VINCRISTIN LIQUID, L 1 mg/ml Injektionslösung

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Vincristinsulfat
Verfügbar ab:
STADAPHARM, Gesellschaft mit beschränkter Haftung
ATC-Code:
L01CA02
INN (Internationale Bezeichnung):
Vincristine sulfate
Darreichungsform:
Injektionslösung
Zusammensetzung:
Vincristinsulfat 1.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
3266.00.00

GEBRAUCHSINFORMATION: Information für den Anwender

VINCRISTIN LIQUID, L

1 mg/ml Injektionslösung

Wirkstoff: Vincristinsulfat

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der

Anwendung dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals

lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker oder

Ihre Pflegefachkraft.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte

weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen

Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker>

oder Ihre Pflegefachkraft. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Gebrauchsinformation angegeben sind.

Was in dieser Gebrauchsinformation steht:

Was ist VINCRISTIN LIQUID, L und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Anwendung von VINCRISTIN LIQUID, L beachten?

Wie ist VINCRISTIN LIQUID, L anzuwenden?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist VINCRISTIN LIQUID, L aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1. Was ist

VINCRISTIN LIQUID, L

und wofür wird es angewendet?

VINCRISTIN LIQUID, L ist ein Arzneimittel gegen Krebs aus der Gruppe der Vinca-

Alkaloide.

VINCRISTIN LIQUID, L wird bei folgenden Indikationen in der Regel in der

Kombinationschemotherapie angewendet:

Remissionseinleitung und Konsolidierung bei akuter lymphatischer Leukämie, ein

schnellwachsender Tumor, bei dem der Körper eine große Anzahl an unreifen

weißen Blutzellen produziert

Tumor der Lymphgefäße (Hodgkin-Lymphome)

Tumorerkrankungen der Lymphknoten, die nicht auf die Hodgkin-Krankheit

zurückzuführen sind (Non-Hodgkin-Lymphome)

bei Brustkrebs, der sich auf andere Körperteile ausgebreitet hat (Palliativtherapie

(lindernde Therapie) bei ansonsten therapieresistenten Fällen)

Tumore der Lunge (Kleinzelliges Bronchialkarzinom)

Sarkome [osteogenes (die Knochen betreffend) Sarkom], Ewing-Sarkom (eine

bestimmte Art von Knochentumor), Rhabdomyosarkom (Weichteil-

/Muskeltumor))

Wilms-Tumor, eine Art Nierentumor

Bösartige Tumore des Nervensystems, am häufigsten im Nebennierenmark zu

finden (Neuroblastome)

VINCRISTIN LIQUID, L wird in der Monotherapie angewendet bei:

Hämatomen (innere Blutungen) mit verminderter Plättchenanzahl

(Therapierefraktären idiopathischen Thrombozytopenien (Morbus Werlhof))

2. Was sollten Sie vor der Einnahme von

VINCRISTIN LIQUID, L b

eachten?

VINCRISTIN LIQUID, L darf NICHT angewendet werden:

wenn Sie allergisch gegen Vincristin, Methyl-4-hydroxybenzoat, Propyl-4-

hydroxybenzoat oder einen der in Abschnitt 6 genannten sonstigen Bestandteile

dieses Arzneimittels sind.

wenn Sie an einer Nerven – oder Muskelkrankheit leiden(demyelinisierende

Form des Charcot-Marie-Tooth-Syndroms).

bei ausgeprägter Knochenmarkschädigung (Knochenmarkdepression).

wenn Ihre Leberfunktion stark eingeschränkt ist.

wenn Sie eine Strahlentherapie erhalten, die die Leber miteinbezieht

VINCRISTIN LIQUID, L darf keinesfalls in die Rückenmarkflüssigkeit (intrathekal)

verabreicht werden, da diese Anwendungsart tödliche Folgen hat.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen:

VINCRISTIN LIQUID, L darf nur über eine Vene (intravenös) keinesfalls in die

Rückenmarkflüssigkeit verabreicht werden, weil diese Anwendungsart tödliche

Folgen hat!

Sie müssen darauf achten, VINCRISTIN LIQUID, L nicht in die Augen zu bekommen.

Falls es doch zu einem Kontakt gekommen ist, müssen Sie die Augen sofort mit

reichlich Wasser spülen und wenn eine Reizung bestehen bleibt, Ihren Arzt

kontaktieren.

Bei versehentlichem Hautkontakt muss die Haut mit reichlich Wasser abgespült

werden. Anschließend sollten Sie sich mit einer milden Seife waschen und noch

einmal gründlich spülen.

Bei versehentlicher Injektion neben eine Vene (paravenöse Anwendung) können

lokale Entzündungen bis hin zu schweren Nekrosen (lokaler Gewebstod) auftreten.

Die Injektion muss in diesem Fall sofort abgebrochen werden.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker oder Ihrer Pflegefachkraft, bevor

Sie VINCRISTIN LIQUID, L anwenden:

wenn Sie an das Nervensystem betreffenden Krankheiten leiden.

wenn Sie an Leberfunktionsstörungen leiden.

wenn Sie andere Arzneimittel anwenden, die schädigend auf das Nervensystem

wirken oder eine Strahlentherapie erhalten. Ihr Arzt wird Sie in diesem Fall

sorgfältig während der Behandlung überwachen.

wenn Sie älter sind. Ihr Arzt wird sie in diesem Fall sorgfältig überwachen.

wenn Sie durch die Behandlung mit diesem Arzneimittel Verstopfung bekommen.

Ihr Arzt wird etwas zur Vorbeugung von Verstopfung unternehmen, wie z.B. Ihre

Ernährung umstellen oder Ihnen ein Arzneimittel verordnen, um die

Darmbewegung zu verbessern (Abführmittel, insbesondere Lactulose).

wenn Sie an Erkrankungen des Herzens leiden, wie z.B. ischämische

Herzerkrankungen (Zirkulationsstörungen des Blutkreislaufs)

wenn Sie eine Infektion entwickeln.

Anwendung von VINCRISTIN LIQUID, L mit anderen Arzneimitteln:

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker wenn Sie andere Arzneimittel anwenden,

kürzlich andere Arzneimittel angewendet haben oder beabsichtigen andere

Arzneimittel anzuwenden.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit nachfolgend genannten Arzneistoffen bzw.

Präparategruppen kann eine Wechselwirkung zwischen VINCRISTIN LIQUID, L und

dem eingenommenen Arzneimittel auftreten:

die Blutgerinnung hemmende Arzneimittel (orale Antikoagulantien).

Cytochrom-P450-Isoenzym CYP3A Hemmstoffe oder P-

Glykoproteinhemmstoffe, wie z.B. Ritonavir, Nelfinavir, Ketoconazol,

Itraconazol, Erythromycin, Ciclosporin, Nifedipin und Nedozon.

Calciumantagonisten, speziell Nifedipin.

Phenytoin und Fosphenytoin.

andere Zytostatika.

L-Asparaginase und andere neurotoxische bzw. potenziell neurotoxische

Arzneimittel wie z.B. Ciclosporin.

Impfstoffe (Vakzine).

Digoxin.

Mitomycin C.

Bestrahlung.

Kolonie-stimulierende Faktoren (G-CSF, GM-CSF).

myelosuppressive (knochenmarkschädigende) Wirkstoffe.

Dactinomycin.

Bleomycin.

Schwangerschaft und Stillzeit

Vincristinsulfat kann erbgutschädigend und fruchtschädigend wirken.

Männern, die mit VINCRISTIN LIQUID, L behandelt werden, wird daher empfohlen,

während der Behandlung und bis zu 6 Monate danach kein Kind zu zeugen und sich

vor Therapiebeginn wegen der Möglichkeit einer irreversiblen Infertilität (dauerhafte

Unfruchtbarkeit) nach einer Therapie mit VINCRISTIN LIQUID, L über die Möglichkeit

einer Spermakonservierung beraten zu lassen.

VINCRISTIN LIQUID, L sollte während einer Schwangerschaft nicht angewendet

werden. Bei vitaler (lebensnotwendiger) Indikation zur Behandlung einer

schwangeren Patientin, sollte eine medizinische Beratung über das mit der

Behandlung verbundene Risiko von schädigenden Wirkungen für das Kind erfolgen.

Frauen dürfen während einer Behandlung mit VINCRISTIN LIQUID, L und bis zu 6

Monate danach nicht schwanger werden. Tritt während der Behandlung eine

Schwangerschaft ein, so ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen.

Während der Behandlung darf nicht gestillt werden.

Fragen Sie vor der Einnahme/Anwendung von allen Arzneimitteln Ihren Arzt oder

Apotheker um Rat.

Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen:

VINCRISTIN LIQUID, L kann durch Nebenwirkungen am Nervensystem und im

Magen-Darm-Bereich zu einer Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit oder der

Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen führen.

3. Wie ist

VINCRISTIN LIQUID, L

anzuwenden?

VINCRISTIN LIQUID, L soll nur unter der Aufsicht eines in der Zytostatikatherapie

erfahrenen Arztes angewendet werden.

Falls vom Arzt nicht anders verordnet, ist die übliche Dosis:

Erwachsene:

1,4 mg Vincristin/m

Körperoberfläche i.v., 1 x wöchentlich.

Die maximale Gesamtdosis ist 2 mg/Woche.

Kinder mit einem Körpergewicht von bis zu 10 kg:

0,05 mg Vincristin/kg KG i.v., 1 x wöchentlich.

Hinweis: Die Dosierung bei Kleinkindern wird nach dem jeweiligen Körpergewicht

(nicht nach Körperoberfläche) berechnet, da bei Kleinkindern das Verhältnis

zwischen Körperoberfläche und Körpergewicht ungünstig ist und es nach einer

Chemotherapie bei akuter Leukämie im Vergleich zu größeren Kindern zu stärkeren

neurologischen und hepatologischen Nebenwirkungen kommen kann.

Kinder mit einem Körpergewicht von 10 kg und mehr:

2 mg Vincristin/m

Körperoberfläche i.v., 1 x wöchentlich.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion:

Bei Patienten mit einem direkten Serumbilirubin über 3 mg/100 ml wird eine

Reduktion der Vincristindosis um 50% empfohlen.

Die Dosis ist der Indikation, dem angewandten Kombinationschemotherapieplan und

dem Zustand des Patienten individuell anzupassen.

Eine Überdosierung von VINCRISTIN LIQUID, L kann sehr ernste, eventuell tödliche

Folgen haben. Daher ist die exakte Berechnung der zulässigen Dosis besonders

gewissenhaft vorzunehmen.

Art der Anwendung:

VINCRISTIN LIQUID, L darf nur streng intravenös angewendet werden.

Dauer der Anwendung:

Über die Dauer der Anwendung entscheidet der behandelnde Arzt unter

Berücksichtigung der Indikation, des angewandten

Kombinationschemotherapieplanes und des Zustandes des Patienten.

Wenn Sie eine größere Menge von VINCRISTIN LIQUID, L angewendet

haben, als Sie sollten:

Wenn zu viel VINCRISTIN LIQUID, L angewendet wurde, können die beschriebenen

Nebenwirkungen stärker auftreten, da diese zumeist dosisabhängig sind.

Schwerwiegende Erscheinungen können bereits nach Dosen von 3 mg/m

Körperoberfläche auftreten. Bei Kindern unter 13 Jahren haben 10fache

therapeutische Dosen zum Tod geführt. Führende klinische Symptome bei

Überdosierung von Vincristin sind Abdominalschmerzen (Bauchschmerzen),

neurotoxische Erscheinungen mit Reflexausfällen, sensorische und motorische

Störungen, Somnolenz (Schläfrigkeit), Thrombozytopenie (Abnahme der

Blutplättchen), Leukozytopenie (Abnahme der weißen Blutzellen), paralytischer Ileus

(Darmverschluss).

Da ein spezifisches Antidot (Gegenmittel) nicht bekannt ist, sind symptomatische

therapeutische Maßnahmen notwendig.

Zu diesen Maßnahmen zählen:

1. Zur Verhütung von Nebenwirkungen, die von einer Störung der Sekretion des

antidiuretischen Hormons herrühren, gehört die Einschränkung der

Flüssigkeitsaufnahme.

2. Gabe eines Antikonvulsivums (zur Behandlung epileptischer Krampfanfälle) für

mindestens eine Woche nach der Überdosierung.

3. Anwendung von Einläufen, um einem Ileus (Darmverschluss) vorzubeugen.

4. Überwachung des Kreislaufsystems.

5. Eventuell tägliche Hämatokrit- bzw. Hämoglobinbestimmung

(Blutbilduntersuchungen), um den Transfusionsbedarf zu erkennen.

Da nur sehr geringe Mengen Vincristinsulfat im Dialysat erscheinen, ist der Nutzen

einer Hämodialyse (Blutwäsche) in Fällen von Überdosierung fraglich.

Nach einem Einzelbericht konnten Nebenwirkungen nach Vincristin-Überdosierung

durch Plasmapherese (Austausch des Blutplasmas) abgeschwächt werden.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie

sich an Ihren Arzt oder Apotheker oder Ihre Pflegefachkraft.

4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann VINCRISTIN LIQUID, L Nebenwirkungen haben, die aber

nicht bei jedem auftreten müssen.

Die unter der Behandlung mit VINCRISTIN LIQUID, L auftretenden Nebenwirkungen

sind häufig dosisabhängig und in der Regel reversibel. Bei Leberinsuffizienz (Störung

der Leberfunktion) können die Nebenwirkungen infolge verlangsamter

Metabolisierung (Verstoffwechselung) und verzögerter biliärer Ausscheidung

verstärkt auftreten.

Bei Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde

gelegt:

Sehr häufig:

mehr als 1 Behandelter von 10

Häufig:

1 bis 10 Behandelte von 100

Gelegentlich:

1 bis 10 Behandelte von 1.000

Selten:

1 bis 10 Behandelte von 10.000

Sehr selten:

weniger als 1 Behandelter von 10.000

Nicht bekannt:

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Immunsystem

Selten: Überempfindlichkeitsreaktion mit starkem Blutdruckabfall, Blässe, Unruhe,

schwachem schnellem Puls, feuchtkalter Haut und Bewusstseinseintrübung

(Anaphylaxie), Hautausschlag und Flüssigkeitsansammlung.

Blut

Häufig: Vorübergehender Anstieg der Plättchenzahl. Möglich sind Kopfschmerzen,

Schwindel, kribbelnde Hände, Finger oder Füße, eine bläuliche Verfärbung der Nase,

blaue Flecken oder Zahnfleischbluten.

Gelegentlich: Hemmung der Knochenmarkfunktion, veränderte

Blutzusammensetzung, z.B. Anämie (Gefühl von Schwäche, Erschöpfung und/oder

allgemeinem Unwohlsein), Mangel an weißen Blutkörperchen (verbunden mit einer

erhöhten Infektanfälligkeit) und Mangel an Blutplättchen (Neigung zu blauen Flecken

und Blutungen).

Nervensystem

Häufig: Periphere Neuropathie, die eine Schädigung des peripheren Nervensystems

(PNS), den Nerven, die elektrische Signale von Gehirn und Rückenmark zum

übrigen Teil des Körpers und zurück, leiten, zur Folge hat. Dies kann die Bewegung,

die Empfindung, und die Körperfunktionen betreffen. Es können sich Beschwerden

zeigen wie Störungen der Sinneswahrnehmung, Kitzeln, Jucken oder Kribbeln ohne

Ursache, Nervenschmerzen (u. a. im Unterkiefer oder in den Hoden),

Bewegungsschwierigkeiten, Verlust bestimmter Reflexe (tiefe Sehnenreflexe),

Lähmung oder Schwäche der Fußmuskulatur (Fallfuß), Muskelschwäche,

Koordinationsschwierigkeiten (z.B. Laufen wie im betrunkenen Zustand) und

Lähmung.

Die Gehirnnerven können beeinträchtigt sein, was zu einer Lähmung bestimmter

Muskeln, Schwäche der Kehlkopfmuskulatur, Heiserkeit, Stimmbandlähmung.

Schwäche der äußeren Augenmuskeln, herabhängendes Lid (Ptose), Doppeltsehen,

Störungen der Augennerven, Störungen der Nerven außerhalb des Auges,

(vorübergehende) Blindheit führen kann.

Gelegentlich: Krampfanfälle, oft mit Bluthochdruck. Bei Kindern wurde vereinzelt über

Krampfanfälle mit anschließender Bewusstlosigkeit berichtet.

Bewusstseinsveränderungen und seelische Veränderungen wie Depression, Unruhe,

Schlaflosigkeit, Verwirrtheit, schwere seelische Erkrankung, bei der die Kontrolle

über Verhalten und Handlungen gestört ist (Psychose), Wahrnehmung nicht

vorhandener Dinge (Halluzinationen).

Nicht bekannt: In der weißen Substanz des Gehirns auftretende Krankheit

(Leukenzephalopathie). Die Symptome umfassen psychische Störungen und

Krämpfe.

Herz

Gelegentlich: Bei einigen Patienten, die mit Vincristin in Kombination mit anderen

Arzneimitteln zur Behandlung von Krebs behandelt wurden und die früher in der

Herzgegend bestrahlt worden waren, traten Erkrankungen der Blutgefäße des

Herzens und Herzinfarkte auf.

Selten: Hoher Blutdruck oder niedriger Blutdruck.

Atemwege

Häufig: Plötzlich auftretende Kurzatmigkeit und Atemnot infolge einer Verkrampfung

der Atemwegsmuskulatur (Bronchospasmus), besonders bei gleichzeitiger

Anwendung mit Mitomycin C.

Magen-Darm-Trakt

Häufig: Verstopfung, Bauchschmerzen, plötzlicher kolikartiger Bauchschmerz

aufgrund einer Verkrampfung u. a. des Darms und des Gallensystems (Organe und

Gänge [Gallengänge, Gallenblase und zugehörige Strukturen], die an der Herstellung

und dem Transport von Galle beteiligt sind), Übelkeit, Erbrechen.

Gelegentlich: Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Durchfall, verminderte

Darmfunktion aufgrund einer Lähmung (paralytischer Ileus, bei dem der Darm seine

Tätigkeit einstellt und keine Peristaltik mehr stattfindet), insbesondere bei jüngeren

Kindern.

Selten: Entzündung der Mundschleimhaut, Absterben von Gewebe im Dünndarm

und/oder Schäden in der Darmwand.

Sehr selten: Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis).

Leber und Galle

Selten: Venenverschlusskrankheit der Leber, besonders bei Kindern.

Haut

Sehr häufig: Haarausfall (Haarwuchs setzt nach Beendigung der Behandlung wieder

ein).

Ohren und Gleichgewichtsorgan

Gelegentlich: Taubheit

Nieren und Harnwege

Älteren Patienten, die zusätzlich Arzneimittel anwenden, die zu einer verringerten

Blasenentleerung führen (Harnverhaltung), dürfen diese Arzneimittel nicht mehr

anwenden, sobald sie Vincristin verabreicht bekommen haben.

Gelegentlich: Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung (schmerzhaftes, häufiges

oder erschwertes Wasserlassen). Vorliegen hoher Spiegel bestimmter

Abbauprodukte (Harnsäure) im Blut (Hyperurikämie.

Selten: Unangepasste Freisetzung von Antidiuretischem Hormon (ADH) mit

folgenden Anzeichen: niedriger Blutdruck, Flüssigkeitsmangel, abnorme Spiegel von

Stickstoffverbindungen (möglich sind Mundtrockenheit, Verwirrtheit, Erschöpfung),

Flüssigkeitsansammlung mit der Folge von Schwellungen und Natriummangel

(Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion [SIADH]).

Sehr selten: Inkontinenz

Geschlechtsorgane

Dauerhafte Unfruchtbarkeit ist bei männlichen Patienten häufiger als bei weiblichen

Patienten.

Häufig: Fehlende Samenzellen, Nervenschmerzen in den Hoden.

Gelegentlich: Dauerhaftes Ausbleiben der Regelblutung.

Sonstige

Behandlungsbedingte Tumore. Bei einigen Patienten, die eine

Kombinationsbehandlung mit Vincristin und anderen Arzneimitteln zur Behandlung

von Krebs erhielten, trat nach der Behandlung eine andere Krebsart auf.

Häufig: Reizung an der Injektionsstelle.

Gelegentlich: Schmerzen und Entzündung der Venen und des

Unterhautbindegewebes während der Injektion in die Vene, Fieber.

Selten: Kopfschmerzen.

Methyl-4-hydroxybenzoat und Propyl-4-hydroxybenzoat können

Überempfindlichkeitsreaktionen, auch Spätreaktionen und selten Verkrampfung der

Atemwege (Bronchospasmus) hervorrufen.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder

Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Gebrauchsinformation angegeben sind. Sie können Nebenwirkungen auch direkt

anzeigen:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr

Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5. Wie ist

VINCRISTIN LIQUID, L

aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen das Arzneimittel nach dem auf dem Etikett und der Faltschachtel

angegebenen Verfallsdatum nicht mehr verwenden.

Im Kühlschrank lagern (+2°C - +8°C). Das Behältnis im Umkarton aufbewahren, um

den Inhalt vor Licht zu schützen.

Angebrochene Durchstechflaschen können bis zu 14 Tage lang verwendet werden,

wenn sie bei Temperaturen zwischen +2°C und + 8°C aufbewahrt werden.

Sie dürfen VINCRISTIN LIQUID, L nicht verwenden, wenn Sie folgendes bemerken:

Vor der Anwendung sollte die Lösung daraufhin überprüft werden, dass sie frei von

Partikeln ist und keine Verfärbung aufweist.

Nicht verwendetes VINCRISTIN LIQUID, L und alle Materialien, die mit VINCRISTIN

LIQUID, L in Kontakt gekommen sind, müssen gemäß den geltenden Richtlinien für

zytostatische Substanzen sachgerecht entsorgt werden.

Die bei einer Behandlung von Vincristin-Lösung mit Schwefelsäure und

Kaliumpermanganat entstehenden Rückstände waren in vitro nicht mehr mutagen.

6. Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was VINCRISTIN LIQUID, L enthält:

Der Wirkstoff ist Vincristinsulfat. 1 ml Injektionslösung enthält 1 mg Vincristinsulfat.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Essigsäure 99%, Mannitol (Ph.Eur.), Methyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur),

Natriumacetat-Trihydrat, Propyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.), Wasser für

Injektionszwecke.

Wie VINCRISTIN LIQUID, L aussieht und Inhalt der Packung:

Klare farblose Lösung.

VINCRISTIN LIQUID, L ist in Packungen mit 1 Durchstechflasche und in Packungen

mit 1 Fertigspritze erhältlich.

1 Durchstechflasche mit 1 ml Injektionslösung enthält 1 mg Vincristinsulfat

1 Durchstechflasche mit 2 ml Injektionslösung enthält 2 mg Vincristinsulfat

1 Durchstechflasche mit 5 ml Injektionslösung enthält 5 mg Vincristinsulfat

1 Fertigspritze mit 1 ml Injektionslösung enthält 1 mg Vincristinsulfat

1 Fertigspritze mit 2 ml Injektionslösung enthält 2 mg Vincristinsulfat

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller

STADAPHARM GmbH, Stadastraße 2–18, 61118 Bad Vilbel

Telefon: 06101 603-0, Telefax: 06101 603-3888

Diese Gebrauchsinformation wurde zuletzt überarbeitet im Juli 2017.

Die folgenden Informationen sind nur für Ärzte bzw. medizinisches

Fachpersonal bestimmt:

Hinweise für die Handhabung

VINCRISTIN LIQUID, L darf nur mit 0,9 %iger Natriumchloridlösung oder 5 %iger

Glucoselösung verdünnt werden. VINCRISTIN LIQUID, L sollte nicht mit Lösungen

verdünnt werden, die den pH-Wert über den Bereich von 3,5 bis 5 hinaus erhöhen

bzw. erniedrigen und nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Beim Umgang mit Vincristin muss Schutzkleidung getragen werden.

Haut- und Schleimhautkontakte sind zu vermeiden (Handschuhe tragen!). Wenn

Vincristin mit der Haut, Schleimhaut oder den Augen in Berührung kommt, muss

sofort gründlich mit Wasser gespült werden. Zur Reinigung der Haut kann Seife

verwendet werden.

Die Empfehlungen „Sichere Handhabung von Zytostatika“ des Merkblattes M620 der

Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege sollten beachtet

werden.

Hinweise zur Anwendung:

Eine paravenöse (neben eine Vene) Injektion ist sorgfältig zu vermeiden (siehe

Abschnitte 2 und 4). Vor der Applikation von Vincristinsulfat ist die Injektion von 0,9

%iger Natriumchloridlösung ratsam, um sich von der richtigen Lage der Kanüle zu

überzeugen. Ein Durchspülen der Kanüle am Ende der Vincristinsulfat-Injektion kann

lokalen Reizungen an der Injektionsstelle vorbeugen.

Die Injektion kann entweder direkt intravenös oder in den Schlauch einer laufenden

intravenösen Infusion erfolgen und sollte in einer Minute abgeschlossen sein.

Versehentliche paravenöse Injektion (Injektion neben eine Vene)

Bei einer versehentlichen Paravasation ist die Injektion sofort zu stoppen. Die lokale

Injektion von Hyaluronidase und Anwendung von mäßiger Wärme an der betroffenen

Stelle tragen zur Verteilung der in das Gewebe gelangten Lösung bei.

Versehentliche intrathekale Gabe (Einspritzen in die Rückenmarkflüssigkeit)

Eine versehentliche intrathekale Gabe hat eine aufsteigende Lähmung zur Folge, die

zum Tode führt.

Bei einer sehr kleinen Anzahl Patienten konnte eine lebensbedrohliche Lähmung und

anschließender Tod verhindert werden. Es kam allerdings zu schwerwiegenden

neurologischen Folgeerscheinungen und nur begrenzter späterer Erholung.

Aufgrund dem publizierten Vorgehen in den Fällen, in denen die Patienten

überlebten, sollte nach einer versehentlichen intrathekalen Gabe von Vincristin

sofort nach der Injektion mit der folgenden Behandlung begonnen werden:

1. Entfernung von soviel Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) wie ohne Risiko über einen

lumbalen Zugang möglich ist.

2. Einbringen eines Epiduralkatheters in den Subarachnoidalraum über den

Intervertebralraum oberhalb des initialen lumbalen Zugangs und Liquorspülung mit

Ringer-Laktat-Lösung.

Gefrorenes Frischplasma sollte angefordert werden. Sobald es zur Verfügung

steht, sollte die Ringer-Laktat-Lösung mit 25 ml Frischplasma pro Liter versetzt

werden.

3. Einbringen eines intraventrikulären Drains oder Katheters durch einen

Neurochirurgen und Fortsetzung der Spülung der Zerebrospinalflüssigkeit, wobei

Flüssigkeit durch den lumbalen Zugang entfernt wird, der mit einem

geschlossenen Drainage-System verbunden ist. Ringer-Laktat-Lösung wird

kontinuierlich 150 ml/Stunde bzw. 75 ml/Stunde infundiert, nachdem Frischplasma

hinzugefügt wurde.

Die Geschwindigkeit der Infusion sollte so angepasst werden, dass die Protein-

Konzentration in der Zerebrospinalflüssigkeit 150 mg/dl beträgt.

Zusätzlich wurden folgende Maßnahmen angewandt, die möglicherweise aber nicht

essenziell sind:

100 mg Folinsäure als intravenöse Bolus-Injektion, gefolgt von einer 24stündigen

Infusion von 25 mg Folinsäure/Stunde, anschließend 4 x 25 mg Folinsäure i.v./Tag

für eine Woche.

Intravenöse Infusion von 10 g Glutaminsäure über 24 Stunden, gefolgt von einer

täglichen oralen Gabe von 3 x 500 mg Glutaminsäure für die Dauer von einem

Monat.

Intravenöse Infusion von 50 mg Pyridoxin alle 8 Stunden über 30 Minuten.

Welche Rolle diese Maßnahmen für die Reduktion der Neurotoxizität spielten, ist

unklar.

Seite 1

Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels / SPC)

1. Bezeichnung des Arzneimittels

VINCRISTIN LIQUID, L

1 mg/ml Injektionslösung

Wirkstoff: Vincristinsulfat

2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung

1 ml Injektionslösung enthält 1 mg Vincristinsulfat.

Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Methyl-4-hydroxybenzoat 1,3 mg,

Propyl-4-hydroxybenzoat 0,2 mg.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3. Darreichungsform

Injektionslösung

Klare farblose Lösung

4. Klinische Angaben

4.1 Anwendungsgebiete

Vincristin wird bei folgenden Indikationen in der Regel in der

Kombinationschemotherapie angewendet:

Remissionseinleitung und Konsolidierung bei akuter lymphatischer Leukämie

Hodgkin-Lymphome

Non-Hodgkin-Lymphome

metastasiertes Mamma-Karzinom (Palliativtherapie bei ansonsten

therapieresistenten Fällen)

kleinzelliges Bronchialkarzinom

Sarkome (osteogenes Sarkom; Ewing-Sarkom, Rhabdomyosarkom)

Wilms-Tumor

Neuroblastome.

Monotherapie

Therapierefraktäre idiopathische Thrombozytopenien (Morbus Werlhof).

4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

VINCRISTIN LIQUID, L soll nur unter der Aufsicht eines in der Zytostatikatherapie

erfahrenen Arztes angewendet werden.

Eine Überdosierung von VINCRISTIN LIQUID, L kann sehr ernste, eventuell tödliche

Folgen haben. Daher ist die exakte Berechnung der zulässigen Dosis besonders

gewissenhaft vorzunehmen.

Seite 2

Die Dosis ist der Indikation, dem angewandten Kombinationschemotherapieplan und

dem Zustand des Patienten individuell anzupassen.

VINCRISTIN LIQUID, L wird in wöchentlichen Abständen streng intravenös injiziert.

Soweit nicht anders verordnet, gelten folgende Richtlinien:

Erwachsene:

1,4 mg Vincristin/m

Körperoberfläche i.v., 1 x wöchentlich.

Die maximale Gesamtdosis ist 2 mg/Woche.

Kinder mit einem Körpergewicht von bis zu 10 kg:

0,05 mg Vincristin/kg KG i.v., 1 x wöchentlich.

Hinweis: Die Dosierung bei Kleinkindern wird nach dem jeweiligen Körpergewicht

(nicht nach Körperoberfläche) berechnet, da bei Kleinkindern das Verhältnis

zwischen Körperoberfläche und Körpergewicht ungünstig ist und es nach einer

Chemotherapie bei akuter Leukämie im Vergleich zu größeren Kindern zu stärkeren

neurologischen und hepatologischen Nebenwirkungen kommen kann.

Kinder mit einem Körpergewicht von 10 kg und mehr:

2 mg Vincristin/m

Körperoberfläche i.v., 1 x wöchentlich.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion:

Bei Patienten mit einem direkten Serumbilirubin über 3 mg/100 ml wird eine

Reduktion der Vincristindosis um 50% empfohlen.

Art und Dauer der Anwendung

VINCRISTIN LIQUID, L darf nur intravenös angewendet werden.

Eine paravenöse Injektion ist sorgfältig zu vermeiden (siehe Abschnitt 4.4). Vor der

Applikation von Vincristinsulfat ist die Injektion von 0,9%iger Natriumchloridlösung

ratsam, um sich von der richtigen Lage der Kanüle zu überzeugen. Ein Durchspülen

der Kanüle am Ende der Vincristinsulfat-Injektion kann lokalen Reizungen an der

Injektionsstelle vorbeugen.

Die Injektion kann entweder direkt intravenös oder in den Schlauch einer laufenden

intravenösen Infusion erfolgen und sollte in einer Minute abgeschlossen sein.

Über die Dauer der Anwendung entscheidet der behandelnde Arzt unter

Berücksichtigung der Indikation, des angewandten

Kombinationschemotherapieplanes und des Zustandes des Patienten.

4.3 Gegenanzeigen

VINCRISTIN LIQUID, L darf nicht angewendet werden bei

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Methyl-4-hydroxybenzoat, Propyl-4-

hydroxybenzoat) oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile

vorbestehenden neuromuskulären Erkrankungen, speziell bei neuraler

Muskelatrophie mit segmentaler Entmarkung (demyelinisierende Form des

Charcot-Marie-Tooth-Syndroms)

ausgeprägter Knochenmarkdepression

bei Patienten mit einer schweren Leberfunktionsstörung;

Seite 3

bei Patienten, die eine Strahlentherapie unter Einbeziehung der Leber erhalten.

VINCRISTIN LIQUID, L darf keinesfalls in die Rückenmarkflüssigkeit (intrathekal)

gegeben werden, da diese Anwendungsart tödliche Folgen hat (siehe Abschnitt

4.4).

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Versehentliche intrathekale Gabe

VINCRISTIN LIQUID, L darf keinesfalls intrathekal gegeben werden. Eine

versehentliche intrathekale Gabe hat eine aufsteigende Lähmung zur Folge, die zum

Tod führt.

Bei einer sehr kleinen Anzahl von Patienten konnte eine aufsteigende Lähmung mit

Todesfolge verhindert werden. Es kam allerdings zu schwerwiegenden

neurologischen Folgeerscheinungen und nur begrenzter späterer Rückbildung

dieser.

Aufgrund der veröffentlichten Behandlung dieser überlebenden Fälle, sollte nach

einer versehentlichen intrathekalen Gabe von Vincristin sofort nach der Injektion

mit der folgenden Behandlung begonnen werden:

1. Entfernung von soviel Zerebrospinalflüssigkeit (Liquor) wie ohne Risiko über einen

lumbalen Zugang möglich ist.

2. Einbringen eines Epiduralkatheters in den Subarachnoidalraum über den

Intervertebralraum oberhalb des initialen lumbalen Zugangs und Liquorspülung mit

Ringer-Laktat-Lösung.

Gefrorenes Frischplasma sollte angefordert werden. Sobald es zur Verfügung

steht, sollte die Ringer-Laktat-Lösung mit 25 ml Frischplasma pro Liter versetzt

werden.

3. Einbringen eines intraventrikulären Drains oder Katheters durch einen

Neurochirurgen und Fortsetzung der Spülung der Zerebrospinalflüssigkeit, wobei

Flüssigkeit durch den lumbalen Zugang entfernt wird, der mit einem

geschlossenen Drainage-System verbunden ist. Ringer-Laktat-Lösung wird

kontinuierlich 150 ml/Stunde bzw. 75 ml/Stunde infundiert, nachdem Frischplasma

hinzugefügt wurde.

Die Geschwindigkeit der Infusion sollte so angepasst werden, dass die Protein-

Konzentration in der Zerebrospinalflüssigkeit 150 mg/dl beträgt.

Zusätzlich wurden folgende Maßnahmen angewandt, die möglicherweise aber nicht

essenziell sind:

100 mg Folinsäure als intravenöse Bolus-Injektion, gefolgt von einer 24stündigen

Infusion von 25 mg Folinsäure/Stunde, anschließend 4 x 25 mg Folinsäure i.v./Tag

(alle 6 Stunden) für eine Woche.

Intravenöse Infusion von 10 g Glutaminsäure über 24 Stunden, gefolgt von einer

täglichen oralen Gabe von 3 x 500 mg Glutaminsäure für die Dauer von einem

Monat.

Intravenöse Infusion von 50 mg Pyridoxin alle 8 Stunden über 30 Minuten.

Welche Rolle diese Maßnahmen für die Reduktion der Neurotoxizität spielten, ist

unklar.

Kontakt mit Haut oder Schleimhaut

Seite 4

Es ist darauf zu achten, dass VINCRISTIN LIQUID, L nicht mit den Augen in

Berührung kommt. Dies kann zu einer schweren Reizung oder zu einem

Hornhautgeschwür führen (vor allem, wenn das Arzneimittel mit Druck appliziert

wurde). Wenn es zum Augenkontakt gekommen ist, müssen die Augen sofort mit

sehr viel Wasser gespült werden. Bei anhaltender Augenreizung sollte der Patient

einen Arzt oder einen Augenarzt aufsuchen.

Bei versehentlichem Hautkontakt muss man die Haut mit reichlich Wasser abspülen,

anschließend mit einer milden Seife waschen und noch einmal gründlich spülen.

Paravasation

Paravasate müssen vermieden werden. Bei einer versehentlichen Paravasation

können lokale Entzündungen bis hin zu schweren Nekrosen auftreten. Die Injektion

muss sofort abgebrochen werden. Die lokale Injektion von Hyaluronidase 250IE/ml

(die Läsion mit 1 ml subkutan umspritzen) und Anwendung von mäßiger Wärme an

der betroffenen Stelle können das Abdiffundieren der Substanz fördern und zur

Beschränkung der Beschwerden und einer möglichen Cellulitis auf ein Minimum

beitragen.

Auf einer Station, auf der Vincristin verabreicht wird, muss das Notfallset der Klinik

für Zytostatika-Paravasate verfügbar sein.

Myelotoxizität

Da eine Leukopenie auftreten kann, müssen sowohl der Arzt als auch der Patient auf

eventuelle Infektionen achten. Bei Auftreten einer Leukopenie sind geeignete

Maßnahmen zu ergreifen; u.a. ist der Zeitpunkt der nächsten Verabreichung von

VINCRISTIN LIQUID, L sorgsam abzuwägen. Vor Verabreichung jeder Dosis ist ein

großes Blutbild anzufertigen.

Wegen der erhöhten Gefahr einer Leukopenie und einer Thrombozytopenie müssen

Patienten, bei denen durch eine frühere Therapie oder die Krankheit selbst die

Knochenmarkfunktion unterdrückt ist, engmaschiger kontrolliert werden.

Neurotoxizität

Besondere Aufmerksamkeit ist Patienten mit bereits bestehenden neurologischen

Erkrankungen oder Leberfunktionsstörungen zu widmen. Patienten, die Vincristin in

Kombination mit anderen potenziell neurotoxischen Arzneimitteln erhalten, müssen

sorgfältig beobachtet werden.

Der neurotoxische Effekt von VINCRISTIN LIQUID, L kann sich zu dem anderer

neurotoxischer Wirkstoffe addieren oder aufgrund einer Bestrahlung des

Rückenmarks oder einer neurologischen Erkrankung verstärkt sein. Ältere Patienten

können für die neurotoxischen Effekte von VINCRISTIN LIQUID, L anfälliger sein.

Leberfunktionsstörungen

Eine Leberfunktionsstörung kann wegen der überwiegend in der Leber stattfindenden

Metabolisierung von Vincristin zu einer erhöhten Kreislaufkonzentration von Vincristin

und verlängerter Plasmahalbwertzeit mit verstärkten Nebenwirkungen führen.

Vincristin sollte Patienten, die eine Strahlentherapie erhalten, nicht gegeben werden,

wenn das Bestrahlungsfeld die Leber einschließt.

Seite 5

Vor Therapiebeginn und während der Behandlung sowie vor jedem Behandlungskurs

sollten die Leber- und Nierenfunktion, das Blutbild sowie die neurologischen

Funktionen untersucht werden. Bei Zeichen von Knochenmarkdepression ist die

nächste Dosis erst nach sorgfältiger Beurteilung des Krankheitsbildes zu applizieren.

Ebenso ist beim Auftreten neurologischer Symptome zu verfahren, da sich bei

Fortsetzung der Behandlung schwere Neuropathien entwickeln können.

Patienten, die eine Chemotherapie mit Vincristin in Kombination mit

Tumortherapeutika mit bekannter Karzinogenität erhielten, entwickelten sekundäre

Malignome. Ob und wie Vincristin an deren Entwicklung beteiligt ist, ist nicht bekannt.

Empfohlen werden Maßnahmen zur Vorbeugung von Verstopfung, z.B. eine

entsprechende Ernährung und der Gebrauch von Laxanzien, insbesondere

Lactulose.

Vincristin ist bei Patienten mit ischämischen Herzerkrankungen mit Vorsicht

anzuwenden.

Bei akuter Leukämie kann es während der Remissionsinduktion zu einer akuten

Erhöhung der Serum-Harnsäurespiegel kommen; deshalb sollte der Serum-

Harnsäurespiegel während der ersten 3-4 Behandlungswochen häufig gemessen

werden oder geeignete Maßnahmen zur Vermeidung einer Harnsäure-Neuropathie

ergriffen werden.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige

Wechselwirkungen

Da bei Tumorerkrankungen das Thromboserisiko erhöht ist, werden häufig

Antikoagulantien eingesetzt. Die hohe intraindividuelle Variabilität der Blutgerinnung

während Krankheiten und eventuelle Wechselwirkungen zwischen oralen

Antikoagulantien und antineoplastischen Chemotherapeutika erfordern eine

häufigere INR (International Normalised Ratio)-Kontrolle, wenn der Patient mit oralen

Gerinnungshemmern behandelt werden soll.

Hemmstoffe der Cytochrom-P450-Isoenzyme und des P-Glycoproteins

Vinca-Alkaloide werden über die Cytochrom-P450-3A4-Isoenzyme (CYP3A4)

verstoffwechselt und sind Substrat für P-Glycoprotein. Aufgrund dessen ist Vorsicht

geboten bei gleichzeitiger Anwendung von Vincristin und CYP3A4 – und P-

Glycoproteininhibitoren, wie z.B. Ritonavir, Nelfinavir, Ketoconazol, Itraconazol,

Erythromycin, Ciclosporin, Nifedipin und Nefazodon. Es wird angenommen, dass

diese Hemmung die Metabolisierung von Vincristin verlangsamt.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Vincristin sulfat und Itraconazol kann es zu

früher einsetzenden oder verstärkten neuromuskulären Erkrankungen kommen,

wahrscheinlich bedingt durch die Blockade des Vincristinmetabolismus.

Zu beachten ist die mögliche Interaktion zwischen Vincristinsulfat und

Calciumantagonisten, speziell Nifedipin, da es bei gleichzeitiger Gabe von

Vincristinsulfat und Nifedipin zu einer Herabsetzung der Plasmaclearance von

Vincristinsulfat mit der Gefahr erhöhter Toxizität kommen kann.

Phenytoin und Fosphenytoin

Durch Chemotherapie, die auch VINCRISTIN LIQUID, L beinhaltet, kann eine

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Krampfanfallsprophylaxe mit Phenytoin beeinträchtigt werden, da Vincristinsulfat zu

einer Herabsetzung der Phenytoinkonzentration im Blut führt. Aus diesem Grund wird

die Kombination nicht empfohlen. Wenn sie jedoch nicht zu vermeiden ist, sollte eine

Dosisanpassung aufgrund regelmäßiger Blutspiegelbestimmungen erfolgen.

Andere Zytostatika

Bei gleichzeitiger Anwendung von Vincristinsulfat und anderen Zytostatika muss mit

einer Wirkungsverstärkung sowie mit verstärkten Nebenwirkungen gerechnet

werden. Die gleichzeitige Anwendung von Vincristinsulfat und anderen

myelosuppressiven Wirkstoffen wie z.B. Doxorubicin (besonders zusammen mit

Prednison) kann die suppressive Wirkung auf das Knochenmark verstärken

(Knochenmarkdepression).

Asparaginase/Isoniazid und andere neurotoxische Arzneimittel

Bei einer Kombinationsbehandlung mit VINCRISTIN LIQUID, L und L-Asparaginase

muss VINCRISTIN LIQUID, L 12 bis 24 Stunden vor der L-Asparaginase gegeben

werden, da sonst eine Verminderung der hepatischen Clearance von Vincristinsulfat

mit kumulativer Toxizität in der Leber auftreten kann.

Wegen der Neurotoxizität von VINCRISTIN LIQUID, L sollten andere potenziell

neurotoxische Medikamente, wie z.B. Ciclosporin, nicht gleichzeitig gegeben werden.

Impfstoffe/abgetötete und lebende Viren

Wegen der immunsuppressiven Effekte von Chemotherapien, die auch Vincristin

beinhalten, ist mit einem verminderten Ansprechen auf die jeweiligen Vakzine zu

rechnen, und bei Lebendvakzinen besteht die Gefahr einer Impfschädigung. Der

Zeitraum bis zum Auftreten einer adäquaten Immunantwort nach Chemotherapie

kann – in Abhängigkeit unter anderem von der Art der Chemotherapie und der

malignen Grunderkrankung – 3 Monate bis 1 Jahr betragen.

Digoxin

VINCRISTIN LIQUID, L enthaltende Therapieschemata können den

Digoxinplasmaspiegel senken und die renale Exkretion beeinträchtigen. Eventuell ist

eine Dosisanpassung nötig.

Mitomycin C

Eine Kombinationsbehandlung mit VINCRISTIN LIQUID, L und Mitomycin ist wegen

der Gefahr eines ausgeprägten Bronchospasmus und akuter Atemnot zu

unterlassen.

Strahlentherapie

Bestrahlung kann die periphere Neurotoxizität von Vincristinsulfat erhöhen.

Ciclosporin, Tacrolimus

Extreme Immunsuppression mit dem Risiko einer Lymphoproliferation ist möglich.

Andere

Bei gleichzeitiger Gabe von Vincristin und Kolonie-stimulierenden Faktoren (G-CSF,

GM-CSF) wurde über häufigeres Auftreten einer atypischen Neuropathie mit

stechenden oder brennenden Schmerzen in den Füßen berichtet.

Bei Patienten mit Wilms-Tumor wurde bei Kombination von Vincristin und

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Dactinomycin über eine schwere Lebertoxizität berichtet.

In der Kombination mit Bleomycin kann Vincristin dosisabhängig ein Raynaud-

Syndrom verursachen.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Vincristinsulfat kann erbgutschädigend und fruchtschädigend wirken.

Männern, die mit VINCRISTIN LIQUID, L behandelt werden, wird empfohlen,

während der Behandlung und bis zu 6 Monate danach kein Kind zu zeugen und sich

vor Therapiebeginn wegen der Möglichkeit einer irreversiblen Infertilität nach einer

Therapie mit VINCRISTIN LIQUID, L über die Möglichkeit einer

Spermakonservierung beraten zu lassen.

VINCRISTIN LIQUID, L sollte während einer Schwangerschaft nicht angewendet

werden. Bei vitaler Indikation zur Behandlung einer schwangeren Patientin sollte eine

medizinische Beratung über das mit der Behandlung verbundene Risiko von

schädigenden Wirkungen für das Kind erfolgen.

Frauen dürfen während einer Behandlung mit VINCRISTIN LIQUID, L und bis zu 6

Monate danach nicht schwanger werden. Tritt während der Behandlung eine

Schwangerschaft ein, so ist die Möglichkeit einer genetischen Beratung zu nutzen.

Während der Behandlung darf nicht gestillt werden.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen

von Maschinen

VINCRISTIN LIQUID, L kann durch Nebenwirkungen am Nervensystem und im

Magen-Darm-Bereich zu einer Beeinträchtigung der Fahrtauglichkeit oder der

Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen führen.

4.8 Nebenwirkungen

Im Allgemeinen sind die unter der Behandlung mit VINCRISTIN LIQUID, L

auftretenden Nebenwirkungen häufig dosisabhängig und in der Regel reversibel. Die

wichtigsten toxischen Wirkungen hingen mit dem Zentralnervensystem zusammen,

die häufigsten Nebenwirkungen sind Neurotoxizität und Alopezie, die am meisten

beeinträchtigenden Nebenwirkungen sind neuromuskulären Ursprungs.

Bei Leberinsuffizienz können die Nebenwirkungen infolge verlangsamter

Metabolisierung und verzögerter biliärer Ausscheidung verstärkt auftreten.

Die Nebenwirkungen sind nach ihrer Häufigkeit geordnet, wobei die häufigsten zuerst

genannt werden. Die folgende Beschreibung wird dabei verwendet: sehr häufig

(≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich (≥1/1.000, <1/100), selten (≥1/10.000,

<1/1.000), sehr selten (<1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der

verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe werden die

Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.

Gutartige, bösartige und unspezifische Neubildungen (einschl. Zysten und Polypen)

Therapiebedingte sekundäre Tumorerkrankungen.

Patienten, die eine Kombinationstherapie mit Vincristin und anderen zytotoxischen

Arzneimitteln mit bekannter Karzinogenität erhielten, entwickelten sekundäre

Malignome.

Seite 8

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Häufig: Temporäre Thrombozytose.

Gelegentlich: Schwere Knochenmarkdepression, Anämie, Leukopenie und

Thrombozytopenie.

Erkrankungen des Immunsystems

Häufig: Akutes Auftreten von Atemnot und Bronchospasmen, die schwerwiegend und

lebensbedrohlich sein können. Diese Symptome wurden nach Gabe von

Vinca-Alkaloiden (wie z.B. Vincristin) beobachtet, besonders bei gleichzeitiger

Verabreichung von Mitomycin. Die Reaktion kann wenige Minuten bis

Stunden nach Gabe eines Vinca-Alkaloids oder bis zu 2 Wochen nach einer

Mitomycin-Gabe eintreten.

Selten: Allergische Reaktionen, z.B. Anaphylaxie, Hautausschlag und Ödem, die

möglicherweise mit der Vincristin-Therapie zusammenhingen, wurden bei Patienten

beobachtet, die Vincristin als Teil einer Mehrfachchemotherapie erhielten.

Erkrankungen des Nervensystems

Neurologische Toxizität ist die wichtigste Nebenwirkung von Vincristin. Die

Neurotoxizität ist dosis- und altersabhängig. Als Folge der Neurotoxizität

kann es auch zu Obstipation und Ileus kommen (siehe “Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakts”).

Häufig: Die häufigste neurotoxische Nebenwirkung ist periphere Neuropathie

(sensomotorisch gemischt), die bei fast allen Patienten auftritt. Oft entwickeln sich

neuromuskuläre Nebenwirkungen in einer bestimmten Abfolge. Zu Beginn treten nur

sensorische Störungen und Parästhesien auf. Bei fortgesetzter Behandlung kann es

zu Nervenschmerzen (u.a. im Unterkiefer und in den Hoden) und darüber hinaus zu

motorischen Problemen kommen. Über den Verlust tiefer Sehnenreflexe, Fallfuß,

Muskelschwäche, Ataxie und Paralyse wurde im weiteren Verlauf der Therapie

berichtet. Es können Hirnnerven betroffen sein, u.a. mit isolierter Parese und/oder

Paralyse von Muskeln, die von einem Kranialnerven gesteuert werden, ohne dass

sich anderswo eine Muskelschwäche zeigt.

Hirnnervenlähmungen und Muskelschwäche im Larynx kann zu Heiserkeit und

Stimmbandparese führen, auch zur potentiell lebensbedrohlichen bilateralen

Stimmbandlähmung. Schwäche der äußeren Augenmuskulatur kann Ptose

verursachen; es kann zu Optikus- und extraokularer Neuropathie kommen. Über

vorübergehende Rindenblindheit wurde berichtet. Vincristin verursacht auch

autonome Toxizität und Toxizität im zentralen Nervensystem, allerdings seltener als

periphere Neuropathie. Doppelbilder und Optikusatrophie werden beobachtet.

Gelegentlich: Bei wenigen Patienten, die VINCRISTIN LIQUID, L erhielten, wurden

Krämpfe, oft mit Hypertonie einhergehend, registriert. Bei Kindern wurde vereinzelt

über Krampfanfälle mit anschließendem Koma berichtet. Vincristin verursacht

autonome Toxizität und ZNS-Toxizität, allerdings seltener als periphere Neuropathie.

ZNS-Wirkungen sind z.B. Bewusstseinsveränderungen und psychische

Veränderungen wie Depression, Agitiertheit, Schlaflosigkeit, Verwirrtheit, Psychosen

und Halluzinationen.

Nicht bekannt: Leukenzephalopathie.

Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Gelegentlich: Taubheit.

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Herzerkrankungen

Gelegentlich: Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt.

Erkrankungen der Koronargefäße und Herzinfarkt traten bei Patienten auf, die mit

einer Kombinationschemotherapie mit Vincristin behandelt wurden und die zuvor

eine Strahlentherapie des Mediastinums erhalten hatten.

Selten: Hypertonie und Hypotonie.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums

Schwere Bronchospasmen und Dyspnoe wurden unter Vinca-Alkaloiden beobachtet,

die zum Teil in einer Kombination mit Mitomycin C angewendet wurden.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Bauchschmerzen. Verstopfung kann

Resultat einer Koprostase in oberen Darmabschnitten bei leerem Rektum sein. Dabei

können kolikartige Bauchschmerzen auftreten.

Gelegentlich: Appetitlosigkeit, Gewichtsabnahme, Anorexie, Diarrhoe, paralytischer

Ileus. Paralytischer Ileus kann besonders bei jüngeren Kindern auftreten.

Selten: Entzündung der Mundschleimhaut, Darmnekrose und/oder –perforation.

Sehr selten: Pankreatitis.

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten: Veno-okklusive Erkrankung der Leber, besonders bei Kindern.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig: Alopezie (reversibel nach Beendigung der Anwendung von Vincristin).

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Bei älteren Patienten müssen Medikamente, die eine Harnretention verursachen

können, in den ersten Tagen nach der Verabreichung von Vincristin vorübergehend

abgesetzt werden.

Gelegentlich: Polyurie, Dysurie, Harnretention infolge Blasenatonie, Hyperurikämie,

Harnsäurenephropathie.

Selten: SIADH-Syndrom (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion). Das Syndrom

könnte mit der Neurotoxizität des Arzneimittels zusammenhängen, möglicherweise

aufgrund einer direkten Hypothalamuswirkung. Bei diesen Patienten tritt

Hyponatriämie mit erhöhter Natriumausscheidung im Harn auf - ohne erkennbare

Funktionsstörung der Niere oder Nebenniere -, Hypotonie, Dehydratation, Azotämie

oder Ödeme. Eine Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr kann die Hyponatriämie und

den Natriumverlust über die Nieren abschwächen.

Sehr selten: Inkontinenz.

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse

Irreversible Unfruchtbarkeit nach Chemotherapie mit Vincristin tritt häufiger bei

Männern als bei Frauen auf.

Häufig: Azoospermie beobachtete man bei Männern, die mit einer

Kombinationschemotherapie bestehend aus Vincristin und Prednison mit

Cyclophosphamid oder Mechlorethamin und Procarbazin behandelt wurden.

Gelegentlich: Amenorrhoe.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Reizung an der Einstichstelle.

Seite 10

Gelegentlich: Fieber, Venenentzündung, Schmerzen, Cellulitis und Nekrose. Diese

Symptome können infolge Reizung der Gefäßwand oder Paravasation bei der

Verabreichung entstehen.

Selten: Kopfschmerzen.

Methyl-4-hydroxybenzoat und Propyl-4-hydroxybenzoat können

Überempfindlichkeitsreaktionen, auch Spätreaktionen und selten Bronchospasmen

(Bronchialkrampf) hervorrufen.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer

Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-

Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind

aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

a) Symptome einer Überdosierung

Die Nebenwirkungen von VINCRISTIN LIQUID, L sind zumeist dosisabhängig, daher

muss bei Überdosierung mit einem verstärkten Auftreten von unerwünschten

Begleiterscheinungen gerechnet werden. Schwerwiegende Erscheinungen können

bereits nach Dosen von 3 mg/m

Körperoberfläche auftreten. Bei Kindern unter 13

Jahren haben 10fache therapeutische Dosen zum Tod geführt.

Führende klinische Symptome bei Überdosierung von Vincristin sind

Abdominalschmerzen, neurotoxische Erscheinungen mit Reflexausfällen,

sensorische und motorische Störungen, Somnolenz, Thrombozytopenie,

Leukozytopenie, paralytischer Ileus.

b) Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Da ein spezifisches Antidot nicht bekannt ist, sind symptomatische therapeutische

Maßnahmen notwendig.

Zu diesen Maßnahmen zählen:

1. Zur Verhütung von Nebenwirkungen, die von einer Störung der Sekretion des

antidiuretischen Hormons herrühren, gehört die Einschränkung der

Flüssigkeitsaufnahme.

2. Gabe eines Antikonvulsivums für mindestens eine Woche nach der

Überdosierung.

3. Anwendung von Einläufen, um einem Ileus vorzubeugen.

4. Überwachung des Kreislaufsystems.

5. Eventuell tägliche Hämatokrit- bzw. Hämoglobinbestimmung, um den

Transfusionsbedarf zu erkennen.

Da nur sehr geringe Mengen Vincristinsulfat im Dialysat erscheinen, ist der Nutzen

Seite 11

einer Hämodialyse in Fällen von Überdosierung fraglich.

Nach einem Einzelbericht konnten Nebenwirkungen nach Vincristin-Überdosierung

durch Plasmapherese abgeschwächt werden.

5. Pharmakologische Eigenschaften

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antineoplastische Mittel, Vinca-Alkaloide und

Analoga

ATC-Code: L01C A02.

Vincristin ist ein aus Catharanthus roseus (Vinca rosea) extrahiertes Alkaloid mit

antineoplastischer Wirkung.

Vincristin bindet an mikrotubuläre Proteine und führt zu deren Depolymerisation.

Besonders davon betroffen ist das Tubulin, das wichtigste mikrotubuläre Protein

eukaryonter Zellen. Die durch Depolymerisation bedingte tubuläre Dysfunktion

verhindert die Spindelformation und arretiert die Mitose in der Metaphase. Vincristin

wirkt auf diese Weise als Mitosehemmer.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Nach oraler Gabe wird Vincristin praktisch nicht resorbiert. Nach intravenöser Gabe

lassen sich bereits nach wenigen Minuten nur noch geringe Konzentrationen der

verabreichten Vincristindosis im Plasma nachweisen. Über 90% der Substanz

werden innerhalb von 15 – 30 Minuten nach der Injektion im Gewebe verteilt.

Nach intravenöser Applikation von Vincristin nimmt die Gesamtkonzentration im

Plasma triphasisch ab. Die initiale, mittlere und terminale Halbwertszeit betragen 5

Minuten, 2,3 Stunden und 85 Stunden, wobei der Bereich für die terminale

Halbwertszeit 19 – 155 Stunden umfasst.

In der Zerebrospinalflüssigkeit lassen sich nach intravenöser Gabe nur sehr geringe

therapeutisch unwirksame Konzentrationen nachweisen.

44% von Vincristin werden an Plasmaproteine gebunden.

Die Elimination von Vincristin erfolgt überwiegend, das heißt zu ca. 80%, biliär. Bis

zu 20% der Dosis werden unverändert bzw. in Form von Metaboliten innerhalb von

24 Stunden über die Nieren ausgeschieden.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

a) Akute Toxizität

in mg/kg KG

Tierart

Applikationsform

i.p.

i.v.

Maus

4,7-5,2

2,1-3,0

Ratte

1,0-1,3

Vergiftungszeichen bei Mäusen waren Muskelschwäche und Hinterhandlähmung, bei

Seite 12

Ratten Diarrhoe, Anorexie, lokomotorische Inaktivität, Diurese, Gewichtsverlust und

Dyspnoe.

Eine einmalige intravenöse Dosis von 1 mg/kg KG wurde von Affen im wesentlichen

symptomlos vertragen. Acht Tage nach i.v. Injektion von 2 mg/kg KG traten

Leukopenie und Thrombozytopenie auf. Ein männlicher Affe starb 30 Stunden nach

i.v. Gabe von 4 mg/kg KG. Der histopathologische Befund ergab schwere

zytotoxische Effekte auf die granulozytären und erythrozytären Zellreihen des

Knochenmarks.

b) Chronische Toxizität / Subchronische Toxizität

Zu den charakteristischen Stoffeigenschaften von Vincristin zählt ein hemmender

Effekt auf die Mikrotubulusbildung der mitotischen Spindel und dadurch ein

Verbleiben sich teilender Zellen in der Metaphase.

Nach chronischer Verabreichung von Vincristin stehen bei Primaten, Hühnern und

Katzen neurotoxische Effekte im Vordergrund; beim Hund überwiegend

Darmschädigungen und Knochenmarkdepression.

Daneben kam es beim Hund nach 0,08 mg/kg KG i.v. pro Woche zur Reifestörung

der Spermatozyten; bei Affen wurden nach 0,08 bis 0,32 mg/kg KG i.v./Woche

dosisabhängige Leukopenie, Anämie und Retikulozytose festgestellt.

Bei Ratten (Harlan-Wistar) betrug der NOEL 0,1 mg/kg. Nach höheren Dosen kam es

zu vorübergehender Leukozytopenie und zu Thymusatrophien. Neurotoxische

Effekte traten selbst bei letalen Dosen nicht auf und wurden auch bei anderen

Nagern (Maus, Meerschweinchen) nicht beobachtet.

c) Mutagenes und tumorerzeugendes Potenzial

Vincristinsulfat wirkt in Modellsystemen in vitro und in vivo mutagen. Aufgrund der

Störung der Spindelfunktion während der Zellteilung werden Fehlverteilungen von

Chromosomen induziert (Aneuploidien). Es ist zu erwarten, dass derartige Wirkungen

auch beim Menschen auftreten.

Langzeitstudien an Ratten und Mäusen (i.p.), die jedoch unzureichend dokumentiert

sind, gaben keinen Hinweis auf ein tumorerzeugendes Potenzial von Vincristin.

Beim Menschen ist intensive Chemotherapie mit einem erhöhten Risiko von

myelodysplastischen Syndromen / akuten myeloischen Leukämien assoziiert.

Angesichts der Kombinationstherapie mit ionisierenden Strahlen und anderen (z.T.

im Tierversuch karzinogenen) Zytostatika ist ein kanzerogenes Potenzial von

Vincristin nicht zu belegen.

d) Reproduktionstoxizität

Im Tierversuch (Maus, Hamster, Rhesus-Affe) sind bei Verabreichung von Vincristin

während der Organogenese embryoletale und teratogene Wirkungen aufgetreten.

Beim Menschen liegen unzureichende Erfahrungen mit der Anwendung in der

Schwangerschaft vor. Es sind ca. 20 Fälle einer Vincristin-Exposition (in Kombination

mit anderen Antineoplastika) beschrieben. Nur bei 6 Fällen erfolgte eine Exposition

im ersten Trimester, davon wies ein Kind Fehlbildungen der Nieren auf. Bei

Exposition in der Fetalperiode ist ein Fall von Panzytopenie beschrieben.

Seite 13

Es ist nicht bekannt, ob Vincristin in die Muttermilch übergeht.

6. Pharmazeutische Angaben

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Essigsäure 99%,

Mannitol (Ph.Eur.)

Methyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.)

Natriumacetat-Trihydrat

Propyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.)

Wasser für Injektionszwecke.

6.2 Inkompatibilitäten

Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit

anderen Arzneimitteln gemischt werden.

VINCRISTIN LIQUID, L sollte nicht mit Lösungen verdünnt werden, die den pH-Wert

über den Bereich von 3,5 bis 5 hinaus erhöhen bzw. erniedrigen und nicht mit

anderen Arzneimitteln gemischt werden.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

2 Jahre.

Angebrochene Durchstechflaschen können bis zu 14 Tage lang verwendet werden,

wenn sie bei Temperaturen zwischen +2°C und +8°C aufbewahrt werden.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Im Kühlschrank lagern (+2°C - +8°C). Das Behältnis im Umkarton aufbewahren, um

den Inhalt vor Licht zu schützen.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Klare Durchstechflaschen (Typ I Glas) mit Butyl-Gummistopfen

1 Durchstechflasche mit 1 mg Vincristinsulfat in 1 ml Injektionslösung

1 Durchstechflasche mit 2 mg Vincristinsulfat in 2 ml Injektionslösung

1 Durchstechflasche mit 5 mg Vincristinsulfat in 5 ml Injektionslösung

1 Fertigspritze mit 1 mg Vincristinsulfat in 1 ml Injektionslösung

1 Fertigspritze mit 2 mg Vincristinsulfat in 2 ml Injektionslösung

Klinikpackungen

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige

Hinweise zur Handhabung

Beim Umgang mit Vincristin muss Schutzkleidung getragen werden.

Haut- und Schleimhautkontakte sind zu vermeiden (Handschuhe tragen!). Wenn

Vincristin mit der Haut, Schleimhaut oder den Augen in Berührung kommt, muss

sofort gründlich mit Wasser gespült werden. Zur Reinigung der Haut kann Seife

verwendet werden.

Die Empfehlungen „Sichere Handhabung von Zytostatika“ des Merkblattes M620 der

Seite 14

Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege sollten beachtet

werden.

Nicht verwendetes VINCRISTIN LIQUID, L und alle Materialien, die mit VINCRISTIN

LIQUID, L in Kontakt gekommen sind, müssen gemäß den geltenden Richtlinien für

zytostatische Substanzen sachgerecht entsorgt werden.

Die bei einer Behandlung von Vincristin-Lösung mit Schwefelsäure und

Kaliumpermanganat entstehenden Rückstände waren in vitro nicht mehr mutagen.

Vor der Anwendung sollte die Lösung daraufhin überprüft werden, dass sie frei von

Partikeln ist und keine Verfärbung aufweist.

VINCRISTIN LIQUID, L darf nur mit 0,9%iger Natriumchloridlösung oder 5%iger

Glucoselösung verdünnt werden.

7. Inhaber der Zulassung

STADAPHARM GmbH

Stadastraße 2–18

61118 Bad Vilbel

Telefon: 06101 603-0

Telefax: 06101 603-3888

8. Zulassungsnummer

3266.00.00

9. Datum der Erteilung der Zulassung / Verlängerung der Zulassung

09. Mai 1983 / 21.Januar 2005

10. Stand der Information

Juli 2017

11. Verkaufsabgrenzung

Verschreibungspflichtig

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