Diaphin IR 200 Tabletten

Schweiz - Deutsch - Swissmedic (Swiss Agency for Therapeutic Products)

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Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation (PIL)

01-06-2019

Fachinformation Fachinformation (SPC)

25-10-2018

Wirkstoff:
diamorphinum
Verfügbar ab:
DiaMo Narcotics GmbH
ATC-Code:
N07BC06
INN (Internationale Bezeichnung):
diamorphinum
Darreichungsform:
Tabletten
Zusammensetzung:
diamorphini hydrochloridum anhydricum 200 mg bis diamorphini hydrochloridum monohydricum Endwerte. diamorphinum 182 mg, cellulosum microcristallinum, maydis für amylum, magnesium stearas, silica colloidalis anhydrica, pro compresso.
Klasse:
A
Therapiegruppe:
Synthetika
Therapiebereich:
Ergänzung der Behandlung von schwer heroinabhängigen Personen
Zulassungsnummer:
57724
Berechtigungsdatum:
2010-12-21

Dokumente in anderen Sprachen

Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation - Französisch

01-06-2019

Fachinformation Fachinformation - Französisch

23-10-2018

Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation - Italienisch

01-06-2019

Information für Patientinnen und Patienten

Lesen Sie diese Information für Patienten sorgfältig, bevor Sie das Arzneimittel anwenden. Dieses

Arzneimittel ist Ihnen persönlich verschrieben worden, und Sie dürfen es nicht an andere Personen

weitergeben. Auch wenn diese die gleichen Krankheitssymptome haben wie Sie, könnte ihnen das

Arzneimittel schaden. Bewahren Sie diese Information auf, Sie wollen sie vielleicht später nochmals

lesen.

Diaphin

Untersteht der Kontrolle gemäss Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen

Stoffe.

10g i.v., Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

IR 200, Tabletten

SR 200, Filmtabletten

Was ist Diaphin und wann wird es angewendet?

Der Wirkstoff von Diaphin ist Diamorphin, die chemische Bezeichnung für Heroin. Es wird durch

synthetische Umwandlung des aus den Kapseln der Mohnpflanze (Papaver somniferum)

gewonnenen Morphins hergestellt. Diaphin wird zur Substitutionsbehandlung bei schwerer

Heroinabhängigkeit im Rahmen der heroingestützten Behandlung verschrieben.

Was sollte dazu beachtet werden?

Diaphin im Rahmen der ärztlichen Verschreibung von Heroin kann nur beziehen, wer gleichzeitig in

einer für die heroingestützte Behandlung geeigneten Institution an den medizinischen und

sozialtherapeutischen Behandlungs- und Betreuungsangeboten teilnimmt, vorgängig eine

Behandlungsvereinbarung unterzeichnet und von einem Arzt behandelt wird, der im Besitz einer

vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) erteilten Ausnahmebewilligung ist.

Wann darf Diaphin nicht oder nur mit Vorsicht eingenommen/angewendet werden?

Die Abgabe von Diaphin wird Ihnen in folgenden Fällen verweigert:

·Ausschluss (Behandlungsabbruch) bei Zuwiderhandlungen gegen die Teilnahmekriterien an der

ärztlichen Verschreibung von Betäubungsmitteln (Konsum illegaler Betäubungsmittel in der

Institution, Weitergabe oder Verkauf des bezogenen Diaphin, Gewalt und Drohungen in der

Institution und Nichtteilnahme am Betreuungsprogramm).

·Bei offensichtlichem übermässigem Beikonsum kann die übliche Dosis Diaphin aus medizinischen

Sicherheitsgründen entweder reduziert oder gänzlich verweigert werden.

Wenn Sie überempfindlich sind gegenüber Diaphin oder unter einer der folgenden Krankheiten

leiden, teilen Sie dies bitte sofort Ihrem Arzt mit:

Atemprobleme, plötzlich auftretende starke Leibschmerzen mit Erbrechen, Darmlähmung, erhöhter

Hirndruck, Hirnverletzungen, Kopf- und Bauchschmerzen unbekannten Ursprungs,

Phäochromozytom (bestimmte Geschwulst der Nebenniere).

Auch wenn Sie mit gewissen Medikamenten gegen Depression oder Parkinson-Krankheit (sog.

MAO-Hemmern) behandelt werden, sollten Sie Ihren Arzt unbedingt informieren.

Wann ist bei der Einnahme/Anwendung von Diaphin Vorsicht geboten?

Bei epileptischen Patienten, Leber- und Nierenerkrankungen, Unterfunktion der Schilddrüse,

eingeschränkter Atmung, tiefem Blutdruck, langsamem Puls, Krampfleiden, Vergrösserung der

Prostata und Zuckerkrankheit .

Diaphin verstärkt zudem die Wirkung von anderen Betäubungsmitteln, Beruhigungsmitteln und

Alkohol.

Dieses Arzneimittel kann die kognitiven Fähigkeiten, die Aufmerksamkeit und das

Reaktionsvermögen so stark beeinflussen, dass die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen

von Werkzeugen oder Maschinen beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben sind. Innerhalb der ersten

halben Stunde nach der Injektion sollten Sie zudem keine Maschinen oder Werkzeuge bedienen.

Da sich der Körper sehr rasch an erhöhten oder verminderten Heroinkonsum gewöhnt, besteht bereits

nach wenigen Tagen Abstinenz bei erneuter Injektion der üblichen Heroindosis die Gefahr einer

Überdosierung.

Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie

·ausser dem Diaphin noch weitere, auf die Psyche wirkende Substanzen einnehmen,

·an anderen Krankheiten leiden,

·Allergien haben oder

·andere Medikamente (auch selbstgekaufte!) einnehmen!

Darf Diaphin während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit eingenommen/angewendet

werden?

Heroin und einige seiner Stoffwechselprodukte gelangen via Plazenta in das ungeborene Kind.

Bei Neugeborenen von Frauen, die bis zur Geburt Heroin konsumieren, besteht eine

Heroinabhängigkeit. Nach der Geburt zeigen die Kinder Entzugssymptome. Die Symptome

umfassen Weinen, Zittern, erhöhte Muskelspannung, Fieber und schnelle, oberflächliche Atmung.

Oft sind diese Kinder auch untergewichtig. Das Entzugsyndrom kann behandelt werden und

hinterlässt nach bisherigem Wissensstand keine Folgen.

Morphin, ein Stoffwechselprodukt des Heroins, wird mit der Muttermilch ausgeschieden. Vom

Stillen ist während der heroingestützten Behandlung dringend abzuraten.

Wie verwenden Sie Diaphin?

Diaphin darf nur innerhalb der für die heroingestützte Behandlung vorgesehenen Institutionen

verwendet werden. Der behandelnde Arzt bestimmt Ihre Dosis. Diaphin Injektionslösung ist

ausschliesslich zum Spritzen in die Venen vorgesehen. Die Lösung sollte nicht in den Muskel

gespritzt werden, da örtliche Verhärtungen und Blutergüsse auftreten können. Nur klare Lösungen,

die frei von sichtbaren Partikeln sind, dürfen verwendet werden.

Wenn Sie glauben, das Arzneimittel wirke zu schwach oder zu stark, so sprechen Sie mit Ihrem Arzt/

Ihrer Ärztin.

Die Diaphin SR Filmtabletten mit verzögerter Wirkstofffreisetzung müssen ganz geschluckt werden.

Deren Einnahme mit dem Essen verzögert die Zeitdauer bis zur maximalen Wirkung.

Welche Nebenwirkungen kann Diaphin haben?

Hauptrisiko der akuten Diaphin - Vergiftung ist eine lähmende Wirkung auf das Atemzentrum mit

allenfalls tödlichem Ausgang. Das Risiko steigt mit der Dosis. Seltenere Gefahren betreffen

Gefässerweiterung mit Blutdruckabfall, Schwindel, Juckreiz, Kopfschmerzen und Hautrötung.

Psychisch sind bei höherer Dosierung Schläfrigkeit bis Benommenheit zu erwarten, mit

entsprechender Verminderung von Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit.

Diaphin kann in seltenen Fällen epileptische Anfälle auslösen.

Bei längerem Gebrauch können Verdauungsprobleme (Verstopfung, Übelkeit und Erbrechen),

Veränderungen des Menstruationszyklus, sexuelle Störungen, Anstieg des Blutzuckerspiegels und

Probleme beim Wasserlösen auftreten.

Die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten kann allenfalls erhöht sein.

Es können auch Schlafstörungen auftreten.

Das Zustandekommen körperlicher und psychischer Abhängigkeit zeigt sich im Auftreten von

Entzugserscheinungen (Stunden bis Tage anhaltende innere Unruhezustände, chronische

Schmerzzustände und nervlich bedingte Störungen) bei Absetzen des Heroins.

Anzeichen einer Intoxikation mit Diaphin bzw. Überdosierung umfassen enge Pupillen,

Atemdepression, Blutdruckabfall, Schock, Bewusstseinsstörungen, niedrige Körpertemperatur. Bei

Verdacht auf Überdosierung bzw. Intoxikation ist umgehend ärztliche Hilfe nötig.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, die hier nicht beschrieben sind, sollten Sie Ihren Arzt bzw.

Ihre Ärztin informieren.

Was ist ferner zu beachten?

Die fachgerechte Lagerung des Diaphin und die Zubereitung der individuellen Dosen obliegt dem

Fachpersonal der Institution. Weitere Auskünfte erteilt Ihnen Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin. Diese

Personen verfügen über die ausführliche Fachinformation.

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet

werden.

Was ist in Diaphin enthalten?

Diaphin 10g i.v. Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung:

Wirkstoff:

Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat in Form eines gefriergetrockneten Pulvers, das vor dem

Gebrauch in sterilem Wasser gelöst wird. Die Injektionslösung enthält 100mg

Diamorphinhydrochlorid-Monohydrat (entsprechend 87mg Diamorphin) pro ml.

Hilfsstoffe:

Keine

Diaphin IR 200 Tablette, Diaphin SR 200 Filmtablette:

Wirkstoff:

1 Tablette/Filmtablette enthält 200mg Diamorphinhydrochlorid als Diamorphinhydrochlorid-

Monohydrat (entsprechend 182mg Diamorphin)

Hilfsstoffe:

Diaphin IR 200: Mikrokristalline Cellulose, Maisstärke, Magnesiumstearat, hochdisperses

Siliciumdioxid

Diaphin SR 200: Tablettenkerne: Ammoniummethacrylat-Copolymer (Typ B), hydriertes Rizinusöl,

Carbomer 971P, Magnesiumstearat, hochdisperses Siliciumdioxid

Filmüberzug: Dimeticon, Siliciumdioxid-Hydrat, Macrogol 4000, Hypromellose, Mikrokristalline

Cellulose, Eisenoxid (E172), Ammoniummethacrylat-Copolymer (Typ A).

Zulassungsnummer

Diaphin 10g i.v. Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung

55561 (Swissmedic)

Diaphin IR 200 Tabletten

57724 (Swissmedic)

Diaphin SR 200 Filmtabletten

57720 (Swissmedic)

Wo erhalten Sie Diaphin? Welche Packungen sind erhältlich?

Ausschließlich von hierfür spezialisierten und vom BAG bewilligten Institutionen.

Zulassungsinhaberin

DiaMo Narcotics GmbH, Thun

Diese Packungsbeilage wurde im Juni 2019 letztmals durch die Arzneimittelbehörde (Swissmedic)

geprüft.

Fachinformation

Diaphin®

Untersteht dem Bundesgesetz über die Betäubungsmittel und die psychotropen Stoffe vom 3.

Oktober 1951(Betäubungsmittelgesetz, BetmG; SR 812.121). Darf nur mit einer Bewilligung des

Bundesamtes für Gesundheit (BAG) in Verkehr gebracht und abgegeben werden.

Diaphin® 10g i.v., Injektionspräparat

Diaphin® IR 200, Tabletten

Diaphin® SR 200, Filmtabletten

Zusammensetzung

Diaphin® i.v.

Wirkstoff: Diamorphin als Diamorphinhydrochlorid Monohydrat

Hilfsstoffe: keine

Diaphin® oral

Wirkstoff: Diamorphin als Diamorphinhydrochlorid Monohydrat

Hilfsstoffe:

Diaphin® IR 200, Tabletten: Excip. pro compresso

Diaphin® SR 200, Filmtabletten: Farbstoff E172, Excip. pro compresso

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Ampulle Diaphin® 10g i.v. enthält 10’000 mg Diamorphinhydrochlorid Monohydrat als

lyophilisiertes Pulver (corresp. 8’710 mg Diamorphin)

Eine Diaphin® IR 200 Tablette enthält 200mg Diamorphinhydrochlorid als Diamorphinhydrochlorid

Monohydrat (corresp. 182mg Diamorphin)

Eine Diaphin® SR 200 Filmtablette enthält 200mg Diamorphinhydrochlorid als

Diamorphinhydrochlorid Monohydrat (corresp. 182mg Diamorphin)

Indikationen / Anwendungsmöglichkeiten

Substitutionsbehandlung bei schwerer Heroinabhängigkeit im Rahmen der heroingestützten

Behandlung.

Die heroingestützte Behandlung umfasst neben der eigentlichen Substitutionsbehandlung mit

Diaphin® i.v. oder p.o. somatische, psychiatrische und soziale Betreuungsmassnahmen. Der Bezug

von Diaphin® i.v. oder p.o. bedingt die Teilnahme an den Betreuungsprogrammen. Als Endziel der

Anwendung wird die Drogenabstinenz angestrebt.

Die Substitutionsbehandlung bildet eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit, wenn andere

Behandlungsformen versagt haben oder wenn der Gesundheitszustand andere Behandlungsformen

nicht zulässt.

Die heroingestützte Behandlung erfolgt im Rahmen der Verordnung über Betäubungsmittel und

andere suchtbedingte Störungen vom 25. Mai 2011 (Betäubungsmittelsuchtverordnung, BetmSV, SR

812.121.6).

Die Abgabe von Diaphin® i.v. oder p.o. erfolgt nur in entsprechend eingerichteten und vom BAG

bewilligten Institutionen unter Sichtkontrolle des Behandlungspersonals oder bei Einzelpatienten

unter Aufsicht des behandelnden Arztes.

Zur Aufnahme in die heroingestützte Behandlung muss der Patient oder die Patientin:

·Mindestens 18 Jahre alt sein

·Seit mindestens 2 Jahren schwer heroinabhängig sein

·Mindestens 2 Behandlungsversuche mit einer anderen anerkannten ambulanten oder stationären

Methode abgebrochen oder erfolglos absolviert haben

·Defizite im medizinischen, psychischen und/oder sozialen Bereich aufweisen, die auf den

Drogenkonsum zurückzuführen sind

·Eine Behandlungsvereinbarung unterzeichnen (Details siehe Verordnung)

Dosierung / Anwendung

Allgemeines

Diaphin® 10g i.v. ist zur intravenösen Verabreichung bestimmt.

Diaphin® IR 200 Tablette, Diaphin® SR 200 Filmtablette sind zur oralen Anwendung bestimmt.

Die Heroinabgabe erfolgt nur in entsprechend eingerichteten und unter Aufsicht stehenden Zentren.

Der verantwortliche Arzt bestimmt die Dosierung.

Übliche Dosierung

Intravenös

Die erste intravenöse Dosis in der heroingestützten Behandlung sollte 15mg

Diamorphinhydrochlorid Monohydrat (DAM) nicht überschreiten. Wurde die Erstdosis gut ertragen,

können sofort 15mg DAM nachgespritzt werden. Die Dosis kann jedoch aufgrund der einsetzenden

Toleranz erhöht werden. Im weiteren Verlauf des ersten Tages können Dosen bis zu 30mg vielfach

abgegeben werden (maximal jede halbe Stunde). Bei mehr als zweimal täglicher Injektion kann am

Folgetag die maximale Einzeldosis 50% der gesamten Vortagesdosis betragen. Diese Dosis kann am

gleichen Tag mehrmals bezogen werden (minimale Wartezeit von einer halbe Stunde zwischen den

Injektionen einhalten). Bei zweimal täglicher Injektion kann die Einzeldosis bei jeder Konsumation

um maximal 50% gesteigert werden. Wirkungen von Erstdosen und Dosissteigerungen müssen

sorgfältig überwacht werden. Volltoleranz wird bei etwa 300mg/d erreicht. Tagesdosen von mehr als

600mg DAM i.v. sind durch Eigenblockierung bezüglich Flasheffekt weniger wirksam.

Nach einem Therapieunterbruch besteht ein erhöhtes Risiko einer Überdosierung (siehe

„Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Bei Schwangerschaften wird im letzten Trimenon die Verteilung auf drei identische tägliche Dosen

empfohlen, um die Dosisschwankungen möglichst gering zu halten.

Oral

Die erste orale Dosis in der heroingestützten Behandlung sollte 100mg Diamorphinhydrochlorid

(DAM wasserfrei) nicht überschreiten. Wurde die Erstdosis gut ertragen, können pro Tagesdrittel 1x

100mg gegeben werden. Pro Tag kann die Dosis um 300 mg, verteilt auf 3 Dosen, bis zur

Volltoleranz gesteigert werden, die bei einer oralen Tagesdosis von 800-900mg erreicht ist.

Tagesdosen von mehr als 1800mg DAM wasserfrei oral sind durch Eigenblockierung bezüglich

Flasheffekt weniger wirksam.

Wirkungen von Erstdosen und Dosissteigerungen müssen sorgfältig überwacht werden.

Dosierung bei Umstellung von anderen Opiaten

Wenn vor einer Umstellung von einem Opiatagonisten zum anderen mittlere bis hohe Dosen eines

Opiates eingenommen wurden, ist eine erhebliche Toleranz gegeben. Umstellungen sind daher kaum

riskant. Durch unterschiedliche Kinetik und Kumulation kann die Umstellung von einem Opiat mit

kurzer Halbwertszeit auf ein Opiat mit langer Halbwertszeit in den ersten Tagen zu erheblichen

Unterdosierungen führen. Umgekehrt ist die Umstellung von Methadon auf DAM kinetisch

unproblematisch. Der Methadon-Vortageskonsum wird bei der Dosisberechnung als Referenzwert

genommen.

Intravenös: Bei Umstellung von Methadon auf mehr als 2 DAM-Injektionen pro Tag kann die

Methadon-Vortagesdosis in mg als Einzeldosis DAM 3 mal täglich gespritzt werden. Bei Umstellung

auf zweimal tägliche DAM-Injektionen wird das 1.5-fache der Methadon-Vortagesdosis in mg

zweimal täglich appliziert.

Oral: Bei Umstellung von Methadon auf DAM wasserfrei oral kann in mg bis zum 10-fachen der

Methadon-Vortagesdosis oral auf 3 Einzeldosen DAM verteilt täglich gegeben werden.

Korrekte Art der Anwendung

Diaphin® 10g i.v. Injektionspräparat, Herstellung der Lösung

Benötigtes Material: Ampullen mit sterilem Wasser, Spritzen und Nadeln, Alkoholtupfer zur

Desinfektion des Ampullenverschlusses.

Herstellung

Den Wirkstoff unter aseptischen Bedingungen mit Hilfe einer Spritze mit 93ml sterilem Wasser

versetzen.

Gut schütteln, um eine homogene Lösung à 100mg/ml Diamorphinhydrochlorid Monohydrat

(corresp. 87mg/ml Diamorphin) zu erhalten.

Datum der Lösungsherstellung auf der Etikette notieren.

Nur klare Lösungen, die frei von sichtbaren Partikeln sind, dürfen verwendet werden.

Diaphin® SR 200 Filmtabletten

Diaphin® SR 200 Filmtabletten dürfen nur unzerkaut oder unzerkleinert geschluckt werden, da der

Retardeffekt sonst aufgehoben wird. Die gleichzeitige Einnahme von Alkohol kann den Retardeffekt

durch beschleunigte Auflösung der Diaphin® SR 200 Filmtablette aufheben. Die SR Filmtablette

sollte nach dem Essen eingenommen werden. Der Retardeffekt der SR 200mg Tablette verstärkt sich

deutlich, wenn die Tablette nach einer Mahlzeit eingenommen wird (tmax 2.5 Std. vs 4.5 Std.). Bei

einer Basissubstitution mit Diaphin® SR 200 Filmtabletten ist deshalb darauf zu achten, dass die

Einnahme nicht nüchtern erfolgt.

Diaphin® IR 200 Tabletten

Diaphin® IR 200 Tabletten können geteilt oder bei Verdacht auf illegale Abzweigung auch

zerkleinert verabreicht werden.

Kontraindikationen

DAM darf nur an Patienten im Rahmen der heroingestützten Behandlung verordnet werden (siehe

„Indikationen / Anwendungsmöglichkeiten“).

Überempfindlichkeit gegenüber DAM, obstruktive Atemwegserkrankung, Atemdepression, akutes

Abdomen, paralytischer Ileus, erhöhter Hirndruck, Hirntrauma, Kopf- und Bauchschmerzen

unbekannter Genese, Phaeochromozytom, gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Wegen dem rasch einsetzenden Toleranzverlust bei Entzugsbehandlungen resp. mehrtägigem

Fernbleiben von der heroingestützten Behandlung (nach 5 Tagen Abstinenz ist die Opiattoleranz

praktisch aufgehoben), ist bei erneutem DAM-Konsum Vorsicht geboten (siehe Dosierung /

Anwendung). Pro gefehltem Tag wird die Tagesgesamtdosis um 20% reduziert. Nach einer

Abwesenheit von 5 oder mehr Tagen wird am ersten Behandlungstag eine Tagesgesamtdosis von

90mg DAM intravenös oder 200mg DAM wasserfrei oral verabreicht.

Vorher sollte mit einem Urinscreening auf Abwesenheit von Opiaten, Cocain, Benzodiazepinen und

Methadon geprüft werden, um Interaktionen vermeiden zu können.

Ferner ist Vorsicht geboten bei epileptischen Patienten, Nieren- und Leberinsuffizienz,

Hypothyreoidismus, eingeschränkter Atmung, Hypotonie, Bradykardie, Krampfleiden,

Prostatahyperplasie und Diabetes mellitus.

Interaktionen

Gleichzeitige Einnahme von Anästhetika, Benzodiazepinen, anderen Sedativa und Hypnotika sowie

Alkohol potenzieren die Wirkung von Diamorphin (erhöhtes Risiko von Atemdepression). Es besteht

keine Kreuztoleranz. Mehrfachabhängigkeit von verschiedenen Suchtmitteln ist jedoch keine

Kontraindikation für die heroingestützte Behandlung. Gerade bei kombiniertem Alkohol- und

Opiatmissbrauch muss wegen dem erhöhten Leberzirrhoserisiko versucht werden, die Behandlung

weiterzuführen.

Bei anhaltender Polytoxikomanie empfiehlt sich eine Entzugs- oder Teilentzugsbehandlung. Bei

gleichzeitigem Alkoholkonsum treten Nausea und Erbrechen, Motilitätsstörungen im Dickdarm

sowie Schlafstörungen (v.a. Durchschlafstörungen), die durch eine Dosisanpassung von Diamorphin

vermindert werden können, vermehrt auf. Bei Verdacht auf übermässigen Alkohol-Konsum ist vor

dem Diamorphin-Bezug das Bestimmen des Blut-Alkohol-Gehaltes (Blas-Test) angezeigt. Bei

Werten > 1‰ soll die übliche DAM-Dosis halbiert und auf zwei Dosen verteilt werden (Wartezeit

zwischen den Applikationen/Injektionen: 30 Minuten), um Überdosierungen (komatöse Zustände)

durch Alkohol-Beikonsum zu vermeiden.

Der Beikonsum von Kokain sowie der Entzug von Alkohol, Benzodiazepinen, Barbituraten und

anderen Sedativa erhöhen die Gefahr von Epilepsien.

Obwohl Diamorphin unabhängig vom Cytochrom-P450-System durch Deacetylierung und

Glucuronidierung abgebaut wird, kann das Cytochrom-P450-System eine zentrale Rolle bei

plötzlichen Todesfällen von Polytoxikomanen spielen, da Kokain, vereinzelte Benzodiazepine und

Antidepressiva durch das Cytochrom-P450-System metabolisiert werden (Überdosierung durch

kompetitive Hemmung).

Bei gleichzeitiger Verabreichung von MAO-Hemmern oder innerhalb von 2 Wochen nach deren

Absetzung darf eine DAM-Therapie nicht begonnen werden.

Schwangerschaft, Stillzeit

Diaphin® sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, es ist klar

notwendig. Es gibt klare Hinweise für Risiken des menschlichen Fötus und des Neugeborenen, aber

der therapeutische Nutzen für die Mutter kann überwiegen.

Bei Neugeborenen von Frauen, die bis zur Geburt Diamorphin oder andere Opiate konsumieren,

besteht eine Opiatabhängigkeit. Nach der Geburt wird in der Regel ein ausgeprägtes Neugeborenen-

Entzugsyndrom beobachtet. Die Symptome umfassen Weinen, Tremor, Hyperreflexie, erhöhter

Muskeltonus, Fieber, Tachypnoe. Oft sind diese Kinder auch untergewichtig. Das Entzugsyndrom

kann behandelt werden und hinterlässt nach derzeitigem Wissensstand keine Folgen.

Von Morphin ist bekannt, dass es mit der Muttermilch ausgeschieden wird. Es ist zu erwarten, dass

auch nach Verabreichung von Diamorphin unbekannte Mengen von Morphin in die Muttermilch

gelangen. Vom Stillen ist während der heroingestützten Behandlung dringend abzuraten.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Diaphin® kann die kognitiven Fähigkeiten, die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen so

stark beeinflussen, dass die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Werkzeugen oder

Maschinen beeinträchtigt oder nicht mehr gegeben sind. Die Patienten sollten darauf aufmerksam

gemacht werden. Maschinen oder Werkzeuge sollten jeweils während einer halben Stunde nach der

Injektion nicht bedient werden.

Unerwünschte Wirkungen

Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1'000, <1/100), selten (≥1/10'000, <

1/1000), sehr selten (<1/10’000).

Erkrankungen des Nervensystems

Schlafstörungen.

Die Injektion von Diamorphin kann epileptogen wirken. In der Akutsituation eines epileptischen

Krampfanfalles kann bei Opiatabhängigen einige Minuten abgewartet werden, da durch vorgängig

applizierte Stoffgemische unerwartete Wirkungskombinationen auftreten können. Gegen anhaltende

epileptische Krämpfe (Status epilepticus) wird die wiederholte Injektion von Diazepam 10mg i.v.

empfohlen. Falls die Krämpfe damit nicht zum Stillstand gebracht werden können, muss sofort

hospitalisiert werden. Wiederholte epileptische Anfälle sollten ätiologisch geklärt und behandelt

werden; oft sind andere ursächliche Faktoren vorhanden.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Lebensgefährliche Atemlähmung infolge Überdosierung, wobei diese Dosis je nach Toleranzzustand

individuell unterschiedlich hoch ist (siehe Rubrik „Überdosierung“).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig (80%) Überempfindlichkeitsreaktionen in Form von Hauterscheinungen (Urtikaria,

Pruritus) durch Histaminfreisetzung.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig (50-65%) Obstipation, verzögerte Magenentleerung, Inappetenz.

Selten Nausea und Erbrechen.

Parallel zur heroingestützten Behandlung sollten milde Laxantien als Dauermedikation verordnet

werden (z.B. Invertzucker, jedoch keine Quellmittel).

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Harnverhalten

Gefässerkrankungen

Sehr häufig (80%) histaminbedingte Überempfindlichkeitsreaktionen (seltener als bei Morphin):

Orthostatische Beschwerden durch Gefässdilatation, Kopfschmerzen.

Die Histaminfreisetzung scheint nicht durch Opiatrezeptoren vermittelt zu werden und kann durch

Opiatantagonisten nicht gehemmt werden.

Endokrine Erkrankungen

Sehr häufig (20%) Abnahme der Blutspiegel des luteinisierenden Hormons und des

follikelstimulierenden Hormons, Anstieg des Prolaktinspiegels.

Blutzuckeranstieg.

Erkrankungen des Immunsystems

Die Immunkompetenz wird durch den für die Sucht charakteristischen Wechsel zwischen Konsum

und Entzug geschwächt, während eine stabile, chronische Opiatverabreichung kaum einen Einfluss

hat.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Sehr häufig (50%) Amenorrhoe, sexuelle Störungen (Libidoverlust).

Überdosierung

Symptome einer Intoxikation

Anzeichen einer Diamorphin-Intoxikation bzw. Überdosierung umfassen Miosis, Atemdepression,

Blutdruckabfall, Schock, ZNS-Symptome, Schlaf, niedrige Körpertemperatur und Tonusverlust der

Skelettmuskulatur.

In schweren Fällen können Kreislaufversagen und Koma auftreten.

Behandlung einer Intoxikation

1.Freihaltung der Atemwege und Sauerstoffbeatmung (6 Liter/min)

2.Applikation eines Opiatantagonisten (Naloxon). Der Inhalt einer Ampulle (0.4mg) wird je zur

Hälfte i.m. und i.v. verabreicht. Falls der gewünschte Grad der Antagonisierung und Verbesserung

der Atemfunktion nicht unmittelbar nach der ersten Gabe erzielt wird, kann sie in Abständen von 2-3

Minuten wiederholt werden. Bleibt eine 2-3 malige Verabreichung wirkungslos, kann man daraus

schliessen, dass der Zustand des Patienten teilweise oder vollständig auf andere Krankheitsbilder

oder nicht-morphinartige Substanzen zurückzuführen ist. Achtung: Die Wirkung von Naloxon hält

nur kurz an. Diamorphin und seine aktiven Metaboliten dagegen sind länger wirksam. Die Gabe von

Naloxon sollte daher gegebenenfalls wiederholt und der Patient längerfristig überwacht werden.

Analgesie, Euphorie, Atemdepression, Abhängigkeitsbildung und weitere zentrale Wirkungen des

Diamorphin lassen sich durch Opiatantagonisten unterdrücken. Nur der emetische Soforteffekt lässt

sich nicht antagonisieren.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC Code N07BC06

Wirkungsmechanismus

Diamorphin ist ein narkotisches Analgetikum. Es selbst bindet, im Gegensatz zu den aktiven

Metaboliten 6-Ortho-Monoacetylmorphin (6-MAM) und Morphin, kaum an die Rezeptoren im

Zentralnervensystem. Es kann daher als Prodrug bezeichnet werden. Für die zentralnervösen

Wirkungen ist in erster Linie die Bindung an μ-Rezeptoren verantwortlich. Die Wirkung beim

Süchtigen dauert 5-8 Stunden.

Pharmakodynamik

Diamorphin, bzw. die aktiven Metaboliten üben ihre Wirkungen via Interaktion mit spezifischen

Rezeptoren (Endorphin- bzw. Opiatrezeptoren) aus. Es unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht

von anderen Opiaten. Unterschiede ergeben sich jedoch aus den kinetischen Eigenschaften des

Diamorphin. Es kommt vor, dass Drogenabhängige unterschiedlich empfundene Wirkungen

verschiedener Opiate als Substanzunterschiede interpretieren. Tatsächlich ist die Bedeutung

pharmakodynamischer Unterschiede gering, die Auswirkungen verschiedener Einnahmeformen und

der entsprechenden Kinetik dagegen viel wichtiger. Ob eine Opiatwirkung als erwünscht oder

unerwünscht angesehen wird, ergibt sich teilweise aus den subjektiven und situativen Erwartungen.

Sowohl bei der illegalen Anwendung wie auch im Rahmen der heroingestützten Behandlung sind

viele Auswirkungen auf das ZNS vom Patienten grundsätzlich erwünscht (Euphorie, Wärmegefühl).

Klinische Wirksamkeit

Neben den schwer quantifizierbaren rein pharmakologischen Wirkungen des Diamorphin führt die

interdisziplinäre heroingestützte Behandlung zu folgenden medizinischen und sozioökonomischen

Ergebnissen:

·Verbesserung und Stabilisierung der körperlichen Gesundheit

·Rückgang der depressiven Zustände und Angstzustände

·Rückgang des illegalen Heroin- und Kokainkonsums

·Verbesserung der Wohn- und Arbeitssituation

·Abnahme der Kontakte zur illegalen Drogenszene

·Abnahme der gerichtlichen Verurteilungen

Pharmakokinetik

Absorption

Da Diamorphin stärker lipophil ist als andere Opiate, gelangt es nach intravenöser Injektion sehr

rasch, innerhalb von wenigen Sekunden in das Gehirn und kann einen „Flash“ genannten, blitzartig

eintretenden Wonneschauer auslösen. Diese Dynamik ist bei Verwendung der Tabletten deutlich

weniger ausgeprägt. Die sofort freisetzende Diaphin® IR 200 Tablette vermag innerhalb von

wenigen Minuten ein deutlich spürbares Wirkungsempfinden zu vermitteln, welches als mildes

„Flash“ oder eintretender Wonneschauer beschrieben wird. Aufgrund des sehr flachen und

verzögerten Wirkungseintritts werden bei der Retardform Diaphin® SR 200 Filmtablette nur noch

geringe oder keine Anflutungseffekte verspürt.

Eine orale Dosis normiert auf 300mg führt zu folgenden Werten für Cmax und tmax

IR200

SR200 nüchtern SR200 mit Essen

cmax 476ng/ml

267ng/ml

234ng/ml

tmax 76 ± 52min.

157 ± 71min.

263 ± 33min.

Distribution

Die Serumkonzentrationen des Diamorphin und seiner aktiven Metaboliten zeigen relativ grosse

Schwankungen mit entsprechend spürbarem Tagesgang der Befindlichkeit. Aufgrund der, relativ zu

den entsprechenden Halbwertszeiten sehr langen Dosierungsintervallen (i.d.R. 2-3 mal tgl.), besteht

keine Kumulationsgefahr für das Diamorphin und seine primären Metaboliten 6-MAM und Morphin.

Die Ausnahme stellt der nur in sehr kleinen Mengen gebildete aktive Metabolit Morphin-6-

Glucuronid dar, der eine bedeutend längere Halbwertszeit aufweist. Ohne vorliegende

Niereninsuffizienz besteht jedoch auch da keine Kumulationsgefahr.

Bis zu einer Einzeldosis von 200mg i.v. ist die Pharmakokinetik vom Diamorphin linear, d.h. die

Serumkonzentration steigt proportional zur applizierten Dosis an.

Die Metaboliten Morphin und 6-MAM überwinden die Blut-Hirnschranke rasch. Morphin ist

plazentagängig und wird in der Muttermilch ausgeschieden.

Metabolismus

Nach intravenöser Injektion ist Diamorphin nur während kurzer Zeit im Blut nachweisbar. Es hat

eine Halbwertszeit von etwa 3 Minuten. Es wird im Zentralnervensystem und in peripheren Geweben

durch Abspaltung einer Essigsäuregruppe rasch zu 6-MAM metabolisiert. Mit einer Halbwertszeit

von 20 Minuten wird auch die zweite Acetylgruppe abgespalten. So entsteht als aktiver Metabolit

Morphin, welcher eine Plasmahalbwertszeit von etwa drei Stunden aufweist.

Die hohen, stark variablen Plasmaclearance-Werte für Diamorphin übersteigen den hepatischen und

renalen Plasmafluss deutlich. Dies, und ebenso die vernachlässigbar kleine, renal ausgeschiedene

Menge an unverändertem Diamorphin bezogen auf die applizierte Dosis sprechen für eine

enzymatische Hydrolyse des Diamorphin durch Serum-Cholinesterasen und mit Erythrozyten

assoziierten Esterasen.

Morphin wird bei der Metabolisierung in der Leber vorallem in Morphin-3-Glucuronid

umgewandelt. Weitere Metaboliten, die in geringerer Menge gebildet werden, sind Morphin-6-

Glucuronid (pharmakologisch aktiv) und Normorphin.

Nach oraler Applikation sind sowohl DAM als auch sein Metabolit 6-MAM nur in Spuren im Blut

nachweisbar. DAM wird aber sehr gut resorbiert, denn es entstehen aus DAM oral signifikant höhere

Plasmaspiegel von Morphin und seinen Metaboliten, als bei der direkten Gabe von Morphin selbst.

Elimination

Die Ausscheidung der Metaboliten (Morphinglucuronide) erfolgt über die Galle mit anschliessender

Sekretion in den Gastrointestinaltrakt. Dort werden die Konjugate hydrolysiert und das freie Morphin

erneut absorbiert (enterohepatischer Kreislauf). Die Elimination erfolgt neben der Galle (7-10%)

hauptsächlich über die Niere.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Schwangerschaft: Diamorphin und aktive Metaboliten gelangen via Plazenta in das ungeborene

Kind. Wegen der noch nicht voll ausgebildeten Blut-Hirnschranke kann Morphin im kindlichen ZNS

höhere Konzentrationen erreichen als bei der Mutter.

Toleranz

Unter regelmässig wiederholter Diamorphin-Einnahme ist schon innerhalb weniger Tage eine

Gewöhnung an den Wirkstoff zu beobachten. Die Opiattoleranz ist aus vielfältigen einzelnen

Adaptationsvorgängen in verschiedenen neuronalen und neurochemischen Systemen

zusammengesetzt. Die Expression verschiedener Proteine und Peptide wird verändert und die Dichte

der Rezeptoren oft vermindert („Downregulation“). Die kurzdauernde Verabreichung von

Diamorphin führt zu einer Zunahme der β-Endorphin-Konzentrationen im Gehirn. Antagonisten

bzw. Entzug wirken gegenteilig. Bei längerdauernder Opiatverabreichung normalisiert sich der β-

Endorphinspiegel jedoch. Chronische Einnahme eines Opiats erzeugt Kreuztoleranz gegenüber

anderen Opiaten.

Abhängigkeit/Entzug

Täglicher Konsum von Diamorphin erzeugt innert kurzer Zeit eine Abhängigkeit, welche sich beim

Absetzen oder Dosisreduktion durch Entzugssymptome äussert. Entzugssymptome sind

rezeptorspezifische Reaktionen. Der Mechanismus, welcher zur Toleranz bei chronischem

Diamorphin-Konsum führt, spielt für das Entzugssyndrom eine umgekehrte Rolle: Wenn die Zufuhr

ausbleibt, dann genügen die geringen Mengen an körpereigenen Opiaten und Peptiden nicht, um die

verminderte Zahl Rezeptoren genauso stark zu stimulieren wie vorher die gewohnte Diamorphin-

Dosis. Zudem fällt beim Entzug die Hemmung der Katecholaminausschüttung weg, so dass grosse

Mengen von Adrenalin und Noradrenalin freigesetzt werden. Diese sind für die unangenehmen

Entzugsempfindungen (Mydriase, motorische Unruhe, Nervosität, Reizbarkeit, Gähnen, Niesen,

Tränen, kalter Schweiss, Durchfall, Bauchkrämpfe, Blutdrucksenkung) hauptsächlich verantwortlich.

Opiatentzug ist an sich kaum gefährlich. Gefährlich ist jedoch der Toleranzverlust bei allfälligem

erneutem Opiatkonsum. Bei jeder Entzugsbehandlung muss auf die aus dem Toleranzverlust

resultierenden Gefahren hingewiesen werden (siehe „Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen“).

Präklinische Daten

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential

Aus Diamorphin entsteht metabolisch Morphin. Hierfür liegen zur Mutagenität klar positive Befunde

vor, die darauf hindeuten, dass Morphin klastogen wirkt und eine solche Wirkung auch auf

Keimzellen ausübt. Aufgrund der Ergebnisse mehrerer Mutagenitätstests ist Morphin als mutagen

wirksame Substanz anzusehen; eine derartige Wirkung muss auch im Menschen angenommen

werden. Diamorphin sollte nur unter sicherer Kontrazeption eingenommen werden.

Langzeituntersuchungen auf ein tumorerzeugendes Potential von Diamorphin und Morphin liegen

nicht vor.

Reproduktionstoxizität

Aus Diamorphin entsteht metabolisch Morphin. Bei Mäusen und Hamstern sind nach einmaliger

Verabreichung hoher Dosen von Morphin während der Organogenesephase ZNS-Defekte

(Exencephalie, Cranioschisis) beobachtet worden. Bei der Maus wurden zusätzlich Störungen der

Segmentation festgestellt, die sich in Rippen- und Vertebraverwachsungen äusserten. Die

Trächtigkeitsrate lag bei Ratten in hoher Dosis von Morphin (70mg/kg/Tag) während der Tage 5-20

der Trächtigkeit nur bei 6%, so dass Auswirkungen auf den Präimplantationsembryo bzw. den

Implantationsvorgang zu vermuten sind. Beim Menschen besteht für Morphin möglicherweise eine

Assoziation mit einer erhöhten Prävalenz für Inguinalhernien.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Diaphin® 10g i.v. Injektionspräparat Trockenampulle darf nicht mit anderen Arzneimitteln oder

Lösungsmitteln außer mit sterilem Wasser für Injektionszwecke rekonstituiert werden.

Haltbarkeit

Die Trockenampullen, Tabletten und Filmtabletten sind bei Raumtemperatur (15-25°C) und die

Lösungen im Kühlschrank (bei 2-8°C und vor Licht geschützt) aufzubewahren. Die Lösung ist 2

Wochen haltbar.

Ausser Reichweite von Kindern lagern

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet

werden.

Für weiterführende Informationen zu risiko-mindernden Massnahmen und den Anforderungen an die

Infrastruktur der Behandlungszentren siehe Handbuch der heroingestützten Behandlung, Bundesamt

für Gesundheit, Oktober 2000 und Richtlinien und Behandlungsempfehlungen für die ambulante

medizinische Betreuung bei der ärztlichen Verschreibung von Betäubungsmitteln, Seidenberg A.,

1997.

Zulassungsnummer

55561 (Swissmedic) Diaphin 10g i.v., Injektionspräparat

57720 (Swissmedic) Diaphin SR 200, Filmtabletten

57724 (Swissmedic) Diaphin IR 200, Tabletten

Packungen

Ampullen zu 10g in Sammelpackungen zu 15 Ampullen, [A+]

Tabletten IR 200 in 10er Blister, Packungen zu 100 Tabletten, [A+]

Filmtabletten SR 200 in 10er Blister, Packungen zu 100 Tabletten, [A+]

Zulassungsinhaberin

DiaMo Narcotics GmbH, Thun

Stand der Information

Juli 2014

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