Tegretal 200mg Tablette

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Carbamazepin
Verfügbar ab:
Novartis Pharma GmbH
ATC-Code:
N03AF01
INN (Internationale Bezeichnung):
Carbamazepine
Darreichungsform:
Tablette
Zusammensetzung:
Carbamazepin 200.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
14005.00.00

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Tegretal

®

200 mg

Tabletten

Carbamazepin

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme

dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte

weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen

Beschwerden haben wie Sie.

Wenn eine der aufgeführten Nebenwirkungen Sie erheblich beeinträchtigt oder Sie

Nebenwirkungen bemerken, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind,

informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Tegretal 200 mg und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Tegretal 200 mg beachten?

Wie ist Tegretal 200 mg einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Tegretal 200 mg aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Tegretal 200 mg und wofür wird es angewendet?

Tegretal 200 mg enthält den Wirkstoff Carbamazepin. Es ist ein Arzneimittel zur Behandlung von

epileptischen Anfallserkrankungen und anderen Anfallskrankheiten sowie bestimmten

Schmerzzuständen sowie zur Vorbeugung bei bestimmten psychischen Störungen.

Tegretal 200 mg wird angewendet zur Behandlung von:

Epilepsien:

Anfällen, die von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen (fokale Anfälle). Die

Anfälle können ohne Bewusstseinsstörungen (einfache partielle Anfälle) oder einhergehend mit

Bewusstseinsstörungen (komplexe partielle Anfälle, psychomotorische Anfälle) auftreten;

beide Gehirnhälften betreffenden Anfällen (generalisierten Anfällen), insbesondere wenn sie

ursprünglich von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen (Schlaf-Grand-mal,

diffuses Grand-mal);

gemischten Epilepsieformen;

anfallsartig auftretenden Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie);

anfallsartigen Schmerzen unbekannter Ursache im Rachenraumbereich (genuine

Glossopharyngeus-Neuralgie);

Schmerzzuständen bei Nervenschädigungen durch Zuckerkrankheit (diabetische Neuropathie);

nichtepileptischen Anfällen bei Multipler Sklerose, wie z. B. Trigeminus-Neuralgie, tonischen

Anfällen (Anfälle mit gleichmäßiger Muskelspannung), anfallsartigen Sprech- und

Bewegungsstörungen, Missempfindungen (paroxysmale Dysarthrie und Ataxie, paroxysmale

Parästhesien) und Schmerzanfällen;

zur Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom;

zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen (bestimmter psychischer Störungen mit

Stimmungsschwankungen), wenn die Therapie mit Lithium versagt hat bzw. wenn Patienten

unter Lithium schnelle Phasenwechsel erlebten und wenn mit Lithium nicht behandelt werden

darf.

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Tegretal 200 mg beachten?

Tegretal 200 mg darf nicht eingenommen werden, wenn Sie

allergisch gegen Carbamazepin, strukturell verwandte Medikamente (z. B. trizyklische

Antidepressiva, d. h. bestimmte Mittel gegen Depressionen) oder einen der in Abschnitt 6.

genannten sonstigen Bestandteile sind;

eine Knochenmarkschädigung oder eine Störung der Blutbildung im Knochenmark in der

Vorgeschichte haben;

Überleitungsstörungen des Herzens (atrioventrikulärer Block) haben;

an bestimmten erblichen Stoffwechseldefekten (akuter intermittierender Porphyrie, Porphyria

variegata, Porphyria cutanea tarda) leiden;

gleichzeitig mit einem Monoaminoxidase-Hemmer (Mittel gegen Depressionen) behandelt

werden;

gleichzeitig mit Voriconazol (Arzneimittel gegen Pilzerkrankungen) behandelt werden, da es zum

Therapieversagen dieses Medikamentes kommen kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wenn Sie unter Absencen (Bewusstseinstrübungen) leiden, dann sollte bei Ihnen Tegretal 200 mg

nicht angewendet werden, da dieses Medikament solche Anfallsformen hervorrufen bzw. bereits

bestehende verstärken kann.

Schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse), die

möglicherweise lebensbedrohlich sind, wurden in Zusammenhang mit der Anwendung von Tegretal

200 mg berichtet. Diese zeigen sich anfänglich als rötliche, schießscheibenartige oder kreisförmige

Flecken (oft mit einer Blase in der Mitte) am Körperstamm. Der Hautausschlag kann zu einer

großflächigen Blasenbildung oder Ablösung der Haut führen. Zusätzliche Symptome, auf die geachtet

werden sollte, sind offene, schmerzende Stellen (Ulcera) in Mund, Hals, Nase und im Genitalbereich

sowie gerötete und geschwollene Augen (Konjunktivitis). Diese möglicherweise lebensbedrohlichen

Hautreaktionen werden oft von grippeähnlichen Symptomen (Kopfschmerzen, Fieber und

Gliederschmerzen) begleitet.

Das höchste Risiko für das Auftreten dieser schweren Hautreaktionen besteht in den ersten

Behandlungswochen. Wenn bei Ihnen ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine Toxisch epidermale

Nekrolyse in Zusammenhang mit der Anwendung von Tegretal 200 mg aufgetreten ist, dürfen Sie nie

wieder mit Tegretal 200 mg behandelt werden.

Wenn bei Ihnen ein Hautausschlag oder die anderen genannten Symptome an der Haut auftreten,

suchen Sie sofort einen Arzt auf. Teilen Sie ihm mit, dass Sie Tegretal 200 mg einnehmen.

Die beschriebenen schweren Hautreaktionen können bei Personen aus bestimmten asiatischen

Ländern häufiger auftreten. Wenn Sie zur Bevölkerungsgruppe der Han-Chinesen oder Thailänder

gehören, kann Ihr Arzt anhand eines Bluttests erkennen, ob Sie ein erhöhtes Risiko für diese schweren

Hautreaktionen haben. Ihr Arzt kann Ihnen sagen, ob vor der Einnahme von Carbamazepin ein Bluttest

erforderlich ist.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Tegretal 200 mg einnehmen,

wenn Sie an einer der folgenden Erkrankungen leiden:

Erkrankungen der blutbildenden Organe (hämatologische Erkrankungen);

Zeichen einer ungewöhnlichen Empfindlichkeit (Hautausschlag oder andere Zeichen einer

Allergie) auf Oxcarbazepin oder ein anderes Arzneimittel. Wenn Sie allergisch auf

Carbamazepin reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit etwa 25 %, dass Sie auch auf

Oxcarbazepin allergisch reagieren;

gestörter Natrium-Stoffwechsel;

Herz-, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, auch wenn Sie früher einmal daran gelitten haben

(siehe „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“ und „Wie ist Tegretal 200 mg einzunehmen?“);

erhöhter Augeninnendruck (grüner Star bzw. Glaukom) oder Beschwerden oder Schmerzen

beim Wasserlassen; in diesem Fall sollten Sie sorgfältig überwacht werden;

myotone Dystrophie (degenerative Muskelerkrankung, bei diesen Patienten treten häufig

Überleitungsstörungen am Herzen auf).

wenn Sie früher bereits einmal eine Behandlung mit Carbamazepin abgebrochen haben.

wenn Ihr Arzt bei Ihnen eine geistig-seelische Erkrankung mit dem Namen Psychose festgestellt

hat, die von Verwirrungs- und Übererregungszuständen begleitet sein kann.

Wenn Sie eine Frau im gebärfähigen Alter sind, sollten Sie während der Behandlung und für zwei

Wochen nach der letzten Gabe eine wirksame Verhütungsmethode anwenden. Wenn Sie ein

hormonales Kontrazeptivum (die „Pille“) einnehmen, müssen Sie wissen, dass Tegretal 200 mg diese

unwirksam machen kann. Sie sollten eine andere oder eine zusätzliche nicht hormonale

Verhütungsmethode verwenden. So können Sie das Risiko einer ungewünschten Schwangerschaft

verringern.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt sofort, falls es zum Auftreten unregelmäßiger vaginaler Blutungen oder

Schmierblutungen kommt.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie schwanger sind oder planen, schwanger zu werden. Ihr Arzt

wird die möglichen Risiken einer Einnahme von Tegretal 200 mg während der Schwangerschaft mit

Ihnen besprechen, denn es kann Schädigungen oder Fehlbildungen beim ungeborenen Kind

verursachen (siehe Abschnitt „Schwangerschaft“).

Eine geringe Anzahl von Patienten, die mit Antiepileptika wie Tegretal 200 mg behandelt wurden,

hatten Gedanken daran, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Wenn Sie zu

irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken haben, setzen Sie sich sofort mit Ihrem Arzt in Verbindung.

Wenn etwas von dem oben Stehenden auf Sie zutrifft, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber.

Sie dürfen dann Tegretal 200 mg nur unter entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen einnehmen.

Aufgrund der Möglichkeit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilisierung) sollten

Sie sich während der Behandlung mit Tegretal 200 mg vor starker Sonnenbestrahlung schützen.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt sofort, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:

Wenn Sie bei sich Anzeichen wie Fieber, Halsschmerzen, allergische Hautreaktionen wie

Hautausschlag mit Lymphknotenschwellungen und/oder grippeähnliche

Krankheitsbeschwerden, Geschwüre im Mund, Neigung zur Entstehung „blauer Flecken“,

punktförmige oder flächige Hautblutungen feststellen, suchen Sie unverzüglich Ihren Arzt auf.

Wenn Sie bei sich Anzeichen einer allergischen Reaktion feststellen, die mit Symptomen wie

Fieber, Hautausschlag, Gefäßentzündungen, Lymphknotenschwellung oder Gelenkschmerzen

einhergehen kann, sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt oder gehen Sie in die Notaufnahme des

nächsten Krankenhauses (siehe „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).

Wenn Sie feststellen, dass Sie häufiger Krampfanfälle haben.

Wenn Sie bei sich Anzeichen einer Leberentzündung wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit,

Übelkeit, Gelbfärbung der Haut und/oder der Augen, Vergrößerung der Leber feststellen.

Wenn Sie Nierenprobleme in Verbindung mit einem niedrigen Natriumspiegel im Blut haben

oder wenn Sie Nierenprobleme haben und gleichzeitig Arzneimittel einnehmen, die den

Natriumspiegel im Blut senken (Diuretika wie Hydrochlorothiazid, Furosemid).

Wenn Sie aufgrund der Tegretal-Einnahme Beschwerden wie Schwindel, Benommenheit,

Blutdruckabfall, Verwirrtheit haben, die zu Stürzen führen können.

Kinder

Kinder unter 6 Jahren dürfen Carbamazepin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung einnehmen.

Ältere Menschen

Bei älteren Patienten ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.

Einnahme von Tegretal 200 mg zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden,

kürzlich eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Eine Behandlung mit MAO-Hemmern (Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen) muss

mindestens 2 Wochen vor Beginn einer Behandlung mit Tegretal 200 mg abgeschlossen worden sein.

Beachten Sie bitte, dass die folgenden Angaben auch für vor kurzem angewandte Arzneimittel gelten

können.

Beeinflussung der Plasmakonzentration anderer Arzneimittel durch Tegretal 200 mg

Tegretal 200 mg kann die Aktivität bestimmter Leberenzyme erhöhen und dadurch die Plasmaspiegel

anderer Arzneimittel senken.

Die Wirkung einiger anderer, gleichzeitig verabreichter Arzneimittel, die auf die gleiche Weise wie

Carbamazepin abgebaut werden, kann deshalb abgeschwächt oder sogar aufgehoben werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Tegretal 200 mg ist die Dosierung folgender Wirkstoffe aus

verschiedenen Anwendungsbereichen gegebenenfalls den klinischen Erfordernissen anzupassen:

Schmerzmittel, entzündungshemmende Substanzen: Buprenorphin, Fentanyl, Methadon,

Paracetamol (Langzeitanwendung von Carbamazepin und Paracetamol (Acetaminophen) kann

zu einer Hepatotoxizität führen), Phenazon, Tramadol

Arzneimittel gegen Parasiten: Praziquantel, Albendazol

Blutgerinnungshemmende Mittel: Warfarin, Phenprocoumon, Dicumarol, Acenocumarol,

Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban, Edoxaban

Mittel zur Behandlung einer Depression: Bupropion, Citalopram, Mianserin, Nefazodon, Sertralin,

Trazodon (anscheinend jedoch Verstärkung des depressionslösenden Effekts)

Weitere Mittel zur Behandlung einer Depression (sog. trizyklische Antidepressiva): Imipramin,

Amitryptilin, Nortryptilin, Clomipramin

Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen: Aprepitant

Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden: Clonazepam, Ethosuximid,

Felbamat, Eslicarbazepin, Oxcarbazepin, Primidon, Lamotrigin, Tiagabin, Topiramat,

Valproinsäure, Zonisamid, Phenytoin (der Plasmaspiegel von Phenytoin kann erhöht oder

vermindert werden)

Mittel zur Behandlung von (systemischen) Pilzinfektionen: Caspofungin, Antimykotika vom

Azoltyp: z. B. Itraconazol, Voriconazol. Für Patienten, die mit Voriconazol oder Itraconazol

behandelt werden, sind alternative Antikonvulsiva zu empfehlen.

Mittel gegen Viruserkrankungen/HIV: z. B. Indinavir, Ritonavir, Saquinavir

Angstlösende Arzneimittel: Alprazolam, Midazolam, Clobazam

Arzneimittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen: Theophyllin

Mittel zur Behandlung von Herzerkrankungen: Digoxin, Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin,

Cerivastatin, Ivabradin

Mittel zur Hemmung von Abwehrmechanismen nach Organtransplantationen,

Immunsuppressivum: Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus

Kalzium-Antagonisten (Arzneimittel zur Behandlung von Schwindel, Migräne, Bluthochdruck):

Felodipin, Flunarizin

Arzneimittel zur Schwangerschaftsverhütung: hormonale Kontrazeptiva

Kortikosteroide: z. B. Prednisolon, Dexamethason

Arzneimittel zur Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen: Haloperidol, Bromperidol,

Clozapin, Olanzapin, Risperidon, Quetiapin, Ziprasonid, Zotepin (Beschleunigung des Abbaus),

Aripiprazol, Paliperidon

Schilddrüsenhormone: Levothyroxin

Antibiotika: Rifabutin, Tetrazykline, z. B. Doxycyclin

Arzneimittel zur Behandlung von Krebserkrankungen: Imatinib, Cyclophosphamid, Lapatinib,

Temsirolimus

Sonstige: Chinidin (Mittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen), Östrogene (Hormone),

Methylphenidat (Psychostimulans, Mittel zur Behandlung von Aufmerksamkeitsstörungen),

Progesteronderivate (Hormone), Propranolol (Beta-Blocker, blutdrucksenkendes Mittel)

Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen: Tadalafil

Bei Einnahme eines hormonalen Kontrazeptivums (der „Pille“) können unerwartete

Durchbruchblutungen oder Schmierblutungen auftreten. Außerdem kann die Wirkung des hormonalen

Kontrazeptivums während der Behandlung mit Tegretal 200 mg abgeschwächt sein, d. h., es kann zu

einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Deshalb sind in Absprache mit Ihrem Arzt andere

wirksame, nicht hormonale Verhütungsmethoden in Betracht zu ziehen (siehe oben „Warnhinweise

und Vorsichtsmaßnahmen“).

Tegretal 200 mg kann den Plasmaspiegel von Bupropion (Arzneimittel zur Unterstützung der

Raucherentwöhnung) senken und den Spiegel des Abbauproduktes Hydroxybupropion erhöhen und

somit die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Bupropion verringern.

Verminderte Plasmakonzentration von Tegretal 200 mg durch andere Arzneimittel

Die Plasmaspiegel von Tegretal 200 mg können vermindert werden durch:

Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden: Felbamat, Methosuximid,

Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phensuximid, Phenytoin, Fosphenytoin, Primidon, Progabid und

möglicherweise (hier sind die Daten teilweise widersprüchlich) Clonazepam, Valproinsäure,

Valpromid

Tuberkulosemittel: Rifampicin

Arzneimittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Antiasthmatika: Theophyllin,

Aminophyllin

Mittel gegen Hauterkrankungen: Isotretinoin

Arzneimittel zur Behandlung von Krebserkrankungen: Cisplatin, Doxorubicin

Sonstige: Johanniskraut (Hypericum perforatum, pflanzliches Mittel gegen depressive

Verstimmungen)

Andererseits können die Plasmaspiegel des pharmakologisch wirksamen Abbauprodukts von

Carbamazepin (Carbamazepin-10,11-epoxid) durch Valproinsäure sowie Primidon erhöht werden.

Durch gleichzeitige Gabe von Felbamat kann der Plasmaspiegel von Carbamazepin vermindert und der

von Carbamazepin-10,11-epoxid erhöht werden, gleichzeitig kann der Felbamat-Spiegel gesenkt

werden.

Aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung, insbesondere bei gleichzeitiger Verabreichung mehrerer

Antiepileptika, empfiehlt es sich, die Plasmaspiegel zu kontrollieren und die Dosierung von Tegretal

200 mg ggf. anzupassen.

Erhöhte Plasmakonzentration von Tegretal 200 mg durch andere Arzneimittel

Folgende Wirkstoffe können die Plasmakonzentrationen von Tegretal 200 mg erhöhen:

Schmerzmittel, entzündungshemmende Substanzen: Dextropropoxyphen/Propoxyphen,

Ibuprofen

Arzneimittel zur Hemmung des Sexualhormons Gonadotropin: Danazol

Antibiotika, Wirkstoffe zur Behandlung bakterieller Infektionen: Makrolidantibiotika (z. B.

Erythromycin, Troleandomycin, Josamycin, Clarithromycin, Ciprofloxacin)

Mittel zur Behandlung einer Depression: Fluoxetin, Fluvoxamin, Nefazodon, Paroxetin, Trazodon,

Viloxazin, möglicherweise auch Desipramin

Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden: Stiripentol, Vigabatrin

Mittel zur Behandlung von (systemischen) Pilzinfektionen, Antimykotika vom Azoltyp wie z. B.

Itraconazol, Ketoconazol, Fluconazol, Voriconazol. Für Patienten, die mit Voriconazol oder

Itraconazol behandelt werden, sind alternative Antikonvulsiva zu empfehlen.

Mittel zur Behandlung von allergischen Reaktionen: Loratadin, Terfenadin

Arzneimittel zur Behandlung der Tuberkulose: Isoniazid

Mittel gegen Viruserkrankungen/HIV, z. B. Ritonavir

Arzneimittel zur Behandlung des Glaukoms: Acetazolamid

Kalzium-Antagonisten (Wirkstoffe zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen): Diltiazem,

Verapamil

Arzneimittel zur Muskelerschlaffung (Muskelrelaxanzien): Oxybutynin, Dantrolen

Arzneimittel zur Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen: Loxapin, Olanzapin, Quetiapin

Gerinnungshemmende Mittel: Ticlopidin

Arzneimittel zur Behandlung von Magen-Darm-Geschwüren: Omeprazol, möglicherweise

Cimetidin

Sonstige: Grapefruitsaft, Nicotinamid (Vitamin der B-Gruppe, in hoher Dosierung)

Erhöhte Plasmaspiegel von Tegretal 200 mg können zu den unter „Welche Nebenwirkungen sind

möglich?” genannten Symptomen (z. B. Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Doppeltsehen)

führen. Wenn Sie solche Symptome bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Arzt; er wird dann die

Plasmaspiegel überprüfen und die Dosis nötigenfalls verändern.

Weitere Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Tegretal 200 mg und Loxapin, Quetiapin (Arzneimittel zur

Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen), Primidon, Progabid, Valproinsäure, Valnoctamid und

Valpromid (Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden) kann zu einer Erhöhung der

Plasmaspiegel des wirksamen Abbauprodukts Carbamazepin-10,11-epoxid und damit zu den gleichen

Nebenwirkungen wie eine zu hohe Dosierung von Tegretal 200 mg führen.

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin und Levetiracetam kann die Toxizität von

Carbamazepin erhöhen.

Die Leberschädlichkeit von Isoniazid (Arzneimittel zur Behandlung der Tuberkulose) kann durch

Tegretal 200 mg erhöht werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Tegretal 200 mg und Lithium (Arzneimittel zur Behandlung

psychiatrischer Erkrankungen), Metoclopramid (Arzneimittel zur Behandlung von Magen-Darm-

Störungen) oder Neuroleptika (Haloperidol, Thioridazin: Arzneimittel zur Behandlung geistig-seelischer

Erkrankungen) kann das Auftreten neurologischer Nebenwirkungen begünstigen.

Bei Patienten, die mit Neuroleptika behandelt werden, kann Tegretal 200 mg auf der anderen Seite die

Plasmaspiegel dieser Arzneimittel senken und dadurch eine Verschlechterung des Krankheitsbildes

verursachen. Es kann daher vom Arzt auch eine Dosiserhöhung des jeweiligen Neuroleptikums für

erforderlich gehalten werden.

Es wird darauf hingewiesen, dass insbesondere die gleichzeitige Anwendung von Lithium (Arzneimittel

zur Behandlung und Vorbeugung bestimmter geistig-seelischer Erkrankungen) und Tegretal 200 mg

die das Nervensystem schädigende Wirkung beider Wirkstoffe verstärken kann. Daher ist eine

sorgfältige Überwachung der Blutspiegel von beiden notwendig. Eine vorherige Behandlung mit

Neuroleptika soll länger als 8 Wochen zurückliegen und auch nicht gleichzeitig erfolgen. Auf folgende

Anzeichen ist zu achten: Unsicherer Gang (Ataxie), Zuckungen bzw. Zittern der Augen (horizontaler

Nystagmus), gesteigerte Muskeleigenreflexe, Muskelzucken (Muskelfaszikulationen).

Die kombinierte Gabe von Tegretal 200 mg und einigen harntreibenden Mitteln (Hydrochlorothiazid,

Furosemid) kann zu einem verminderten Gehalt des Blutserums an Natrium führen.

Die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel zur Muskelerschlaffung, die im Rahmen von Narkosen

eingesetzt werden (nicht depolarisierende Muskelrelaxanzien wie z. B. Pancuronium) kann durch

Tegretal 200 mg beeinträchtigt werden. Dadurch ist eine raschere Aufhebung der neuromuskulären

Blockade möglich. Patienten, die mit Muskelrelaxanzien behandelt werden, sollten diesbezüglich

überwacht und deren Dosierung ggf. erhöht werden.

Die gleichzeitige Gabe von Tegretal 200 mg und direkt wirkenden oralen Antikoagulanzen

(Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban und Edoxaban) kann zu reduzierten Plasmaspiegeln der direkt

wirkenden oralen Antikoagulanzien führen. Weitere Details entnehmen Sie bitte der folgenden Tabelle:

Direkt

wirkende

orale

Antikoagulanzien (NOAC)

Empfehlungen für die gleichzeitige Anwendung

von NOAC und Tegretal 200 mg

Apixaban

In der Prophylaxe venöser Thromboembolien

(VTE)

nach

elektiven

Hüft-

oder

Kniegelenksersatzoperationen,

Prophylaxe

Schlaganfällen

systemischen

Embolien

Patienten

nicht-valvulärem

Vorhofflimmern

(NVAF)

sowie in der Prophylaxe von rezidivierenden

tiefen

Venenthrombosen

(TVT)

Lungenembolien (LE) sollte die gleichzeitige

Anwendung nur mit Vorsicht erfolgen.

Bei der Behandlung von TVT und LE sollte die

gleichzeitige Anwendung vermieden werden.

Rivaroxaban

gleichzeitige

Anwendung

sollte

vermieden

werden,

denn,

Patient

wird

engmaschig auf Zeichen und Symptome einer

Thrombose überwacht.

Dabigatran

gleichzeitige

Anwendung

sollte

vermieden

werden.

Edoxaban

gleichzeitige

Gabe

sollte

Vorsicht

erfolgen.

In der Literatur gibt es Hinweise darauf, dass die zusätzliche Einnahme von Carbamazepin bei

vorbestehender Neuroleptika-Therapie das Risiko für das Auftreten eines sog. malignen

neuroleptischen Syndroms (möglicherweise lebensbedrohlicher Zustand mit Erhöhung der

Körpertemperatur und Steifigkeit der Muskulatur) oder eines Stevens-Johnson-Syndroms (schwere

Hautreaktion) erhöht.

Bei gleichzeitiger Gabe von Isotretinoin (Wirkstoff zur Akne-Behandlung) und Tegretal 200 mg sollten

die Carbamazepin-Plasmaspiegel kontrolliert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Tegretal 200 mg mit Paracetamol (schmerzstillendes und fiebersenkendes

Arzneimittel) kann die Bioverfügbarkeit und damit die Wirksamkeit von Paracetamol vermindern.

Tegretal 200 mg scheint die Ausscheidung (Elimination) von Schilddrüsenhormonen zu verstärken und

den Bedarf an diesen bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion zu erhöhen. Deshalb sind bei diesen

Patienten, die eine Substitutionstherapie erhalten, zu Beginn und am Ende einer Therapie mit Tegretal

200 mg die Schilddrüsenparameter zu bestimmen. Gegebenenfalls ist eine Dosisanpassung der

Schilddrüsenhormonpräparate vorzunehmen.

Die gleichzeitige Gabe von Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

(depressionslösende Arzneimittel wie z. B. Fluoxetin) kann zu einem toxischen Serotonin-Syndrom

führen.

Es wird empfohlen, Tegretal 200 mg nicht in Kombination mit Nefazodon (depressionslösendes Mittel)

anzuwenden, da Tegretal 200 mg zu einer deutlichen Reduktion des Nefazodon-Plasmaspiegels bis hin

zum Wirkungsverlust führen kann. Darüber hinaus wird bei gleichzeitiger Einnahme von Nefazodon

und Tegretal 200 mg der Carbamazepin-Plasmaspiegel erhöht und der seines aktiven Abbauproduktes

Carbamazepin-10,11-epoxid erniedrigt.

Durch gleichzeitige Einnahme von Carbamazepin und anderen Medikamenten, die eine kardiale

Überleitungsstörung (Erregungsausbreitungsstörungen am Herzen) verursachen können, wie

Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen), zyklische Antidepressiva

(depressionslösende Medikamente) oder Erythromycin (Antibiotikum), erhöht sich das Risiko für

kardiale Überleitungsstörungen.

Einnahme von Tegretal 200 mg zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol

Grapefruitsaft/ Grapefruit kann möglicherweise die Plasmaspiegel von Carbamazepin erhöhen und

unter Umständen zu Nebenwirkungen führen.

Carbamazepin kann, wie andere auf das zentrale Nervensystem wirkende Stoffe, dazu führen, dass Sie

nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen. Alkoholkonsum während der Behandlung mit

Tegretal 200 mg sollten Sie daher meiden.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit

Wenn Sie ein hormonales Kontrazeptivum (die „Pille“) einnehmen, müssen Sie wissen, dass

Tegretal 200 mg diese unwirksam machen kann. Sie sollten eine andere oder eine zusätzliche nicht

hormonale Verhütungsmethode verwenden, so lange Sie Tegretal 200 mg einnehmen und für zwei

Wochen nach der letzten Gabe. So können Sie das Risiko einer ungewünschten Schwangerschaft

verringern.

Schwangerschaft

Carbamazepin darf während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung

durch den behandelnden Arzt verordnet werden. Bei Kinderwunsch sollten sich Frauen unbedingt vom

Arzt beraten lassen und eine regelmäßige ärztliche Überwachung der Schwangerschaft sicherstellen.

Wie für einige andere Antiepileptika wurden auch mit Carbamazepin Fehlbildungen unterschiedlicher

Art beschrieben. Aus verschiedenen Studien ergibt sich ein auf 1 % erhöhtes Risiko für Spaltbildungen

der Wirbelsäule (Spina bifida). Es ist bisher ungeklärt, in welchem Maß die Behandlung mit

Carbamazepin für die Fehlbildungen verantwortlich ist, da auch ein Zusammenhang mit der

Grunderkrankung oder erblichen Faktoren nicht ausgeschlossen werden kann. Zur Früherkennung

möglicher Schädigungen der Frucht werden diagnostische Maßnahmen wie Ultraschall und alpha-

Fetoprotein-Bestimmung empfohlen.

Carbamazepin sollte bei gebärfähigen Frauen und besonders während der Schwangerschaft wenn

möglich als Monotherapie angewendet werden, da sich das Risiko von Fehlbildungen bei einer

Kombinationstherapie mit anderen Antiepileptika erhöht.

Wenn unter einer Carbamazepin-Behandlung eine Schwangerschaft eintritt oder geplant wird oder

wenn eine Behandlung mit Carbamazepin in der Schwangerschaft begonnen werden soll, muss Ihr

Arzt die Notwendigkeit einer Anfallskontrolle sorgfältig gegen das mögliche Risiko für das ungeborene

Kind abwägen. Während der für Fehlbildungen besonders anfälligen ersten drei Monate der

Schwangerschaft und besonders zwischen dem 20. und 40. Tag nach der Befruchtung soll die

niedrigste wirksame Dosis angewendet werden, da Fehlbildungen wahrscheinlich durch hohe

Plasmakonzentrationen des Wirkstoffs hervorgerufen werden. Eine Überwachung der Plasmaspiegel

wird empfohlen.

In keinem Fall sollten Sie die Einnahme ohne ärztlichen Rat abbrechen, da es bei epileptischen

Anfällen zur Schädigung des Kindes kommen kann.

In der Schwangerschaft kann es zu einem Folsäuremangel kommen. Antiepileptika können diesen

verstärken. Der Folsäuremangel kann ein zusätzlicher Faktor für die Entstehung von Fehlbildungen

sein. Deshalb kann die Gabe von Folsäure vor und während der Schwangerschaft sinnvoll sein. Zur

Vermeidung von Blutgerinnungsstörungen wird auch die vorbeugende Gabe von Vitamin K

in den

letzten Wochen der Schwangerschaft an die Mutter bzw. nach der Geburt an das Neugeborene

empfohlen.

Stillzeit

Der Wirkstoff Carbamazepin tritt in die Muttermilch über. Trotzdem ist in der Regel das Stillen während

der Behandlung möglich. Der gestillte Säugling sollte jedoch auf mögliche unerwünschte Wirkungen

hin beobachtet werden und wenn beim Säugling schlechte Gewichtszunahmen oder überhöhtes

Schlafbedürfnis (Sedation) oder allergische Hautreaktionen festgestellt werden, sollte abgestillt werden.

Fortpflanzungsfähigkeit

Es traten Einzelfälle sexueller Funktionsstörungen auf, wie z. B. Impotenz oder verminderte Libido.

Sehr selten wurde über verminderte männliche Zeugungsfähigkeit und/oder abnorme Spermienbildung

berichtet.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Bekannte zentralnervöse Nebenwirkungen von Tegretal 200 mg, wie z. B. Schwindel, Benommenheit,

Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Störung der Bewegungskoordination, zu Beginn

der Behandlung, bei Dosissteigerung oder Einnahme höherer Dosen und/oder bei gleichzeitiger

Einnahme anderer, ebenfalls am Zentralnervensystem angreifender Arzneimittel führen auch bei

bestimmungsgemäßem Gebrauch zu Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit und der Fähigkeit,

Maschinen zu bedienen.

Daher dürfen Sie keine Kraftfahrzeuge führen, Maschinen bedienen oder andere gefahrvolle Tätigkeiten

ausführen. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

3.

Wie ist Tegretal 200 mg einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei

Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die Dosierung ist individuell vom (Fach-)Arzt zu bestimmen und zu kontrollieren, wobei Anfallsfreiheit

bei möglichst niedriger Dosierung, besonders auch in der Schwangerschaft, angestrebt werden sollte.

Ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt dürfen Sie keine Behandlungs- oder Dosisänderungen

vornehmen, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Es empfiehlt sich ein stufenweiser (einschleichender) Aufbau der Dosierung bis zur optimal wirksamen

Dosis.

Die Tagesdosis wird in der Regel in mehreren Einzelgaben verabreicht.

Der allgemeine Tagesdosisbereich liegt zwischen 400 und 1.200 mg Carbamazepin.

Eine Gesamttagesdosis von 1.600 mg Carbamazepin sollte in der Regel nicht überschritten werden, da

in höheren Dosen vermehrt Nebenwirkungen auftreten.

Die Festlegung der therapeutischen Dosis sollte, insbesondere bei Kombinationstherapie, über die

Bestimmung der Plasmaspiegel und in Abhängigkeit von der Wirksamkeit erfolgen. Der therapeutische

Carbamazepin-Spiegel liegt erfahrungsgemäß zwischen 4 und 12 Mikrogramm/ml.

Im Einzelfall kann die erforderliche Dosis erheblich von der angegebenen Anfangs- und

Erhaltungsdosis abweichen (z. B. wegen Beschleunigung des Abbaus durch Enzyminduktion oder

wegen Arzneimittelwechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente).

Tegretal 200 mg sollte zur Behandlung der Epilepsie bevorzugt allein (Monotherapie) angewendet

werden. Die Behandlung ist von einem in der Epilepsie-Behandlung erfahrenen Facharzt zu

überwachen.

Bei Umstellung auf die Behandlung mit Tegretal 200 mg ist die Dosis des abzusetzenden Arzneimittels

gegen Anfallsleiden schrittweise herabzusetzen.

Folgendes allgemeines Dosierschema wird zur Behandlung von epileptischen Anfallsleiden empfohlen:

Anfangsdosis

täglich in mg

(bzw. Zahl der Tabletten)

Erhaltungsdosis

täglich in mg

(bzw. Zahl der Tabletten)

Erwachsene

2-mal 100 mg

(2-mal ½ Tablette)

3-mal 200 bis 400 mg

(3-mal 1 bis 2 Tabletten)

Kinder*

1–5 Jahre

1- bis 2-mal 100 mg

(1- bis 2-mal ½ Tablette)

1- bis 2-mal 200 mg

(1- bis 2-mal 1 Tablette)

6–10 Jahre

2-mal 100 mg

(2-mal ½ Tablette)

3-mal 200 mg

(3-mal 1 Tablette)

11–15 Jahre

2- bis 3-mal 100 mg

(2- bis 3-mal ½ Tablette)

3-mal 200 bis 400 mg

(3-mal 1 bis 2 Tabletten)

> 15 Jahre

entsprechend der Erwachsenendosis

* Hinweise:

Bei Kindern unter 4 Jahren wird aufgrund klinischer Erfahrungen empfohlen, bevorzugt mit einer Tagesdosis

von 20 bis 60 mg Carbamazepin zu beginnen. Bis zum Erreichen der therapeutisch notwendigen Dosis kann

diese Tagesdosis um 20 bis 60 mg Carbamazepin jeden zweiten Tag gesteigert werden. Jedoch sollten die

oben genannten Dosierungsbereiche nicht überschritten werden.

Bei Kindern über 4 Jahren kann aufgrund klinischer Erfahrungen die Anfangsdosis 100 mg Carbamazepin pro

Tag betragen. Diese Tagesdosis kann jeden zweiten Tag oder wöchentlich um bis zu 100 mg Carbamazepin

pro Tag bis zur erforderlichen Dosis gesteigert werden. Jedoch sollten die oben genannten Dosierungsbereiche

nicht überschritten werden.

Empfohlene Maximaldosis:

bis zu 6 Jahren: 35 mg/kg/Tag

6-15 Jahre: 1.000 mg/Tag

> 15 Jahre: 1.200 mg/Tag

Anfallsleiden (Epilepsie):

Im Allgemeinen sollte bei Erwachsenen die Anfangsdosis von 1 bis 2 Tabletten Tegretal 200 mg

(entsprechend 200 bis 400 mg Carbamazepin/Tag) langsam bis auf die Erhaltungsdosis von 4 bis

6 Tabletten Tegretal 200 mg (entsprechend 800 bis 1200 mg Carbamazepin/Tag) gesteigert werden.

Im Allgemeinen beträgt die Erhaltungsdosis für Kinder durchschnittlich 10 bis 20 mg Carbamazepin/kg

Körpergewicht/Tag.

Empfohlenes Dosierschema siehe oben.

Anfallsartig auftretende Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie), anfallsartige Schmerzen

unbekannter Ursache im Rachenraumbereich (genuine Glossopharyngeus-Neuralgie):

Die Tagesdosis ist von einer Anfangsdosis von 1 bis 2 Tabletten Tegretal 200 mg (entsprechend 200

bis 400 mg Carbamazepin) in 1 bis 2 Gaben bis zum Eintritt der Schmerzfreiheit durchschnittlich auf

2- bis 4-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 400 bis 800 mg Carbamazepin) zu erhöhen.

Die Maximaldosis beträgt 1.200 mg am Tag. Im Anschluss daran ist es bei einem Teil der Fälle

möglich, die Behandlung mit einer geringeren Erhaltungsdosis von 2-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg

(entsprechend 400 mg Carbamazepin) täglich fortzusetzen.

Bei älteren und empfindlichen Patienten ist eine Anfangsdosis von 2-mal täglich ½ Tablette Tegretal

200 mg (entsprechend 200 mg Carbamazepin) ausreichend.

Schmerzzustände bei Schädigungen der peripheren Nerven durch Zuckerkrankheit (diabetische

Neuropathie):

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 600 mg

Carbamazepin), in Ausnahmefällen bis zu 3-mal täglich 2 Tabletten Tegretal 200 mg (entsprechend

1.200 mg Carbamazepin).

Nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose:

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 2- bis 4-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 400

bis 800 mg Carbamazepin).

Anfallsverhütung während der stationären Alkoholentzugssyndrom-Behandlung:

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 600 mg

Carbamazepin).

In schweren Fällen kann sie in den ersten Tagen erhöht werden bis auf 3-mal täglich 2 Tabletten

Tegretal 200 mg (entsprechend 1.200 mg Carbamazepin).

Die Kombination von Tegretal 200 mg mit sedativ-hypnotischen Mitteln (Beruhigungs-, Schlafmittel)

wird nicht empfohlen. Entsprechend den klinischen Erfordernissen kann Tegretal 200 mg jedoch mit

anderen in der Alkoholentzugsbehandlung eingesetzten Substanzen bei Bedarf kombiniert werden.

Es sind regelmäßige Kontrollen des Carbamazepin-Spiegels vorzunehmen. Wegen der

zentralnervösen und vegetativen Nebenwirkungen (siehe zu Entzugserscheinungen Abschnitt

„Nebenwirkungen“) wird eine sorgfältige klinische Beobachtung empfohlen.

Prophylaxe manisch-depressiver Phasen:

Die Anfangsdosis, die in der Regel auch als Erhaltungsdosis ausreichend ist, beträgt 1- bis 2-mal

täglich 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 200 bis 400 mg Carbamazepin). Gegebenenfalls

kann die Dosis bis auf 4 Tabletten Tegretal 200 mg (entsprechend 800 mg Carbamazepin) täglich, in 3

bis 4 Gaben, erhöht werden.

Hinweis:

Bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Leber- und Nierenleiden sowie bei

älteren Patienten ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.

Art der Anwendung

Die Tabletten sind teilbar. Nehmen Sie die Tabletten bitte während oder nach den Mahlzeiten mit

ausreichend Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Trinkwasser (200 ml)) ein.

In manchen Fällen hat sich die Verteilung der Tagesdosis auf 4 bis 5 Einzelgaben als besonders

wirkungsvoll erwiesen.

Dauer der Anwendung

Die Anwendungsdauer richtet sich nach der jeweiligen Indikation und der individuellen Reaktion des

Patienten und wird durch den behandelnden Arzt bestimmt.

Die antiepileptische Therapie ist grundsätzlich eine Langzeittherapie.

Über die Einstellung, Behandlungsdauer und das Absetzen von Tegretal 200 mg sollte im Einzelfall ein

in der Epilepsie-Behandlung erfahrener Facharzt entscheiden.

Im Allgemeinen ist eine Dosisreduktion und ein Absetzen der Medikation frühestens nach zwei- bis

dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen.

Das Absetzen muss in schrittweiser Dosisreduktion über ein bis zwei Jahre erfolgen; Kinder können der

Dosis pro kg Körpergewicht entwachsen anstelle altersgemäßer Dosisanpassung, wobei sich der EEG-

Befund nicht verschlechtern sollte.

Bei der Neuralgie-Behandlung hat es sich bewährt, die Therapie mit einer für die Schmerzfreiheit

gerade noch ausreichenden Erhaltungsdosis über einige Wochen durchzuführen. Durch vorsichtige

Dosisreduktion sollte festgestellt werden, ob es inzwischen zu einer Spontanremission gekommen ist.

Beim Wiederauftreten von Schmerzattacken ist mit der ursprünglichen Erhaltungsdosis

weiterzubehandeln.

Für die Behandlungsdauer der Schmerzzustände bei diabetischer Neuropathie und der

nichtepileptischen Anfälle bei Multipler Sklerose gilt das Gleiche.

Zur Anfallsverhütung bei der Alkoholentzugssyndrom-Behandlung sollte die Therapie mit Tegretal

200 mg unter ausschleichender Dosierung nach 7 bis 10 Tagen beendet werden.

Die Prophylaxe manisch-depressiver Phasen ist eine Langzeit-Behandlung.

Wird eine Umstellung der Behandlung bei Patienten mit Epilepsie, die mit Tegretal 200 mg behandelt

werden, erforderlich, darf die Behandlung nicht plötzlich, sondern muss ausschleichend auf die

Behandlung mit einem anderen Antiepileptikum (Mittel gegen Anfallsleiden) umgestellt werden.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung

von Tegretal 200 mg zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von Tegretal 200 mg eingenommen haben, als Sie sollten

Im Falle einer Überdosierung ist umgehend ärztliche Behandlung erforderlich.

Bei Überdosierung mit Tegretal 200 mg können die unter „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“

genannten unerwünschten Symptome verstärkt in Erscheinung treten.

Zentrales Nervensystem

Dämpfung des Nervensystems, Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Schläfrigkeit (Somnolenz),

Starre (Stupor), Koma), Schwindel, Desorientiertheit, Unruhe, Erregung, Verwirrtheit, plötzliches

Hitzegefühl (Flushing), Halluzinationen, verschwommenes Sehen, unartikuliertes oder verwaschenes

Sprechen, Augenzittern (Nystagmus), unsicherer Gang (Ataxie), Störungen oder Fehlfunktionen von

Bewegungsabläufen (Dyskinesien), Reflexanomalien (zunächst gesteigerte, dann abgeschwächte

Reflexe), Krampfanfälle des Gehirns (tonisch-klonische Konvulsionen), psychomotorische Störungen,

Muskelzuckungen (Myoklonien), Opisthotonus, unwillkürliche Bewegungen, Zittern (Tremor), zu

niedrige Körpertemperatur (Hypothermie), weite Pupillen (Mydriasis), EEG-Störungen

Atmungsorgane

Störungen der Atmung (Atemdepression), Wasser in der Lunge (Lungenödem), Blauverfärbung im

Gesicht (Zyanose), Atemstillstand

Herz-Kreislauf-System

Erhöhter Herzschlag (Tachykardie), meist erniedrigter (hypotoner) Blutdruck, evtl. auch Bluthochdruck

(Hypertonus), Störungen der Erregungsausbreitung im Herzen (EKG-Veränderungen, Arrhythmien,

AV-Block), Synkopen, Herzstillstand, heftige Hautröte mit Hitzegefühl (Flushing)

Magen-Darm-Trakt

Übelkeit, Erbrechen, verzögerte Magenentleerung, verringerte Darmmotilität

Harntrakt, Geschlechtsorgane

Harnverhalten, verminderte oder ausbleibende Harnproduktion, Wasseransammlung im Körper

Laborbefunde

Verminderter Natriumgehalt des Blutserums (Hyponatriämie), möglicherweise Ansäuerung des Blutes,

möglicherweise erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie), erhöhte Muskel-Kreatinphosphokinase, erhöhte

oder verringerte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozytose, Leukopenie, Neutropenie), Ausscheidung

von Zucker mit dem Urin (Glykosurie), Erhöhung eines bestimmten Stoffwechselproduktes im Urin

(Azetonurie)

Bei jedem Anwendungsfehler ist sofort ein Arzt zu informieren. Wurden hohe Dosen eingenommen,

sind Notfallmaßnahmen einzuleiten (Einlieferung in ein Krankenhaus).

Ein spezifisches Gegenmittel bei akuten Vergiftungen mit Tegretal 200 mg gibt es bislang nicht.

Die Behandlung einer Überdosierung mit Tegretal 200 mg ist abhängig von den auftretenden

Krankheitszeichen und muss in der Regel im Krankenhaus erfolgen.

Wenn Sie die Einnahme von Tegretal 200 mg vergessen haben

Bitte nehmen Sie Ihr Medikament weiter so ein, wie es in seiner Anwendung vorgesehen ist.

Keinesfalls dürfen Sie eine vergessene Dosis durch die Einnahme einer doppelten Dosis ausgleichen.

Wenn Sie die Einnahme von Tegretal 200 mg abbrechen

Sie dürfen auf keinen Fall die Behandlung mit Tegretal 200 mg eigenmächtig unterbrechen oder

vorzeitig beenden. Sie können damit den Behandlungserfolg gefährden und erneut epileptische Anfälle

auslösen. Bitte sprechen Sie vorher mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Unverträglichkeiten oder eine

Änderung in Ihrem Krankheitsbild eintreten.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung des Arzneimittels haben, fragen Sie Ihren Arzt oder

Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:

Sehr häufig:

kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufig:

kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlich:

kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Selten:

kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr selten:

kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

Nicht bekannt:

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Folgende Nebenwirkungen können schwerwiegende Folgen haben:

Suchen Sie sofort Ihren Arzt auf, wenn eine der folgenden Nebenwirkungen bei Ihnen auftritt. Diese

können frühe Anzeichen einer schweren Schädigung von Blut, Leber, Niere oder anderen Organen sein

und müssen möglicherweise dringend medizinisch behandelt werden.

Beim Auftreten von grippeähnlichen Krankheitsbeschwerden, Fieber, Halsschmerzen,

Hautausschlag, Geschwüren im Mund, Lymphdrüsenschwellung oder erhöhter

Infektionsanfälligkeit (Anzeichen bestimmter Blutbildveränderungen, insbesondere einer

Verringerung der weißen Blutkörperchen)

Beim Auftreten von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung,

Schwindel, bleichem Aussehen, häufigen Infektionen, die zu Fieber, Schüttelfrost,

Halsschmerzen, Geschwüren im Mund führen, bei leichterem Auftreten von blauen Flecken als

normal, Nasenbluten (Anzeichen bestimmter Blutbildveränderungen, insbesondere

Panzytopenie)

Beim Auftreten von rotem, fleckigem Ausschlag hauptsächlich im Gesicht und gleichzeitiger

Erschöpfung, Fieber, Übelkeit, Appetitverlust (Anzeichen eines systemischen Lupus

erythematodes)

Bei Gelbverfärbung der Haut oder des Weißen im Auge (Anzeichen von Hepatitis)

Bei Dunkelverfärbung des Urins (Anzeichen von Porphyrie oder Hepatitis)

Bei verminderter Harnausscheidung aufgrund von Nierenfunktionsstörungen und bei Blut im

Urin

Bei starken Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen, Appetitverlust (Anzeichen von Pankreatitis)

Bei Hautausschlag, Hautrötung, Bläschen auf Lippen, Augen oder im Mund, Abschälen der

Haut und gleichzeitigem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Husten, Schmerzen am ganzen

Körper (Anzeichen von schweren Hautreaktionen)

Bei Schwellung von Gesicht, Augen oder Zunge, Schwierigkeiten beim Schlucken, pfeifendem

Atem, Nesselsucht oder Jucken am ganzen Körper, Hautausschlag, Fieber, Bauchkrämpfen,

Brustbeschwerden oder Enge um die Brust, Schwierigkeiten beim Luftholen, Bewusstlosigkeit

(Anzeichen von Angioödem oder schweren allergischen Reaktionen)

Bei Schlappheit, Verwirrtheit, Muskelzuckungen oder deutlicher Verschlechterung der

Krampfanfälle (Symptome, die mit einem zu niedrigen Natriumspiegel im Blut

zusammenhängen können)

Bei Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, steifem Nacken und extremer

Lichtempfindlichkeit (Anzeichen von Meningitis)

Bei Muskelsteifigkeit, hohem Fieber, Bewusstseinsveränderungen, hohem Blutdruck, starkem

Speichelfluss (Anzeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms)

Bei unregelmäßigem Herzschlag und Brustschmerzen

Bei Bewusstseinsstörungen und Ohnmacht

Bei Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber (Anzeichen einer Darmentzündung). Die Häufigkeit

dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt*

Bei Stürzen aufgrund von Schwindel, Benommenheit, Blutdruckabfall, Verwirrtheit.

Mögliche weitere Nebenwirkungen:

Die beobachteten Nebenwirkungen treten bei alleiniger Verabreichung von Tegretal 200 mg

(Monotherapie) seltener als bei gleichzeitiger Gabe anderer Antiepileptika (Kombinationstherapie) auf.

Ein Teil der Nebenwirkungen tritt dosisabhängig, vor allem zu Beginn der Behandlung, bei zu hoher

Anfangsdosierung oder bei älteren Patienten sehr häufig oder häufig auf, so zentralnervöse Störungen

(Schwindel, Kopfschmerzen, Gangstörungen, Schläfrigkeit, Sedierung, Erschöpfung, Doppeltsehen,

Akkomodationsstörungen wie verschwommenes Sehen), Störungen im Magen-Darm-Bereich

(Übelkeit, Erbrechen) und allergische Hautreaktionen.

Dosisabhängige Nebenwirkungen klingen meist innerhalb einiger Tage von selbst oder nach

vorübergehender Dosisreduktion ab. Daher sollte Tegretal 200 mg möglichst einschleichend dosiert

werden. Zentralnervöse Störungen können ein Zeichen einer relativen Überdosierung oder starker

Schwankungen der Plasmaspiegel sein; daher empfiehlt es sich in diesen Fällen, die Plasmaspiegel zu

bestimmen.

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Nicht bekannt ist die Häufigkeit einer Reaktivierung einer Herpesvirus-Infektion (Dies kann

schwerwiegend sein, wenn die Immunabwehr vermindert ist.).*

Blut- und Lymphsystem

Sehr häufig treten Blutbildveränderungen wie verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie)

auf. Nach Literaturangaben tritt davon am häufigsten eine gutartige Leukopenie, in etwa 10 % der Fälle

vorübergehend, in 2 % anhaltend, auf. Eine gutartige Leukopenie tritt vor allem innerhalb der ersten

vier Therapiemonate auf.

Häufig tritt eine vermehrte Anzahl einer bestimmten Form weißer Blutkörperchen (Eosinophilie) oder

eine verminderte Anzahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie) auf.

Selten treten eine vermehrte Anzahl anderer weißer Blutkörperchen (Leukozytose) oder

Lymphknotenschwellungen sowie ein Folsäuremangel auf.

Sehr selten treten bestimmte, zum Teil lebensbedrohende Blutzellschäden wie Agranulozytose,

aplastische Anämie, Panzytopenie, Aplasie der roten Blutkörperchen, sowie andere Anämieformen

(megaloblastär, möglicherweise hämolytisch), Retikulozytose sowie verschiedene Formen der

Porphyrie (akute intermittierende Porphyrie, Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda) auf.

Milzvergrößerung wurde sehr selten berichtet.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Gelegentlich treten verzögerte, mehrere Organsysteme betreffende Überempfindlichkeitsreaktionen mit

Fieber, Hautausschlag, Gefäßentzündung, Lymphknotenschwellung, Pseudolymphom,

Gelenkschmerz, veränderter Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukopenie, Eosinophilie), Vergrößerung

von Leber und Milz, veränderten Leberfunktionswerten und Lebererkrankungen mit Zerstörung und

Schwund der intrahepatischen Gallengänge auf. Diese Erscheinungen können in verschiedenen

Kombinationen auftreten und auch andere Organe wie Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse oder

Herzmuskel und Dickdarm betreffen.

Sehr selten wurde eine akute allergische Allgemeinreaktion und eine aseptische (nicht durch Bakterien

und Viren ausgelöste) Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Muskelzucken (Myoklonien) und

Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie), anaphylaktische (Schock-) Reaktionen

und Schwellungen von Haut und Schleimhäuten (Angioödeme) beobachtet.

Nicht bekannt ist die Häufigkeit eines Hautausschlags mit Blutbildveränderungen und systemischen

Symptomen (Drug Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms).*

Stoffwechsel (Wasser- und Mineralhaushalt), Hormonstatus

Häufig tritt eine Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme), verringerte Flüssigkeitsausscheidung,

Gewichtszunahme, Hyponatriämie (verminderter Natriumgehalt des Blutserums) und verminderte

Plasmaosmolalität auf, die selten zu Wasserintoxikation mit Lethargie, Erbrechen, Kopfschmerz,

Verwirrtheitszuständen und anderen neurologischen Störungen führen kann.

Sehr selten wird über einen Anstieg des Prolaktinspiegels mit oder ohne klinische Symptome wie

Anschwellen der männlichen Brustdrüsen (Gynäkomastie) oder Milchfluss (Galakthorrö) berichtet.

Die Schilddrüsenfunktionsparameter T

, TSH und FT

können, insbesondere bei gleichzeitiger

Anwendung mit anderen Arzneimitteln gegen Anfallsleiden, beeinflusst werden. Dabei treten meist

keine klinischen Symptome auf.

Tegretal 200 mg kann den Serum-Kalziumspiegel durch beschleunigten Abbau des 25-OH-

Cholecalciferols senken. Dies kann sehr selten zu einer Osteomalazie (Knochenerweichung) führen.

Erhöhte Cholesterinspiegel, einschließlich HDL-Cholesterin und Triglyzeride, können sehr selten

auftreten, ebenso eine Erhöhung des freien Cortisols im Serum.

Carbamazepin kann den Folsäurespiegel im Serum senken, darüber hinaus gibt es Hinweise auf

verminderte Vitamin-B

-Spiegel und erhöhte Homocystein-Spiegel im Serum unter Carbamazepin.

Psyche

Sehr häufig können Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Gang- und

Bewegungsstörung, gelegentlich Kopfschmerz, bei älteren Patienten Verwirrtheit und Unruhe

(Agitation) auftreten.

Selten wurden Sinnestäuschungen (optische und akustische Halluzinationen),

Stimmungsveränderungen wie Depression, depressive oder manische (mit gehobener Stimmungslage,

Aggressionen einhergehende) Verstimmungen, Appetitlosigkeit, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten,

Verwirrtheit und Unruhe (Agitation) beobachtet.

Sehr selten traten phobische Störungen (Angststörungen), Denkerschwernis und Antriebsverarmung

auf. Unter der Behandlung mit Tegretal 200 mg können latente Psychosen (unterschwellige seelische

Erkrankungen) aktiviert werden.

Nervensystem

Sehr häufig können Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Gang- und

Bewegungsstörungen und Erschöpfung auftreten.

Häufig treten Kopfschmerzen, Doppelbilder sowie Akkommodationsstörungen (z. B. verschwommenes

Sehen), gelegentlich Augenbewegungsstörungen, einhergehend mit Augenzittern (Nystagmus),

unwillkürliche Bewegungen (z. B. Zittern, Flattertremor, Ticks, Dystonie) auf.

Darüber hinaus können selten Bewegungsstörungen wie z. B. unwillkürliche Bewegungen im Mund-

Gesichtsbereich wie Grimassieren (orofaziale Dyskinesien), verschraubte Bewegungen

(Choreoathetose) auftreten sowie Sprechstörungen (Dysarthrie, verwaschene Sprache),

Missempfindungen, Muskelschwäche, Nervenerkrankungen (Polyneuropathie), Nervenentzündung

(periphere Neuritis, periphere Neuropathie) sowie Lähmungserscheinungen (Paresen).

Sehr selten wurde über Geschmacksstörungen oder über malignes neuroleptisches Syndrom berichtet.

Nicht bekannt ist die Häufigkeit von Gedächtnisverlust.*

Es gibt Hinweise darauf, dass Carbamazepin zu einer Verschlechterung der Symptome einer Multiplen

Sklerose führen kann.

Wie bei Einnahme anderer Medikamente gegen Anfallsleiden auch, kann es unter Carbamazepin zu

einer Anfallshäufung kommen; insbesondere Absencen (spezielle von beiden Hirnhälften ausgehende

Anfallsform) können verstärkt oder neu auftreten.

Augen

Sehr selten treten Bindehautentzündungen, Linsentrübungen und erhöhter Augeninnendruck auf.

Bei zwei Patienten wurde in Zusammenhang mit einer Carbamazepin-Langzeittherapie über

Retinotoxizität (Netzhautschädigung) berichtet, die nach Absetzen des Carbamazepins rückläufig war.

Ohr und Gleichgewichtsorgan

Sehr selten treten Hörstörungen wie Ohrensausen (Tinnitus), übersteigertes oder vermindertes

Hörempfinden (Hyper- oder Hypoakusis) sowie Änderung der Wahrnehmung von Tonhöhen auf.

Herz- und Kreislaufsystem

Gelegentlich treten Überleitungsstörungen am Herzen (AV-Block), in Einzelfällen mit

Bewusstseinsverlust, sowie erhöhter oder zu niedriger Blutdruck auf.

Gelegentlich bis selten können eine Verlangsamung des Herzschlages (Bradykardie) und

Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkollaps, Herzinsuffizienz, sowie Verschlechterung einer

vorbestehenden koronaren Herzkrankheit auftreten. Darüber hinaus wurden Venenentzündung

(Thrombophlebitis) und Blutgerinnsel (Thromboembolie) beobachtet.

Atmungsorgane

Sehr selten wurden Überempfindlichkeitsreaktionen der Lunge mit Fieber, Atemnot,

Lungenentzündung (Pneumonitis, Pneumonie, Alveolitis) sowie Einzelfälle von Lungenfibrose in der

wissenschaftlichen Literatur beschrieben.

Magen-Darm-Trakt

Sehr häufig treten Übelkeit und Erbrechen, häufig Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit, gelegentlich

Durchfall oder Verstopfung auf. Selten wurde über Bauchschmerzen, sehr selten über

Schleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich (Stomatitis, Gingivitis, Glossitis) oder über

Pankreatitis berichtet.

Leber und Galle

Veränderungen (Anstiege) von Leberfunktionswerten finden sich sehr häufig bei gamma-GT, häufig bei

alkalischer Phosphatase, gelegentlich bei Transaminasen, selten treten Gelbsucht oder

Leberentzündungen (Hepatitis in unterschiedlicher Form: cholestatisch, hepatozellulär, granulomatös,

gemischt) und Lebererkrankungen mit Zerstörung und Schwund der intrahepatischen Gallengänge auf.

Selten kann, insbesondere innerhalb der ersten Therapiemonate, eine lebensbedrohliche akute

Hepatitis oder Leberversagen eintreten.

Haut, Schleimhäute, Gefäßsystem

Sehr häufig wird über allergische, auch stark ausgeprägte, Hautreaktionen mit und ohne Fieber und

Nesselsucht (Urtikaria) berichtet, gelegentlich über Hautentzündungen, bei denen sich die Haut oder

die Schleimhäute schuppend ablösen (exfoliative Dermatitis), den ganzen Körper betreffende

entzündliche Rötung und Schuppung der Haut (Erythrodermie), selten über schwere und

möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom und Toxisch epidermale

Nekrolyse) (siehe Abschnitt 2), Juckreiz (Pruritus) oder Lupus erythematodes disseminatus

(Autoimmunerkrankung mit Gefäßentzündung). Sehr selten treten Lichtempfindlichkeit

(Photosensibilität), Hautrötungen mit scheiben- oder knotenförmigen Veränderungen und Einblutungen

(Erythema exsudativum multiforme et nodosum), kleinfleckige Hautblutungen (Purpura), Haarausfall,

vermehrtes Schwitzen, Veränderungen der Hautpigmentierung, Akne, Hirsutismus (vermehrte

Behaarung vom männlichen Typ bei Frauen), Gefäßentzündung (Vaskulitis) auf. Nicht bekannt ist die

Häufigkeit eines akuten generalisierten Hautausschlags (akute generalisierte exanthemische

Pustulosis), eines Auftretens von violetten bis rot-violetten fleckförmigen Hautveränderungen, die

möglicherweise jucken, sowie die Häufigkeit eines Ausfalls der Nägel.*

Bewegungsapparat

Selten wurde über Muskelschwäche, sehr selten über Gelenkschmerzen (Arthralgie),

Muskelschmerzen (Myalgien) sowie Muskelkrämpfe berichtet. Nach Absetzen von Tegretal 200 mg

verschwanden diese Erscheinungen.

Es wurden Fälle von Verringerung der Knochendichte (Osteoporose bis hin zu Knochenbrüchen)

berichtet. Bitte beraten Sie sich mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie Antiepileptika über eine lange

Zeit anwenden, wenn bei Ihnen eine Osteoporose festgestellt wurde oder wenn Sie gleichzeitig

Kortison oder andere Steroidhormone einnehmen.

Harntrakt, Geschlechtsorgane

Gelegentlich treten Störungen der Nierenfunktion auf wie z. B. Eiweißausscheidung im Urin

(Albuminurie), Blut im Urin (Hämaturie), verminderte Harnproduktion (Oligurie) oder erhöhter

Harnstoffstickstoff im Blut (Azotämie), sehr selten interstitielle Nephritis (Nierengewebsentzündung)

oder Nierenversagen oder andere Beschwerden beim Harnlassen (häufiges Wasserlassen, Schmerzen

beim Wasserlassen, Drang zu häufigem Wasserlassen ohne vermehrte Harnausscheidung

(Pollakisurie), Harnverhalt).

Weiterhin traten sehr selten sexuelle Störungen, wie z. B. Impotenz, verminderte Libido, verminderte

männliche Fruchtbarkeit und/oder veränderte Bildung von Samenzellen (verminderte Spermienzahl

und/oder -beweglichkeit) auf.

Laboruntersuchungen

Sehr selten wurde eine Verringerung der Gammaglobuline im Blut (Hypogammaglobulinämie)

festgestellt.

* Spontanmeldungen und Literaturfälle von Nebenwirkungen (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren

Daten nicht abschätzbar).

Im Rahmen von Erfahrungen nach Markteinführung von Tegretal wurden Nebenwirkungen anhand von

Spontanmeldungen und Literatur bekannt. Da die Meldungen freiwillig und von einer unbekannten

Populationsgröße erfolgten, ist die Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Sollten Sie eine oder mehrere der oben genannten Nebenwirkungen bei sich beobachten,

benachrichtigen Sie sofort Ihren Arzt, damit er über den Schweregrad und die gegebenenfalls

erforderlichen Maßnahmen entscheiden kann.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.

Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte,

Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de,

anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr

Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Tegretal 200 mg aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf der Faltschachtel und der Durchdrückpackung nach

„Verwendbar bis“ bzw. „Verw. bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum

bezieht sich auf den letzten Tag des Monats.

Entsorgen Sie Arzneimittel niemals über das Abwasser (z. B. nicht über die Toilette oder das

Waschbecken). Fragen Sie in Ihrer Apotheke, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht

mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der Umwelt bei. Weitere Informationen finden Sie unter

www.bfarm.de/arzneimittelentsorgung.

Aufbewahrungsbedingungen

Nicht über 25 °C lagern.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Tegretal 200 mg enthält

Der Wirkstoff ist: Carbamazepin.

Eine Tablette enthält 200 mg Carbamazepin.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Niedrig substituiertes Carmellose-Natrium, mikrokristalline Cellulose (Ph.Eur.), Magnesiumstearat

(Ph.Eur.), hochdisperses Siliciumdioxid (Ph.Eur.).

Wie Tegretal 200 mg aussieht und Inhalt der Packung

Tegretal 200 mg sind weiße, runde Tabletten mit einer Teilkerbe auf der einen Seite, auf einer Seite mit

der Prägung „CG“, auf der anderen „GK“. Die Tabletten können in gleiche Hälften geteilt werden.

Tegretal 200 mg ist in Blister aus PVC/PE/PVDC und Aluminium verpackt und in Packungen mit 50

Tabletten, 100 Tabletten und 200 (4 x 50) Tabletten erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

Novartis Pharma GmbH

90327 Nürnberg

Telefon: (09 11) 273-0

Telefax: (09 11) 273-12 653

Internet/E-Mail: www.novartis.de

Hersteller

Novartis Farma S.p.A.

Via Provinciale Schito 131

80058 Torre Annunziata (NA)

Italien

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im 02/2020.

Fachinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels/SmPC)

Novartis Pharma

Tegretal

®

200 mg

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Tegretal

200 mg

Tabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

1 Tablette enthält 200 mg Carbamazepin.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe, Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Tablette

Weiße runde Tablette mit Teilkerbe auf einer Seite, auf einer Seite mit der Prägung „CG“,

auf der anderen „GK“.

Die Tablette kann in gleiche Hälften geteilt werden.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur Behandlung von

Epilepsien:

Einfache partielle Anfälle (fokale Anfälle);

Komplexe partielle Anfälle (psychomotorische Anfälle);

Grand mal, insbesondere fokaler Genese (Schlaf-Grand mal, diffuses Grand mal);

gemischte Epilepsieformen.

Trigeminus-Neuralgie.

Genuine Glossopharyngeus-Neuralgie.

Schmerzhafte diabetische Neuropathie.

Nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose, wie z. B. Trigeminus-Neuralgie,

tonische Anfälle, paroxysmale Dysarthrie und Ataxie, paroxysmale Parästhesien

und Schmerzanfälle.

Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom.

Zur Prophylaxe manisch-depressiver Phasen, wenn die Therapie mit Lithium

versagt hat bzw. wenn Patienten unter Lithium schnelle Phasenwechsel erlebten,

und wenn mit Lithium nicht behandelt werden darf.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Vor der Entscheidung zur Behandlung mit Carbamazepin sollten Patienten han-

chinesischer oder thailändischer Abstammung auf die Genvariante HLA-B*1502 hin

untersucht werden, wenn dies irgendwie möglich ist. Dieses Allel ist ein starker

Prädiktor für das Risiko des Auftretens des Stevens-Johnson-Syndroms bei einer

Behandlung mit Carbamazepin (siehe Hinweise zu Gentests und Hautreaktionen in

Abschnitt 4.4).

Die Behandlung mit Tegretal 200 mg wird einschleichend, in einer niedrigen Initialdosis, je

nach Art und Schwere des Krankheitsbildes, individuell begonnen, danach wird die Dosis

langsam bis zur am besten wirksamen Erhaltungsdosis erhöht.

Die Tagesdosis wird in der Regel in mehreren Einzelgaben verabreicht.

Der allgemeine Tagesdosisbereich liegt zwischen 400 und 1.200 mg Carbamazepin.

Eine Gesamttagesdosis von 1.600 mg Carbamazepin sollte in der Regel nicht

überschritten werden, da in höherer Dosierung vermehrt Nebenwirkungen auftreten.

Die Festlegung der therapeutischen Dosis sollte, insbesondere bei Kombinationstherapie,

über die Bestimmung der Plasmaspiegel und in Abhängigkeit von der Wirksamkeit

erfolgen. Der therapeutische Carbamazepin-Spiegel liegt erfahrungsgemäß zwischen

4 und 12 Mikrogramm/ml.

Im Einzelfall kann die erforderliche Dosis erheblich von der angegebenen Anfangs- und

Erhaltungsdosis abweichen (z. B. wegen Beschleunigung des Metabolismus durch

Enzyminduktion oder wegen Arzneimittel-Interaktionen bei eventuell kombinierter

Medikation).

Tegretal 200 mg sollte zur Behandlung der Epilepsie bevorzugt allein (Monotherapie)

angewendet werden. Die Behandlung ist von einem in der Epilepsie-Behandlung

erfahrenen Facharzt zu überwachen.

Bei Umstellung auf die Behandlung mit Tegretal 200 mg ist die Dosis des abzusetzenden

Antiepileptikums schrittweise herabzusetzen.

Folgendes allgemeines Dosierschema wird zur Behandlung von epileptischen Anfallsleiden

empfohlen:

Anfangsdosis

täglich

Erhaltungsdosis

täglich

Erwachsene:

2-mal 100 mg (2-mal ½ Tablette)

3-mal 200 bis 400 mg (3-mal 1

bis 2 Tabletten)

Kinder:*

1–5 Jahre

1- bis 2-mal 100 mg (1 bis 2-mal

½ Tablette)

1- bis 2-mal 200 mg (1- bis 2-mal

1 Tablette)

6–10 Jahre

2-mal 100 mg (2-mal ½ Tablette)

3-mal 200 mg (3-mal 1 Tablette)

11–15 Jahre

2- bis 3-mal 100 mg (2- bis 3-mal

½ Tablette)

3-mal 200 bis 400 mg (3-mal 1 bis

2 Tabletten)

> 15 Jahren

entsprechend der Erwachsenendosis

* Hinweise:

Bei Kindern unter 4 Jahren wird aufgrund klinischer Erfahrungen empfohlen, bevorzugt mit einer

Tagesdosis von 20 bis 60 mg zu beginnen. Bis zum Erreichen der therapeutisch notwendigen

Dosis kann diese Tagesdosis um 20 bis 60 mg Carbamazepin jeden zweiten Tag gesteigert

werden. Jedoch sollten die oben genannten Dosierungsbereiche nicht überschritten werden.

Bei Kindern über 4 Jahren kann aufgrund klinischer Erfahrungen die Anfangsdosis 100 mg

Carbamazepin pro Tag betragen. Diese Tagesdosis kann jeden zweiten Tag oder wöchentlich um

bis zu 100 mg Carbamazepin pro Tag bis zur erforderlichen Dosis gesteigert werden. Jedoch

sollten die oben genannten Dosierungsbereiche nicht überschritten werden.

Empfohlene Maximaldosis:

bis zu 6 Jahren: 35 mg/kg/Tag

6-15 Jahre: 1.000 mg/Tag

>15 Jahre: 1.200 mg/Tag

Es gelten folgende Dosierungsempfehlungen:

Epilepsien:

Im Allgemeinen wird bei Erwachsenen die Anfangsdosis von 1 bis 2 Tabletten Tegretal

200 mg (entsprechend 200 bis 400 mg Carbamazepin/Tag) langsam auf die

Erhaltungsdosis von 4 bis 6 Tabletten Tegretal 200 mg (entsprechend 800 bis 1.200 mg

Carbamazepin) gesteigert.

Im Allgemeinen beträgt die Erhaltungsdosis für Kinder durchschnittlich 10 bis 20 mg

Carbamazepin/kg Körpergewicht/Tag.

Empfohlenes Dosierschema siehe oben.

Trigeminus-Neuralgie, genuine Glossopharyngeus-Neuralgie:

Die Tagesdosis wird von einer Anfangsdosis von 1 bis 2 Tabletten Tegretal 200 mg

(entsprechend 200 bis 400 mg Carbamazepin), in 1 bis 2 Gaben, bis zum Eintritt der

Schmerzfreiheit auf 2 bis 4-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 400 bis 800 mg

Carbamazepin) erhöht. Im Anschluss daran ist es bei einem Teil der Fälle möglich, die

Behandlung mit einer geringeren Erhaltungsdosis von 2-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg

(entsprechend 400 mg Carbamazepin) täglich fortzusetzen. Die empfohlene Maximaldosis

beträgt 1.200 mg/Tag. Wenn eine Schmerzlinderung erreicht wurde, sollte versucht

werden, die Therapie schrittweise abzusetzen, bis eine weitere Schmerzattacke auftritt.

Bei älteren und empfindlichen Patienten ist eine Anfangsdosis von 2-mal täglich ½ Tablette

Tegretal 200 mg (entsprechend 200 mg Carbamazepin) ausreichend.

Schmerzzustände bei diabetischer Neuropathie:

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend

600 mg Carbamazepin), in Ausnahmefällen bis zu 3-mal täglich 2 Tabletten

Tegretal 200 mg (entsprechend 1.200 mg Carbamazepin).

Nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose:

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 2- bis 4-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg

(entsprechend 400 bis 800 mg Carbamazepin).

Anfallsverhütung während der stationären Alkoholentzugssyndrom-Behandlung:

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend

600 mg Carbamazepin).

In schweren Fällen kann die Dosis in den ersten Tagen bis auf 3-mal täglich 2 Tabletten

Tegretal 200 mg (entsprechend 1.200 mg Carbamazepin) erhöht werden.

Die Kombination von Tegretal 200 mg mit sedativ-hypnotischen Mitteln wird nicht

empfohlen. Entsprechend den klinischen Erfordernissen kann Tegretal 200 mg jedoch mit

anderen in der Alkoholentzugsbehandlung eingesetzten Substanzen bei Bedarf kombiniert

werden.

Es sind regelmäßige Kontrollen des Carbamazepin-Spiegels vorzunehmen. Wegen der

zentralnervösen und vegetativen Nebenwirkungen (siehe zu Entzugserscheinungen unter

Abschnitt 4.8) wird eine sorgfältige klinische Beobachtung empfohlen.

Prophylaxe manisch-depressiver Phasen:

Die Anfangsdosis, die in der Regel auch als Erhaltungsdosis ausreichend ist, beträgt 1- bis

2-mal täglich 1 Tablette Tegretal 200 mg (entsprechend 200 bis 400 mg Carbamazepin).

Gegebenenfalls kann die Dosis bis auf 4 Tabletten Tegretal 200 mg (entsprechend

800 mg Carbamazepin) täglich, in 3 bis 4 Gaben, erhöht werden.

Hinweis:

Bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Leber- und Nierenleiden

sowie bei älteren Patienten ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.

Art und Dauer der Anwendung

Die Tabletten sind teilbar und werden während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend

Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Wasser) eingenommen.

In manchen Fällen hat sich die Verteilung der Tagesdosis auf 4 bis 5 Einzelgaben als

besonders wirkungsvoll erwiesen.

Die Anwendungsdauer richtet sich nach der jeweiligen Indikation und der individuellen

Reaktion des Patienten. In jedem Fall darf das Arzneimittel durch den Patienten nicht

eigenmächtig abgesetzt werden.

Die Dauer der Anwendung ist individuell verschieden und wird vom behandelnden Arzt

festgelegt.

Die antiepileptische Therapie ist grundsätzlich eine Langzeittherapie.

Über die Einstellung, Behandlungsdauer und das Absetzen von Tegretal 200 mg sollte im

Einzelfall ein in der Epilepsie-Behandlung erfahrener Facharzt entscheiden. Im

Allgemeinen ist eine Dosisreduktion und ein Absetzen der Medikation frühestens nach

zwei- bis dreijähriger Anfallsfreiheit zu erwägen.

Das Absetzen muss in schrittweiser Dosisreduktion über ein bis zwei Jahre erfolgen;

Kinder können der Dosis pro kg Körpergewicht entwachsen, anstelle altersgemäßer

Dosisanpassung, wobei sich der EEG-Befund nicht verschlechtern sollte.

Bei der Neuralgie-Behandlung hat es sich bewährt, die Therapie mit einer für die

Schmerzfreiheit gerade noch ausreichenden Erhaltungsdosis über einige Wochen

durchzuführen. Durch vorsichtige Dosisreduktion sollte festgestellt werden, ob es

inzwischen zu einer Spontanremission gekommen ist.

Beim Wiederauftreten von Schmerzattacken ist mit der ursprünglichen Erhaltungsdosis

weiterzubehandeln.

Für die Behandlungsdauer der Schmerzzustände bei diabetischer Neuropathie und der

nichtepileptischen Anfälle bei Multipler Sklerose gilt das Gleiche.

Zur Anfallsverhütung bei der Alkoholentzugssyndrom-Behandlung sollte die Therapie mit

Tegretal 200 mg unter ausschleichender Dosierung nach 7 bis 10 Tagen beendet werden.

Die Prophylaxe manisch-depressiver Phasen ist eine Langzeit-Behandlung.

Kinder:

Bei Kindern unter 6 Jahren darf die Anwendung von Carbamazepin nur nach strenger

Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

4.3

Gegenanzeigen

Tegretal 200 mg darf nicht angewendet werden bei:

Überempfindlichkeit gegen Carbamazepin oder strukturell verwandte

Medikamente (z. B. trizyklische Antidepressiva) oder einen der in Abschnitt 6.1

genannten sonstigen Bestandteile;

Vorliegen einer Knochenmarkschädigung, Knochenmarkdepression in der

Vorgeschichte;

atrioventrikulärem Block;

hepatischer Porphyrie, auch in der Vorgeschichte (z. B. akute intermittierende

Porphyrie, Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda);

gleichzeitiger Behandlung mit einem Monoaminoxidase-Hemmer;

gleichzeitiger Behandlung mit Voriconazol, da es zum Therapieversagen dieses

Medikamentes kommen kann.

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Tegretal 200 mg darf nur unter ärztlicher Überwachung und nach strenger Nutzen-Risiko-

Abwägung und unter entsprechendem engmaschigem Monitoring angewendet werden bei:

früheren oder bestehenden hämatologischen Erkrankungen, hämatologischen

Reaktionen auf andere Arzneimittel in der Vorgeschichte;

gestörtem Natrium-Stoffwechsel;

Herz-, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, auch in der Vorgeschichte (siehe

Abschnitte 4.2 und 4.8);

Patienten, die bereits einmal eine Behandlung mit Carbamazepin abgebrochen

haben;

Patienten mit myotoner Dystrophie, da bei dieser Patientengruppe häufig kardiale

Überleitungsstörungen auftreten.

Hämatologische Ereignisse

Ein Auftreten von Agranulozytose und aplastischer Anämie wurde mit Carbamazepin in

Verbindung gebracht; eine Abschätzung des Risikos ist jedoch aufgrund der sehr geringen

Häufigkeit schwierig. In der unbehandelten Bevölkerung beträgt die Wahrscheinlichkeit

des Auftretens 4,7 Fälle/Mio/Jahr für Agranulozytose und 2,0 Fälle/Mio/Jahr für aplastische

Anämie.

Eine vorübergehende oder dauerhafte Verminderung der Blutplättchenzahl oder der Zahl

weißer Blutkörperchen tritt unter Carbamazepin gelegentlich bis häufig auf. In der

Mehrzahl der Fälle ist dies vorübergehend und prognostiziert nicht den Beginn einer

Agranulozytose oder aplastischen Anämie. Trotzdem sollte das Blutbild (einschließlich

Thrombozyten und Retikulozyten sowie Serumeisen) zunächst vor der Behandlung mit

Tegretal 200 mg, dann in wöchentlichen Abständen im ersten Monat der Behandlung,

danach in monatlichen Abständen kontrolliert werden. Nach 6-monatiger Behandlung

reichen teilweise 2- bis 4-malige Kontrollen im Jahr aus.

Patienten sollten auf frühe Anzeichen potenzieller hämatologischer Probleme und ebenso

auf Symptome dermatologischer und hepatischer Reaktionen aufmerksam gemacht

werden. Treten Reaktionen wie Fieber, Halsschmerzen, allergische Hautreaktionen wie

Hautausschlag mit Lymphknotenschwellungen und/oder grippeähnliche

Krankheitsbeschwerden, Geschwüre im Mund, Hämatomneigung, petechiale oder

Purpurablutungen unter der Behandlung mit Tegretal 200 mg auf, sollte der Patient sofort

den Arzt aufsuchen und das Blutbild bestimmt werden. Beim Auftreten bestimmter

Blutbildveränderungen (insbesondere Leukozytopenien und Thrombozytopenien) kann das

Absetzen von Tegretal 200 mg erforderlich sein; dies ist immer der Fall, wenn gleichzeitig

Beschwerden wie allergische Symptome, Fieber, Halsschmerzen oder Hautblutungen

auftreten. Anhaltspunkte geben die folgenden Aufstellungen:

Kurzfristige Kontrollen (innerhalb 1 Woche) erforderlich bei:

Fieber, Infekt;

Hautausschlag;

allgemeinem Schwächegefühl;

Halsentzündung, Mundulzera;

rascher Ausbildung blauer Flecken;

Anstieg der Transaminasen;

Abfall der Leukozyten unter 3.000/mm

bzw. der Granulozyten unter 1.500/mm

Abfall der Thrombozyten unter 125.000/mm

Abfall der Retikulozyten unter 0,3 % = 20.000/mm

Anstieg des Serumeisen über 150 Mikrogramm%.

Absetzen von Carbamazepin erforderlich bei:

petechialen oder Purpura-Blutungen;

Abfall der Erythrozyten unter 4 Mio/mm

Abfall des Hämatokrits unter 32 %;

Abfall des Hämoglobin unter 11 g%;

Abfall der Leukozyten unter 2.000/mm

bzw. der Granulozyten unter 1.000/mm

bzw.

der Thrombozyten unter 80.000/mm

symptomatischen Blutbildungsstörungen.

Schwere Hautreaktionen

Fälle von lebensbedrohlichen Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und

toxische epidermale Nekrolyse (TEN)) wurden in Zusammenhang mit der Anwendung von

Tegretal 200 mg berichtet. Die Patienten sollten über die Anzeichen und Symptome

dieser schweren Nebenwirkungen informiert und engmaschig bezüglich des Auftretens

von Hautreaktionen überwacht werden. Das Risiko für das Auftreten von SJS oder TEN

ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten. Wenn Anzeichen oder Symptome für

ein SJS oder eine TEN auftreten (z. B. ein progredienter Hautausschlag, oft mit

Blasenbildung oder begleitenden Schleimhautläsionen), muss die Therapie mit Tegretal

200 mg beendet werden. Der Verlauf von SJS und TEN wird maßgeblich von der

frühzeitigen Diagnosestellung und dem sofortigen Absetzen aller verdächtigen

Arzneimittel bestimmt, d. h. frühzeitiges Absetzen verbessert die Prognose.

Nach Auftreten eines SJS oder einer TEN in Zusammenhang mit der Anwendung von

Tegretal 200 mg darf der Patient nie wieder mit Tegretal 200 mg behandelt werden.

Schwere und in einigen Fällen tödliche Hautreaktionen, wie toxische epidermale

Nekrolyse (TEN) und Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), treten bei schätzungsweise 1 bis

6 von 10.000 neuen Anwendern in Ländern mit hauptsächlich kaukasischer Bevölkerung

auf, aber in einigen asiatischen Ländern liegt das Risiko den Schätzungen nach etwa 10-

mal höher. Es liegen vermehrt Hinweise darauf vor, dass verschiedene HLA-Allele bei der

Prädisposition von Patienten für immunvermittelte unerwünschte Reaktionen eine Rolle

spielen (siehe Abschnitt 4.2).

Allel HLA-A*3101 – Personen europäischer und japanischer Abstammung

Es liegen Daten vor, die darauf hinweisen, dass das Allel HLA-A*3101 bei Personen mit

europäischer Abstammung sowie bei Japanern mit einem erhöhten Risiko von

Carbamazepin-induzierten unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Haut assoziiert ist,

z. B. SJS, TEN, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen

(DRESS-Syndrom) oder weniger schwerer akuter generalisierter exanthematischer

Pustolose (AGEP) und makulopapulösem Arzneimittelexanthem (siehe Abschnitt 4.8).

Die Häufigkeit des HLA-A*3101-Allels zeigt starke Variationen zwischen den

verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Das Allel HLA-A*3101 hat eine Prävalenz von 2 %

bis 5 % in der europäischen Bevölkerung und von etwa 10 % bei der japanischen

Bevölkerung.

Das Vorliegen des Allels HLA-A*3101 kann das Risiko Carbamazepin-induzierter

Hautreaktionen (in den meisten Fällen von geringem Schweregrad) von 5,0 % bei der

Allgemeinbevölkerung auf 26,0 % bei Patienten europäischer Abstammung steigern,

wohingegen das Fehlen dieses Allels das Risiko von 5,0 % auf 3,8 % senken kann.

Es liegen keine ausreichenden Daten für die Empfehlung einer Untersuchung auf das

Vorliegen des Allels HLA-A*3101 vor Beginn einer Behandlung mit Carbamazepin vor.

Ist bei Patienten europäischer oder japanischer Herkunft bekannt, dass sie das Allel HLA-

A*3101 tragen, kann die Anwendung von Carbamazepin in Erwägung gezogen werden,

wenn der voraussichtliche Nutzen größer ist als das Risiko.

Allel HLA-B*1502 bei Han-Chinesen, Thailändern und anderen asiatischen

Bevölkerungsgruppen

Es wurde nachgewiesen, dass das Vorhandensein des Allels HLA-B*1502 bei Personen,

die von Han-Chinesen oder Thailändern abstammen, stark mit dem Risiko des Auftretens

schwerer Hautreaktionen, und zwar des Stevens-Johnson-Syndroms, verbunden ist. Die

Prävalenz von Trägern des HLA-B*1502-Allels beträgt bei Han-Chinesen und Thailändern

etwa 10 %. Diese Personen sollten vor Beginn der Therapie mit Carbamazepin genetisch

auf dieses Allel hin untersucht werden, wenn dies irgendwie möglich ist (siehe Abschnitt

4.2). Wenn der Test positiv ausfällt, sollte die Behandlung mit Carbamazepin nicht

begonnen werden, es sei denn, es steht keine Behandlungsalternative zur Verfügung.

Getestete Personen, bei denen kein HLA-B*1502 gefunden wurde, haben ein geringes

Risiko für das Auftreten des Stevens-Johnson-Syndroms; dennoch können diese

Reaktionen selten auftreten.

Einige Daten weisen bei anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen auf ein erhöhtes

Risiko von schweren Carbamazepin-assoziierten TEN-/SJS-Fällen hin. Aufgrund der

Prävalenz dieses Allels bei anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen (z. B. über 15 %

auf den Phillipinen und in Malaysia) kann erwogen werden, Patienten aus genetisch

besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen auf das Vorhandensein des Allels HLA-

B*1502 zu testen.

Die Prävalenz des Allels HLA-B*1502 ist zu vernachlässigen bei Personen europäischer

Abstammung, in getesteten afrikanischen und lateinamerikanischen Bevölkerungs-

gruppen sowie bei Japanern und Koreanern (< 1 %).

Die Identifizierung Einzelner, die HLA-B*1502-Allel-positiv sind und deshalb nicht mit

Carbamazepin therapiert wurden, reduzierte das Auftreten von Carbamazepin-

induziertem SJS/TEN.

Limitierung der genetischen Tests

Genetische Tests können niemals eine sorgsame medizinische Betreuung ersetzen. Viele

asiatische Patienten, die für HLA-B*1502 positiv sind und mit Tegretal behandelt werden,

entwickeln kein SJS/TEN und Patienten, die für HLA-B*1502 negativ sind, können

dennoch SJS/TEN entwickeln. Ebenso werden viele HLA-A*3101-positive Patienten trotz

Behandlung mit Tegretal kein SJS, TEN, DRESS, AGEP oder makulopapulösen

Ausschlag entwickeln und Patienten aus jeder ethnischen Gruppe, die HLA-A*3101-

negativ getestet sind, können trotzdem diese schweren Hautreaktionen entwickeln. Die

Rolle möglicher anderer Faktoren zur Entwicklung und Morbidität dieser schweren

Hautreaktion wie AED-Dosierung, Compliance, gleichzeitige Anwendung weiterer

Arzneimittel und der Grad an dermatologischer Überwachung wurden nicht untersucht.

Andere Hautreaktionen

Leichte Hautreaktionen, z. B. isolierte makuläre oder makulopapuläre Exantheme,

können ebenfalls auftreten und sind meist vorübergehend und nicht gefährlich. Sie

verschwinden gewöhnlich innerhalb weniger Tage oder Wochen, entweder bei

unveränderter Fortsetzung der Therapie oder nach Dosisreduktion. Da es jedoch

schwierig sein kann, die frühen Anzeichen schwerer Hautreaktionen von denen leichter

und vorübergehender Hautreaktionen zu unterscheiden, sollte der Patient unter

engmaschiger Beobachtung bleiben und ein sofortiges Absetzen in Betracht gezogen

werden, sollten sich die Hautreaktionen bei fortgesetzter Anwendung verschlechtern.

Es wurde beobachtet, dass das HLA-A*A3101-Allel mit weniger schweren durch

Carbamazepin verursachten Hautreaktionen assoziiert ist und möglicherweise das Risiko

für Carbamazepin-Nebenwirkungen wie Antikonvulsiva-Hypersensitivität-Syndrom oder

nicht schwerwiegenden Ausschlag (makulopapulösen Hautausschlag) vorhersagbar

macht. Das HLA-B*1502-Allel ist nicht prädiktiv für das Auftreten der oben aufgeführten

Hautreaktionen.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Carbamazepin kann Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, einschließlich

Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), eine

verzögerte, mehrere Organe betreffende Überempfindlichkeitsreaktion mit Fieber,

Hautausschlag, Vaskulitis, Lymphknotenschwellung, Gelenkschmerz, Leukopenie,

Eosinophilie, Vergrößerung von Leber und Milz, veränderten Leberfunktionswerten und

Vanishing Bile Duct Syndrom (Zerstörung und Verlust der intrahepatischen Gallengänge),

die in verschiedenen Kombinationen auftreten können. Andere Organe können ebenfalls

betroffen sein (z. B. Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herzmuskel, Dickdarm) (siehe

Abschnitt 4.8 Nebenwirkungen).

Es wurde beobachtet, dass das HLA-A*3101-Allel mit dem Auftreten des Hypersensitivität-

Syndroms, inkl. makulopapulösem Hautausschlag, assoziiert ist.

Patienten, die auf Carbamazepin Überempfindlichkeitsreaktionen gezeigt haben, sollten

informiert werden, dass etwa 25 bis 30 % dieser Patienten Überempfindlichkeitsreaktionen

auf Oxcarbazepin (Trileptal) zeigen können.

Eine Kreuzreaktion kann bei Carbamazepin und aromatischen Antiepileptika (z. B.

Phenytoin, Primidon, Phenobarbital) auftreten.

Wenn Anzeichen oder Symptome einer Überempfindlichkeitsreaktion auftreten, sollte

Carbamazepin sofort abgesetzt werden.

Krampfanfälle

Da Carbamazepin Absencen hervorrufen bzw. bereits bestehende verstärken kann, sollte

Tegretal 200 mg bei Patienten, die unter Absencen bzw. gemischten Epilepsieformen, die

solche beinhalten, leiden, nicht angewendet werden. In diesen Konstellationen könnte

Tegretal 200 mg zu einer Anfallsverschlimmerung führen.

Falls es zur Exazerbation von Krampfanfällen kommt, sollte Carbamazepin abgesetzt

werden.

Leberfunktion

Vor und während der Behandlung mit Tegretal 200 mg müssen die Leberwerte kontrolliert

werden; es wird eine Bestimmung vor Behandlungsbeginn, dann in wöchentlichen

Abständen im ersten Monat der Behandlung, danach in monatlichen Abständen

empfohlen. Das gilt insbesondere für Patienten mit einer Lebererkrankung in der

Anamnese oder für ältere Patienten. Nach 6-monatiger Behandlung reichen teilweise 2-

bis 4-malige Kontrollen im Jahr aus.

Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, beim Auftreten von Symptomen einer

Hepatitis wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gelbfärbung der Haut,

Vergrößerung der Leber umgehend den Arzt aufzusuchen.

Wenn sich eine Leberfunktionsstörung verschlechtert oder eine floride Lebererkrankung

auftritt, sollte Carbamazepin sofort abgesetzt werden.

Nierenfunktion

Es wird empfohlen, vor und regelmäßig während der Behandlung mit Tegretal 200 mg

einen Harnstatus und den Harnstoff-Stickstoff zu bestimmen.

Hyponatriämie

Unter Einnahme von Carbamazepin kommt es bekanntermaßen zu einer Hyponatriämie.

Bei Patienten mit vorbestehenden Nierenerkrankungen, die mit einer niedrigen Serum-

Natrium-Konzentration einhergehen, oder bei Patienten, die gleichzeitig mit die Natrium-

Konzentration senkenden Arzneimitteln (z. B. Diuretika, Arzneimittel, die mit einer

inadäquaten ADH-Sekretion in Verbindung stehen) behandelt werden, sollte die Serum-

Natrium-Konzentration vor der Behandlung bestimmt werden. Danach sollte die Serum-

Natrium-Konzentration zunächst nach etwa zwei Wochen und dann während der ersten

drei Monate der Behandlung in monatlichen Abständen oder entsprechend der klinischen

Notwendigkeit bestimmt werden. Die oben genannten Risikofaktoren treten besonders bei

älteren Patienten auf. Wenn eine Hyponatriämie festgestellt wird, ist eine

Flüssigkeitsrestriktion eine wichtige Gegenmaßnahme, falls dies klinisch indiziert ist.

Hypothyreose

Carbamazepin kann durch Enzyminduktion die Serum-Konzentration von

Schilddrüsenhormonen reduzieren, wodurch eine Erhöhung der Dosis einer Schilddrüsen-

hormonersatztherapie bei Patienten mit Hypothyreose erforderlich wird. Daher ist eine

Überwachung der Schilddrüsenfunktion empfohlen, um die Dosierung einer

Schilddrüsenhormonersatztherapie anzupassen.

Anticholinerge Effekte

Carbamazepin hat eine schwache anticholinerge Aktivität. Patienten mit Glaukom (grüner

Star) und Harnretention sollten daher während der Behandlung sorgfältig überwacht

werden (siehe Abschnitt 4.8 Nebenwirkungen).

Psychiatrische Reaktionen

Die Möglichkeit einer Aktivierung latenter Psychosen und, v. a. bei älteren Patienten, des

Auftretens von Verwirrungs- oder Erregungszuständen sollte stets bedacht werden.

Suizidgedanken und suizidales Verhalten

Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit

Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Eine

Metaanalyse randomisierter, placebo-kontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte auch

ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten.

Der Mechanismus für die Auslösung dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt und die

verfügbaren Daten schließen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos bei der Einnahme von

Tegretal 200 mg nicht aus.

Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen

Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen

werden. Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden medizinische Hilfe

einzuholen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.

Schwangerschaft und Frauen im gebärfähigen Alter

Carbamazepin kann bei Verabreichung an schwangere Frauen mit einer Schädigung des

Fetus verbunden sein (siehe Abschnitt 4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit).

Tegretal 200 mg sollte während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der

potenzielle Nutzen die möglichen Risiken rechtfertigt.

Aufgrund des möglichen teratogenen Risikos für den Fetus sollte für alle schwangeren

Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter eine ausreichende Beratung hinsichtlich der

Risiken einer Schwangerschaft gewährleistet sein (siehe Abschnitt 4.6).

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Tegretal 200 mg und für

zwei Wochen nach der letzten Gabe wirksame Verhütungsmethoden anwenden (siehe

unten im Absatz „Hormonale Kontrazeptiva“ und Abschnitt 4.6).

Hormonale Kontrazeptiva

Bei mit Tegretal 200 mg behandelten Patientinnen, die gleichzeitig hormonale

Kontrazeptiva (die „Pille“) verwendeten, wurde über Durchbruchblutungen berichtet. Die

Zuverlässigkeit der hormonalen Kontrazeption mit Östrogen- und/oder Progesteron-

derivaten kann aufgrund der enzyminduzierenden Eigenschaften von Tegretal 200 mg

negativ beeinflusst oder sogar aufgehoben werden. Deshalb sollten Frauen im

gebärfähigen Alter andere, nicht hormonale Verhütungsmethoden empfohlen werden

(siehe Abschnitt 4.6).

Plasmaspiegel-Monitoring

Obwohl die Korrelation zwischen Dosis von Carbamazepin und Plasmaspiegel einerseits

und zwischen Plasmaspiegel und klinischer Wirksamkeit bzw. Verträglichkeit andererseits

sehr zweifelhaft ist, kann ein Plasmaspiegel-Monitoring in den folgenden Fällen nützlich

sein: auffälliger Anstieg der Anfallshäufigkeit, Überprüfung der Patienten-Compliance,

während der Schwangerschaft, bei der Behandlung von Kindern oder Heranwachsenden,

bei Verdacht auf Resorptionsstörungen, bei Verdacht auf toxische Effekte, wenn mehrere

Arzneimittel gleichzeitig gegeben werden (siehe Abschnitt 4.5 Wechselwirkungen mit

anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen).

Alkoholentzugssyndrom

Im Anwendungsgebiet Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom darf Tegretal

200 mg nur unter stationären Bedingungen angewendet werden.

Zu beachten ist, dass die auftretenden Nebenwirkungen von Carbamazepin bei der

Behandlung des Alkoholentzugssyndroms den Entzugserscheinungen ähnlich sein bzw.

mit ihnen verwechselt werden können.

Gabe zusammen mit Lithium

Wenn Tegretal 200 mg zur Prophylaxe manisch-depressiver Phasen bei unzureichender

Wirksamkeit von Lithium alleine in Ausnahmefällen zusammen mit Lithium gegeben

werden soll, ist zur Vermeidung von unerwünschten Wechselwirkungen (siehe Abschnitt

4.5) darauf zu achten, dass eine bestimmte Plasmakonzentration von Carbamazepin nicht

überschritten wird (8 Mikrogramm/ml), der Lithiumspiegel in einem niedrigen

therapeutischen Bereich gehalten wird (0,3 bis 0,8 mval/L) und eine Behandlung mit

Neuroleptika länger als 8 Wochen zurückliegt und auch nicht gleichzeitig erfolgt.

Photosensibilisierung

Aufgrund der Möglichkeit einer Photosensibilisierung sollten sich die Patienten während

der Behandlung mit Carbamazepin vor starker Sonnenbestrahlung schützen.

Dosisreduktion und Entzugseffekte

Ein abruptes Absetzen von Carbamazepin kann zu Anfällen führen. Daher sollte

Carbamazepin schrittweise über einen Zeitraum von 6 Monaten abgesetzt werden. Wird

eine Umstellung der Therapie bei Patienten mit Epilepsie, die mit Tegretal 200 mg

behandelt werden, erforderlich, darf die Umstellung nicht plötzlich erfolgen, sondern es

muss ausschleichend auf die Behandlung mit einem anderen Antiepileptikum umgestellt

werden. Falls bei Epilepsiepatienten eine abrupte Umstellung von Carbamazepin auf ein

anderes Antiepileptikum erforderlich ist, sollte diese unter Abdeckung mit geeigneten

Medikamenten erfolgen.

Laborkontrollen

Aufgrund der oben genannten möglichen Nebenwirkungen sowie

Überempfindlichkeitsreaktionen sind, insbesondere bei Langzeittherapie, regelmäßig

Blutbild, Nieren- und Leberfunktion und der Carbamazepin-Spiegel sowie bei

Kombinationstherapie die Plasmakonzentrationen der anderen Antiepileptika zu

kontrollieren, gegebenenfalls sind die Tagesdosen zu reduzieren.

Stürze

Eine Tegretal-Behandlung kann mit Ataxie, Schwindel, Somnolenz, Hypotonie,

Verwirrtheitszuständen und Sedierung (siehe Abschnitt 4.8 Nebenwirkungen) verbunden

sein. Dies kann zu Stürzen und damit zu Frakturen oder anderen Verletzungen führen. Bei

Patienten mit Krankheiten, Beschwerden oder Medikationen, die diese Auswirkungen

verstärken könnten, sollte eine umfassende Beurteilung des Sturzrisikos in Betracht

gezogen werden. Bei Patienten unter Langzeitbehandlung mit Tegretal 200 mg sollte dies

wiederholt erfolgen.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige

Wechselwirkungen

Die Anwendung von Carbamazepin in Kombination mit Monoamino-Oxidasehemmern

(MAO-Hemmern) wird nicht empfohlen. Daher muss eine Behandlung mit MAO-Hemmern

mindestens zwei Wochen vor Beginn einer Behandlung mit Tegretal 200 mg beendet

worden sein.

Beeinflussung der Plasmakonzentration anderer Arzneimittel durch Carbamazepin

Carbamazepin induziert das Cytochrom-P-450-System (überwiegend das Isoenzym

CYP3A4) und andere Phase-I- und Phase-II-Enzymsysteme in der Leber, so dass die

Plasmakonzentrationen von Substanzen, die hauptsächlich über CYP3A4 abgebaut

werden, verringert und diese unter Umständen unwirksam werden können. Ihre Dosis ist

gegebenenfalls den klinischen Erfordernissen anzupassen.

Dies gilt beispielsweise für:

Analgetika, entzündungshemmende Substanzen: Buprenorphin, Fentanyl, Methadon,

Paracetamol (Langzeitanwendung von Carbamazepin und Paracetamol

(Acetaminophen) kann zu einer Hepatotoxizität führen), Phenazon, Tramadol

Anthelmintika: Praziquantel, Albendazol

Antikoagulantien: Warfarin, Phenprocoumon, Dicumarol, Acenocumarol,

Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban, Edoxaban

Antidepressiva: Bupropion, Citalopram, Mianserin, Nefazodon, Sertralin, Trazodon

(anscheinend jedoch Verstärkung des antidepressiven Effekts von Trazodon)

Trizyklische Antidepressiva: Imipramin, Amitryptilin, Nortryptilin, Clomipramin

Antimimetika: Aprepitant

Andere Antikonvulsiva: Clonazepam, Ethosuximid, Felbamat, Lamotrigin,

Eslicarbazepin, Oxcarbazepin, Primidon, Tiagabin, Topiramat, Valproinsäure,

Zonisamid. Um eine Phenytoin-Intoxikation und subtherapeutische Konzentrationen

von Carbamazepin zu vermeiden, wird empfohlen, die Plasmakonzentration von

Phenytoin auf 13 Mikrogramm/ml einzustellen, bevor die zusätzliche Behandlung mit

Carbamazepin aufgenommen wird.

Antimykotika: Caspofungin, Antimykotika vom Azoltyp: z. B. Itraconazol, Voriconazol.

Für Patienten, die mit Voriconazol oder Itraconazol behandelt werden, sind

alternative Antikonvulsiva zu empfehlen.

Antivirale Substanzen: Proteaseinhibitoren zur Behandlung von HIV, z. B. Indinavir,

Ritonavir, Saquinavir

Anxiolytika: Alprazolam, Midazolam, Clobazam

Bronchodilatatoren, Antiasthmatika: Theophyllin

Immunsuppressiva: Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus

Herz-Kreislauf-Medikamente: Kalzium-Antagonisten (vom Dihydropyridin-Typ, z. B.

Felodipin), Digoxin, Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin, Cerivastatin, Ivabradin.

Hormonale Kontrazeptiva

Kortikosteroide: z. B. Prednisolon, Dexamethason

Typische Neuroleptika: Haloperidol, Bromperidol

Atypische Neuroleptika: Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Ziprasonid,

Aripiprazol, Paliperidon

Schilddrüsenhormone: Levothyroxin

Tetrazykline: z. B. Doxycyclin

Zytostatika: Imatinib, Cyclophosphamid, Lapatinib, Temsirolimus

Sonstige: Chinidin, Östrogene, Methylphenidat, Progesteronderivate, Propranolol,

Flunarizin, Rifabutin

Arzneimittel zur Therapie der erektilen Dysfunktion: Tadalafil.

Bei Einnahme der „Pille“ können, zusätzlich zur Wirkungsabschwächung der hormonalen

Kontrazeptiva, plötzliche Zwischenblutungen auftreten. Deshalb sollten andere, nicht

hormonale Verhütungsmethoden empfohlen werden.

Die Plasmakonzentration von Phenytoin kann durch Carbamazepin sowohl erhöht als auch

vermindert werden, wodurch in Ausnahmefällen Verwirrtheitszustände bis hin zum Koma

auftreten können.

Carbamazepin kann den Plasmaspiegel von Bupropion senken und den des Metaboliten

Hydroxybupropion erhöhen und somit die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von

Bupropion verringern.

Carbamazepin kann den Plasmaspiegel von Trazodon senken, scheint jedoch den

antidepressiven Effekt von Trazodon zu verstärken.

Carbamazepin kann möglicherweise die Metabolisierung von Zotepin beschleunigen.

Verminderte Plasmakonzentration von Carbamazepin

Carbamazepin wird durch das Cytochrom-P-450-System (überwiegend durch das

Isoenzym CYP3A4) metabolisiert. Induktoren von CYP3A4 könnten daher den

Carbamazepin-Metabolismus erhöhen und dadurch möglicherweise zu einer Verringerung

der Carbamazepin-Plasmakonzentration und der therapeutischen Wirkung führen.

Umgekehrt könnte es nach Absetzen eines CYP3A4-Induktors zu einem verringerten

Metabolismus von Carbamazepin kommen und in der Folge zu einem Anstieg der

Carbamazepin-Plasmakonzentration. Eine Verringerung der Carbamazepin-

Plasmakonzentration ist z. B. möglich durch die folgenden Substanzen (nach

Substanzklassen geordnet):

Andere Antikonvulsiva: Felbamat, Methosuximid, Oxcarbazepin, Phenobarbital,

Phensuximid, Phenytoin (um eine Phenytoin-Intoxikation und subtherapeutische

Konzentrationen von Carbamazepin zu vermeiden, wird empfohlen, die

Plasmakonzentration von Phenytoin auf 13 Mikrogramm/ml einzustellen, bevor die

zusätzliche Behandlung mit Carbamazepin aufgenommen wird), Fosphenytoin,

Primidon, Progabid und möglicherweise (hier sind die Daten teilweise

widersprüchlich) Clonazepam, Valproinsäure, Valpromid

Tuberkulosemittel: Rifampicin

Bronchodilatatoren, Antiasthmatika: Theophyllin, Aminophyllin

Dermatika: Isotretinoin

Zytostatika: Cisplatin, Doxorubicin

Sonstige: Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Andererseits können die Plasmaspiegel des pharmakologisch wirksamen Metaboliten

Carbamazepin-10,11-epoxid durch Valproinsäure sowie Primidon erhöht werden.

Durch Gabe von Felbamat kann der Plasmaspiegel von Carbamazepin vermindert und der

von Carbamazepin-10,11-epoxid erhöht werden, gleichzeitig kann der Felbamat-Spiegel

gesenkt werden.

Aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung, insbesondere bei gleichzeitiger

Verabreichung mehrerer Antiepileptika, empfiehlt es sich, die Plasmaspiegel zu

kontrollieren und die Dosierung von Tegretal 200 mg gegebenenfalls anzupassen.

Erhöhte Plasmakonzentration von Carbamazepin und/oder Carbamazepin-10,11-epoxid

Carbamazepin wird hauptsächlich durch Cytochrom-P-450 3A4 (CYP3A4) zu dem aktiven

Metaboliten Carbamazepin-10,11-epoxid metabolisiert. Die gleichzeitige Anwendung von

Inhibitoren von CYP3A4 kann daher zu einem Anstieg der Carbamazepin-

Plasmakonzentration führen, die Nebenwirkungen zur Folge haben kann.

Erhöhte Plasmaspiegel von Carbamazepin können zu den unter Abschnitt 4.8 genannten

Symptomen (z. B. Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Doppeltsehen) führen. Daher

sollte die Carbamazepin-Plasmakonzentration bei Auftreten solcher Symptome überprüft

und die Dosis nötigenfalls verringert werden.

Die Plasmakonzentration an Carbamazepin kann z. B. durch die folgenden Substanzen

(geordnet nach Substanzklassen) erhöht werden:

Analgetika, entzündungshemmende Substanzen: Dextropropoxyphen/Propoxyphen,

Ibuprofen

Androgene: Danazol

Antibiotika: Makrolidantibiotika (z. B. Erythromycin, Troleandomycin, Josamycin,

Clarithromycin, Ciprofloxacin)

Antidepressiva: Fluoxetin, Fluvoxamin, Nefazodon, Paroxetin, Trazodon, Viloxazin,

möglicherweise auch Desipramin

Andere Antikonvulsiva: Stiripentol, Vigabatrin

Antimykotika: vom Azoltyp (wie z. B. Itraconazol, Ketoconazol, Fluconazol,

Voriconazol). Für Patienten, die mit Voriconazol oder Itraconazol behandelt werden,

sind alternative Antikonvulsiva zu empfehlen.

Antihistaminika: Loratadin, Terfenadin

Tuberkulosemittel: Isoniazid

Antivirale Substanzen: Proteaseinhibitoren zur Behandlung von HIV, z. B. Ritonavir

Carboanhydrasehemmer (Diuretika): Acetazolamid

Kalzium-Antagonisten: Diltiazem, Verapamil

Muskelrelaxanzien: Oxybutynin, Dantrolen

Neuroleptika: Loxapin, Olanzapin, Quetiapin

Plättchenaggregationshemmer: Ticlopidin

Ulcustherapeutika: Omeprazol, möglicherweise Cimetidin

Sonstige: Grapefruchtsaft, Nicotinamid (in hoher Dosierung)

Erhöhte Plasmakonzentration des aktiven Metaboliten Carbamazepin-10,11-epoxid

Die menschliche mikrosomale Epoxid-Hydrolase wurde als dasjenige Enzym identifiziert,

das die Bildung des 10,11-trans-Diols aus Carbamazepin-10,11-epoxid bewirkt. Die

gleichzeitige Gabe von Inhibitoren der menschlichen mikrosomalen Epoxid-Hydrolase kann

daher zu erhöhten Plasmakonzentrationen an Carbamazepin-10,11-epoxid führen.

Erhöhte Plasmaspiegel von Carbamazepin-10,11-epoxid können zu den in Abschnitt 4.8

genannten Symptomen (z. B. Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Doppeltsehen)

führen. Daher sollte die Plasmakonzentration bei Auftreten solcher Symptome überprüft

und die Dosis nötigenfalls angepasst werden, wenn folgende Substanzen gleichzeitig

gegeben werden:

Loxapin, Quetiapin, Primidon, Progabid, Valproinsäure, Valnoctamid und Valpromid.

Weitere Wechselwirkungen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin und Levetiracetam kann die Toxizität von

Carbamazepin erhöhen.

Die Leberschädlichkeit von Isoniazid kann durch Carbamazepin erhöht werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin und Lithium oder Metoclopramid

einerseits und von Neuroleptika (Haloperidol, Thioridazin) andererseits kann das Auftreten

neurologischer Nebenwirkungen begünstigen. Bei Patienten, die mit Neuroleptika

behandelt werden, ist darauf zu achten, dass Carbamazepin den Plasmaspiegel dieser

Arzneimittel reduzieren und dadurch eine Verschlechterung des Krankheitsbildes

verursachen kann. Eine Dosisanpassung des jeweiligen Neuroleptikums kann erforderlich

sein.

Es wird darauf hingewiesen, dass insbesondere die gleichzeitige Anwendung von Lithium

und Carbamazepin die neurotoxische Wirkung beider Wirkstoffe, auch bei Vorliegen

therapeutischer Lithium-Spiegel, verstärken kann. Daher ist eine sorgfältige Überwachung

der Blutspiegel von beiden notwendig. Eine vorherige Behandlung mit Neuroleptika soll

länger als 8 Wochen zurückliegen und auch nicht gleichzeitig erfolgen. Auf folgende

Anzeichen neurotoxischer Symptome ist zu achten: Unsicherer Gang, Ataxie, horizontaler

Nystagmus, gesteigerte Muskeleigenreflexe, Muskelzucken (Muskelfaszikulationen).

Die kombinierte Gabe von Carbamazepin und einigen Diuretika (Hydrochlorothiazid,

Furosemid) kann zu einer symptomatischen Hyponatriämie führen.

Die Wirksamkeit nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien, wie z. B. Pancuronium, kann

durch Carbamazepin beeinträchtigt werden. Dadurch ist eine raschere Aufhebung der

neuromuskulären Blockade möglich. Patienten, die mit Muskelrelaxanzien behandelt

werden, sollten diesbezüglich überwacht und die Dosierung dieser Arzneimittel

gegebenenfalls erhöht werden.

Carbamazepin kann, wie andere psychoaktive Stoffe, die Alkoholtoleranz der Patienten

vermindern. Die Patienten sollten daher während der Behandlung keinen Alkohol trinken.

Die gleichzeitige Gabe von Carbamazepin und direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien

(Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban und Edoxaban) kann zu reduzierten Plasmaspiegeln

der direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien führen. Weitere Details entnehmen Sie bitte

der folgenden Tabelle:

Direkt

wirkende

orale

Antikoagulanzien

(NOAC)

Empfehlungen

für

gleichzeitige

Anwendung von NOAC und Carbamazepin

Apixaban

In der Prophylaxe venöser Thromboembolien

(VTE)

nach

elektiven

Hüft-

oder

Kniegelenksersatzoperationen,

Prophylaxe

Schlaganfällen

systemischen

Embolien

Patienten

nicht-valvulärem

Vorhofflimmern

(NVAF)

sowie in der Prophylaxe von rezidivierenden

tiefen

Venenthrombosen

(TVT)

Lungenembolien (LE) sollte die gleichzeitige

Anwendung nur mit Vorsicht erfolgen.

Bei der Behandlung von TVT und LE sollte die

gleichzeitige Anwendung vermieden werden.

Rivaroxaban

Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden

werden,

denn,

Patient

wird

engmaschig auf Zeichen und Symptome einer

Thrombose überwacht.

Dabigatran

Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden

werden.

Edoxaban

Die gleichzeitige Gabe sollte nur mit Vorsicht

erfolgen.

In der Literatur gibt es Hinweise darauf, dass die zusätzliche Einnahme von Carbamazepin

bei vorbestehender Neuroleptikatherapie das Risiko für das Auftreten eines malignen

neuroleptischen Syndroms oder eines Stevens-Johnson-Syndroms erhöht.

Bei gleichzeitiger Gabe von Isotretinoin (Wirkstoff zur Akne-Behandlung) und

Tegretal 200 mg sollten die Carbamazepin-Plasmaspiegel kontrolliert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Tegretal 200 mg mit Paracetamol kann die Bioverfügbarkeit

von Paracetamol vermindern.

Carbamazepin scheint die Elimination von Schilddrüsenhormonen zu verstärken und den

Bedarf an diesen bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion zu erhöhen. Deshalb sind

bei solchen Patienten, die eine Substitutionstherapie erhalten, zu Beginn und am Ende

einer Therapie mit Tegretal 200 mg die Schilddrüsenparameter zu bestimmen.

Gegebenenfalls ist eine Dosisanpassung der Schilddrüsenhormon-Präparate

vorzunehmen. Insbesondere die gleichzeitige Behandlung mit Carbamazepin und anderen

Antikonvulsiva (z. B. Phenobarbital) kann die Schilddrüsenfunktion verändern.

Die gleichzeitige Gabe von Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahme-

Hemmer (z. B. Fluoxetin) kann zu einem toxischen Serotonin-Syndrom führen.

Es wird empfohlen, Tegretal 200 mg nicht in Kombination mit Nefazodon

(depressionslösendes Mittel) anzuwenden, da Tegretal 200 mg zu einer deutlichen

Reduktion des Nefazodon-Plasmaspiegels bis hin zum Wirkungsverlust führen kann.

Darüber hinaus wird bei gleichzeitiger Einnahme von Nefazodon und Tegretal 200 mg der

Carbamazepin-Plasmaspiegel erhöht und der seines aktiven Abbauproduktes

Carbamazepin-10,11-epoxid erniedrigt.

Durch gleichzeitige Einnahme von Carbamazepin und Antiarrhythmika, zyklischen

Antidepressiva oder Erythromycin erhöht sich das Risiko für kardiale

Überleitungsstörungen.

Beeinträchtigung serologischer Untersuchungen

Durch Interferenz bei der HPLC-Analyse kann Carbamazepin zu falsch positiven

Perphenazin-Konzentrationen führen.

Carbamazepin und sein 10,11-Epoxid-Metabolit können bei Fluoreszenzpolarisations-

Immunoassays zu falsch positiven Konzentrationen von trizyklischen Antidepressiva

führen.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Kontrazeption bei Frauen im gebärfähigen Alter

Tegretal 200 mg beeinträchtigt die Wirkung von hormonalen Kontrazeptiva, die Östrogen-

und/oder Progesteronderivate enthalten. Deshalb sollte während der Behandlung mit

Tegretal 200 mg und für zwei Wochen nach der letzten Gabe eine andere wirksame und

sichere Verhütungsmethode angewendet werden.

Schwangerschaft

Es ist bekannt, dass der Nachwuchs von an Epilepsie erkrankten Müttern häufiger

Entwicklungsstörungen einschließlich Missbildungen aufweist. Es fehlen jedoch schlüssige

Belege aus kontrollierten Studien mit Carbamazepin als Monotherapie. Es wurde aber in

Zusammenhang mit der Anwendung von Carbamazepin über Entwicklungsstörungen und

ein generell erhöhtes Risiko für Fehlbildungen wie Spina bifida sowie über andere

angeborene Anomalien wie kraniofaziale Dysmorphien, kardiovaskuläre Fehlbildungen,

Fingernagelhypoplasien und Anomalien anderer Organsysteme berichtet.

In Anbetracht dessen sollten folgende Punkte bedacht werden:

Schwangere Frauen mit Epilepsie sollten mit besonderer Vorsicht medikamentös

behandelt werden.

Wenn unter einer Carbamazepin-Behandlung eine Schwangerschaft eintritt oder

geplant wird oder wenn während einer Schwangerschaft eine Behandlung mit

Carbamazepin begonnen werden soll, muss der erwartete Nutzen des Medikaments

sehr sorgfältig gegen die möglichen Risiken dieser Therapie für das ungeborene

Kind abgewogen werden, besonders in den ersten drei Monaten.

Carbamazepin sollte bei gebärfähigen Frauen und besonders während der

Schwangerschaft wann immer möglich als Monotherapie angewendet werden, da die

Inzidenz von Fehlbildungen bei einer Kombinationstherapie mit anderen

Antiepileptika höher ist als bei einer Monotherapie. Das Risiko von Fehlbildungen

nach Carbamazepin-Exposition als Polytherapie variiert abhängig von den einzelnen

angewendeten Medikamenten und kann insbesondere bei einer Polytherapie mit

Valproat höher sein.

Während der für Fehlbildungen besonders anfälligen ersten drei Monate der

Schwangerschaft und besonders zwischen dem 20. und 40. Tag nach der

Befruchtung soll die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden, da

Fehlbildungen wahrscheinlich durch hohe Plasmakonzentrationen hervorgerufen

werden. Eine Kontrolle der Plasmaspiegel wird empfohlen. Sie sollten im unteren

Bereich des therapeutischen Bereiches (3 bis 7 Mikrogramm/ml) liegen. Bei einer

Dosis von < 400 mg Carbamazepin pro Tag sind die Fehlbildungsraten niedriger als

bei höheren Dosen.

Die Patientinnen sollen über das erhöhte Risiko von Fehlbildungen informiert und auf

die Möglichkeit des pränatalen Screenings hingewiesen werden.

In keinem Fall sollte die Behandlung ohne ärztlichen Rat abgebrochen werden, da es

bei epileptischen Anfällen zur Schädigung des Kindes kommen kann.

Es ist bekannt, dass es in der Schwangerschaft zum Auftreten eines Folsäuremangels

kommen kann. Es wurde berichtet, dass Antiepileptika den Folsäuremangel verstärken

können. Der Folsäuremangel kann möglicherweise zur erhöhten Inzidenz von

angeborenen Fehlbildungen bei Kindern, deren Mütter mit Antiepileptika behandelt

wurden, beitragen. Deshalb kann die Gabe von Folsäure vor und während der

Schwangerschaft sinnvoll sein.

Zur Vermeidung von Blutgerinnungsstörungen wird auch die prophylaktische Gabe von

Vitamin K

in den letzten Wochen der Schwangerschaft an die Mutter bzw. post partum an

das Neugeborene empfohlen.

In Zusammenhang mit der Einnahme von Tegretal 200 mg und anderen Antiepileptika

wurde über einige wenige Fälle von Krämpfen und/oder Atemdepression bei

Neugeborenen berichtet, ebenso über einige Fälle von Erbrechen, Diarrhö und/oder

verminderter Nahrungsaufnahme. Dies könnten Anzeichen eines Entzugssyndroms beim

Neugeborenen sein.

Stillzeit

Carbamazepin und sein wirksamer Metabolit treten in die Muttermilch über (Milch/Plasma-

Konzentrationsverhältnisse von 0,24 bis 0,69). Der Nutzen des Stillens sollte jedoch gegen

das geringe Risiko von Nebenwirkungen beim Säugling abgewogen werden.

Tegretal 200 mg darf in der Stillzeit eingenommen werden, vorausgesetzt, der gestillte

Säugling wird bezüglich des Auftretens möglicher unerwünschter Wirkungen beobachtet

(verringerte Gewichtszunahme, Sedierung, allergische Hautreaktionen). Beim Auftreten

solcher Substanzwirkungen sollte abgestillt werden. Es liegen einige Berichte über

cholestatische Hepatitis bei Neugeborenen vor, die pränatal oder während der Stillzeit

Carbamazepin ausgesetzt waren. Daher sollten gestillte Kinder, deren Mütter mit

Carbamazepin behandelt werden, sorgfältig auf hepatobiliäre Nebenwirkungen überwacht

werden.

Fertilität

Es traten Einzelfälle sexueller Funktionsstörungen auf, wie z. B. Impotenz oder

verminderte Libido. Sehr selten wurde über verminderte männliche Fertilität und/oder

abnorme Spermatogenese berichtet.

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen

von Maschinen

Durch das Auftreten zentralnervöser Nebenwirkungen, wie z. B. Schwindel,

Benommenheit, Müdigkeit, Ataxie, Doppeltsehen, Akkommodationsstörungen und

verschwommenes Sehen, zu Beginn der Behandlung oder in höheren Dosen und/oder bei

gleichzeitiger Einnahme anderer, ebenfalls am Zentralnervensystem angreifender

Arzneimittel kann Tegretal 200 mg auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das

Reaktionsvermögen – unabhängig von der Auswirkung des zu behandelnden

Grundleidens – so weit verändern, dass z. B. die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am

Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen oder Arbeiten ohne sicheren Halt

vermindert wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

4.8

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

Sehr häufig (≥ 1/10)

Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)

Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten (< 1/10.000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Die beobachteten Nebenwirkungen traten bei alleiniger Verabreichung von Carbamazepin

(Monotherapie) seltener als bei gleichzeitiger Gabe anderer Antiepileptika

(Kombinationstherapie) auf.

Ein Teil der Nebenwirkungen tritt dosisabhängig vor allem zu Beginn der Behandlung, bei

zu hoher Anfangsdosierung oder bei älteren Patienten sehr häufig oder häufig auf, so

zentralnervöse Störungen (Schwindel, Kopfschmerzen, Ataxie, Schläfrigkeit, Sedierung,

Doppeltsehen), gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Erbrechen) und allergische

Hautreaktionen.

Dosisabhängige Nebenwirkungen klingen meist innerhalb einiger Tage von selbst oder

nach vorübergehender Dosisreduktion ab. Daher sollte Tegretal 200 mg möglichst

einschleichend dosiert werden. Zentralnervöse Störungen können ein Zeichen einer

relativen Überdosierung oder starker Schwankungen der Plasmaspiegel sein; daher

empfiehlt es sich in diesen Fällen, die Plasmaspiegel zu bestimmen.

Die Nebenwirkungen sind gemäß der MedDRA-Terminologie entsprechend der

Organklassen aufgeführt. Innerhalb der Organklassen sind die Nebenwirkungen nach

absteigender Schwere aufgeführt.

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Nicht bekannt**

Reaktivierung einer Infektion mit dem Humanen

Herpesvirus 6

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Sehr häufig

Leukopenie. Nach Literaturangaben tritt dabei am

häufigsten eine gutartige Leukopenie, in etwa 10 %

der Fälle vorübergehend, in 2 % persistierend, auf.

Eine gutartige Leukopenie tritt vor allem innerhalb der

ersten vier Therapiemonate auf.

Häufig

Thrombozytopenie, Eosinophilie.

Selten

Leukozytose, Lymphadenopathie.

Sehr selten

Agranulozytose, aplastische Anämie, Panzytopenie,

Aplasie der Erythrozyten, Anämie, megaloblastäre

Anämie, Retikulozytose, hämolytische Anämie,

Milzvergrößerung.

Nicht bekannt**

Knochenmarkinsuffizienz

Erkrankungen des Immunsystems

Gelegentlich

Verzögerte, mehrere Organsysteme betreffende

Überempfindlichkeitsreaktionen mit Fieber,

Hautausschlag, Vaskulitis, Lymphknotenschwellung,

Pseudolymphom, Gelenkschmerz, Leukopenie,

Eosinophilie, Vergrößerung von Leber und Milz oder

mit veränderten Leberfunktionswerten und Vanishing

Bile Duct Syndrome (progrediente cholestatische

Hepatopathie mit Zerstörung und Schwund der

intrahepatischen Gallengänge). Diese Erscheinungen

können in verschiedenen Kombinationen auftreten

und auch andere Organe wie Lunge, Niere,

Bauchspeicheldrüse und Herzmuskel und Dickdarm

betreffen.

Sehr selten

Akute allergische Allgemeinreaktionen,

anaphylaktische Reaktionen, Angioödeme,

Hypogammaglobulinämie.

Nicht bekannt**

Ausschlag mit Eosinophilie und systemischen

Symptomen (Drug Rash with Eosinophilia and

Systemic Symptoms [DRESS]).

Endokrine Erkrankungen

Häufig

Ödeme, Flüssigkeitsretention, Gewichtszunahme,

Hyponatriämie und verminderte Plasmaosmolalität

aufgrund einer ADH-ähnlichen Wirkung, die selten zu

Wasserintoxikation mit Lethargie, Erbrechen,

Kopfschmerz, Verwirrtheitszuständen und anderen

neurologischen Störungen führen kann.

Sehr selten

Galaktorrhö und Gynäkomastie.

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Selten

Folsäuremangel, verminderter Appetit

Sehr selten

Akute Porphyrie (akute intermittierende Porphyrie,

Porphyria variegata), nicht-akute Porphyrie

(Porphyria cutanea tarda).

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich

Bei älteren Patienten Verwirrtheitszustände und

Unruhe (Agitation).

Selten

Halluzinationen (akustisch und visuell), Depression,

depressive oder manische Verstimmungen,

Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten.

Sehr selten

Aktivierung latenter Psychosen,

Stimmungsveränderungen wie phobische Störungen,

Denkerschwernis, Antriebsverarmung.

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr häufig

Schwindel, Ataxie (ataktische und zerebellare

Störungen), Somnolenz, Sedierung, Schläfrigkeit.

Häufig

Kopfschmerzen, Doppelbilder.

Gelegentlich

Unwillkürliche Bewegungen wie z. B. Tremor,

Asterixis, Dystonie oder Ticks, Störungen der

Okulomotorik einhergehend mit Nystagmus.

Selten

Dyskinetische Störungen wie orofaziale Dyskinesien,

Choreoathetose (unwillkürliche Bewegungen im

Mund-Gesichtsbereich wie Grimassieren,

verschraubte Bewegungen), Sprechstörungen (z. B.

Dysarthrie, verwaschene Sprache), Polyneuropathie,

periphere Neuritis, periphere Neuropathie,

Parästhesie, Paresen.

Sehr selten

Malignes Neuroleptisches Syndrom, aseptische

Meningitis mit Myoklonus und peripherer Eosinophilie,

Dysgeusie.

Nicht bekannt**

Gedächtnisstörung

Es gibt Hinweise darauf, dass Carbamazepin zu einer Verschlechterung der

Symptome einer Multiplen Sklerose führen kann. Wie bei Einnahme anderer

Medikamente gegen Anfallsleiden auch, kann es unter Carbamazepin zu einer

Anfallshäufung kommen; insbesondere Absencen können verstärkt oder neu

auftreten.

Augenerkrankungen

Häufig

Akkommodationsstörungen (z. B. verschwommenes

Sehen).

Sehr selten

Linsentrübung, Konjunktivis. Bei zwei Patienten

wurde in Zusammenhang mit einer Carbamazepin-

Langzeittherapie über Retinotoxizität berichtet, die

nach Absetzen des Carbamazepins rückläufig war.

Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Sehr selten

Hörstörungen, z. B. Tinnitus und Hyper- und

Hypoakusis sowie Änderung der Wahrnehmung von

Tonhöhen.

Herzerkrankungen

Gelegentlich

Erregungsleitungsstörungen, AV-Block in Einzelfällen

mit Synkopen.

Gelegentlich bis selten

Bradykardie, Herzrhythmusstörungen,

Herzinsuffizienz, Verschlechterung einer

vorbestehenden koronaren Herzkrankheit.

Gefäßerkrankungen

Selten

Hypertonie oder Hypotonie.

Sehr selten

Kreislaufkollaps, Embolie (z. B. Lungenembolie),

Thrombophlebitis.

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Sehr selten

Hypersensitivitätsreaktionen der Lunge mit Fieber,

Dyspnoe und Pneumonitis oder Pneumonie

(Alveolitiden), Einzelfälle von Lungenfibrose wurden

in der Literatur beschrieben.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig

Übelkeit, Erbrechen.

Häufig

Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit.

Gelegentlich

Diarrhö, Obstipation.

Selten

Bauchschmerz.

Sehr selten

Schleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich

(Stomatitis, Gingivitis, Glossitis), Pankreatitis.

Nicht bekannt**

Kolitis

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten

Verschiedene Formen von Hepatitis (cholestatisch,

hepatozellulär, gemischt), Vanishing Bile Duct

Syndrome, Ikterus, lebensbedrohliche akute

Hepatitis, insbesondere innerhalb der ersten

Therapiemonate, Leberversagen.

Sehr selten

Granulomatöse Lebererkrankung.

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig

Allergische Hautreaktionen mit und ohne Fieber, wie

z. B. Urtikaria (auch stark ausgeprägt).

Gelegentlich

Exfoliative Dermatitis, Erythrodermie.

Selten

Lupus erythematodes disseminatus, Pruritus.

Sehr selten

Stevens-Johnson-Syndrom

, Lyell-Syndrom (Toxische

epidermale Nekrolyse), Photosensibilität, Erythema

In einigen asiatischen Ländern auch selten (siehe Abschnitt 4.4)

exsudativum multiforme et nodosum, Veränderung

der Hautpigmentierung, Purpura, Akne, vermehrtes

Schwitzen, Alopezie; Hirsutismus und Vaskulitis

wurden sehr selten berichtet, aber hier ist der kausale

Zusammenhang unklar.

Nicht bekannt**

Akute generalisierte exanthemische Pustulose

(AGEP), lichenoide Keratose, Onychomadese.

Es gibt zunehmend Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Genmarkern

und dem Auftreten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Haut wie SJS,

TEN, DRESS, AGEP und makulopapulösem Ausschlag. Bei japanischen und

europäischen Patienten wurde berichtet, dass eine Assoziation zwischen diesen

Reaktionen und der Anwendung von Carbamazepin bei gleichzeitigem Vorliegen

des Allels HLA-A*3101 besteht. Bei einem weiteren Marker, dem Allel HLA-

B*1502, konnte gezeigt werden, dass ein starker Zusammenhang mit dem

Auftreten von SJS und TEN bei Han-Chinesen, Thailändern und einigen anderen

asiatischen Bevölkerungsgruppen besteht (siehe Abschnitt 4.2 und 4.4 für

weitere Informationen).

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Selten

Muskelschwäche.

Sehr selten

Störungen im Knochenstoffwechsel (vermindertes

Serum-Kalzium und vermindertes 25-OH-

Cholecalciferol), was vereinzelt zu Osteomalazie

führte, Arthralgien, Myalgien, Muskelkrämpfe.

Nicht bekannt**

Frakturen

Es gibt Fallberichte über die Abnahme der Knochendichte unter dem Bild der

Osteoporose bis hin zu pathologischen Frakturen bei Patienten, die

Carbamazepin über eine lange Zeit angewendet haben. Der Mechanismus,

über den Carbamazepin den Knochen-Metabolismus beeinflusst, ist nicht

bekannt.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Gelegentlich

Nierenfunktionsstörungen (z. B. Albuminurie,

Hämaturie, Oligurie, erhöhter Harnstoffstickstoff im

Blut/Azotämie).

Sehr selten

Tubulointerstitielle Nephritis, Nierenversagen, andere

Harnbeschwerden (häufiges Wasserlassen, Dysurie,

Pollakisurie, Harnretention).

Erkrankungen der Geschlechtsorgane

Sehr selten

Sexuelle Dysfunktion, verminderte Libido, erektile

Dysfunktion, verminderte männliche Fertilität

und/oder abnorme Spermiogenese (verminderte

Spermienzahl und/oder -beweglichkeit).

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr häufig

Erschöpfung

Untersuchungen

Sehr häufig

Anstieg der γ-GT-Werte (bedingt durch hepatische

Enzyminduktion), üblicherweise klinisch nicht

relevant.

Häufig

Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut.

Gelegentlich

Anstieg der Transaminasen.

Sehr selten

Erhöhter Augeninnendruck, erhöhte

Cholesterinspiegel einschließlich HDL-Cholesterin

und Triglyzeride, veränderte

Schilddrüsenfunktionsparameter: Vermindertes L-

Thyroxin (freies Thyroxin, Thyroxin, Trijodthyronin)

und erhöhtes TSH im Blut, meist ohne klinische

Symptome, Erhöhung des freien Cortisols im Serum,

erhöhte Prolaktin-Spiegel im Blut.

Es gibt Hinweise auf verminderte Vitamin-B

-Spiegel und erhöhte Homocystein-

Spiegel im Serum.

Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen

Nicht bekannt**

Sturz (in Verbindungen mit durch die Tegretal-

Behandlung ausgelöste Ataxie, Schwindel,

Somnolenz, Hypotonie, Verwirrtheitszustand und

Sedierung (siehe Abschnitt 4.4 )

**Spontanmeldungen und Literaturfälle von Nebenwirkungen (Häufigkeit auf Grundlage

der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Zusätzliche Nebenwirkungen aus Spontanmeldungen (Häufigkeit nicht bekannt)

Im Rahmen von Erfahrungen nach Markteinführung von Tegretal wurden Nebenwirkungen

anhand von Spontanmeldungen und Literatur bekannt. Da die Meldungen freiwillig und von

einer unbekannten Populationsgröße erfolgten, ist die Häufigkeit auf Grundlage der

verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer

Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-

Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert,

jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und

Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn,

Website: www.bfarm.de, anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Bei jeder Beurteilung einer Intoxikation muss auch an die Möglichkeit einer evtl.

vorliegenden Mehrfachintoxikation durch mögliche Einnahme mehrerer Arzneimittel,

beispielsweise in suizidaler Absicht, gedacht werden.

Carbamazepin-Intoxikationen treten meist bei sehr hohen Dosen (4 bis 20 g) auf, wobei

die Plasmaspiegel immer über 20 Mikrogramm/ml liegen. Akzidentelle oder suizidale

Einnahmen mit Plasmakonzentrationen von 38 Mikrogramm/ml wurden überlebt.

In der Literatur wurde über Intoxikationen (nach Einnahme von Carbamazepin in suizidaler

Absicht oder akzidenteller Einnahme) mit zum Teil letalem Ausgang berichtet.

Symptome einer Überdosierung

Bei einer Überdosierung mit Tegretal 200 mg können die unter Abschnitt 4.8 genannten

Symptome verstärkt in Erscheinung treten. Normalerweise sind bei Überdosierungen das

zentrale Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System sowie das respiratorische System

betroffen.

Zentrales Nervensystem

ZNS-Depression, Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Somnolenz, Stupor, Koma),

Schwindel, Desorientiertheit, Unruhe, Erregung, Verwirrtheit, Halluzinationen,

verschwommenes Sehen, verwaschene Sprache, Dysarthrie, Nystagmus, Ataxie,

Dyskinesien, Reflexanomalien (zunächst gesteigerte, dann abgeschwächte Reflexe),

tonisch-klonische Konvulsionen, Krampfanfälle, psychomotorische Störungen, Myoklonie,

Opisthotonus, unwillkürliche Bewegungen, Tremor, Hypothermie, Flushing, Mydriasis,

EEG-Dysrhythmien.

Respiratorisches System

Atemdepression, Lungenödem, Zyanose, Atemstillstand.

Herz-Kreislauf-System

Meist hypotone Blutdruckwerte (evtl. auch Hypertonus), Überleitungsstörungen, EKG-

Veränderungen (Arrhythmien, Verlängerung des QRS-Komplexes), Tachykardie,

Synkopen, AV-Block, Herzstillstand, Flush.

Magen-Darm-Trakt

Übelkeit, Erbrechen, verzögerte Magenentleerung, reduzierte Darmmotilität.

Muskel-Skelett-System

Es gab einige Fälle, in denen von Rhabdomyolyse in Verbindung mit Carbamazepin-

Toxizität berichtet wurde.

Renales System

Harnretention, Oligurie oder Anurie, Flüssigkeitsretention, Wasserintoxikation aufgrund

einer ADH-ähnlichen Wirkung.

Laborbefunde

Hyponatriämie, möglicherweise metabolische Azidose, möglicherweise Hyperglykämie,

erhöhte Muskel-Kreatinphosphokinase, Leukozytose, Leukopenie, Neutropenie,

Glykosurie, Azetonurie.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Ein spezifisches Antidot bei Intoxikation mit Carbamazepin gibt es bislang nicht.

Die Behandlung erfolgt daher symptomatisch: Stationäre Aufnahme, Bestimmung des

Carbamazepinspiegel, um die Carbamazepin-Intoxikation zu bestätigen und das Ausmaß

der Überdosierung festzustellen.

Möglichst schnelle Entfernung der Noxe (Magenentleerung, Magenspülungen) sowie

Verminderung der Resorption (Verabreichen von z. B. Aktivkohle oder eines Laxans). Eine

verzögerte Magenentleerung kann zu einer verzögerten Absorption führen. Dies kann zur

Folge haben, dass sich der Zustand des Patienten während der Erholung von der

Intoxikation wieder verschlechtert.

Die Vitalfunktionen müssen unter klinischen Bedingungen gesichert werden; die

Plasmakonzentration und Herzfunktion ist zu überprüfen, gegebenenfalls ist eine

vorsichtige Korrektur von Elektrolytverschiebungen notwendig.

Eine Hämoperfusion über Aktivkohle wurde empfohlen. Eine Hämodialyse ist eine

wirksame Möglichkeit zur Behandlung einer Carbamazepin-Überdosierung.

Eine mögliche Verschlechterung der Symptomatik am 2. und 3. Tag aufgrund von

verzögerter Resorption sollte berücksichtigt werden.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Carbamazepin ist ein Dibenzoazepin-Derivat.

Pharmakologisch hat es Gemeinsamkeiten mit Phenytoin. Der Wirkungsmechanismus ist

bislang nicht geklärt.

ATC-Code: N03A F01

Ähnlich wie Phenytoin hemmt Carbamazepin die synaptische Übertragung und reduziert

dadurch die Fortleitung von konvulsiven Entladungen. In höheren Konzentrationen

verursacht Carbamazepin eine Herabsetzung der posttetanischen Potenzierung.

Die Schmerzlinderung bei der Trigeminus-Neuralgie kommt wahrscheinlich durch eine

Hemmung der synaptischen Reizübertragung im spinalen Trigeminuskern zustande.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption, Plasmakonzentrationen

Carbamazepin wird (abhängig von der Darreichungsform) nach oraler Verabreichung

relativ langsam und fast vollständig resorbiert.

Die Resorptionshalbwertszeit liegt durchschnittlich bei 8,5 h und zeigt große intra- und

interindividuelle Unterschiede auf (ca. 1,72 bis 12 Stunden).

Die maximalen Plasmakonzentrationen werden nach einmaliger Gabe (je nach

Darreichungsformen) bei Erwachsenen nach 4 bis 16 Stunden (ganz selten bis 35 h), bei

Kindern etwa 4 bis 6 h erreicht. Die Plasmaspiegel hängen nicht linear von der Dosis ab

und zeigen im höheren Dosisbereich einen flachen Kurvenverlauf.

Maximale Plasmakonzentrationen werden bei Verabreichung der Suspension schneller

erreicht als bei Gabe von Tabletten oder Retardtabletten.

Die Plasmaspiegel sind nach Gabe von Retardtabletten niedriger als bei nicht retardierten

Tabletten.

Der Steady-State wird nach 2 bis 8 Tagen erreicht. Es besteht keine enge Korrelation

zwischen der Dosis von Carbamazepin und der Plasmakonzentration im Steady-State.

Im Steady-State sind die Fluktuationen im Plasmaspiegel von Carbamazepin und seines

Metaboliten Carbamazepin-10,11-epoxid beim Dosierungsintervall von 8 bzw. 12 Stunden

nur gering.

In Literaturberichten wird hinsichtlich therapeutischer und toxischer Plasmakonzentrationen

darauf hingewiesen, dass die Anfallsfreiheit bei Plasmaspiegeln von 4 bis

12 Mikrogramm/ml erzielt werden kann. Eine Überschreitung des Plasmaspiegels von

20 Mikrogramm/ml führte zur Verschlechterung des Krankheitsbildes. Bei

Plasmakonzentrationen von 5 bis 18 Mikrogramm/ml wird eine Schmerzlinderung bei

Trigeminus-Neuralgie erreicht.

Die Schwellenkonzentration für das Auftreten von Nebenwirkungen liegt bei ca. 8 bis

9 Mikrogramm/ml.

Plasmaproteinbindung, Verteilung

Das Verteilungsvolumen beim Menschen wird mit Werten zwischen 0,8 bis 1,9 l/kg

angegeben.

Die Plasmaproteinbindung von Carbamazepin liegt zwischen 70 und 80 %. Der Anteil an

ungebundenem Carbamazepin ist bei einer Konzentration bis 50 Mikrogramm/ml konstant.

Der pharmakologisch aktive Metabolit Carbamazepin-10,11-epoxid wird zu 48 bis 53 %

(etwa 0,74 l/kg) an das Plasmaprotein gebunden.

Mit pharmakokinetischen Interaktionen ist zu rechnen, siehe Abschnitt 4.5.

Die Carbamazepin-Konzentration im Liquor beträgt 33 % der jeweiligen

Plasmakonzentration.

Die Carbamazepin-Konzentration im Speichel entspricht der Konzentration freier

Muttersubstanz und steht in guter Korrelation zum Plasmaspiegel (etwa 20 bis 30 %). Sie

lässt sich durch den Multiplikator 4 zur Plasmaspiegelschätzung im Rahmen der Therapie

verwenden.

Carbamazepin durchdringt die Plazentaschranke und geht in die Muttermilch über

(Konzentration etwa 58 % derjenigen im Plasma). Beim gestillten Säugling kann dies zu

Konzentrationen im Plasma führen, die denen der Muttermilch entsprechen.

Metabolismus

Carbamazepin wird in der Leber oxidiert, desaminiert, hydroxiliert und anschließend mit

Glukuronsäure verestert.

Bislang wurden 7 Metaboliten von Carbamazepin im Urin des Menschen identifiziert.

Davon hat der pharmakologisch nicht aktive Metabolit Trans-10,11-Dihydroxy-10,11-

Dihydrocarbamazepin den größten Mengenanteil. Der Metabolit Carbamazepin-10,11-

epoxid wird zu etwa 0,1 bis 2 % gefunden; er besitzt antikonvulsive Wirkungen. Die

menschliche mikrosomale Epoxid-Hydrolase wurde als dasjenige Enzym identifiziert, das

die Bildung des 10,11-trans-Diols aus Carbamazepin-10,11-epoxid bewirkt.

Ausscheidung, Plasma-Clearance, Plasmahalbwertszeit

Nach Einzelgaben wird Carbamazepin mit einer Halbwertszeit von ca. 36 Stunden

(Bereich: 18 bis 65 h) aus dem Plasma eliminiert.

Bei Dauertherapie sinkt die Halbwertszeit infolge Enzyminduktion um etwa 50 % (10 bis

20 h). Die Halbwertszeiten sind in Kombinationstherapie mit anderen Antiepileptika kürzer

(durchschnittlich 6 bis 10 h) als bei Monotherapie (11 bis 13 h); bei Kindern kürzer als bei

Erwachsenen, bei Neugeborenen sind sie länger als bei Säuglingen.

Die Plasma-Clearance beträgt bei Gesunden etwa 19,8 ± 2,7 ml/h/kg, bei Patienten in

Monotherapie etwa 54,6 ± 6,7 ml/h/kg, bei Patienten in Kombinationstherapie etwa

113,3 ± 33,4 ml/h/kg.

Nach einmaliger oraler Applikation werden 72 % der Dosis in Form von Metaboliten über

die Nieren ausgeschieden. Der Rest von etwa 28 % wird über die Fäzes ausgeschieden,

dabei teilweise in unveränderter Form. Nur 2 bis 3 % der im Urin ausgeschiedenen

Substanzmenge liegt als unverändertes Carbamazepin vor.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Präklinische Daten zeigen basierend auf konventionellen Studien zur Toxizität mit

Einmalgaben und mit wiederholter Gabe, zur Genotoxizität und zum kanzerogenen

Potenzial keine besondere Gefahr für Menschen. Die Tierstudien waren jedoch

unzureichend, um die teratogene Wirkung von Carbamazepin auszuschließen.

Kanzerogenität

In einer Kanzerogenitätsstudie über 2 Jahre an Ratten mit Carbamazepin wurden erhöhte

Inzidenzen von hepatozellulären Tumoren bei weiblichen Tieren sowie benigne

Testestumoren bei männlichen Tieren beobachtet. Es liegen jedoch keine Hinweise vor,

dass diese Beobachtungen für die therapeutische Anwendung beim Menschen von

Bedeutung sind.

Genotoxizität

Verschiedenen Standard-Mutagenizitätsstudien an Bakterien und Säugetieren ergaben

keine Hinweise auf eine Genotoxizität von Carbamazepin.

Reproduktionstoxizität

Kumulative Nachweise aus verschiedenen Tierstudien an Mäusen, Ratten und Kaninchen

demonstrierten, dass Carbamazepin in 10- bis 20-fach erhöhten Dosen gegenüber der

empfohlenen Dosis beim Menschen während der Organentwicklung zu einer erhöhten

embryonalen Letalität und zu Wachstumsverzögerungen führte. Bei Mäusen wurden

embryonale Schädigungen (hauptsächlich der Hirnventrikel) beobachtet. In

Reproduktionsstudien an Ratten zeigte der gestillte Nachwuchs eine reduzierte

Gewichtszunahme bei einer Dosis von 192 mg/kg/Tag beim Muttertier.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Niedrig substituiertes Carmellose-Natrium, mikrokristalline Cellulose (Ph.Eur.),

Magnesiumstearat (Ph.Eur.), hochdisperses Siliziumdioxid (Ph.Eur).

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend

6.3

Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Nicht über 25°C lagern.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Blister aus PVC/PE/PVDC und Aluminium.

Originalpackungen zu 50 Tabletten, 100 Tabletten und 200 (4 x 50) Tabletten

Klinikpackung mit 500 (10 x 50) Tabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen

7.

INHABER DER ZULASSUNG

Novartis Pharma GmbH

90327 Nürnberg

Hausadresse:

Roonstraße 25

90429 Nürnberg

Telefon: (09 11) 273-0

Telefax: (09 11) 273-12 653

Internet/E-Mail: www.novartis.de

Info-Service:

Telefon: (0 18 02) 23 23 00 (0,06 € pro Anruf aus dem deutschen Festnetz; max. 0,42 €

pro Minute aus dem deutschen Mobilfunknetz)

Telefax: (09 11) 273-12 160

8.

ZULASSUNGSNUMMER

14005.00.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER

ZULASSUNG

06.02.1992/16.01.2004

10.

STAND DER INFORMATION

März 2018

11.

Verkaufsabgrenzung

Verschreibungspflichtig

((Novartis Logo))

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