Neotigason 25 Hartkapsel

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Acitretin
Verfügbar ab:
PUREN Pharma GmbH & Co. KG
ATC-Code:
D05BB02
INN (Internationale Bezeichnung):
Acitretin
Darreichungsform:
Hartkapsel
Zusammensetzung:
Acitretin 25.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
22414.01.00

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Neotigason

®

25

Hartkapseln

Acitretin

Warnhinweis

KANN SCHWERWIEGENDE SCHÄDIGUNGEN DES UNGEBORENEN KINDES VERURSACHEN

Frauen müssen für eine zuverlässige Schwangerschaftsverhütung sorgen.

Nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind oder vermuten schwanger zu sein.

Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle

Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Sie können dabei helfen, indem Sie jede

auftretende Nebenwirkung melden. Hinweise zur Meldung von Nebenwirkungen, siehe Ende Abschnitt

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es

kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Neotigason 25 und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Neotigason 25 beachten?

Wie ist Neotigason 25 einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Neotigason 25 aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Neotigason 25 und wofür wird es angewendet?

Acitretin, der Wirkstoff von Neotigason 25 , gehört zur Stoffklasse der Retinoide, die ihrer Struktur

nach mit Vitamin A verwandt sind.

Neotigason 25 wird angewendet zur symptomatischen Behandlung von schwersten, einer

herkömmlichen Therapie nicht zugänglichen Verhornungsstörungen des Hautorgans wie

Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris, vor allem erythrodermatische und pustulöse Formen)

krankhafte Verdickung der Hornschichten an Handflächen und Fußsohlen (Hyperkeratosis

palmoplantaris)

krankhafte Pustelbildung an Handflächen und Fußsohlen (Pustulosis palmoplantaris)

Fischschuppenkrankheit (Ichthyosis)

Darier'sche Krankheit (Morbus Darier)

Stachelflechte (Pityriasis rubra pilaris)

flache Knötchenflechte (Lichen ruber planus) der Haut und Schleimhäute.

Neotigason sollte nur von Ärzten, vorzugsweise von Dermatologen, verschrieben werden, die

Erfahrung in der Behandlung mit systemischen Retinoiden haben und die das teratogene Risiko durch

Neotigason richtig einschätzen.

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Neotigason 25 beachten?

Neotigason 25 darf nicht eingenommen werden,

- wenn Sie schwanger sind oder stillen.

wenn irgendeine Möglichkeit besteht, dass Sie schwanger werden können, müssen Sie die

Vorsichtsmaßnahmen unter „Schwangerschaftsverhütungsprogramm“ befolgen, siehe Abschnitt

„Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“.

wenn Sie allergisch gegen Acitretin, andere Retinoide oder einen der in Abschnitt 6. genannten

sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.

wenn Sie schwere Leberprobleme haben.

wenn Sie schwere Nierenprobleme haben.

wenn Ihre Blutfettwerte (Lipide) sehr hoch sind.

wenn Sie Arzneimittel wie Tetrazykline (gegen Infektionen) oder Methotrexat (gegen

Hautprobleme, Gelenkentzündung (Arthritis) oder Krebs) einnehmen (siehe Abschnitt

„Einnahme von Neotigason 25 zusammen mit anderen Arzneimitteln“).

wenn Sie Vitamin A oder andere „Retinoid-Arzneimittel (wie Isotretinoin) einnehmen (siehe

unter Abschnitt „Einnahme von Neotigason 25 zusammen mit anderen Arzneimitteln“).

Wenn einer der oben genannten Punkte auf Sie zutreffen könnte, sprechen Sie bitte mit Ihrem

Arzt, bevor Sie mit der Einnahme von Neotigason 25 beginnen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Acitretin bedingt häufig einen Anstieg der Blutfettwerte, wie z. B. von Cholesterin oder Triglyceriden,

die mit einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) in Verbindung gebracht wurden.

Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie starke Bauch- und Rückenschmerzen bekommen (diese könnten

Anzeichen einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse sein).

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Neotigason 25 einnehmen.

Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Schwangere dürfen Neotigason 25 nicht einnehmen

Dieses Arzneimittel kann ein ungeborenes Kind schwer schädigen (das Arzneimittel wird als

´tetratogen`bezeichnet) – es kann schwere Missbildungen von Gehirn, Gesicht, Ohr, Auge, Herz und

verschiedenen Drüsen (Thymusdrüse und Nebenschilddrüse) beim ungeborenen Kind verursachen.

Es erhöht auch die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt. Dies kann auch der Fall sein, wenn

Neotigason 25 nur für eine kurze Zeit während einer Schwangerschaft eingenommen wird.

Sie dürfen Neotigason 25 nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind oder wenn Sie vermuten,

schwanger zu sein.

Sie dürfen Neotigason 25 nicht einnehmen, wenn Sie stillen. Das Arzneimittel geht voraussichtlich in

die Muttermilch über und kann Ihrem Baby schaden.

Sie dürfen Neotigason 25 nicht einnehmen, wenn Sie während der Behandlung schwanger werden

könnten.

Sie dürfen 3 Jahre nach Therapieende nicht schwanger werden, da noch Reste des Arzneimittels in

Ihrem Körper vorhanden sein können.

Frauen im gebährfähigen Alter wird Neotigason 25 aufgrund des Risikos für schwere

Schädigungen des ungeborenen Kindes unter strengen Regeln verschrieben.

Diese Regeln sind:

Ihr Arzt muss Ihnen das Risiko für die Schädigung des ungeborenen Kindes erklären – Sie müssen

verstehen, warum Sie nicht schwanger werden dürfen und was Sie tun müssen, um eine

Schwangerschaft zu verhindern.

Sie müssen mit Ihrem Arzt über schwangerschaftsverhütende Maßnahmen (Geburtenkontrolle)

gesprochen haben. Der Arzt wird Ihnen Informationen zur Schwangerschaftsverhütung geben. Der

Arzt kann Sie für die Beratung zur Schwangerschaftsverhütung an einen Spezialisten überweisen.

Vor Behandlungsbeginn wird Ihr Arzt einen Schwangerschaftstest durchführen. Der Test muss

zeigen, dass Sie bei Beginn der Behandlung mit Neotigason 25 nicht schwanger sind.

Frauen müssen vor, während und nach der Einnahme von Neotigason 25 zuverlässige

schwangerschaftsverhütende Methoden anwenden.

Sie müssen sich bereit erklären, mindestens eine sehr zuverlässige schwangerschaftsverhütende

Methode (zum Beispiel eine Spirale (Intrauterinpessar) oder ein schwangerschaftsverhütendes

Implantat) oder zwei zuverlässige Methoden, die auf verschiedene Weise wirken (zum Beispiel eine

hormonelle Verhütungspille und ein Kondom) anzuwenden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche

Methode für Sie geeignet ist.

Sie müssen einen Monat vor Einnahme von Neotigason 25 während der Behandlung und 3 Jahre

nach Ende der Behandlung ohne Unterbrechung schwangerschaftsverhütende Methoden

anwenden.

Sie müssen auch dann Schwangerschaftsverhütungsmaßnahmen anwenden, wenn Sie keine

Periode haben oder wenn Sie sexuell nicht aktiv sind (es sei denn, Ihr Arzt entscheidet, dass dies

nicht notwendig ist).

Frauen müssen Schwangerschaftstests vor, während und nach der Einnahme von Neotigason

25 zustimmen

Sie müssen regelmäßigen, idealerweise monatlichen, Kontrolluntersuchungen zustimmen.

Sie müssen regelmäßigen Schwangerschaftstests vor, idealerweise jeden Monat während der

Behandlung und alle 1 bis 3 Monate über einen Zeitraum von 3 Jahren nach Behandlungsende mit

Neotigason 25, zustimmen, da noch Reste des Arzneimittels in Ihrem Körper vorhanden sein können

(es sei denn, Ihr Arzt entscheidet, dass dies in Ihrem Fall nicht notwendig ist).

Sie müssen zusätzlichen Schwangerschaftstests zustimmen, wenn es Ihr Arzt verlangt.

Sie dürfen während der Behandlung oder 3 Jahre danach nicht schwanger werden, da noch Reste

des Arzneimittels in Ihrem Körper vorhanden sein können.

Ihr Arzt wird all diese Punkte mittels einer Checkliste mit Ihnen besprechen und Sie (oder einen

Elternteil/einen gesetzlichen Vertreter) bitten, ein Formular zu unterzeichnen. Mit diesem Formular

wird bestätigt, dass Sie über die Risiken aufgeklärt wurden und dass Sie die oben genannten Regeln

befolgen werden.

Wenn Sie während der Einnahme von Neotigason 25 schwanger werden, müssen Sie das

Arzneimittel sofort absetzen und Ihren Arzt verständigen. Ihr Arzt kann Sie an einen Spezialisten

überweisen, der Sie weiter berät.

Auch wenn Sie innerhalb von 3 Jahren nach Beendigung der Behandlung mit Neotigason 25

schwanger werden, müssen Sie Ihren Arzt verständigen. Ihr Arzt kann Sie an einen Spezialisten

überweisen, der Sie weiter berät.

Hinweise für Männer

Die Mengen des Wirkstoffs im Sperma von Männern, die Neotigason 25 einnehmen, sind zu gering,

um dem ungeborenen Kind der Partnerin zu schaden. Bitte denken Sie aber daran, dass Sie Ihr

Arzneimittel keinesfalls an Andere weitergeben dürfen.

Zusätzliche Warnhinweise

Sie dürfen dieses Arzneimittel niemals an andere Personen weitergeben. Bitte geben Sie am

Ende der Behandlung nicht benötigte Kapseln an ihre Apotheke zurück.

Sie dürfen während der Behandlung mit diesem Arzneimittel und 3 Jahre nach der Behandlung

mit Neotigason 25 kein Blut spenden, weil ein ungeborenes Kind einer Schwangeren, die Ihr

Blut erhält, geschädigt werden kann.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit

Für weitere Informationen zu Schwangerschaft und Verhütung, siehe Abschnitt 2

„Schwangerschaftsverhütungsprogramm“.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Neotigason 25 einnehmen:

wenn Sie schon einmal an psychischen Problemen einschließlich Depressionen, Aggressivität

oder Stimmungsschwankungen gelitten haben, da die Einnahme von Neotigason 25 Ihre

Stimmung beeinflussen kann.

wenn Sie Diabetes haben. Sie müssen zu Beginn der Behandlung mit Neotigason 25 Ihre

Blutzuckerwerte häufiger als sonst kontrollieren.

wenn Sie übergewichtig sind oder erhöhte Blutfettwerte haben. Möglicherweise wird der Arzt

während der Behandlung mit Neotigason 25 bei Ihnen Bluttests veranlassen, um Ihre

Blutfettwerte zu kontrollieren.

wenn Sie Herz-Kreislauf-Probleme haben. Sie müssen möglicherweise enger überwacht

werden, z. B. kann der Arzt häufiger Ihren Blutdruck messen.

wenn Sie viel Alkohol trinken.

wenn Sie Leberprobleme haben.

Weiterhin ist bei der Einnahme von Neotigason 25 zu beachten,

dass sich Ihr Nachtsehen verschlechtern kann (siehe „Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum

Bedienen von Maschinen“ in diesem Abschnitt und Abschnitt 4.)

dass es zu einer Zunahme des Blutdrucks im Gehirn kommen kann. Dies muss durch Ihren Arzt

so schnell wie möglich abgeklärt werden. Angabe der Symptome, siehe Abschnitt 4.

dass Neotigason 25 die Wirkung der UV-Strahlung auf die Haut verstärken kann. Tragen Sie,

bevor Sie sich starker Sonnenstrahlung aussetzen, ein Sonnenschutzmittel mit hohem

Lichtschutzfaktor, mindestens Lichtschutzfaktor 15, auf die exponierte Haut auf. Vermeiden Sie

unbeaufsichtigte Anwendungen von Bräunungslampen und langen Aufenthalt im Sonnenlicht.

dass Ihre Leberfunktion und Blutfettwerte vor und während der Behandlung regelmäßig

untersucht werden sollten. Ihr Arzt kann auch regelmäßig Kontrollen Ihrer Knochen

durchführen, da Neotigason 25 zu Knochenveränderungen führen kann, besonders bei

Langzeitbehandlung von Kindern und älteren Patienten.

dass die Behandlung mit hohen Dosen von Neotigason 25 zu Stimmungsveränderungen

(einschließlich Irritation, Aggression und Depression) führen kann.

Sehr selten wurde eine schwerwiegende Erkrankung, die eine erhöhte Durchlässigkeit der

kleinen Blutgefäße (Kapillaren) verursacht (Kapillarlecksyndrom, Retinsäuresyndrom),

beobachtet. Dies kann eine schwere Hypotonie (niedrigen Blutdruck), Ödeme

(Flüssigkeitsansammlungen, die zu Schwellungen führen) und einen Schock (Kollaps)

auslösen. Weitere Information siehe Abschnitt 4.

Eine schwerwiegende Hautreaktion mit Symptomen wie Hautausschlag, Blasenbildung oder

Ablösung der Haut (exfoliative Dermatitis) wurde sehr selten beobachtet. Weitere Information

siehe Abschnitt 4.

Aufgrund der Gefahr von schädlichen Auswirkungen auf das ungeborene Kind, darf dieses

Medikament nicht an andere Personen weitergegeben werden. Nicht verwendete oder

abgelaufene Kapseln müssen zur Entsorgung in eine Apotheke zurückgebracht werden.

Psychische Probleme

Es kann sein, dass Sie einige Veränderungen in Ihrer Stimmung und in Ihrem Verhalten nicht

wahrnehmen und deshalb ist es sehr wichtig, dass Sie Ihren Freu

nden und Ihrer Familie erzählen,

dass dieses Arzneimittel Ihre Stimmung und Ihr Verhalten beeinflussen kann. Diese könnten solche

Veränderungen bemerken und Ihnen helfen, etwaige Probleme, die Sie mit Ihrem Arzt besprechen

müssen, zu erkennen.

Langzeitbehandlung (siehe Abschnitt 3. „Wie ist Neotigason 25 einzunehmen?"):

Die folgenden Vorsichtsmaßnahmen müssen beachtet werden:

Die Blutfettwerte sollten in regelmäßigen Abständen von höchstens 3 Monaten kontrolliert werden.

Kinder

Bei Kindern müssen Wachstumsparameter und Knochenentwicklung sorgfältig überwacht werden. Im

Hinblick auf mögliche schwere Nebenwirkungen bei der Langzeittherapie ist das Risiko sorgfältig

gegen den therapeutischen Nutzen abzuwägen.

Einnahme von Neotigason 25 zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden,

kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Folgende Arzneimittel dürfen Sie nicht zusammen mit Neotigason 25 einnehmen (siehe auch unter

„Neotigason 25 darf nicht eingenommen werden“):

Vitamin A, da das Risiko einer Vitamin A-Überdosierung besteht.

andere Retinoide (z.B. Isotretinoin, Tretinoin), da das Risiko einer Vitamin A-Überdosierung

besteht.

Methotrexat (gegen Hautprobleme, Gelenkentzündungen oder Krebs), da zum einen das Risiko

einer Vitamin A-Überdosierung besteht und zum anderen das Risiko an Hepatitis zu erkranken

erhöht ist.

Tetrazykline (gegen bakterielle Infektionen), da diese, ebenso wie Neotigason 25, den

Schädelinnendruck erhöhen.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Phenytoin (gegen Epilepsie) und Neotigason 25 muss

berücksichtigt werden, dass Phenytoin durch Neotigason 25 zum Teil aus seiner Eiweißbindung

verdrängt wird. Ein derartiger Einfluss auf die Eiweißbindung bei gleichzeitiger Gabe von

Neotigason 25 und Antikoagulanzien vom Cumarintyp (Arzneimittel zur Hemmung der Blutgerinnung)

wurde dagegen nicht festgestellt.

Die empfängnisverhütende Wirkung von niedrig dosierten Progesteron-Präparaten kann durch

Wechselwirkung mit Neotigason 25 verringert werden. Niedrig dosierte Progesteron-Präparate

(sogenannte „Minipillen“) sollten daher nicht zur Empfängnisverhütung eingesetzt werden.

Weitere Wechselwirkungen zwischen Neotigason 25 und anderen Substanzen bzw. Präparaten, z. B.

Cimetidin, Digoxin, oralen Kontrazeptiva („Pille“) mit Östrogen/Gestagen-Kombinationen, sind nicht

bekannt.

Einnahme von Neotigason 25 zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol

Frauen im gebärfähigen Alter dürfen während der Behandlung mit Neotigason 25 und für 2 Monate

nach Beendigung der Therapie mit Neotigason 25 keinen Alkohol zu sich nehmen (weder in

Getränken noch in Nahrung oder in Medikamenten). Die Einnahme von Neotigason 25 zusammen mit

Alkohol kann zur Bildung einer Substanz (Etretinat) führen, die Ihr ungeborenes Kind schädigen kann.

Da es nicht auszuschließen ist, dass diese Substanz auch ohne Einwirken von Alkohol entsteht, und

sie zudem sehr lange im Körper verbleibt, bis sie vollständig aus dem Körper ausgeschieden werden

kann, müssen Sie auch nach Beendigung der Therapie 3 Jahre lang wirksame empfängnisverhütende

Maßnahmen durchführen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Neotigason 25 verursacht Missbildungen beim ungeborenen Kind. Die folgenden Anweisungen

müssen strikt eingehalten werden, auch wenn Sie Probleme haben schwanger zu werden

(Fruchtbarkeitsstörung):

Nehmen Sie keinesfalls Neotigason 25 ein, wenn Sie schwanger sind, glauben schwanger zu sein

oder während der Behandlung mit diesem Arzneimittel und in den 3 Jahren nach Behandlungsende

schwanger werden könnten.

Siehe Abschnitt 2. „Schwangerschaftsverhütungsprogramm“.

Nehmen Sie keinesfalls Neotigason 25 ein, wenn Sie stillen.

Wenn Sie während der Behandlung mit Neotigason 25 oder in einem Zeitraum von 3 Jahren nach

Beendigung der Behandlung schwanger werden oder denken, dass Sie schwanger sein könnten,

wenden Sie sich unverzüglich an Ihren Arzt.

Wenn Sie zu diesen Anweisungen weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder

Apotheker, bevor Sie mit der Einnahme von Neotigason 25 beginnen.

Verschreibung

Bei Frauen im gebärfähigen Alter ist die verschriebene Menge pro Rezept auf einen Bedarf von

30 Tagen begrenzt. Eine Fortsetzung der Therapie erfordert eine erneute Verschreibung und jede

Verschreibung ist nur 7 Tage lang gültig. Es wird empfohlen, dass der Schwangerschaftstest, die

Verordnung und die Einlösung des Rezeptes in der Apotheke am gleichen Tag erfolgen.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Sie müssen vorsichtig sein, wenn Sie fahren oder Maschinen bedienen. Es ist möglich, dass sich Ihr

Sehvermögen in der Dunkelheit während der Behandlung verschlechtert. Dies kann plötzlich

geschehen. In seltenen Fällen kann diese Einschränkung nach dem Ende der Behandlung weiter

bestehen. Siehe auch „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“ und Abschnitt 4 „Welche

Nebenwirkungen sind möglich?“.

Neotigason 25 enthält Glucose

Dieses Arzneimittel enthält Glucose. Bitte nehmen Sie Neotigason 25 daher erst nach Rücksprache

mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen bekannt ist, dass Sie unter einer Zuckerunverträglichkeit leiden.

3.

Wie ist Neotigason 25 einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei

Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die empfohlene Dosis ist:

Die Dosierung richtet sich nach dem Erscheinungsbild der Erkrankung und der Verträglichkeit des

Präparates. Sie muss vom behandelnden Arzt für jeden Patienten individuell bestimmt werden. Die

nachfolgenden Angaben können als Orientierung gelten.

Anwendung bei Erwachsenen

Als anfängliche Tagesdosis werden 25 mg (1 Kapsel Neotigason 25 ) bis 30 mg Acitretin (für diese

Dosierung steht Neotigason 10 zur Verfügung) während 2 bis 4 Wochen empfohlen. Diese Dosis kann

bereits zu zufriedenstellenden Ergebnissen führen. Die Erhaltungsdosis ist dem therapeutischen

Ergebnis und der Verträglichkeit anzupassen. Im Allgemeinen ermöglicht eine Tagesdosis von 25 - 50

mg Acitretin für weitere 6 bis 8 Wochen ein optimales Therapieergebnis zu erreichen. Es kann jedoch

in einigen Fällen notwendig sein, die Dosis bis zu einem Maximum von 75 mg Acitretin pro Tag (d. h.

3 Hartkapseln Neotigason 25 ) zu steigern. Diese Höchstdosis sollte nicht überschritten werden.

Bei Verhornungsstörungen sollte die Erhaltungsdosis so niedrig wie möglich gehalten werden (evtl.

weniger als 20 mg Acitretin pro Tag). Sie sollte auf keinen Fall 50 mg Acitretin pro Tag überschreiten.

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Im Hinblick auf mögliche schwere Nebenwirkungen bei der Langzeittherapie ist das Risiko sorgfältig

gegen den therapeutischen Nutzen abzuwägen. Neotigason 25 sollte erst eingesetzt werden, wenn

sich alle anderen möglichen Therapien als ungeeignet erwiesen haben. Die Dosierung sollte nach

Körpergewicht (KG) erfolgen.

Die Tagesdosis liegt bei ca. 0,5 mg Acitretin pro kg KG. Höhere Dosen bis zu 1 mg Acitretin pro kg KG

pro Tag können in einigen Fällen für eine begrenzte Zeit erforderlich sein. Die maximale Dosis von 35

mg Acitretin pro Tag sollte nicht überschritten werden. Die Erhaltungsdosis sollte im Hinblick auf

mögliche Langzeit-Nebenwirkungen immer so niedrig wie möglich gewählt werden.

Art der Anwendung

Nehmen Sie die Hartkapseln mit den Mahlzeiten, am besten mit Milch, unzerkaut ein. Achten Sie

unbedingt auf die Einhaltung der von Ihrem Arzt errechneten Dosierung von Neotigason 25.

Zusätzliche Lokalbehandlungen, auch rein pflegender Natur, während der Verabreichung von

Neotigason 25 müssen mit Ihrem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Dauer der Anwendung

Die Dauer der Behandlung wird von Ihrem Arzt nach der Art der Erkrankung und der Verträglichkeit

des Präparates festgelegt.

Bei Psoriasis-Patienten wird im Allgemeinen die Therapie beendet, wenn sich die Läsionen in

genügendem Maße zurückgebildet haben. Eine Langzeittherapie ist bei Psoriasis-Patienten nicht zu

empfehlen.

Bei Verhornungsstörungen liegen Erfahrungen bis zu 2 Jahren vor.

Rückfälle werden nach den gleichen Regeln behandelt.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung

von Neotigason 25 zu stark oder zu schwach ist.

Frauen im gebärfähigen Alter

Mit der Einnahme von Neotigason 25 beginnen Sie am zweiten oder dritten Tag Ihrer nächsten

Regelblutung. Sie müssen einen Schwangerschaftstest in den 3 Tagen vor Behandlungsbeginn

sowie während und bis 3 Jahre nach der Behandlung in regelmäßigen Abständen durchführen. Das

Testergebnis muss immer negativ sein. Sie müssen eine wirksame und zuverlässige

Verhütungsmethode anwenden, und zwar ohne Unterbrechung ab mindestens 4 Wochen vor Beginn

der Einnahme von Neotigason 25, während der Einnahme und für 3 Jahre nach Behandlungsende,

siehe auch unter "Schwangerschaft und Stillzeit".

Wenn Sie eine größere Menge Neotigason 25 eingenommen haben, als Sie sollten

Wenn Sie mehr Neotigason 25 eingenommen haben, als Sie sollten, oder wenn eine andere Person

von den Kapseln genommen hat, wenden Sie sich bitte sofort an die Notaufnahme des

nächstgelegenen Krankenhauses oder an Ihren Arzt. Symptome einer Überdosierung sind u. a.

Kopfschmerzen, Benommenheit, Unwohlsein oder Erbrechen, Schläfrigkeit, Gereiztheit oder juckende

Haut.

Wenn Sie die Einnahme von Neotigason 25 vergessen haben

Sollten Sie einmal versehentlich zu wenig Neotigason 25 eingenommen oder die Einnahme ganz

vergessen haben, holen Sie die Einnahme nach, sobald Sie sich daran erinnern. Falls es jedoch

schon bald Zeit für die nächste Einnahme ist, nehmen Sie die fehlende Dosis nicht zusätzlich ein,

sondern setzen Sie die Behandlung wie verordnet fort.

Wenn Sie die Einnahme von Neotigason 25 abbrechen

Bevor Sie die Behandlung mit Neotigason 25 unterbrechen oder vorzeitig beenden, sprechen Sie in

jedem Fall zunächst mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie weitere Fragen zur Einnahme dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt

oder Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Wenn bei Ihnen die nachfolgenden Nebenwirkungen auftreten sollten, müssen Sie sofort Ihren

Arzt aufsuchen und die Einnahme von Neotigason 25 abbrechen:

Ungewöhnlich starke oder länger dauernde Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und

Sehstörungen. Dies können Symptome einer Zunahme des Blutdrucks im Gehirn sein (sehr

selten – kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen)

Sofortige allergische Reaktion mit Symptomen wie Hautausschlag, Schwellung oder Jucken der

Haut, rote und geschwollene Augen, schwere Verstopfung der Nase, Asthma oder Keuchen.

Die Reaktion kann von gering bis zu lebensbedrohlich reichen. (Häufigkeit der Nebenwirkung

nicht bekannt)

Gelbfärbung der Haut und des Augenweiß, dies kann ein Anzeichen für Gelbsucht sein (sehr

selten – betrifft weniger als 1 von 10.000 Behandelten) oder Leberentzündung (gelegentlich –

kann bis zu 1 von 100 Behandelten Betreffen). Andere Symptome können Appetitlosigkeit,

Fieber, allgemeines Unwohlsein, Übelkeit, dunkler Urin und Bauchschmerzen sein.

Eine schwerwiegende Erkrankung, die eine erhöhte Durchlässigkeit der kleinen Blutgefäße

(Kapillaren) verursacht (Kapillarlecksyndrom, Retinsäuresyndrom), Dies kann eine schwere

Hypotonie (niedrigen Blutdruck), Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen, die zu Schwellungen

führen) und einen Schock (Kollaps) auslösen. Die Symptome schließen Verdickung oder

Schwellung, Schwierigkeit beim Atmen, Magenkrämpfe, Muskelschmerzen, übermäßiger Durst

und ein generelles Gefühl der Müdigkeit und Schwäche ein (Häufigkeit der Nebenwirkung nicht

bekannt).

Eine schwerwiegende Hautreaktion mit Symptomen wie Hautausschlag, Blasenbildung oder

Ablösung der Haut (exfoliative Dermatitis) (Häufigkeit der Nebenwirkung nicht bekannt)

Weitere Nebenwirkungen sind:

Sehr häufige Nebenwirkungen (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen):

trockene, gereizte oder geschwollene Augen, wodurch es zu einer Unverträglichkeit von

Kontaktlinsen kommen kann

trockene, gereizte Nasenschleimhaut, laufende Nase, Nasenbluten

Mundtrockenheit, Durst

trockene oder entzündete Lippen, Abhilfe schafft eine Fettsalbe. Juckreiz, Haarausfall,

Abschälen der Haut an den Handflächen und Fußsohlen oder auch am ganzen Körper

Veränderungen der Leberfunktion (Nachweis durch Blutuntersuchungen)

erhöhte Blutfettwerte (Nachweis durch Blutuntersuchungen)

Häufige Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen):

Kopfschmerzen

Entzündung der Mundschleimhaut, Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen

anfällige Haut, klebriges Hautgefühl oder Ausschlag, Entzündungen der Haut, Veränderung der

Haarbeschaffenheit, brüchige Nägel, Entzündung des Nagelfalz, H

autrötungen

Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen

Schwellung von Händen, Füßen und Knöcheln

Gelegentliche Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen):

Benommenheit

verschwommenes Sehen

Zahnfleischentzündungen

Fissuren, Einrisse oder feine Narbenbildung der Haut, z. B. um den Mund herum

(Rhagadenbildung), Blasenbildung und Entzündung der Haut (bullöse Dermatitis), verstärkte

Sonnenempfindlichkeit der Haut (Photosensibilität)

Seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen):

Schädigung des peripheren Nervensystems, unter anderem einhergehend mit Beschwerden

wie Muskelschwäche, Taubheit oder Prickeln in den Händen und Füßen oder auch brennende,

stechende, plötzlich einschießende Schmerzen

Sehr seltene Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen):

Nachtblindheit, Hornhautentzündung des Auges (Hornhautgeschwürbildung)

Knochenschmerzen, Veränderungen im Knochenwachstum

Nebenwirkungen mit nicht bekannter Häufigkeit (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten

nicht abschätzbar):

Infektionen in der Scheide (auch als Candidose oder Soor bezeichnet)

Hörstörungen, Klingeln in den Ohren (Tinnitus)

Hitzewallungen

Geschmacksveränderungen, Rektalblutung

kleine, rötliche Hautknötchen, die leicht bluten (pyogenes Granulom)

Ausfall der Wimpern und der lateralen Augenbrauen (Madarosis)

schmerzlose, selten juckende Schwellung der Haut, Schleimhaut und der angrenzenden

Gewebe

Nesselsucht

dünner werdende Haut

verbesserte oder verschlechterte Glucosetoleranz bei Diabetikern

Änderungen des Klangs der Stimme (Dysphonie)

Eine anfängliche Verschlimmerung der Psoriasis-Symptome kann bei Behandlungsbeginn auftreten.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker oder das

medizinische Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage

angegeben sind. Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und

Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website:

www.bfarm.de anzeigen.

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Neotigason 25 aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf der Faltschachtel und den Blisterstreifen nach

„Verwendbar bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich

auf den letzten Tag des angegebenen Monats.

Nicht über 25 °C lagern.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie

das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz

der Umwelt bei.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Neotigason 25 enthält

Der Wirkstoff ist Acitretin.

1 Hartkapsel enthält 25 mg Acitretin.

Die sonstigen Bestandteile sind: Mikrokristalline Cellulose, Gelatine, sprühgetrockneter Glucose-Sirup,

Natriumascorbat. Kapselhülle: Gelatine, Eisenoxidhydrat (E 172), Eisen(III)-oxid (E 172), Eisen(II,III)-

oxid (E 172), Titandioxid (E 171), Drucktinte (Schellack, Propylenglycol, Ammoniumhydroxid,

Eisen(II,III)-oxid (E 172)).

Wie Neotigason 25 aussieht und Inhalt der Packung

Kapselunterteil gelb, opak, mit schwarzem Aufdruck „25“; Kapseloberteil braun, opak.

Neotigason 25 ist in Packungen zu 30, 50 (N2), 60, 90 und 100 (N3) Hartkapseln erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

PUREN Pharma GmbH & Co. KG

Willy-Brandt-Allee 2

81829 München

Telefon: 089/558909-0

Telefax: 089/558909-240

Hersteller

CENEXI

52, rue Marcel et Jacques Gaucher

94120 Fontenay-sous-Bois

Frankreich

CENEXI

17, rue de Pontoise

95520 Osny

Frankreich

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im September 2019.

Ausführliche und aktualisierte Informationen zu diesem Produkt sind durch Scannen dieses QR Codes

mit einem Smartphone verfügbar. Dieselben Informationen sind auch unter folgender Webadresse:

http://neotigason.puren-pharma.de/ und http.www.bfarm.de verfügbar.

Fachinformation

Neotigason

®

10

Neotigason

®

25

Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle

Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind

aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden. Hinweise zur Meldung von

Nebenwirkungen siehe Abschnitt 4.8.

1.

BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL

Neotigason 10

Neotigason 25

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

1 Hartkapsel Neotigason 10 enthält 10 mg Acitretin.

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: 16,4 mg Glucose.

1 Hartkapsel Neotigason 25 enthält 25 mg Acitretin.

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: 41,0 mg Glucose.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Hartkapsel

Neotigason 10

Kapselunterteil weiß, opak, mit schwarzem Aufdruck „10“; Kapseloberteil braun, opak.

Neotigason 25

Kapselunterteil gelb, opak, mit schwarzem Aufdruck „25“; Kapseloberteil braun, opak.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur symptomatischen Behandlung von schwersten, einer konventionellen Therapie nicht zugänglichen

Verhornungsstörungen des Hautorgans wie

Psoriasis vulgaris, vor allem erythrodermatische und pustulöse Formen,

Hyperkeratosis palmoplantaris,

Pustulosis palmoplantaris,

Ichthyosis,

Morbus Darier,

Pityriasis rubra pilaris,

Lichen ruber planus der Haut und Schleimhäute.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Acitretin sollte nur von Ärzten, vorzugsweise von Dermatologen, verschrieben werden, die Erfahrung

in der Behandlung mit systemischen Retinoiden haben und die das teratogene Risiko durch Acitretin

richtig einschätzen (siehe Abschnitt 4.6).

Dosierung

Die Dosierung richtet sich nach dem Erscheinungsbild der Erkrankung und der Verträglichkeit des

Präparates. Sie muss vom behandelnden Arzt für jeden Patienten, aufgrund der Unterschiede in der

Aufnahme- und Abbaurate von Acitretin, individuell bestimmt werden. Die nachfolgenden Angaben

können als Orientierung gelten.

Erwachsene

Die Anfangsdosis von 25 mg (d.h. 1 Hartkapsel Neotigason 25) oder 30 mg Acitretin (d. h. 3

Hartkapseln Neotigason 10) während 2 bis 4 Wochen kann bereits zufriedenstellende therapeutische

Ergebnisse liefern.

Die Erhaltungsdosis ist dem therapeutischen Ergebnis und der Verträglichkeit anzupassen. Im

Allgemeinen ermöglicht eine Tagesdosis von 25 - 50 mg Acitretin für weitere 6 bis 8 Wochen ein

optimales Therapieergebnis. Es kann in einigen Fällen notwendig sein, die Dosis bis zu einem

Maximum von 75 mg Acitretin pro Tag (d. h. 3 Hartkapseln Neotigason 25) zu steigern. Diese

Höchstdosis sollte nicht überschritten werden.

Bei Psoriasis-Patienten kann die Therapie im Allgemeinen beendet werden, wenn sich die

Läsionen in ausreichendem Maße gebessert haben. Eine Langzeitbehandlung wird bei Patienten

mit Psoriasis nicht empfohlen. Rezidive werden in gleicher Weise behandelt.

Bei Verhornungsstörungen ist für gewöhnlich eine Erhaltungsdosis erforderlich, diese sollte so niedrig

wie möglich gehalten werden (evtl. weniger als 20 mg Acitretin pro Tag). Sie sollte auf keinen Fall 50

mg Acitretin pro Tag überschreiten.

Kinder und Jugendliche

Im Hinblick auf mögliche schwere Nebenwirkungen bei der Langzeittherapie ist das Risiko sorgfältig

gegen den therapeutischen Nutzen abzuwägen. Acitretin sollte erst eingesetzt werden, wenn sich alle

anderen Therapieoptionen als ungeeignet erwiesen haben.

Die Dosierung sollte nach Körpergewicht (KG) erfolgen. Die Tagesdosis liegt bei ca. 0,5 mg Acitretin

pro kg KG. Höhere Dosen bis zu 1 mg Acitretin pro kg KG pro Tag können in einigen Fällen für eine

begrenzte Zeit erforderlich sein. Die maximale Dosis von 35 mg Acitretin pro Tag sollte nicht

überschritten werden. Die Erhaltungsdosis sollte im Hinblick auf mögliche Langzeit-Nebenwirkungen

immer so niedrig wie möglich gewählt werden.

Art der Anwendung

Zum Einnehmen

Die Hartkapseln werden mit den Mahlzeiten, am besten mit Milch, unzerkaut eingenommen. Auf die

Einhaltung der vom Arzt errechneten Dosierung von Neotigason ist unbedingt zu achten.

Zusätzliche Lokalbehandlungen, auch rein pflegender Natur, während der Verabreichung von

Neotigason müssen mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Die Dauer der Behandlung wird vom Arzt nach der Art der Erkrankung und der Verträglichkeit des

Präparates festgelegt.

Bei Psoriasis-Patienten wird im Allgemeinen die Therapie beendet, wenn sich die Läsionen in

genügendem Maße zurückgebildet haben. Eine Langzeittherapie ist bei Psoriasis-Patienten nicht zu

empfehlen.

Bei Verhornungsstörungen liegen Erfahrungen bis zu 2 Jahren vor.

Rezidive werden nach den gleichen Regeln behandelt.

4.3

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Retinoide oder einen der in Abschnitt 6.1

genannten sonstigen Bestandteile.

Acitretin, der Wirkstoff von Neotigason, ist in hohem Maße fruchtschädigend und darf

nicht von Schwangeren angewendet werden. Dies gilt auch für Frauen im

gebärfähigen Alter, es sei denn, es wird eine strikte Empfängnisverhütung 4 Wochen

vor der Acitretintherapie angefangen und während der Behandlung und bis zu 3

Jahre nach Therapieende fortgesetzt (siehe Abschnitt 4.6).

Neotigason darf stillenden Frauen nicht verabreicht werden.

Schwerwiegende Leberfunktionsstörung.

Schwerwiegende Nierenfunktionsstörung.

Chronisch erhöhte Blutlipidwerte.

Da Neotigason und Tetrazykline eine Erhöhung des Hirndruckes verursachen können, dürfen sie nicht

gleichzeitig verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.5).

Es wurde über ein erhöhtes Hepatitisrisiko bei gleichzeitiger Anwendung von Methotrexat und

Etretinat berichtet. Eine gleichzeitige Anwendung von Methotrexat und Acitretin ist daher ebenfalls

kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.5).

Ebenso ist die gleichzeitige Anwendung von Acitretin und Vitamin A oder anderen Retinoiden

kontraindiziert, da die Gefahr einer Hypervitaminose A besteht (siehe Abschnitt 4.5).

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Teratogene Effekte

Neotigason ist ein starkes menschliches Teratogen, das schwere und lebensbedrohliche

Missbildungen beim ungeborenen Kind verursacht.

Neotigason ist streng kontraindiziert bei:

- schwangeren Frauen

- Frauen im gebärfähigen Alter, es sei denn, es werden alle Bedingungen des

Schwangerschaftsverhütungsprogramms eingehalten

Im Falle einer Schwangerschaft kann Acitretin schwere Missbildungen beim ungeborenen Kind

verursachen. Die Retinoid-typischen Missbildungen betreffen vor allem das Zentralnervensystem, das

Herz und die großen Blutgefäße. Sie sind in einem hohen Prozentsatz zu erwarten, selbst wenn

Neotigason nur über kurze Zeiträume während der Schwangerschaft eingenommen wurde.

Schwangerschaftsverhütungsprogramm

Dieses Arzneimittel ist TERATOGEN.

Acitretin ist bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert, es sei denn, dass alle folgenden

Bedingungen des Schwangerschaftsverhütungsprogramms eingehalten werden:

Zur symptomatischen Behandlung von schwersten, einer konventionellen Therapie nicht

zugänglichen Verhornungsstörungen des Hautorgans wie

Psoriasis vulgaris, vor allem erythrodermatische und pustulöse Formen,

Hyperkeratosis palmoplantaris,

Pustulosis palmoplantaris,

Ichthyosis,

Morbus Darier,

Pityriasis rubra pilaris,

Lichen ruber planus der Haut und Schleimhäute (siehe Abschnitt 4.1).

Die Gebärfähigkeit muss bei allen weiblichen Patienten individuell beurteilt werden.

Die Patientin versteht das teratogene Risiko.

Die Patientin versteht die Notwendigkeit einer strengen monatlichen Überwachung.

Die Patientin versteht und akzeptiert die Notwendigkeit einer zuverlässigen, kontinuierlichen

Empfängnisverhütung einen Monat vor der Behandlung, während der gesamten Behandlung und

für 3 Jahre nach Behandlungsende. Es müssen mindestens eine sehr zuverlässige Methode zur

Empfängnisverhütung (d.h. eine nutzerunabhängige Methode) oder zwei sich ergänzende

nutzerabhängige Methoden zur Empfängnisverhütung angewendet werden.

Die individuelle Situation jeder Patientin soll bei der Wahl der Empfängnisverhütungsmethode

beurteilt und die Patientin in die Diskussion einbezogen werden, um ihre Mitarbeit und die

Einhaltung der gewählten Maßnahmen sicherzustellen.

Auch im Falle einer Amenorrhö muss die Patientin alle Anweisungen für eine zuverlässige

Empfängnisverhütung befolgen.

Die Patientin ist über die möglichen Konsequenzen einer Schwangerschaft informiert und versteht

diese. Sie ist sich darüber im Klaren, dass sie sich bei einem möglichen Risiko, dass eine

Schwangerschaft eingetreten ist, oder bei einem Schwangerschaftsverdacht unverzüglich an ihren

Arzt wenden muss.

Die Patientin versteht die Notwendigkeit und akzeptiert, regelmäßige Schwangerschaftstests vor

und während der Behandlung, idealerweise monatlich, sowie nach Therapieende in regelmäßigen

Abständen mit 1-3 monatlichen Intervallen über einen Zeitraum von 3 Jahren durchführen zu

lassen.

Die Patientin bestätigt, dass sie die Gefahren und die bei der Anwendung von Acitretin

erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen verstanden hat.

Diese Voraussetzungen gelten auch für Frauen, die gegenwärtig sexuell nicht aktiv sind, es sei denn,

der verschreibende Arzt sieht zwingende Gründe dafür, dass keinerlei Risiko besteht, dass eine

Schwangerschaft eintritt.

Der verschreibende Arzt muss sicherstellen, dass:

die Patientin die Voraussetzungen für das o. g. Schwangerschaftsverhütungsprogramm erfüllt,

einschließlich eines Nachweises, dass sie über ein angemessenes Verständnis verfügt.

die Patientin bestätigt, dass sie die o. g. Voraussetzungen erfüllt.

die Patientin versteht, dass sie mindestens einen Monat vor Beginn der Behandlung durchgängig

und korrekt eine sehr zuverlässige Methode zur Empfängnisverhütung (d.h. eine nutzerunabhängige

Methode) oder zwei sich ergänzende nutzerabhängige Methoden zur Empfängnisverhütung

anwenden muss und dass sie die zuverlässige Empfängnisverhütung während der gesamten

Behandlungsdauer und für mindestens 3 Jahre nach Behandlungsende weiterführen muss.

Schwangerschaftstests mit negativem Resultat vor und während der Behandlung sowie nach

Therapieende mit 1-3 monatlichen Intervallen über einen Zeitraum von 3 Jahren vorliegen. Die

Daten und Ergebnisse der Schwangerschaftstests müssen dokumentiert werden.

Falls bei einer mit Acitretin behandelten Frau eine Schwangerschaft eintritt, muss die Behandlung

sofort abgebrochen und die Patientin zur Abklärung und Beratung an einen im Bereich der Teratologie

spezialisierten oder erfahrenen Arzt überwiesen werden.

Falls eine Schwangerschaft nach Behandlungsende eintritt, bleibt ein Risiko ernsthafter und

schwerwiegender Missbildungen des Fötus bestehen. Das Risiko besteht bis das Produkt vollständig

ausgeschieden wurde, was bis zu 3 Jahren nach dem Ende der Behandlung dauert.

Empfängnisverhütung

Patientinnen müssen umfassend zum Thema Schwangerschaftsverhütung informiert sein und über

geeignete Methoden beraten werden, falls sie noch keine zuverlässige Empfängnisverhütung

durchführen. Sollte der verschreibende Arzt diese Informationen der Patientin nicht zur Verfügung

stellen können, muss die Patientin an einen entsprechenden Arzt überwiesen werden.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen mindestens eine sehr zuverlässige Methode zur

Empfängnisverhütung (d.h. eine nutzerunabhängige Maßnahme) oder zwei sich ergänzende

nutzerabhängige Maßnahmen zur Empfängnisverhütung anwenden. Die Empfängnisverhütung muss

einen Monat vor der Behandlung, während der gesamten Behandlung und 3 Jahre nach

Behandlungsende mit Acitretin angewendet werden, auch bei Patientinnen mit Amenorrhö.

Die individuelle Situation jeder Patientin soll bei der Wahl der Empfängnisverhütungsmethode beurteilt

und die Patientin soll in die Diskussion einbezogen werden, um ihre Mitarbeit und die Einhaltung der

gewählten Maßnahmen sicherzustellen.

Schwangerschaftstests

Ärztlich überwachte Schwangerschaftstests mit einer Mindestsensitivität von 25 mIU/ml sind in

Übereinstimmung mit der klinischen Praxis wie folgt durchzuführen:

Vor Behandlungsbeginn

Mindestens einen Monat nach Beginn der Maßnahmen zur Empfängnisverhütung und kurz

(vorzugsweise wenige Tage) vor der ersten Verschreibung muss ein Schwangerschaftstest unter

ärztlicher Überwachung durchgeführt werden. Dieser Test soll sicherstellen, dass die Patientin nicht

schwanger ist, wenn sie mit der Acitretin-Behandlung beginnt.

Kontrolluntersuchungen

In regelmäßigen Intervallen, idealerweise monatlich, müssen Kontrolluntersuchungen durchgeführt

werden. Die Notwendigkeit monatlicher, ärztlich überwachter Schwangerschaftstests (entsprechend

der üblichen Praxis) sollte unter Berücksichtigung der sexuellen Aktivität der Patientin, ihrer

Menstruationsanamnese (Menstruationsanomalien, Ausbleiben von Perioden oder Amenorrhö) und

der Methode zur Empfängnisverhütung beurteilt werden. Sofern indiziert, muss der

Kontrollschwangerschaftstest am Verschreibungstermin oder innerhalb der letzten 3 Tage vor dem

Besuch beim verschreibenden Arzt erfolgen.

Am Behandlungsende

Patientinnen müssen sich über einen Zeitraum von 3 Jahren nach Therapieende regelmäßig in 1-3

monatlichen Intervallen einem Schwangerschaftstest unterziehen.

Verschreibungs- und Abgabebeschränkungen

Für Frauen im gebärfähigen Alter müssen Verordnungen von Neotigason idealerweise auf 30 Tage

limitiert sein, um regelmäßige Kontrolluntersuchungen einschließlich Schwangerschaftstests zu

unterstützen. Idealerweise sollten der Schwangerschaftstest, die Ausstellung des Rezeptes und die

Abgabe von Neotigason am selben Tag erfolgen. Die Abgabe von Neotigason muss innerhalb von

maximal 7 Tagen nach der Ausstellung des Rezeptes erfolgen.

Diese monatlichen Kontrollen sollen sicherstellen, dass regelmäßige Schwangerschaftstests

durchgeführt werden und dass die Patientin nicht schwanger ist, bevor sie den nächsten

Behandlungszyklus erhält.

Männliche Patienten

Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Exposition der Mutter durch die Samenflüssigkeit

des mit Neotigason behandelten Partners nicht ausreicht, um mit teratogenen Effekten von

Neotigason einherzugehen. Männliche Patienten müssen daran erinnert werden, dass sie ihr

Arzneimittel nicht an andere weitergeben dürfen, insbesondere nicht an Frauen.

Zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen

Die Patienten müssen angewiesen werden, das Arzneimittel niemals an andere Personen

weiterzugeben und nicht benötigte Kapseln am Ende der Behandlung an ihre Apotheke

zurückzugeben.

Patienten dürfen während und 3 Jahre nach der Behandlung mit Acitretin kein Blut spenden, da bei

schwangeren Frauen, die eine solche Bluttransfusion erhalten, ein potenzielles Risiko für den Fötus

besteht.

Schulungsmaterial

Um verschreibende Ärzte, Apotheker und Patienten bei der Vermeidung einer fötalen Exposition

gegenüber Acitretin zu unterstützen, wird der Zulassungsinhaber Schulungsmaterialien zur Verfügung

stellen, welche die Warnungen zur Teratogenität von Acitretin bekräftigen, Hinweise zur

Empfängnisverhütung vor dem Behandlungsbeginn geben und Aufklärung über die Notwendigkeit von

Schwangerschaftstests liefern.

Alle Patienten, männlich und weiblich, müssen vom Arzt in vollem Umfang über das teratogene

Risiko und die im Schwangerschaftsverhütungsprogramm dargelegten strengen Maßnahmen zur

Empfängnisverhütung aufgeklärt werden.

Psychiatrische Störungen

Bei mit systemischen Retinoiden (einschließlich Acitretin) behandelten Patienten wurde über

Depressionen, Verstärkung von Depressionen, Angst und Stimmungsschwankungen berichtet. Bei

Patienten mit einer Depression in der Anamnese ist besondere Vorsicht geboten. Patienten sind auf

Anzeichen einer Depression zu überwachen und, falls notwendig, entsprechend zu behandeln.

Eine Aufklärung von Familie oder Freunden könnte helfen, eine Verschlechterung der psychischen

Verfassung wahrzunehmen.

Klinische Beobachtungen haben gezeigt, dass bei Einnahme von Acitretin und gleichzeitigem

Alkoholgenuss Etretinat gebildet werden kann. Etretinat ist hoch teratogen und hat eine längere

Halbwertszeit (ca. 120 Tage) als Acitretin. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen daher während der

Behandlung mit Neotigason und bis zu 2 Monate nach Behandlungsende keinen Alkohol zu sich

nehmen (in Getränken, Essen oder Arzneimitteln). Empfängnisverhütende Maßnahmen und

Schwangerschaftstests müssen ebenfalls für 3 Jahre nach Beendigung der Therapie mit Neotigason

durchgeführt werden (siehe Abschnitte 4.6 und 5.2).

Die Leberfunktion sollte vor Einleitung der Acitretinbehandlung sowie alle 1–2 Wochen in den ersten 2

Monaten nach Therapiebeginn und danach alle 3 Monate für die Dauer der Behandlung überprüft

werden. Sollten von der Norm abweichende Werte gefunden werden,

sind wöchentliche

Überprüfungen zu veranlassen. Wenn sich die Leberfunktion nicht normalisiert bzw. sich weiter

verschlechtert, muss Acitretin abgesetzt werden. In solchen Fällen wird angeraten, die

Leberfunktionstests mindestens 3 Monate fortzusetzen (siehe Abschnitt 4.8).

Die Serumwerte für Cholesterin und Triglyceride (Nüchternwerte) müssen vor Einleitung der

Acitretinbehandlung, einen Monat nach Therapiebeginn und danach alle 3 Monate für die Dauer der

Behandlung überprüft werden. Wenn eine Hypertriglyceridämie nicht kontrollierbar ist oder wenn

Symptome einer Pankreatitis auftreten, muss die Behandlung mit Acitretin abgebrochen werden.

Patienten mit Risikofaktoren für Herz-/Kreislauferkrankungen, z. B. Hypertonie, sollten unter der

Therapie mit Neotigason regelmäßig kontrolliert werden.

Fälle verschlechterten Nachtsehens wurden unter Therapie mit Neotigason gemeldet. Daher sollten

Patienten auf dieses mögliche Problem hingewiesen und dazu aufgefordert werden, nachts beim

Fahren und Bedienen von Maschinen besonders vorsichtig zu sein. Visusprobleme sollten sorgfältig

überwacht werden (siehe Abschnitt 4.8).

Es liegen seltene Berichte über benigne intrakranielle Hypertension vor. Patienten mit schweren

Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen müssen Acitretin sofort absetzen und es sind

neurologische Untersuchungen und Betreuung zu veranlassen (siehe Abschnitt 4.8).

Bei Erwachsenen, insbesondere älteren Menschen, die eine Langzeittherapie mit Acitretin erhalten,

sollten in Hinblick auf mögliche auftretende Ossifikationsanomalien regelmäßige Untersuchungen

erfolgen (siehe Abschnitt 4.8). Im Falle von solchen Störungen muss eine Fortsetzung der Therapie

auf Basis einer sorgfältigen Risiko-Nutzen-Analyse mit dem Patienten besprochen werden.

In gelegentlichen Fällen wurde über Knochenveränderungen, z. B. vorzeitige Epiphysenschlüsse,

skelettale Hyperostosen und extraossäre Verkalkungen bei Kindern nach Langzeittherapien mit

Etretinat berichtet, sodass ähnliche Auswirkungen bei Acitretin zu erwarten sind. Bei Kindern müssen

daher Wachstumsparameter und Knochenentwicklung sorgfältig überwacht werden.

Es muss betont werden, dass gegenwärtig nicht alle Folgen einer lebenslangen Behandlung mit

Acitretin abgeschätzt werden können.

Da die Wirkung von UV-Strahlung durch eine Retinoidtherapie verstärkt wird, sollten Patienten sich

keinem übermäßigen Sonnenlicht aussetzen und die unbeaufsichtigte Nutzung von Bräunungslampen

vermeiden. Gegebenenfalls muss ein Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor, mindestens

Lichtschutzfaktor 15, verwendet werden.

Hochdosistherapien mit Retinoiden können Stimmungsänderungen verursachen mit Symptomen wie

Gereiztheit, Aggressivität und Depressionen.

Hochrisikopatienten:

Bei Patienten mit Diabetes, Alkoholismus, Übergewicht, kardiovaskulären Risikofaktoren oder einer

Fettstoffwechselstörung,

sich

einer

Behandlung

Acitretin

unterziehen,

sind

häufigere

Untersuchungen

Serumlipid-

und/oder

Blutzuckerwerte

sowie

anderer

kardiovaskulärer

Risikoindikatoren, wie z. B. des Blutdrucks, erforderlich.

Bei Diabetikern können Retinoide die Glucosetoleranz sowohl verbessern als auch verschlechtern. In

der Anfangsphase der Therapie sind daher häufige Kontrollen der Blutzuckerwerte angezeigt.

Bei allen Hochrisikopatienten, bei denen keine Normalisierung oder eine Verschlechterung der

kardiovaskulären Risikoparameter festzustellen ist, muss eine Dosisreduktion oder das Absetzen von

Acitretin erwogen werden.

Seit der Zulassung wurden weltweit sehr seltene Fälle eines Kapillarlecksyndroms/Retinsäure-

Syndroms gemeldet.

Seit der Zulassung wurden weltweit sehr seltene Fälle einer exfoliativen Dermatitis gemeldet.

Patienten mit der seltenen Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Neotigason nicht einnehmen.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Eine kombinierte Behandlung mit Methotrexat, Tetrazyklinen, Vitamin A oder anderen oralen

Retinoiden (z. B. Tretinoin, Isotretinoin) ist kontraindiziert(siehe Abschnitt 4.3).

Die empfängnisverhütende Wirkung von niedrig dosierten Progesteron-Präparaten kann durch

Wechselwirkung mit Acitretin verringert werden. Niedrig dosierte Progesteron-Präparate (sogenannte

Minipillen) sollten daher nicht zur Empfängnisverhütung eingesetzt werden (siehe Abschnitt 4.6).

Wechselwirkungen mit oralen Kontrazeptiva die eine Östrogen/Progesteron-Kombination enthalten

wurden nicht beobachtet.

In einer Studie mit gesunden Probanden führte die gleichzeitige Einnahme einer Einzeldosis Acitretin

zusammen mit Alkohol zur Bildung von Etretinat, das hoch teratogen wirkt. Es kann jedoch nicht

ausgeschlossen werden, dass auch ohne gleichzeitige Einnahme alkoholischer Getränke Etretinat

gebildet wird. Aufgrund der möglichen Bildung von Etretinat dürfen Frauen im gebärfähigen Alter

während der Behandlung mit Acitretin und zwei Monate nach Beendigung der Therapie keinen

Alkohol konsumieren (in Getränken, Nahrungsmitteln oder Arzneimitteln) (siehe Abschnitte 4.4 und

5.2).

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Phenytoin und Neotigason muss berücksichtigt werden, dass

Phenytoin durch Acitretin zum Teil aus seiner Eiweißbindung verdrängt wird. Die klinische Bedeutung

ist bisher nicht bekannt.

Weitere Wechselwirkungen zwischen Acitretin und anderen Substanzen (z. B. Cimetidin, Digoxin)

sind nicht bekannt.

Untersuchungen zur Wirkung von Acitretin auf die Proteinbindung von Antikoagulanzien vom

Cumarintyp (Warfarin) deuteten nicht auf eine Interaktion hin.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Acitretin, der Wirkstoff von Neotigason, ist teratogen (siehe auch Abschnitt 4.4).

Vorrangige Verhütungsmethoden sind ein kombiniertes hormonelles Kontrazeptivum oder die Spirale

und zusätzlich wird die Verwendung eines Kondoms oder eines Diaphragmas (Portiokappe)

empfohlen. Niedrig dosierte Progesteron-Präparate (Minipille) werden nicht empfohlen, da es

Hinweise auf eine mögliche Beeinträchtigung ihrer verhütenden Wirkung gibt.

Bei männlichen mit Acitretin behandelten Patienten deuten verfügbare Daten, wenn überhaupt, auf ein

geringfügiges Risiko für teratogene Wirkungen hin, je nach Grad der Exposition der Schwangeren

gegenüber dem im Samen bzw. Samenflüssigkeit enthaltenen Acitretin.

Schwangerschaft

Acitretin ist bei schwangeren Frauen kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).

Stillzeit

Acitretin darf nicht an stillende Mütter verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.3).

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Fälle verschlechterten Nachtsehens wurden unter Therapie mit Acitretin berichtet. Daher sollten

Patienten auf dieses mögliche Problem hingewiesen und dazu aufgefordert werden, nachts beim

Fahren und Bedienen von Maschinen besonders vorsichtig zu sein. Visusprobleme sollten sorgfältig

überwacht werden (siehe Abschnitt 4.8).

4.8

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen werden bei den meisten mit Acitretin behandelten Patienten beobachtet. Sie klingen

in der Regel ab, wenn die Dosierung verringert oder die Behandlung beendet wird. Eine anfängliche

Verschlimmerung der Psoriasis-Symptome kann bei Behandlungsbeginn auftreten.

Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind Symptome einer Hypervitaminose A wie z. B.

trockene Lippen, die durch Auftragen einer Fettsalbe gelindert werden können.

Die folgenden nach Systemorganklassen und Häufigkeit aufgelisteten Nebenwirkungen von Acitretin

wurden in klinischen Studien und nach Markteinführung berichtet. Die folgenden Häufigkeitsangaben

wurden zugrunde gelegt:

Sehr häufig

(≥ 1/10)

Häufig

(≥ 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich

(≥ 1/1.000 bis < 1/100)

Selten

(≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten

(< 1/10.000)

Nicht bekannt

(Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Häufigkeit nicht bekannt

Vulvovaginitis, verursacht durch Candida albicans

Erkrankungen des Immunsystems

Häufigkeit nicht bekannt

Typ-I-Hypersensibilität

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig

Gelegentlich

Selten

Sehr selten

Kopfschmerzen

Benommenheit

Periphere Neuropathie

Benigne intrakranielle Druckerhöhung (siehe

Abschnitt 4.4)

Augenerkrankungen

Sehr häufig

Gelegentlich

Sehr selten

Trockenheit und Entzündungen der Schleimhäute

(z. B. Konjunktivitis, Xerophthalmie) und dadurch

bedingte Unverträglichkeit von Kontaktlinsen

Verschwommenes Sehen

Nachtblindheit (siehe Abschnitt 4.4), Hornhautulzera

Erkrankungen des Ohrs und des

Labyrinths

Häufigkeit nicht bekannt

Hörstörungen, Tinnitus

Gefäßerkrankungen

Häufigkeit nicht bekannt

Hitzewallungen, Kapillarlecksyndrom,

Retinsäuresyndrom

Erkrankungen der Atemwege, des

Brustraums und Mediastinums

Sehr häufig

Häufigkeit nicht bekannt

Trockenheit und Entzündungen der Schleimhäute

(z. B. Epistaxis und Rhinitis)

Dysphonie

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig

Häufig

Gelegentlich

Häufigkeit nicht bekannt

Mundtrockenheit, Durst

Stomatitis, gastrointestinale Störungen (z. B.

Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen)

Gingivitis

Dysgeusie, Rektalblutungen

Leber- und Gallenerkrankungen

Gelegentlich

Sehr selten

Hepatitis

Gelbsucht

Erkrankungen der Haut und des

Unterhautzellgewebes

Cheilitis, Pruritus, Alopezie, Hautabschilferung (auf

Sehr häufig

Häufig

Gelegentlich

Häufigkeit nicht bekannt

dem gesamten Körper, vor allem an Handflächen und

Fußsohlen)

Hautfragilität, klebrige Haut, Dermatitis, abnorme

Haarbeschaffenheit, brüchige Nägel,

Nagelfalzentzündung, Erythem

Rhagadenbildung, bullöse Dermatose,

Photosensibilitätsreaktionen

Pyogene Granulome, Madarosis, Angioödem,

Urtikaria, dünner werdende Haut, exfoliative Dermatitis

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und

Knochenerkrankungen

Häufig

Sehr selten

Arthralgie, Myalgie

Knochenschmerzen, Exostose (die Erhaltungstherapie

kann zum Fortschreiten einer bestehenden spinalen

Hyperostose, zum Auftreten neuer hyperostotischer

Läsionen und extraskelettaler Kalzifikation führen, wie

es auch bei Langzeitbehandlungen mit Retinoiden

beobachtet worden ist) (siehe Abschnitt 4.4).

Allgemeine Erkrankungen und

Beschwerden am Verabreichungsort

Häufig

Periphere Ödeme

Untersuchungen

Sehr häufig

Abnorme Leberfunktionswerte (vorübergehende, meist

reversible Erhöhung der Transaminasen und der

alkalischen Phosphatase) (siehe Abschnitt 4.4).

Abnorme Lipidwerte (reversible Erhöhungen der

Serumtriglycerid- und Cholesterinwerte bei hoher

Dosierung von Acitretin, vor allem bei prädisponierten

Patienten und unter Langzeittherapie (siehe Abschnitt

4.4)). Bei Fortbestand dieser Störungen kann ein

daraus resultierendes Risiko für Atherogenese nicht

ausgeschlossen werden.

Kinder und Jugendliche

In gelegentlichen Fällen wurden über Knochenveränderungen wie z. B. vorzeitige Epiphysenschlüsse,

skelettale Hyperostosen und extraossäre Verkalkungen bei Kindern nach Langzeittherapien mit

Etretinat berichtet, sodass ähnliche Auswirkungen bei Acitretin zu erwarten sind. Bei Kindern müssen

daher Wachstumsparameter und Knochenentwicklung sorgfältig überwacht werden.

Diabetes-Patienten

Retinoide können die Glucosetoleranz sowohl verbessern als auch verschlechtern (siehe Abschnitt

4.4).

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-

Allee 3, D-53175 Bonn, Website www.bfarm.de anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Bei akuter Überdosierung muss Neotigason unverzüglich abgesetzt werden. Symptome einer

Überdosierung entsprechen denen einer akuten A-Hypervitaminose, z. B. Kopfschmerzen, Schwindel,

Übelkeit und Erbrechen, Schläfrigkeit, Reizbarkeit und Pruritus. Spezielle Behandlungsmaßnahmen

sind wegen der niedrigen akuten Toxizität des Präparates nicht erforderlich.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antipsoriatika zur systemischen Anwendung

ATC-Code: D05BB02

Acitretin ist ein synthetisches aromatisches Analogon der Retinsäure. In präklinischen

Untersuchungen zur Verträglichkeit von Acitretin wurden keine relevanten mutagenen oder

kanzerogenen Wirkungen gefunden und es gab keine Hinweise auf eine direkte Lebertoxizität.

Acitretin erwies sich in Tierstudien als stark teratogen. Klinische Studien haben bestätigt, dass sich

unter Acitretin bei Psoriasis und Verhornungsstörungen die epidermale Zellproliferation, -

differenzierung und -verhornung normalisiert, wobei in den meisten Fällen die Nebenwirkungen

erträglich sind. Die Wirkung von Acitretin ist rein symptomatisch, der Wirkungsmechanismus ist noch

weitgehend ungeklärt.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption

Die maximale Plasmakonzentration von Acitretin wird im Durchschnitt 1 bis 4 Stunden nach Einnahme

der Hartkapseln erreicht. Die Bioverfügbarkeit von oral zugeführtem Acitretin ist bei gleichzeitiger

Nahrungsaufnahme am besten. Sie beträgt nach einer Einzeldosis ungefähr 60 %, wobei dieser Wert

jedoch von Patient zu Patient stark schwanken kann (36–95 %).

Die Steady-State-Konzentration nach oraler Gabe von 50 mg Acitretin beträgt ca. 22 ng/ml. Diese wird

bei täglicher Gabe nach ca. 7 Tagen erreicht.

Verteilung

Acitretin ist stark lipophil und dringt leicht in das Gewebe ein. Die Plasmaproteinbindung von Acitretin

liegt bei 99,9 %. In Tierstudien passierte Acitretin die Plazentaschranke in ausreichender Menge, um

fetale Missbildungen auszulösen. Aufgrund seiner lipophilen Eigenschaften kann angenommen

werden, dass Acitretin in erheblicher Menge in die Muttermilch übergeht.

Biotransformation

Acitretin wird durch Isomerisierung in sein 13-cis-Isomer (cis-Acitretin) umgewandelt und durch

Glukuronidierung und Abspaltung der Seitenkette verstoffwechselt. Diese Metaboliten mit verkürzter

Seitenkette werden auf dem Harnweg ausgeschieden.

Bildung von Etretinat

Klinische Beobachtungen haben gezeigt, dass bei Einnahme von Acitretin und gleichzeitigem

Alkoholgenuss Etretinat gebildet werden kann. Etretinat ist hoch teratogen und hat eine Halbwertszeit

von ungefähr. 120 Tagen, daher müssen empfängnisverhütende Maßnahmen für 3 Jahre nach

Beendigung der Therapie mit Neotigason eingehalten werden (siehe Abschnitte 4.4, 4.6 und 5.2).

Elimination

Studien bei Mehrfachgabe von Acitretin an Patienten im Alter vo

n 21–70 Jahren ergaben eine

Eliminationshalbwertszeit von ca. 50 Stunden für Acitretin und 60 Stunden für seinen ebenfalls

teratogenen Hauptmetaboliten im Plasma, cis-Acitretin. Auf Basis der längsten bei diesen Patienten

beobachteten Halbwertszeit für Acitretin (96 Stunden) und cis-Acitretin (123 Stunden) kann

ausgehend von einer linearen Kinetik angenommen werden, dass mehr als 99 % der Substanz

innerhalb von 36 Tagen nach Beendigung einer Langzeittherapie ausgeschieden werden. Darüber

hinaus sanken die Plasmaspiegel von Acitretin und cis-Acitretin innerhalb von 36 Tagen nach

Beendigung der Behandlung unter die Nachweisgrenze der Bestimmungsmethode (< 6 ng/ml).

Acitretin wird vollständig in Form seiner Metaboliten zu etwa gleichen Teilen über die Niere und die

Galle ausgeschieden.

Hinweis

In einer Studie mit gesunden Probanden führte die gleichzeitige Einnahme einer Einzeldosis Acitretin

zusammen mit Alkohol zur Bildung von Etretinat. Dies wurde zuvor bereits in vitro beobachtet. Bei

neuesten Untersuchungen wurde die Bildung von Etretinat auch bei Acitretin-behandelten Patienten

beobachtet. Bis dieses Phänomen vollständig aufgeklärt ist, müssen die pharmakokinetischen

Eigenschaften von Etretinat berücksichtigt werden. Da dessen Halbwertszeit etwa 120 Tage beträgt,

müssen kontrazeptive Maßnahmen über einen Zeitraum von 3 Jahren nach Beendigung der Acitretin-

Therapie eingehalten werden.

Bioverfügbarkeit

Die absolute Bioverfügbarkeit beträgt im Mittel 60 % mit hohen interindividuellen Schwankungen

zwischen 36 und 95 %. Die biologische Verfügbarkeit von Acitretin ist wesentlich besser, wenn die

Hartkapseln mit der Mahlzeit, am besten mit Milch, eingenommen werden.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Akute Toxizität

Ratten und Mäuse vertrugen orale Einzeldosen von Acitretin sehr gut. Die LD

bei diesen Spezies

liegt über 8 g/kg KG.

Subakute Toxizität

Beim Hund wurden wöchentlich ansteigende Dosen von 10 bis 100 mg/kg KG/Tag von Acitretin über

6 Wochen, täglich appliziert, gut vertragen.

Nach Gabe des 13-cis-Metaboliten über 3 Wochen bis zu 100 mg/kg KG/Tag wurden lediglich

dosisabhängige, leichte bis mittelgradige Erhöhungen von Cholesterol, HDL und LDL beobachtet.

Bei Ratten verursachten 5 mg/kg KG/Tag von Acitretin über 4 Wochen keinerlei Nebenwirkungen.

Nach Gabe von 10 bzw. 20 mg/kg KG/Tag wurden Hypervitaminose-A-Symptome wie Erhöhung der

alkalischen Phosphatase und der Plasmatriglyceride, Verdünnung der Substantia corticalis der

Knochen und Knochenbrüche beobachtet. Die Toleranz von 40 und 80 mg/kg KG/Tag war schlecht.

Alle Tiere zeigten starke Hypervitaminose-A-Symptome, die nach Absetzen der Behandlung allerdings

reversibel waren.

Chronische Toxizität

Ratten, die während 26 Wochen täglich orale Dosen von 0,5 oder 1 mg/kg KG erhielten, zeigten keine

toxischen Effekte. Bei Tagesdosen von 3 mg/kg KG wurden Gewichtsverlust, Cholesterol-,

Triglycerid-, alkalische Phosphatase- sowie HDL- und LDL-Erhöhungen und Neigung zu

Ossifikationsstörungen beobachtet. Beim Hund wurden tägliche orale Dosen von 5 und 15 mg/kg KG

über 52 Wochen im Allgemeinen gut vertragen. Histologisch wurde eine leichte Hyperplasie der

Epidermis und der Talgdrüsen gesehen. Unter täglichen Dosen von 30 und 50 mg/kg KG kam es

ebenfalls zu Hyperplasien der Epidermis, der Talg- und Schweißdrüsen, besonders im äußeren

Gehörgang; weiter zu Leukozytose und Veränderungen des Allgemeinzustandes. Bei der höchsten

Dosis wurde eine Hemmung der Spermiogenese festgestellt. Diese Nebenwirkungen waren bei

männlichen Tieren ausgeprägter als bei weiblichen. Nach Beendigung der Behandlung waren sie

reversibel.

Mutagenität und Kanzerogenität

Mutagenitätstests in vitro und in vivo haben gezeigt, dass weder Acitretin noch sein 13-cis-Metabolit

Chromosomenanomalien verursachen. Bei Ratten, die oral mit maximal 3 mg/kg KG/Tag über 2 Jahre

behandelt wurden, konnte keine karzinogene Wirkung nachgewiesen werden. Im Gegenteil: In der

höchsten Dosisgruppe nahm die Häufigkeit multipler Tumore und Mammatumore bei weiblichen

Tieren im Vergleich zur Kontrollgruppe ab.

Embryonale Toxizität und Teratogenität

Bei Ratten, die vom 7. bis 16. Trächtigkeitstag pro Tag 7,5 mg/kg KG Acitretin erhielten, wurde keine

Wirkung auf den Embryo oder Fötus festgestellt; bei einer Tagesdosis von 15 mg/kg KG wurde eine

begrenzte teratogene Wirkung am Knochensystem verzeichnet, mit 30 mg/kg KG/Tag kam es zu einer

ausgeprägten teratogenen Wirkung, die sich in Gaumenspalten sowie Missbildungen an Humerus,

Elle und Speiche manifestierte.

Bei der Maus traten teratogene Effekte nach Tagesdosen von 3 und 10 mg/kg KG auf, und zwar am

Knochensystem (Schädel, harter Gaumen, Röhrenknochen) und an verschiedenen Organen (Gehirn,

Niere, Augen).

Tägliche Gaben von 0,6 mg/kg KG bei Kaninchen verursachten einen leichten Anstieg der Häufigkeit

von Missbildungen am Gehirn und von Gaumenspalten. 2 mg/kg KG/Tag waren embryotoxisch. Die

perinatale Mortalität stieg auf 80 %, verbunden mit verschiedenen Missbildungen am Gaumen, an den

Gliedmaßen und Störungen der Ossifikation.

Zytogenetische Studien

Die bis heute durchgeführten Untersuchungen an Männern haben keinerlei Hinweise auf eine Störung

der Spermiogenese durch Neotigason in therapeutischen Dosen ergeben.

Sonstige Hinweise

Nach bisherigen Erkenntnissen besitzt Neotigason in therapeutischen Dosen keine mutagenen

Eigenschaften, zeigt keine negativen Einflüsse auf Zahl, Motilität und Morphologie der Spermien und

gefährdet nicht die Entstehung und Entwicklung der Leibesfrucht von Seiten des Mannes, der

Neotigason einnimmt.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Kapselinhalt:

Mikrokristalline Cellulose

Gelatine

Sprühgetrockneter Glucose-Sirup

Natriumascorbat

Kapselhülle:

Gelatine

Eisenoxidhydrat (E 172)

Eisen(III)-oxid (E 172)

Eisen(II,III)-oxid (E 172)

Titandioxid (E 171)

Drucktinte:

Schellack

Propylenglycol

Ammoniumhydroxid

Eisen(II,III)-oxid (E172)

6.2

Inkompatibilitäten

Inkompatibilitäten sind bisher nicht bekannt.

6.3

Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Nicht über 25 °C lagern. In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht und

Feuchtigkeit zu schützen.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

PVC/PVDC-Alu- oder PVC/PE/PVDC-Alu-Blisterpackungen

mit 30, 50 (N2), 60, 90 und 100 (N3) Hartkapseln

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

PUREN Pharma GmbH & Co. KG

Willy-Brandt-Allee 2

81829 München

Telefon: 089/558909-0

Telefax: 089/558909-240

8.

ZULASSUNGSNUMMERN

22414.00.00

22414.01.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNGEN / VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNGEN

Datum der Erteilung der Zulassungen: 08.04.1992

Datum der Verlängerung der Zulassungen: 16.09.2003

10.

STAND DER INFORMATION

09/2019

11.

VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

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