Tilidin-ratiopharm plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat, Naloxonhydrochlorid-Dihydrat
Verfügbar ab:
ratiopharm GmbH
INN (Internationale Bezeichnung):
Tilidine Hydrochloride Hemihydrate, Naloxone Hydrochloride Dihydrate
Darreichungsform:
Retardtablette
Zusammensetzung:
Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat 205.82mg; Naloxonhydrochlorid-Dihydrat 17.6mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
58723.03.00

Wortlaut der für die Packungsbeilage vorgesehenen Angaben

Gebrauchsinformation:

Information für den Anwender

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Wirkstoffe: Tilidinhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter.

Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt

Diese Packungsbeilage beinhaltet:

1. Was ist

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

und wofür wird es angewendet?

2. Was müssen Sie vor der Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

beachten?

3. Wie ist

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

einzunehmen?

4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

5. Wie ist

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

aufzubewahren?

6. Weitere Informationen

1. WAS IST Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg UND WOFÜR WIRD ES ANGEWENDET?

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

ist eine Kombination aus einem stark wirksamen

Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide und einem Opioid-Antagonisten.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

wird angewendet zur

Behandlung starker und sehr starker Schmerzen.

2. WAS MÜSSEN SIE VOR DER EINNAHME VON Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

BEACHTEN?

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

darf nicht eingenommen werden

wenn Sie überempfindlich (allergisch) gegen Tilidin, Naloxon oder einen der sonstigen

Bestandteile von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

sind

bei Drogenabhängigkeit von Opiaten (Heroin, Morphin) oder Opioiden wegen der Gefahr

unmittelbar auftretender Entzugserscheinungen

von Patienten, die an Porphyrie (einer Stoffwechselerkrankung) leiden

von Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

ist erforderlich

Bei anderen Abhängigkeitserkrankungen (z. B. bei Arzneimittel- oder Alkohol-Abhängigkeit) dürfen

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

nur mit besonderer Vorsicht einnehmen. Befragen Sie

hierzu bitte Ihren Arzt. Dies gilt auch, wenn Sie früher einmal an einer Abhängigkeitserkrankung

litten.

Warnung vor missbräuchlicher Anwendung

Vor jedem Missbrauch von Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg durch Drogenabhängige wird

dringend gewarnt!

Bei Opiatabhängigen, die als Ersatz für Opiate wie Morphin oder Heroin das Arzneimittel in hohen

Einnahmemengen missbräuchlich einnehmen, löst

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

akute

Entzugserscheinungen (Ängstlichkeit, Agitiertheit, Zittern, Schwitzen) aus oder verstärkt bereits

bestehende Entzugserscheinungen.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg ist zur Entzugsbehandlung nicht geeignet!

Kinder

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

darf bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht

angewendet werden, da bisher keine Erfahrungen vorliegen.

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Bei ausgeprägter Leberfunktionsstörung (z. B. hochgradiger Leberzirrhose) sollte

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

nicht eingenommen werden, da es zu einem Wirkungsverlust von

Tilidin-

ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

kommen kann. Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrem Arzt.

Bei Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

mit anderen Arzneimitteln

Bitte informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden

bzw. vor kurzem eingenommen/angewendet haben, auch wenn es sich um nicht

verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt.

Bei gleichzeitiger Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

und Beruhigungsmitteln

kommt es zu einer gegenseitigen Verstärkung und Verlängerung der Wirkungen auf das

Zentralnervensystem.

Bei Anwendung weiterer auf das Zentralnervensystem dämpfend wirkender Arzneimittel ist in

Einzelfällen ein Atemstillstand nicht auszuschließen.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

soll nicht mit anderen Schmerzmitteln eingenommen werden,

die in gleicher Art wie Tilidin wirken (Opioide), da die Wechselwirkungen durch gegenseitige

Beeinflussung nicht abgeschätzt werden können.

Die gleichzeitige Einnahme mit Voriconazol (gegen Pilzerkrankungen) kann zu einer Verstärkung der

Wirkungen und Nebenwirkungen von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

führen.

In Einzelfällen wurde bei Patienten, die

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

erhielten und unter

Dauerbehandlung mit Phenprocoumon (blutgerinnungshemmendes Arzneimittel) standen, ein Abfall

des Quick-Wertes beobachtet. Deshalb sollten die Kontrollen der Prothrombinzeit in der Anfangszeit

und bei Beendigung der Behandlung mit

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

engmaschig

erfolgen, um, wenn nötig, die Dosierung von Phenprocoumon entsprechend anpassen zu können.

Beachten Sie bitte, dass diese Angaben auch für vor kurzem angewendete Arzneimittel gelten können.

Bei Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

zusammen mit Nahrungsmitteln und

Getränken

Bei gleichzeitiger Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

und Alkohol kommt es zu

einer gegenseitigen Verstärkung und Verlängerung der Wirkungen auf das Zentralnervensystem.

Schwangerschaft und Stillzeit

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach

strengster Nutzen-Risiko-Abschätzung gegeben werden, da keine Erfahrungen am Menschen

vorliegen.

Ist in der Stillzeit eine Behandlung unbedingt erforderlich, sollte nicht gestillt werden.

Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

kann die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen

beeinträchtigen. Sie können dann auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell genug

und gezielt reagieren. Fahren Sie nicht Auto oder andere Fahrzeuge! Bedienen Sie keine elektrischen

Werkzeuge oder Maschinen! Arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt!

Eine verstärkte Beeinträchtigung ist insbesondere bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung,

Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol oder der Einnahme von

Beruhigungsmitteln zu erwarten.

Sie dürfen die genannten Tätigkeiten nur dann ausüben, wenn es Ihnen Ihr Arzt ausdrücklich gestattet

hat. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und unter welchen Voraussetzungen Sie z. B. Auto fahren

dürfen.

3. WIE IST Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg EINZUNEHMEN?

Nehmen Sie

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

immer genau nach der Anweisung des Arztes

ein. Bitte fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht ganz sicher sind.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

eignet sich besonders zur Behandlung chronischer Schmerzen.

Die erforderliche Dosis und das Einnahmeintervall werden vom Arzt für jeden Patienten individuell

ermittelt.

Die Tagesdosis kann, je nach Schmerzstärke und individuellem Ansprechen auf die Behandlung,

zwischen 100 mg und maximal 600 mg (bezogen auf Tilidinhydrochlorid) liegen.

Falls vom Arzt nicht anders verordnet, ist die übliche Dosis

Die übliche Anfangsdosis beträgt 2-mal täglich 100 mg Tilidinhydrochlorid. Dabei sollte ein zeitlicher

Abstand von 12 Stunden zwischen den Einnahmen eingehalten werden.

Falls Sie bisher kein Opioid eingenommen haben, wird Ihr Arzt ggf. die Anfangsdosis auf 2-mal

täglich 50 mg Tilidinhydrochlorid verringern.

Ist die Schmerzbehandlung mit 2-mal täglich 100 mg Tilidinhydrochlorid nicht ausreichend, wird Ihr

Arzt die Dosierung stufenweise bis zu einer Dosis erhöhen, die eine ausreichende Schmerzkontrolle

bei tolerierbaren Nebenwirkungen erzielt.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

eignet sich für eine Tagesdosierung ab 400 mg (bezogen auf

Tilidinhydrochlorid).

Erwachsene

nehmen 2-mal täglich 1 Retardtablette (entsprechend 400 mg Tilidinhydrochlorid pro Tag) ein.

Werden andere Dosierungen benötigt, stehen dafür

Tilidin-ratiopharm

®

plus

50 mg/4 mg

Tilidin-

ratiopharm

®

plus

100 mg/8 mg

Tilidin-ratiopharm

®

plus

150 mg/12 mg

als weitere Stärken zur

Verfügung. Alle Tablettenstärken können bei Bedarf miteinander kombiniert werden.

Hinweis:

Die hier empfohlenen Dosierungen sind Richtwerte. Im Einzelfall kann zur Behandlung sehr starker

Schmerzen eine Überschreitung der Maximaldosis und die Verkürzung des Einnahmeintervalls

notwendig werden.

Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Eine Nierenfunktionseinschränkung erfordert keine Dosisänderung.

Dosierung bei älteren Patienten

Eine Dosisanpassung ist bei älteren Patienten nicht erforderlich.

Art der Anwendung

Die Retardtabletten werden unabhängig von den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit

eingenommen.

Die Retardtabletten dürfen nicht geteilt werden, da hierdurch die verzögerte Freisetzung der

Wirkstoffe nicht mehr gewährleistet ist.

Nehmen Sie

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

nach dem von Ihrem Arzt bestimmten festen

Zeitschema (z. B. morgens um 8.00 Uhr und abends um 20.00 Uhr) ein.

Dauer der Anwendung

Die Dauer der Einnahme wird von Ihrem behandelnden Arzt festgelegt.

Grundsätzlich sollte die kleinste schmerzlindernde Einnahmemenge gewählt werden.

Erfahrungen in der Langzeittherapie sind in einigen Fällen für einen Zeitraum von mehr als 2 Jahren

dokumentiert.

Nach längerer Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

soll das Arzneimittel nicht

abrupt abgesetzt werden. Die Dosisverringerung soll nach Anweisung Ihres Arztes schrittweise

erfolgen.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

eingenommen haben als

Sie sollten

Wenn Sie versehentlich eine Einzeldosis von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

doppelt

einnehmen, kann dies verstärkt zu den unter Nebenwirkungen beschriebenen Erscheinungen führen.

Nach Einnahme erheblich zu hoher Arzneimengen kommt es zu Schwindelgefühl, Benommenheit,

Übelkeit, Erbrechen, Ataxie (Störung im geordneten Bewegungsablauf), Bewegungsunruhe und

gesteigerten Reflexen. Bei sehr starker Überdosierung kann eine Verminderung der Atmung auftreten.

Rufen Sie bei Auftreten dieser Krankheitszeichen den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe!

Wenn Sie die Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

vergessen haben

Nehmen Sie nicht die doppelte Dosis ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben.

Wenn Sie eine geringere Dosis als vorgesehen eingenommen oder die Einnahme ganz vergessen

haben, so führt dies zu einer mangelhaften bzw. fehlenden Schmerzlinderung. Sie können die

Tabletteneinnahme nachholen, wenn die nächste reguläre Einnahme in mehr als 8 Stunden vorgesehen

war. Anschließend können Sie den bisherigen Einnahmeplan beibehalten. Ist der Zeitraum bis zur

nächsten Einnahme kürzer als 8 Stunden, nehmen Sie die Retardtablette auch, aber der Einnahmeplan

verschiebt sich jetzt entsprechend.

Bitte sprechen Sie über das weitere Vorgehen mit Ihrem Arzt. Grundsätzlich sollten Sie

Tilidin-

ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

nicht häufiger als alle 8 Stunden einnehmen.

Wenn Sie die Einnahme von

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

abbrechen

Unterbrechen Sie die Behandlung nicht ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung des Arzneimittels haben, fragen Sie Ihren Arzt oder

Apotheker.

4. WELCHE NEBENWIRKUNGEN SIND MÖGLICH?

Wie alle Arzneimittel kann

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

Nebenwirkungen haben, die aber

nicht bei jedem auftreten müssen.

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:

sehr häufig

mehr als 1 Behandelter von 10

häufig

1 bis 10 Behandelte von 100

gelegentlich

1 bis 10 Behandelte von 1.000

selten

1 bis 10 Behandelte von 10.000

sehr selten

weniger als 1 Behandelter von 10.000

nicht bekannt

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Sehr häufig

Übelkeit, Erbrechen (zu Behandlungsbeginn)

Übelkeit und Erbrechen treten bei weiterer Behandlung nur noch häufig bis gelegentlich oder selten

auf.

Häufig

Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität

Durchfall, Bauchschmerzen

vermehrtes Schwitzen

Gelegentlich

Schlafsucht

Nicht bekannt

Halluzinationen, Verwirrtheitszustand, euphorische Stimmung, Zittern, gesteigerte

Reflexbereitschaft, Muskelzuckungen

Um Erscheinungen dieser Art entgegenzuwirken wird empfohlen, dass Sie sich – wie es bei starken

Schmerzen üblich ist – keiner körperlichen Belastung unterziehen und sich bei Auftreten von

Schwindelgefühl hinlegen.

Beeinträchtigungen des blutbildenden Systems, der Nieren- oder Leberfunktionen durch

Tilidin-

ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

wurden bisher nicht beobachtet.

Gegenmaßnahmen

Bei unangenehmen Nebenwirkungen wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen, welche Gegenmaßnahmen

es hierfür gibt und ob andere Arzneimittel für die Behandlung in Frage kommen.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch

für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können

Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt.

Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzeigen.

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5. WIE IST Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg AUFZUBEWAHREN?

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Sie dürfen das Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und den Blisterpackungen angegebenen

Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten Tag des Monats.

Nicht über 30 °C lagern.

6. WEITERE INFORMATIONEN

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

enthält

Die Wirkstoffe sind Tilidinhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid.

Jede Retardtablette enthält 205,82 mg Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat (entsprechend 200 mg

Tilidinhydrochlorid) und 17,6 mg Naloxonhydrochlorid-Dihydrat (entsprechend 16 mg

Naloxonhydrochlorid).

Die sonstigen Bestandteile sind:

Hypromellose, Mikrokristalline Cellulose, Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat

(Ph.Eur.), Titandioxid (E 171), Macrogol 400.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

aussieht und Inhalt der Packung

Längliche, bikonvexe, weiße Retardtablette.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg

ist in Packungen mit 20, 50 und 100 Retardtabletten

erhältlich.

Pharmazeutischer Unternehmer

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

Hersteller

Merckle GmbH

Ludwig-Merckle-Str. 3

89143 Blaubeuren

Diese Gebrauchsinformation wurde zuletzt überarbeitet im

Februar 2014

Versionscode: Z06

Wortlaut der für die Fachinformation vorgesehenen Angaben

Fachinformation

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Wirkstoffe: Tilidinhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

Jede Retardtablette enthält 51,455 mg Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat, entsprechend 50 mg

Tilidinhydrochlorid und 4,4 mg Naloxonhydrochlorid-Dihydrat, entsprechend 4 mg

Naloxonhydrochlorid.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

Jede Retardtablette enthält 102,91 mg Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat, entsprechend 100 mg

Tilidinhydrochlorid und 8,8 mg Naloxonhydrochlorid-Dihydrat, entsprechend 8 mg

Naloxonhydrochlorid.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

Jede Retardtablette enthält 154,365 mg Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat, entsprechend 150 mg

Tilidinhydrochlorid und 13,2 mg Naloxonhydrochlorid-Dihydrat, entsprechend 12 mg

Naloxonhydrochlorid.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Jede Retardtablette enthält 205,82 mg Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat, entsprechend 200 mg

Tilidinhydrochlorid und 17,6 mg Naloxonhydrochlorid-Dihydrat, entsprechend 16 mg

Naloxonhydrochlorid.

Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Retardtablette

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

Runde, bikonvexe, weiße Retardtabletten mit einseitiger Prägung „50“.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

Runde, bikonvexe, weiße Retardtabletten.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

Ovale, bikonvexe, weiße Retardtabletten.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Längliche, bikonvexe, weiße Retardtabletten.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur Behandlung starker und sehr starker Schmerzen.

4.2

Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

eignet sich besonders zur Behandlung chronischer

Schmerzen. Die erforderliche Dosis wird vom Arzt für jeden Patienten individuell ermittelt.

Die Tagesdosis von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

kann, je nach Schmerzstärke und

individuellem Ansprechen auf die Behandlung zwischen 100 mg und maximal 600 mg (bezogen

auf Tilidinhydrochlorid) liegen.

Die übliche Anfangsdosierung von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

beträgt für

Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren 2-mal täglich 100 mg. Dabei sollte ein Zeitintervall

von 12 Stunden eingehalten werden.

Bei Opioid-naiven Patienten ist ggf. die Anfangsdosis von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

auf 2-mal täglich 50 mg zu reduzieren.

Ist die Schmerzbehandlung mit 2-mal täglich 100 mg

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

nicht ausreichend, sollte die Erhöhung der Dosis stufenweise bis zu einer individuellen

patientenspezifischen Erhaltungsdosis erfolgen, die eine adäquate Schmerzkontrolle bei

tolerierbaren Nebenwirkungen erzielt.

Die zur Verfügung stehenden Wirkstärken (50 mg, 100 mg, 150 mg, 200 mg bezogen auf

Tilidinhydrochlorid) können, falls erforderlich, miteinander kombiniert werden.

Hinweis:

Die hier empfohlenen Dosierungen sind Richtwerte. Im Einzelfall kann zur Behandlung sehr

starker Schmerzen eine Überschreitung der Maximaldosis und die Verkürzung des

Einnahmeintervalls notwendig werden.

Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Eine Nierenfunktionseinschränkung erfordert keine Dosisänderung.

Dosierung bei älteren Patienten

Eine Dosismodifikation ist bei älteren Patienten nicht erforderlich.

Art und Dauer der Anwendung

Die Retardtabletten werden unabhängig von den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend

Flüssigkeit eingenommen. Die Retardtabletten dürfen nicht geteilt werden, da sonst die

Retardierung nicht mehr gewährleistet ist.

Grundsätzlich sollte die kleinste analgetisch wirksame Dosis gewählt werden. In der

Erhaltungstherapie soll ein festes Zeitschema (z. B. morgens 8.00 Uhr und abends 20.00 Uhr)

eingehalten werden.

Erfahrungen in der Langzeittherapie sind in einigen Fällen für einen Zeitraum von mehr als 2

Jahren dokumentiert.

Wenn die Indikation für eine Therapie mit

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

nach

längerem Gebrauch nicht mehr besteht, soll das Präparat nicht abrupt abgesetzt werden. Die

Dosisreduktion soll schrittweise erfolgen (z. B. Reduktion um 50 % pro Woche).

4.3

Gegenanzeigen

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

darf nicht eingenommen werden bei

Überempfindlichkeit gegen Tilidin, Naloxon oder einen der sonstigen Bestandteile

Abhängigkeit von Opiaten (Heroin, Morphin) oder Opioiden wegen der Gefahr einer akuten

Entzugssymptomatik

Porphyrie

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

Keine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 14 Jahren, da bisher keine Erfahrungen

vorliegen.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Keine Anwendung bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren, da bisher keine Erfahrungen

vorliegen.

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

sollte nicht eingenommen werden bei anderen

Abhängigkeitserkrankungen.

Bei Arzneimitteln mit Wirkung auf das ZNS besteht grundsätzlich die Gefahr der

missbräuchlichen Verwendung. Vor der Verordnung von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

an Patienten, die bereits von einem Arzneimittel abhängig sind oder es waren

oder die zu Arzneimittelmissbrauch neigen, sollte deshalb die Indikationsstellung sorgfältig

geprüft und die Verabreichung von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

gewissenhaft

überwacht werden.

Vor jedem Missbrauch von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

durch Drogenabhängige

wird dringend gewarnt!

Bei Opiatabhängigen, die als Ersatz für Opiate wie Morphin, Heroin usw. den Wirkstoff Tilidin

in hoher Dosis missbräuchlich einnehmen, löst

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

akute

Entzugserscheinungen (Ängstlichkeit, Agitiertheit, Zittern, Schwitzen) aus oder verstärkt bereits

bestehende Entzugserscheinungen.

Tilidin-ratiopharm

®

plus Retardtabletten ist zur Entzugsbehandlung nicht geeignet!

Bei ausgeprägter Leberinsuffizienz (z. B. hochgradiger Leberzirrhose) kann es durch eine

verringerte hepatische Metabolisierung von Tilidin bzw. Naloxon zu einem Wirkungsverlust

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

kommen (siehe Abschnitt 5.2).

Die Umstellung der Therapie auf

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

bei Patienten, die

bereits Opioide in therapeutischer Dosierung erhalten, erfordert für die empfohlenen

Dosierungen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich des Naloxon-Anteils.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Bei gleichzeitiger Einnahme von Tilidin/Naloxon und Alkohol oder Beruhigungsmitteln kommt

es zu einer gegenseitigen Verstärkung und Verlängerung der Wirkungen auf das

Zentralnervensystem.

Tilidin-ratiopharm

®

plus Retardtabletten

soll nicht mit anderen Opioiden kombiniert werden, da

die resultierende Wirkung aufgrund von Wechselwirkungen nicht abgeschätzt werden kann.

Bei Gabe weiterer ZNS-depressiver Arzneimittel ist in Einzelfällen eine Apnoe nicht

auszuschließen.

Aufgrund einer Studie an menschlichen Lebermikrosomen weiß man, dass Cytochrom P450

CYP3A4 und CYP2C19 offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Tilidin in

den wirksameren aktiven Metaboliten Nortilidin spielen (dieser wird dann nach und nach in den

inaktiven Metaboliten Bisnortilidin umgewandelt). In einer klinischen Studie mit 16 Personen

führte die gleichzeitige Gabe von Voriconazol, das beide Enzyme ausgeprägt hemmt, zu einem

Anstieg der Tilidin-Exposition um das 20-fache sowie zu einem unerwarteten Anstieg der

Nortilidin-Konzentration um etwa das 2,5-fache mit einer entsprechenden Verstärkung des

analgetischen Effekts und der Gefahr einer Atemdepression. Die Hemmung von CYP3A4

und/oder CYP2C19 könnte die Wirksamkeit und das Verträglichkeitsprofil von Tilidin

beeinflussen, da hierüber die Bildung und/oder die Elimination des aktiven Metaboliten

Nortilidin vermittelt wird.

In Einzelfällen wurde bei Patienten, die Tilidin/Naloxon erhielten und unter Dauerbehandlung

mit Phenprocoumon standen, ein Abfall des Quick-Wertes beobachtet. Deshalb sollten die

Kontrollen der Prothrombinzeit in der Anfangszeit und bei Beendigung der Behandlung mit

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

engmaschig erfolgen, um, wenn nötig, die Dosierung

von Phenprocoumon entsprechend anpassen zu können.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

sollte während der Schwangerschaft nur nach

strengster Nutzen-Risiko-Abschätzung gegeben werden, da keine Erfahrungen am Menschen

vorliegen (siehe Abschnitt 5.3).

Es ist nicht bekannt, ob

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

in die Muttermilch übergeht.

Ist in der Stillzeit eine Behandlung unbedingt erforderlich, sollte abgestillt werden.

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

kann Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen so

weit beeinträchtigen, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum

Bedienen von Maschinen nicht mehr gegeben ist. Eine verstärkte Beeinträchtigung ist

insbesondere bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung, Präparatewechsel sowie im

Zusammenhang mit Alkohol oder der Einnahme von Beruhigungsmitteln zu erwarten. Die

Entscheidung trifft in jedem Einzelfall der behandelnde Arzt. Bei stabiler Therapie ist ein

generelles Fahrverbot nicht zwingend erforderlich.

4.8

Nebenwirkungen

sehr häufig

≥ 1/10

häufig

≥ 1/100 bis < 1/10

gelegentlich

≥ 1/1.000 bis < 1/100

selten

≥ 1/10.000 bis < 1/1.000

sehr selten

< 1/10.000

nicht bekannt

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig:

Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität

Gelegentlich:

Somnolenz

Nicht bekannt:

Halluzinationen, Verwirrtheitszustand, euphorische Stimmung, Tremor,

Hyperreflexie, Klonus

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig:

Übelkeit und Erbrechen zu Behandlungsbeginn; bei weiterer Behandlung nur

noch häufig bis gelegentlich oder selten

Häufig:

Diarrhö, Abdominalschmerz

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig:

vermehrtes Schwitzen

Um Erscheinungen dieser Art entgegenzuwirken, wird empfohlen, dass sich der Patient – wie es

bei starken Schmerzen üblich ist – keiner körperlichen Belastung unterzieht und sich bei

Auftreten von Schwindelgefühlen hinlegt.

Eine Beeinträchtigung des blutbildenden Systems sowie der Nieren- oder Leberfunktion durch

Tilidin/Naloxon wurde bisher nicht beobachtet.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer

Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses

des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall

einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt.

Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Symptome der Intoxikation

Zeichen einer Überdosierung von Tilidin/Naloxon sind Schwindelgefühl, Benommenheit,

Übelkeit, Erbrechen, Ataxie, psychomotorische Unruhe und Hyperreflexie sowie

Hyperventilation und Hyperventilationstetanie. Bei sehr starker Überdosierung kann

Atemdepression auftreten. Starke Überdosierungen führen im Tierversuch zu kurzzeitigen

Krämpfen. Grundsätzlich sollte an die Möglichkeit einer Mehrfachintoxikation (Alkohol,

psychoaktive Substanzen, bei Suizidversuch) gedacht werden.

Therapie von Intoxikationen

Primäre Giftentfernung durch Magenspülung, Resorptionsverminderung durch Kohlegabe,

Kreislaufstabilisierung durch Elektrolytinfusionen sowie Verbesserung der Atemfunktion durch

Sauerstoff-Inhalationen und kontrollierte Beatmung. Bei exzitatorischen Symptomen Diazepam

intravenös in üblicher Dosierung. Als Antidot kann Naloxon intravenös (z. B. 0,4 mg)

verabreicht werden, wobei die kurze Wirkdauer von Naloxon beachtet werden muss.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Kombination aus einem stark wirksamen Analgetikum aus der

Gruppe der Opioide und einem Opioid-Antagonisten

ATC-Code: Tilidin N02AX01, Naloxon V03AB15

Tilidin ist ein Prodrug mit schwacher Opioidwirkung. Die eigentliche Wirksubstanz ist

Nortilidin. Naloxon ist ein reiner Opioid-Antagonist ohne agonistische Wirkung.

Die Kombination aus Tilidin und Naloxon soll unter Beibehalten der analgetischen Wirkung das

Missbrauchspotenzial vermindern. Das Mischungsverhältnis ist dabei so gewählt, dass der

Naloxon-Zusatz die analgetische Wirkung von Tilidin nicht beeinträchtigt. Bei Verwendung

unzulässig hoher Dosen durch Opiatabhängige gelangt aber so viel Naloxon in den Organismus,

dass ein Abstinenzsyndrom hervorgerufen werden kann.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Tilidin und Naloxon werden nach oraler Gabe rasch resorbiert. Beide Substanzen unterliegen

einem ausgeprägten First-pass-Effekt. Tilidin wird überwiegend zu Nortilidin, der eigentlichen

Wirksubstanz, und weiter zu Bis-Nortilidin metabolisiert. Naloxon wird zu dem sehr schwach

pharmakologisch wirksamen

-Naloxol metabolisiert, beides wird glukuronidiert.

Aufgrund einer Studie an menschlichen Lebermikrosomen weiß man, dass CYP3A4 und

CYP2C19 offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Tilidin in den

wirksameren aktiven Metaboliten Nortilidin spielen (dieser wird dann nach und nach in den

inaktiven Metaboliten Bis-Nortilidin umgewandelt). Die Hemmung von CYP3A4 und/oder

CYP2C19 kann die Wirksamkeit und das Verträglichkeitsprofil von Tilidin beeinflussen, da

hierdurch die Bildung und/oder die Elimination des aktiven Metaboliten Nortilidin vermittelt

werden (siehe Abschnitt 4.5).

Tilidin und Naloxon werden überwiegend metabolisiert renal eliminiert (Tilidin zu 90 %,

Naloxon zu über 70 %). Der Rest erscheint in den Faeces. Nierenfunktionsstörungen können

nicht zur Kumulation pharmakologisch aktiver Metaboliten führen. Die apparente

Eliminationshalbwertszeit (t½ app.) des retardierten Präparats beträgt für Nortilidin und für die

Naloxonmetaboliten ca. 5,5 Stunden. Untersuchungen an Neugeborenen, deren Mütter i.v.-

Gaben von Naloxon erhalten hatten, lassen auf einen Plazentatransfer von Naloxon schließen.

Leberinsuffizienz

Bei Leberfunktionsstörungen ist in Abhängigkeit vom Ausmaß der Einschränkung die

Maximalkonzentration von Nortilidin im Plasma geringer als bei Lebergesunden und die

Halbwertszeit verlängert. Naloxon, das bei Lebergesunden im Plasma - wenn überhaupt - nur

für kurze Zeit in sehr niedrigen Konzentrationen nachweisbar ist, erreicht bei Patienten mit

Leberinsuffizienz deutlich höhere Konzentrationen, die mit einer Halbwertszeit von ca. 2

Stunden durch weiteren Metabolismus abklingen.

Es ist nicht sicher auszuschließen, dass bei Patienten mit hochgradiger Leberinsuffizienz die

Bildung von aktivem Nortilidin so gering sein kann, dass eine ausreichende analgetische

Wirkung u. U. nicht zu erreichen ist, und dass eine unzureichende Inaktivierung von Naloxon

durch Antagonisierung der Nortilidin-Wirkung zu einem weiteren Wirkungsverlust führen kann,

der insgesamt eine sinnvolle Therapie dieser Patienten mit Tilidin/Naloxon in Frage stellt.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Akute Toxizität

Die akute Toxizität von Tilidin und Tilidin plus Naloxon wurde an Mäusen und Ratten geprüft.

Dosen ≥ 100 mg/kg/Tag von Tilidin oder der Kombination führten zu erhöhtem Muskeltonus,

tonisch-klonischen Krämpfen, Dyspnoe, Ataxie, Tremor, Agitiertheit und Tränenfluss. Es gab

keine signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der akuten Toxizität. Bei Studien

zur oralen Toxizität zeigten sowohl Tilidin alleine als auch die Kombination mit Naloxon eine

geringfügig erhöhte akute Toxizität bei neugeborenen Ratten im Vergleich mit den erwachsenen

Tieren.

Chronische Toxizität

Nagetiere und Hunde wurden 6 Monate lang mit einer Kombination von Tilidin und Naloxon

behandelt. Bei Nagern traten in hohen Dosierungen (≥ 50 mg/kg) verminderte

Nahrungsaufnahme, Speichelfluss, Ataxie, Diarrhoe, Sedierung, erhöhte Lebergewichte sowie

Verfettung der Leber und der Zellen des Nierenkanälchenepithels auf. Bei Hunden führte die

gleiche Dosis zu verminderter Nahrungsaufnahme, Speichelfluss, Emesis, Ataxie, Diarrhoe und

Sedierung.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potenzial

Untersuchungen zur Mutagenität von Tilidin im Ames-Test und in einer Zytogenetikstudie an

Knochenmarkzellen von Ratten verliefen negativ. Weiterhin waren Naloxon ebenso wie die

Kombination von Tilidin und Naloxon unauffällig in den umfassenden Mutagenitätsprüfungen.

Untersuchungen zum tumorerzeugenden Potenzial liegen weder für die Einzelstoffe noch für die

Kombination von Tilidin und Naloxon vor.

Reproduktionstoxizität

Weder an der Ratte noch am Kaninchen fanden sich nach oraler Verabreichung des

Kombinationsprodukts Hinweise auf ein teratogenes Potenzial. Bis zu einer Dosis von 45

mg/kg/Tag wurden auch keine anderen embryotoxischen Wirkungen beobachtet. Nach einer

Dosis von 135 mg/kg/Tag traten vermehrt Totgeburten und Jungtiersterblichkeit auf.

Bei Studien mit Tilidin an Ratten ergab sich keine Beeinflussung der Fertilität.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Hypromellose, Mikrokristalline Cellulose, Hochdisperses Siliciumdioxid, Magnesiumstearat

(Ph. Eur.), Titandioxid (E 171), Macrogol 400.

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend

6.3

Dauer der Haltbarkeit

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

18 Monate

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

2 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

Nicht über 25 °C lagern.

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

Nicht über 30 °C lagern.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Blisterpackungen, Al/Al-Blister

Packungen mit 20, 50 und 100 Retardtabletten.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur

Handhabung

Keine besonderen Anforderungen

7.

INHABER DER ZULASSUNG

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

8.

ZULASSUNGSNUMMER(N)

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

58723.00.00

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

58723.01.00

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

58723.02.00

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

58723.03.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER

ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 21. Oktober 2005

Datum der Verlängerung der Zulassung: 16. September 2010

10.

STAND DER INFORMATION

Februar 2014

11.

VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

Weitere Angaben

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

dient der Behandlung von starken und sehr starken,

lang anhaltenden und chronischen Schmerzen. Ein wesentlicher Vorteil von

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

liegt in einer über 12 Stunden dauernden schmerzstillenden Wirkung, die

eine kontinuierliche Schmerzfreiheit bei einer zweimal täglichen Einnahme möglich macht.

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

verursacht in den empfohlenen Dosierungen (bis 600

mg/Tag) keine klinisch relevante Atemdepression, Obstipation oder Hemmung der Diurese.

Es stehen 4 verschiedene Wirkstärken (50 mg, 100 mg, 150 mg, 200 mg bezogen auf

Tilidinhydrochlorid) zur Verfügung, die auch miteinander kombiniert werden können.

Bei Beginn der Behandlung wird die geeignete Dosierung und Einnahmehäufigkeit individuell

festgestellt. In dieser Phase (Titrationsphase) ist zur Behandlung eventueller Schmerzspitzen

eine Zusatzmedikation mit der schnell wirksamen

Tilidin-ratiopharm

®

plus Tropfen

empfehlenswert.

Tilidin-ratiopharm

®

plus Tropfen

kann für die Dauertherapie auf

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

gewechselt werden.

Tilidin-HCL

in mg

Tilidin-ratiopharm

®

plus Tropfen

Tilidin-ratiopharm

®

plus Retardtabletten

2-mal 20 Tropfen bzw.

2-mal 4 Hübe*

4-mal 10 Tropfen bzw.

4-mal 2 Hübe*

2-mal 1 Retardtablette

Tilidin-ratiopharm

®

plus 50 mg/4 mg Retardtabletten

4-mal 20 Tropfen bzw.

4-mal 4 Hübe*

2-mal 1 Retardtablette

Tilidin-ratiopharm

®

plus 100 mg/8 mg Retardtabletten

6-mal 20 Tropfen bzw.

6-mal 4 Hübe*

3-mal 40 Tropfen bzw.

3-mal 8 Hübe*

2-mal 1 Retardtablette

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

4-mal 40 Tropfen bzw.

4-mal 8 Hübe*

2-mal 1 Retardtablette

Tilidin-ratiopharm

®

plus 200 mg/16 mg Retardtabletten

6-mal 40 Tropfen bzw.

6-mal 8 Hübe*

2-mal 2 Retardtabletten

Tilidin-ratiopharm

®

plus 150 mg/12 mg Retardtabletten

* 1 Hub der Flasche mit Dosierpumpe (Packung mit 100 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung)

entsprechend 5 Tropfen bzw. 12,5 mg Tilidinhydrochlorid.

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

wirkt in der Regel bis zu 12 Stunden. Die Wirkdauer

kann jedoch aufgrund individueller Faktoren variieren. In jedem Fall ist wichtig, dass

Tilidin-

ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

nach einem festen Zeitschema, also immer zur gleichen

Stunde morgens und abends, eingenommen wird.

Das in

Tilidin-ratiopharm

®

plus

Retardtabletten

enthaltene Naloxon ist bei

bestimmungsgemäßem therapeutischem Gebrauch ohne Einfluss auf die Wirkung des

Arzneimittels.

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