Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation (PIL)

15-06-2021

Fachinformation Fachinformation (SPC)

15-06-2021

Wirkstoff:
Agomelatin-Harnstoff (1:1)
Verfügbar ab:
ratiopharm GmbH (3087881)
ATC-Code:
NO6AX22
INN (Internationale Bezeichnung):
Agomelatine-Urea (1:1)
Darreichungsform:
Filmtablette
Zusammensetzung:
Agomelatin-Harnstoff (1:1) (43610) 31,171 Milligramm
Verabreichungsweg:
zum Einnehmen
Berechtigungsstatus:
Verkehrsfähigkeit: Ja
Zulassungsnummer:
98738.00.00
Berechtigungsdatum:
2018-07-27

Dokumente in anderen Sprachen

Öffentlichen Beurteilungsberichts Öffentlichen Beurteilungsberichts - Englisch

14-03-2019

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Gebrauchsinformation: Information für Patienten

Agomelatin-ratiopharm

®

25 mg Filmtabletten

Agomelatin

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter.

Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Agomelatin-ratiopharm

und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

beachten?

Wie ist Agomelatin-ratiopharm

einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Agomelatin-ratiopharm

aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Agomelatin-ratiopharm

®

und wofür wird es angewendet?

Agomelatin-ratiopharm

enthält den Wirkstoff Agomelatin. Er gehört zu einer Gruppe von

Arzneimitteln, die als Antidepressiva bezeichnet werden. Es wurde Ihnen zur Behandlung Ihrer

depressiven Erkrankung verschrieben.

Agomelatin-ratiopharm

wird bei Erwachsenen angewendet.

Bei einer depressiven Erkrankung handelt es sich um eine andauernde Störung der Stimmungslage,

die das Leben im Alltag beeinträchtigt. Die Symptome der depressiven Erkrankung sind bei den

betroffenen Patienten unterschiedlich, dazu zählen jedoch häufig tiefe Traurigkeit, ein Gefühl der

Wertlosigkeit, der Verlust des Interesses an Lieblingsbeschäftigungen, Schlafstörungen, das Gefühl,

gebremst zu sein, Angstgefühle sowie Gewichtsveränderungen.

Der zu erwartende Nutzen von Agomelatin-ratiopharm

ist, die Beschwerden im

Zusammenhang mit Ihrer Depression zu bessern und schrittweise zu beseitigen.

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

®

beachten?

Agomelatin-ratiopharm

®

darf nicht eingenommen werden,

wenn Sie allergisch gegen Agomelatin oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels sind.

wenn Ihre Leber nicht richtig arbeitet (Leberfunktionsstörung).

wenn Sie Fluvoxamin (ein anderes Arzneimittel zur Behandlung von depressiven

Erkrankungen) oder Ciprofloxacin (ein Antibiotikum) einnehmen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Agomelatin-ratiopharm

einnehmen.

Es kann Gründe geben, weshalb Agomelatin-ratiopharm

möglicherweise nicht für Sie geeignet ist:

Wenn Sie Arzneimittel einnehmen, die die Leber beeinflussen, fragen Sie Ihren

Arzt diesbezüglich um Rat.

Wenn Sie übergewichtig oder fettleibig sind, fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Wenn Sie Diabetiker sind, fragen Sie Ihren Arzt um Rat.

Wenn bei Ihnen vor der Behandlung mit Agomelatin-ratiopharm

erhöhte Leberenzymwerte

festgestellt wurden, wird Ihr Arzt entscheiden, ob Agomelatin-ratiopharm

für Sie geeignet ist.

Wenn Sie unter einer bipolaren Störung leiden, manische Symptome hatten oder diese

entstehen (d.h. eine Phase ungewöhnlich starker Erregbarkeit und Gefühle), sprechen Sie mit

Ihrem Arzt, bevor Sie beginnen, das Arzneimittel einzunehmen bzw. weiterhin einnehmen

(siehe auch 4. „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).

Wenn Sie an Demenz leiden, wird Ihr Arzt individuell beurteilen, ob Agomelatin-

ratiopharm

für Sie geeignet ist.

Während Ihrer Behandlung mit Agomelatin-ratiopharm

Was ist zu tun, um mögliche schwerwiegende Leberprobleme zu vermeiden

Ihr Arzt sollte

vor Beginn der Behandlung

überprüft haben, ob Ihre Leber richtig arbeitet.

Bei manchen Patienten können während der Behandlung mit Agomelatin-ratiopharm

erhöhte

Leberenzymwerte im Blut auftreten. Deshalb sollen zu folgenden Zeitpunkten

Nachfolgeuntersuchungen erfolgen:

Behandlungs-

beginn oder

Dosissteigerung

nach ca.

Wochen

nach ca.

Wochen

nach ca.

Wochen

nach ca.

Wochen

Blutuntersuchung

Basierend auf der Auswertung dieser Tests wird Ihr Arzt entscheiden, ob Sie Agomelatin-

ratiopharm

weiter einnehmen oder absetzen sollen (siehe auch 3. „Wie ist Agomelatin-

ratiopharm

einzunehmen?“).

Achten Sie auf Anzeichen und Symptome, die darauf hindeuten, dass Ihre Leber nicht richtig arbeitet

Wenn Sie eines der folgenden Anzeichen und Symptome von Leberproblemen

beobachten: ungewöhnlich dunkler Urin, hell gefärbter Stuhl, gelbe Haut/Augen,

Schmerzen im rechten Oberbauch, ungewöhnliche Erschöpfung (vor allem im

Zusammenhang mit den anderen hier aufgeführten Symptomen), holen Sie

unverzüglich den Rat Ihres Arztes ein, der Ihnen gegebenenfalls raten wird,

Agomelatin-ratiopharm

®

abzusetzen.

Suizidgedanken und Verschlechterung Ihrer Depression

Wenn Sie depressiv sind, können Sie manchmal Gedanken daran haben, sich selbst zu verletzen oder

Suizid zu begehen. Solche Gedanken können bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva

verstärkt sein, denn alle diese Arzneimittel brauchen einige Zeit bis sie wirken, gewöhnlich etwa

zwei Wochen, manchmal auch länger.

Das Auftreten derartiger Gedanken ist wahrscheinlicher,

wenn Sie bereits früher einmal Gedanken daran hatten, sich das Leben zu nehmen oder

daran gedacht haben, sich selbst zu verletzen.

wenn Sie ein junger Erwachsener sind. Ergebnisse aus klinischen Studien haben ein erhöhtes

Risiko für das Auftreten von Suizidverhalten bei jungen Erwachsenen (im Alter bis 25 Jahre)

gezeigt, die unter einer psychiatrischen Erkrankung litten und mit einem Antidepressivum

behandelt wurden.

Gehen Sie zu einem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf, wenn Sie zu

irgendeinem Zeitpunkt Gedanken daran entwickeln, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben

zu nehmen.

Es kann hilfreich sein, wenn Sie einem Freund oder Verwandten erzählen, dass Sie depressiv

sind. Bitten Sie diese Personen, diese Packungsbeilage zu lesen. Fordern Sie sie auf, Ihnen

mitzuteilen, wenn sie den Eindruck haben, dass sich Ihre Depression verschlimmert oder wenn

sie sich Sorgen über Verhaltensänderungen bei Ihnen machen.

Ältere Patienten

Die Wirksamkeit von Agomelatin-ratiopharm

bei Patienten ab 75 Jahren ist nicht belegt.

Agomelatin-ratiopharm

sollte daher bei diesen Patienten nicht angewendet werden.

Kinder und Jugendliche

Agomelatin-ratiopharm

ist nicht für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen bestimmt (unter

18 Jahre alt).

Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

®

zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden,

kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Sie dürfen Agomelatin-ratiopharm

nicht zusammen mit bestimmten Arzneimitteln einnehmen (siehe

auch 2. „Agomelatin-ratiopharm

darf nicht eingenommen werden“):

Fluvoxamin (ein anderes Arzneimittel zur Behandlung von depressiven Erkrankungen) und

Ciprofloxacin (ein Antibiotikum) können die zu erwartende Dosis von Agomelatin in Ihrem

Blut verändern.

Achten Sie darauf, Ihren Arzt über die Einnahme folgender Arzneimittel zu informieren:

Propranolol (ein Betablocker zur Behandlung des Bluthochdrucks), Enoxacin (ein Antibiotikum)

und Rifampicin (ein Antibiotikum).

Informieren Sie Ihren Arzt, falls Sie mehr als 15 Zigaretten pro Tag rauchen.

Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

®

zusammen mit Alkohol

Es ist nicht ratsam, während einer Behandlung mit Agomelatin-ratiopharm

Alkohol zu trinken.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker

um Rat.

Stillzeit

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie stillen oder beabsichtigen zu stillen.

Wenn Sie Agomelatin-ratiopharm

einnehmen, sollten Sie abstillen.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Es kann bei Ihnen zu Schwindelgefühl oder Schläfrigkeit kommen, was Ihre Verkehrstüchtigkeit

und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen kann. Sie sollten sicherstellen, dass

Ihre Reaktionsfähigkeit normal ist, bevor Sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen.

Agomelatin-ratiopharm

®

enthält Lactose und Natrium

Bitte nehmen Sie Agomelatin-ratiopharm

erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen

bekannt ist, dass Sie unter einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern leiden.

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Filmtablette, d.h., es ist nahezu

„natriumfrei“.

3.

Wie ist Agomelatin-ratiopharm

®

einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ein.

Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die empfohlene Dosis von Agomelatin-ratiopharm

beträgt eine Tablette (25 mg) beim Zubettgehen.

In manchen Fällen kann der Arzt eine höhere Dosis verordnen (50 mg), das heißt zwei Tabletten beim

Zubettgehen.

Bei den meisten depressiven Patienten beginnt Agomelatin-ratiopharm

innerhalb von zwei Wochen

nach Behandlungsbeginn auf die Symptome einer Depression zu wirken. Der Arzt kann Ihnen

Agomelatin-ratiopharm

auch dann noch verordnen, wenn Sie sich besser fühlen, um ein

Wiederauftreten Ihrer depressiven Erkrankung zu verhindern.

Wie wechselt man von einem Antidepressivum (SSRI/SNRI) auf Agomelatin-ratiopharm?

Wenn Ihr Arzt Ihre bisherige antidepressive Behandlung von einem SSRI oder SNRI auf

Agomelatin-ratiopharm

umstellt, wird sie/er Sie anleiten, wie Sie Ihr bisheriges Arzneimittel

absetzen sollen, wenn Sie mit der Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

beginnen.

Im Zusammenhang mit dem Absetzen Ihres bisherigen Arzneimittels können für einige

Wochen Absetzsymptome auftreten, selbst dann, wenn die Dosierung Ihres bisherigen

Antidepressivums schrittweise verringert wird.

Absetzsymptome beinhalten: Schwindel, Benommenheit, Schlafstörungen, Unruhe oder Angst,

Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Zittern. Diese Beschwerden sind in der Regel schwach

bis mäßig ausgeprägt und verschwinden spontan innerhalb weniger Tage.

Wenn mit Agomelatin-ratiopharm

während der Ausschleichphase des bisherigen Arzneimittels

begonnen wird, sollten mögliche Absetzsymptome nicht mit dem Fehlen eines frühen

Ansprechens auf Agomelatin-ratiopharm

verwechselt werden.

Sie sollten mit Ihrem Arzt besprechen, wie Sie am besten Ihr bisheriges Antidepressivum

absetzen, wenn Sie mit der Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

beginnen.

Kontrolle der Leberfunktion (siehe auch Abschnitt 2)

Ihr Arzt wird Laboruntersuchungen durchführen, um zu überprüfen, ob Ihre Leber richtig arbeitet,

vor Beginn der Behandlung und danach in regelmäßigen Abständen, normalerweise nach 3, 6, 12

und 24 Wochen.

Wenn Ihr Arzt die Dosierung auf 50 mg erhöht, sollten Laboruntersuchungen durchgeführt werden,

zu Beginn der Dosissteigerung und danach in regelmäßigen Abständen, normalerweise nach 3, 6, 12

und 24 Wochen. Falls es nach Ansicht des Arztes erforderlich ist, können daran anschließend weitere

Laborkontrollen erfolgen.

Sie dürfen Agomelatin-ratiopharm

nicht nehmen, wenn Ihre Leber nicht richtig arbeitet.

Wenn Sie Nierenprobleme haben, wird Ihr Arzt individuell beurteilen, ob die Einnahme von

Agomelatin-ratiopharm

für Sie sicher ist.

Art der Anwendung

Agomelatin-ratiopharm

ist zum Einnehmen bestimmt. Schlucken Sie Ihre Tablette mit etwas

Wasser. Agomelatin-ratiopharm

kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

Dauer der Behandlung

Um sicherzustellen, dass Sie beschwerdefrei sind, sollte die Behandlung Ihrer Depression über

einen ausreichenden Zeitraum von mindestens 6 Monaten erfolgen.

Beenden Sie die Einnahme des Arzneimittels nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt, auch wenn

Sie sich besser fühlen.

Wenn Sie eine größere Menge von Agomelatin-ratiopharm

®

eingenommen haben, als Sie sollten

Wenn Sie eine größere Menge von Agomelatin-ratiopharm

als vorgesehen eingenommen haben, oder

wenn zum Beispiel ein Kind das Arzneimittel versehentlich eingenommen hat, wenden Sie sich bitte

unverzüglich an Ihren Arzt.

Es liegen nur begrenzt Erfahrungen zur Überdosierung mit Agomelatin-ratiopharm

vor. Zu den

berichteten Symptomen gehören Schmerzen im oberen Bauchbereich, Schläfrigkeit, Ermüdung,

Unruhe, Angst, Anspannung, Schwindel, Zyanose (blaue Färbung der Haut) oder Unwohlsein.

Wenn Sie die Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

®

vergessen haben

Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben.

Nehmen Sie die nächste Dosis zur üblichen Zeit ein.

Der auf der Blisterpackung mit den Tabletten aufgedruckte Kalender soll Ihnen als Gedächtnisstütze

dienen, wann Sie zum letzten Mal eine Tablette Agomelatin-ratiopharm

eingenommen haben.

Wenn Sie die Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

®

abbrechen

Sie sollten mit Ihrem Arzt sprechen, bevor Sie die Einnahme dieses Arzneimittels beenden.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt

oder Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Die meisten Nebenwirkungen sind in ihrer Ausprägung leicht oder mäßig. Sie treten normalerweise

in den ersten beiden Behandlungswochen auf und sind im Allgemeinen vorübergehend.

Zu diesen Nebenwirkungen gehören:

Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen)

Kopfschmerzen

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen)

Schwindel

Schläfrigkeit (Somnolenz)

Schlafschwierigkeiten (Schlaflosigkeit)

Übelkeit

Durchfall

Verstopfung

Bauchschmerzen

Rückenschmerzen

Müdigkeit

Angst

ungewöhnliche Träume

erhöhte Leberenzymwerte im Blut

Erbrechen

Gewichtszunahme

Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen)

Migräne

Kribbeln in Fingern und Zehen (Parästhesie)

verschwommenes Sehen

Restless-leg-Syndrom (eine Erkrankung, die durch einen unkontrollierbaren Bewegungsdrang in

den Beinen gekennzeichnet ist)

Ohrensausen

vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)

Ekzem

Juckreiz

Urtikaria (Nesselsucht)

Unruhe

Gereiztheit

Ruhelosigkeit

aggressives Verhalten

Alpträume

Manie/Hypomanie (siehe auch 2. „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“)

Suizidgedanken oder suizidales Verhalten

Verwirrtheit

Gewichtsabnahme

Muskelschmerzen

Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen)

schwerer Hautausschlag (erythematöser Hautausschlag)

Gesichtsödem (Schwellung)

Angioödem (Anschwellen von Gesicht, Lippen, Zunge und/oder Hals, was zu Schwierigkeiten

beim Atmen oder Schlucken führen kann)

Hepatitis

gelbe Färbung der Haut oder des Augapfels (Gelbsucht)

Leberversagen (es wurden wenige Fälle mit Lebertransplantation oder tödlichem Ausgang

berichtet)

Halluzinationen

Unfähigkeit still zu halten (aufgrund körperlicher und mentaler Unruhe)

Unfähigkeit die Harnblase vollständig zu entleeren

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch

für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können

Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt.

Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzeigen.

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Agomelatin-ratiopharm

®

aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und der Blisterpackung angegebenen

Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten Tag des

angegebenen Monats.

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

Entsorgen Sie Arzneimittel niemals über das Abwasser (z. B. nicht über die Toilette oder das

Waschbecken). Fragen Sie in Ihrer Apotheke, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht

mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der Umwelt bei. Weitere Informationen finden Sie

unter www.bfarm.de/arzneimittelentsorgung.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Agomelatin-ratiopharm

®

enthält

Der Wirkstoff ist Agomelatin.

Jede Filmtablette enthält 25 mg Agomelatin (als Agomelatin-Harnstoff).

Die sonstigen Bestandteile sind:

Tablettenkern:

Lactose-Monohydrat, Calciumhydrogenphosphat-Dihydrat,

Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.), Hochdisperses Siliciumdioxid,

Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]

Filmüberzug

: Lactose-Monohydrat, Hypromellose, Eisen(III)-hydroxid-oxid x H

O (E172),

Macrogol 4000, Titandioxid (E171).

Wie Agomelatin-ratiopharm

®

aussieht und Inhalt der Packung

Agomelatin-ratiopharm

25 mg Filmtabletten sind dunkelgelbe, ovale, bikonvexe Filmtabletten, mit

der Prägung „25“ auf einer Seite. Größe: ungefähr 8,5 mm x 4,5 mm.

Agomelatin-ratiopharm

25 mg Filmtabletten sind in Blisterpackungen mit 14, 28, 56, 84, 91 und 98

Filmtabletten erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

Hersteller

Pliva Hrvatska d.o.o.

Beiname: Pliva Croatia Ltd.

- TAPI Croatia

Prilaz baruna Filipovića 25

10000 Zagreb

Kroatien

Dieses Arzneimittel ist in den Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR)

unter den folgenden Bezeichnungen zugelassen:

Deutschland

Agomelatin-ratiopharm

25 mg Filmtabletten

Portugal

Agomelatina ratiopharm

Spanien

Agomelatina ratiopharm 25 mg comprimidos recubiertos con película EFG

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Januar 2021.

Versionscode: Z03

FACHINFORMATION

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Agomelatin-ratiopharm

25 mg Filmtabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Jede Filmtablette enthält 25 mg Agomelatin (als Agomelatin-Harnstoff).

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung

Jede Filmtablette enthält 55 mg Lactose (als Monohydrat).

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Filmtablette

Dunkelgelbe, ovale, bikonvexe Filmtabletten, mit der Prägung „25“ auf einer Seite.

Größe: ungefähr 8,5 mm x 4,5 mm.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Behandlung von Episoden einer Major-Depression. Agomelatin-ratiopharm

wird angewendet bei

Erwachsenen.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Die empfohlene Dosis beträgt 25 mg, die einmal täglich beim Zubettgehen einzunehmen ist.

Sofern nach zweiwöchiger Behandlung keine Besserung der Symptome eingetreten ist, kann die

Dosis auf einmal täglich 50 mg (2 Tabletten à 25 mg) beim Zubettgehen erhöht werden.

Eine Entscheidung für eine Dosissteigerung muss gegen das höhere Risiko eines Anstiegs der

Transaminasenwerte abgewogen werden. Jede Dosissteigerung auf 50 mg sollte auf einer

individuellen Nutzen/Risiko-Abwägung für den Patienten beruhen und die Vorgaben zur Kontrolle

der Leberfunktion sollten strikt befolgt werden.

Bei allen Patienten sollen vor Beginn der Behandlung Leberfunktionstests (Kontrolle der

Transaminasen) durchgeführt werden. Die Behandlung darf nicht begonnen werden, wenn die

Transaminasenwerte das 3-Fache des oberen Normbereichs überschreiten (siehe Abschnitte 4.3

und 4.4).

Während der Behandlung sollen die Transaminasenwerte regelmäßig nach ca. 3 Wochen, 6 Wochen

(Ende der akuten Phase), 12 und 24 Wochen (Ende der Erhaltungsphase) sowie danach, wenn

klinisch indiziert, kontrolliert werden (siehe auch Abschnitt 4.4). Die Behandlung soll abgebrochen

werden, wenn der Anstieg der Transaminasen das 3-Fache des oberen Normbereichs überschreitet

(siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).

Nach einer Dosissteigerung sollen Leberfunktionstests erneut in derselben Häufigkeit wie zu

Beginn der Behandlung durchgeführt werden.

Dauer der Anwendung

Patienten mit einer Depression sollen über einen ausreichenden Zeitraum von mindestens 6

Monaten behandelt werden um sicherzustellen, dass sie symptomfrei sind.

Wechsel der Therapie von einem SSRI/SNRI-Antidepressivum zu Agomelatin

Nach dem Absetzen von SSRI/SNRI-Antidepressiva können bei Patienten Absetzsymptome

auftreten. Die Fachinformation des aktuell eingenommenen SSRI/SNRI sollte bezüglich des

Absetzens der Behandlung zu Rate gezogen werden, um dies zu vermeiden. Mit der Einnahme von

Agomelatin kann sofort begonnen werden, während die Dosis des SSRI/SNRI schrittweise reduziert

wird (siehe Abschnitt 5.1).

Absetzen der Behandlung

Bei einem Absetzen der Behandlung ist kein Ausschleichen der Dosis erforderlich.

Spezielle Patientengruppen

Ältere Patienten

Bei älteren depressiven Patienten (< 75 Jahre) wurde die Wirksamkeit und Sicherheit von

Agomelatin (25 bis 50 mg/Tag) belegt. Bei Patienten ≥ 75 Jahre wurde die Wirksamkeit nicht

belegt. Agomelatin sollte deshalb nicht bei Patienten dieser Altersgruppe angewendet werden (siehe

Abschnitte 4.4 und 5.1). Eine Dosisanpassung hinsichtlich des Alters ist nicht erforderlich (siehe

Abschnitt 5.2).

Niereninsuffizienz

Es wurde keine wesentliche Veränderung der pharmakokinetischen Parameter von Agomelatin

bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz beobachtet. Jedoch ist die klinische Datenlage über

die Anwendung von Agomelatin bei depressiven Patienten mit schwerer oder mäßiger

Niereninsuffizienz begrenzt. Daher ist Vorsicht bei der Anwendung von Agomelatin-ratiopharm

bei diesen Patienten geboten.

Eingeschränkte Leberfunktion

Agomelatin-ratiopharm

ist bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion kontraindiziert

(siehe Abschnitte 4.3, 4.4 und 5.2).

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Agomelatin bei Kindern ab einem Alter von 2 Jahren zur

Behandlung von Episoden einer Major-Depression ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor

(siehe Abschnitt 4.4). Es gibt im Anwendungsgebiet von Episoden einer Major-Depression keinen

relevanten Nutzen von Agomelatin-ratiopharm

bei Kindern ab Geburt bis zu einem Alter von 2

Jahren.

Art der Anwendung

Zum Einnehmen.

Agomelatin-ratiopharm

kann unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden.

4.3

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile.

Eingeschränkte Leberfunktion (d. h. Leberzirrhose oder aktive Lebererkrankung) oder erhöhte

Transaminasenwerte um mehr als das 3-Fache des oberen Normbereichs (siehe Abschnitte 4.2

und 4.4).

Gleichzeitige Anwendung von starken CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Fluvoxamin, Ciprofloxacin)

(siehe Abschnitt 4.5).

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Kontrolluntersuchungen der Leberfunktion (Serumtransaminasen)

Nach der Markteinführung sind bei Patienten, die mit Agomelatin behandelt wurden, Fälle von

Leberschädigung, einschließlich Leberinsuffizienz (bei Patienten mit Risikofaktoren für eine

Leberschädigung in wenigen Ausnahmefällen mit tödlichem Ausgang oder Lebertransplantation),

erhöhte Leberenzymwerte um mehr als das 10-Fache des oberen Normbereichs, Hepatitis und Ikterus

berichtet worden (siehe Abschnitt 4.8). Die meisten traten in den ersten Behandlungsmonaten auf. Die

Form der Leberschädigung ist überwiegend hepatozellulär, wobei die erhöhten Transaminasenwerte

für gewöhnlich nach dem Absetzen von Agomelatin auf normale Werte zurückgehen.

Vor Beginn der Behandlung ist Vorsicht geboten und alle Patienten sollen während der

Behandlung engmaschig überwacht werden, vor allem Patienten mit Risikofaktoren für eine

Leberschädigung oder bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die zu einer

Leberschädigung führen können.

Vor Beginn der Behandlung

Agomelatin-ratiopharm

soll bei Patienten mit Risikofaktoren für eine Leberschädigung, wie z. B.

Fettleibigkeit, Übergewicht, nicht-alkoholisch bedingte Fettleber, Diabetes,

Alkoholmissbrauch und/oder Konsum beträchtlicher Mengen an Alkohol

oder bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die zu einer Leberschädigung führen

können, nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden.

Vor Behandlungsbeginn sollen bei allen Patienten Transaminasenkontrollen durchgeführt werden.

Die Behandlung darf bei Ausgangswerten von ALT und/oder AST > 3-fach höher als der obere

Normbereich nicht initiiert werden (siehe Abschnitt 4.3).

Vorsicht ist geboten bei der Anwendung von Agomelatin-ratiopharm

bei Patienten, die bereits vor

der Behandlung erhöhte Transaminasenwerte aufweisen (> als der obere Normbereich und ≤ 3-fach

höher als der obere Normbereich).

Während der Behandlung

Agomelatin-ratiopharm

ist sofort abzusetzen, wenn:

Symptome oder Anzeichen einer möglichen Leberschädigung auftreten (z. B. dunkler

Urin, hell gefärbter Stuhl, gelbe Haut/Augen, Schmerzen im rechten Oberbauch,

anhaltende, neu auftretende und unerklärliche Müdigkeit).

Transaminasenwerte über das 3-Fache des oberen Normbereiches ansteigen.

Nach dem Absetzen von Agomelatin-ratiopharm

sollten Leberfunktionstests so lange wiederholt

werden, bis die Transaminasenwerte wieder den Normbereich erreicht haben.

Häufigkeit der Leberfunktionstests (Kontrolle der Transaminasen)

vor Beginn der Behandlung

und dann:

nach ca. 3 Wochen,

nach ca. 6 Wochen (Ende der akuten Phase),

nach ca. 12 und 24 Wochen (Ende der Erhaltungsphase)

und danach, wenn klinisch angezeigt.

Nach Dosissteigerung sollen diese Leberwertkontrollen erneut in derselben Häufigkeit

wie zu Beginn der Behandlung durchgeführt werden.

Bei jedem Patienten, bei dem erhöhte Transaminasenwerte auftreten, sollten

diese Leberwertkontrollen innerhalb von 48 Stunden wiederholt werden.

Kinder und Jugendliche

Agomelatin-ratiopharm

wird für die Behandlung der Depression bei Patienten unter 18 Jahren

nicht empfohlen, da die Sicherheit und Wirksamkeit von Agomelatin in dieser Altersgruppe nicht

belegt wurden.

Suizidales Verhalten (Suizidversuche und -gedanken) sowie Feindseligkeit (vorwiegend

Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut) wurden in klinischen Studien bei Kindern

und Jugendlichen mit anderen Antidepressiva häufiger im Vergleich zu Placebo beobachtet

(siehe Abschnitt 4.2).

Ältere Patienten

Bei Patienten ≥ 75 Jahren wurde die Wirksamkeit von Agomelatin nicht belegt. Agomelatin

sollte deshalb bei Patienten dieser Altersgruppe nicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.2

und 5.1).

Anwendung bei älteren Patienten mit Demenz

Agomelatin-ratiopharm

sollte nicht zur Behandlung von depressiven Episoden bei älteren

Patienten mit Demenz angewendet werden, da die Sicherheit und Wirksamkeit von Agomelatin

bei diesen Patienten nicht belegt wurden.

Bipolare Störung/Manie/Hypomanie

Agomelatin-ratiopharm

sollte bei Patienten mit bipolarer Störung, Manie oder Hypomanie in der

Anamnese mit Vorsicht eingesetzt werden. Die Behandlung sollte abgebrochen werden, wenn bei

einem Patienten manische Symptome auftreten (siehe Abschnitt 4.8).

Suizid/Suizidgedanken

Depressive Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken,

selbstschädigendem Verhalten und Suizid (Suizid-bezogene Ereignisse) verbunden. Dieses erhöhte

Risiko besteht, bis es zu einer signifikanten Linderung der Symptome kommt. Da diese nicht

unbedingt schon während der ersten Behandlungswochen auftritt, sollten die Patienten daher bis zum

Eintritt einer Besserung engmaschig überwacht werden. Die bisherige klinische Erfahrung zeigt, dass

das Suizidrisiko zu Beginn einer Behandlung ansteigen kann.

Bei Patienten mit suizidalem Verhalten in der Anamnese oder solchen, die vor der Therapie

ausgeprägte Suizidabsichten hatten, ist das Risiko für die Auslösung von Suizidgedanken oder –

versuchen erhöht. Sie sollten daher während der Behandlung besonders sorgfältig überwacht werden.

Eine Meta-Analyse von Placebo-kontrollierten klinischen Studien zur Anwendung von

Antidepressiva bei Erwachsenen mit psychiatrischen Störungen zeigte für Patienten unter 25 Jahren,

die Antidepressiva einnahmen, ein erhöhtes Risiko für suizidales Verhalten im Vergleich zu Placebo.

Die Arzneimitteltherapie sollte mit einer engmaschigen Überwachung der Patienten, vor allem der

Patienten mit hohem Suizidrisiko, insbesondere zu Beginn der Behandlung und nach

Dosisanpassungen einhergehen. Patienten (und deren Betreuer) sind auf die Notwendigkeit einer

Überwachung hinsichtlich jeder klinischen Verschlechterung, des Auftretens von suizidalem

Verhalten oder Suizidgedanken und ungewöhnlicher Verhaltensänderungen hinzuweisen. Sie sollten

unverzüglich medizinischen Rat einholen, wenn derartige Symptome auftreten.

Kombination mit CYP1A2-Inhibitoren (siehe Abschnitte 4.3 und 4.5)

Bei gleichzeitiger Anwendung von Agomelatin-ratiopharm

mit mäßigen CYP1A2-Inhibitoren

(z. B. Propranolol, Enoxacin) ist Vorsicht geboten, da dies zu einer erhöhten Agomelatin-

Exposition führen könnte.

Sonstige Bestandteile

Lactose

Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase- Mangel oder Glucose-

Galactose-Malabsorption sollten Agomelatin-ratiopharm

nicht anwenden.

Natrium

Agomelatin-ratiopharm

enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Filmtablette, d. h., es ist

nahezu „natriumfrei“.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Mögliche Wirkungen von anderen Arzneimitteln auf Agomelatin

Agomelatin wird hauptsächlich durch Cytochrom P450 1A2 (CYP1A2) (90 %) und durch

CYP2C9/2C19 (10 %) metabolisiert. Arzneimittel, die mit diesen Isoenzymen interagieren, können die

Bioverfügbarkeit von Agomelatin entweder vermindern oder verstärken.

Fluvoxamin, ein starker CYP1A2- und moderater CYP2C9-Inhibitor, hemmt deutlich den

Metabolismus von Agomelatin. Dies führt zu einem 60-fachen (12- bis 412-fachen) Anstieg der

Agomelatin-Exposition. Daher ist die gleichzeitige Anwendung von Agomelatin-ratiopharm

starken CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Fluvoxamin, Ciprofloxacin) kontraindiziert.

Die Kombination von Agomelatin mit Östrogenen (mäßige CYP1A2-Inhibitoren) führt zu einer

mehrfach erhöhten Agomelatin-Exposition. Obwohl es bei den 800 Patienten, die gleichzeitig

Östrogene erhielten, keine speziellen Anzeichen auf mangelnde Sicherheit gab, sollte die gleichzeitige

Anwendung von Agomelatin und mäßigen CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Propranolol, Enoxacin) mit

Vorsicht erfolgen, bis mehr Daten zur Verfügung stehen (siehe Abschnitt 4.4).

Rifampicin induziert alle drei an der Metabolisierung von Agomelatin beteiligten Cytochrom-

Isoenzyme und kann daher die Bioverfügbarkeit von Agomelatin verringern.

Es wurde gezeigt, dass Zigarettenrauch, ein CYP1A2-Induktor, die Bioverfügbarkeit von Agomelatin

vor allem bei starken Rauchern (≥ 15 Zigaretten pro Tag) verringern kann (siehe Abschnitt 5.2).

Mögliche Wirkungen von Agomelatin auf andere Arzneimittel

In vivo

induziert Agomelatin CYP450-Isoenzyme nicht. Agomelatin hemmt

in vivo

weder CYP1A2

noch

in vitro

andere Cytochrom-P450-Isoenzyme. Daher hat Agomelatin keinen Einfluss auf die

Exposition anderer Arzneimittel, die durch Cytochrom P450 metabolisiert werden.

Andere Arzneimittel

Phase-1-Studien ergaben keinen Nachweis für eine pharmakokinetische oder pharmakodynamische

Interaktion mit Arzneimitteln, die den entsprechenden Patienten gleichzeitig mit Agomelatin verordnet

werden könnten: Benzodiazepine, Lithium, Paroxetin, Fluconazol und Theophyllin.

Alkohol

Die gleichzeitige Einnahme von Agomelatin-ratiopharm

und Alkohol ist nicht ratsam.

Elektrokonvulsionstherapie (EKT)

Es liegen keine Erfahrungen über die gleichzeitige Anwendung von Agomelatin und EKT vor.

Tierstudien haben keine krampffördernden Eigenschaften gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Daher werden

klinische Auswirkungen einer EKT, die gleichzeitig mit einer Agomelatin-Behandlung durchgeführt

wird, als unwahrscheinlich angesehen.

Kinder und Jugendliche

Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen (weniger als 300 Schwangerschaftsausgänge)

mit der Anwendung von Agomelatin bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien lassen nicht

auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf Schwangerschaft, embryonale/fetale

Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung schließen (siehe Abschnitt 5.3). Aus

Vorsichtsgründen sollte eine Anwendung von Agomelatin-ratiopharm

während der Schwangerschaft

vermieden werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Agomelatin/Metabolite in die Muttermilch beim Menschen übergehen. Die zur

Verfügung stehenden pharmakodynamischen/toxikologischen Daten vom Tier haben gezeigt, dass

Agomelatin/Metabolite in die Milch übergehen (siehe Abschnitt 5.3). Ein Risiko für

Neugeborene/Kinder kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss daher eine Entscheidung darüber

getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Agomelatin

verzichtet werden soll bzw. die Behandlung zu unterbrechen ist. Dabei ist sowohl der Nutzen des

Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen.

Fertilität

Reproduktionsstudien an Ratten und Kaninchen haben keine Auswirkung von Agomelatin auf die

Fertilität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Agomelatin hat geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen.

Da Schwindelgefühl und Schläfrigkeit häufige Nebenwirkungen darstellen, sollten Patienten auf ihre

möglicherweise eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

hingewiesen werden.

4.8

Nebenwirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Die Nebenwirkungen waren in der Regel leicht bis mäßig und traten während der ersten beiden

Behandlungswochen auf. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen, Übelkeit und

Schwindel. Diese Nebenwirkungen waren meistens vorübergehend und führten im Allgemeinen nicht

zum Abbruch der Behandlung.

Tabellarische Zusammenstellung der Nebenwirkungen

Die nachfolgende Tabelle repräsentiert die Nebenwirkungen, welche in Placebo-kontrollierten und

aktiv-kontrollierten Studien beobachtet wurden.

Die Nebenwirkungen werden nach folgenden Häufigkeiten unten aufgeführt: sehr häufig (≥ 1/10);

häufig (≥ 1/100 bis < 1/10); gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100); selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000);

sehr selten (< 1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht

abschätzbar). Die Häufigkeiten sind nicht Placebo-korrigiert.

Systemorganklasse

Häufigkeit

Psychiatrische

Erkrankungen

häufig

Angst

abnorme Träume*

gelegentlich

Suizidgedanken oder suizidales Verhalten (siehe

Abschnitt 4.4)

Agitiertheit und damit verbundene Symptome*

(wie Gereiztheit und Unruhe)

Aggression*

Alpträume*

Manie/Hypomanie*

Diese Symptome können auch durch die

Grunderkrankung bedingt sein (siehe Abschnitt

4.4).

Verwirrtheitszustand*

selten

Halluzinationen*

Erkrankungen des

Nervensystems

sehr häufig

Kopfschmerzen

häufig

Schwindel

Schläfrigkeit

Schlaflosigkeit

gelegentlich

Migräne

Parästhesie

Restless-leg-Syndrom*

selten

Akathisie*

Augenerkrankungen

gelegentlich

verschwommenes Sehen

Erkrankungen des Ohrs

und des Labyrinths

gelegentlich

Tinnitus*

Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakts

häufig

Übelkeit

Diarrhoe

Obstipation

Bauchschmerzen

Erbrechen*

Leber- und

Gallenerkrankungen

häufig

erhöhte AST- und/oder ALT-Werte (in klinischen

Studien wurden Erhöhungen > 3-fach höher als

der obere Normbereich bei 1,2 % der Patienten

unter Agomelatin 25 mg/Tag und 2,6 % unter

Agomelatin 50 mg/Tag vs. 0,5 % unter Placebo

beobachtet)

gelegentlich

erhöhte γ-GT* (Gammaglutamyltransferase) (> 3-

fach höher als der obere Normbereich)

selten

Hepatitis

erhöhte alkalische Phosphatase* (> 3-fach höher

als der obere Normbereich)

Leberinsuffizienz*

Ikterus*

Erkrankungen der Haut

und des

Unterhautzellgewebes

gelegentlich

vermehrtes Schwitzen (Hyperhidrose)

Ekzem

Pruritus*

Urtikaria*

selten

erythematöser Ausschlag

Gesichtsödem und Angioödem*

Skelettmuskulatur-,

Bindegewebs- und

Knochenerkrankungen

häufig

Rückenschmerzen

gelegentlich

Myal

Erkrankungen der Nieren

und Harnwege

selten

Harnretention*

Allgemeine Erkrankungen

und Beschwerden am

Verabreichungsort

häufig

Müdigkeit

Untersuchungen

häufig

Gewichtszunahme*

gelegentlich

Gewichtsabnahme*

Die Häufigkeit für unerwünschte Ereignisse aus Spontanberichten wurde anhand von Daten aus

klinischen Studien berechnet.

Bei Patienten mit Risikofaktoren für eine Leberschädigung wurden wenige Ausnahmefälle mit

tödlichem Ausgang oder Lebertransplantation berichtet.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-

Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Symptome

Es liegen nur begrenzt Erfahrungen zur Überdosierung von Agomelatin vor. Die Erfahrung mit

Agomelatin-Überdosierungen zeigte, dass Schmerzen im Epigastrium, Schläfrigkeit, Ermüdung,

Agitiertheit, Angst, Anspannung, Schwindel, Zyanose oder Unwohlsein berichtet wurden. Eine

Person, die 2.450 mg Agomelatin eingenommen hatte, erholte sich spontan ohne kardiovaskuläre und

biologische Auffälligkeiten.

Behandlung

Für Agomelatin ist kein spezifisches Antidot bekannt. Eine Überdosierung sollte symptomatisch und

unter laufender Überwachung behandelt werden. Eine weitere Überwachung in einer spezialisierten

Einrichtung wird empfohlen.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Psychoanaleptika, andere Antidepressiva,

ATC-Code: NO6AX22

Wirkmechanismus

Agomelatin ist ein melatonerger (MT

- und MT

-Rezeptoren) Agonist und 5-HT

-Antagonist.

Bindungsstudien zeigen, dass Agomelatin keinen Effekt auf die Monoaminaufnahme hat und keine

Affinität zu α- und β-adrenergen, histaminergen, cholinergen, dopaminergen und Benzodiazepin-

Rezeptoren aufweist.

Agomelatin resynchronisiert circadiane Rhythmen in Tiermodellen mit Störung des circadianen

Rhythmus. Agomelatin erhöht die Freisetzung von Noradrenalin und Dopamin speziell im frontalen

Cortex und hat keinen Einfluss auf den extrazellulären Serotoninspiegel.

Pharmakodynamische Wirkungen

Agomelatin hat in Tiermodellen für Depression (learned helplessness-Test, despair-Test, chronic mild

stress) sowie auch in Modellen zur Desynchronisation circadianer Rhythmen und in Modellen zu

Stress und Angstzuständen antidepressive Effekte gezeigt.

Beim Menschen hat Agomelatin positive Eigenschaften auf die Phasenverschiebung; es induziert eine

Phasenvorverlagerung sowohl des Einschlafens als auch der Absenkung der Körpertemperatur und des

Beginns der Melatoninsekretion.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

Die Wirksamkeit und Sicherheit von Agomelatin zur Behandlung von Episoden einer Major-

Depression wurden in einem klinischen Studienprogramm mit 7.900 Patienten untersucht, welche mit

Agomelatin behandelt wurden.

Zur Untersuchung der Kurzzeit-Wirksamkeit von Agomelatin bei Episoden einer Major-Depression

bei Erwachsenen wurden zehn Placebo-kontrollierte Studien mit fixer Dosierung und/oder

Dosissteigerung durchgeführt. Nach dem Ende der Behandlung (über 6 oder 8 Wochen) wurde die

signifikante Wirksamkeit von Agomelatin 25-50 mg in sechs dieser zehn Placebo-kontrollierten

Doppelblindstudien nachgewiesen. Der primäre Endpunkt war die Änderung des HAMD-17 Score im

Vergleich zur Baseline. Agomelatin zeigte keinen Unterschied gegenüber Placebo in zwei Studien, in

denen die aktiven Kontrollsubstanzen Paroxetin oder Fluoxetin Assay-Sensitivität zeigten. Agomelatin

wurde nicht direkt mit Paroxetin oder Fluoxetin verglichen, da beide Vergleichssubstanzen eingesetzt

wurden, um die Assay-Sensitivität sicherzustellen.

Zwei weitere Studien konnten nicht bewertet werden, da sich die aktiven Kontrollsubstanzen

Paroxetin oder Fluoxetin nicht von Placebo unterschieden. Jedoch war es in diesen Studien nicht

zulässig die Startdosis von Agomelatin, Paroxetin oder Fluoxetin zu erhöhen, selbst bei nicht

ausreichender Response.

Die Wirksamkeit wurde auch bei Patienten mit schwerer Depression (Baseline HAM-D ≥ 25) in allen

positiven Placebo-kontrollierten Studien beobachtet.

Die Responderraten waren unter Agomelatin im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant höher.

Überlegenheit (2 Studien) oder Nicht-Unterlegenheit (4 Studien) im Vergleich zu SSRI/SNRI

(Sertralin, Escitalopram, Fluoxetin, Venlafaxin oder Duloxetin) wurde in sechs von sieben

Wirksamkeitsstudien in einer heterogenen Population von depressiven erwachsenen Patienten gezeigt.

Die antidepressive Wirksamkeit wurde entweder als primärer Endpunkt oder als sekundärer Endpunkt

anhand des HAMD-17 Score bewertet.

In einer Studie zur Rückfallprävention konnte der Erhalt der antidepressiven Wirksamkeit gezeigt

werden. Patienten, die auf eine 8- bzw. 10-wöchige Akutbehandlung mit Agomelatin 25-50 mg

Tabletten (einmal täglich, open-label) ansprachen, wurden für weitere 6 Monate entweder auf

Agomelatin 25-50 mg einmal täglich oder Placebo randomisiert. Agomelatin 25-50 mg Tabletten

einmal täglich zeigten eine statistisch signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo (p=0,0001)

bezogen auf das primäre Zielkriterium (Prävention eines depressiven Rückfalls), gemessen als Zeit bis

zum Auftreten eines Rückfalls. Die Inzidenz für Rückfälle während der 6-monatigen doppelblinden

follow-up-Phase betrug 22 % für Agomelatin bzw. 47 % für Placebo.

Agomelatin verändert bei gesunden Probanden nicht die Aufmerksamkeit am Tag oder das

Gedächtnis. Bei depressiven Patienten erhöhte Agomelatin 25 mg den „Slow Wave Sleep“ ohne den

REM (Rapid Eye Movement)-Schlafanteil oder die REM-Latenz zu verändern. Agomelatin 25 mg

induzierte auch eine Verkürzung der Einschlafzeit und der Zeit bis zum Herzfrequenzminimum.

Bereits ab der ersten Behandlungswoche zeigte sich eine signifikante Verbesserung im Hinblick auf

das Einschlafen und die Schlafqualität, wobei nach Beurteilung durch die Patienten keine

Tagesmüdigkeit auftrat.

In einer speziellen Vergleichsstudie zur sexuellen Dysfunktion konnte bei Patienten in Remission

unter Agomelatin ein numerischer Trend (statistisch nicht signifikant) zu weniger sexueller

Dysfunktion bei den Erregungs- und Orgasmus-Scores nach der Sex Effects Scale (SEXFX) als unter

Venlafaxin gezeigt werden. Die zusammengefasste Analyse verschiedener Studien mit der Arizona

Sexual Experience Scale (ASEX) ergab, dass Agomelatin nicht im Zusammenhang mit sexueller

Dysfunktion stand. Bei gesunden Probanden blieb unter Agomelatin-ratiopharm

die sexuelle

Funktion im Vergleich zu Paroxetin erhalten.

Agomelatin verhielt sich in klinischen Studien in Bezug auf Herzfrequenz und Blutdruck neutral.

In einer Studie zur Beurteilung von Absetzsymptomen mittels der Discontinuation Emergent Signs

and Symptoms (DESS)-Checkliste bei Patienten in der Remission induzierte Agomelatin nach

abruptem Behandlungsabbruch kein Absetzsyndrom.

Agomelatin hat kein Missbrauchspotential, wie in Studien an gesunden Probanden mit Hilfe einer

speziellen visuellen Analogskala oder auch der Addiction Research Center Inventory (ARCI) 49-

Punkte-Liste festgestellt wurde.

In einer 8-wöchigen Placebo-kontrollierten Studie an älteren depressiven Patienten (≥ 65 Jahre;

n=222, davon erhielten 151 Agomelatin), die täglich 25-50 mg Agomelatin erhielten, zeigte sich ein

statistisch signifikanter Unterschied von 2,67 Punkten im HAM-D-Gesamt Score, dem primären

Endpunkt. Die Analyse der Responderraten zeigte einen Vorteil zugunsten von Agomelatin. Bei sehr

alten Patienten (≥ 75 Jahre; n=69, davon erhielten 48 Agomelatin) konnte keine Verbesserung

beobachtet werden. Die Verträglichkeit von Agomelatin bei älteren Patienten ist vergleichbar mit der

bei jüngeren Erwachsenen.

Eine spezifische kontrollierte Studie über 3 Wochen wurde bei Patienten mit Episoden einer Major-

Depression, die sich nur unzureichend unter Paroxetin (einem SSRI) oder Venlafaxin (einem SNRI)

verbesserte, durchgeführt. Bei einer Umstellung der Therapie von diesen Antidepressiva auf

Agomelatin traten nach dem Absetzen des SSRI oder des SNRI, sowohl nach abruptem als auch bei

ausschleichendem Absetzen der vorangegangenen Therapie, Absetzsymptome auf. Diese

Absetzsymptome können mit einem fehlenden frühen Ansprechen auf Agomelatin verwechselt

werden.

Der Prozentsatz an Patienten mit zumindest einem Absetzsymptom eine Woche nach

Behandlungsende mit SSRI/SNRI war geringer in der Gruppe mit längerer Ausschleichphase

(schrittweises Absetzen des bisherigen SSRI/SNRI über einen Zeitraum von 2 Wochen) im Vergleich

zur Gruppe mit kurzer Ausschleichphase (schrittweises Absetzen des bisherigen SSRI/SNRI über

einen Zeitraum von 1 Woche) sowie zur Gruppe mit abruptem Wirkstoffwechsel (abruptes Absetzen):

56,1 %, 62,6 % bzw. 79,8 %.

Kinder und Jugendliche

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für das Referenzarzneimittel, das Agomelatin enthält, eine

Zurückstellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen

Altersklassen in der Behandlung von Episoden einer Major-Depression gewährt (siehe Abschnitt 4.2

bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption und Bioverfügbarkeit

Agomelatin wird nach oraler Einnahme schnell und gut (≥ 80 %) resorbiert. Die absolute

Bioverfügbarkeit ist gering (< 5 % bei der oralen therapeutischen Dosis) und die inter-individuelle

Variabilität ist beträchtlich. Die Bioverfügbarkeit ist bei Frauen höher als bei Männern. Sie wird durch

die Einnahme oraler Kontrazeptiva erhöht und durch Rauchen verringert. Die maximale

Plasmakonzentration wird 1 bis 2 Stunden nach der Einnahme erreicht.

Im therapeutischen Dosisbereich nimmt die systemische Agomelatin-Exposition proportional zur

Dosis zu. Bei höherer Dosierung kommt es zu einer Sättigung des First-Pass-Effekts.

Die Bioverfügbarkeit und Resorptionsrate werden durch Nahrungsaufnahme (normale oder auch stark

fetthaltige Speisen) nicht verändert. Die Variabilität nimmt bei stark fetthaltigen Speisen zu.

Verteilung

Das Verteilungsvolumen beträgt im Steady state ungefähr 35 l. Die Plasmaproteinbindung beträgt 95

%, unabhängig von der Konzentration, und bleibt auch bei zunehmendem Alter sowie bei Patienten

mit Niereninsuffizienz unverändert. Die ungebundene Fraktion ist jedoch bei Patienten mit

eingeschränkter Leberfunktion doppelt so hoch.

Biotransformation

Nach oraler Einnahme wird Agomelatin schnell - hauptsächlich durch CYP1A2 in der Leber -

metabolisiert. Die Isoenzyme CYP2C9 und CYP2C19 sind ebenfalls beteiligt, haben jedoch nur einen

geringen Anteil am Metabolismus.

Die Hauptmetaboliten, hydroxyliertes und demethyliertes Agomelatin, sind nicht aktiv und werden

rasch konjugiert und im Urin ausgeschieden.

Elimination

Die Elimination erfolgt rasch. Die mittlere Plasmahalbwertszeit beträgt zwischen 1 und 2 Stunden. Die

Clearance ist hoch (ungefähr 1.100 ml/min) und hauptsächlich metabolisch.

Die Ausscheidung erfolgt vorwiegend (zu 80 %) über den Urin in Form von Metaboliten. Die

Ausscheidung des unveränderten Wirkstoffs über den Urin ist vernachlässigbar.

Die Kinetik ist nach wiederholter Einnahme unverändert.

Patienten mit Niereninsuffizienz

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz wurde keine wesentliche Veränderung der

pharmakokinetischen Parameter beobachtet (n=8; 25 mg als Einzeldosis). Jedoch ist bei Patienten mit

schwerer oder mäßiger Niereninsuffizienz Vorsicht geboten, da bei diesen Patienten nur begrenzt

klinische Daten zur Verfügung stehen (siehe Abschnitt 4.2).

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

In einer speziellen Studie bei zirrhotischen Patienten mit leichter chronischer (Child-Pugh Typ A) oder

mäßiger (Child-Pugh Typ B) Leberfunktionseinschränkung war die Exposition nach Gabe von

Agomelatin 25 mg im Vergleich zu entsprechenden Probanden (Alter, Gewicht und

Rauchgewohnheiten) ohne Leberfunktionsstörung deutlich erhöht (70-fach bei Typ A bzw. 140-fach

bei Typ B) (siehe Abschnitte 4.2, 4.3 und 4.4).

Ältere Patienten

Eine pharmakokinetische Studie an älteren Patienten (≥ 65 Jahre) zeigte, dass bei einer Dosis von 25

mg bei Patienten ≥ 75 Jahre die mittlere AUC und die mittlere Cmax um das 4-Fache und 13-Fache

höher waren als bei Patienten < 75 Jahre. Die Gesamtzahl an Patienten, die 50 mg erhielten war zu

gering, um Rückschlüsse zu ziehen. Eine Dosisanpassung bei älteren Patienten ist nicht erforderlich.

Ethnische Gruppen

Es liegen keine Daten zum Einfluss der Rasse auf die Pharmakokinetik von Agomelatin vor.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Bei Mäusen, Ratten und Affen wurden sowohl nach einmaliger als auch nach wiederholter

Verabreichung hoher Dosen sedierende Effekte beobachtet.

Bei Nagern wurde ab einer Dosis von 125 mg/kg/Tag eine ausgeprägte Induktion von CYP2B sowie

eine mäßige Induktion von CYP1A und CYP3A festgestellt, während bei Affen die Induktion von

CYP2B und CYP3A bei einer Dosis von 375 mg/kg/Tag gering war. In Toxizitätsstudien mit

wiederholter Applikation wurde bei Nagern und Affen keine Hepatotoxizität beobachtet.

Agomelatin geht in die Plazenta und die Föten trächtiger Ratten über.

Reproduktionsstudien an Ratten und Kaninchen haben keinerlei Effekte von Agomelatin auf die

Fertilität, die embryofetale Entwicklung sowie auf die prä- und postnatale Entwicklung gezeigt. Eine

Reihe von

In-vitro-

In-vivo-

Standarduntersuchungen zur Genotoxizität ergab, dass Agomelatin

kein mutagenes oder klastogenes Potential besitzt.

In Karzinogenitätsstudien induzierte Agomelatin in einer Dosierung, die mindestens 110-mal höher

war als die therapeutische Dosis, eine Zunahme der Inzidenz von Lebertumoren bei Ratten und

Mäusen. Die Lebertumore stehen höchstwahrscheinlich in Zusammenhang mit einer für Nager

spezifischen Enzyminduktion. Die Häufigkeit von gutartigen Mammafibroadenomen bei Ratten nahm

bei hohen Expositionen (60-fach höher als die therapeutische Dosis) zu, blieb jedoch im Rahmen der

Kontrollen.

Studien zur Sicherheitspharmakologie haben keinen Effekt von Agomelatin auf den hERG (human

Ether à-go-go Related Gene)-Strom oder auf das Aktionspotential von Purkinje-Zellen beim Hund

ergeben. Agomelatin hat keine prokonvulsiven Eigenschaften nach intraperitonealer Applikation von

Dosen bis zu 128 mg/kg bei Mäusen und Ratten gezeigt.

Es wurden keine Effekte von Agomelatin auf Verhaltensmuster, visuelle und reproduktive Funktionen

bei jungen Tieren festgestellt. Eine leichte dosisunabhängige Gewichtsabnahme, die auf die

pharmakologischen Eigenschaften zurückzuführen ist, sowie geringfügige Auswirkungen auf

männliche Geschlechtsorgane, jedoch ohne Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit, wurden

beobachtet.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Tablettenkern:

Lactose-Monohydrat

Calciumhydrogenphosphat Dihydrat

Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.)

Hochdisperses Siliciumdioxid

Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]

Filmüberzug:

Lactose-Monohydrat

Hypromellose

Eisen(III)-hydroxid-oxid x H

O (E172)

Macrogol 4000

Titandioxid (E171)

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend

6.3

Dauer der Haltbarkeit

2 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

OPA/Al/PE + Trockenmittel Calciumoxid/Al/PE-Blisterpackung mit 14, 28, 56, 84, 91 und 98

Filmtabletten.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen für die Beseitigung.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

8.

ZULASSUNGSNUMMER(N)

98738.00.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 25. Juli 2018

10.

STAND DER INFORMATION

Januar 2021

11.

VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

Lesen Sie das vollständige Dokument

Zusammenfassung des öffentlichen

Bewertungsberichts

Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten

Agomelatin-Harnstoff (1:1)

Zulassungsinhaber: ratiopharm GmbH

HAUSANSCHRIFT

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

53175 Bonn

+49 (0)228 99 307-0

+49 (0)228 99 307-5207

E-MAIL

poststelle@bfarm.de

INTERNET

www.bfarm.de

Seite 2 von 3

Dieses Dokument enthält die Zusammenfassung des öffentlichen Bewertungsberichtes. Sie

erklärt, wie das BfArM den zugrundeliegenden Zulassungsantrag bewertet hat und zu seiner

Empfehlung für die Anwendung des Arzneimittels gekommen ist.

Für praktische Hinweise zur Anwendung des Arzneimittels lesen Sie bitte die Packungsbeilage

oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Was ist Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten und wofür wird es eingesetzt?

Die Wirkstoffzusammensetzung von Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten ist:

Agomelatin-Harnstoff (1:1)

31.171

Bei Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten handelt es sich um ein so genanntes

Generikum. Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten ist gleichwertig mit einem

Arzneimittel, das in der Europäischen Union (EU) bereits seit mindestens 10 Jahren zugelassen ist

und dadurch als Bezugs- oder Referenzarzneimittel dienen kann.

Das Arzneimittel ist in folgenden Anwendungsgebieten zugelassen:

Behandlung von Episoden einer Major-Depression. Dieses Arzneimittel wird angewendet bei

Erwachsenen.

(Stand: 25.07.2018)

Wie ist das Arzneimittel anzuwenden?

Bitte lesen Sie Abschnitt 3 der Packungsbeilage „Wie ist Agomelatin-ratiopharm 25 mg

Filmtabletten einzunehmen/anzuwenden?“

Was sind die Nutzen und Risiken von Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten?

Das Arzneimittel ist therapeutisch gleichwertig zum Referenzarzneimittel. Nutzen und Risiken

entsprechen daher denen des Referenzarzneimittels.

Der pharmazeutische Unternehmer hat zudem einen Risikomanagementplan entwickelt, um

sicherzustellen, dass das Arzneimittel so sicher wie möglich angewendet wird. Im

Risikomanagementplan sind bekannte sowie zum Zeitpunkt der Zulassung des Arzneimittels

vermutete potenzielle Risikoaspekte beschrieben und Strategien festgelegt, wie diesen

risikomindernd begegnet werden kann. Dabei handelt es sich z.B. um Informationen, die bereits

in der Packungsbeilage und in der Fachinformation aufgeführt sind, auf die jedoch im

Risikomanagementplan noch einmal gesondert und vertieft eingegangen wird. Der

Risikomanagementplan wird regelmäßig entsprechend dem neuesten Erkenntnisstand der

Wissenschaft aktualisiert.

Seite 3 von 3

Für weitere Informationen lesen Sie bitte auch Abschnitt 2 der Packungsbeilage „Was müssen Sie

vor der Anwendung von Agomelatin-ratiopharm 25 mg Filmtabletten beachten?“ in Verbindung

mit Abschnitt 4 der Packungsbeilage „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“

Warum wurde das Arzneimittel zugelassen?

Das BfArM ist bei der Bewertung dieses Arzneimittels zu dem Schluss gekommen, dass der

Nutzen mögliche Anwendungsrisiken, z.B. das Auftreten von Nebenwirkungen, übersteigt.

Der öffentliche Bewertungsbericht kann auf der folgenden Internet-Seite abgerufen werden:

http://mri.medagencies.org/Human/ bzw. http://www.dimdi.de/static/de/db/dbinfo/aj29.htm.

Änderungen, die seit Erstellung des öffentlichen Bewertungsberichts vorgenommen wurden,

sind den publizierten und aktualisierten Produktinformationstexten zu entnehmen.

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