Ultomiris 1100 mg/11 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

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Fachinformation Fachinformation (SPC)

17-01-2022

Wirkstoff:
ravulizumabum
Verfügbar ab:
Alexion Pharma GmbH
ATC-Code:
L04AA43
INN (Internationale Bezeichnung):
ravulizumabum
Darreichungsform:
Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung
Zusammensetzung:
ravulizumabum 1100 mg, natrii dihydrogenophosphas, dinatrii phosphas, argininum, saccharum, polysorbatum 80, aqua ad iniectabile q.s. ad solutionem pro 11 ml corresp. natrium 16.8 mg.
Klasse:
A
Therapiegruppe:
Biotechnologika
Therapiebereich:
Erwachsene Patienten mit paroxysmaler nächtlicher Hämoglobinurie; atypisches Hämolytisch-Urämisches Syndrom (aHUS)
Zulassungsnummer:
67278
Berechtigungsdatum:
1970-01-01

Dokumente in anderen Sprachen

Fachinformation Fachinformation - Französisch

17-01-2022

Fachinformation Fachinformation - Italienisch

17-01-2022

▼Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle

Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind

aufgefordert, den Verdacht einer neuen oder schwerwiegenden Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur

Meldung von Nebenwirkungen, siehe Rubrik «Unerwünschte Wirkungen».

ULTOMIRIS 300 mg/30 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

ULTOMIRIS 300 mg/3 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

ULTOMIRIS 1100 mg/11 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Zusammensetzung

Wirkstoffe

Ravulizumab, aus gentechnisch veränderten Ovarialzellen des chinesischen Hamsters hergestellt.

Hilfsstoffe

Natriumdihydrogenphosphat-Monohydrat

Natriummonohydrogenphosphat-Heptahydrat

Ultomiris 300 mg/3 ml und 1100 mg/11 ml: L-Arginin

Ultomiris 300 mg/3 ml und 1100 mg/11 ml: Saccharose

Ultomiris 300 mg/30 ml: 115 mg Natriumchlorid pro 30 ml Durchstechflasche

Ultomiris 300 mg/3 ml: 4,6 mg Natriumchlorid pro 3 ml Durchstechflasche

Ultomiris 1100 mg/11 ml: 16,8 mg Natriumchlorid pro 11 ml Durchstechflasche

Polysorbat 80

Wasser für Injektionszwecke q.s. ad solutionem pro 30 ml

Darreichungsform und Wirkstoffmenge pro Einheit

Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung.

Ultomiris 300 mg/30 ml:

Klare bis durchscheinende Lösung, leicht weissliche Farbe, pH-Wert 7,0.

Eine Durchstechflasche mit 30 ml enthält 300 mg Ravulizumab (10 mg/ml) und 115 mg Natrium.

Nach Verdünnung beträgt die endgültige Konzentration der zu infundierenden Lösung 5 mg/ml.

Ultomiris 300 mg/3 ml:

Durchscheinende, klare bis gelbliche Lösung, pH-Wert 7,4.

Eine Durchstechflasche mit 3 ml enthält 300 mg Ravulizumab (100 mg/ml) und 4,6 mg Natrium.

Nach Verdünnung beträgt die endgültige Konzentration der zu infundierenden Lösung 50 mg/ml.

Ultomiris 1100 mg/11 ml:

Durchscheinende, klare bis gelbliche Lösung, pH-Wert 7,4.

Eine Durchstechflasche mit 11 ml enthält 1100 mg Ravulizumab (100 mg/ml) und 16,8 mg Natrium.

Nach Verdünnung beträgt die endgültige Konzentration der zu infundierenden Lösung 50 mg/ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Ultomiris wird angewendet zur Behandlung erwachsener Patienten mit paroxysmaler nächtlicher

Hämoglobinurie (PNH):

- bei Patienten mit Hämolyse zusammen mit einem oder mehreren klinischen Symptomen als Hinweis

auf eine hohe Krankheitsaktivität,

- bei Patienten, die klinisch stabil sind, nachdem sie mindestens während der vergangenen 6 Monate mit

Eculizumab behandelt wurden (siehe Abschnitt «Eigenschaften/Wirkungen»).

Ultomiris wird angewendet zur Behandlung von Patienten ab einem Körpergewicht von 10 kg mit

atypischem Hämolytisch-Urämischen Syndrom (aHUS), die zuvor nicht mit Komplementinhibitoren

behandelt wurden (Behandlungs-naive Patienten bezüglich Komplementinhibitoren) oder Eculizumab

mindestens 3 Monate lang erhalten haben und nachweislich auf Eculizumab ansprachen.

Dosierung/Anwendung

Ravulizumab muss von medizinischem Fachpersonal und unter der Aufsicht eines in der Behandlung

von Patienten mit hämatologischen Erkrankungen oder Nierenerkrankungen erfahrenen Arztes

verabreicht werden.

Um die Rückverfolgbarkeit von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln sicherzustellen, wird

empfohlen, Handelsname und Chargennummer bei jeder Behandlung zu dokumentieren.

Erwachsene Patienten mit PNH und aHUS

Das empfohlene Dosierungsschema besteht aus einer Initialdosis gefolgt von Erhaltungsdosen, die als

intravenöse Infusion verabreicht werden. Die zu verabreichenden Dosen basieren auf dem

Körpergewicht des Patienten, wie in Tabelle 1 dargestellt. Bei erwachsenen Patienten (im Alter von

≥ 18 Jahren) müssen die Erhaltungsdosen jeweils im Abstand von 8 Wochen verabreicht werden,

beginnend 2 Wochen nach Verabreichung der Initialdosis. Das Dosierungsschema darf in Einzelfällen

um ± 7 Tage vom planmässigen Infusionstag abweichen (ausser bei der ersten Erhaltungsdosis von

Ravulizumab), die darauf folgende Dosis sollte jedoch gemäss dem ursprünglichen Schema verabreicht

werden.

Bei Patienten, die von Eculizumab auf Ravulizumab umgestellt werden, sollte die Initialdosis 2 Wochen

nach der letzten Eculizumab-Infusion verabreicht werden, anschliessend wird alle 8 Wochen eine

Erhaltungsdosis verabreicht, beginnend 2 Wochen nach Verabreichung der Initialdosis, wie in Tabelle 1

gezeigt.

Tabelle 1: Körpergewichtsbasiertes Dosierungsschema für Ravulizumab

Körpergewicht (kg)

Initialdosis

(mg)

Erhaltungsdosis (mg)* Dosierungsintervall

≥ 40 bis < 60

2400

3000

Alle 8 Wochen

≥ 60 bis < 100

2700

3300

Alle 8 Wochen

≥ 100

3000

3600

Alle 8 Wochen

*Die Erhaltungsdosis wird 2 Wochen nach der Initialdosis gegeben.

Ravulizumab wurde nicht bei Patienten mit PNH und einem Körpergewicht unter 40 kg untersucht.

Es liegen keine Erfahrungen mit der gleichzeitigen Anwendung von Ravulizumab und einer PE/PI

(Plasmapherese oder Plasmaaustausch, oder Infusion von gefrorenem Frischplasma) vor. Die

Anwendung einer PE/PI könnte die Ravulizumab-Serumspiegel reduzieren.

PNH ist eine chronische Erkrankung. Es wird daher empfohlen, die Behandlung mit Ravulizumab über

die gesamte Lebensdauer des Patienten fortzusetzen, sofern das Absetzen von Ravulizumab nicht

klinisch angezeigt ist (siehe Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Bei aHUS sollte die Behandlung mit Ravulizumab zur Beseitigung der Manifestationen der

thrombotischen Mikroangiopathie (TMA) über mindestens 6 Monate durchgeführt werden. Danach

muss die Behandlungsdauer für jeden Patienten individuell festgesetzt werden. Bei Patienten, bei denen

nach Feststellung durch den behandelnden Arzt (oder gemäß der klinischen Indikation) ein höheres

Risiko für ein TMA-Rezidiv besteht, kann eine Langzeitbehandlung erforderlich sein (siehe Abschnitt

«Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ravulizumab wurden bei Patienten mit einer

Leberfunktionsbeeinträchtigung nicht untersucht; allerdings legen pharmakokinetische Daten nahe, dass

bei Patienten mit Leberfunktionsbeeinträchtigung keine Dosisanpassung erforderlich ist.

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit einer Nierenfunktionsbeeinträchtigung ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe

Abschnitt «Pharmakokinetik»).

Ältere Patienten

Bei Patienten mit PNH und aHUS im Alter von 65 Jahren oder älter ist keine Dosisanpassung

erforderlich. Es liegen keine Hinweise vor, dass bei der Behandlung von geriatrischen Patienten

besondere Vorsichtsmassnahmen notwendig sind. Die Erfahrungen mit Ravulizumab in dieser

Patientenpopulation sind jedoch noch begrenzt.

Kinder und Jugendliche

Atypisches Hämolytisch-Urämisches Syndrom (aHUS)

Kinder und Jugendliche mit aHUS und einem Körpergewicht ≥ 40 kg werden gemäß den

Dosierungsempfehlungen für Erwachsene behandelt. Die nach dem Körpergewicht bemessenen Dosen

und Dosierungsintervalle für Kinder und Jugendliche mit einem Körpergewicht von ≥ 10 kg bis < 40 kg

sind in Tabelle 2 gezeigt.

Tabelle 2: Körpergewichtsbasiertes Dosierungsschema von Ravulizumab bei Kindern und Jugendlichen

unter 40 kg

Körpergewicht (kg)

Initialdosis

(mg)

Erhaltungsdosis

(mg)*

Dosierungsintervall

≥ 10 bis < 20

Alle 4 Wochen

≥ 20 bis < 30

2.100

Alle 8 Wochen

≥ 30 bis < 40

1200

2.700

Alle 8 Wochen

*Die Erhaltungsdosis wird 2 Wochen nach der Initialdosis gegeben.

Die Daten zur Unterstützung der Sicherheit und Wirksamkeit von Ravulizumab bei Patienten mit einem

Körpergewicht unter 10 kg sind begrenzt. Die aktuell vorliegenden Daten sind in Abschnitt 4.8

beschrieben, aber es können keine Dosierungsempfehlungen für Patienten mit einem Körpergewicht

unter 10 kg gegeben werden.

Paroxysmale Nächtliche Hämoglobinurie (PNH)

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ravulizumab bei Kindern mit PNH im Alter von 0 bis < 18 Jahren

ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.

Art der Anwendung

Nur zur intravenösen Infusion.

Dieses Arzneimittel muss durch einen 0,2-µm-Filter verabreicht werden und ist nicht als intravenöse

Druck- oder Bolusinjektion zu verabreichen.

Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf Ultomiris 300 mg/30 ml Konzentrat zur

Herstellung einer Infusionslösung nicht mit Ultomiris 300 mg/3 ml oder 1100 mg/11 ml Konzentrat zur

Herstellung einer Infusionslösung gemischt werden.

Ultomiris 300 mg/3 ml und 1100 mg/11 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Ultomiris Konzentrat mit 100 mg/ml (Durchstechflaschen zu 3 ml und 11 ml) muss auf eine

Endkonzentration von 50 mg/ml verdünnt werden.

Ultomiris Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung in 3 ml- und 11 ml-Durchstechflaschen

(100 mg/ml) muss verdünnt werden, bevor es als intravenöse Infusion mittels Spritzenpumpe oder

Infusionspumpe über einen Mindestzeitraum von 25 bis 75 Minuten (0,4 bis 1,3 Stunden), abhängig vom

Körpergewicht, gegeben wird; siehe Tabelle 3 unten.

Tabelle 3: Infusionsrate für Dosen von Ultomiris 300 mg/3 ml und 1100 mg/11 ml Konzentrat zur

Herstellung einer Infusionslösung

Körpergewicht

(kg)a

Initialdosis

(mg)

Mindestdauer der

Infusion

Minuten (Stunden)

Erhaltungs-dosis

(mg)

Mindestdauer der

Infusion

Minuten (Stunden)

≥ 10 bis < 20

45 (0,8)

45 (0,8)

≥ 20 bis < 30

35 (0,6)

2100

75 (1,3)

≥ 30 bis < 40

1200

31 (0,5)

2700

65 (1,1)

≥ 40 bis < 60

2400

45 (0,8)

3000

55 (0,9)

≥ 60 bis < 100

2700

35 (0,6)

3300

40 (0,7)

≥ 100

3000

25 (0,4)

3600

30 (0,5)

a Körpergewicht zum Behandlungszeitpunkt.

Ultomiris 300 mg/30 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Ultomiris Konzentrat mit 10 mg/ml (Durchstechflasche zu 30 ml) muss auf eine Endkonzentration von

5 mg/ml verdünnt werden.

Ultomiris Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung in 30 ml-Durchstechflaschen (10 mg/ml)

muss verdünnt werden, bevor es als intravenöse Infusion mittels Spritzenpumpe oder Infusionspumpe

über einen Mindestzeitraum von 77 bis 194 Minuten (1,3 bis 3,3 Stunden), abhängig vom

Körpergewicht, gegeben wird (siehe Tabelle 4 unten).

Tabelle 4: Infusionsrate für Dosen von Ultomiris 300 mg/30 ml Konzentrat zur Herstellung einer

Infusionslösung

Körpergewicht a

(kg)

Initialdosis

(mg)

Mindestdauer der

Infusion

Minuten (Stunden)

Erhaltungsdosis

(mg)

Mindestdauer der

Infusion

Minuten (Stunden)

≥ 10 bis < 20

113 (1,9)

113 (1,9)

≥ 20 bis < 30

86 (1,5)

2100

194 (3,3)

≥ 30 bis < 40

1.200

77 (1,3)

2700

167 (2,8)

≥ 40 bis < 60

2400

114 (1,9)

3000

140 (2,4)

≥ 60 bis < 100

2700

102 (1,7)

3300

120 (2,0)

≥ 100

3000

108 (1,8)

3600

132 (2,2)

a Körpergewicht zum Behandlungszeitpunkt.

Hinweise zur Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt «Hinweise für die

Handhabung».

Kontraindikationen

- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt «Hilfsstoffe» genannten

sonstigen Bestandteile.

- Patienten mit nicht ausgeheilter Infektion mit Neisseria meningitidis bei Behandlungsbeginn (siehe

Abschnitt «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

- Patienten ohne aktuellen Impfschutz gegen Neisseria meningitidis, es sei denn, sie erhalten eine

geeignete Antibiotikaprophylaxe bis zu zwei Wochen nach der Impfung (siehe Abschnitt

«Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Schwere Meningokokkeninfektion

Aufgrund seines Wirkmechanismus erhöht Ravulizumab die Anfälligkeit des Patienten für eine

Meningokokkeninfektion/-Sepsis (Neisseria meningitidis). Eine Meningokokkenerkrankung kann durch

jedwede Serogruppe auftreten. Zur Verringerung dieses Infektionsrisikos müssen alle Patienten

mindestens zwei Wochen vor Beginn der Behandlung mit Ravulizumab gegen

Meningokokkeninfektionen geimpft werden. Patienten, bei denen eine Meningokokkenimpfung zu

Beginn der Behandlung mit Ravulizumab weniger als 2 Wochen zurückliegt, müssen bis 2 Wochen nach

der Impfung eine geeignete Antibiotikaprophylaxe erhalten. Zur Vorbeugung gegen die häufig

pathogenen Meningokokken-Serogruppen werden, sofern verfügbar, Impfstoffe gegen die Serogruppen

A, C, Y, W135 und B empfohlen. Die Patienten müssen gemäss den offiziellen Impfempfehlungen

geimpft oder nachgeimpft werden. Wird der Patient von einer Eculizumab-Behandlung umgestellt, sollte

der Arzt überprüfen, dass gemäss den offiziellen Impfempfehlungen ein ausreichender Impfschutz gegen

Meningokokken besteht.

Eine Impfung ist unter Umständen nicht ausreichend, um eine Meningokokkeninfektion zu verhindern.

Die offiziellen Empfehlungen zur indikationsgerechten Anwendung von Antibiotika sollten

berücksichtigt werden. Bei Patienten, die mit Ravulizumab behandelt wurden, wurde über schwere

Meningokokkeninfektionen/-Sepsen berichtet. Bei Patienten, die mit anderen terminalen

Komplementinhibitoren behandelt wurden, wurde über schwere oder tödliche

Meningokokkeninfektionen/-Sepsen berichtet. Alle Patienten sollten auf Frühzeichen von

Meningokokkeninfektion und -Sepsis überwacht, bei Infektionsverdacht sofort untersucht und mit

geeigneten Antibiotika behandelt werden. Die Patienten sollten über diese Anzeichen und Symptome

informiert werden und sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Ärzte sollten den Patienten

die Patienten-Informationsbroschüre und die Patientenkarte aushändigen.

Immunisierung

Vor dem Beginn der Therapie mit Ravulizumab wird empfohlen, dass Patienten mit PNH und aHUS mit

Impfungen entsprechend den aktuellen Impfrichtlinien beginnen.

Eine Impfung kann das Komplement zusätzlich aktivieren. Folglich können sich bei Patienten mit

komplementvermittelten Erkrankungen, einschliesslich PNH und aHUS, die Anzeichen und Symptome

ihrer Grunderkrankung, wie z. B. Hämolyse, verstärken. Daher sollten die Patienten im Anschluss an die

empfohlene Impfung engmaschig auf Krankheitssymptome überwacht werden.

Patienten unter 18 Jahren müssen gegen Haemophilus influenzae und Pneumokokkeninfektionen

geimpft werden, wobei die nationalen Impfempfehlungen für jede Altersgruppe streng eingehalten

werden müssen.

Sonstige systemische Infektionen

Die Therapie mit Ravulizumab sollte bei Patienten mit aktiven systemischen Infektionen mit Vorsicht

durchgeführt werden. Ravulizumab hemmt die terminale Komplementaktivierung, daher kann es bei den

Patienten zu einer erhöhten Anfälligkeit für durch Neisseria-Spezies und bekapselte Bakterien

verursachte Infektionen kommen. Es wurden schwerwiegende Infektionen durch Neisseria-Spezies

(ausser Neisseria meningitidis) beobachtet, einschliesslich disseminierte Gonokokken-Infektionen.

Die Patienten sollen über mögliche schwere Infektionen und deren Anzeichen und Symptome informiert

werden. Ärzte sollten Patienten in Hinblick auf die Prävention von Gonorrhö beraten.

Infusionsreaktionen

Die Verabreichung von Ravulizumab kann zu Infusionsreaktionen führen. In klinischen Prüfungen bei

PNH und aHUS kam es bei Patienten (4 von 296 PNH-Patienten und 4 von 89 aHUS-Patienten) zu

leicht ausgeprägten und vorübergehenden Infusionsreaktionen (z. B. Schmerzen im unteren

Rückenbereich, Abfall des Blutdrucks, Blutdruckanstieg, Gliederbeschwerden,

Arzneimittelüberempfindlichkeit (allergische Reaktion) und Dysgeusie (Geschmacksstörung)). Bei

Fällen von Infusionsreaktionen und Anzeichen einer kardiovaskulären Instabilität oder einer

Beeinträchtigung der Atmung sollte die Ravulizumab-Infusion unterbrochen und es sollten geeignete

unterstützende Massnahmen ergriffen werden.

Behandlungsabbruch bei PNH

Wenn die Behandlung mit Ravulizumab bei Patienten mit PNH abgesetzt wird, sollten sie auf Anzeichen

und Symptome einer schweren intravaskulären Hämolyse engmaschig überwacht werden. Eine schwere

Hämolyse ist an erhöhten LDH (Lactat-Dehydrogenase)-Werten in Verbindung mit Folgendem

erkennbar: plötzliche Verkleinerung des PNH-Klons oder plötzliche Abnahme des Hämoglobins oder

erneutes Auftreten von Symptomen wie Fatigue, Hämoglobinurie, abdomineller Schmerz,

Kurzatmigkeit (Dyspnoe), einem schwerwiegenden unerwünschten vaskulären Ereignis (einschliesslich

Thrombose), Dysphagie oder Erektionsstörung. Patienten, bei denen die Therapie mit Ravulizumab

abgesetzt wird, sollten mindestens 16 Wochen lang überwacht werden, damit Hämolysen und andere

Reaktionen erkannt werden können. Wenn nach Absetzen Anzeichen oder Symptome einer Hämolyse

auftreten, einschliesslich erhöhter LDH-Werte, sollte eine erneute Anwendung von Ravulizumab in

Betracht gezogen werden.

Behandlungsabbruch bei aHUS

Es liegen keine spezifischen Daten zum Absetzen von Ravulizumab vor. In einer prospektiven Langzeit-

Beobachtungsstudie führte das Absetzen der Behandlung mit dem Komplement-C5-Inhibitor

(Eculizumab) zu einer 13,5-fach höheren Rate von TMA-Rezidiven und es bestand eine Tendenz zur

Abnahme der Nierenfunktion im Vergleich zu Patienten, die die Behandlung fortsetzten.

Wenn Patienten die Behandlung mit Ravulizumab absetzen müssen, sollten sie fortlaufend engmaschig

auf Anzeichen und Symptome einer TMA überwacht werden. Es ist jedoch möglich, dass eine

Überwachung nicht ausreicht, um schwere TMA-Komplikationen vorherzusagen oder ihnen

vorzubeugen.

Komplikationen durch eine TMA nach dem Absetzen der Behandlung lassen sich anhand einer der

folgenden Beobachtungen identifizieren:

(i) Mindestens zwei der folgenden Laborbefunde liegen gleichzeitig vor: eine Abnahme der

Thrombozytenzahl um mindestens 25 % im Vergleich zu entweder der Ausgangs- oder höchsten

Thrombozytenzahl während der Ravulizumab-Behandlung; Anstieg des Serumkreatinins um mindestens

25 % im Vergleich zum Ausgangswert oder zum Tiefstwert während der Ravulizumab-Behandlung;

oder Anstieg des Serum-LDH um mindestens 25 % im Vergleich zum Ausgangswert oder zum

Tiefstwert während der Ravulizumab-Behandlung (die Ergebnisse sollten durch eine zweite Messung

bestätigt werden) oder

(ii) eines der folgenden Symptome einer TMA: Veränderung des mentalen Zustandes oder

Krampfanfälle oder andere extrarenale Manifestationen einer TMA, einschließlich kardiovaskuläre

Anomalien, Perikarditis, gastrointestinale Symptome/Diarrhoe oder Thrombose.

Wenn nach dem Absetzen von Ravulizumab Komplikationen durch eine TMA auftreten, ist eine

Wiederaufnahme der Ravulizumab-Behandlung mit der in Abschnitt 4.2 beschriebenen Initial- und

Erhaltungsdosis in Erwägung zu ziehen.

Patienten mit Hämolytisch-Urämischem Syndrom im Zusammenhang mit E. coli Shiga-Toxin (STEC-

HUS)

Es liegen keine Daten vor zur Anwendung von Ultomiris bei Patienten mit STEC-HUS.

Natriumgehalt

Ultomiris 300 mg/30 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Nach Verdünnung mit Natriumchlorid 9 mg/ml (0,9 %) Injektionslösung enthält die Höchstdosis dieses

Arzneimittels 2,65 g Natrium pro 720 ml, entsprechend 133 % der von der WHO für einen Erwachsenen

empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.

Ultomiris 300 mg/3 ml und 1100 mg/11 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung

Nach Verdünnung mit Natriumchlorid 9 mg/ml (0,9 %) Injektionslösung enthält die Höchstdosis dieses

Arzneimittels 0,18 g Natrium pro 72 ml, entsprechend 9,1 % der von der WHO für einen Erwachsenen

empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.

Interaktionen

Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.

Eine chronische Behandlung mit intravenösem humanem Immunglobulin (IVIg) kann den Recycling-

Mechanismus des endosomalen neonatalen Fc-Rezeptors (FcRn) von monoklonalen Antikörpern, wie

Ravulizumab, beeinträchtigen und dadurch die Ravulizumab-Konzentrationen im Serum verringern.

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft

Gebärfähige Frauen

Gebärfähige Frauen müssen während und bis zu 8 Monate nach der Behandlung eine zuverlässige

Verhütungsmethode anwenden.

Schwangerschaft

Bisher liegen keine klinischen Daten zur Anwendung von Ravulizumab bei Schwangeren vor.

Es wurden keine nichtklinischen reproduktionstoxikologischen Studien mit Ravulizumab durchgeführt

(siehe Abschnitt «Präklinische Daten»). Es wurden reproduktionstoxikologische Studien an Mäusen

mithilfe des murinen Surrogatmoleküls BB5.1 durchgeführt, in denen die Auswirkung der C5-Blockade

auf das Reproduktionssystem bewertet wurde. In diesen Studien wurden keine spezifischen Testprodukt-

bezogenen Reproduktionstoxizitäten nachgewiesen. Humanes IgG passiert bekanntlich die

Plazentaschranke und demzufolge kann Ravulizumab potentiell eine terminale Komplementinhibition

im fetalen Kreislauf verursachen. Es liegen keine ausreichenden tierexperimentellen Studien in Bezug

auf eine Reproduktionstoxizität vor (siehe Abschnitt «Präklinische Daten»).

Bei Schwangeren kann die Anwendung von Ravulizumab nach einer Nutzen-Risiko- Analyse in

Betracht gezogen werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Ravulizumab in die Muttermilch übergeht. Bei an Mäusen mithilfe des murinen

Surrogatmoleküls BB5.1 durchgeführten nichtklinischen reproduktionstoxikologischen Studien wurden

an Jungtieren keine unerwünschten Wirkungen festgestellt, die auf die Aufnahme von Milch von

behandelten Muttertieren zurückzuführen wären.

Ein Risiko für das Kind kann nicht ausgeschlossen werden.

Da viele Arzneimittel und Immunglobuline in die menschliche Muttermilch übergehen und bei gestillten

Säuglingen das Potenzial für schwerwiegende unerwünschte Reaktionen besteht, sollte das Stillen

während und bis 8 Monate nach der Behandlung mit Ravulizumab unterbrochen werden.

Fertilität

Es wurden keine spezifischen nicht-klinischen Studien zur Fertilität mit Ravulizumab durchgeführt.

Bei an Mäusen mithilfe eines murinen Surrogatmoleküls (BB5.1) durchgeführten nicht-klinischen

reproduktionstoxikologischen Studien wurden keine unerwünschten Auswirkungen auf die Fertilität der

behandelten Weibchen bzw. Männchen festgestellt.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Ultomiris hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die

Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

Unerwünschte Wirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Die häufigsten Nebenwirkungen (mit der Häufigkeitsangabe sehr häufig) sind Diarrhoe, Übelkeit,

Erbrechen, Nasopharyngitis und Kopfschmerz. Die schwerwiegendsten Nebenwirkungen bei Patienten

in klinischen Studien sind Meningokokkeninfektion und Meningokokken-Sepsis (siehe Abschnitt

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen).

Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen

In Tabelle 5 sind die in klinischen Studien zu PNH und aHUS beobachteten Nebenwirkungen

aufgeführt.

Die Nebenwirkungen sind nach MedDRA-Systemorganklasse und Häufigkeit gemäss der folgenden

Konvention aufgeführt: sehr häufig (≥ 1/10); häufig (≥ 1/100, < 1/10); gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100);

selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000); sehr selten (< 1/10.000) und nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der

verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Innerhalb jeder Häufigkeitskategorie sind die Nebenwirkungen nach absteigendem Schweregrad

aufgeführt.

Tabelle 5: Nebenwirkungen

MedDRA-Systemorganklasse

Sehr häufig*

(≥ 1/10)

Häufig

(≥ 1/100, < 1/10)

Gelegentlich (≥ 1/1.000,

< 1/100)

Infektionen und parasitäre

Erkrankungen

Infektion der

oberen Atemwege

(18.8%),

Nasopharyngitis

(15.7%)

Meningokokkeninfektion*

Erkrankungen des Nervensystems

Kopfschmerz

(34.5%)

Schwindelgefühl

Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakts

Diarrhoe, Übelkeit

Abdomineller

Schmerz,

Erbrechen,

Dyspepsie

Erkrankungen der Haut und des

Unterhautzellgewebes

Ausschlag,

Pruritus

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs-

und Knochenerkrankungen

Arthralgie,

Rückenschmerzen,

Myalgie,

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