Tiklyd Filmtablette

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Ticlopidinhydrochlorid
Verfügbar ab:
EurimPharm Arzneimittel GmbH
INN (Internationale Bezeichnung):
Ticlopidine hydrochloride
Darreichungsform:
Filmtablette
Zusammensetzung:
Ticlopidinhydrochlorid 250.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
38929.00.00

2477/78-ZP004b

Liebe Patientin, lieber Patient!

Bitte lesen Sie diese Gebrauchsinformation aufmerksam, weil sie wichtige Informationen darüber enthält, was

Sie bei der Anwendung dieses Arzneimittels beachten sollen. Wenden Sie sich bei Fragen bitte an Ihren Arzt

oder Apotheker.

Gebrauchsinformation

Tiklyd

Filmtabletten

Wirkstoff: Ticlopidinhydrochlorid

Zusammensetzung

Arzneilich wirksamer Bestandteil:

Eine Filmtablette enthält 250 mg Ticlopidinhydrochlorid.

Sonstige Bestandteile:

Mikrokristalline Cellulose, Citronensäure, Hydroxypropylmethylcellulose, Macrogol 8000, Magnesiumstearat,

Maisstärke, Polyvidon, Stearinsäure, Farbstoff Titandioxid (E 171).

Darreichungsform und Inhalt

Packungen mit 30 Filmtabletten

Packungen mit 90 Filmtabletten

Thrombozytenfunktionshemmer

Import, Umpackung und Vertrieb:

Hersteller:

Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH

Sanofi-Synthelabo

Am Gänslehen 4 -6

Gentilly Cedex

83451 Piding

(Frankreich)

Tel: 08651/704-0

Anwendungsgebiete

Zur Prophylaxe von thrombotischem Hirninfarkt bei Patienten nach transitorischen ischämischen Attacken

(TIA), reversiblem ischämischem neurologischem Defizit (RIND) bzw. zur Prophylaxe bei Patienten, die einen

thrombotischen Hirninfarkt durchgemacht haben (Sekundärprophylaxe).

Diese Indikationsgebiete gelten nur für Patienten, bei denen eine Behandlung mit Acetylsalicylsäure nicht

vertretbar ist.

Zur Vermeidung von Blutgerinnseln (Thrombozytenaggregation) bei Patienten mit Gerinnungsproblemen im

körperfremden Kreislauf bei der Blutwäsche (Shuntkomplikationen bei Hämodialyse), wenn Unverträglichkeit

gegenüber acetylsalicylsäurehaltigen Präparaten besteht.

Gegenanzeigen

Wann dürfen Sie Tiklyd nicht anwenden?

Tiklyd darf nicht angewendet werden bei:

- bestehenden oder aus der Vorgeschichte hervorgehenden Blutbildveränderungen, wie verminderte Anzahl der

weißen Blutkörperchen oder der Blutplättchen (Leukopenie, Agranulozytose, Thrombopenie),

- Überempfindlichkeit gegen Ticlopidin,

- Blutungsneigung (hämorrhagische Diathese),

- Erkrankungen mit Verlängerung der Blutungszeit,

- Organverletzungen mit Blutungsgefahr, z.B. akute Magen-Darm-Geschwüre und Gehirngefäßblutungen

(hämorrhagischer apoplektischer Insult).

Wann dürfen Sie Tiklyd erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt anwenden?

Im folgenden wird beschrieben, wann Sie Tiklyd nur unter bestimmten Bedingungen und nur mit besonderer

Vorsicht anwenden dürfen. Befragen Sie hierzu bitte Ihren Arzt. Dies gilt auch, wenn diese Angaben bei Ihnen

früher einmal zutrafen.

Da Ticlopidin hauptsächlich in der Leber verstoffwechselt wird, sollte Tiklyd bei Patienten mit

Lebererkrankungen mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden. Bitte suchen Sie bei Symptomen einer Gelbsucht

(Gelbfärbung der Haut, heller Stuhl, dunkler Urin) Ihren Arzt auf, der über das Absetzen von Tiklyd entscheidet.

Sollten Sie unter erhöhter Blutungsneigung leiden, z.B. nach Verletzungen, Operationen oder anderen

krankhaften Zuständen, soll die Therapie mit Tiklyd sorgfältig überwacht werden.

Bitte benachrichtigen Sie so früh wie möglich Ihren Arzt, sollten bei Ihnen Operationen, aber auch kleinere

Eingriffe, wie z.B. das Ziehen eines Zahnes, bevorstehen. Sofern die hemmende Funktion von Tiklyd auf die

Blutplättchen nicht erwünscht ist, wird der Arzt die Behandlung 10 Tage vor der Operation absetzen.

Im Falle einer nicht geplanten Operation kann der Arzt geeignete Maßnahmen zur Korrektur einer verlängerten

Blutungszeit bzw. zur Vermeidung einer Blutungsgefahr einleiten (einzeln oder in Kombination: Gabe von

Kortikosteroiden wie Methylprednisolon, von Desmopressin oder im Akutfall von im Plättchentyp

vergleichbarem Plättchenkonzentrat).

Was müssen Sie in Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Tiklyd soll in Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden, da keine ausreichenden Erfahrungen

über die Anwendung beim Menschen vorliegen.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Die Anwendung von Tiklyd bei Kindern wird nicht empfohlen.

Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung und Warnhinweise

Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen beachtet werden?

Vor Beginn und während der ersten drei Monate der Behandlung sind zum frühzeitigen Erkennen einer

beginnenden Blutbildveränderung Kontrollen des Blutbildes in 14tägigen Abständen erforderlich.

Sinkt die Anzahl eines Teils der weißen Blutkörperchen (Neutrophile) unter 1500/mm

ab, so ist sofort eine

zweite Blutuntersuchung durchzuführen. Bestätigen die Laboruntersuchungen eine Verminderung der Anzahl

spezieller weißer Blutkörperchen (< 1500 neutrophile Granulozyten/mm

) oder einen Rückgang der

Blutplättchenzahl (< 100000 Thrombozyten/mm

), so wird die Behandlung mit Tiklyd abgebrochen. Gewöhnlich

führt der Therapieabbruch zu einer Normalisierung des Blutbildes. Die Laboruntersuchungen sollen bis zur

Normalisierung des Blutbildes fortgeführt werden. Wird die Therapie aus anderen Gründen während der ersten

drei Monate abgebrochen, so ist 14 Tage nach Absetzen eine abschließende Kontrolle des Blutbildes notwendig.

Infektionen können Anzeichen einer Verminderung der Anzahl weißer Blutkörperchen (Neutropenie) sein.

Deshalb sollten Sie Ihrem Arzt das Auftreten von Fieber, Halsentzündungen oder Mundgeschwüren sofort

berichten.

Bei einer Verminderung der für die Blutgerinnung wichtigen Blutplättchen (Thrombopenie) können vermehrt

kleine Blutungen in der Haut oder den Schleimhäuten sowie Blutergüsse auftreten. Beobachten Sie

ungewöhnliche Blutungen sowie häufige Blutergüsse, so benachrichtigen Sie ebenfalls den behandelnden Arzt.

Er wird nach einer Blutbildkontrolle entscheiden, ob die Behandlung mit Tiklyd abgebrochen oder fortgesetzt

wird.

Haut- und Schleimhautblutungen sowie vermehrte Blutungen während und nach Operationen können auftreten.

Die beschriebenen Blutbildveränderungen und Blutungskomplikationen können unter bestimmten Umständen

lebensbedrohlich verlaufen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die notwendigen Kontrolluntersuchungen

nicht ordnungsgemäß durchgeführt oder die Nebenwirkungen zu spät erkannt und falsch behandelt werden. Bitte

suchen Sie daher Ihren Arzt regelmäßig zu den Kontrollterminen auf.

Während der ersten Behandlungsmonate kann es zu Leberfunktionsstörungen wie Leberentzündung und

Gelbsucht kommen. Bei Verdacht auf eine Leberfunktionsstörung sollten die Leberwerte kontrolliert werden,

besonders während der ersten 4 Behandlungsmonate, da es vor allem in dieser Zeit zu einer Erhöhung kommen

kann.

Sollten Sie Zeichen für eine Störung der Leberfunktion (z.B. Gelbfärbung der Haut, heller Stuhl, dunkler Urin),

unter Umständen auch in Kombination mit Anzeichen einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns

oder eines Schlaganfalls (z.B. Schwindelattacken, Gangunsicherheit, Sprachstörung, Schwäche einer

Körperhälfte), beobachten, suchen Sie bitte sofort Ihren Arzt auf.

Bei Einnahme bestimmter weiterer Medikamente sind Laborkontrollen erforderlich (s. „Wechselwirkungen mit

anderen Mitteln“).

Was müssen Sie im Straßenverkehr sowie bei der Arbeit mit Maschinen und bei Arbeiten ohne sicheren

Halt beachten?

Da bei der Anwendung von Tiklyd Nebenwirkungen wie Schwindel und Übelkeit auftreten können, kann im

Einzelfall die Fähigkeit zum Führen eines Kraftfahrzeugs und/oder zum Bedienen von Maschinen eingeschränkt

sein. Wenn Sie derartige Nebenwirkungen an sich bemerken, sollten Sie deshalb nicht selbst Auto fahren oder

Maschinen bedienen. Fragen Sie in Zweifelsfällen Ihren Arzt. Beachten Sie besonders, daß Alkohol Ihre

Verkehrstüchtigkeit verschlechtert!

Wechselwirkungen mit anderen Mitteln

Wie beeinflußt Tiklyd die Wirkung anderer Medikamente?

Welche anderen Arzneimittel beeinflussen die Wirkung von Tiklyd?

Wirkungsverstärkung:

Begleitbehandlung

anderen

Blutungsneigung

verstärkenden

Medikamenten

(z.B.

orale

Antikoagulanzien

oder

Funktion

Blutplättchen

beeinflussende

Arzneistoffe

Heparin,

Acetylsalicylsäure, sonstige Salicylate, nichtsteroidale Antirheumatika) sollte vermieden werden. Läßt sich eine

solche Kombination nicht vermeiden, sind engmaschige Laborkontrollen zur Überprüfung der Blutgerinnung

(Hämostase) erforderlich.

Wenn Sie von acetylsalicylsäurehaltigen Präparaten auf Tiklyd umstellen, kann eine noch vorhandene Wirkung

der Acetylsalicylsäure durch Tiklyd verstärkt werden.

Die Ausscheidung von Phenazon, das über bestimmte Leberenzyme (Cytochrom-P450-System) verstoffwechselt

wird, erfährt durch die übliche Behandlung mit Tiklyd eine Verlängerung um 25 %. Für Substanzen, die ähnlich

abgebaut werden (wie z.B. bestimmte Beruhigungs- und Schlafmittel), ist die gleiche Wirkung zu erwarten.

Auch bei Patienten mit Leberschaden ist mit einer verlängerten Ausscheidung zusätzlicher Medikamente zu

rechnen. Deshalb wird der Arzt zu Beginn und am Ende einer Therapie mit Tiklyd für Medikamente mit einer

schmalen Wirkungsbreite eine Dosisanpassung vornehmen, um die am besten wirksamen Blutspiegel

aufrechtzuerhalten.

Tiklyd vermindert die Ausscheidung von Theophyllin (Eliminationshalbwertszeit 12,2 statt 8,6 Stunden). Daher

muß während und nach einer Behandlung mit Tiklyd die Theophyllin-Dosis angepaßt werden.

Eine Langzeitbehandlung mit Cimetidin erhöht die Konzentration von Ticlopidin im Blut deutlich.

Wirkungsabschwächung:

Mittel gegen Übersäuerung des Magens (Antazida) senken die Konzentration von Ticlopidin im Blut um 20 %

bis 30 %.

Bei gleichzeitiger Gabe von Digoxin kommt es zu einer leichten Abnahme der Digoxin-Konzentration im Blut

(ca. 15 %). Dies läßt kaum eine Änderung der Wirkung von Digoxin erwarten.

Bei gleichzeitiger Gabe von Ciclosporin wurde über verringerte Ciclosporin-Blutspiegel berichtet. Daher wird

der Arzt die Ciclosporin-Spiegel im Blut kontrollieren und gegebenenfalls die Dosis anpassen.

Hinweis

Eine gleichzeitige Behandlung mit Tiklyd und Phenytoin sollte nur mit Vorsicht erfolgen. In Einzelfällen wurde

bei gleichzeitiger Behandlung über erhöhte Phenytoin-Blutspiegel und Phenytoin-Toxizität berichtet.

Gegebenenfalls sollten die Plasmaspiegel von Phenytoin bestimmt und die Dosis angepaßt werden.

Beachten Sie bitte, daß diese Angaben auch für vor kurzem angewendete Arzneimittel gelten können.

Welche Genußmittel, Speisen und Getränke sollten Sie meiden?

Bitte vermeiden Sie den Genuß von Alkohol, da dieser Ihre Reaktionsfähigkeit zusätzlich negativ beeinflussen

kann.

Dosierungsanleitung, Art und Dauer der Anwendung

Die folgenden Angaben gelten, soweit Ihnen Ihr Arzt Tiklyd nicht anders verordnet hat. Bitte halten Sie sich an

die Dosierungsvorschriften, da Tiklyd sonst nicht richtig wirken oder zu Unverträglichkeitsreaktionen führen

kann!

In welcher Menge und wie oft sollten Sie Tiklyd einnehmen?

Nehmen Sie 2mal täglich je 1 Filmtablette Tiklyd ein. Die Tagesdosis von 500 mg Ticlopidin sollte nicht

überschritten werden.

Wie und wann sollten Sie Tiklyd einnehmen?

Bitte nehmen Sie Tiklyd auf jeden Fall morgens und abends zu den Hauptmahlzeiten (nach der Hälfte des

Essens) ein, um die möglichen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Durchfall zu vermeiden.

Wie lange sollten Sie Tiklyd einnehmen?

Wie lange Sie Tiklyd anwenden, entscheidet Ihr Arzt nach Ihrem Krankheitsbild. In den meisten Fällen ist eine

Langzeittherapie angezeigt.

Anwendungsfehler und Überdosierung

Was ist zu tun, wenn Tiklyd in zu großen Mengen angewendet wurde (absichtliche oder versehentliche

Überdosierung)?

Bei Überdosierung ist eine verlängerte Blutungszeit zu erwarten. Ihr Arzt kann die Blutungszeit gegebenenfalls

mit Kortikosteroiden (Methylprednisolon), Desmopressin oder mit Thrombozytentransfusionen therapeutisch

beeinflussen.

Bei Tieren wurden bei zu hoher Dosierung zuweilen schwere Störungen im Magen-Darm-Bereich beobachtet.

Bitte suchen Sie bei Überdosierung einen Arzt auf, der gegebenenfalls den Wirkstoff mit entsprechenden

Maßnahmen aus dem Magen entfernt (induziertes Erbrechen, Magenspülung) und weitere unterstützende

Maßnahmen einleiten kann.

Ticlopidin ist nicht dialysierbar.

Was müssen Sie beachten, wenn Sie zuwenig Tiklyd eingenommen oder eine Anwendung vergessen

haben?

Haben Sie eine oder mehrere Anwendungen vergessen, nehmen Sie bitte die fehlenden Tabletten nicht

nachträglich auf einmal ein. Da Tiklyd über mehrere Tage fortwirkt, besteht auch bei fehlender Einnahme über

einige Tage eine wenn auch abnehmende Wirkung. Setzen Sie die übliche Einnahme zu den gewohnten Zeiten

fort. Bitte denken Sie daran, daß eine gute Wirksamkeit nur bei gleichbleibender Einnahme der Ihnen

verordneten Dosis erreicht werden kann!

Was müssen Sie beachten, wenn Sie die Behandlung unterbrechen oder vorzeitig beenden?

Ihr Arzt hat Ihnen Tiklyd verordnet, weil bei Ihnen ein erhöhtes Risiko für das Auftreten eines thrombotischen

Hirninfarktes besteht. Um dieses Risiko wirksam zu verringern, muß Tiklyd regelmäßig und langfristig

eingenommen werden. Wenn Sie die Behandlung unterbrechen oder abbrechen, geht die Wirksamkeit von Tiklyd

verloren. Bitte besprechen Sie daher in solchen Fällen mit Ihrem Arzt, ob Sie diese oder ggf. eine andere

Therapie fortsetzen sollen.

Wenn Sie Tiklyd absetzen, kann die Wirkung von Tiklyd noch bis zu 10 Tagen nachweisbar sein. Dies kann für

die Einnahme anderer Medikamente wichtig sein, außerdem besteht über diesen Zeitraum eine erhöhte

Blutungsneigung.

Nebenwirkungen

Welche Nebenwirkungen können bei der Anwendung von Tiklyd auftreten?

Wenn Sie Nebenwirkungen an sich beobachten, die nicht in dieser Packungsbeilage aufgeführt sind, teilen Sie

diese bitte Ihrem Arzt oder Apotheker mit.

Folgende Blutbildveränderungen können beobachtet werden: gelegentlich eine Abnahme weißer Blutkörperchen

(Neutropenie, Agranulozytose); selten verminderte Anzahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie), manchmal in

Verbindung mit einem gleichzeitigen Abbau roter Blutkörperchen (hämolytische Anämie). Ferner kann die

Anzahl aller Blutzellen (Panzytopenie) vermindert sein. Seltene Fälle von Verminderung der blutbildenden

Zellen im Knochenmark (Knochenmarkaplasie oder Panzytopenie) wurden beobachtet. Sehr selten können

thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (Moschcowitz-Syndrom) auftreten.

Gelegentlich traten Haut- und Schleimhautblutungen auf. Vermehrte Blutungen während und nach Operationen

oder Blutungen im Kopfbereich (intrakranielle Blutungen) sind beobachtet worden.

Selten kommt es während der ersten Behandlungsmonate zu Leberfunktionsstörungen wie Leberentzündungen

und Gelbsucht.

Die Langzeitbehandlung mit Tiklyd führt zu höheren Blutfettwerten (Anstieg von HDL-, LDL-, VLDL-

Cholesterin und Triglyzeriden im Serum). 1 bis 4 Monate nach Beginn der Therapie liegen die Konzentrationen

im Blut 8–10 % über den Ausgangswerten. Danach wird kein weiterer Anstieg beobachtet. Das Verhältnis der

verschiedenen Blutfettbestandteile (insbesondere HDL- zu LDL-Cholesterin) zueinander bleibt unverändert.

Klinische Untersuchungen belegen, daß diese Wirkung von Alter, Geschlecht, Alkoholgenuß oder Diabetes

unabhängig ist. Auch besteht kein erhöhtes Risiko für Herz- oder Gefäßerkrankungen.

Magen-Darm-Störungen (z.B. Durchfall, Übelkeit, Erbrechen usw.) sind vermehrt beobachtet worden. Diese

meist mäßig ausgeprägten Begleiterscheinungen treten vor allem in den ersten 3 Behandlungsmonaten auf und

klingen im Verlauf der Therapie häufig innerhalb 1 bis 2 Wochen spontan ab. Bei schweren Verlaufsformen ist

ein Therapieabbruch notwendig. Im Falle eines schweren Durchfalles muß auf genügend Flüssigkeitszufuhr

geachtet werden. Über einzelne Fälle von schwerem Durchfall mit entzündlichen Darmveränderungen (Diarrhö

mit Colitis) wurde berichtet.

Gelegentlich treten Schwindel, Kopfschmerzen bzw. Schmerzen an anderen Körperstellen sowie Schwäche oder

Appetitlosigkeit auf.

Daneben

werden

selten

verschiedenartige

Befindlichkeitsstörungen

Unwohlsein,

Benommenheit,

Ohrensausen, Herzklopfen, Nervosität, Schlaflosigkeit, Schwitzen, Sensibilitätsstörungen, Veränderung der

Geschmacks-empfindung oder depressive Verstimmung beobachtet.

Gelegentlich sind allergische Hautreaktionen (z.B. Hautausschlag, Juckreiz, Nesselsucht) zu beobachten, die,

wenn sie auftreten, gewöhnlich innerhalb der ersten 3 Behandlungsmonate nach einer durchschnittlichen

Behandlungsdauer von 11 Tagen zu sehen sind. Wird die Behandlung unterbrochen, bilden sich die Symptome

innerhalb weniger Tage zurück. Vereinzelt wurden Fälle mit stark ausgeprägten Hautausschlägen, die auch in

generalisierter Form auftreten können, oder schwere Hautreaktionen (Erythema multiforme und Stevens-

Johnson-Syndrom) bekannt.

In Einzelfällen wurde über körpereigene Abwehrreaktionen (Immunreaktionen), wie z.B. Quincke-Ödem, Ge-

fäßentzündung (Vaskulitis), allergische oder Überempfindlichkeitsreaktionen von u. U. lebensbedrohlichem

Ausmaß (Anaphylaxie, Pneumopathie), Gelenkschmerzen, Lupus erythematodes (Gefäßentzündung mit

möglichen Veränderungen an Haut, Gelenken und inneren Organen) oder Nierenentzündung (Nephritis),

berichtet.

Welche Gegenmaßnahmen sind bei Nebenwirkungen zu ergreifen?

Dies kann nur Ihr behandelnder Arzt entscheiden. Bitte nehmen Sie deshalb sofort Kontakt mit Ihrem Arzt auf.

Hinweise und Angaben zur Haltbarkeit des Arzneimittels

Das Verfallsdatum von Tiklyd ist auf der Faltschachtel und den Blisterstreifen aufgedruckt. Verwenden Sie das

Arzneimittel nach diesem Datum nicht mehr.

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren!

Stand der Information

Juli 2000

Sehr geehrte Patientin, sehr geehrter Patient,

Sie haben heute das Medikament Tiklyd erhalten mit dem Ziel, bei Ihnen das Schlaganfall-Risiko zu senken.

Bitte beachten Sie im Interesse Ihrer Sicherheit folgendes:

1. Informieren Sie jeden Arzt oder Zahnarzt, der Sie behandelt, darüber, daß Sie Tiklyd einnehmen.

2. Vor Beginn und während der ersten 3 Monate der Behandlung mit Tiklyd sind in 14tägigen Abständen

Kontrollen des Differentialblutbildes erforderlich, um eine mögliche beginnende Blutbildveränderung

frühzeitig zu erkennen.

Bei einer eventuell auftretenden Veränderung führt das Absetzen von Tiklyd gewöhnlich zu einer

Normalisierung des Blutbildes.

3. Falls Sie verstärkt zu Blutungen neigen, z.B. als Folge von Verletzungen oder Operationen, dann sollten Sie

besonders sorgfältig überwacht werden. Tiklyd verlängert die Blutungszeit. Bei allen ärztlichen oder

zahnärztlichen Maßnahmen, die Blutungen nach sich ziehen können, sollten Sie daher Ihren Arzt bzw.

Zahnarzt so früh wie möglich auf die Tiklyd-Behandlung hinweisen. Gegebenenfalls sollte bei geplanten

operativen Eingriffen das Medikament 10 Tage vorher abgesetzt werden.

4. Sie sollten Tiklyd sofort absetzen und Ihren Arzt aufsuchen, wenn Sie

irgendein Anzeichen

einer

Infektion,

z.B.

Fieber,

Schüttelfrost,

Halsentzündung,

wunde

Mundschleimhaut,

- eine ungewöhnliche Blutung, Blutergüsse, sehr dunklen Stuhl,

- Anzeichen einer Gelbsucht (z.B. Gelbfärbung der Haut oder der Bindehaut der Augen, dunkler Urin oder

heller bzw. blasser Stuhl),

- eine Kombination aus Anzeichen einer Gelbsucht (siehe oben), kleine Blutungen in der Haut, Blässe, Fieber

und/oder Anzeichen einer vorübergehenden Durchblutungsstörung des Gehirns bzw. eines Schlaganfalls (z.B.

Schwindelattacken, Gangunsicherheit, Sprachstörung, Schwäche einer Körperhälfte)

bemerken, da dies erste Zeichen einer unerwünschten Wirkung sein können.

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Diese Packung wurde von der Firma Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH,

83451 Piding, importiert. Der Beipackzettel wurde ebenfalls von der

Firma Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH gedruckt und hinzugefügt.

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Fachinformation

Tiklyd

1.

1. Bezeichnung des Arzneimittels

2.

Tiklyd

3.

Wirkstoff: Ticlopidinhydrochlorid

4.

2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung

1 Filmtablette enthält

250 mg Ticlopidinhydrochlorid

(entsprechend 219,6 mg Ticlopidin)

3. Darreichungsform

Filmtabletten

Tiklyd 250 mg Filmtabletten sind weiß, rund, bikonvex und mit einem Film überzogen

5.

4. Klinische Angaben

6.

4.1 Anwendungsgebiete

Zur Prophylaxe von thrombotischem Hirninfarkt bei Patienten nach transitorischen ischämischen Attacken (TIA),

reversiblem ischämischem neurologischem Defizit (RIND) bzw. zur Prophylaxe bei Patienten, die einen thrombotischen

Hirninfarkt durchgemacht haben (Sekundärprophylaxe). Diese Indikationen gelten nur für Patienten, bei denen eine

Behandlung mit Acetylsalicylsäure nicht vertretbar ist.

Hemmung

Thrombozytenaggregation

Hämodialysepatienten

Shuntkomplikationen,

wenn

Unverträglichkeit gegenüber acetylsalicylsäurehaltigen Präparaten besteht.

7.

4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Erwachsene

Die übliche Dosierung bei den angegebenen Indikationen liegt für Erwachsene bei 2-mal je 1 Filmtablette pro Tag. Die

Tagesdosis von 500 mg Ticlopidinhydrochlorid sollte nicht überschritten werden.

Um die möglichen gastrointestinalen Nebenwirkungen wie Übelkeit und Diarrhö zu vermeiden bzw. zu vermindern, soll

die Tagesdosis auf jeden Fall nur auf zwei Dosen verteilt zu zwei Hauptmahlzeiten (nach der Hälfte des Essens)

eingenommen werden.

Die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Krankheitsbild. Meist ist eine Langzeitbehandlung angezeigt.

Eingeschränkte Leberfunktion

Da Ticlopidin hauptsächlich in der Leber metabolisiert wird, sollte Tiklyd bei Patienten mit Lebererkrankungen mit

besonderer Vorsicht angewandt werden.

Kinder

Die Anwendung bei Kindern wird nicht empfohlen.

8.

4.3 Gegenanzeigen

Tiklyd darf nicht angewendet werden bei hämorrhagischen Diathesen, Erkrankungen mit Verlängerung der Blutungszeit

sowie Organläsionen mit Blutungsneigung, wie z.B. akuten Magen-Darm-Geschwüren oder hämorrhagischem

apoplektischen Insult.

Auch bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Ticlopidin sowie bei bestehenden oder aus der Anamnese hervorgehenden

Blutbildveränderungen, wie z.B. Neutropenie oder Thrombozytopenie, darf Tiklyd nicht angewendet werden.

9.

4.4 Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Es ist unbedingt notwendig, die zugelassenen Indikationen, Gegenanzeigen und Warnhinweise von Tiklyd strikt zu

beachten.

November 2002

Fachinformation

Tiklyd

Blutbildveränderungen

Vor Beginn und während der ersten 3 Monate der Behandlung mit Tiklyd sind zum frühzeitigen Erkennen einer

beginnenden Blutbildveränderung Kontrollen des Differenzialblutbildes und der Thrombozytenzahl in 14-tägigen

Abständen erforderlich!

Sinkt die Neutrophilenzahl unter 1500/mm

ab, so ist sofort eine zweite Blutuntersuchung durchzuführen. Bestätigen

Laboruntersuchungen das Vorliegen einer Neutropenie (< 1500 neutrophile Granulozyten/mm

) oder Thrombopenie (<

100000 Thrombozyten/mm

), so ist die Behandlung mit Tiklyd abzubrechen.

Sollte aus anderen Gründen die Therapie mit Tiklyd innerhalb der ersten 3 Monate abgebrochen werden, so ist 14 Tage

nach Therapieende eine Kontrolle des Differenzialblutbildes durchzuführen.

Gewöhnlich führt der Therapieabbruch zu einer Normalisierung des Blutbildes (Differenzialblutbild kontrollieren, bis sich

die Zahl der Neutrophilen bzw. Thrombozyten wieder normalisiert hat).

Diese Blutbildveränderungen werden im Allgemeinen während der ersten 3 Monate nach Beginn der Behandlung gesehen

und sind zum Teil mit Anzeichen einer Infektion oder anderen klinischen Symptomen kombiniert.

Blutungskomplikationen und Operationen

Patienten mit erhöhter Blutungsneigung, z.B. nach Traumata, Operationen oder anderen pathologischen Zuständen, sind

sorgfältig zu überwachen. Bei bevorstehenden, auch kleineren operativen Eingriffen (z.B. Zahnextraktionen) ist die

verlängerte Blutungszeit zu beachten. Sofern der plättchenfunktionshemmende Effekt von Tiklyd vor einem Wahleingriff

nicht erwünscht ist, ist die Behandlung 10 Tage vor der Operation abzusetzen.

Im Falle einer nicht geplanten Operation kann zur Korrektur einer verlängerten Blutungszeit bzw. zur Minimierung eines

Blutungsrisikos die Gabe von Kortikosteroiden mit vasokonstriktiven Eigenschaften (Methylprednisolon, Anwendung

gemäß Herstellerangaben), von DDAVP (Desmopressin, Anwendung gemäß Herstellerangaben) oder von im Gewebetyp

vergleichbarem Plättchenkonzentrat allein oder in Kombination erwogen werden.

Schwere Verlaufsformen hämatologischer oder hämorrhagischer Nebenwirkungen treten besonders dann auf, wenn

- die Kontrolluntersuchungen nicht korrekt durchgeführt werden, die Diagnose zu spät gestellt wird und falsche

Maßnahmen zur Behandlung der Nebenwirkungen ergriffen werden,

- gleichzeitig andere die Blutungsneigung fördernde Medikamente (vgl. Punkt 4.5 „Wechselwirkungen”) eingenommen

werden.

Leberfunktionsstörungen

Tiklyd sollte bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion mit Vorsicht angewendet werden.

Bei Verdacht auf Leberfunktionsstörungen sollten die Leberwerte kontrolliert werden, besonders während der ersten 4

Monate der Behandlung.

Bei klinischen Anzeichen einer Hepatitis oder eines Ikterus soll Tiklyd abgesetzt und ein Leberfunktionstest durchgeführt

werden.

Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP, Moschcowitz-Syndrom)

Klinische Anzeichen einer sehr selten auftretenden, potenziell letal verlaufenden TTP sind: Thrombozytopenie,

Hämolysezeichen, Fieber, neurologische Symptome, die denen einer TIA oder eines Schlaganfalls gleichen, oder Zeichen

einer Nierenschädigung. Die Symptome können in unterschiedlicher Ausprägung und Kombination auftreten. Eine TTP

kann per-akut auftreten, die meisten Fälle wurden innerhalb der ersten 8 Wochen nach Therapiebeginn dokumentiert. Bei

Verdacht auf eine TTP sollte ein Hämatologe hinzugezogen bzw. der Patient in eine entsprechende Klinik eingewiesen

werden.

Eine Therapie mit Plasmapherese kann die Prognose deutlich verbessern. Da die Gabe von Thrombozyten zu verstärkter

Thrombosierung führen kann, sollte sie möglichst unterbleiben.

Aufklärungspflicht

Jeder Patient, der Tiklyd einnimmt, muss von seinem Arzt angehalten werden, Symptome, die Zeichen einer

Neutropenie (Fieber, Halsentzündungen, Mundgeschwüre), einer Thrombozytopenie und/oder gestörten Hämostase

November 2002

Fachinformation

Tiklyd

(verlängerte oder ungewöhnliche Blutungen, Hämatome, Purpura, Teerstuhl) oder einer TTP (s.o.) darstellen können, zu

berichten. Bei Auftreten dieser Symptome sollte sofort eine Blutbildkontrolle erfolgen. Der behandelnde Arzt

entscheidet dann, ob die Behandlung mit Tiklyd abgebrochen oder fortgesetzt wird.

Dem Patienten sollen auch Symptome einer Hepatitis (Gelbsucht, z.B. heller Stuhl, dunkler Urin) erklärt werden; er soll

dazu angehalten werden, entsprechende Symptome dem Arzt zu berichten.

10.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Wirkungsverstärkung

Die Begleitbehandlung mit anderen die Blutungsneigung fördernden Medikamenten (z.B. orale Antikoagulanzien oder die

Thrombozytenfunktion beeinflussende Arzneistoffe wie Heparin, Acetylsalicylsäure, sonstige Salicylate, nichtsteroidale

Antirheumatika) sollte vermieden werden. Lässt sich eine Kombination von Tiklyd mit solchen Medikamenten nicht

vermeiden, so sind engmaschige Laborkontrollen zur Überprüfung der Hämostase erforderlich.

Bei Umstellung von acetylsalicylsäurehaltigen Präparaten auf Tiklyd ist zu beachten, dass eine noch vorhandene Wirkung

von Acetylsalicylsäure durch Tiklyd verstärkt werden kann.

Die chronische Verabreichung von Cimetidin erhöht die Ticlopidin-Plasmaspiegel signifikant.

Bei gleichzeitiger Verabreichung von Tiklyd und Theophyllin kommt es zu einem signifikanten Anstieg der

Eliminationshalbwertszeit des Theophyllins von 8,6 auf 12,2 Stunden und zu einer vergleichbaren Reduktion der

Gesamtplasmaclearance von Theophyllin. Wegen des Risikos einer Überdosierung ist die Theophyllindosis während und

auch nach einer Behandlung mit Tiklyd anzupassen.

Die Plasmahalbwertszeit von Phenazon, das über das mikrosomale hepatische Enzymsystem (Cytochrom-P450-System)

metabolisiert wird, erfährt durch therapeutische Dosen von Ticlopidin eine Verlängerung um 25 %. Für Substanzen, die

ähnlich metabolisiert werden (z.B. bestimmte Beruhigungs- und Schlafmittel), ist eine analoge Wirkung zu erwarten. Auch

bei Patienten mit Leberschaden ist mit einer Verlängerung der Plasmahalbwertszeit zu rechnen. In diesen Fällen ist

insbesondere für Substanzen mit geringer therapeutischer Breite zu Beginn und am Ende einer Begleitbehandlung mit

Tiklyd eine Dosisanpassung vorzunehmen, um optimale therapeutische Blutspiegel aufrechtzuerhalten.

Wirkungsabschwächung

Bei der Gabe von Tiklyd nach Antazida werden 20-30 % niedrigere Ticlopidin-Plasmaspiegel beobachtet.

Bei gleichzeitiger Gabe von Ciclosporin wurde über verringerte Ciclosporin-Blutspiegel berichtet. Die Ciclosporin-Spiegel

sollten kontrolliert, die Dosis gegebenenfalls angepasst werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Digoxin kommt es zu einer leichten Abnahme (ca. 15 %) der Digoxin-Plasmaspiegel. Dies

lässt kaum eine Änderung des therapeutischen Effektes von Digoxin erwarten.

Weitere Angaben zu Arzneimittelwechselwirkungen

Die chronische Verabreichung von Phenobarbital zeigte bei einer Untersuchung an gesunden Probanden keinen Einfluss

auf die Hemmung der Plättchenaggregation durch Ticlopidin.

Klinisch relevante Interaktionen mit Betarezeptorenblockern, Kalziumantagonisten und Diuretika wurden bislang nicht

beobachtet. Wechselwirkungen mit Substanzen, die ebenfalls eine hohe Proteinbindung aufweisen, wie Propranolol oder

Phenytoin, traten in In-vitro-Untersuchungen nicht auf. Da jedoch der Einfluss von Ticlopidin und seiner Metaboliten auf

die Plasmaproteinbindung von Phenytoin noch nicht in vivo untersucht wurde, sollte die gleichzeitige Behandlung mit

Phenytoin und Ticlopidin nur mit Vorsicht erfolgen. In Einzelfällen wurde bei gleichzeitiger Behandlung über erhöhte

Phenytoin-Plasmaspiegel und Phenytoin-Toxizität berichtet. Gegebenenfalls sollten die Plasmaspiegel von Phenytoin

bestimmt und angepasst werden.

4.6 Anwendung während Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

November 2002

Fachinformation

Tiklyd

Ticlopidin passiert die Plazentaschranke. Tierexperimentelle Untersuchungen ergaben zwar keine Hinweise auf teratogene

Wirkungen von Ticlopidin, doch liegen keine ausreichenden Erfahrungen über die Anwendung beim Menschen vor.

Deshalb soll Tiklyd während der Schwangerschaft nicht verabreicht werden.

Stillzeit

Ticlopidin tritt in die Muttermilch über, deshalb soll Tiklyd während der Stillzeit nicht verabreicht werden.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die

Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in

verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

11.

4.8 Nebenwirkungen

Blutbildveränderungen und Hämorrhagien

Gelegentlich werden Blutbildveränderungen wie Neutropenie oder Agranulozytose, typischerweise mit Reduktion der

Myeloid-Vorläufer-Zellen im Knochenmark, beobachtet. Seltene Fälle von Knochenmarkaplasie oder Panzytopenie

wurden beobachtet.

Gelegentlich traten hämorrhagische Nebenwirkungen wie Ekchymosen, Epistaxis, Hämaturie sowie gastrointestinale

Blutungen auf. Peri- bzw. postoperativ erhöhte Blutungsneigung oder intrakranielle Blutungen sind beobachtet worden.

Selten tritt Thrombozytopenie (80000/mm

) isoliert oder in Kombination mit hämolytischer Anämie, ferner Panzytopenie

und in sehr seltenen Fällen thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (Moschcowitz-Syndrom) auf.

Über hämatologische und hämorrhagische Nebenwirkungen mit lebensbedrohlichem Verlauf wurde berichtet.

Notwendige Blutbildkontrollen und weitere Hinweise siehe Punkt 4.4 „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die

Anwendung“!

Leberfunktionsstörungen

Selten kommt es während der ersten Behandlungsmonate zu Leberfunktionsstörungen wie Hepatitis (zytolytisch und

cholestatisch) und cholestatischem Ikterus. Vorherrschend ist eine cholestatische Symptomatik mit häufig starkem Anstieg

der alkalischen Phosphatasen (AP) und von konjugiertem Bilirubin, während die Transaminasen im Allgemeinen nur mäßig

erhöht werden. Die höchsten Werte werden während der ersten 4 Behandlungsmonate gemessen. Es wurde über sehr

seltene Fälle mit tödlichem Ausgang berichtet.

Die Langzeitbehandlung mit Ticlopidin führt zu höheren Serumwerten von HDL, LDL, VLDL, Cholesterin und

Triglyzeriden. 1 bis 4 Monate nach Beginn der Therapie liegen die Serumspiegel 8-10 % über den Ausgangswerten. Ein

weiterer Anstieg im weiteren Therapieverlauf wird nicht registriert. Das Verhältnis der Lipoprotein-Subfraktionen

(insbesondere HDL zu LDL) bleibt unverändert. Wie klinische Studien belegen, ist diese Wirkung nicht mit Alter,

Geschlecht, Alkoholgenuss oder Diabetes korreliert. Auch besteht kein Zusammenhang zu einem kardiovaskulären Risiko.

Siehe auch Punkt 4.4. „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung“.

Sonstige Nebenwirkungen

Vermehrt sind gastrointestinale Störungen (z.B. Diarrhö, Nausea, Erbrechen etc.) beobachtet worden. Diese vor allem in

den ersten 3 Monaten auftretenden, meist moderat ausgeprägten Begleiterscheinungen klingen jedoch im Verlauf der

Therapie häufig innerhalb 1-2 Wochen spontan ab. In Einzelfällen wurde von schwerer Diarrhö mit Colitis (einschließlich

lymphozytärer Colitis) berichtet. Bei schweren Verlaufsformen ist ein Therapieabbruch notwendig. Im Falle einer

schweren Diarrhö ist eine Rehydratation, wenn notwendig, durchzuführen.

Einnahmehinweise siehe Punkt 4.2. „Dosierung, Art und Weise der Anwendung“.

Gelegentlich treten Schwindel, Kopfschmerzen bzw. Schmerzen anderer Lokalisation sowie Asthenie oder Anorexie auf.

Selten werden verschiedenartige Befindlichkeitsstörungen wie Unwohlsein, Benommenheit, Tinnitus, Herzklopfen,

Nervosität, Schlaflosigkeit, Schwitzen, Sensibilitätsstörungen, Veränderung der Geschmacksempfindung oder depressive

Verstimmung beobachtet.

Gelegentlich kommt es zu allergischen Hautreaktionen (z.B. Exanthemen, Pruritus oder Urtikaria). Falls diese

Nebenwirkungen auftreten, so sind sie gewöhnlich innerhalb der ersten 3 Behandlungsmonate nach einer

durchschnittlichen Behandlungsdauer von 11 Tagen zu sehen. Wenn die Behandlung unterbrochen wird, bilden sich die

November 2002

Fachinformation

Tiklyd

Symptome innerhalb weniger Tage zurück. Vereinzelt wurde über stark ausgeprägte Hautausschläge, die in generalisierter

Form auftreten können, und auch über Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom berichtet.

In Einzelfällen wurde über immunologische Reaktionen mit verschiedenen Erscheinungsbildern, wie z.B. Quincke-Ödem,

Vaskulitis, Anaphylaxie, Arthralgie, allergische Pneumopathie, Lupus erythematodes oder Nephritis berichtet.

Sehr selten wurde über isoliert aufgetretenes Fieber berichtet.

12.

4.9 Überdosierung

Bei einer Überdosierung werden neben einer sorgfältigen Überwachung der Patienten induziertes Erbrechen,

Magenspülung und andere allgemein unterstützende Maßnahmen empfohlen.

Ticlopidin ist nicht dialysierbar.

Zur Korrektur einer verlängerten Blutungszeit kann die Gabe von Kortikosteroiden mit vasokonstriktiven Eigenschaften

(Methylprednisolon,

Anwendung

gemäß

Herstellerangaben),

DDAVP

(Desmopressin,

Anwendung

gemäß

Herstellerangaben) oder von im Gewebetyp vergleichbarem Plättchenkonzentrat allein oder in Kombination erwogen

werden.

In tierexperimentellen Untersuchungen wurden nach Überdosierung zuweilen schwere gastrointestinale Störungen

beobachtet.

13.

5. Pharmakologische Eigenschaften

13.1

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe:

Thrombozytenfunktionshemmer (ADP-Antagonist)

ATC-Code: B01AC/05

Ticlopidin ist ein ADP-antagonisierender Plättchenfunktionshemmer mit einem eigenständigen pharmakologischen Profil.

Oral verabreicht, bewirkt die Substanz eine dosis- und zeitabhängige Hemmung der Thrombozytenaggregation sowie der

Freisetzung von Plättchenfaktoren und eine Verlängerung der Blutungszeit. Die Substanz weist keine signifikante In-vitro-

Aktivität auf, ein aktiver Metabolit konnte beim Menschen jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.

Ticlopidin greift in die Thrombozytenmembranfunktion ein, indem es die ADP-induzierte Plättchenfibrinogenbindung und

die Plättchen-Plättchen-Interaktionen hemmt. Der genaue Wirkungsmechanismus ist nicht vollständig geklärt; im

Gegensatz zu Acetylsalicylsäure wirkt Ticlopidin jedoch nicht über eine Beeinflussung des Prostacyclin-Thromboxan-

Antagonismus. Auch die cAMP-Konzentration in Plättchen scheint für die Wirkung von Ticlopidin keine Bedeutung zu

haben.

Bei therapeutischen Dosen wird die durch ADP in einer Konzentration von 2,5 µmol/l induzierte Plättchenaggregation zu

50 bis 70 % gehemmt. Niedrigere Dosierungen weisen eine entsprechend geringere Hemmwirkung auf.

Eine Hemmung der Plättchenaggregation ist innerhalb von zwei Tagen nach Verabreichung von 2-mal 250 mg

Ticlopidinhydrochlorid/Tag nachweisbar. Das Maximum dieser Wirkung tritt nach 5- bis 8-tägiger Behandlung mit 2-mal

täglich 250 mg ein.

Die mittels Simplate-Template-Methode bei einem Manschettendruck von 40 mmHg bestimmte Blutungszeit wird

gegenüber den Ausgangswerten um das Zweifache verlängert. Die Blutungszeitverlängerung ohne Stauung ist deutlich

weniger ausgeprägt.

Die Wirkung von Ticlopidin auf die Plättchenfunktion ist irreversibel. So wird die Fibrinogenbindung nach dem Waschen

der Plättchen und die Plättchenaggregation nach Resuspension der Plättchen im gepufferten Medium gehemmt.

Nach Absetzen der Tiklyd-Behandlung normalisieren sich Blutungszeit und andere Plättchenfunktionstests bei der

Mehrzahl der Patienten innerhalb einer Woche. Bei den empfohlenen therapeutischen Dosen hat Ticlopidin über die

Hemmung der Plättchenfunktion hinaus keine andere signifikante pharmakologische Wirkung.

13.2

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Nach einmaliger oraler Gabe einer therapeutischen Dosis von Ticlopidinhydrochlorid erfolgt eine rasche, nahezu

vollständige Resorption. Spitzenplasmawerte treten etwa 2 Stunden nach Verabreichung auf. Durch die Einnahme von

November 2002

Fachinformation

Tiklyd

Tiklyd nach den Mahlzeiten verbessert sich die Bioverfügbarkeit. Da gegenwärtig keine injizierbare Form von Ticlopidin

zur Verfügung steht, lässt sich die absolute Bioverfügbarkeit nicht bestimmen.

Steady-State-Plasmaspiegel werden bei Gabe von 2-mal täglich 250 mg Ticlopidinhydrochlorid nach 7-10 Tagen erreicht.

Die durchschnittliche terminale Eliminationshalbwertszeit beim Steady State beträgt annähernd 30-50 Stunden. Die

Hemmung der Plättchenaggregation korreliert jedoch nicht mit den Plasmaspiegeln der Substanz.

Ticlopidin ist reversibel (zu 98 %) an Plasmaproteine, vorwiegend Serumalbumin und Lipoproteine, gebunden. Die

Bindung an diese beiden Proteine ist über einen großen Konzentrationsbereich nicht gesättigt. Demgegenüber zeigt die

Bindung an saures Alpha

-Glykoprotein eine Sättigung. Einige der Metaboliten sind kovalent an Plasmaproteine gebunden.

Die Metabolisierung von Ticlopidin erfolgt hauptsächlich in der Leber. Im Urin ist kein unverändertes Ticlopidin

nachweisbar. Nach oraler Gabe radioaktiv markierten Ticlopidins wurden 50-60 % der Radioaktivität im Urin und 23-30 %

in den Faeces wieder gefunden. Es besteht ein enterohepatischer Kreislauf.

Eingeschränkte Leberfunktion

Patienten mit Leberfunktionsstörungen weisen nach einmaliger und wiederholter Verabreichung höhere Plasmaspiegel

unveränderten Ticlopidins auf als gesunde Probanden.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Akute Toxizität

In Untersuchungen zur akuten Toxizität fanden sich nach peroraler Verabreichung LD

-Werte zwischen 600-850 mg

(Maus) und 1500-1938 mg Ticlopidinhydrochlorid/kg KG (Ratte). Beim Pavian wird die orale LD

mit über 5 g/kg KG

angegeben. Ein genauer Wert ließ sich wegen des ausgeprägt emetischen Effektes bei dieser Tierart nicht feststellen. Die

Symptome, die zum Tod führten, manifestierten sich mit steigender Wirkdosis als nervöse Störungen.

Chronische Toxizität

In Studien zur chronischen Toxizität an Ratte und Pavian erwies sich die Leber als das vor allem betroffene Organ. Die

Ergebnisse der Tierversuche (bei Ratte und Pavian: Gewichtszunahme der Leber, Erhöhung des Cytochrom P450 mit

leichter Hemmwirkung seiner Aktivität; bei Ratte außerdem: Hypercholesterinämie, Hypertrophie der Hepatozyten,

Proliferation des ER) lassen sich jedoch nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen.

Ähnlich verhält es sich mit den Resultaten spezifischer Hämatotoxizitätsstudien. Es fand sich kein geeignetes Tiermodell,

mit dem sich die Blutbildveränderungen beim Menschen erklären lassen.

Reproduktionstoxizität

Untersuchungen zur Reproduktionstoxikologie bei Ratte, Maus und Kaninchen lieferten keine Hinweise auf eine teratogene

Wirkung von Ticlopidin.

Die höchste verabreichte Dosis bei der Maus (200 mg Ticlopidinhydrochlorid/kg/Tag) und maternaltoxische Dosen bei der

Ratte (400 mg/kg/Tag) führten bei beiden Tierarten zu Anzeichen einer Fetotoxizität (Zunahme der fetalen Resorptionen,

Minderung des fetalen Wachstums, Ossifikationsstörungen).

Beim Kaninchen hatten selbst maternaltoxische Dosen von 200 mg Ticlopidinhydrochlorid/kg/Tag keinen Einfluss auf die

Feten.

Störungen der Fertilität wurden nicht beobachtet.

Mutagenes und Tumor erzeugendes Potenzial

Hinweise auf ein mutagenes oder kanzerogenes Potenzial von Ticlopidin ergaben sich nicht.

6. Pharmazeutische Angaben

6.1 Hilfsstoffe

Mikrokristalline Cellulose, Citronensäure, Hydroxypropylmethylcellulose, Macrogol 8000, Magnesiumstearat, Maisstärke,

Polyvidon, Stearinsäure, Farbstoff Titandioxid (E 171).

6.2 Inkompatibilitäten

Entfällt

November 2002

Fachinformation

Tiklyd

14.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

Entsprechend der in den Lieferländern festgelegten Haltbarkeitsdauer.

15.

6.4 Besondere Lagerungshinweise

Keine

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Tiklyd steht in Faltschachteln mit 30 und 90 Filmtabletten in PVC/Aluminium-Blisterstreifen zur Verfügung.

6.6 Hinweise für die Handhabung und Entsorgung (wenn erforderlich)

Keine

16.

7. Pharmazeutischer Unternehmer

Eurim-Pharm Arzneimittel GmbH

Am Gänslehen 4 - 6

83451 Piding

Tel.: 08651/704-0

8. Stand der Information

Juni 2002

17.

9. Verschreibungsstatus / Apothekenpflicht

Verschreibungspflichtig

Dieses Arzneimittel enthält einen Stoff, dessen Wirkung in der medizinischen Wissenschaft noch nicht allgemein bekannt

ist. Der pharmazeutische Unternehmer muss deshalb für dieses Arzneimittel der zuständigen Bundesoberbehörde einen

Erfahrungsbericht nach § 49 Abs. 6 AMG vorlegen.

18.

10. Packungsgrößen

OP mit 30 Filmtabletten

OP mit 90 Filmtabletten

Anstaltspackungen

November 2002

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