verändern. So können bekannte

CYP3A- oder CYP2C19-Inhibitoren wie Cimetidin, Omeprazol, Disulfiram, Ketoconazol,

Fluvoxamin und Fluoxetin zu vertiefter und verlängerter Sedierung führen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Diazepam mit folgenden Arzneimitteln kann es zu gegenseitiger

Verstärkung der sedierenden, respiratorischen und hämodynamischen Wirkungen kommen:

Sedativa, Hypnotika, Narkoanalgetika, Anästhetika

Neuroleptika

Antiepileptika

Anxiolytika

sedierende Antihistaminika

Antidepressiva, Lithium-Präparate

4-Hydroxybutansäure (Natriumoxybat)

HIV-Protease Inhibitoren

Dies gilt insbesondere auch für gleichzeitigen Alkoholgenuss, durch den die Wirkungen von

Diazepam in nicht voraussehbarer Weise verändert und verstärkt werden können.

Die Kombination mit Narkoanalgetika kann außerdem zu einer Verstärkung der euphorisierenden

Wirkung und damit zu beschleunigter Abhängigkeitsentwicklung führen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Muskelrelaxanzien wird die relaxierende Wirkung verstärkt –

insbesondere bei älteren Patienten und bei höherer Dosierung (Sturzgefahr!).

Bei Rauchern kann die Ausscheidung von Diazepam

beschleunigt werden.

Theophyllin hebt in niedriger Dosierung die durch Diazepam bewirkte Beruhigung auf.

Diazepam kann die Wirkung von Levodopa hemmen.

In seltenen Fällen kann durch Diazepam der Metabolismus von Phenytoin gehemmt und dessen

Wirkung verstärkt werden. Phenobarbital und Phenytoin können den Metabolismus von Diazepam

beschleunigen.

Aufgrund der langsamen Elimination von Diazepam

muss auch nach Beenden der Behandlung mit

Diazepam noch mit möglichen Wechselwirkungen gerechnet werden.

Bei Patienten, die unter Dauerbehandlung mit anderen Arzneimitteln stehen, wie z. B. zentral

wirksamen Antihypertonika,

-Blockern, Antikoagulantien, herzwirksamen Glykosiden, sind Art und

Umfang von Wechselwirkungen nicht sicher vorhersehbar. Der behandelnde Arzt sollte vor der Gabe

von Diazepam abklären, ob entsprechende Dauerbehandlungen bestehen. Daher ist bei gleichzeitiger

Anwendung des Präparates, insbesondere zu Beginn der Behandlung, besondere Vorsicht geboten.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Frauen im gebärfähigen Alter

Falls Diazepam bei einer Patientin im reproduktionsfähigen Alter angewendet wird, sollte diese darauf

hingewiesen werden, sich unverzüglich mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen, wenn sie schwanger

zu werden wünscht, oder eine Schwangerschaft vermutet.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft sollte Diazepam nur in Ausnahmefällen bei zwingender Indikation - nicht in

hohen Dosen oder über einen längeren Zeitraum - angewendet werden.

Diazepam und sein Hauptmetabolit N-Desmethyldiazepam passieren die Plazenta. Diazepam

akkumuliert im fetalen Kompartiment und kann im Blut des Neugeborenen das 3fache der maternalen

Serumkonzentration erreichen.

Das Missbildungsrisiko beim Menschen nach Einnahme therapeutischer Dosen von Benzodiazepinen

in der Frühschwangerschaft scheint gering zu sein, obwohl einige epidemiologische Studien

Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko für Gaumenspalten ergaben.

Fallberichte über Fehlbildungen und geistige Retardierung der pränatal exponierten Kinder nach

Überdosierungen und Vergiftungen mit Benzodiazepinen liegen vor.

Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft über längere Zeit Benzodiazepine erhalten

haben, können eine körperliche Abhängigkeit entwickeln. Diese Kinder zeigen Entzugssymptome in

der Postpartalphase.

Wenn aus zwingenden Gründen Diazepam in hohen Dosen während der Spätschwangerschaft oder

während der Geburt verabreicht wird, sind Auswirkungen auf das Neugeborene wie Ateminsuffizienz,

Hypothermie, Hyperaktivität, Erregbarkeit, Hypotonie, herabgesetzter Muskeltonus und

Trinkschwäche (Floppy-Infant-Syndrom) zu erwarten.

Stillzeit

Diazepam und seine Stoffwechselprodukte gehen in die Muttermilch über. Die Milch-Plasma-Ratio

zeigt dabei starke individuelle Unterschiede. Da Diazepam vom Neugeborenen wesentlich langsamer

metabolisiert wird als von Kindern oder Erwachsenen, sollte unter einer Diazepam-Therapie nicht

gestillt werden. Bei zwingender Indikation ist abzustillen.

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit

verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von

Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Daher sollten das Führen von Fahrzeugen, die Bedienung von Maschinen oder sonstige gefahrvolle

Tätigkeiten ganz, zumindest jedoch während der ersten Tage der Behandlung unterbleiben. Die

Entscheidung trifft in jedem Einzelfall der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der individuellen

Reaktion und der jeweiligen Dosierung.

4.8

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:

Sehr häufig

≥ 1/10

Häufig

≥ 1/100, < 1/10

Gelegentlich

≥ 1/1.000, < 1/100

Selten

≥ 1/10.000, < 1/1.000

Sehr selten

< 1/10.000

Nicht bekannt

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Nebenwirkungen von Diazepam sind häufig - abhängig von der individuellen Empfindlichkeit des

Patienten und der eingenommenen Dosis - unterschiedlich stark ausgeprägt und treten vor allem zu

Beginn der Behandlung auf. Sie können durch sorgfältige und individuelle Einstellung der Tagesdosis

oft vermindert oder vermieden werden bzw. verringern sich im Laufe der Therapie.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Selten:

Appetitzunahme

Psychiatrische Erkrankungen

Selten:

Niedergeschlagenheit (Depression), Änderung des sexuellen Bedürfnisses (Zu-

oder Abnahme der Libido)

Beim Auftreten von Halluzinationen und Psychosen sowie „paradoxer“ Reaktionen, wie z. B. akute

Erregungszustände, Erregbarkeit, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Unruhe (Agitation), Nervosität,

Feindseligkeit, Angstzustände, Suizidalität, Schlaflosigkeit, Wutanfälle, vermehrte Muskelspasmen,

Albträume und lebhafte Träume, sollte die Behandlung mit Diazepam beendet werden (siehe

Abschnitt 4.4).

Bei Patienten mit vorbestehender depressiver Erkrankung kann die Symptomatik verstärkt werden

(siehe Abschnitt 4.4).

Diazepam besitzt ein primäres Abhängigkeitspotential. Bereits bei täglicher Anwendung über wenige

Wochen ist die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung gegeben. Dies gilt nicht nur für den

missbräuchlichen Gebrauch besonders hoher Dosen, sondern auch für den therapeutischen

Dosisbereich (siehe Abschnitt 4.4).

Bei Beenden der Therapie mit Diazepam können Absetzerscheinungen (z. B. Rebound-Phänomene)

bzw. Entzugssymptome auftreten (siehe Abschnitt 4.4).

Bei der Therapie mit Benzodiazepinen ist allgemein zu beachten, dass sich eine Entzugssymptomatik

einstellen kann, wenn der Patient auf ein Benzodiazepin mit einer deutlich kürzeren

Eliminationshalbwertszeit wechselt.

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig:

Unerwünscht starke Tagessedierung sowie Müdigkeit (Schläfrigkeit, Mattigkeit,

Benommenheit, verlängerte Reaktionszeit), Schwindelgefühl, Kopfschmerzen,

Ataxie, Verwirrtheit, anterograde Amnesie

Nicht bekannt:

Tremor

Am Morgen nach der abendlichen Einnahme können Überhangseffekte (Konzentrationsstörung und

Restmüdigkeit) die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen.

Eine anterograde Amnesie kann bei einer Behandlung mit Benzodiazepinen in therapeutischen

Dosierungen auftreten. Das Risiko des Auftretens dieser Nebenwirkung steigt mit höheren

Dosierungen. Amnestische Wirkungen können mit unangemessenem Verhalten verbunden sein (siehe

Abschnitt 4.4).

In hoher Dosierung und bei längerer Anwendung von Diazepam können reversible Störungen, wie

verlangsamtes oder undeutliches Sprechen (Artikulationsstörung) und Bewegungs- und

Gangunsicherheit, auftreten.

Augenerkrankungen

In hoher Dosierung und bei längerer Anwendung von Diazepam können reversible Sehstörungen

(Diplopie, verschwommenes Sehen, Nystagmus) auftreten.

Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Nicht bekannt:

Vertigo

Herzerkrankungen

Selten:

Bradykardie

Nicht bekannt:

Arrhythmie, Herzversagen einschließlich Herzstillstand

Gefäßerkrankungen

Selten:

Hypotonie, Kreislaufabfall

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Selten:

Glottisspasmen, Brustschmerzen, Atemdepression einschließlich Atemstillstand

Die atemdepressive Wirkung kann bei Atemwegsobstruktion und bei Patienten mit Hirnschädigungen

verstärkt in Erscheinung treten. Dies ist besonders bei gleichzeitiger Kombination mit anderen zentral

wirksamen Substanzen zu beachten (siehe Abschnitt 4.4 und 4.5).

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Selten:

Übelkeit, Erbrechen, epigastrische Beschwerden, Obstipation, Diarrhoe,

Mundtrockenheit

Nicht bekannt:

Vermehrter Speichelfluss

Bei mehrtägiger Verabreichung des Arzneimittels in sehr hoher Dosierung kann es zu kolikartigen

Bauchschmerzen und Durchfall kommen.

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten:

Gelbsucht

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Selten:

Allergische Hautreaktionen (wie z. B. Pruritus, Urtikaria, Hautausschlag)

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Nicht bekannt:

Muskelschwäche

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Selten:

Harnverhaltung

Nicht bekannt

:

Inkontinenz

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Selten:

Zyklusstörungen bei Frauen

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Nicht bekannt:

Sturzgefahr

Bei älteren Patienten wurde unter Benzodiazepin-Behandlung ein erhöhtes Risiko für Stürze und

Frakturen beobachtet.

Bei längerer oder wiederholter Anwendung von Diazepam kann es zur Toleranzentwicklung kommen.

Untersuchungen

Nicht bekannt:

Erhöhte Werte für Transaminasen und für die alkalische Phosphatase

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-

Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Bei jeder Beurteilung einer Intoxikation sollte an das Vorliegen einer Mehrfach-Intoxikation durch

mögliche Anwendung mehrerer Arzneimittel, beispielsweise in suizidaler Absicht, einbezogen

werden.

Die Symptome einer Überdosierung treten verstärkt unter dem Einfluss von Alkohol und/oder anderen

zentral dämpfenden Arzneimitteln auf.

a)

Symptome einer Überdosierung

Symptome leichter Überdosierung können z. B. Verwirrtheit, Somnolenz, Ataxie, Dysarthrie,

Hypotonie und Muskelschwäche sein.

In Fällen hochgradiger Intoxikation kann es zu einer zentralen Depression der Herz-Kreislauf- und

Atemfunktionen (Zyanose, Bewusstlosigkeit bis hin zum Atemstillstand, Herzstillstand) kommen

(Intensivüberwachung!).

In der Abklingphase können hochgradige Erregungszustände vorkommen.

b)

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Im Frühstadium einer Vergiftung sind resorptionsvermindernde Maßnahmen (Aktivkohle) indiziert.

Neben der Kontrolle von Atmung, Pulsfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur sind im

Allgemeinen i.v.-Flüssigkeitsersatz sowie unterstützende Maßnahmen und Bereitstellung von

Notfallmaßnahmen für evtl. eintretende Atemwegsobstruktionen indiziert (erforderlichenfalls

Intensivüberwachung).

Bei Hypotonie können Sympathomimetika verabreicht werden. Bei Ateminsuffizienz, die auch durch

periphere Muskelrelaxierung bedingt sein kann, ist assistierte Beatmung angezeigt. Morphin-

Antagonisten sind kontraindiziert.

Aufgrund der hohen Plasma-Eiweiß-Bindung und des großen Verteilungsvolumens dürften forcierte

Diurese oder Hämodialyse bei reinen Diazepam-Vergiftungen nur von geringem Nutzen sein.

Hinweis:

Flumazenil ist für die Aufhebung der zentral dämpfenden Wirkung von Benzodiazepinen angezeigt.

Es wird daher bei folgenden Indikationen verwendet:

Beendigung der durch Benzodiazepine eingeleiteten und aufrechterhaltenen Narkose bei

stationären Patienten

Aufhebung der durch Benzodiazepine herbeigeführten Sedation im Rahmen therapeutischer

Maßnahmen bei stationären Patienten

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Anxiolytika, Benzodiazepin-Derivate

ATC-Code: N05BA01

Diazepam ist eine psychotrope Substanz aus der Klasse der 1,4-Benzodiazepine mit ausgeprägten

spannungs-, erregungs- und angstdämpfenden Eigenschaften sowie sedierenden und hypnotischen

Effekten. Darüber hinaus zeigt Diazepam in höheren Dosen den Muskeltonus dämpfende und

antikonvulsive Wirkungen.

Diazepam bindet an spezifische Rezeptoren im Zentralnervensystem sowie in einzelnen peripheren

Organen. Die Benzodiazepinrezeptoren im Zentralnervensystem stehen in enger funktioneller

Verbindung mit den Rezeptoren des GABA-ergen Transmittersystems. Nach Bindung an den

Benzodiazepinrezeptor verstärkt Diazepam die hemmende Wirkung der GABA-ergen Übertragung.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Die pharmakokinetischen Parameter von Diazepam zeigen eine große interindividuelle

Variabilität.

Resorption, maximale Plasmakonzentration

Nach oraler Applikation von Tabletten wird Diazepam rasch und nahezu vollständig resorbiert. Die

Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe liegt nach Literaturangaben im Allgemeinen bei 75-80 %; sie kann

– in Abhängigkeit von der galenischen Zusammensetzung – auch höher sein. Maximale

Plasmakonzentrationen werden etwa 1 Stunde nach der Applikation erreicht. Bei regelmäßiger

täglicher Einnahme wird ein Steady state für Diazepam und den wirksamen Metaboliten N-

Desmethyldiazepam altersabhängig innerhalb von 5-15 Tagen erreicht. Die Serumkonzentrationen

können nach täglicher Gabe von 10 mg Diazepam zwischen 90-225 ng/ml betragen.

Proteinbindung, Verteilungsvolumen

Die Plasmaproteinbindung von Diazepam beträgt zwischen 95-99 %, bei Nieren- und Leberkranken

sind niedrigere Werte vorhanden.

Das Verteilungsvolumen beträgt altersabhängig zwischen 0,95-2 l/kg KG.

Biotransformation, Elimination

Der Abbau von Diazepam erfolgt hauptsächlich in der Leber zu den ebenfalls pharmakologisch

aktiven Metaboliten N-Desmethyldiazepam (Nordazepam), Temazepam und Oxazepam, die im Harn

als Glukuronide erscheinen. Nur 20 % der Metabolite treten in den ersten 72 h im Harn auf.

Die aktiven Metabolite besitzen folgende Plasmahalbwertszeiten:

N-Desmethyldiazepam 30-100 h

Temazepam

10-20 h

Oxazepam

5-15 h

Bei wiederholter Dosierung von Diazepam überwiegt der Anteil von N-Desmethyldiazepam bei

großen interindividuellen Unterschieden. Dieser Hauptmetabolit besitzt eine längere terminale

Halbwertszeit als die Muttersubstanz.

Bei chronischer Medikation von Diazepam wird die Elimination zusätzlich durch Kumulation

verlängert und es treten therapeutisch relevante Serumkonzentrationen des Hauptmetaboliten auf.

Aus dem Blutplasma werden Diazepam und sein Hauptmetabolit nur sehr langsam eliminiert. Die

1. Eliminationsphase hat eine Halbwertszeit von 1 h; für die 2. Eliminationsphase ergeben sich - in

Abhängigkeit von Alter sowie der Leberfunktion - Werte von 20-100 h. Die Ausscheidung erfolgt

überwiegend renal, teilweise auch biliär. Sie ist ebenfalls vom Alter sowie der Leber- und

Nierenfunktion abhängig. Diazepam wird vom Neugeborenen wesentlich langsamer metabolisiert und

eliminiert als von Kindern oder Erwachsenen.

Bei alten Menschen ist die Elimination um den Faktor 2 bis 4 verlangsamt.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist die Elimination ebenfalls verlangsamt.

Bei Patienten mit Lebererkrankungen (Leberzirrhose, Hepatitis) verlangsamt sich die Elimination um

den Faktor 2.

Liquorgängigkeit

Diazepam ist lipophil und gelangt rasch mit seinem aktiven Hauptmetaboliten in die cerebrospinale

Flüssigkeit.

Plazentagängigkeit, Laktation

Diazepam und sein Hauptmetabolit N-Desmethyldiazepam passieren die Plazenta und werden in die

Muttermilch sezerniert. Diazepam kumuliert im fetalen Kompartiment und kann im Blut des

Neugeborenen das 3fache der maternalen Serumkonzentration erreichen. Beim Frühgeborenen ist die

Elimination wegen der unreifen Leber- und Nierenfunktion erheblich verzögert und kann bis zu 10

Tage betragen.

Wenn Diazepam vor oder unter der Geburt gegeben wurde oder der Mutter vielfach größere Dosen

appliziert wurden, sind sowohl bei Früh- wie bei Neugeborenen die Apgar-Werte signifikant

erniedrigt, die Häufigkeit von Hyperbilirubinämie signifikant erhöht sowie ausgeprägte Ödeme und

Muskelhypotonie bis zu 4 Tage nach der Geburt beobachtet worden.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Akute Toxizität

Siehe Abschnitt 4.9

Chronische Toxizität

Untersuchungen an verschiedenen Tierspezies ergaben keine Hinweise auf substanzbedingte

Organveränderungen.

Mutagenität

Mehrere Untersuchungen zur Genotoxizität lieferten schwache Hinweise auf ein mutagenes Potenzial

in hohen Konzentrationen, die jedoch weit oberhalb der therapeutischen Dosierung beim Menschen

liegen.

Kanzerogenität

Das kanzerogene Potenzial von Diazepam wurde bei verschiedenen Nagetierspezies untersucht. Bei

männlichen Mäusen trat eine erhöhte Inzidenz für Leberzellkarzinome auf. Bei weiblichen Mäusen,

Ratten, Hamstern oder Wüstenrennmäusen wurde hingegen keine signifikante Zunahme der

Tumorinzidenz beobachtet.

Reproduktionstoxizität

Diazepam und sein Hauptmetabolit N-Desmethyldiazepam passieren die Plazenta. Diazepam

akkumuliert im fetalen Kompartiment und kann im Blut des Neugeborenen das Dreifache der

maternalen Serumkonzentration erreichen. Das Missbildungsrisiko bei Einnahme therapeutischer

Dosen von Benzodiazepinen scheint gering zu sein, obwohl einige epidemiologische Studien

Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko für Gaumenspalten ergaben. Fallberichte über Fehlbildungen

und geistige Retardierung der pränatal exponierten Kinder nach Überdosierungen und Vergiftungen

liegen vor (siehe Abschnitt 4.6).

Ergebnisse tierexperimenteller Studien

Bei der Maus kam es nach pränataler Diazepam-Exposition zur Ausbildung von Gaumenspalten. Beim

Hamster zeigten sich nach sehr hohen pränatalen Diazepam-Gaben außer Gaumenspalten auch

Exenzephalien und Extremitätenmissbildungen. Bei Ratten und Primaten war Diazepam nicht

teratogen. Tierexperimentelle Studien haben Hinweise auf Verhaltensstörungen der Nachkommen

langzeitexponierter Muttertiere ergeben. Bei Mäusen zeigten sich nach 1- bis 6-wöchiger Behandlung

mit Diazepam Anomalien der Spermienköpfe.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Lactose-Monohydrat

Maisstärke

Cellulosepulver

Copovidon

Talkum

Hochdisperses Siliciumdioxid

Magnesiumstearat

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend

6.3

Dauer der Haltbarkeit

5 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Blister

Packung mit 10 Tabletten

Packung mit 20 Tabletten

Packung mit 50 Tabletten

HDPE-Dose

Packung mit 100 Tabletten

Diese Packung ist nicht zur Abgabe an Ärzte oder Patienten bestimmt. Die Haltbarkeit und Stabilität

dieses Fertigarzneimittels sind nur im zugelassenen Originalbehältnis geprüft.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur

Handhabung

Keine besonderen Anforderungen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

8.

ZULASSUNGSNUMMER

17447.01.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER

ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 24. März 1994

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 7. April 2004

10.

STAND DER INFORMATION

April 2018

11.

VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

_____________________________________________________________________________

Empfehlungen des Sachverständigenausschusses der Bundesregierung für den Arzt zur

sachgerechten Anwendung von Benzodiazepin-haltigen Arzneimitteln

Benzodiazepine sind Arzneistoffe, die überwiegend zur vorübergehenden Behandlung schwerer

Angstzustände, Schlafstörungen sowie zur Behandlung von Muskelverspannungen und Epilepsien

eingesetzt werden. Nach bisherigen Erkenntnissen werden Benzodiazepine zu häufig und über eine zu

lange Zeit verordnet, was zu einer Abhängigkeitsentwicklung führen kann. Dieses Risiko steigt mit

der Höhe der Dosis und der Dauer der Anwendung an. Neben ihrem Abhängigkeitspotential haben

Benzodiazepine weitere unerwünschte Arzneimittelwirkungen, z. B. Beeinträchtigung des

Reaktionsvermögens, verstärktes Wiederauftreten der ursprünglichen Symptomatik nach Absetzen der

Medikation (Rebound-Schlaflosigkeit, Rebound-Angst, delirante Syndrome, Krämpfe),

Gedächtnisstörungen sowie neuropsychiatrische Nebenwirkungen. Sie können auch die

pharmakokinetischen Eigenschaften anderer Arzneistoffe beeinflussen.

Neben der Abhängigkeitsentwicklung gibt auch der Missbrauch von Benzodiazepinen seit längerem

Anlass zur Besorgnis.

Deshalb sind von den verordnenden Ärzten die folgenden Richtlinien zu beachten, die unter

Berücksichtigung von Veröffentlichungen der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und

der Arbeitsgemeinschaft Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie formuliert wurden:

Sorgfältige Indikationsstellung!

Bei Patienten mit einer Abhängigkeitsanamnese ist besondere Vorsicht geboten. In der Regel

keine Verschreibung.

In der Regel kleinste Packungseinheit verordnen.

In möglichst niedriger, aber ausreichender Dosierung verordnen; Dosis möglichst frühzeitig

reduzieren bzw. Dosierungsintervall in Abhängigkeit von der Wirkungsdauer vergrößern.

Therapiedauer vor Behandlungsbeginn mit dem Patienten vereinbaren und

Behandlungsnotwendigkeit in kurzen Zeitabständen überprüfen. Es gibt Abhängigkeit auch

ohne Dosissteigerung sowie die sogenannte „Niedrigdosis-Abhängigkeit“!

Innerhalb der Therapiedauer möglichst frühzeitig schrittweise Dosisreduktion (Ausschleichen)

bzw. Vergrößerung des Dosierungsintervalls, um Entzugssymptome, wie z. B. Unruhe, Angst,

Schlafstörungen, delirante Syndrome oder Krampfanfälle, zu vermeiden.

Aufklärung des Patienten, dass Benzodiazepine keinesfalls an Dritte weiterzugeben sind.

Verordnungen von Benzodiazepinen sollten vom Arzt stets eigenhändig ausgestellt und dem

Patienten persönlich ausgehändigt werden.

Beachtung der Fach- und Gebrauchsinformation sowie der einschlägigen wissenschaftlichen

Veröffentlichungen.

Alle Abhängigkeitsfälle über die jeweiligen Arzneimittelkommissionen der Kammern der

Heilberufe dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zur Kenntnis bringen.

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