Tolid 1,0 Tablette

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

Kaufe es jetzt

Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Lorazepam
Verfügbar ab:
Riemser Pharma GmbH
ATC-Code:
N05BA06
INN (Internationale Bezeichnung):
lorazepam
Darreichungsform:
Tablette
Zusammensetzung:
Lorazepam 1.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
6957.00.00

Seite 1 von 11

Gebrauchsinformation: Information für den Patienten

Tolid® 1,0

Tabletten

Wirkstoff: Lorazepam 1,0 mg

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der

Einnahme dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals

lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder das

medizinische Fachpersonal.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte

weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen

Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder

das medizinische Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Tolid® 1,0 und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Tolid® 1,0 beachten?

Wie ist Tolid® 1,0 einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Tolid® 1,0 aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Tolid® 1,0 und wofür wird es angewendet?

Stoff- oder Indikationsgruppe

Tolid ® 1,0 ist ein beruhigendes und angstlösendes Arzneimittel (Tranquilizer) aus der

Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine.

Anwendungsgebiete

Tolid ® 1,0 wird angewendet:

Zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Angst-,

Spannungs- und Erregungszuständen.

Zur Beruhigung (Sedierung) vor untersuchenden (diagnostischen) und vor und

nach operativen Eingriffen.

Hinweise:

Nicht alle Angst-, Spannungs- und Erregungszustände bedürfen einer Behandlung mit

Arzneimitteln. Oftmals sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer Erkrankungen und

Seite 2 von 11

können durch andere Maßnahmen oder gezielte Behandlung der Grunderkrankungen

behoben werden. Angst- und Spannungszustände infolge von gewöhnlichem

Alltagsstress sollten normalerweise nicht mit einem Arzneimittel wie Tolid® 1,0

behandelt werden. Der Einsatz von Lorazepam als Schlafmittel erscheint nur dann

gerechtfertigt, wenn gleichzeitig Benzodiazepin-Wirkungen am Tag erwünscht sind.

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Tolid ® 1,0 beachten?

Tolid® 1,0 darf nicht eingenommen werden,

wenn Sie allergisch gegen Lorazepam oder andere Benzodiazepine (Arzneistoffe

derselben Wirkstoffgruppe) oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels sind.

bei Abhängigkeitserkrankungen in der Vorgeschichte (Alkohol, Arzneimittel, Drogen).

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Tolid® 1,0 einnehmen,

bei bestimmten Formen krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis)

bei Störungen der Bewegungskoordination (zerebellare und spinale Ataxien)

bei akuter Vergiftung mit zentraldämpfenden Arzneimitteln (z. B. Schlaf- oder

Schmerzmittel, Arzneimitteln zur Behandlung geistig-seelischer Störungen wie

Neuroleptika, Antidepressiva, Lithium) sowie Alkohol

bei Atemfunktionsstörungen, z. B. schlafbegleitendem Aussetzen der

Atemfunktion (Schlafapnoe-Syndrom) oder chronisch-obstruktiver

Lungenerkrankung

bei älteren und geschwächten Patienten sowie Patienten mit bestehender

Herzschwäche (Herzinsuffizienz) und/oder erniedrigtem Blutdruck (Hypotonie).

Diese sprechen auf Tolid ® 1,0 oder andere Arzneistoffe derselben

Wirkstoffgruppe (Benzodiazepine) oft stärker als erwünscht an. Bei solchen

Patienten sowie bei Patienten mit hirnorganischen Veränderungen, Kranken in

reduziertem Allgemeinzustand und eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion ist

die Anwendung von Tolid ® 1,0 daher sorgfältig abzuwägen (Dosierungsanleitung

beachten). Zwar wirkt Lorazepam bei normaler Atemfunktion nicht atemdämpfend,

es darf jedoch bei Patienten mit akuter Atmungsschwäche (akute respiratorische

Insuffizienz) nur mit Vorsicht angewendet werden. Dies gilt auch für Patienten mit

Verengung der Atemwege (chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen).

Bei älteren oder geschwächten Patienten wird eine niedrigere Dosis empfohlen.

Bei älteren Patienten ist wegen der Sturzgefahr, insbesondere bei nächtlichem

Aufstehen, Vorsicht geboten (siehe unter 3. „Wie ist Tolid

1,0 einzunehmen?“).

Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit Tolid® 1,0 behandelt werden,

außer bei einem dringenden Erfordernis, einer Sedierung vor und nach operativen sowie

diagnostischen Eingriffen. Für Kinder unter 6 Jahren wird Tolid® 1,0 nicht empfohlen.

Bei depressiven Menschen muss mit der Möglichkeit eines Hervortretens oder einer

Verstärkung der depressiven Krankheitserscheinungen gerechnet werden. Eine

Behandlung mit Benzodiazepinen kann bei diesen Patienten die Gefahr eines

Seite 3 von 11

Selbstmords erhöhen; sie sollte nicht ohne ausreichende antidepressive Therapie

erfolgen.

Zu Beginn der Behandlung sollte der behandelnde Arzt das jeweilige Ansprechen des

Patienten auf das Medikament kontrollieren, um mögliche Überdosierungen möglichst

schnell erkennen zu können. Dies gilt insbesondere für Kinder und für ältere oder

geschwächte Patienten. Diese Patienten reagieren möglicherweise empfindlicher auf die

Wirkung von Tolid® 1,0 und sollten deshalb während der Therapie häufiger kontrolliert

werden.

Bei der Anwendung als Schlafmittel sollte gewährleistet sein, dass eine ausreichende

Schlafzeit (etwa 7-8 Stunden) zur Verfügung steht. Wenn Sie sich an diese Empfehlung

halten, lassen sich Nachwirkungen am folgenden Morgen (z. B. Müdigkeit,

Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens) meist vermeiden. Lassen Sie sich bitte von

Ihrem Arzt unter Berücksichtigung Ihrer jeweiligen Lebenssituation (z. B. Berufstätigkeit)

weitere genaue Verhaltensanweisungen für den Alltag geben!

Bei der Anwendung von Benzodiazepinen wurde gelegentlich über das Auftreten von

„paradoxen“ Reaktionen berichtet (siehe Abschnitt „4. Welche Nebenwirkungen sind

möglich?“). Mit solchen Reaktionen muss insbesondere bei Kindern und älteren

Personen gerechnet werden. Beim Auftreten paradoxer Reaktionen sollte die

Behandlung mit Lorazepam beendet werden.

Wie bei allen Benzodiazepinen kann es bei Anwendung von Lorazepam zu einer

Verschlechterung einer hepatischen Enzephalopathie (Gehirnerkrankung aufgrund

eines Leberschadens) kommen. Deshalb sollte Lorazepam bei Patienten mit stark

eingeschränkter Leberfunktion und/oder Leberenzephalopathie mit Vorsicht angewendet

werden.

Warnhinweis:

Bei mehrwöchiger täglicher Anwendung von Tolid® 1,0 besteht die Gefahr einer

geistigen und körperlichen (psychischen und physischen) Abhängigkeitsentwicklung.

Eine fortgesetzte Einnahme sollte nur bei zwingender Notwendigkeit nach sorgfältiger

Abwägung des therapeutischen Nutzens gegen das Risiko von Gewöhnung und

Abhängigkeit erfolgen.

Weitere Hinweise:

Bei Anwendung von Benzodiazepinen, einschließlich Lorazepam, kann es zu einer

möglicherweise tödlich verlaufenden Atemdämpfung kommen.

Lorazepam hat eine suchtfördernde Eigenschaft (primäres Abhängigkeitspotential).

Bereits bei täglicher Einnahme von Tolid® 1,0 über wenige Wochen besteht die Gefahr

einer psychischen und körperlichen Abhängigkeitsentwicklung. Dies gilt nicht nur für den

missbräuchlichen Gebrauch besonders hoher Dosen, sondern auch für den

therapeutischen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit der Einnahmedauer und der Dosis

und ist höher bei Patienten mit Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch in der

Vorgeschichte sowie bei Patienten mit massiven Persönlichkeitsstörungen.

Grundsätzlich sollten Benzodiazepine nur für kurze Zeiträume (z. B. 2 - 4 Wochen)

verordnet werden. Eine fortgesetzte Anwendung sollte nur, wenn sie zwingend

angezeigt ist, nach sorgfältiger Abwägung des Behandlungsnutzens gegen das Risiko

von Gewöhnung und Abhängigkeit erfolgen. Eine Langzeitanwendung von Tolid® 1,0

wird nicht empfohlen.

Bei der Anwendung von Benzodiazepinen wurde über schwere allergische Reaktionen

berichtet. Es wurden Fälle eines Angioödems (Schwellung der Haut/oder Schleimhäute)

mit Beteiligung von Zunge, Kehlkopf oder des stimmbildenden Kehlkopfbereichs

(Glottis) nach Einnahme der ersten Dosis oder weiteren Dosen von Benzodiazepinen

berichtet. Bei manchen Patienten kam es unter der Einnahme von Benzodiazepinen zu

Seite 4 von 11

weiteren Symptomen wie Kurzatmigkeit/Dyspnoe), Zuschwellen des Rachens oder

Übelkeit und Erbrechen. Manche Patienten mussten als medizinischer Notfall behandelt

werden. Falls ein Angioödem mit Beteiligung von Zunge, Kehlkopf (Larynx) oder des

stimmbildenden Kehlkopfbereiches (Glottis) auftritt, kann ein Verschluss der Atemwege

auftreten und tödlich verlaufen.

Einnahme von Tolid® 1,0 zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel

einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder

beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

Die folgenden Arzneimittel können die Wirkung von Tolid

1,0 beeinflussen oder in ihrer

Wirkung beeinflusst werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Tolid® 1,0 mit anderen zentraldämpfenden

Arzneimitteln (z. B. Psychopharmaka, Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Narkosemittel,

Betablocker, Schmerzmittel vom Opiattyp, sedierende Antihistaminika, Antiepileptika)

kann es zu einer wechselseitigen Verstärkung der zentral dämpfenden Effekte kommen.

Bei gleichzeitiger Gabe von Muskelrelaxanzien kann die muskelrelaxierende Wirkung

verstärkt werden – insbesondere bei älteren Patienten und bei höherer Dosierung

(Sturzgefahr!).

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Clozapin kann es zu ausgeprägter

Dämpfung, übermäßigem Speichelfluss und Störungen der Bewegungskoordination

kommen.

Die gleichzeitige Gabe von Toli® 1,0 und Valproinsäure kann zu erhöhten

Konzentrationen von Lorazepam im Blut führen. Wenn Valproinsäure gleichzeitig

angewendet wird, sollte die Dosis von Tolid® 1,0 um etwa die Hälfte reduziert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Tolid® 1,0 und Probenecid kann zu einem schnelleren

Wirkungseintritt oder einer verlängerten Wirkung von Lorazepam führen. Bei

gleichzeitiger Anwendung mit Probenecid ist die Dosis von Tolid® 1,0 zu halbieren.

Die Anwendung von Theophyllin oder Aminophyllin kann die sedierende Wirkung von

Tolid® 1,0 vermindern.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Levodopa kann es zur Hemmung der

Wirkung von Levodopa kommen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Substanzen, die die Verstoffwechslung-

von CYP3A4 beeinflussen, sind Wechselwirkungen möglich.

Wenn Sie unter Dauerbehandlung mit anderen Arzneimitteln stehen, sind im Einzelfall

Art und Umfang von Wechselwirkungen, besonders zu Beginn der Behandlung nicht

sicher vorhersehbar.

Beachten Sie bitte, dass diese Angaben auch für vor kurzem angewandte Arzneimittel

gelten können.

Einnahme von Tolid ® 1,0 zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol

Sie sollten keinen Alkohol trinken, da dieser die Wirkungen von Tolid ® 1,0 in nicht

vorhersehbarer Weise verändern und verstärken kann.

Schwangerschaft, Stillzeit und Zeugugns-/Gebärfähigkeit

Seite 5 von 11

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein

oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses

Arzneimittels Ihren Arzt um Rat.

Schwangerschaft

In der Schwangerschaft soll Tolid® 1,0 nicht eingenommen werden, da keine

ausreichenden therapeutischen Erfahrungen mit Lorazepam vorliegen.

Bei längerer Einnahme von Benzodiazepinen und in höheren Dosen durch die

Schwangere können beim Neugeborenen durch Gewöhnung und Abhängigkeit

Entzugserscheinungen nach der Geburt auftreten. Wird Tolid® 1,0 gegen Ende der

Schwangerschaft oder in größeren Dosen vor oder unter der Geburt verabreicht, können

beim Neugeborenen erniedrigte Körpertemperatur, herabgesetzter Muskeltonus,

Blutdruckerniedrigung, Atemdämpfung und Trinkmüdigkeit (sogenanntes "Floppy-Infant-

Syndrom") auftreten.

Stillzeit

Da der Wirkstoff von Tolid® 1,0 in die Muttermilch übergeht, sollte es nicht während der

Stillzeit eingenommen werden, es sei denn, dass der zu erwartende Nutzen das

potentielle Risiko für den Säugling übersteigt. Bei Einnahme von Tolid® 1,0 während der

Stillzeit können beim Säugling Sedierung und Saugschwäche auftreten. Eine ärztliche

Überwachung des Säuglings wird empfohlen.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das

Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am

Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen erheblich beeinträchtigt wird. Dies

gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Daher sollten Sie das Führen von Fahrzeugen, die Bedienung von Maschinen oder

sonstige gefahrvolle Tätigkeiten ganz, zumindest jedoch während der ersten Tage der

Behandlung unterlassen. Die Entscheidung in Ihrem speziellen Fall trifft Ihr Arzt unter

Berücksichtigung Ihrer individuellen Reaktion und Dosierung.

Tolid® 1,0 enthält Lactose

Bitte nehmen Sie Tolid® 1,0 daher erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn

Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Unverträglichkeit gegenüber bestimmten

Zuckern leiden.

3.

Wie ist Tolid ® 1,0 einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Bitte

fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die folgenden Angaben gelten, soweit Ihnen Ihr Arzt Tolid ® 1,0 nicht anders verordnet hat.

Bitte halten Sie sich an die Anwendungsvorschriften, da Tolid ® 1,0 sonst nicht richtig

wirken kann!

Die Darreichungsform, Dosierung und Anwendungsdauer müssen an die Erfordernisse

des Einzelfalles angepasst werden.

Hierbei sollten grundsätzlich möglichst niedrige Dosen eingenommen und die

Behandlung kurz gehalten werden.

Seite 6 von 11

Die empfohlene Dosis beträgt:

Zur Behandlung akuter und chronischer Angst-, Spannungs- und

Erregungszustände bei Erwachsenen:

Die Tagesdosis beträgt in der Regel 1/2 - 2 1/2 Tabletten Tolid® 1,0 (entsprechend

0,5 - 2,5 mg Lorazepam), verteilt auf 2 - 3 Einzelgaben oder als abendliche

Einmaldosis. Im Einzelfall, speziell im stationären Bereich (im Krankenhaus), kann

der Arzt die Tagesdosis unter Berücksichtigung aller Vorsichtshinweise auf maximal

7,5 mg Lorazepam erhöhen. Dafür stehen Zubereitungen mit höherer Einzeldosis

zur Verfügung.

Stehen behandlungsbedürftige Schlafstörungen im Vordergrund, kann die

Tagesdosis (entsprechend 1/2 - 2 1/2 Tabletten Tolid® 1,0, entsprechend 0,5 - 2,5

mg Lorazepam) als Einmalgabe etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen

eingenommen werden.

Beruhigung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen Eingriffen:

Bei Erwachsenen 1 - 2 1/2 Tabletten Tolid® 1,0 (entsprechend 1 - 2,5 mg

Lorazepam) am Vorabend und/oder 2 - 4 Tabletten Tolid® 1,0 (entsprechend 2 - 4

mg Lorazepam) etwa eine bis zwei Stunden vor dem Eingriff. Auch dafür stehen

Zubereitungen mit einer höheren Einzeldosis zur Verfügung.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Bei Kindern ist die Dosis entsprechend herabzusetzen, Einzeldosen von 1/2 - 1

Tablette Tolid® 1,0 (entsprechend 0,5 - 1,0 mg Lorazepam) bzw. 0,05 mg

Lorazepam/kg Körpergewicht sollten nicht überschritten werden.

Bei älteren und bei geschwächten Personen sowie bei Personen mit hirnorganischen

Veränderungen sollte die anfängliche Tagesgesamtdosis um ca. 50% gesenkt werden.

Die Dosis ist vom Arzt entsprechend der erforderlichen Wirkung und der Verträglichkeit

im Einzelfall einzustellen.

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

Art der Anwendung

Die Tabletten sind teilbar und werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit (z. B. mit einem

halben bis einem Glas Wasser) eingenommen.

Bei der Anwendung als Schlafmittel sollte abends die Einnahme etwa 1/2 Stunde vor

dem Schlafengehen und nicht auf vollen Magen erfolgen, da sonst mit verzögertem

Wirkungseintritt und - abhängig von der Schlafdauer - mit verstärkten Nachwirkungen

am nächsten Morgen gerechnet werden muss.

Dauer der Anwendung

Über die Dauer der Anwendung entscheidet der behandelnde Arzt.

Bei akuten Erkrankungen sollte die Anwendung von Tolid® 1,0 auf Einzelgaben oder auf

wenige Tage beschränkt werden. Bei chronischen Krankheiten richtet sich die Dauer der

Anwendung nach dem Verlauf. Nach zweiwöchiger täglicher Einnahme sollte vom Arzt

bei einer schrittweisen Verringerung der Dosis geklärt werden, ob eine Behandlung mit

Tolid® 1,0 weiterhin angezeigt ist.

Seite 7 von 11

Zu beachten ist, dass nach längerer Anwendungsdauer (länger als 1 Woche) und

plötzlichem Absetzen des Arzneimittels Schlafstörungen, Angst- und

Spannungszustände, innere Unruhe und Erregung vorübergehend verstärkt wieder

auftreten können. Daher sollte die Behandlung nicht plötzlich, sondern durch

schrittweise Verringerung der Dosis beendet werden.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die

Wirkung von Tolid ® 1,0 zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge Tolid® 1,0 eingenommen haben als Sie sollten

Verständigen Sie bei Verdacht auf eine erhebliche Überdosierung sofort einen

Arzt/Notarzt, damit dieser über das weitere Vorgehen entscheiden kann! Dabei sind

telefonische Erste-Hilfe-Anweisungen zu beachten. Ohne ausdrückliche Anweisung kein

Erbrechen auslösen!

Zeichen einer Überdosierung sind: Benommenheit, Verwirrtheit, Schläfrigkeit,

verminderte Atmung, Störungen des Bewegungsablaufs (der Bewegungskoordination),

Teilnahmslosigkeit und in schweren Fällen Bewusstlosigkeit.

Wenn Sie die Einnahme von Tolid® 1,0 vergessen haben

Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen

haben. Setzen Sie die Behandlung wie vom Arzt verordnet fort.

Wenn Sie die Einnahme von Tolid® 1,0 abbrechen

Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Arzt, bevor Sie - z. B. wegen auftretender

Nebenwirkungen - eigenmächtig die Behandlung mit Tolid® 1,0 unterbrechen oder

vorzeitig beenden!

Beachten Sie insbesondere, dass nach längerer täglicher Einnahme von Tolid® 1,0

durch plötzliches Absetzen der Behandlung sogenannte Absetzphänomene auftreten

können (siehe unter "Nebenwirkungen"). Daher sollten Sie die Behandlung niemals

plötzlich, sondern durch schrittweise Verringerung der Dosis beenden.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung des Arzneimittels haben, wenden Sie sich an

Ihren Arzt, Apotheker oder das medizinische Fachpersonal.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht

bei jedem auftreten müssen.

Nebenwirkungen sind besonders zu Beginn der Behandlung, bei zu hoher Dosierung und

bei den oben unter „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“ erwähnten

Patientengruppen zu erwarten.

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde

gelegt:

Seite 8 von 11

Sehr häufig:

mehr als 1 Behandelter von 10

Häufig:

1 bis 10 Behandelte von 100

Gelegentlich:

1 bis 10 Behandelte von 1.000

Selten:

1 bis 10 Behandelte von 10.000

Sehr selten:

weniger als 1 Behandelter von 10.000

Nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Blutbildveränderungen (Thrombopenie, Agranulozytose, Panzytopenie).

Erkrankungen des Kardiovaskulären Systems

Niedriger Blutdruck (Hypotonie), leichter Blutdruckabfall.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Gelegentlich:

Übelkeit.

Weiterhin traten auf: Verstopfung, Bilirubinanstieg, Gelbsucht, Anstieg von

Leberenzymen (Transaminasen, alkalische Phosphatase).

Erkrankungen des Nervensystems

Benzodiazepine bewirken eine dosisabhängige zentralnervöse Dämpfung.

Sehr häufig:

Sedierung, Müdigkeit, Benommenheit.

Häufig: Bewegungs- und Gangunsicherheit (Ataxie), Verwirrtheit, Depression,

Hervortreten einer Depression, Schwindelgefühl.

Gelegentlich: Änderungen des geschlechtlichen Verlangens, Impotenz, verminderter

Orgasmus.

Weiterhin traten auf: Verlängerte Reaktionszeiten, Störungen der Bewegungsabläufe

(extrapyramidale Symptome), Zittern, Schwindel, Sehstörungen (Doppeltsehen,

verschwommenes Sehen), Artikulationsstörungen/undeutliches Sprechen,

Kopfschmerzen, Krampfanfälle/Krämpfe, Gedächtnislücken (Amnesie), Enthemmung,

Euphorie, Koma, Suizidgedanken/-versuch, eingeschränkte

Aufmerksamkeit/Konzentration, Gleichgewichtsstörungen; paradoxe Reaktionen

wie z. B. Angst, Erregungszustände, Aufgeregtheit, aggressives Verhalten

(Feindseligkeit, Aggression, Wut), Schlafstörungen/Schlaflosigkeit, sexuelle Erregung,

Trugbilder. Beim Auftreten derartiger Reaktionen sollte die Behandlung mit Tolid® 1,0

beendet werden.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums

Atemdämpfung (Ausmaß dosisabhängig), Luftnot (Apnoe), Verschlechterung einer

Schlaf-Apnoe (zeitweiser Atemstillstand während des Schlafes), Verschlechterung einer

obstruktiven Lungenerkrankung (Atemwegsverengung).

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Allergische Hautreaktionen, Haarausfall.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig:

Muskelschwäche, Mattigkeit.

Häufigkeit nicht bekannt:

Sturzgefahr (insbesondere bei älteren Patienten oder wenn Lorazepam nicht nach

Vorschrift eingenommen wurde)

Weiterhin traten auf: Überempfindlichkeitsreaktionen, anaphylaktische/-oide Reaktionen,

Angioödem (Schwellung der Haut und/oder Schleimhäute), unangemessene

Seite 9 von 11

Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH), erniedrigte Natriumblutspiegel

(Hyponatriämie), Absenkung der Körpertemperatur (Hypothermie).

Bereits nach einer Behandlungsdauer von wenigen Tagen mit täglicher Einnahme von

Tolid® 1,0 können nach Absetzen der Behandlung, besonders wenn dieses plötzlich

erfolgt, Entzugserscheinungen (z. B. Schlafstörungen, vermehrtes Träumen) auftreten.

Angst, Spannungszustände sowie Erregung und innere Unruhe können sich verstärkt

wieder einstellen. Weitere Symptome, die nach Absetzen von Benzodiazepinen

berichtet wurden, umfassen Kopfschmerzen, Depression, Verwirrtheit, Reizbarkeit,

Schwitzen, gedrückte Stimmung (Dysphorie), Schwindelgefühl, Realitätsverlust,

Verhaltensstörungen, übersteigerte Geräuschwahrnehmung, Taubheitsgefühl und

Kribbeln in den Gliedmaßen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und

Berührung, Wahrnehmungsstörungen, unwillkürliche Bewegungen, Übelkeit, Erbrechen,

Durchfall, Appetitlosigkeit, Halluzinationen/Delirium, Krampfanfälle/Krämpfe, Zittern,

Bauchkrämpfe, Muskelschmerzen, Erregungszustände, Herzklopfen, beschleunigter

Puls, Panikattacken, Schwindel, übersteigerte Reflexe, Verlust des

Kurzzeitgedächtnisses und Fieber.

Bei chronischer Einnahme von Tolid® 1,0 bei Epilepsie-Kranken oder bei Einnahme von

anderen Arzneimitteln, die die Krampfschwelle herabsetzen (z. B. Antidepressiva), kann

das plötzliche Absetzen vermehrt Krampfanfälle auslösen. Die Gefahr von

Entzugserscheinungen steigt mit der vorausgegangenen Einnahmedauer und Dosis.

Durch eine allmähliche Dosisverringerung lassen sich diese Erscheinungen meist

vermeiden.

Es gibt Hinweise auf eine Toleranzentwicklung (Dosissteigerung aufgrund von

Gewöhnung) gegenüber der sedierenden Wirkung von Benzodiazepinen.

Lorazepam besitzt eine suchtfördernde Eigenschaft (primäres Abhängigkeitspotential).

Gefährdet sind insbesondere Patienten mit Arzneimittel- und/oder Alkoholmissbrauch in

der Vorgeschichte. Bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen ist die Gefahr

einer Abhängigkeitsentwicklung gegeben. Dies gilt nicht nur für den missbräuchlichen

Gebrauch besonders hoher Dosen, sondern auch für den therapeutischen Dosisbereich.

Welche Maßnahmen sind bei Nebenwirkungen zu ergreifen?

Informieren Sie umgehend Ihren Arzt, wenn bei ihnen nicht erklärbare Hautauschläge,

Hautverfärbungen oder Schwellungen auftreten.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Ihren Apotheker

oder das medizinische Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Packungsbeilage

angegeben

sind.

können

Nebenwirkungen

auch

direkt

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-

Kiesinger-Allee

D-53175

Bonn,

Website:

www.bfarm.de

anzeigen.

Indem

Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Tolid® 1,0 aufzubewahren?

Bewahren Sie Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen das Arzneimittel nach dem auf der Faltschachtel „Verwendbar bis“

angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den

letzten Tag des angegebenen Monats.

Seite 10 von 11

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren

Apotheker, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie

tragen damit zum Schutz der Umwelt bei.

Aufbewahrungsbedingungen :

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Tolid® 1,0 enthält:

Der Wirkstoff ist: Lorazepam

1 Tablette enthält 1,0 mg Lorazepam.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Mikrokristalline Cellulose, Lactose-Monohydrat, Polacrilin-Kalium, Glyceroldibehenat

Wie Tolid® 1,0 aussieht und Inhalt der Packung:

Tolid® 1,0 sind weiße, runde Tabletten mit einseitiger Bruchkerbe und Prägung „1“

Tolid® 1,0 ist in Packungen mit 10 Tabletten, 20 Tabletten und 50 Tabletten erhältlich.

Pharmazeutischer Unternehmer

RIEMSER Pharma GmbH

An der Wiek 7

17493 Greifswald – Insel Riems

phone +49 30 338427-0

fax +49 38351 308

e-mail info@RIEMSER.com

Hersteller

DOLORGIET GmbH & Co. KG

Otto-von-Guericke-Straße 1

53757 Sankt Augustin

Telefon: 02241/317-0

Telefax: 02241/317 390

E-Mail:

info@dolorgiet.de

Diese Gebrauchsinformation wurde zuletzt überarbeitet im September 2016.

Zur Beachtung für den Patienten

Dieses Arzneimittel enthält einen Wirkstoff aus der Gruppe der Benzodiazepine.

Benzodiazepine sind Arzneimittel zur Behandlung von Krankheitszuständen, die mit

Unruhe- und Angstzuständen, innerer Spannung oder Schlaflosigkeit einhergehen.

Darüber hinaus werden Benzodiazepine zur Behandlung von Epilepsie und bestimmten

Muskelverspannungen angewendet.

Seite 11 von 11

Nicht alle Angst- oder Schlafstörungen bedürfen der Behandlung mit einem Arzneimittel.

Oftmals sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer Erkrankung oder anderer

Konflikte und können durch andersartige Maßnahmen oder eine Behandlung der

Grunderkrankung beeinflusst werden.

Benzodiazepine beseitigen nicht die Ursache der Störung. Sie vermindern den

Leidensdruck und können darüber hinaus eine wichtige Hilfe sein, um z. B. den Zugang

zu einer weiterführenden Behandlung und die entsprechende Problemverarbeitung zu

erleichtern.

Bei der Anwendung von Benzodiazepin-haltigen Arzneimitteln kann es zur Entwicklung

einer körperlichen und psychischen Abhängigkeit kommen. Um dieses Risiko so gering

wie möglich zu halten, wird Ihnen geraten, die folgenden Hinweise genau zu beachten:

Benzodiazepine sind allein zur Behandlung krankhafter Zustände geschaffen

worden und dürfen nur auf ärztliche Anweisung eingenommen werden.

Wenn Sie derzeit oder früher einmal abhängig von Alkohol, Arzneimitteln oder

Drogen sind bzw. waren, dürfen Sie Benzodiazepine nicht einnehmen; seltene,

nur vom Arzt zu beurteilende Situationen ausgenommen. Machen Sie Ihren Arzt

auf diesen Umstand aufmerksam.

Eine unkontrollierte längerfristige Einnahme muss vermieden werden, da sie zu

einer Medikamentenabhängigkeit führen kann. Bei Beginn der Therapie ist mit

dem behandelnden Arzt ein Folgetermin zu vereinbaren, damit dieser über die

Weiterbehandlung entscheiden kann. Bei einer Einnahme ohne ärztliche

Anweisung verringert sich die Chance, Ihnen durch ärztliche Verordnung mit

diesen Arzneimitteln zu helfen.

Erhöhen Sie auf keinen Fall die vom Arzt vorgeschriebene Dosis und verringern

Sie auf keinen Fall die Zeitabstände zwischen den einzelnen Einnahmen, auch

dann nicht, wenn die Wirkung nachlässt. Dies kann ein erstes Zeichen einer

entstehenden Abhängigkeit sein. Durch eigenmächtige Änderung der vom Arzt

verordneten Dosis wird die gezielte Behandlung erschwert. wird die gezielte

Behandlung erschwert.

Benzodiazepine dürfen nie abrupt abgesetzt werden, sondern nur im Rahmen

einer schrittweisen Dosisreduktion (Ausschleichen). Bei Absetzen nach längerem

Gebrauch können – oft mit Verzögerung von einigen Tagen – Unruhe,

Angstzustände, Schlaflosigkeit, Krampfanfälle und Halluzinationen auftreten.

Diese Absetzerscheinungen verschwinden nach einigen Tagen bis Wochen.

Sprechen Sie darüber nötigenfalls mit Ihrem Arzt.

Nehmen Sie Benzodiazepine nie von anderen entgegen und nehmen Sie diese

nicht ein, weil sie "anderen so gut geholfen haben". Geben Sie diese Arzneimittel

auch nie an Andere weiter.

Seite: 1 von 15

Fachinformation

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Tolid® 1,0

Tabletten

Tolid® 2,5

Tabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Wirkstoff: Lorazepam

Tolid® 1,0 mg enthält 1,0 mg Lorazepam

Tolid® 2,5 mg enthält 2,5 mg Lorazepam

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Lactose

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Tolid® 1,0 sind weiße, runde Tabletten mit einseitiger Bruchkerbe und Prägung „1“

Tolid® 2,5 sind weiße, runde Tabletten mit einseitiger Bruchkerbe und Prägung „2,5“

Die Tabletten können in gleiche Dosen geteilt werden.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Tolid® wird angwendet bei Erwachsenen (und Kindern ab 6 Jahren nach strenger

Indikationsstellung zur Sedierung vor diagnostischen sowie vor und nach operativen

Eingriffen)

Zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Angst-,

Spannungs- und Erregungszuständen.

Zur Sedierung vor diagnostischen und vor und nach operativen Eingriffen.

Hinweise:

Nicht alle Angst-, Spannungs- und Erregungszustände bedürfen einer

medikamentösen Behandlung, oftmals sind sie Ausdruck körperlicher oder seelischer

Erkrankungen und können durch andere Maßnahmen oder gezielte Behandlung der

Grunderkrankungen behoben werden.

Der Einsatz von Lorazepam als Schlafmittel erscheint nur dann gerechtfertigt, wenn

gleichzeitig Benzodiazepin-Wirkungen am Tag erwünscht sind.

Seite: 2 von 15

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Die Darreichungsform, Dosierung und Dauer der Anwendung müssen an die

individuelle Reaktionslage, das Indikationsgebiet und die Schwere der Krankheit

angepasst werden. Hierbei gilt der Grundsatz, die Dosis so klein wie möglich und die

Therapiedauer so kurz wie möglich zu halten.

Zur Behandlung akuter und chronischer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände

bei Erwachsenen:

Die Tagesdosis beträgt in der Regel 0,5 - 2,5 mg verteilt auf 2 - 3 Einzeldosen oder als

abendliche Einmaldosis. Im Einzelfall, speziell im stationären Bereich, kann die

Tagesdosis unter Berücksichtigung aller Vorsichtshinweise auf maximal 7,5 mg erhöht

werden.

Stehen behandlungsbedürftige Schlafstörungen im Vordergrund, kann die Tagesdosis

(0,5 bis 2,5 mg Lorazepam) als Einmalgabe etwa eine halbe Stunde vor dem

Schlafengehen eingenommen werden.

Bei älteren und bei geschwächten Personen sowie bei Personen mit hirnorganischen

Veränderungen sollte die anfängliche Tagesgesamtdosis 1 bis 2 mg Lorazepam nicht

überschreiten.

Zur Sedierung vor diagnostischen und operativen Eingriffen:

Bei Erwachsenen: 1 - 2,5 mg Lorazepam am Vorabend und/ oder 2 bis 4 mg

Lorazepam etwa eine bis zwei Stunden vor dem Eingriff.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern ist die Dosis entsprechend herabzusetzen, Einzeldosen von 0,5 - 1,0 mg

bzw. 0,05 mg Lorazepam/kg Körpergewicht sollten nicht überschritten werden.

Art der Anwendung

Die Tabletten sind teilbar und werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen.

Abends sollte die Einnahme etwa 1/2 Stunde vor dem Schlafengehen und nicht auf

vollen Magen erfolgen, da sonst mit verzögertem Wirkungseintritt und - abhängig von

der Schlafdauer - mit verstärkten Nachwirkungen am nächsten Morgen gerechnet

werden muss.

Bei akuten Erkrankungen sollte die Anwendung von Lorazepam auf Einzelgaben oder

auf wenige Tage beschränkt werden. Bei chronischen Krankheiten richtet sich die

Dauer der Anwendung nach dem Verlauf. Nach zweiwöchiger Einnahme sollte vom

Arzt bei einer schrittweisen Verringerung der Dosis geklärt werden, ob eine

Behandlung mit Lorazepam weiterhin angezeigt ist.

Zu beachten ist, dass nach längerer Anwendungsdauer (länger als 1 Woche) und

plötzlichem Absetzen des Arzneimittels Schlafstörungen, Angst- und

Spannungszustände, innere Unruhe und Erregung vorübergehend verstärkt wieder

auftreten können. Daher sollte die Behandlung nicht plötzlich, sondern durch schrittweise

Verringerung der Dosis beendet werden.

Seite: 3 von 15

4.3

Gegenanzeigen

Lorazepam darf nicht angewendet werden bei Patienten mit:

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Lorazepam, andere Benzodiazepine

oder einen der in Abschnitt 6, genannten sonstigen Bestandteile

Abhängigkeitsanamnese.

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Lorazepam darf nur unter besonderer Vorsicht abgewendet werden bei

- Myasthenia gravis

- spinalen und zerebellaren Ataxien

- bei akuter Vergiftung mit Alkohol oder zentraldämpfenden Pharmaka (z. B.

Schlaf- oder Schmerzmittel, Neuroleptika, Antidepressiva und Lithium)

- Atemfunktionsstörungen (z. B. Schlafapnoe-Syndrom, chronisch-obstruktiver

Lungenerkrankung).

Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit Lorazepam behandelt

werden, außer nach strenger Indikationsstellung zur Sedierung vor diagnostischen

sowie vor und nach operativen Eingriffen. Für Kinder unter 6 Jahren wird Tolid® 1,0

nicht empfohlen.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist wegen der Sturzgefahr, insbesondere bei nächtlichem

Aufstehen, Vorsicht geboten.

Bei Anwendung von Benzodiazepinen, einschließlich Lorazepam, kann es zu einer

möglicherweise tödlich verlaufenden Atemdepression kommen.

Abhängigkeitsentwicklung

Lorazepam hat ein primäres Abhängigkeitspotential. Bereits bei täglicher Einnahme

über wenige Wochen besteht die Gefahr einer psychischen und physischen

Abhängigkeitsentwicklung. Dies gilt nicht nur für den missbräuchlichen Gebrauch

besonders hoher Dosen, sondern auch für den therapeutischen Dosisbereich. Das

Risiko steigt mit der Einnahmedauer und der Dosis und ist höher bei Patienten mit

Alkohol- oder Arzneimittelmissbrauch in der Vorgeschichte sowie bei Patienten mit

massiven Persönlichkeitsstörungen. Grundssätzlich sollten Benzodiazepine nur für

kurze Zeiträume (z. B. 2 – 4 Wochen) verordnet werden. Eine fortgesetzte Anwendung

sollte nur bei zwingender Indikation nach sorgfältiger Abwägung des therapeutischen

Nutzens gegen das Risiko von Gewöhnung und Abhängigkeit erfolgen. Eine

Langzeitanwendung von Lorazepam wird nicht empfohlen (siehe auch 4.8

„Nebenwirkungen“).

Anaphylaktische/ -anaphylaktoide Reaktionen

Unter Anwendung von Benzodiazepinen wurde über schwere anaphylaktische/ -

anaphylaktoide Reaktionen berichtet. Nach Einnahme der ersten Dosis oder weiterer

Dosen von Benzodiazepinen wurden Fälle eines Angioödems mit Beteiligung von

Zunge, Glottis oder Larynx berichtet. Bei manchen Patienten kam es unter Einnahme

Seite: 4 von 15

von Benzodiazepinen zu weiteren Symptomen wie Dyspnoe, Zuschwellen des

Rachens oder Übelkeit und Erbrechen. Manche Patienten mussten als medizinischer

Notfall behandelt werden. Falls ein Angioödem unter Beteiligung von Zunge, Glottis

oder Larynx auftritt, kann ein Verschluss der Atemwege auftreten und tödlich verlaufen.

Bei Patienten, bei denen unter Behandlung mit einem Benzodiazepin ein Angioödem

auftritt, sollte eine erneute Exposition gegenüber dem Arzneimittel unterlassen werden.

Absetzerscheinungen/Entzugssymptome

Insbesondere beim Beenden einer längeren Behandlung kann es zu

Entzugssymptomen kommen. Diese können sich in Schlafstörungen, vermehrtem

Träumen, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Angst, Spannungszuständen, innerer

Unruhe, Schwitzen, Zittern, Stimmungswechsel, Verwirrtheit und Reizbarkeit äußern. In

schweren Fällen können außerdem folgende Symptome auftreten:

Verwirrtheitszustände, Depersonalisation, Derealisation, Überempfindlichkeit

gegenüber Licht, Geräuschen und körperlichem Kontakt, Taubheit und Parästhesien in

den Extremitäten, Halluzinationen oder epileptische Anfälle.

Auch beim plötzlichen Beenden einer kürzeren Behandlung kann es vorübergehend zu

Absetzerscheinungen (Rebound-Phänomenen) kommen, wobei die Symptome, die zu

einer Behandlung mit Tolid® 1,0 führten, in verstärkter Form wieder auftreten können.

Als Begleitreaktionen sind Stimmungswechsel, Angstzustände und Unruhe möglich.

Da das Risiko von Entzugs- bzw. Absetzphänomenen nach plötzlichem Beenden der

Therapie höher ist, wird empfohlen, die Behandlung durch schrittweise Reduktion der

Dosis zu beenden.

Es ist angebracht, den Patienten zu Beginn der Therapie über die begrenzte Dauer der

Behandlung zu informieren um ihm die allmähliche Verringerung der Dosis genau zu

erklären. Darüber hinaus ist es wichtig, dass dem Patienten die Möglichkeit von

Rebound-Phänomenen bewusst ist, wodurch die Angst vor solchen Symptomen – falls

sie beim Absetzen des Medikaments auftreten sollten – verringert werden kann.

Amnesie

Benzodiazepine können anterograde Amnesien verursachen. Das bedeutet, dass

(meist einige Stunden) nach Medikamenteneinnahme unter Umständen Handlungen

ausgeführt werden, an die sich der Patienten später nicht erinnern kann.

Dieses Risiko steigt mit der Höhe der Dossierung und kann durch eine ausreichend

lange, ununterbrochene Schlafdauer (7-8 Stunden) verringert werden.

Psychische und „paradoxe“ Reaktionen

Bei der Anwendung von Benzodiazepinen kann es, insbesondere bei älteren Patienten

oder Kindern, zu psychischen sowie sogenannten „paradoxen“ Reaktionen kommen

(siehe Abschnitt 4.8). In solchen Fällen sollte die Behandlung mit diesem Präparat

beendet werden.

Vorsichtsmaßnahmen bei Risikogruppen

Benzodiazepine werden nicht zur primären Behandlung von Psychosen empfohlen.

Benzodiazepine sollten nicht zur alleinigen Behandlung von Depressionen oder Angst-

zuständen, die von Depressionen begleitet sind, angewendet werden. Unter

Umständen kann die depressive Symptomatik verstärkt werden, wenn keine geeignete

Behandlung der Grunderkrankung mit Antidepressiva erfolgt (Suizidgefahr)

Seite: 5 von 15

Zu Beginn der Therapie sollte der behandelnde Arzt die individuelle Reaktion des

Patienten auf das Arzneimittel kontrollieren, um evtl. relative Überdosierungen

möglichst schnell erkennen zu können. Dies gilt insbesondere für Kinder, ältere

Patienten sowie Patienten in reduziertem Allgemeinzustand und Patienten mit

hirnorganischen Veränderungen, Kreislauf- und Ateminsuffizienz. Insbesondere bei

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion ist mit Wirkungsverstärkung und -

verlängerung zu rechnen. Es kann zu einer Verschlechterung einer hepatischen

Enzephalopathie kommen. Deshalb sollte Lorazepam bei Patienten mit schwerer

Leberinsuffizienz und/oder –enzephalopathie mit Vorsicht angewendet werden.

Weiterhin sollten Patienten unter Berücksichtigung der spezifischen Lebenssituation (z.

B. Berufstätigkeit) genaue Verhaltensanweisungen für den Alltag gegeben werden.

Obwohl Bioverfügbarkeit und Metabolisierung von Lorazepam von

Nierenfunktionsstörungen nicht und nur von schweren Leberfunktionsstörungen

signifikant beeinflusst werden, ist aufgrund der häufig zu beobachtenden höheren

Empfindlichkeit gegenüber den Wirkungen dieser Arzneimittel Vorsicht geboten;

ebenso bei älteren Patienten, bei denen das Risiko eines Sturzes erhöht ist.

Obwohl Lorazepam zu den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit gehört,

können besonders bei höherer Dosierung und zu kurzer Schlafdauer, Hang-over-

Effekte auftreten. Es sollte deshalb gewährleistet sein, dass eine ausreichende

Schlafzeit (etwa 7 bis 8 Stunden) zur Verfügung steht.

Die Tabletten enthalten Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-

Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Tolid ® nicht

einnehmen.

Hinweise zum bestimmungsgemäßen Gebrauch von Benzodiazepin-haltigen

Präparaten:

Benzodiazepine stellen einen Fortschritt in der Arzneitherapie von schweren

Angstzuständen und den meisten medikamentös zu behandelnden Schlafstörungen

dar. Neben der Prämedikation und der Sedierung bei schweren somatischen

Erkrankungen (z. B. Herzinfarkt) sind sie kurzfristig (4 - 6 Wochen) bei ausgeprägten

Angstzuständen, die durch ärztliches Gespräch nicht zu beheben sind, indiziert. Sie

sind gegebenenfalls auch indiziert bei Einleitung einer antidepressiven Therapie sowie

bei schweren reaktiven Ausnahmezuständen unter situativen Belastungen.

Über das Nutzen-Risiko-Verhältnis einer langfristigen Benzodiazepin-Medikation (über

2 Monate) bei Patienten mit behandlungsbedürftigen chronischen Angstzuständen

liegen bislang keine wissenschaftlich anerkannten Erkenntnisse vor

Risiken sind Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens (z. B. Verkehrsgefährdung),

paradoxe Reaktionen, Kumulationsneigung bestimmter Stoffe, insbesondere bei

älteren Menschen. Neuerdings geben Missbrauch und Abhängigkeit auch bei niedriger

Dosierung Anlass zur Besorgnis.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam mit anderen zentralwirksamen Arzneimitteln

(z. B. Neuroleptika, Anxiolytika, Antidepressiva, Hypnotika/Sedativa, Anaesthetika,

Betablocker, Analgetika vom Opiattyp, sedierende Antihistaminika, Antiepileptika) sowie

Alkohol kann es zu einer wechselseitigen Verstärkung der zentral dämpfenden Effekte

kommen.

Seite: 6 von 15

Die Wirkung von Analgetika und Lachgas kann verstärkt werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Muskelrelaxanzien kann die muskelrelaxierende Wirkung

verstärkt werden – insbesondere bei älteren Patienten und bei höherer Dosierung

(Sturzgefahr!).

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Clozapin kann es zu ausgeprägter

Dämpfung, übermäßigem Speichelfluss und Störungen der Bewegungskoordination

kommen.

Die gleichzeitige Gabe von Lorazepam und Valproinsäure kann zu erhöhten

Plasmakonzentrationen und zu einer verminderten Clearance von Lorazepam führen.

Wenn Valproinsäure gleichzeitig angewendet wird, sollte die Lorazepamdosis um etwa

50% reduziert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Lorazepam und Probenecid kann zu einem schnelleren

Wirkungseintritt oder einer verlängerten Wirkung von Lorazepam führen, bedingt durch

eine Verlängerung der Halbwertszeit und einer Abnahme der totalen Clearance. Bei

gleichzeitiger Anwendung mit Probenecid ist die Lorazepmadosis um etwa 50% zu

senken.

Die Anwendung von Theophyllin oder Aminophyllin kann die sedierende Wirkung von

Benzodiazepinen, einschließlich Lorazepam, vermindern.

Interaktionsstudien bei gesunden Erwachsenen mit Natriumoxybat (Einzeldosis von 2,25

g) und Lorazepam (Einzeldosis von 2 mg) haben keine pharmakokinetischen

Wechselwirkungen gezeigt. Bei gleichzeitiger Einnahme von Natriumoxybat (2,25 g) und

Lorazepam (2 mg) wurde erhöhte Schläfrigkeit beobachtet. Bei höheren Dosen von

Natriumoxybat, bis zu 9 g/Tag, können in Kombination mit höheren Dosen eines

Hypnotikums innerhalb des empfohlenen Dosisbereiches pharmakodynamische

Interaktionen, verbunden mit Symptomen einer Dämpfung des zentralen Nervensystems

und/oder Atemdepression, nicht ausgeschlossen werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Levodopa kann es zur Hemmung der

Wirkung von Levodopa kommen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Lorazepam und Substanzen, die die Metabolisierung

von CYP3A4 beeinflussen, sind Interaktionen möglich.

Da bei Patienten, die unter Dauerbehandlung mit anderen Arzneimitteln stehen, im

Einzelfall Art und Umfang von Wechselwirkungen nicht sicher vorhersehbar sind, ist

besonders zu Beginn der Behandlung Vorsicht geboten.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Der behandelnde Art sollte Patientinnen auffordern, eine während der Behandlung mit

Lorazepam eintretende Schwangerschaft sofort mitzuteilen, um im gegebenen Fall

über ein Weiterführen bzw. Beenden der Therapie zu entscheiden.

In der Schwangerschaft soll Lorazepam nicht verordnet werden, da keine

ausreichenden therapeutischen Erfahrungen mit Lorazepam vorliegen.

Eine Verordnung von Lorazepam während der Schwangerschaft darf nur in

begründeten Ausnahmefällen erfolgen. Da keine ausreichenden Erfahrungen mit

Seite: 7 von 15

Lorazepam in der Geburtshilfe vorliegen, ist auf seine Anwendung in dieser Indikation

zu verzichten.

In publizierten Studien wurde angenommen, dass die Anwendung von

Benzodiazepinen im ersten Schwangerschaftsdrittel mit einem erhöhten Risiko von

Missbildungen assoziiert ist. Fallberichte über Fehlbildungen und geistige Retardierung

der pränatal exponierten Kinder nach Überdosierungen und Vergiftungen liegen vor.

Wird Lorazepam gegen Ende der Schwangerschaft oder vor und während der Geburt

angewendet, ist mit möglichen Atmungsstörungen beim Neugeborenen zu rechnen, die

eine Beatmung erforderlich machen können.

Bei der Einnahme von Benzodiazepinen während der Schwangerschaft über einen

längeren Zeitraum oder in hohen Dosen können durch Gewöhnung und Abhängigkeit

postnatale Entzugserscheinungen beim Neugeborenen auftreten. Gaben gegen Ende

der Schwangerschaft oder unter der Geburt sind wegen dem Auftreten der oben

erwähnten Atemdepression sowie weiterer unerwünschter Symptome wie

Muskelschwäche, Hypothermie, Hypotonie und Trinkschwäche (sogenanntes "Floppy-

infant-Syndrom") beim Neugeborenen zu vermeiden.

Stillzeit

Da Lorazepam in die Muttermilch übergeht, sollte es nicht während der

Schwangerschaft eingenommen werden, es sei denn, dass der für die Frau zu

erwartende Nutzen das potentielle Risiko für den Säugling übersteigt. Bei gestillten

Neugeborenen, deren Mütter Benzodiazepine einnahmen, traten Sedierung und

Saugschwäche auf. Kinder stillender Mütter sollten hinsichtlich pharmakologischer

Wirkungen (z. B. Sedierung, Reizbarkeit) überwacht werden.

Bei zwingender Indikation sollte abgestillt werden (s. a. Pkt. 5.2).

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das

Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am

Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in

verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol. Daher sollten das Führen von

Maschinen oder sonstige gefahrvolle Tätigkeiten - zumindest während der ersten Phase

der Behandlung - ganz unterbleiben. Die Entscheidung in jedem Einzelfall trifft der

behandelnde Arzt unter Berücksichtigung der individuellen Reaktion und der jeweiligen

Dosierung.

4.8

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

Sehr häufig

(>1/10)

Häufig

(>1/100 bis <1/10)

Gelegentlich

(>1/1.000 bis <1/100)

Selten

(>1/10.000 bis <1/1.000)

Sehr selten

(<1/10.000)

Nicht bekannt: Häufigkeit aufgrund de verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Seite: 8 von 15

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Häufigkeit nicht bekannt: Thrombopenie, Agranulozytose, Panzytopenie

Erkrankungen des Kardiovaskulären Systems

Häufigkeit nicht bekannt: Hypotonie, leichter Blutdruckabfall.

Erkrankungen des Gastrointenstinaltrakts

Gelegentlich: Übelkeit.

Häufigkeit nicht bekannt: Verstopfung, Bilirubinanstieg, Gelbsucht, Anstieg der Leber-

Transaminasen, Anstieg der alkalischen Phosphatase.

Erkrankungen des Nervensystems

Benzodiazepine bewirken eine dosisabhängige zentralnervöse Dämpfung.

Sehr häufig: Sedierung, Müdigkeit, Benommenheit.

Häufig: Ataxie, Verwirrtheit, Depression, Demaskierung einer Depression,

Schwindelgefühl.

Gelegentlich: Änderungen der Libido, Impotenz, verminderter Orgasmus.

Häufigkeit nicht bekannt: Verlängerte Reaktionszeiten, extrapyramidale Symptome,

Tremor, Schwindel, Sehstörungen (Diplopie, verschwommenes Sehen),

Dysarthrie/undeutliches Sprechen, Kopfschmerzen, Krampfanfälle/Krämpfe, Amnesie,

Enthemmung, Euphorie, Koma, Suizidgedanken / -versuch, eingeschränkte

Aufmerksamkeit/Konzentration, Gleichgewichtsstörungen; paradoxe Reaktionen wie z.

B. Angst, Erregungszustände, Aufgeregtheit, aggressives Verhalten (Feindseligkeit,

Aggression, Wut), Schlafstörungen/Schlaflosigkeit, sexuelle Erregung, Halluzinationen.

Beim Auftreten derartiger Reaktionen sollte die Behandlung mit Tolid® beendet

werden.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums

Häufigkeit nicht bekannt: Atemdämpfung (Ausmaß dosisabhängig), Apnoe,

Verschlechterung einer Schlaf-Apnoe, Verschlechterung einer obstruktiven

Lungenerkrankung.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufigkeit nicht bekannt: Allergische Hautreaktionen, Haarausfall.

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig: Muskelschwäche, Mattigkeit.

Häufigkeit nicht bekannt: Sturzgefahr (insbesondere bei älteren Patienten oder wenn

Lorazepam nicht nach Vorschrift eingenommen wurde).

Weiterhin traten auf: Überempfindlichkeitsreaktionen, anaphylaktische/-oide

Reaktionen, Angioödem, Syndrom der inadäquaten Ausschüttung des antidiuretischen

Hormons (SIADH), Hyponatriämie, Hypothermie.

Seite: 9 von 15

Bereits nach einer Behandlungsdauer von wenigen Tagen mit täglicher Einnahme von

Tolid® können nach Absetzen der Therapie, besonders wenn dieses plötzlich erfolgt,

Entzugserscheinungen (z. B. Schlafstörungen, vermehrtes Träumen) auftreten. Angst,

Spannungszustände sowie Erregung und innere Unruhe können sich verstärkt wieder

einstellen (Rebound-Erscheinungen). Weitere Symptome, die nach Absetzen von

Benzodiazepinen berichtet wurden, umfassen Kopfschmerzen, Depression,

Verwirrtheit, Reizbarkeit, Schwitzen, Dysphorie, Schwindelgefühl, Realitätsverlust,

Verhaltensstörungen, übersteigerte Geräuschwahrnehmung, Taubheitsgefühl und

Kribbeln in den Gliedmaßen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und

Berührung, Wahrnehmungsstörungen, unwillkürliche Bewegungen, Übelkeit,

Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Halluzinationen/Delirium,

Krampfanfälle/Krämpfe, Zittern, Bauchkrämpfe, Myalgie, Erregungszustände,

Palpitationen, Tachykardie, Panikattacken, Schwindel, übersteigerte Reflexe, Verlust

des Kurzzeitgedächtnisses und Hyperthermie. Bei chronischer Einnahme von Tolid®

bei Epilepsie-Kranken oder bei Einnahme von anderen Arzneimitteln, die die

Krampfschwelle herabsetzen (z. B. Antidepressiva), kann das plötzliche Absetzen

vermehrt Krampfanfälle auslösen. Die Gefahr von Entzugserscheinungen steigt mit der

vorausgegangenen Einnahmedauer und Dosis. Durch eine allmähliche

Dosisverringerung lassen sich diese Erscheinungen meist vermeiden.

Es gibt Hinweise auf eine Toleranzentwicklung (Dosissteigerung aufgrund von

Gewöhnung) gegenüber der sedierenden Wirkung von Benzodiazepinen.

Lorazepam hat ein primäres Abhängigkeitspotential. Bereits bei täglicher Einnahme über

wenige Wochen ist die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung gegeben. Dies gilt nicht

nur für den missbräuchlichen Gebrauch besonders hoher Dosen, sondern auch für den

therapeutischen Dosisbereich.

Meldung des Verdachts von Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer

Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-

Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert,

jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und

Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn,

Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Bei jeder Beurteilung einer Intoxikation sollte an das Vorliegen einer Mehrfach-Intoxikation

durch mögliche Einnahme mehrerer Arzneimittel, beispielsweise in suizidaler Absicht,

gedacht werden.

Symptome einer Überdosierung

Symptome leichter Überdosierung können z. B. Benommenheit, Somnolenz, Ataxie,

Dysarthrie, Myalgie und Blutdruckabfall sein.

In Fällen hochgradiger Intoxikation können zentrale Atem- und Kreislaufdepression,

Bewußtlosigkeit auftreten (Intensivüberwachung!).

In der Abklingphase der Intoxikation wurden hochgradige Erregungszustände

beobachtet.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Die Behandlung umfasst, falls möglich und angezeigt, induziertes Erbrechen

und/oder frühzeitige Magenspülung. Meist kann sich die Behandlung auf eine

intensive Überwachung und, wenn erforderlich, eine rein symptomatische

Behandlung beschränken.

Seite: 10 von 15

Neben der Kontrolle von Atmung, Pulsfrequenz, Blutdruck und Körpertemperatur sind bei

Hypotension zusätzlich i.v.-Flüssigkeitsersatzmittel sowie unterstützende Maßnahmen und

Bereitstellung von Notfallmaßnahmen für evtl. eintretende Atemwegsobstruktionen

indiziert.

Obschon in schweren Fällen der spezifische Benzodiazepin-Antagonist Flumazenil als

Antidot verwendet werden kann, ist dieser nur eine Komponente einer umfassenden

medizinischen Behandlung der Überdosierung. In diesem Zusammenhang können

Krampfanfälle auftreten. Lorazepam ist kaum dialysierbar.

Der Wert der Hämodialyse bei Intoxikationen mit Lorazepam ist bisher nicht ausreichend

untersucht worden.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Anxiolytika, Benzodiazepin (Tranquilizer)

ATC-Code: N05BA06

Lorazepam ist eine psychotrope Substanz aus der Klasse der 1,4-Benzodiazepine mit

spannungs-, erregungs- und angstdämpfenden Eigenschaften sowie sedierenden und

hypnotischen Effekten. Darüberhinaus zeigt Lorazepam den Muskeltonus dämpfende

antikonvulsive Wirkungen.

Lorazepam besitzt eine sehr hohe Rezeptoraffinität zu spezifischen Bindungsstellen im

Zentralnervensystem. Diese Benzodiazepinrezeptoren stehen in enger funktioneller

Verbindung mit den Rezeptoren des inhibitorischen Neurotransmitters Gamma-

Aminobuttersäure (GABA). Nach Bindung an den Benzodiazepinrezeptor verstärkt

Lorazepam die hemmende Wirkung der GABA-ergen Übertragung.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption

Nach oraler und i.m. Gabe wird Lorazepam rasch und nahezu vollständig resorbiert. Bei

einer Dosis von 2 (und 4 mg) schwanken die gemessenen durchschnittlichen

Resorptionshalbwertszeiten zwischen 10,8 und 40,4 min bei oraler bzw. 12,1 und 40 min

nach i.m. Gabe.

Bei einer Einnahme von 2 bzw. 4 mg Lorazepam liegen die Angaben über die nach 1 - 2,5

h gemessenen durchschnittlichen Cmax-Werte zwischen 16,9 und 27,6 ng/ml bzw. 51,3 -

58 ng/ml.

Werden 2 mg Lorazepam i.m., oral oder sublingual gegeben, so stellten sich die für die

Bioverfügbarkeit ermittelten Werte, jeweils im Vergleich zur i.v. Gabe, auf 99,9 %, 94,1

und 94 - 98 %.

Verteilung

Die Angaben über die Plasmaproteinbindung von Lorazepam, das vornehmlich an

Albumin gebunden wird, liegen bei 80,4 % - 93,2 % und damit etwas über den Werten

von 65 - 70 %, die für den Hauptmetaboliten, das Lorazepamglukuronid, ermittelt wurden.

Seite: 11 von 15

Die im Liquor gefundenen Lorazepam- und Konjugatkonzentrationen liegen deutlich

niedriger als die gleichzeitigen Plasmakonzentrationen.

Lorazepam und das Lorazepamglukuronid passieren die Plazentaschranke und gelangen

in den Kreislauf des Foeten und in das Fruchtwasser. Lorazepam und das Glukuronid

werden in kleinen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden. Gemessen wurden für

Lorazepam ca. 13 % der maximalen mütterlichen Serumkonzentration und 20 % für das

Glukuronid. In den ersten Lebenstagen kann die Eliminationshalbwertszeit das 2 - 4fache

der mütterlichen Halbwertszeit betragen. Mit Ausnahme dieser ersten Lebenstage zeigt

die terminale Eliminationshalbwertszeit keine wesentliche Altersabhängigkeit.

Biotransformation

Hauptmetabolit des Lorazepam, das praktisch vollständig biotransformiert wird, ist das im

Tierversuch pharmakologisch kaum wirksame Glukuronid. Nach i.m. Gabe von 4 mg

Lorazepam kann bereits nach wenigen Minuten die Konzentration des Glukuronids, das

mit einer Halbwertszeit von etwa 3,8 h gebildet wird, gemessen werden. Die

Konzentration dieses Metaboliten erreicht nach 4 h einen Plateauwert, der über ca. 8 h

gehalten wird.

Elimination

Nach i.v. Gabe von 5 mg Lorazepam beträgt die Halbwertszeit für die etwa 15 min

dauernde Verteilungsphase ca. 4 min. Für die von der Applikationsart unabhängige

Eliminationshalbwertszeit werden in verschiedenen Studien Werte von 12 - 16 h

angegeben. Die für das Glukuronid ermittelte Eliminationshalbwertszeit Eliminations-

halbwertszeit liegt bei 12,9 - 16,2 h.

Bei einer Einnahme von 3 mg Lorazepam/d wurde die Steady-state-Konzentration nach 2

- 3 d erreicht. Die minimale Steady-state-Konzentration betrug im Durchschnitt 25,3 ng/ml,

doch wurden sehr starke interindividuelle Unterschiede festgestellt (17,1 - 43,8 ng/ml). Der

Vergleich, der nach einmaliger Gabe und der in der Auswaschphase gemessenen

Halbwertszeit (14,9 h gegen 14,2 h) zeigt, dass Lorazepam seinen Abbau weder hemmt

noch induziert. Das Akkumulationsverhältnis (AUC-Wert 8.d/AUC-Wert 1.d) stellte sich auf

1,88. Nach Einnahme von 2 mg 14C-Lorazepam fand man 87,8 % der Radioaktivität im

120 h-Harn und 6,6 % in den Fäzes wieder. Über den Urin werden weniger als 0,5 % der

Dosis als unverändertes Lorazepam ausgeschieden. Hauptmetabolit im 120 h-Harn ist

das Glukuronid (74,5 % der Dosis).

Eingeschränkte Nierenfunktion

Bei Niereninsuffizienz sind Resorption, Clearance und Elimination von Lorazepam

praktisch unverändert, jedoch ist die Elimination des pharmakodynamisch inaktiven

Glukuronids erheblich verlangsamt. Mit zunehmender Nierenfunktionseinschränkung und

Kumulation des Lorazepamglukuronids nimmt die biliäre Elimination zu.

Hämodialyse hatte praktisch keinen Einfluss auf die Pharmakokinetik von

nichtkonjugiertem Lorazepam, das inaktive Glukuronid wurde jedoch zu einem

bedeutenden Teil aus dem Plasma entfernt.

Eingeschränkte Leberfunktion

Die Clearance von Lorazepam wird durch Lebererkrankung (Hepatitis, Zirrhose) nicht

signifikant verändert. Schwere Leberfunktionsstörungen können jedoch zu einer

Verlängerung der terminalen Halbwertzeit führen.

Seite: 12 von 15

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Pharmakologische Eigenschaften

Lorazepam ist eine psychotrope Substanz aus der Klasse der 1,4-Benzodiazepine mit

spannungs-, erregungs- und angstdämpfenden Eigenschaften sowie sedierenden und

hypnotischen Effekten. Darüber hinaus zeigt Lorazepam den Muskeltonus dämpfende

und antikonvulsive Wirkungen.

Lorazepam besitzt, wie der gegen 3H-Diazepam in menschlichem Hirngewebe

gemessene ki-Wert von 2,3 nM zeigt, eine sehr hohe Rezeptoraffinität. Für die in Wasser

schwer lösliche Substanz (1:12500) wurden pks-Werte von 1,08 und 11,13 für die

Stickstoffatome in 4- und 1-Stellung ermittelt. Im System n-Octanol/ Phosphatpuffer (pH

7,4) wurde ein scheinbarer Verteilungskoeffizient von 245 gemessen.

Toxikologische Eigenschaften

Akute Toxizität:

Die Untersuchungen zur akuten Toxizität bei peroraler Applikation haben keine

besondere Empfindlichkeit ergeben (s. Punkt 4.9 Überdosierung).

Die LD50 bei intravenöser, intramuskulärer oder intraperitoenaler Applikation lag je

nach Tierspezies zwischen 24 und 70 mg Lorazepam pro kg Körpergewicht.

Subchronische und chronische Toxizität:

In chronischen Toxizitätsuntersuchungen wurde Lorazepam an Ratten (80 Wochen)

und Hunden (12 Monate) bei peroraler Applikation untersucht.

Histopathologische, ophthalmologische und hämatologische Untersuchungen sowie

Organfunktionsproben zeigten bei hoher Dosierung nahezu keine oder nur wenig

signifikante, biologisch nicht relevante Veränderungen.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potential:

Lorazepam wurde keiner ausführlichen Mutagenitätsprüfung unterzogen.

Die bisherigen Tests verliefen negativ.

In Untersuchungen an Ratten und Mäusen wurden nach oraler Gabe von

Lorazepam keine Hinweise auf ein tumorerzeugendes Potential gefunden.

Reproduktionstoxizität:

Lorazepam zeigt in Tierversuchen an Ratte, Maus, Kaninchen keine teratogene

Wirkungen.

Die Fertilität der Elterntiere wurde nicht beeinträchtigt.

Die experimentellen Studien ergaben Hinweise auf Verhaltensstörungen der

Nachkommen langzeitbenzodiazepinexponierter Muttertiere.

Beim Menschen scheint das Missbildungsrisiko nach Einnahme therapeutischer

Dosen von Benzodiazepinen in der Frühschwangerschaft bisher gering zu sein,

obwohl einige epidemiologische Studien Anhaltspunkte für ein erhöhtes Risiko

hinsichtlich Bildung von Gaumenspalten ergaben.

Fallberichte über Fehlbildungen und geistige Retardierung der pränatal exponierten

Kinder nach Überdosierung und Vergiftungen liegen vor.

Seite: 13 von 15

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Mikrokristalline Cellulose, Lactose-Monohydrat, Polacrilin-Kalium, Glyceroldibehenat

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3

Dauer der Haltbarkeit

Die Dauer der Haltbarkeit beträgt 3 Jahre.

Dieses Arzneimittel soll nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr angewendet werden.

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

weiß-opake PVC/PE/PVDC/Al-Blister

Tolid® 1,0:

Packungen mit 10 Tabletten

Packungen mit 20 Tabletten

Packungen mit 50 Tabletten

Tolid® 2,5:

Packungen mit 10 Tabletten

Packungen mit 20 Tabletten

Packungen mit 50 Tabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

RIEMSER Pharma GmbH

An der Wiek 7

17493 Greifswald – Insel Riems

phone +49 30 338427-0

fax +49 38351 308

e-mail info@RIEMSER.com

Seite: 14 von 15

8.

ZULASSUNGSNUMMER(N)

6957.00.00 [Tolid® 1,0]

6957.01.00 [Tolid® 2,5]

9.

Datum der Erteilung der Zulassung / Verlängerung der Zulassung

05.12.1985 / 06.07.2006 [Tolid® 1,0]

05.12.1985 / 06.07.2006 [Tolid® 2,5]

10.

Stand der Information

September 2016

11.

Verkaufsabgrenzung

Verschreibungspflichtig

Sonstige Hinweise

Empfehlungen des Sachverständigenausschusses der Bundesregierung für den

Arzt zur sachgerechten Anwendung von Benzodiazepin-haltigen Arzneimitteln:

Benzodiazepine sind Arzneistoffe, die überwiegend zur vorübergehenden Behandlung

schwerer Angstzustände, Schlafstörungen sowie zur Behandlung von

Muskelverspannungen und Epilepsien eingesetzt werden. Nach bisherigen

Erkenntnissen werden Benzodiazepine zu häufig und über eine zu lange Zeit

verordnet, was zu einer Abhängigkeitsentwicklung führen kann. Dieses Risiko steigt mit

der Höhe der Dosis und der Dauer der Anwendung an. Neben ihrem

Abhängigkeitspotential haben Benzodiazepine weitere unerwünschte

Arzneimittelwirkungen, z. B. Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens, verstärktes

Wiederauftreten der ursprünglichen Symptomatik nach Absetzen der Medikation

(Rebound-Schlaflosigkeit, Rebound-Angst, delirante Syndrome, Krämpfe),

Gedächtnisstörungen sowie neuropsychiatrische Nebenwirkungen. Sie können auch

die pharmakokinetischen Eigenschaften anderer Arzneistoffe beeinflussen. Neben der

Abhängigkeitsentwicklung gibt auch der Missbrauch von Benzodiazepinen seit

längerem Anlass zur Besorgnis. Deshalb sind von den verordnenden Ärzten die

folgenden Richtlinien zu beachten, die unter Berücksichtigung von Veröffentlichungen

der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft und der Arbeitsgemeinschaft

Neuropsychopharmakologie und Pharmakopsychiatrie formuliert wurden:

Sorgfältige Indikationsstellung!

Bei Patienten mit einer Abhängigkeitsanamnese ist besondere Vorsicht geboten.

In der Regel keine Verschreibung.

In der Regel kleinste Packungseinheit verordnen.

Seite: 15 von 15

In möglichst niedriger, aber ausreichender Dosierung verordnen; Dosis möglichst

schon in der ersten Behandlungswoche reduzieren bzw. Dosierungsintervall

vergrößern.

Therapiedauer vor Behandlungsbeginn mit dem Patienten vereinbaren und

Behandlungsnotwendigkeit in kurzen Zeitabständen überprüfen. Eine

Therapiedauer von länger als zwei Monaten ist wegen des mit der Dauer der

Benzodiazepineinnahme steigenden Risikos einer Abhängigkeitsentwicklung nur

in begründeten Ausnahmefällen möglich. Es gibt Abhängigkeit auch ohne

Dosissteigerung sowie die so genannte "Niedrigdosis-Abhängigkeit"!

Innerhalb der Therapiedauer möglichst frühzeitig schrittweise Dosisreduktion

(Ausschleiche) bzw. Vergrößerung des Dosierungsintervalls, um

Entzugssymptome wie z. B. Unruhe, Angst, Schlafstörungen, delirante Syndrome

oder Krampfanfälle zu vermeiden.

Aufklärung des Patienten, dass Benzodiazepine keineswegs an Dritte

weiterzugeben sind.

Verordnungen von Benzodiazepinen sollten vom Arzt stets eigenhändig

ausgestellt und dem Patienten persönlich ausgehändigt werden.

Beachtung der Fach- und Gebrauchsinformation sowie der einschlägigen

wissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Alle Abhängigkeitsfälle über die jeweiligen Arzneimittelkommissionen der

Kammern der Heilberufe dem Bundesinstitut für Arzneimittel und

Medizinprodukte zur Kenntnis bringen.

Ähnliche Produkte

Suchen Sie nach Benachrichtigungen zu diesem Produkt

Teilen Sie diese Informationen