Tilidin HEXAL comp Lösung Tropfen zum Einnehmen, Lösung

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat, Naloxonhydrochlorid-Dihydrat
Verfügbar ab:
Hexal Aktiengesellschaft
ATC-Code:
N02AX51
INN (Internationale Bezeichnung):
Tilidine Hydrochloride Hemihydrate, Naloxone Hydrochloride Dihydrate
Darreichungsform:
Tropfen zum Einnehmen, Lösung
Zusammensetzung:
Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat 51.45mg; Naloxonhydrochlorid-Dihydrat 4.4mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
32988.00.00

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Tilidin HEXAL® comp Lösung, 50/4 mg je 0,72 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung

Tilidinhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen,

denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es kann

anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für

Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.

Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Tilidin HEXAL comp Lösung und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung beachten?

Wie ist Tilidin HEXAL comp Lösung einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Tilidin HEXAL comp Lösung aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Tilidin HEXAL comp Lösung und wofür wird es angewendet?

Tilidin HEXAL comp Lösung ist eine Kombination aus einem stark wirksamen Schmerzmittel aus der

Gruppe der Opioide und einem Opioid-Antagonisten.

Tilidin HEXAL comp Lösung wird angewendet bei starken und sehr starken Schmerzen.

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung beachten?

Tilidin HEXAL comp Lösung darf nicht eingenommen werden

wenn Sie allergisch gegen Tilidin, Naloxon oder einen der in Abschnitt 6 genannten sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels sind

bei Drogenabhängigkeit von Opiaten (Heroin, Morphin) oder Opioiden wegen der Gefahr unmittelbar

auftretender Entzugserscheinungen.

Tilidin HEXAL comp Lösung sollte nicht von Personen eingenommen werden, die an Porphyrie (einer

Stoffwechselerkrankung) leiden.

Kinder

Tilidin HEXAL comp Lösung darf Kindern unter 2 Jahren nicht gegeben werden.

Für Kinder unter 14 Jahren ist Tilidin HEXAL comp Lösung mit Dosierpumpe nicht geeignet, da bei ihnen

mit der Dosierpumpe eine altersgerechte Dosierung nicht möglich ist.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Tilidin HEXAL comp Lösung einnehmen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Tilidin HEXAL comp Lösung mit Arzneimitteln, die den Botenstoff

Serotonin im Körper beeinflussen, dürfen Sie Tilidin HEXAL comp Lösung nur mit besonderer Vorsicht

einnehmen, da es in diesen Fällen zur Entwicklung eines potenziellen Serotonin-Syndroms kommen kann.

Befragen Sie hierzu bitte Ihren Arzt.

Sollten Sie Symptome eines Serotonin-Syndroms, wie z. B. Änderungen des mentalen Zustandes (z. B.

Unruhe, Halluzinationen, Koma), autonome Instabilität (z. B. erhöhte Herzfrequenz

[Tachykardie]

, instabiler

Blutdruck, überhöhte Temperatur

[Hyperthermie]

), neuromuskuläre Anomalien (z. B. gesteigerte

Reflexbereitschaft

[Hyperreflexie]

, Koordinationsstörungen, Steifigkeit) und/oder Symptome des Magen-

Darm-Traktes (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall), bei sich bemerken, sprechen Sie umgehend mit Ihrem

Arzt.

Bei anderen Abhängigkeitserkrankungen (z. B. bei Arzneimittel- oder Alkoholabhängigkeit) dürfen Sie

Tilidin HEXAL comp Lösung nur mit besonderer Vorsicht einnehmen. Befragen Sie hierzu bitte Ihren Arzt.

Dies gilt auch, wenn Sie früher einmal an einer Abhängigkeitserkrankung litten.

Bei ausgeprägter Leberfunktionsstörung (z. B. hochgradige Leberzirrhose) kann es zu einem

Wirkungsverlust von Tilidin HEXAL comp Lösung kommen. Sprechen Sie in diesem Fall mit Ihrem Arzt.

Warnung vor missbräuchlicher Anwendung

Vor jedem Missbrauch von Tilidin HEXAL comp Lösung durch Drogenabhängige wird dringend gewarnt!

Bei Opiatabhängigen, die als Ersatz für Opiate, wie Morphin oder Heroin, Tilidin HEXAL comp Lösung in

hohen Einnahmemengen missbräuchlich einnehmen, löst Tilidin HEXAL comp Lösung akute

Entzugserscheinungen (Ängstlichkeit, Agitiertheit, Zittern, Schwitzen) aus oder verstärkt bereits bestehende

Entzugserscheinungen.

Tilidin HEXAL comp Lösung ist nicht zur Entzugsbehandlung geeignet!

Im Zusammenhang mit der Einnahme von Opioiden wurden Fälle von Nebennierenrindeninsuffizienz

berichtet. Sollten Sie unspezifische Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit,

Schwäche, Schwindel und niedrigen Blutdruck bei sich feststellen, sprechen Sie umgehend mit Ihrem Arzt.

Die chronische Einnahme von Opioiden kann die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse dahingehend

beeinflussen, dass es zu einem Mangel männlicher Hormone

(Androgenmangel)

kommen kann, der sich in

Form folgender Symptome äußern kann: geringe Libido, Impotenz, Erektionsstörungen, Ausbleiben der

Regelblutung oder Unfruchtbarkeit. Sollten Sie solche Symptome bei sich bemerken, sprechen Sie bitte mit

Ihrem Arzt. Ihr Arzt wird dann einige Laboruntersuchungen bei Ihnen durchführen.

Die Lösung ist zur Einnahme bestimmt. Sie ist nicht für eine Injektion (Einspritzung in ein Blutgefäß)

geeignet! Nach einer derartigen Fehlanwendung können die nachfolgenden Entzugserscheinungen so stark

sein, dass lebensbedrohliche Komplikationen auftreten, z. B. Blutdruckkrisen, Kreislaufversagen.

Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich

andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben

oder beabsichtigen, andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Die gleichzeitige Anwendung von Tilidin HEXAL comp Lösung und Beruhigungsmitteln wie

Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel erhöht das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden

(Atemdepression), Koma und kann lebensbedrohlich sein. Aus diesem Grund sollte die gleichzeitige

Anwendung nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Wenn Ihr Arzt jedoch Tilidin HEXAL comp Lösung zusammen mit sedierenden Arzneimitteln verschreibt,

sollten die Dosis und die Dauer der begleitenden Behandlung von Ihrem Arzt begrenzt werden.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt über alle sedierenden Arzneimittel, die Sie einnehmen und halten Sie sich

genau an die Dosierungsempfehlung Ihres Arztes. Es könnte hilfreich sein, Freunde oder Verwandte darüber

zu informieren, bei Ihnen auf die oben genannten Anzeichen und Symptome zu achten. Kontaktieren Sie

Ihren Arzt, wenn solche Symptome bei Ihnen auftreten.

Die gleichzeitige Gabe von Tilidin HEXAL comp Lösung mit einem Arzneimittel, das den Botenstoff

Serotonin im Körper beeinflusst, wie z. B. einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder

einem Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), einem trizyklischen Antidepressivum

(TZA), einem Triptan, einem 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten, einem Arzneimittel, das das Serotonin-

Neurotransmittersystem beeinflusst (z. B. Mirtazapin, Trazodon, Tramadol) oder einem Monoaminoxidase-

Inhibitor (MAOI), kann das Risiko eines Serotonin-Syndroms - ein potenziell lebensbedrohlicher Zustand -

erhöhen.

Tilidin HEXAL comp Lösung soll nicht mit anderen Schmerzmitteln eingenommen werden, die in gleicher

Art wie Tilidin wirken (Opioide), da die Wechselwirkungen durch gegenseitige Beeinflussung nicht

abgeschätzt werden können.

Die gleichzeitige Einnahme mit Voriconazol (gegen Pilzerkrankungen) kann zu einer Verstärkung der

Wirkungen und Nebenwirkungen von Tilidin HEXAL comp Lösung führen.

In Einzelfällen wurde bei Patienten, die Tilidin/Naloxon-haltige Arzneimittel erhielten und unter

Dauerbehandlung mit Phenprocoumon (blutgerinnungshemmendes Arzneimittel) standen, ein Abfall des

Quick-Wertes beobachtet. Deshalb sollten die Kontrollen des Quick-Wertes in der Anfangszeit und bei

Beendigung der Behandlung mit Tilidin HEXAL comp Lösung engmaschig erfolgen, um, wenn nötig, die

Dosierung von Phenprocoumon entsprechend anpassen zu können.

Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung zusammen mit Alkohol

Bei gleichzeitiger Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung und Alkohol kommt es zu einer

gegenseitigen Verstärkung und Verlängerung der Wirkungen auf das Zentralnervensystem.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Tilidin HEXAL comp Lösung sollte während der Schwangerschaft und Stillzeit nur nach strengster Nutzen-

Risiko-Abschätzung gegeben werden, da keine Erfahrungen am Menschen vorliegen.

Ist in der Stillzeit eine Behandlung unbedingt erforderlich, sollte nicht gestillt werden.

Schwangerschaft

Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Tilidin/Naloxon, den Wirkstoffen von

Tilidin HEXAL comp Lösung, bei Schwangeren vor. Untersuchungen an Tieren ergaben keine Hinweise auf

gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf die Fortpflanzung. Tilidin HEXAL comp Lösung darf

während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, der Nutzen der Behandlung überwiegt

aufgrund des klinischen Zustands der Mutter die möglichen Risiken für das ungeborene Kind.

Stillzeit

Es wurde nachgewiesen, dass Tilidin, ein Wirkstoff von Tilidin HEXAL comp Lösung, in die Muttermilch

übergeht. Das Stillen soll während der Behandlung mit Tilidin HEXAL comp Lösung unterbrochen werden.

Fortpflanzungsfähigkeit

Es liegen keine Erfahrungen zu den Wirkungen von Tilidin HEXAL comp Lösung auf die menschliche

Fortpflanzungsfähigkeit vor. Untersuchungen an Tieren ergaben keine Hinweise auf gesundheitsschädliche

Wirkungen in Bezug auf die männliche und weibliche Fortpflanzungsfähigkeit.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Tilidin HEXAL comp Lösung kann Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Sie können

dann auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell genug und gezielt reagieren. Fahren Sie

nicht Auto oder andere Fahrzeuge! Bedienen Sie keine elektrischen Werkzeuge oder Maschinen! Arbeiten

Sie nicht ohne sicheren Halt! Eine verstärkte Beeinträchtigung ist insbesondere bei Behandlungsbeginn,

Dosiserhöhung, Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol oder der Einnahme von

Beruhigungsmitteln zu erwarten.

Sie dürfen die oben genannten Tätigkeiten nur dann ausüben, wenn es Ihnen Ihr Arzt ausdrücklich gestattet

hat. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und unter welchen Voraussetzungen Sie z. B. Auto fahren dürfen.

Tilidin HEXAL comp Lösung enthält Ethanol (Alkohol)

Dieses Arzneimittel enthält 11,9 Vol.-% Ethanol (Alkohol), d. h. bis zu 135,6 mg pro 40 Tropfen (= 8 Hübe

mit der Dosierpumpe), entsprechend 3,44 ml Bier oder 1,43 ml Wein.

Gesundheitliches Risiko für Patienten, die unter Alkoholismus leiden.

Ist bei Schwangeren bzw. Stillenden sowie bei Kindern und Patienten mit erhöhtem Risiko auf Grund einer

Lebererkrankung oder Epilepsie zu berücksichtigen.

3.

Wie ist Tilidin HEXAL comp Lösung einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker ein. Fragen

Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die erforderliche Dosis wird vom Arzt für jeden Patienten individuell ermittelt. Die Tagesdosis von Tilidin

HEXAL comp Lösung kann, je nach Schmerzstärke und individuellem Ansprechen auf die Behandlung,

zwischen 100 mg und maximal 600 mg Tilidinhydrochlorid liegen.

Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahre nehmen bis zu 6-mal täglich 20-40 Tropfen Tilidin HEXAL comp

Lösung ein (= 4-8 Hübe mit der Dosierpumpe, entsprechend 50-100 mg Tilidinhydrochlorid und 4-8 mg

Naloxonhydrochlorid).

Kinder unter 14 Jahren erhalten bis zu 4-mal täglich 0,5 mg Tilidinhydrochlorid/kg Körpergewicht (unter 20

kg Körpergewicht) bzw. 0,7 mg Tilidinhydrochlorid/kg Körpergewicht (über 20 kg Körpergewicht), wobei

als Einzeldosis nicht weniger als 7,5 mg Tilidinhydrochlorid gegeben werden sollten.

1 Tropfen Tilidin HEXAL comp Lösung enthält 2,5 mg Tilidinhydrochlorid und 0,2 mg

Naloxonhydrochlorid (5 Tropfen = 1 Hub mit der Dosierpumpe).

Berechnungsbeispiele für die jeweilige Einzeldosis

Körpergewicht des

Kindes in Kilogramm

Berechnung

Tilidinhydrochlorid

in mg

Anzahl Tropfen

Tilidin HEXAL comp

Lösung

15 x 0,5

25 x 0,7

17,5

35 x 0,7

24,5

45 x 0,7

31,5

Hinweis

Für die Anwendung bei Kindern unter 2 Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor. Für Kinder

unter 14 Jahren ist Tilidin HEXAL comp Lösung mit Dosierpumpe nicht geeignet, da bei ihnen mit der

Dosierpumpe eine altersgerechte Dosierung nicht möglich ist.

Art der Anwendung

Tilidin HEXAL comp Lösung soll mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.

Die Tropfen zum Einnehmen dürfen nicht injiziert (in ein Blutgefäß eingespritzt) werden (siehe Abschnitt 2.

„Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“)

Hinweis zur Anwendung der Tropfflasche

Zur Entnahme halten Sie bitte die Tropfflasche senkrecht nach unten.

Hinweis zur Anwendung der Dosierpumpe

Die Pumpe muss vor dem ersten Gebrauch mehrfach bis zum Austritt der Lösung betätigt werden. Zur

Entnahme der Lösung wird die Flasche auf eine ebene Fläche (z. B. Tisch) gestellt, ein Löffel oder

Trinkbecher unter die Austrittsöffnung der Flasche gehalten und die Pumpe bis zum Anschlag voll

durchgedrückt. Eine einmalige Betätigung der Pumpe entspricht einem Pumphub. Die Flasche nach Anbruch

bitte stehend aufbewahren! Siehe auch die Hinweise am Ende dieser Gebrauchsinformation.

Dauer der Anwendung

Die Dauer der Einnahme wird von Ihrem behandelnden Arzt festgelegt.

Für die Behandlung akuter Schmerzzustände genügt oftmals eine einmalige Einnahme. Gegebenenfalls kann

Tilidin HEXAL comp Lösung mehrmals, auch über mehrere Tage angewendet werden.

Grundsätzlich sollte die kleinste schmerzlindernde Einnahmemenge gewählt werden. Bei der Behandlung

chronischer Schmerzen ist der Dosierung nach einem festen Zeitplan der Vorzug zu geben. In der

Dauertherapie sollten Präparate mit langer Wirkdauer verwendet werden.

Nach längerer Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung soll das Arzneimittel nicht abrupt abgesetzt

werden. Die Dosisverringerung soll nach Anweisung Ihres Arztes schrittweise erfolgen.

Wenn Sie eine größere Menge von Tilidin HEXAL comp Lösung eingenommen haben als Sie sollten

Wenn Sie eine Einzelgabe von Tilidin HEXAL comp Lösung versehentlich doppelt einnehmen, hat dies

keine Auswirkungen auf die weitere Einnahme, d. h. Sie nehmen Tilidin HEXAL comp Lösung danach so

ein wie sonst auch.

Nach Einnahme erheblich zu hoher Arzneimengen kommt es zu Schwindelgefühl, Benommenheit, Übelkeit,

Erbrechen, Ataxie (Störung im geordneten Bewegungsablauf), Bewegungsdrang und gesteigerten Reflexen.

Bei sehr starker Überdosierung kann eine Verminderung der Atmung auftreten. Rufen Sie bei Auftreten

dieser Krankheitszeichen den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe!

Mögliche ärztliche Behandlungsmaßnahmen sind die primäre Entfernung des Arzneimittels durch

Magenspülung, Resorptionsverminderung durch Kohlegabe, Kreislaufstabilisierung durch

Elektrolytinfusionen sowie Verbesserung der Atemfunktion durch Sauerstoff-Inhalationen und kontrollierte

Beatmung. Als Gegenmittel kann Naloxon intravenös (z. B. 0,4 mg) verabreicht werden; bei exzitatorischen

Symptomen Diazepam intravenös in üblicher Dosierung.

Wenn Sie die Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung vergessen haben

Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben, sondern

führen Sie die Einnahme wie bisher fort.

Wenn Sie die Einnahme von Tilidin HEXAL comp Lösung abbrechen

Bei unangenehmen Nebenwirkungen wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen, welche Gegenmaßnahmen es

hierfür gibt, und ob andere Arzneimittel für die Behandlung in Frage kommen.

Wenn Sie weitere Fragen zur Einnahme dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder

Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:

Sehr häufig: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufig: kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlich: kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Selten: kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr selten: kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

Nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig:

Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität

Gelegentlich:

Schlafsucht

Nicht bekannt:

Halluzinationen, Verwirrtheitszustand, euphorische Stimmung, Zittern, gesteigerte

Reflexbereitschaft, Muskelzuckungen

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig:

Zu Behandlungsbeginn können sehr häufig Übelkeit und Erbrechen auftreten, die bei weiterer

Behandlung nur noch häufig bis gelegentlich oder selten vorkommen.

Häufig:

Durchfall, Bauchschmerzen

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig:

vermehrtes Schwitzen

Diese Krankheitszeichen können verstärkt unter körperlicher Belastung auftreten. Vermeiden Sie daher nach

Möglichkeit körperliche Anstrengung. Bei Schwindelgefühl sollten Sie sich hinlegen.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für

Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können Nebenwirkungen auch

direkt dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Tilidin HEXAL comp Lösung aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und dem Etikett nach „verwendbar bis“

angegebenen Verfallsdatum nicht mehr verwenden. Das Verfallsdatum bezieht sich auf den letzten Tag des

angegebenen Monats.

Aufbewahrungsbedingungen

Nicht über 30 °C lagern.

Hinweis auf Haltbarkeit nach Anbruch

Nach Anbruch 3 Monate verwendbar.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Tilidin HEXAL comp Lösung enthält

Die Wirkstoffe sind: Tilidinhydrochlorid und Naloxonhydrochlorid

0,72 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung (20 Tropfen = 4 Hübe mit der Dosierpumpe) enthalten 51,45 mg

Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat (entsprechend 50 mg Tilidinhydrochlorid) und 4,40 mg

Naloxonhydrochlorid-Dihydrat (entsprechend 4 mg Naloxonhydrochlorid).

Die sonstigen Bestandteile sind: Ethanol 96 %, Salzsäure 32 %, gereinigtes Wasser

Wie Tilidin HEXAL comp Lösung aussieht und Inhalt der Packung

Tilidin HEXAL comp Lösung sind klare, farblose bis leicht gelbliche Tropfen zum Einnehmen.

Tilidin HEXAL comp Lösung ist in Packungen mit 10 ml und 20 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung sowie

50 ml und 100 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung mit Dosierpumpe erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: service@hexal.com

Hersteller

Salutas Pharma GmbH

Otto-von-Guericke-Allee 1

39179 Barleben

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im September 2018.

Hinweis zum Bedienen der Dosierpumpe

Nur vor dem ersten Gebrauch zur Aktivierung des Pumpmechanismus: Pumpe mehrmals bis zum Austritt

der Lösung betätigen.

Gemäß Dosierungsanleitung Tilidin HEXAL comp Lösung auf einen Löffel, in einen Becher oder ähnliches

pumpen (5 Tropfen = 1 Hub).

Fachinformation

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Tilidin HEXAL comp Lösung, 50/4 mg je 0,72 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

0,72 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung (20 Tropfen = 4 Hübe) enthalten 51,45 mg

Tilidinhydrochlorid-Hemihydrat (entsprechend 50 mg Tilidinhydrochlorid) und 4,40 mg

Naloxonhydrochlorid-Dihydrat (entsprechend 4 mg Naloxonhydrochlorid).

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: 11,9 Vol.-% Alkohol

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Tropfen zum Einnehmen, Lösung

Klare, farblose bis leicht gelbliche Lösung

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Starke und sehr starke Schmerzen

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahre nehmen bis zu 6-mal täglich 20-40 Tropfen Tilidin

HEXAL comp Lösung ein

(= 4-8 Hübe, entsprechend 50-100 mg Tilidinhydrochlorid und 4-8 mg

Naloxonhydrochlorid).

Die Tagesdosis von Tilidin HEXAL comp Lösung kann, je nach Schmerzstärke und individuellem

Ansprechen auf die Behandlung, zwischen 100 mg und maximal 600 mg Tilidinhydrochlorid

liegen.

Kinder unter 14 Jahren erhalten bis zu 4-mal täglich 0,5 mg Tilidinhydrochlorid/kg Körpergewicht

(unter 20 kg Körpergewicht) bzw. 0,7 mg Tilidinhydrochlorid/kg Körpergewicht (über 20 kg

Körpergewicht), wobei als Einzeldosis nicht weniger als 7,5 mg Tilidinhydrochlorid gegeben

werden sollten.

1 Tropfen Tilidin HEXAL comp Lösung enthält

2,5 mg Tilidinhydrochlorid und 0,2 mg

Naloxonhydrochlorid (5 Tropfen = 1 Hub).

Berechnungsbeispiele für die jeweilige Einzeldosis

Körpergewicht des

Kindes in Kilogramm

Berechnung

Tilidinhydrochlorid

in mg

Anzahl Tropfen

Tilidin HEXAL comp

Lösung

15 x 0,5

25 x 0,7

17,5

35 x 0,7

24,5

45 x 0,7

31,5

Für die Anwendung bei Kindern unter 2 Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor.

Art der Anwendung

Tilidin HEXAL comp Lösung soll mit etwas Flüssigkeit eingenommen werden.

Hinweis zur Anwendung der Tropfflasche

Zur Entnahme wird die Tropfflasche senkrecht nach unten gehalten.

Hinweis zur Anwendung der Dosierpumpe

Die Pumpe muss vor dem ersten Gebrauch mehrfach bis zum Austritt der Lösung betätigt

werden. Zur Entnahme der Lösung wird die Flasche auf eine ebene Fläche (z. B. Tisch) gestellt,

ein Löffel oder Trinkbecher unter die Austrittsöffnung der Flasche gehalten und die Pumpe bis

zum Anschlag voll durchgedrückt. Eine einmalige Betätigung der Pumpe entspricht einem

Pumphub. Die Flasche ist nach Anbruch stehend aufzubewahren.

Die Lösung darf nicht injiziert werden (siehe Abschnitt 4.4)!

Für die Behandlung akuter Schmerzzustände genügt oftmals eine einmalige Gabe.

Gegebenenfalls kann Tilidin HEXAL comp mehrmals, auch über mehrere Tage angewendet

werden.

Grundsätzlich sollte die kleinste analgetisch wirksame Dosis gewählt werden. Bei der Therapie

chronischer Schmerzen ist der Dosierung nach einem festen Zeitplan der Vorzug zu geben. In

der Dauertherapie sollten Präparate mit langer Wirkdauer verwendet werden.

Wenn die Indikation für eine Therapie mit Tilidin/Naloxon nach längerem Gebrauch nicht mehr

besteht, soll das Arzneimittel nicht abrupt abgesetzt werden. Die Dosisreduktion soll schrittweise

erfolgen (z. B. Reduktion um 50 % pro Woche).

4.3 Gegenanzeigen

Tilidin HEXAL comp darf nicht angewendet werden bei

Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten

sonstigen Bestandteile

Abhängigkeit von Opiaten (Heroin, Morphin) oder Opioiden wegen der Gefahr einer akuten

Entzugssymptomatik.

Tilidin HEXAL comp sollte nicht eingenommen werden bei anderen Abhängigkeitserkrankungen

(siehe Abschnitt 4.4) oder von Patienten mit Porphyrie.

Bei ausgeprägter Leberinsuffizienz (z. B. hochgradiger Leberzirrhose) kann es durch eine

verringerte hepatische Metabolisierung von Tilidin bzw. Naloxon zu einem Wirkungsverlust von

Tilidin bzw. Naloxon kommen (siehe Abschnitt 5.2).

Für Tilidin HEXAL comp Lösung mit Dosierpumpe:

Für Kinder unter 14 Jahren ist Tilidin HEXAL comp nicht geeignet, da bei ihnen mit der

Dosierpumpe eine altersgerechte Dosierung nicht möglich ist.

Tilidin HEXAL comp darf Kindern unter 2 Jahren nicht gegeben werden, da keine ausreichenden

Erfahrungen vorliegen.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Risiken einer gleichzeitige Anwendung von sedierenden Arzneimitteln wie

Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel

Die gleichzeitige Anwendung von Tilidin HEXAL comp und sedierenden Arzneimitteln wie

Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel kann zu Sedierung, Atemdepression, Koma und

Tod führen. Aufgrund dieser Risiken ist die gleichzeitige Verschreibung mit diesen sedierenden

Arzneimitteln nur bei den Patienten angebracht, für die es keine alternativen

Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wenn dennoch eine gleichzeitige Verschreibung von Tilidin

HEXAL comp zusammen mit Sedativa für notwendig erachtet wird, sollte die niedrigste

wirksame Dosis verwendet werden und die Behandlungsdauer sollte so kurz wie möglich sein.

Die Patienten sollten engmaschig auf Anzeichen und Symptome von Atemdepression und

Sedierung überwacht werden. In diesem Zusammenhang wird dringend empfohlen, Patienten

und ihre Bezugspersonen über diese Symptome zu informieren (siehe Abschnitt 4.5).

Bei gleichzeitiger Anwendung von Tilidin HEXAL comp mit Arzneimitteln, die das serotonerge

Neurotransmittersystem beeinflussen, ist Vorsicht geboten. Die gleichzeitige Anwendung von

serotonergen Arzneimitteln kann zur Entwicklung eines potenziellen Serotonin-Syndroms führen

(siehe Abschnitt 4.5). Dies kann innerhalb der empfohlenen Dosierung auftreten. Im Rahmen

eines Serotonin-Syndroms können Änderungen des mentalen Zustandes (z. B. Unruhe,

Halluzinationen, Koma), autonome Instabilität (z. B. Tachykardie, instabiler Blutdruck,

Hyperthermie), neuromuskuläre Anomalien (z. B. Hyperreflexie, Koordinationsstörungen,

Steifigkeit) und/oder gastrointestinale Symptome (z. B. Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö) auftreten.

Wenn ein Serotonin-Syndrom vermutet wird, sollte das Absetzen von Tilidin HEXAL comp in

Betracht gezogen werden.

Bei Arzneimitteln mit Wirkung auf das ZNS besteht grundsätzlich die Gefahr der

missbräuchlichen Verwendung. Vor der Verschreibung von Tilidin HEXAL comp an Patienten,

die bereits von einem Pharmakon abhängig sind oder es waren oder die zu

Arzneimittelmissbrauch neigen, sollte deshalb die Indikationsstellung sorgfältig geprüft und die

Verabreichung von Tilidin HEXAL comp gewissenhaft überwacht werden.

Vor jedem Missbrauch von Tilidin HEXAL comp durch Drogenabhängige wird dringend gewarnt!

Bei Opiatabhängigen, die als Ersatz für Opiate wie Morphin oder Heroin Tilidin HEXAL comp in

hoher Dosis missbräuchlich einnehmen, löst Tilidin HEXAL comp akute Entzugserscheinungen

(Ängstlichkeit, Agitiertheit, Zittern, Schwitzen) aus oder verstärkt bereits bestehende

Entzugserscheinungen.

Tilidin HEXAL comp ist nicht zur Entzugsbehandlung geeignet!

Im Zusammenhang mit der Einnahme von Opioiden wurden Fälle von

Nebennierenrindeninsuffizienz berichtet. Die Manifestation einer Nebennierenrindeninsuffizienz

kann mit unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Müdigkeit, Schwäche,

Schwindel und niedrigem Blutdruck einhergehen. Da auch Fälle berichtet wurden, in denen die

Gabe eines anderen Opioids zu keinem erneuten Auftreten einer Nebennierenrindeninsuffizienz

führte, kann der Wechsel zu einem anderen Opioid in Betracht gezogen werden. Basierend auf

den verfügbaren Informationen besteht kein Hinweis darauf, dass bestimmte Opioide mit einer

höheren Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer Nebennierenrindeninsuffizienz assoziiert sind

als andere.

Die chronische Einnahme von Opioiden kann die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse

dahin gehend beeinflussen, dass es zu Androgenmangel kommen kann, der sich als geringe

Libido, Impotenz, erektile Dysfunktion, Amenorrhö oder Unfruchtbarkeit manifestieren kann.

Patienten, die Symptome eines Androgenmangels aufweisen, sollten Laboruntersuchungen

unterzogen werden.

Die Lösung ist zur oralen Anwendung bestimmt. Sie ist nicht für eine Injektion geeignet! Nach

einer derartigen Fehlanwendung können die darauf folgenden Entzugserscheinungen so stark

sein, dass lebensbedrohliche Komplikationen auftreten, z. B. Blutdruckkrisen, Kreislaufversagen.

Die Umstellung der Therapie auf Tilidin HEXAL comp bei Patienten, die bereits Opioide in

therapeutischer Dosierung erhalten, erfordert für die empfohlenen Dosierungen keine

besonderen Vorsichtsmaßnahmen hinsichtlich des Naloxon-Anteils.

Dieses Arzneimittel enthält 11,9 Vol.-% Alkohol.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Sedativa wie Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel

Die gleichzeitige Anwendung von Opioiden zusammen mit sedierenden Arzneimitteln wie

Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel erhöht das Risiko von Sedierung, Atemdepression,

Koma und Tod aufgrund einer additiven ZNS-dämpfenden Wirkung. Die Dosis und Dauer der

gleichzeitigen Anwendung sollten begrenzt werden (siehe Abschnitt 4.4).

Die gleichzeitige Gabe von Tilidin HEXAL comp mit einem serotonergen Arzneimittel, wie z. B.

einem selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder einem Serotonin-

Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), einem trizyklischen Antidepressivum (TZA),

einem Triptan, einem 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten, einem Arzneimittel, das das Serotonin-

Neurotransmittersystem beeinflusst (z. B. Mirtazapin, Trazodon, Tramadol) oder einem

Monoaminoxidase-Inhibitor (MAOI), kann das Risiko eines Serotonin-Syndroms, eines potenziell

lebensbedrohlichen Zustandes, erhöhen (siehe Abschnitt 4.4).

Bei gleichzeitiger Einnahme von Tilidin HEXAL comp und Alkohol kommt es zu einer

gegenseitigen Verstärkung und Verlängerung der Wirkungen auf das ZNS.

Tilidin HEXAL comp soll nicht mit anderen Opioiden kombiniert werden, da die resultierende

Wirkung aufgrund von Wechselwirkungen nicht abgeschätzt werden kann.

Aufgrund einer Studie an menschlichen Lebermikrosomen ist bekannt, dass Cytochrom P450

(CYP)3A4 und CYP2C19 offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Tilidin in

den wirksameren aktiven Metaboliten Nortilidin spielen (dieser wird dann sukzessiv in den

inaktiven Metaboliten Bisnortilidin umgewandelt). In einer klinischen Studie mit 16 Personen

führte die gleichzeitige Gabe von Voriconazol, das beide Enzyme ausgeprägt hemmt, zu einem

Anstieg der Tilidin-Exposition um das 20-Fache sowie zu einem unerwarteten Anstieg der

Nortilidin-Konzentration um etwa das 2,5-Fache mit einer entsprechenden Verstärkung des

analgetischen Effekts und der Gefahr einer Atemdepression. Die Hemmung von CYP3A4

und/oder CYP2C19 könnte die Wirksamkeit und das Verträglichkeitsprofil von Tilidin

beeinflussen, da hierüber die Bildung und/oder die Elimination des aktiven Metaboliten Nortilidin

vermittelt werden.

In Einzelfällen wurde bei Patienten, die Tilidin/Naloxon-haltige Arzneimittel

erhielten und unter

Dauerantikoagulation mit Phenprocoumon standen, ein Abfall des Quick-Wertes beobachtet.

Deshalb sollten die Kontrollen der Prothrombinzeit in der Anfangszeit und bei Beendigung der

Behandlung mit Tilidin HEXAL comp engmaschig erfolgen, um, wenn nötig, die

Phenprocoumon-Dosis entsprechend anpassen zu können.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Tilidin/Naloxon bei

Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf

gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität (siehe Abschnitt

5.3). Tilidin/Naloxon darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn,

der Nutzen der Behandlung überwiegt aufgrund des klinischen Zustands der Mutter die

potenziellen Risiken für den Fetus.

Stillzeit

Es wurde nachgewiesen, dass Tilidin in die Muttermilch übergeht. Das Stillen soll während der

Behandlung mit Tilidin/Naloxon unterbrochen werden.

Fertilität

Es liegen keine Daten zu den Wirkungen von Tilidin/Naloxon auf die menschliche Fertilität vor.

Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf gesundheitsschädliche Wirkungen in

Bezug auf die männliche und weibliche Fertilität (siehe Abschnitt 5.3).

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Tilidin HEXAL comp kann Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen so weit beeinträchtigen,

dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von

Maschinen nicht mehr gegeben ist.

Eine verstärkte Beeinträchtigung ist insbesondere bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung,

Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol oder der Einnahme von

Beruhigungsmitteln zu erwarten.

Die Entscheidung trifft in jedem Einzelfall der behandelnde Arzt. Bei stabiler Therapie ist ein

generelles Fahrverbot nicht zwingend erforderlich.

4.8 Nebenwirkungen

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:

Sehr häufig (

1/10)

Häufig (

1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich (

1/1.000 bis < 1/100)

Selten (

1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten (< 1/10.000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel, Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Nervosität

Gelegentlich: Somnolenz

Nicht bekannt: Halluzinationen, Verwirrtheitszustand, euphorische Stimmung, Tremor,

Hyperreflexie, Klonus

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig: zu Behandlungsbeginn Übelkeit und Erbrechen, die bei weiterer Behandlung nur

noch häufig bis gelegentlich oder selten vorkommen

Häufig: Diarrhö, Abdominalschmerz

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Häufig: vermehrtes Schwitzen

Diese Symptome können verstärkt unter körperlicher Belastung auftreten. Es ist dem Patienten

deshalb zu empfehlen, sich nicht körperlich anzustrengen und sich bei Schwindelgefühl

hinzulegen.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit.

Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des

Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer

Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Symptome einer Überdosierung

Zeichen einer Überdosierung von Tilidin HEXAL comp sind Schwindelgefühl, Benommenheit,

Übelkeit, Erbrechen, Ataxie, psychomotorische Unruhe und Hyperreflexie sowie Hyperventilation

und Hyperventilationstetanie. Bei sehr starker Überdosierung kann Atemdepression auftreten.

Starke Überdosierungen führen im Tierversuch zu kurzzeitigen Krämpfen. Grundsätzlich sollte

an die Möglichkeit einer Mehrfachintoxikation (Alkohol, psychoaktive Substanzen; bei

Suizidversuch) gedacht werden.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Primäre Giftentfernung durch Magenspülung, Resorptionsverminderung durch Kohlegabe,

Kreislaufstabilisierung durch Elektrolytinfusionen sowie Verbesserung der Atemfunktion durch

Sauerstoffinhalationen und kontrollierte Beatmung. Bei exzitatorischen Symptomen Diazepam

intravenös in üblicher Dosierung.

Als Antidot kann Naloxon (z. B. 0,4 mg) intravenös verabreicht werden, wobei die kurze

Wirkdauer von Naloxon beachtet werden muss.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Kombination aus einem stark wirksamen Analgetikum aus der

Gruppe der Opioide und einem Opioid-Antagonisten

ATC-Code: N02A X51

Tilidin ist ein Prodrug mit schwacher Opioidwirkung. Die eigentliche Wirksubstanz ist Nortilidin.

Naloxon ist ein reiner Opioid-Antagonist ohne agonistische Wirkung.

Die Kombination aus Tilidin und Naloxon soll unter Beibehalten der analgetischen Wirkung das

Missbrauchspotenzial vermindern. Das Mischungsverhältnis ist dabei so gewählt, dass der

Naloxon-Zusatz die analgetische Wirkung von Tilidin nicht beeinträchtigt. Bei Verwendung

unzulässig hoher Dosen durch Opiatabhängige gelangt aber so viel Naloxon in den Organismus,

dass ein Entzugssyndrom hervorgerufen werden kann.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Tilidin und Naloxon werden nach oraler Gabe rasch resorbiert. Beide Substanzen unterliegen

einem ausgeprägten First-Pass-Effekt. Tilidin wird überwiegend zu Nortilidin, der eigentlichen

Wirksubstanz, und weiter zu Bisnortilidin metabolisiert. Naloxon wird zu dem sehr schwach

pharmakologisch wirksamen Beta-Naloxol metabolisiert, beides wird glukuronidiert.

Aufgrund einer Studie an menschlichen Lebermikrosomen ist bekannt, dass CYP3A4 und

CYP2C19 offensichtlich eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Tilidin in den wirksameren

aktiven Metaboliten Nortilidin spielen (dieser wird dann sukzessiv in den inaktiven Metaboliten

Bisnortilidin umgewandelt). Die Hemmung von CYP3A4 und/oder CYP2C19 kann die

Wirksamkeit und das Verträglichkeitsprofil von Tilidin beeinflussen, da hierdurch die Bildung

und/oder die Elimination des aktiven Metaboliten Nortilidin vermittelt werden (siehe Abschnitt

4.5).

Die analgetische Wirkung tritt nach 10-15 Minuten ein.

Das Wirkungsmaximum wird nach etwa 25-50 Minuten erreicht (gemessen nach 100 mg Tilidin

plus 8 mg Naloxon oral), die Wirkdauer wird mit 4-6 Stunden angegeben.

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt für Nortilidin 3-5 Stunden und für Naloxon und seine

Metaboliten 3-4 Stunden.

Tilidin und Naloxon werden überwiegend metabolisiert renal eliminiert (Tilidin zu 90 %, Naloxon

zu über 70 %). Der Rest erscheint in den Fäzes. Nierenfunktionsstörungen können nicht zur

Kumulation pharmakologisch aktiver Metaboliten führen.

Bei Leberfunktionsstörungen ist in Abhängigkeit vom Ausmaß der Einschränkung die

Maximalkonzentration von Nortilidin im Plasma geringer als bei Lebergesunden und die

Halbwertszeit verlängert.

Naloxon, das bei Lebergesunden im Plasma - wenn überhaupt - nur für kurze Zeit in sehr

niedrigen Konzentrationen nachweisbar ist, erreicht bei Patienten mit Leberinsuffizienz deutlich

höhere Konzentrationen, die mit einer Halbwertszeit von ca. 2 Stunden durch weiteren

Metabolismus abklingen.

Es ist nicht sicher auszuschließen, dass bei Patienten mit hochgradiger Leberinsuffizienz die

Bildung von aktivem Nortilidin so gering sein kann, dass eine ausreichende analgetische

Wirkung unter Umständen nicht zu erreichen ist, und dass eine unzureichende Inaktivierung von

Naloxon durch Antagonisierung der Nortilidin-Wirkung zu einem weiteren Wirkungsverlust führen

kann, der insgesamt eine sinnvolle Therapie derartiger Patienten mit der Kombination in Frage

stellt.

Untersuchungen an Neugeborenen, deren Mütter i.v.-Gaben von Naloxon erhalten hatten,

lassen auf einen Plazentatransfer von Naloxon schließen.

Bioverfügbarkeit

Die relative Bioverfügbarkeit nach Einnahme der Lösung im Verhältnis zur intravenösen Injektion

ist gleich der absoluten systemischen Bioverfügbarkeit, da die eigentlich wirkende Substanz (+)-

Nortilidin erst bei der ersten Passage in der Leber gebildet wird.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Akute Toxizität

Die akute Toxizität von Tilidin(-hydrochlorid oder -phosphat) und Tilidinphosphat plus

Naloxonhydrochlorid wurde an Mäusen und Ratten geprüft. Dosen ≥ 100 mg/kg/Tag von Tilidin

oder der Kombination führten zu erhöhtem Muskeltonus, tonisch-klonischen Krämpfen,

Dyspnoe, Ataxie, Tremor, Agitiertheit und Tränenfluss. Es gab keine signifikanten

geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der akuten Toxizität. Bei Studien zur oralen Toxizität

zeigten sowohl Tilidin alleine als auch die Kombination mit Naloxon eine geringfügig erhöhte

akute Toxizität bei neugeborenen Ratten im Vergleich mit den erwachsenen Tieren.

Chronische Toxizität

Nagetiere und Hunde wurden 6 Monate lang mit einer Kombination von Tilidinhydrochlorid und

Naloxonhydrochlorid behandelt. Bei Nagern traten in hohen Dosen (≥ 50 mg/kg) verminderte

Nahrungsaufnahme, Speichelfluss, Ataxie, Diarrhö, Sedierung, erhöhte Lebergewichte sowie

Verfettung der Leber und der Zellen des Nierenkanälchenepithels auf. Bei Hunden führte die

gleiche Dosis zu verminderter Nahrungsaufnahme, Speichelfluss, Emesis, Ataxie, Diarrhö und

Sedierung.

Mutagenes und kanzerogenes Potenzial

Untersuchungen zur Mutagenität von Tilidinhydrochlorid im Ames-Test und in einer

Zytogenetikstudie an Knochenmarkzellen von Ratten verliefen negativ. Weiterhin waren

Naloxonhydrochlorid ebenso wie die Kombination von Tilidinhydrochlorid und

Naloxonhydrochlorid unauffällig in den umfassenden Mutagenitätsprüfungen.

Untersuchungen zum kanzerogenen Potenzial liegen weder für die Einzelstoffe noch für die

Kombination von Tilidin und Naloxon vor.

Reproduktionstoxizität

Weder an der Ratte noch am Kaninchen fanden sich nach oraler Verabreichung des

Kombinationsprodukts Hinweise auf ein teratogenes Potenzial. Bis zu einer Dosis von 45

mg/kg/Tag wurden auch keine anderen embryotoxischen Wirkungen beobachtet.

Nach einer Dosis von 135 mg/kg/Tag traten vermehrt Totgeburten und Jungtiersterblichkeit auf.

Bei Studien mit Tilidinhydrochlorid an Ratten ergab sich keine Beeinflussung der Fertilität.

Studien zur Reproduktionstoxizität mit Tilidin (Teratologie beim Kaninchen, Studie zur peri- und

postnatalen Entwicklung bei der Ratte, Fertilitätsstudie bei der Ratte) gaben bei Dosen von 25,

50 und 100 mg/kg keine Hinweise auf eine Reproduktionstoxizität oder Wirkungen auf die

Fertilität.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Ethanol 96 %

Salzsäure 32 %

gereinigtes Wasser

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend

6.3 Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

Haltbarkeit nach Anbruch

Nach Anbruch 3 Monate verwendbar.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Nicht über 30 °C lagern.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Packungen mit 10 ml, 20 ml Tropfen zum Einnehmen, Lösung sowie 50 ml und 100 ml Tropfen

zum Einnehmen, Lösung mit Dosierpumpe

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: medwiss@hexal.com

8.

ZULASSUNGSNUMMER

32988.00.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung:

14. August 1996

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung:

14. Oktober 2002

10. STAND DER INFORMATION

September 2018

11. VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig, Betäubungsmittel

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