Pyrazinamid Lederle Tablette

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Pyrazinamid
Verfügbar ab:
Riemser Pharma GmbH
INN (Internationale Bezeichnung):
Pyrazinamide
Darreichungsform:
Tablette
Zusammensetzung:
Pyrazinamid 500.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
2749.00.00

Gebrauchsinformation

Wortlaut der für die Packungsbeilage vorgesehenen Angaben

Gebrauchsinformation für den Anwender

PYRAZINAMID „Lederle“; 500 mg; Tabletten

Wirkstoff: Eine Tablette enthält 500 mg Pyrazinamid.

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme

dieses Arzneimittels beginnen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später

nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder

Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben und darf nicht an Dritte

weitergegeben werden. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die

gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn eine der aufgeführten Nebenwirkungen Sie erheblich beeinträchtigt oder

Sie Nebenwirkungen bemerken, die nicht in dieser Gebrauchsinformation angegeben

sind, informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker.

Was ist PYRAZINAMID „Lederle“ und wofür wird es angewendet?

Was müssen Sie vor der Einnahme von PYRAZINAMID „Lederle“ beachten?

Wie ist PYRAZINAMID „Lederle“ einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist PYRAZINAMID „Lederle“ aufzubewahren?

Weitere Angaben

Was ist PYRAZINAMID „Lederle“ und wofür wird es angewendet?

Behandlung aller Arten von Tuberkulose, verursacht durch den Erreger Mycobacterium

tuberculosis. PYRAZINAMID „Lederle“ ist stets in Kombination mit anderen gegen den Erreger

der Tuberkulose wirksamen Medikamenten einzunehmen.

Was müssen Sie vor der Einnahme von PYRAZINAMID „Lederle“ beachten?

PYRAZINAMID „Lederle“ darf nicht eingenommen werden bei

vorhandenen schweren Leberfunktionsstörungen, bei akuten Lebererkrankungen

(z.B. Hepatitis) sowie bis zu 6 Monate nach überstandener Leberentzündung,

Überempfindlichkeit (Allergie) gegen Pyrazinamid oder einen der sonstigen

Bestandteile von PYRAZINAMID „Lederle“.

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von PYRAZINAMID „Lederle“ ist erforderlich

Bei Patienten, die an Gicht leiden, sollte das Mittel nur bei dringender Indikation

verordnet werden,

Bei herabgesetzter Nierenfunktion sollte das Mittel nur in dringenden Fällen

verordnet werden. In diesen Fällen ist die intermittierende Applikation durchzuführen

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 1 von 7

Gebrauchsinformation

(siehe auch Dosierungsanleitung, Abschnitt 3). Vor Beginn der Behandlung sollten

Leber- und Nierenfunktion überprüft werden.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei Patienten mit regelmäßigem Alkoholgebrauch

bzw. Alkoholmissbrauch.

Vor und während der Behandlung sind regelmäßig ca. alle 3 - 4 Wochen Leber- und

Nierenfunktionsprüfungen durchzuführen. Bei leichter Vorschädigung der Leber und erhöhter

Anfälligkeit (z.B. bei gleichzeitigem Alkoholismus) sind Leberfunktionsprüfungen häufiger

durchzuführen.

Bei hohen Dosierungen (die meist höher als die Standarddosierungen lagen) kann es zu

Schwierigkeiten bei der Insulineinstellung von Diabetikern kommen.

Langsam-Acetylierer besitzen eine genetische Variante des Enzyms N-Acetyltransferase und

können daher, anders als Schnell-Acetylierer, bestimmte Medikamente nur langsam im Körper

abbauen.

Im Vergleich zu Schnell-Acetylierern sind Personen, die als Langsam-Acetylierer bekannt sind,

während einer Kombinationstherapie mit PYRAZINAMID „Lederle“, Rifampicin und Isoniazid

(Tuberkulosemittel) einem erhöhten Risiko für Leberschäden ausgesetzt.

Unter der Behandlung mit PYRAZINAMID „Lederle“ können folgende Laborwerte beeinflusst

werden:

Bestimmung des Bilirubins, Harnsäure, Prothrombinzeit, Serum-Aminotransferasen-Aktivität,

Thyroxinspiegel.

Es wurde eine Interferenz von Pyrazinamid mit der Bestimmung des Serumeisens im

Ferrochem II-Instrument festgestellt.

Bei Anwendung von PYRAZINAMID „Lederle“ mit anderen Arzneimitteln:

Bitte informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen /

anwenden bzw. vor kurzem eingenommen / angewendet haben, auch wenn es sich um nicht

verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt.

Beachten Sie bitte, dass die folgenden Angaben auch für vor kurzem angewendete Arzneimittel

gelten können.

Zu unerwünschten Wechselwirkungen kann es in Kombination mit folgenden Medikamenten

kommen:

Acetylsalicylsäure (Mittel gegen Schmerzen, Fieber und zur Blutverdünnung), Ascorbinsäure

(Vitamin C), jodhaltige Kontrastmittel; Gichtmittel, welche die Ausscheidung von Harnsäure

beeinflussen, wie z.B. Probenecid (Harnsäureausscheidung vermindert, Ausscheidung von

Probenecid verzögert), blutzuckersenkende Mittel (Blutzuckersenkung beschleunigt).

Daher müssen Patienten, die mit blutzuckersenkenden Mitteln bzw. solche, die mit Gichtmitteln

behandelt werden, häufiger (engmaschiger) überwacht werden.

Bei Einnahme von PYRAZINAMID „Lederle“ zusammen mit Nahrungsmitteln und

Getränken

Während der Anwendung von PYRAZINAMID „Lederle“ dürfen Sie keinen Alkohol trinken, da es

verstärkt zur Schädigung der Leber kommen kann und das Reaktionsvermögen erheblich

beeinträchtigt wird.

Schwangerschaft und Stillzeit

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 2 von 7

Gebrauchsinformation

In der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte PYRAZINAMID „Lederle“ nur nach strenger

Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden.

Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

PYRAZINAMID

„Lederle“

kann

auch

bestimmungsgemäßem

Gebrauch

Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am

Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt

beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol. Sie können

dann auf unerwartete plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell und gezielt genug reagieren.

Wie ist PYRAZINAMID „Lederle“ einzunehmen?

PYRAZINAMID „Lederle“ wird in Kombination mit anderen Antituberkulosemitteln angewendet.

Nehmen Sie PYRAZINAMID „Lederle“ immer genau nach der Anweisung des Arztes ein. Bitte

fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht ganz sicher sind.

Falls vom Arzt nicht anders verordnet ist die übliche Dosis:

Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren:

Tägliche Therapie:

25 (20 - 30) mg/kg Körpergewicht

minimale Tagesdosis:1,5 g,

maximale Tagesdosis:

2,5 g,

das entspricht bei Patienten mit einem Körpergewicht

unter 50 kg:

1,5 g Pyrazinamid = 3 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

von 50 - 75 kg:

2,0 g Pyrazinamid = 4 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

über 75 kg:

2,5 g Pyrazinamid = 5 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

Intermittierende Therapie (nur wenn tägliche Gabe nicht realisierbar):

2 × wöchentlich je 50 (40 - 60) mg/kg Körpergewicht,

maximale Tagesdosis: 3,5 g das entspricht bei Patienten mit einem Körpergewicht

unter 50 kg:

3,0 g Pyrazinamid = 6 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

über 50 kg:

3,5 g Pyrazinamid = 7 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

oder

3 × wöchentlich je 35 (30 - 40) mg/kg Körpergewicht

maximale Tagesdosis: 2,5 g das entspricht bei Patienten mit einem Körpergewicht

unter 50 kg:

2,0 g Pyrazinamid = 4 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

über 50 kg:

2,5 g Pyrazinamid = 5 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre:

Tägliche Therapie:

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 3 von 7

Gebrauchsinformation

30 mg/kg Körpergewicht

maximale Tagesdosis:

1,5 g

das entspricht bei Kindern von 4 - 10 Jahren:

0,5 - 1 g Pyrazinamid = 1 - 2 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

und bei Kindern und Jugendlichen von 11 - 14 Jahren:

1 - 1,5 g Pyrazinamid = 2 - 3 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

Intermittierende Therapie (nur wenn tägliche Gabe nicht realisierbar):

Die intermittierende Einnahme sollte bei Kleinkindern nur bei vitaler Indikation erfolgen.

Die Dosierung beträgt zweimal wöchentlich 50 mg/kg Körpergewicht.

Bei Nierenfunktionsstörungen ist die intermittierende Einnahme des Mittels anzuwenden. Sie

gewährleistet therapeutisch ausreichende Wirkstoffkonzentrationen, vermeidet aber gleichzeitig

die unerwünschte Wirkstoffanhäufung im Körper.

Bei Dialysepatienten ist ebenfalls intermittierende Verabreichung erforderlich. Hierbei sollte

PYRAZINAMID „Lederle“ jeweils 6 Stunden vor der Dialyse eingenommen werden.

Zur Dosishöhe in beiden Fällen siehe den Abschnitt über die intermittierende Einnahme.

Art der Anwendung

Die Tabletten werden als Einmalgabe pro Tag nach einer Mahlzeit unzerkaut mit reichlich

Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) eingenommen.

Dauer der Anwendung

Im Rahmen der Standardtherapie der Tuberkulose wird PYRAZINAMID „Lederle“ zusammen

mit Isoniazid, Rifampicin und Ethambutol während der Anfangsphase der Tuberkulosetherapie

für insgesamt 8 Wochen eingenommen. Zur Verhinderung von Rückfällen ist eine Therapie mit

PYRAZINAMID „Lederle“ über 3 Monate möglich.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die

Wirkung von PYRAZINAMID „Lederle“ zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge PYRAZINAMID „Lederle“ eingenommen haben, als Sie

sollten:

Spezifische Symptome einer Pyrazinamid-Vergiftung sind nicht bekannt. Überdosierung kann

sich jedoch in einer starken Rötung und Jucken an der gesamten Hautoberfläche äußern.

Außerdem können die im Abschnitt 4 beschriebenen Nebenwirkungen in verstärkter Form

auftreten. Bei Verdacht auf Überdosierung sollte sofort ein Arzt benachrichtigt werden.

Wenn Sie die Einnahme von PYRAZINAMID „Lederle“ vergessen haben:

Nehmen Sie beim nächsten Mal nicht die doppelte Menge ein, sondern führen Sie die

Einnahme mit der verordneten Menge fort.

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 4 von 7

Gebrauchsinformation

Wenn Sie die Einnahme von PYRAZINAMID „Lederle“ abbrechen:

Durch unregelmäßige Einnahme und / oder durch vorzeitige Beendigung der Behandlung

können Tuberkuloseerreger widerstandsfähig (resistent) gegen das Arzneimittel werden.

Dadurch

gefährden

Heilungsaussichten

verschlechtern

spätere

Behandlungsmöglichkeiten.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung des Arzneimittels haben, fragen Sie bitte Ihren Arzt

oder Apotheker.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann PYRAZINAMID „Lederle“ Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei

jedem auftreten müssen.

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:

Sehr häufig:

mehr als 1 von 10 Behandelten

Häufig:

weniger als 1 von 10, aber mehr als 1 von 100 Behandelten

Gelegentlich:

weniger als 1 von 100, aber mehr als 1 von 1000 Behandelten

Selten:

weniger als 1 von 1000, aber mehr als 1 von 10 000 Behandelten

Sehr selten:

weniger als 1 von 10 000

Nicht bekannt:

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Mögliche Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen

Häufig sind Appetitlosigkeit, Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Sodbrennen, Krämpfe im

Unterbauch und Gewichtsabnahme.

Leberzellschädigung (Anstieg der Transaminasen im Serum) und Störungen der Leberfunktion

treten häufig auf.

Lichtempfindlichkeit

Auftreten

Hauterscheinungen

nach

Lichteinwirkung

(Photosensibilisierung) wurde ebenfalls häufig bei Pyrazinamid-Therapie gemeldet.

Häufig tritt bei

Pyrazinamid-Therapie eine Erhöhung des Harnsäuregehalts im Blut

(Hyperurikämie) auf. Dies kann in seltenen Fällen, insbesondere bei entsprechend anfälligen

Patienten, zu Gelenkschmerzen führen.

Seltene Nebenwirkungen

Selten können zentralnervöse Störungen, wie z.B. Kopfschmerzen, Schwindel, Erregbarkeit und

Schlaflosigkeit, auftreten.

Sehr seltene Nebenwirkungen

Sehr selten werden Störungen des blutbildenden Systems, sideroblastische Anämien

(Blutarmut infolge Verwertungsstörung von aufgenommenem Eisen), Porphyrie (erbliche oder

erworbene Stoffwechselstörung mit gestörtem Aufbau von Blutfarbstoff im blutbildenden

System) oder Thrombozytopenie (Verringerung der Zahl der die Gerinnung verursachenden

Blutzellen) beobachtet.

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 5 von 7

Gebrauchsinformation

Sehr selten kommt es zur Beeinträchtigung der Nebennierenrindenfunktion (17-Ketosteroid-

Ausscheidung im Harn).

Sehr selten ist Pellagra aufgetreten.

Unter Pyrazinamid-Therapie wurde sehr selten Scheibenrose (Fieber, Hautrötungen) (Erythema

multiforme) beobachtet.

Unter Therapie mit Pyrazinamid wurde sehr selten Nierenentzündung im Zwischengewebe der

Nierenkanälchen (tubulointerstitielle Nephritis) hervorgerufen.

Unter Pyrazinamid-Therapie wurde sehr selten Bluthochdruck (Hypertonie) beschrieben.

Besondere Hinweise

Wegen der Gefahr der Leberzellschädigung und Störungen der Leberfunktion sollte die

Leberfunktion während der Pyrazinamid-Therapie in drei- bis vierwöchigem Abstand getestet

werden.

Als Folge von Leberparenchymschäden besteht die Möglichkeit einer Verlängerung der

Blutgerinnungszeit, Verminderung des Fibrinogens (Stoff, der zur Blutgerinnung dient).

Patienten unter Pyrazinamid-Therapie sollten sich wegen der Gefahr der Photosensibilisierung

nicht starker Sonneneinwirkung aussetzen.

Die Harnsäurekonzentration im Blut (Gefahr eines erhöhten Harnsäuregehalts im Blut) sollte

regelmäßig alle 3 - 4 Wochen bestimmt werden. Bei sehr hohen Harnsäurewerten im Blut kann

eine Behandlung mit Mitteln, die die Harnsäureausscheidung fördern, z.B. mit Benzbromaron,

notwendig werden.

Pellagra

eine

Vitaminmangelkrankheit,

sich

hauptsächlich

Haut-

Schleimhautveränderungen äußert, auch in Durchfällen und psychischen Veränderungen.

Informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker, wenn eine der aufgeführten Nebenwirkungen

Sie erheblich beeinträchtigt oder Sie Nebenwirkungen bemerken, die nicht in dieser

Gebrauchsinformation angegeben sind.

Wie ist PYRAZINAMID „Lederle“ aufzubewahren?

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Sie dürfen das Arzneimittel nach dem auf dem Blister (Sichtverpackung) und Faltschachtel

angegebenen Verfallsdatum nicht mehr verwenden.

Aufbewahrungshinweis

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

Weitere Informationen

Was PYRAZINAMID „Lederle“ enthält:

Arzneilich wirksame Bestandteile:

500 mg Pyrazinamid

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 6 von 7

Gebrauchsinformation

Die sonstigen Bestandteile sind:

Maisstärke, Magnesiumstearat (Ph. Eur.), Stearinsäure

Wie PYRAZINAMID „Lederle“ aussieht und Inhalt der Packung:

Weiße, runde, beidseitig gewölbte Tabletten mit Bruchkerbe.

PYRAZINAMID

„Lederle“

Tabletten

sind

Durchdrückpackungen

folgenden

Packungsgrößen erhältlich:

Originalpackungen enthalten 20 (N1), 50 (N2) oder 100 (N3) Tabletten.

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller:

RIEMSER Arzneimittel AG

An der Wiek 7

17493 Greifswald - Insel Riems

Tel.: 038351-76 0

Fax: 038351-308

Diese Gebrauchsinformation wurde zuletzt überarbeitet im November 2009.

Pyrazinamid Lederle_500_pal_DE_2009_11 Stand: November 2009 Seite 7 von 7

Fachinformation

PYRAZINAMID „Lederle“, 500 mg, Tabletten

Bezeichnung des Arzneimittels

PYRAZINAMID „Lederle“; 500 mg; Tabletten

Qualitative und quantitative Zusammensetzung

1 Tablette enthält 500 mg Pyrazinamid.

Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

Darreichungsform

Weiße, runde beidseitig gewölbte Tabletten mit Bruchkerbe.

Klinische Angaben

4.1 Anwendungsgebiete

Kombinationstherapie aller Arten von Tuberkulose, verursacht durch Mycobacterium

tuberculosis.

Die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antimikrobiellen Wirkstoffen

sind bei der Anwendung von PYRAZINAMID „Lederle“ zu berücksichtigen.

4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Dosierung

Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren

Tägliche Therapie:

25 (20 - 30) mg/kg Körpergewicht

minimale Tagesdosis:1,5 g,

maximale Tagesdosis:

2,5 g,

das entspricht bei Patienten mit einem Körpergewicht

unter 50 kg: 1,5 g Pyrazinamid = 3 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

von 50 - 75 kg: 2,0 g Pyrazinamid = 4 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

über 75 kg: 2,5 g Pyrazinamid = 5 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

Intermittierende Therapie (nur wenn tägliche Gabe nicht realisierbar):

2 × wöchentlich je 50 (40 - 60) mg/kg Körpergewicht,

maximale Tagesdosis: 3,5 g das entspricht bei Patienten mit einem Körpergewicht

unter 50 kg: 3,0 g Pyrazinamid = 6 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

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Rev 1

Stand: November 2009

Seite: 1 von 10

Fachinformation

über 50 kg: 3,5 g Pyrazinamid = 7 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

oder

3 × wöchentlich je 35 (30 - 40) mg/kg Körpergewicht

maximale Tagesdosis: 2,5 g das entspricht bei Patienten mit einem Körpergewicht

unter 50 kg: 2,0 g Pyrazinamid = 4 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

über 50 kg: 2,5 g Pyrazinamid = 5 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre

Tägliche Therapie:

30 mg/kg Körpergewicht

maximale Tagesdosis:

1,5 g

das entspricht bei Kindern von 4 - 10 Jahren:

0,5 - 1 g Pyrazinamid = 1 - 2 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

und bei Kindern von 11 - 14 Jahren:

1 - 1,5 g Pyrazinamid = 2 - 3 Tabletten PYRAZINAMID „Lederle“

Intermittierende Therapie (nur wenn tägliche Gabe nicht realisierbar):

Die intermittierende Einnahme sollte bei Kleinkindern nur bei vitaler Indikation erfolgen.

Die Dosierung beträgt zweimal wöchentlich 50 mg/kg Körpergewicht.

Bei Nierenfunktionsstörungen ist die intermittierende Einnahme des Mittels anzuwenden.

Sie gewährleistet therapeutisch ausreichende Wirkstoffkonzentrationen, vermeidet aber

gleichzeitig die unerwünschte Wirkstoffanhäufung im Körper.

Bei Dialysepatienten ist ebenfalls intermittierende Verabreichung erforderlich. Hierbei sollte

PYRAZINAMID „Lederle“ jeweils 6 Stunden vor der Dialyse eingenommen werden.

Zur Dosishöhe in beiden Fällen siehe den Abschnitt über die intermittierende Einnahme.

Art und Dauer der Anwendung

Art der Anwendung

Pyrazinamid wird in Kombination mit anderen Antituberkulosemitteln angewendet.

Die Tabletten werden als Einmalgabe pro Tag nach einer Mahlzeit unzerkaut mit reichlich

Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) eingenommen.

Dauer der Anwendung

Im Rahmen der Standardtherapie der Tuberkulose wird PYRAZINAMID „Lederle“ zusammen

mit anderen antituberkulotisch wirksamen Medikamenten während der Initialphase der

Tuberkulosetherapie für insgesamt 8 Wochen verabreicht. Zur Verhinderung von Rückfällen

ist eine Therapie mit PZA über 3 Monate möglich.

4.3 Gegenanzeigen

PYRAZINAMID „Lederle“ ist kontraindiziert bei

vorhandenen

schweren

Leberfunktionsstörungen,

akuten

Lebererkrankungen (z. B. Hepatitis) sowie bis zu 6 Monate nach überstandener

Hepatitis

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Rev 1

Stand: November 2009

Seite: 2 von 10

Fachinformation

Allergie gegen Pyrazinamid oder einen der sonstigen Bestandteile von

PYRAZINAMID „Lederle“

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Bei Patienten, die an Gicht leiden, sollte das Mittel nur bei dringender

Indikation verordnet werden.

Bei herabgesetzter Nierenfunktion sollte das Mittel nur in dringenden Fällen

verordnet werden. In diesen Fällen ist Pyrazinamid intermittierend anzuwenden

(siehe auch Dosierungsanleitung, Abschnitt 4.2). Vor Beginn der Behandlung sollten

Leber- und Nierenfunktion überprüft werden.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei Patienten mit regelmäßigem Alkoholgebrauch

bzw. Alkoholmissbrauch.

Vor und während der Behandlung sind regelmäßig ca. alle 3 - 4 Wochen Leber- und

Nierenfunktionsprüfungen durchzuführen. Bei leichter Vorschädigung der Leber und erhöhter

Anfälligkeit (z.B. bei gleichzeitigem Alkoholismus) sind Leberfunktionsprüfungen häufiger

durchzuführen.

Bei hohen Dosierungen (die meist höher als die Standarddosierung lagen)

kann es zu Schwierigkeiten bei der Insulineinstellung von Diabetikern kommen.

Hyperurikämie (siehe Abschnitt 4.8) kann in seltenen Fällen, insbesondere bei

entsprechend anfälligen Patienten, zu Arthralgien führen. Deshalb sollte die

Harnsäurekonzentration im Blut regelmäßig (alle 3 - 4 Wochen) bestimmt werden. Bei

sehr hohen Harnsäurewerten im Blut kann eine Behandlung mit Urikosuria, z.B.

Benzbromaron, notwendig werden.

Unter Pyrazinamid-Therapie kann Photosensibilisierung auftreten (siehe

Abschnitt

4.8). Patienten unter Pyrazinamid-Therapie sollten sich deshalb nicht

starker Sonneneinwirkung aussetzen.

Im Vergleich zu Schnell-Acetylierern sind Individuen, die als Langsam-Acetylierer bekannt

sind, während einer Kombinationstherapie mit PZA, Rifampicin und Isoniazid einem erhöhten

Risiko für Lebertoxizität ausgesetzt.

Unter der Behandlung mit PYRAZINAMID „Lederle“ können folgende Laborwerte beeinflusst

werden:

Bestimmung des Bilirubins, Harnsäure, Prothrombinzeit, Serum-Aminotransferasen-Aktivität,

Thyroxinspiegel.

Es wurde eine Interferenz von Pyrazinamid mit der Bestimmung des Serumeisens im

Ferrochem II-Instrument festgestellt.

Klinisch relevante Interaktionen zwischen PZA und den folgenden Substanzen sind bekannt

und werden im Abschnitt 4.5 detailliert beschrieben:

Acetylsalicylsäure, Ascorbinsäure, jodhaltige Kontrastmittel, Gichtmittel (z.B. Probenecid),

blutzuckersenkende Mittel, Alkohol.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Zu unerwünschten Wechselwirkungen kann es in Kombination mit folgenden Medikamenten

kommen:

Acetylsalicylsäure,

Ascorbinsäure,

jodhaltige

Kontrastmittel;

Gichtmittel,

welche

Ausscheidung von Harnsäure beeinflussen, wie z.B. Probenecid (Harnsäureausscheidung

vermindert,

Ausscheidung

Probenecid

verzögert),

blutzuckersenkende

Mittel

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Stand: November 2009

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Fachinformation

(Blutzuckersenkung beschleunigt). Daher müssen Patienten, die mit blutzuckersenkenden

Mitteln bzw. solche, die mit Gichtmitteln behandelt werden, häufiger (engmaschiger)

überwacht werden.

PZA kann zu verminderten Rifampicin-Blutspiegeln führen (reduzierte Bioverfügbarkeit und

erhöhte Clearance von Rifampicin). Nähere Informationen liegen nicht vor.

Während der Behandlung mit Pyrazinamid sollte kein Alkohol eingenommen werden, da es

verstärkt zur Schädigung der Leber kommen kann und das Reaktionsvermögen erheblich

beeinträchtigt wird.

4.6 Schwangerschaft und Stillzeit

Für PYRAZINAMID „Lederle“ liegen keine hinreichenden klinischen Daten über exponierte

Schwangere vor. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte

schädliche Auswirkungen auf Schwangerschaft, embryonale / fetale Entwicklung, Geburt

oder postnatale Entwicklung schließen (siehe Abschnitt 5.3).

Pyrazinamid geht in die Muttermilch über.

Die Anwendung von PYRAZINAMID „Lederle“ in Schwangerschaft und Stillzeit sollte nur

nach strenger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen

PYRAZINAMID

„Lederle“

kann

auch

bestimmungsgemäßem

Gebrauch

Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am

Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt

beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

Eine schnelle und gezielte Reaktion auf unerwartete plötzliche Ereignisse ist dann nicht mehr

möglich.

4.8 Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

Sehr häufig

(1/10)

Häufig

(1/100 bis <1/10)

Gelegent-

lich

(1/1.000

bis

<1/100)

Selten

(1/10.000 bis

<1/1.000)

Sehr selten

(<1/10.000 )

Nicht bekannt

(Häufigkeit auf

Grundlage der

verfügbaren

Daten nicht

abschätzbar)

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Störungen des

blutbildenden

Systems,

sideroblastische

Anämie,

Porphyrie,

Thrombozyto-

penie (siehe

Zusätzliche

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Stand: November 2009

Seite: 4 von 10

Fachinformation

Informationen,

Endokrine Erkrankungen

Beeinträch-

tigung der

Neben-

nierenrinden-

funktion (17-

Ketosteroid-

Ausscheidung

im Harn)

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Pellagra (siehe

Zusätzliche

Informationen,

Erkrankungen des Nervensystems

Kopfschmerzen,

Schwindel,

Erregbarkeit,

Schlaflosigkeit

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Appetitlosigkeit,

Übelkeit,

Brechreiz,

Erbrechen,

Sodbrennen,

Krämpfe im

Unterbauch,

Gewichts-

abnahme

Leber- und Gallenerkrankungen

Serumtrans-

aminasen erhöht,

Leberfunktions-

störungen

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Photo-

sensibilisierung

(siehe Abschnitt

4.4)

Erythema

multiforme

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Hyperurikämie

(siehe Abschnitt

4.4)

Tubulo-

interstitielle

Nephritis

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Hypertonie

Zusätzliche Informationen

Als Folge von Leberparenchymschäden besteht die Möglichkeit einer Verlängerung der

Blutgerinnung, Verminderung des Fibrinogens;

Pellegra ist eine Vitaminmangelkrankheit, die sich hauptsächlich in Haut- und

Schleimhautveränderungen äußert, auch in Durchfällen und psychischen Veränderungen.

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Rev 1

Stand: November 2009

Seite: 5 von 10

Fachinformation

4.9 Überdosierung

Symptome einer Überdosierung

Spezifische Symptome einer Pyrazinamid-Intoxikation sind nicht bekannt. Die bekannten

Nebenwirkungen (siehe Abschnitt 4.8) können allerdings in verstärkter Form auftreten.

In einer Studie wurde unmittelbar nach Einnahme von 4g Pyrazinamid ein starker Flush

(starke Rötung und Jucken an der gesamten Hautoberfläche) beobachtet, der jedoch ohne

Folgeerscheinungen nach Stunden völlig verschwand.

Maßnahmen bei Überdosierung

Im Notfall

sind alle erforderlichen intensivmedizinischen Maßnahmen einschließlich

Magenspülung angezeigt. Ein spezifisches Antidot existiert nicht.

PZA und seine Metaboliten sind hämodialysierbar (siehe Abschnitt 5.2)

Pharmakologische Eigenschaften

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe:

Arzneimittel zur Behandlung der Tuberkulose.

ATC-Code: J04AK01

Wirkmechanismus:

Pyrazinamid (PZA) besitzt im sauren pH-Bereich eine bakterizide Wirkung, bevorzugt gegen

langsam wachsende Tuberkuloseerreger. Die Ruheperiode nach der Entfernung von PZA

(sog. ,,lag-phase‘‘) ist nach kurzer (6 Stunden) PZA-Einwirkung deutlich ausgeprägter als bei

anderen Antituberkulotika, z.B. Rifampicin.

PZA ist unter Reagenzglasbedingungen kaum oder überhaupt nicht wirksam gegen

Mycobacterium bovis (die meisten Stämme) und gegen die so genannten atypischen

Mykobakterien. Eine Kreuzresistenz besteht nur mit Morphazinamid, einem Derivat des PZA,

sonst zu keinem anderen Antituberkulotikum.

Der Wirkungsmechanismus von PZA gegen die Tuberkuloseerreger ist nicht bekannt. PZA

wird intrazellulär (im Bakterium) aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Nicotinamid durch die

Nicotinsäureamidase (auch Pyrazinamidase genannt) in die Pyrazincarbonsäure überführt,

die antimykobakteriell wirksam ist.

Resistenzmechanismus:

Die erworbene Resistenz empfindlicher Erreger aus klinischen Isolaten wird hauptsächlich

durch eine Mutation des pnc A Gens verursacht. Dieses Gen kodiert für das Enzym

Pyrazinamidase, welches Pyrazinamid in seine aktive, bakterizide Form Pyrazincarbonsäure

umwandelt. Durch die Mutation im pnc A Gen oder seiner Promotor-Region kann dieser

Prozess in den Bakterien nicht mehr ablaufen.

Etwa 70 - 97 % aller gegenüber Pyrazinamid resistenten Isolate von Mycobacterium

tuberculosis tragen diese Mutation, während ein kleiner Teil der resistenten Stämme (3 -

30 %) keine Veränderungen im pnc A Gen oder seiner Promotor-Region aufweist. Dort

werden

variable

Resistenzraten

Pyrazinamidase-Aktivitäten

beobachtet.

Mechanismus dieser Resistenz ist nicht bekannt.

Resistenz von Mycobacterium tuberculosis gegen Pyrazinamid entwickelt sich schnell in vitro

und in Patienten, die mit Pyrazinamid allein behandelt werden.

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Fachinformation

Resistenzsituation:

Die Prävalenz der erworbenen Resistenz für die Erreger der Tuberkuloseerkrankungen mit

Mycobacterium tuberculosis als dem am häufigsten angetroffenen und gemeldeten Erreger

aus dem Mycobacterium tuberculosis-Komplex gegenüber Pyrazinamid variiert örtlich und im

Verlauf der Zeit.

Basierend auf den Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz gibt das Robert-Koch-

Institut für Deutschland Resistenzraten von 3,3 % zuletzt in Jahr 2006 an. Dies bedeutet,

dass die Erreger der Tuberkuloseerkrankung üblicherweise empfindlich gegenüber

Pyrazinamid sind.

Darüber hinaus sollte für die Therapie der Tuberkulose immer eine Beratung durch Experten

angestrebt werden.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Absorption

PZA wird oral verabreicht und im Magen-Darm-Trakt schnell und vollständig resorbiert. Die

erreichten Serumspiegel übersteigen den in vitro ermittelten Hemmwert von 25 mg PZA/L

Nährboden, was als die für die Mehrzahl der sogenannten Wildstämme von Mycobacterium

tuberculosis zutreffende minimale Hemmkonzentration angenommen wird.

Maximale Serumkonzentrationen (etwa 33 µg/mL nach Gabe von 1,5 g PZA und etwa

65 µg/mL nach Gabe von 3 g PZA) werden nach etwa 1 - 3 Stunden erreicht.

Hinzu kommt, dass offensichtlich bei Erreichen eines Blutspiegels von 25 mg PZA/L eine

höhere zeitliche Abdeckung (,,coverage‘‘) des erwünschten Hemmwertes zu erreichen ist,

wobei unter zeitlicher Abdeckung der Prozentsatz an Zeit innerhalb von insgesamt 48

Stunden, in dem PZA im Blut vorhanden ist, verstanden wird.

Von besonderem Interesse ist es, dass bei einer Einmal-Verabreichung von 1,5 g PZA

eindeutig günstigere Blutspiegel erreicht werden als nach der Gabe von 3 mal 0,5 g PZA,

was für die praktische Applikation von Bedeutung ist.

Verteilung

Über die Verteilung und Penetration des PZA liegen keine einheitlichen Angaben vor. Nach

tierexperimentellen Versuchsergebnissen (Kaninchen) konnten in einigen Geweben (Lunge

eingeschlossen)

PZA-Konzentrationen

festgestellt

werden,

Serumwerten

entsprachen.

Beim Menschen ist eine PZA-Verteilung über alle Gewebe angenommen worden; in der

Lunge, der Leber und den Nieren sind Werte bis zu 25 mg PZA/L nachgewiesen worden.

Die Penetration von PZA in periphere Nervenzellen ist gut. PZA kann sehr gut in das

Zellinnere von Makrophagen eindringen, was eine erhebliche Rolle für die hohe

antituberkulotische Wirkung hat. PZA ist sehr gut liquorgängig, 5 Stunden nach der Gabe

konnten im Liquor cerebrospinalis gleiche Konzentrationen gefunden werden wie im Serum.

PZA wird wahrscheinlich nicht an Serumproteine gebunden. Es scheint aber eine

Wechselbeziehung zwischen PZA und Eiweiß vorzuliegen, denn im Reagenzglas wurde

festgestellt, dass PZA-haltiges Serum in halbsynthetische Nährböden gegeben einen

60 %-igen Aktivitätsverlust des PZA aufweist, ohne dass die Ursache für dieses Phänomen

erhoben werden konnte.

Metabolisierung

PZA wird beim Menschen vorwiegend in der Leber durch das mikrosomale P-450-

Cytochrom-System zur Pyrazincarbonsäure metabolisiert. Diese wird weiter durch die

Xanthinoxidase zur 5-Hydroxy-Pyrazincarbonsäure umgesetzt, dem Endprodukt des PZA-

Stoffwechsels, das vollständig über die Nieren ausgeschieden wird. Andere PZA-Metaboliten

sind vermutlich von geringerer Bedeutung.

Der Umbau des PZA in die Pyrazincarbonsäure vollzieht sich beim Menschen langsam und

zusammen mit der relativ langsamen Nierenausscheidung erklärt dies die ziemlich lange

PZA-Halbwertszeit (siehe unten).

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Ausscheidung

PZA wird ausschließlich renal ausgeschieden. Dabei werden innerhalb von 24 Stunden etwa

70 % einer oralen PZA Dosis eliminiert, hauptsächlich über glomeruläre Filtration. Etwa 4 -

14 % werden unverändert und der Rest in Form von Metaboliten ausgeschieden.

PZA wird nach eigenen Untersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Innere

Medizin der Universität Freiburg bei kontinuierlicher Peritonealdialyse (CAPD) zu 10 %

dialysiert.

PZA kann auch hämodialysiert werden.

Die Eliminationshalbwertszeit beträgt 4 bis 17 Stunden (in der Maus ca. 2 Stunden) mit

statistisch signifikanten individuellen Unterschieden.

Linearität:

PZA Serumkonzentrationen sind direkt proportional zur Dosis im Bereich von 0,5 bis 3 g.

Pharmakokinetik bei speziellen Patientengruppen:

Eingeschränkte Nierenfunktion

Die Verfügbarkeit von PZA ist bei hämodialysepflichtigen Patienten nur gering verändert

(höhere Serumspiegel, reduzierte Ausscheidung). Die gemessenen Serumwerte waren zu

gering um toxikologisch von Bedeutung zu sein. Jedoch kann eine eingeschränkte

Ausscheidung von Pyrazincarbonsäure zur Harnsäure-Retention und damit, obwohl

unwahrscheinlich, zu einem erhöhten Arthralgie-Risiko führen.

Studien in Patienten mit Niereninsuffizienz haben gezeigt, das PZA, Pyranzincarbonsäure,

5-Hydroxy-PZA und 5-Hydroxy-Pyrazincarbonsäure per Hämodialyse effektiv aus dem

Körper entfernt werden können.

Eingeschränkte Leberfunktion

Bei Patienten mit Leberinsuffizienz wurden eine erhöhte Clearance und eine verlängerte

Halbwertszeit von PZA, sowie eine 3-fach erhöhte Exposition (AUC-Wert) und eine

verdoppelte

Halbwertszeit

für

Pyrazincarbonsäure

beobachtet.

eingeschränkter

Leberfunktion wird daher empfohlen, die PZA Dosis zu reduzieren und die Leberparameter

sowie die Harnsäurewerte engmaschig zu überwachen.

Kinder

Im Vergleich zu Erwachsenen, kann die Rate unvollständiger oder verzögerter PZA

Absorption bei Kindern erhöht sein. Nähere Informationen hierzu sind nicht bekannt.

Zusätzliche Informationen:

Für die Praxis relevant ist, dass bei einem Teil der Patienten die PZA-Blutspiegelwerte

umgekehrt proportional dem Körpergewicht waren. Dies erklärt sich wahrscheinlich daraus,

dass der Wassergehalt des Körpers eher zu dessen Oberfläche als zu dessen Gewicht

proportional ist. Von diesem Befund aus legt es sich nahe, dass eine absolut lineare

Anpassung der zu applizierenden Substanzmenge an eine Körpergewichtsskala nicht nötig,

sogar nicht nützlich ist. Die vereinfachte Dosierungsvorschrift könnte von daher auch

pharmakokinetisch gerechtfertigt sein.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Die präklinischen Daten aus den üblichen Studien zur Gentoxizität, Kanzerogenität und

Reproduktionstoxizität deuten auf kein Gefährdungspotential für den Menschen hin.

PZA erwies sich im Tierexperiment als Mittel von guter Absorption, Toleranz und sehr

geringer Toxizität. Die Toxizität ist bedeutend schwächer als bei anderen Antituberkulotika.

Eine Dosis von 3,0 g/kg Körpergewicht war für ungefähr 30 % der Mäuse und Ratten letal.

Bei Hunden wurden erhebliche Reaktionen mit Zeichen schwerer Lebertoxizität (erhöhte

Aminotransferasen-Werte und Ikterus) bei der Applikation von 1,0 g PZA/kg Körpergewicht

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beobachtet. Diese Reaktionen traten kurz vor dem Tode der Tiere auf und wurden von einer

ausgedehnten Lebernekrose begleitet.

Die orale Dosis bis 1,5 g/kg Körpergewicht für mehrere Wochen wurde von Mäusen und

Ratten gut vertragen. In vielen tierexperimentellen Untersuchungen konnte festgestellt

werden, dass bei einer Dosierung von 500 mg/kg Körpergewicht keine Leberschäden

feststellbar waren, auch histologisch nicht.

Aus vielen Untersuchungen geht eindeutig hervor, dass PZA erst bei sehr hoch dosierter

Applikation von 1,5 - 3,0 g/kg Körpergewicht (von der Tierspezies abhängig) toxisch wirken

kann.

Pharmazeutische Angaben

6.1 Sonstige Bestandteile

Maisstärke, Magnesiumstearat (Ph. Eur.), Stearinsäure

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

5 Jahre.

6.4 Besondere Lagerungshinweise

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

PYRAZINAMID

„Lederle“

Tabletten

sind

Durchdrückpackungen

folgenden

Packungsgrößen erhältlich:

OP mit 20 Tabletten (N1)

OP mit 50 Tabletten (N2)

OP mit 100 Tabletten (N3)

AP mit 10 x 50, 5 x 100 und 10 x 100 Tabletten

6.6 Hinweise für die Handhabung

Keine speziellen Hinweise.

Pharmazeutischer Unternehmer

RIEMSER Arzneimittel AG

An der Wiek 7

17493 Greifswald - Insel Riems

Tel.: 038351-76 0

Fax: 038351-308

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Fachinformation

Zulassungsnummer

2749.00.00

Datum der Zulassung

22.09.1982

Stand der Information

November 2009

Verkaufsabgrenzung

Verschreibungspflichtig

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