Morphin-ratiopharm 100 mg/5 ml Injektionslösung

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Morphinsulfat (Ph.Eur.)
Verfügbar ab:
ratiopharm GmbH
ATC-Code:
N02AA01
INN (Internationale Bezeichnung):
Morphine sulphate (Ph.Eur.)
Darreichungsform:
Injektionslösung
Zusammensetzung:
Morphinsulfat (Ph.Eur.) 20.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
48371.01.00

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

Wirkstoff: Morphinsulfat (Ph.Eur.)

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der

Anwendung dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige

Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später

nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an

Dritte weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die

gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder

Apotheker. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist

Morphin-ratiopharm

®

und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

beachten?

Wie ist

Morphin-ratiopharm

®

anzuwenden?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist

Morphin-ratiopharm

®

aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Morphin-ratiopharm

®

und wofür wird es angewendet?

Morphin-ratiopharm

®

ist ein stark wirkendes Schmerzmittel aus der Gruppe der Opiate.

Morphin-ratiopharm

®

wird angewendet bei

starken und stärksten Schmerzen.

2.

Was sollten Sie vor der Anwendung von Morphin-ratiopharm

®

beachten?

Morphin-ratiopharm

®

darf nicht angewendet werden,

wenn Sie allergisch gegen Morphin oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels sind

bei bestehendem Darmverschluss (Ileus)

bei Krankheitszuständen, bei denen eine Störung des Atemzentrums und der

Atemfunktion vorliegt (Atemdepression)

bei schweren chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen (z. B. Asthma)

bei unklaren akuten schmerzhaften Bauchbeschwerden (akutes Abdomen)

bei Gerinnungsstörungen im Falle einer rückenmarksnahen Anwendung oder Infektionen

im Injektionsgebiet

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor

Morphin-ratiopharm

®

bei Ihnen

angewendet wird, bei

Abhängigkeit von Opioiden

Bewusstseinsstörungen

Krankheitszuständen, bei denen eine Störung des Atemzentrums und der Atemfunktion

vermieden werden muss

verändertem Herz (Cor pulmonale) infolge chronischer Überlastung des

Lungenkreislaufes

Zuständen mit erhöhtem Hirndruck

niedrigem Blutdruck, verbunden mit geringer zirkulierender Blutmenge (Hypotension bei

Hypovolämie)

vergrößerter Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie) mit Restharnbildung (Gefahr der

Blasenruptur [Riss der Harnblase] durch Harnverhalt)

Harnwegsverengungen oder Koliken der Harnwege

Gallenwegserkrankungen

obstruktiven (mit Verengungen einhergehenden) und entzündlichen Darmerkrankungen

einem Tumor der Nebenniere (Phäochromozytom)

Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

epileptischem Anfallsleiden oder erhöhter Neigung zu Krampfanfällen

Drogen- oder Alkoholabhängigkeit in der Vergangenheit. Geben Sie ebenfalls Bescheid,

wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie abhängig von

Morphin-ratiopharm

®

werden,

während Sie es anwenden. In diesem Fall kann es zum Beispiel sein, dass Sie begonnen

haben, viel darüber nachzudenken, wann Sie die nächste Dosis anwenden können, selbst

wenn Sie sie nicht zur Linderung der Schmerzen benötigen.

Sichelzellenkrankheit.

Bei rückenmarksnaher (intrathekaler und epiduraler) Anwendung sollte

Morphin-ratiopharm

®

zusätzlich mit Vorsicht angewendet werden bei Vorerkrankungen des Nervensystems und bei

gleichzeitiger Gabe von Glukokortikoiden (Cortison oder cortisonähnliche Stoffe, Arzneimittel

gegen Entzündungen und Abwehrreaktionen).

Falls Sie unter rückenmarksnaher (intrathekaler und epiduraler) Dauerbehandlung eine

unerwartete Schmerzzunahme oder Beschwerden seitens des Nervensystems bemerken,

informieren Sie bitte umgehend Ihren Arzt.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn während der Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

folgende Symptome auftreten:

erhöhte Schmerzempfindlichkeit trotz der Tatsache, dass Sie höhere Dosen anwenden

(Hyperalgesie). Ihr Arzt wird entscheiden, ob Ihre Dosis geändert oder das starke

Analgetikum („Schmerzmittel“) umgestellt werden muss.

Schwäche, Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder niedriger Blutdruck.

Dies kann ein Symptom einer zu geringen Produktion des Hormons Kortisol in den

Nebennieren sein, und möglicherweise müssen Sie ein Hormonergänzungsmittel

einnehmen.

Vermindertes sexuelles Verlangen, Erektionsstörungen, Ausbleiben der monatlichen

Regelblutung. Dies kann auf eine verminderte Produktion von Sexualhormonen

zurückzuführen sein.

Entzugssymptome oder Abhängigkeit. Die häufigsten Entzugssymptome sind in

Abschnitt 3 genannt. Wenn dies der Fall ist, kann Ihr Arzt die Art des Arzneimittels

ändern oder die Dauer zwischen den Dosen ändern.

Bei chronischen Schmerzpatienten ist das Risiko psychischer Abhängigkeit bei

bestimmungsgemäßer Anwendung deutlich reduziert bzw. differenziert zu bewerten.

Morphin-ratiopharm

®

ist vor, während und nach Operationen nur mit Vorsicht anzuwenden

(erhöhtes Risiko für Darmlähmungen oder Atemdämpfung).

Worauf müssen Sie noch achten?

Verstopfung ist unter einer Morphinbehandlung ein typischer Begleiteffekt. Gerade wenn Sie

vor Beginn der Anwendung schon Probleme mit dem Stuhlgang hatten, sollten Sie von Anfang

an ein Abführmittel nehmen. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Männer im zeugungsfähigen und Frauen im gebärfähigen Alter

Wegen der erbgutverändernden Eigenschaften von Morphin sollte dieser Wirkstoff bei Männern

im zeugungsfähigen bzw. Frauen im gebärfähigen Alter nur dann verabreicht werden, wenn

eine wirksame Verhütung sichergestellt ist.

Kinder

Bei Kindern unter 1 Jahr darf

Morphin-ratiopharm

®

nur mit besonderer Vorsicht angewendet

werden, da eine erhöhte Empfindlichkeit für die beeinträchtigende Wirkung auf die

Atemfunktion besteht.

Ältere Menschen

Bei älteren Menschen ist

Morphin-ratiopharm

®

besonders vorsichtig zu dosieren (siehe 3. unter

„Wie ist

Morphin-ratiopharm

®

anzuwenden“).

Auswirkungen bei Fehlgebrauch zu Dopingzwecken

Die Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

kann bei Dopingkontrollen zu positiven

Ergebnissen führen. Die Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

als Dopingmittel kann zu einer

Gefährdung der Gesundheit führen.

Anwendung von Morphin-ratiopharm

®

zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel

einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder

beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

Die gleichzeitige Anwendung von Morphin und anderen zentral d. h. auf die Gehirnfunktion

dämpfend wirkenden Arzneimitteln (wie Arzneimittel gegen Angststörungen [Tranquilizer],

gegen Depressionen [Antidepressiva], gegen psychische Störungen [Neuroleptika], zur Narkose

[Anästhetika], gegen Schlafstörungen [Hypnotika, Sedativa, Barbiturate], gegen Allergien oder

Reisekrankheit [Antihistaminika/Antiemetika] oder andere stark wirksame Schmerzmittel

[Opioide]) oder Alkohol kann zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen von Morphin,

insbesondere Beeinträchtigung der Atemfunktion, führen.

Die gleichzeitige Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

und Beruhigungsmitteln wie

Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel erhöht das Risiko für Schläfrigkeit,

Atembeschwerden (Atemdepression), Koma und kann lebensbedrohlich sein. Aus diesem

Grund sollte die gleichzeitige Anwendung nur in Betracht gezogen werden, wenn es keine

anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wenn Ihr Arzt jedoch

Morphin-ratiopharm

®

zusammen mit sedierenden Arzneimitteln verschreibt, sollten die Dosis und die Dauer der

begleitenden Behandlung von Ihrem Arzt begrenzt werden. Bitte informieren Sie Ihren Arzt

über alle sedierenden Arzneimittel, die Sie einnehmen und halten Sie sich genau an die

Dosierungsempfehlung Ihres Arztes. Es könnte hilfreich sein, Freunde oder Verwandte darüber

zu informieren, bei Ihnen auf die oben genannten Anzeichen und Symptome zu achten.

Kontaktieren Sie Ihren Arzt, wenn solche Symptome bei Ihnen auftreten.

Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung (z. B. Psychopharmaka, Arzneimittel gegen

Allergien, Erbrechen oder Parkinsonsche Krankheit) können anticholinerge Nebenwirkungen

von Opioiden verstärken (z. B. Verstopfung, Mundtrockenheit oder Störungen beim

Wasserlassen).

Durch Cimetidin (Arzneimittel zur Behandlung von Magengeschwüren) und andere den

Leberstoffwechsel belastende Arzneimittel können durch Hemmung des Abbaus erhöhte

Konzentrationen von Morphin im Blut auftreten.

Morphin-ratiopharm

®

sollte nicht gleichzeitig mit MAO-Hemmern (Arzneimitteln, die gegen

Depressionen wirken) verabreicht werden. Bei Gabe von MAO-Hemmstoffen innerhalb der

letzten 14 Tage vor einer Gabe eines anderen Opioids (Pethidin) sind lebensbedrohende

Wechselwirkungen beobachtet worden, die das Gehirn (Zentralnervensystem) sowie Atmungs-

und Kreislauffunktion betrafen. Dieselben Wechselwirkungen mit MAO-Hemmern sind bei

Morphin-ratiopharm

®

nicht auszuschließen.

Durch Morphin kann die Wirkung von muskelentspannenden Arzneimitteln

(Muskelrelaxantien) verstärkt werden.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Rifampicin (Arzneimittel gegen Tuberkulose) kann es zu

einer Abschwächung der Morphinwirkung kommen.

Bei rückenmarksnaher (epiduraler und intrathekaler) Anwendung sollte – außer zur Behandlung

von Schmerzspitzen – eine gleichzeitige Anwendung von anderen stark wirksamen

Schmerzmitteln (Opioiden) vermieden werden.

Anwendung von Morphin-ratiopharm

®

zusammen mit Alkohol

Während der Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

dürfen Sie keinen Alkohol trinken, da

Alkohol die dämpfende Wirkung von

Morphin-ratiopharm

®

deutlich verstärken kann.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder

beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Anwendung dieses Arzneimittels Ihren

Arzt oder Apotheker um Rat.

Schwangerschaft

Da aus Tierstudien Hinweise auf Schädigungen der Nachkommen Morphin-behandelter Mütter

vorliegen, dürfen Sie

Morphin-ratiopharm

®

in der Schwangerschaft nicht anwenden, es sei

denn, dass Ihr behandelnder Arzt dies für zwingend notwendig erachtet und den Nutzen für Sie

deutlich höher einschätzt als das Risiko für das Kind. Wegen der erbgutverändernden

Eigenschaften von Morphin sollte dieser Wirkstoff Männern und Frauen im zeugungs- und

gebärfähigen Alter nur dann verabreicht werden, wenn eine wirksame Verhütung sichergestellt

ist.

Wird

Morphin-ratiopharm

®

über einen längeren Zeitraum während der Schwangerschaft

angewendet, besteht das Risiko, dass beim Neugeborenen Entzugssymptome

(Abstinenzsymptome) auftreten, die durch einen Arzt behandelt werden sollten.

Stillzeit

Morphin wird in die Muttermilch ausgeschieden und kann beim Säugling wirksame

Konzentrationen erreichen. Vom Stillen wird daher abgeraten.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Morphin-ratiopharm

®

kann die Aufmerksamkeit und das Reaktionsvermögen beeinträchtigen.

Sie können dann auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell genug und gezielt

reagieren.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob und unter welchen Voraussetzungen Sie z. B. Autofahren

(siehe unten) können.

Eine verstärkte Beeinträchtigung ist insbesondere bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung und

Präparatewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol oder der Einnahme von

Beruhigungsmitteln zu erwarten. Fahren Sie dann nicht Auto oder andere Fahrzeuge! Bedienen

Sie dann keine elektrischen Werkzeuge oder Maschinen! Arbeiten Sie dann nicht ohne sicheren

Halt!

Morphin-ratiopharm

®

enthält Natrium

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Ampulle, d. h. es ist

nahezu „natriumfrei“.

3.

Wie ist Morphin-ratiopharm

®

anzuwenden?

Wenden Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt oder Apotheker

an. Fragen Sie bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Art der Anwendung

Zum Spritzen

Morphin-ratiopharm

®

kann in den Muskel oder unter die Haut gespritzt sowie in eine Vene

oder rückenmarksnah eingespritzt oder langsam eingetropft werden.

Die empfohlene Dosis beträgt

Der empfohlene Bereich der Einzeldosen für Erwachsene und Kinder ist als Anhalt für die

individuell vorzunehmende Dosierung zu verstehen.

Die Dosierung von

Morphin-ratiopharm

®

muss der Stärke der Schmerzen und der individuellen

Empfindlichkeit des Patienten angepasst werden.

Intramuskulär oder subkutan

Erwachsene:

10-30 mg Morphinsulfat.

Kinder:

0,05-0,2 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht; die Einzeldosis sollte 15 mg nicht überschreiten.

Intravenös

Nur wenn ein besonders rascher Wirkungseintritt erforderlich ist. Die Injektion soll langsam

und ggf. in Verdünnung mit isotonischer Natriumchloridlösung erfolgen.

Erwachsene

5-10 mg Morphinsulfat.

Kinder:

0,05-0,1 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht (eine Verdünnung mit isotonischer

Natriumchloridlösung ist zu empfehlen).

Epidural

Erwachsene:

1-4 mg Morphinsulfat (verdünnt mit 10-15 ml isotonischer Natriumchloridlösung).

Kinder:

0,05-0,1 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht (eine Verdünnung mit isotonischer

Natriumchloridlösung ist zu empfehlen).

Intrathekal

Erwachsene:

0,5-1,0 mg Morphinsulfat (verdünnt mit 1-4 ml isotonischer Natriumchloridlösung).

Kinder:

0,02 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht (eine Verdünnung mit isotonischer

Natriumchloridlösung ist zu empfehlen).

Die Einzeldosen bei intramuskulärer, subkutaner und intravenöser Anwendung können bei

nachlassender Wirkung, in der Regel alle 4-6 Stunden, wiederholt werden.

Wegen der längeren Wirkdauer bei epiduraler und insbesondere bei intrathekaler Anwendung

entspricht die Tagesdosis bei diesen Applikationsformen häufig den Einzeldosisangaben.

Leber- oder Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen soll

Morphin-ratiopharm

®

besonders

vorsichtig dosiert werden.

Ältere Patienten

Patienten im höheren Lebensalter (im Regelfall ab 75 Jahren) und Patienten mit schlechtem

körperlichem Allgemeinzustand können empfindlicher auf Morphin reagieren. Daher ist darauf

zu achten, dass die Dosiseinstellung vorsichtiger erfolgt und/oder längere Dosisintervalle zu

wählen sind. Gegebenenfalls ist auf geringere Wirkstoffstärken auszuweichen.

Besondere Hinweise zur Dosiseinstellung

Grundsätzlich sollte eine ausreichend hohe Dosis gegeben werden und gleichzeitig die im

Einzelfall kleinste schmerzlindernd wirksame Dosis angestrebt werden.

Sollten Sie sich einer anderen zusätzlichen Schmerzbehandlung unterziehen (z. B. Operation,

Plexusblockade), so wird nach dem Eingriff die Dosis neu einzustellen sein. Dies wird im

gegebenen Fall durch Ihren Arzt geschehen.

Dauer der Anwendung

Über die Dauer der Behandlung entscheidet Ihr Arzt in Abhängigkeit von den

Schmerzbeschwerden.

Morphin-ratiopharm

®

sollte auf keinen Fall länger als unbedingt notwendig angewendet

werden. Wenn entsprechend Art und Schwere der Erkrankung eine länger dauernde

Schmerzbehandlung mit

Morphin-ratiopharm

®

erforderlich erscheint, sollte eine sorgfältige und

in kurzen Abständen regelmäßige Überprüfung erfolgen (gegebenenfalls durch Einlegen von

Anwendungspausen siehe unter „Wenn Sie die Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

abbrechen“), ob und inwieweit ein medizinisches Erfordernis weiter besteht. Gegebenenfalls ist

auf geeignetere Darreichungsformen auszuweichen.

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen ist der Dosierung nach einem festen Zeitplan der

Vorzug zu geben.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die

Wirkung von

Morphin-ratiopharm

®

zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von Morphin-ratiopharm

®

angewendet haben, als Sie sollten

Wenn Sie mehr

Morphin-ratiopharm

®

als verordnet angewendet haben, sollten Sie sofort den

nächsten erreichbaren Arzt informieren.

Im Einzelnen können auftreten: enge Pupillen, Bewusstseinsstörungen bis zum Koma,

Blutdruckabfall bis hin zum Schock, Steigerung der Herzfrequenz, Schwindel,

Lungenentzündung durch Einatmen von Erbrochenem oder Fremdkörpern (Symptome können

Atemnot, Husten und Fieber sein). Bei Personen, die eine Überdosis eingenommen haben,

können außerdem Atembeschwerden auftreten, die zu Bewusstlosigkeit oder sogar zum Tod

führen. Keinesfalls dürfen Sie sich in Situationen begeben, die erhöhte Aufmerksamkeit

erfordern, z. B. Autofahren.

Folgende Maßnahmen bei Überdosierung sind bis zum Eintreffen eines Arztes sinnvoll:

Wachhalten, Atembefehle geben, Atemhilfe.

Wenn Sie die Anwendung von Morphin-ratiopharm

®

vergessen haben

Wenn Sie eine geringere Dosis als vorgesehen von

Morphin-ratiopharm

®

angewendet oder die

Anwendung ganz vergessen haben, so führt dies zu einer mangelhaften bzw. fehlenden

Schmerzlinderung. Führen Sie die Anwendung in der empfohlenen Weise fort. Wenden Sie

nicht die doppelte Menge an, wenn Sie die vorherige Anwendung vergessen haben.

Wenn Sie die Anwendung von Morphin-ratiopharm

®

abbrechen

Beenden Sie die Behandlung mit

Morphin-ratiopharm

®

nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie die Behandlung mit

Morphin-ratiopharm

®

beenden möchten, fragen Sie Ihren Arzt,

wie Sie die Dosis langsam verringern können, damit Sie Entzugserscheinungen vermeiden

können. Entzugserscheinungen können Körperschmerzen Zittern, Durchfall, Bauchschmerzen,

Übelkeit, grippeähnliche Symptome, schneller Herzschlag und große Pupillen sein. Psychische

Symptome sind ein ausgeprägtes Gefühl der Unzufriedenheit, Angst und Reizbarkeit.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren

Arzt oder Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei

jedem auftreten müssen.

Wichtige Nebenwirkungen oder Symptome, auf die zu achten ist, und was zu tun ist, wenn Sie

betroffen sind:

Schwere allergische Reaktion, die Atemnot oder Schwindel verursacht.

Morphin führt dosisabhängig zu einer Atemdämpfung und Beruhigung in

unterschiedlichem Ausmaß von leichter Müdigkeit bis zur Benommenheit.

Wenn Sie von diesen wichtigen Nebenwirkungen betroffen sind, wenden Sie sich unverzüglich

an einen Arzt.

Weitere mögliche Nebenwirkungen:

Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen)

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen)

Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen)

Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen)

Sehr selten (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Nervensystem

Häufig:

Kopfschmerzen, Schwindel.

Sehr selten:

Zittern (Tremor), unwillkürliches Muskelzucken, epileptische

Krampfanfälle.

Insbesondere bei hoher Dosierung erhöhte Schmerzempfindlichkeit, die nicht auf eine weitere

Dosiserhöhung von Morphin anspricht.

Bei rückenmarksnaher Morphingabe können auch folgende Nebenwirkungen auftreten:

Gelegentlich:

Wiederaufleben einer Herpes-Infektion der Lippen.

Sehr selten:

Schwerwiegende neurologische Symptome wie Lähmungen, die z. B. auf

eine Gewebereaktion im Bereich der Katheterspitze zurückgehen können.

Verspätete Atemhemmung (bis zu 24 Stunden).

Psychische Störungen

Morphin zeigt vielfältig psychische Nebenwirkungen, die hinsichtlich Stärke und Art

individuell unterschiedlich (je nach Persönlichkeit und Behandlungsdauer) in Erscheinung

treten.

Sehr häufig:

Stimmungsveränderungen, meist gehobene (Euphorie), aber auch

missmutige Verstimmung (Dysphorie).

Häufig:

Veränderungen der Aktiviertheit (meist Dämpfung, aber auch Steigerung

oder Erregungszustände), Schlaflosigkeit und Störungen im Denken und

Fühlen (z. B. Denkstörungen, Wahrnehmungsstörungen/Halluzinationen,

Verwirrtheit).

Sehr selten:

Abhängigkeit (siehe Abschnitt 2. „Warnhinweise und

Vorsichtsmaßnahmen“), Verminderung der Libido oder Potenzschwäche.

Augen

Pupillenverengung ist ein typischer Begleiteffekt.

Sehr selten:

Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen und Augenzittern.

Magen-Darm-Trakt

Dosisabhängig können Übelkeit und Mundtrockenheit auftreten. Bei Dauerbehandlung ist

Verstopfung ein typischer Begleiteffekt.

Häufig:

Erbrechen (besonders zu Beginn der Behandlung), Appetitlosigkeit,

Verdauungsstörungen und Geschmacksveränderungen.

Selten:

Erhöhung der Pankreasenzyme bzw. eine Entzündung der

Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis).

Sehr selten:

Darmverschluss, Bauchschmerzen.

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten:

Gallenkoliken.

Sehr selten:

Erhöhung leberspezifischer Enzyme.

Nieren und Harnwege

Häufig:

Störungen bei der Blasenentleerung.

Selten:

Nierenkoliken.

Bewegungsapparat

Sehr selten:

Muskelkrämpfe, Muskelstarre.

Atemwege

Selten:

Krämpfe der Atemwegsmuskulatur (Bronchospasmen).

Sehr selten:

Atemnot (Dyspnoe).

Bei intensivmedizinisch behandelten Patienten sind Wasseransammlungen in der Lunge, die

nicht auf einer Störung der Herzfunktion beruhten, (nicht-kardiogen bedingte Lungenödeme)

beobachtet worden.

Haut, allergische Reaktionen

Häufig:

Schwitzen, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Nesselsucht (Urticaria),

Juckreiz (Pruritus).

Sehr selten:

Andere Hautausschläge (Exantheme) und Wasseransammlung im Gewebe

(periphere Ödeme) – bilden sich nach Absetzen zurück.

Herz-Kreislauf-System

Gelegentlich:

Klinisch bedeutsamer Abfall als auch Anstieg von Blutdruck und

Herzfrequenz.

Es können Gesichtsrötungen, Herzklopfen, allgemeine Schwäche bis hin zum Ohnmachtsanfall

und Herzversagen auftreten

.

Allgemeine Erkrankungen

Es kann zu einer Gewöhnung und eventuell zum Nachlassen der Wirksamkeit

(Toleranzentwicklung) kommen.

Selten:

Entzugssymptome (Symptome siehe Abschnitt 3: Wenn Sie die Anwendung

Morphin-ratiopharm

®

abbrechen).

Sehr selten:

Schwäche (Asthenie), Unwohlsein, Schüttelfrost. Ausbleiben der

Regelblutung. Zahnveränderungen, wobei jedoch ein ursächlicher

Zusammenhang zur Morphin-Behandlung nicht hergestellt werden kann.

In Einzelfällen wurde ein Abfall oder Anstieg der Körpertemperatur (Hypothermie,

Hyperthermie) beobachtet.

Hormonelle Störungen

Sehr selten:

Es kann ein Syndrom der unangemessenen Freisetzung eines die

Wasserausschwemmung steuernden Hormons ausgelöst werden (SIADH;

Leitsymptom: Natriummangel [Hyponatriämie]).

Gegenmaßnahmen

Sollten Sie Anzeichen einer der oben geschilderten, schwerwiegenden Nebenwirkungen bei sich

beobachten, rufen Sie den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe. Bei anderen unerwünschten

Wirkungen sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt über die weitere Behandlung.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können

Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt.

Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de

anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr

Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5.

Wie ist Morphin-ratiopharm

®

aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und dem Etikett nach „Verwendbar

bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den

letzten Tag des angegebenen Monats.

Die Ampullen im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Die Lösung ist unmittelbar nach Anbruch der Ampulle zu verwenden. Reste verwerfen.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml enthält

Der Wirkstoff ist Morphinsulfat (Ph.Eur.).

Jede Ampulle mit 5 ml Injektionslösung enthält 100 mg Morphinsulfat, entsprechend 75,2 mg

Morphin.

1 ml Injektionslösung enthält 20,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 15,04 mg Morphin.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Natriumchlorid, Salzsäure, Wasser für Injektionszwecke, Stickstoff.

Wie Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml aussieht und Inhalt der Packung

Klare, farblose bis leicht bräunlich-gelbe Lösung

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml

ist in Packungen mit 5 Ampullen und 10 Ampullen zu je 5

ml Injektionslösung erhältlich.

Pharmazeutischer Unternehmer

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

Hersteller

Merckle GmbH

Ludwig-Merckle-Str. 3

89143 Blaubeuren

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im August 2018

Versionscode: Z09

Die folgenden Informationen sind für medizinisches Fachpersonal bestimmt:

Morphinsulfat ist physikalisch unverträglich mit Aciclovir-Natrium, Aminophyllin,

Amobarbital-Natrium, Cefepim-Hydrochlorid, Chlorothiazid-Natrium, Dolasetronmesilat,

Floxacillin-Natrium, Furosemid, Galliumnitrat, Heparin-Natrium, Meperidin-Hydrochlorid,

Meperidin-Natrium, Meticillin-Natrium, Minocyclin-Hydrochlorid, Pentobarbital-Natrium,

Phenobarbital-Natrium, Phenytoin-Natrium, Sargramostim, Natron, Thiopental-Natrium.

Es wurden physikalisch-chemische Unvereinbarkeiten (Fällungsbildung) zwischen Lösungen

mit Morphinsulfat und 5-Fluorouracil nachgewiesen.

FACHINFORMATION

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Morphin-ratiopharm

®

10 mg/ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

20 mg/ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

200 mg/10 ml Injektionslösung

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Morphin-ratiopharm

®

10 mg/ml Injektionslösung

Jede Ampulle mit 1 ml Injektionslösung enthält 10,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 7,52 mg

Morphin.

1 ml Injektionslösung enthält 10,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 7,52 mg Morphin.

Morphin-ratiopharm

®

20 mg/ml Injektionslösung

Jede Ampulle mit 1 ml Injektionslösung enthält 20,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 15,04 mg

Morphin.

1 ml Injektionslösung enthält 20,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 15,04 mg Morphin.

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

Jede Ampulle mit 5 ml Injektionslösung enthält 100,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 75,2 mg

Morphin.

1 ml Injektionslösung enthält 20,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 15,04 mg Morphin.

Morphin-ratiopharm

®

200 mg/10 ml Injektionslösung

Jede Ampulle mit 10 ml Injektionslösung enthält 200,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 150,4

mg Morphin.

1 ml Injektionslösung enthält 20,0 mg Morphinsulfat, entsprechend 15,04 mg Morphin.

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Natriumchlorid.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Injektionslösung

Klare, farblose bis leicht bräunlich-gelbe Lösung

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Starke und stärkste Schmerzen

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Die Dosierung von

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

muss der Stärke der Schmerzen und

der individuellen Empfindlichkeit des Patienten angepasst werden.

Der empfohlene Bereich der Einzeldosen für Erwachsene und Kinder ist als Anhalt für die

individuell vorzunehmende Dosierung zu verstehen.

Intramuskulär oder subkutan

Erwachsene:

10-30 mg Morphinsulfat.

Kinder:

0,05-0,2 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht; die Einzeldosis sollte 15 mg nicht überschreiten.

Intravenös

Nur wenn ein besonders rascher Wirkungseintritt erforderlich ist. Die Injektion soll langsam

und ggf. in Verdünnung mit isotonischer Natriumchloridlösung erfolgen.

Erwachsene:

5-10 mg Morphinsulfat.

Kinder:

0,05-0,1 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht (eine Verdünnung mit isotonischer

Natriumchloridlösung ist zu empfehlen).

Epidural

Erwachsene:

1-4 mg Morphinsulfat (verdünnt mit 10-15 ml isotonischer Natriumchloridlösung).

Kinder:

0,05-0,1 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht (eine Verdünnung mit isotonischer

Natriumchloridlösung ist zu empfehlen).

Intrathekal

Erwachsene:

0,5-1,0 mg Morphinsulfat (verdünnt mit 1-4 ml isotonischer Natriumchloridlösung).

Kinder

0,02 mg Morphinsulfat/kg Körpergewicht (eine Verdünnung mit isotonischer

Natriumchloridlösung ist zu empfehlen).

Die Einzeldosen bei intramuskulärer, subkutaner und intravenöser Anwendung können bei

nachlassender Wirkung, in der Regel alle 4-6 Stunden, wiederholt werden.

Wegen der längeren Wirkdauer bei epiduraler und insbesondere bei intrathekaler Anwendung

entspricht die Tagesdosis bei diesen Applikationsformen häufig den Einzeldosisangaben.

Leber- oder Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen soll

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

besonders vorsichtig dosiert werden.

Ältere Patienten:

Patienten im höheren Lebensalter (im Regelfall ab 75 Jahren) und Patienten mit schlechtem

körperlichen Allgemeinzustand können empfindlicher auf Morphin reagieren. Daher ist darauf

zu achten, dass die Dosiseinstellung vorsichtiger erfolgt und/oder längere Dosisintervalle zu

wählen sind.

Besondere Hinweise zur Dosiseinstellung:

Grundsätzlich sollte eine ausreichend hohe Dosis gegeben werden und gleichzeitig die im

Einzelfall kleinste schmerzlindernd wirksame Dosis angestrebt werden.

Bei der Behandlung chronischer Schmerzen durch intermittierende Injektionen ist der

Dosierung nach einem festen Zeitplan der Vorzug zu geben.

Bei Patienten, die einer anderen zusätzlichen Schmerztherapie (z. B. Operation,

Plexusblockade) unterzogen werden, ist nach dem Eingriff die Dosis neu einzustellen.

Art der Anwendung

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

wird intramuskulär oder subkutan injiziert sowie

intravenös, epidural oder intrathekal injiziert oder infundiert.

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

darf nicht länger als unbedingt notwendig angewendet

werden. Wenn eine länger dauernde Schmerzbehandlung erforderlich ist, sollte regelmäßig und

in kurzen Abständen überprüft werden (ggf. durch Anwendungspausen), ob und in welcher

Dosis

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

weiter gegeben werden kann. Gegebenenfalls ist

auf geeignetere Darreichungsformen auszuweichen.

Absetzen der Therapie

Bei abruptem Absetzen der Gabe von Opioiden kann sich ein Abstinenzsyndrom einstellen.

Daher sollte die Dosis vor dem Absetzen schrittweise reduziert werden.

4.3

Gegenanzeigen

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

darf nicht angewendet werden bei:

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten

sonstigen Bestandteile

Ileus

Atemdepression

schweren chronisch obstruktiven Atemwegserkrankungen

akutem Abdomen

Gerinnungsstörungen und Infektionen im Injektionsgebiet bei intrathekaler oder

epiduraler Anwendung

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Eine besonders sorgfältige Überwachung und ggf. Dosisreduktion ist erforderlich bei:

Abhängigkeit von Opioiden

Bewusstseinsstörungen

Krankheitszuständen, bei denen eine Störung des Atemzentrums und der Atemfunktion

vermieden werden muss

Cor pulmonale

Zuständen mit erhöhtem Hirndruck, wenn nicht eine Beatmung durchgeführt wird

Hypotension bei Hypovolämie

Prostatahyperplasie mit Restharnbildung (Gefahr der Blasenruptur durch Harnverhalten)

Harnwegsverengungen oder Koliken der Harnwege

Gallenwegserkrankungen

obstruktiven und entzündlichen Darmerkrankungen

Phäochromozytom

Pankreatitis

Hypothyreose

epileptischen Anfallsleiden oder erhöhter Neigung zu Krampfanfällen

intrathekaler und epiduraler Anwendung bei gleichzeitig bestehenden Vorerkrankungen

des Nervensystems und bei gleichzeitiger systemischer Gabe von Glukokortikoiden.

Eine Atemdepression ist die bedeutsamste Gefährdung einer Opioidüberdosierung.

Morphin hat ein Missbrauchspotenzial, das mit dem anderer starker Opioidagonisten

vergleichbar ist, und sollte bei Patienten mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Anamnese

mit besonderer Vorsicht angewendet werden.

Risiken einer gleichzeitigen Anwendung von sedierenden Arzneimitteln wie Benzodiazepine

oder verwandte Arzneimittel:

Die gleichzeitige Anwendung von

Morphinsulfat-ratiopharm

®

Injektionslösung

sedierenden Arzneimitteln wie Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel kann zu Sedierung,

Atemdepression, Koma und Tod führen. Aufgrund dieser Risiken ist die gleichzeitige

Verschreibung mit diesen sedierenden Arzneimitteln nur bei den Patienten angebracht, für die

es keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Wenn dennoch eine gleichzeitige

Verschreibung von

Morphinsulfat-ratiopharm

®

Injektionslösung

zusammen mit Sedativa für

notwendig erachtet wird, sollte die niedrigste wirksame Dosis verwendet werden und die

Behandlungsdauer sollte so kurz wie möglich sein.

Die Patienten sollten engmaschig auf Anzeichen und Symptome von Atemdepression und

Sedierung überwacht werden. In diesem Zusammenhang wird dringend empfohlen, Patienten

und ihre Bezugspersonen über diese Symptome zu informieren (siehe Abschnitt 4.5).

Abhängigkeit und Entzugssyndrom (Abstinenzsyndrom)

Die Anwendung von Opioid-Analgetika kann mit der Entwicklung von körperlicher und/oder

psychischer Abhängigkeit oder Toleranz verbunden sein. Das Risiko steigt mit längerer

Anwendungsdauer und höherer Dosierung des Arzneimittels. Die Symptome können durch

Anpassung der Dosis oder der Darreichungsform sowie über das schrittweise Absetzen von

Morphin verringert werden. Einzelne Symptome, siehe Abschnitt 4.8.

Bei bestimmungsgemäßer Anwendung bei chronischen Schmerzpatienten ist das Risiko

psychischer Abhängigkeit deutlich reduziert bzw. differenziert zu bewerten.

Kinder

Bei Kindern unter 1 Jahr darf

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

nur mit besonderer

Vorsicht angewendet werden, da eine erhöhte Empfindlichkeit für die beeinträchtigende

Wirkung auf die Atemfunktion besteht.

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

ist prä-, intra- und postoperativ nur mit Vorsicht

anzuwenden (wegen des gegenüber Nichtoperierten in der postoperativen Phase höheren

Risikos eines Ileus oder einer Atemdepression).

Aufgrund der analgetischen Wirkung von Morphin können schwerwiegende intraabdominelle

Komplikationen wie z. B. eine Darmperforation maskiert werden.

Patienten unter intrathekaler oder epiduraler Dauertherapie sollten im Rahmen der

Pumpenkontrolle auf Frühzeichen von Katheterspitzengranulomen kontrolliert werden (z. B.

Minderung der analgetischen Wirkung, unerwartete Schmerzzunahme, neurologische

Symptome), um das Risiko möglicherweise irreversibler neurologischer Komplikationen zu

minimieren.

Wegen der mutagenen Eigenschaften von Morphin sollte dieser Wirkstoff Männern und Frauen

im zeugungs- bzw. gebärfähigen Alter nur dann verabreicht werden, wenn eine wirksame

Verhütung sichergestellt ist (siehe Abschnitt 4.6).

Insbesondere bei hohen Dosen kann Hyperalgesie auftreten, die nicht auf eine weitere Erhöhung

der Morphindosis anspricht. Eine Reduzierung der Morphindosis oder eine Umstellung des

Opioids kann erforderlich sein.

Nebenniereninsuffizienz

Opioid-Analgetika können eine reversible Nebenniereninsuffizienz verursachen, die eine

Überwachung und eine Ersatztherapie mit Glukokortikoiden erfordert. Symptome einer

Nebenniereninsuffizienz können z. B. Übelkeit, Erbrechen, Appetitverlust, Erschöpfung,

Schwäche, Schwindelgefühl oder niedriger Blutdruck sein.

Verminderte Spiegel von Sexualhormonen und erhöhte Prolactin-Konzentrationen

Die Langzeitanwendung von Opioid-Analgetika kann mit verminderten Spiegeln von

Sexualhormonen und erhöhten Prolaktin-Konzentrationen einhergehen. Zu den Symptomen

zählen verminderte Libido, Impotenz oder Amenorrhö.

Akutes Thorax-Syndrom (ATS) bei Patienten mit Sichelzellkrankheit (SZK)

Aufgrund eines möglichen Zusammenhangs zwischen ATS und der Anwendung von Morphin

bei SZK-Patienten, die während einer vasookklusiven Krise mit Morphin behandelt werden, ist

eine engmaschige Überwachung auf ATS-Symptome angezeigt.

Die Morphin-Plasmakonzentrationen können durch Rifampicin reduziert werden. Die

analgetische Wirkung von Morphin sollte während und nach der Behandlung mit Rifampicin

überwacht und die Dosierungen von Morphin angepasst werden.

Die Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

kann bei Dopingkontrollen zu

positiven Ergebnissen führen. Die Anwendung von

Morphin-ratiopharm

®

Injektionslösung

Dopingmittel kann zu einer Gefährdung der Gesundheit führen.

Morphin-ratiopharm

®

10 mg/ml Injektionslösung,

Morphin-ratiopharm

®

20 mg/ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Ampulle, d.h. es ist

nahezu „natriumfrei“.

Morphin-ratiopharm

®

200 mg/10 ml Injektionslösung

Dieses Arzneimittel enthält 27,85 mg Natrium pro Ampulle, entsprechend 1,4 % der von der

WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der

Nahrung von 2 g.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Folgende Wechselwirkungen dieses Arzneimittels müssen beachtet werden:

Die gleichzeitige Anwendung von Morphin und anderen zentral dämpfend wirkenden

Arzneimitteln wie Tranquilizer, Anästhetika, Hypnotika und Sedativa, Neuroleptika,

Barbiturate, Antidepressiva, Antihistaminika/Antiemetika und andere Opioide oder Alkohol

können zu einer Verstärkung der Nebenwirkungen von Morphin bei üblicher Dosierung führen.

Dies betrifft insbesondere die Möglichkeit einer Atemdepression, Sedierung, Hypotonie oder

auch eines Komas.

Sedativa wie Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel:

Die gleichzeitige Anwendung von Opioiden zusammen mit sedierenden Arzneimitteln wie

Benzodiazepine oder verwandte Arzneimittel erhöht das Risiko von Sedierung,

Atemdepression, Koma und Tod aufgrund einer additiven ZNS-dämpfenden Wirkung. Die

Dosis und Dauer der gleichzeitigen Anwendung sollten begrenzt werden (siehe Abschnitt 4.4).

Arzneimittel mit anticholinerger Wirkung (z. B. Psychopharmaka, Antihistaminika,

Antiemetika, Arzneimittel bei Morbus Parkinson) können anticholinerge Nebenwirkungen von

Opioiden verstärken (z. B. Obstipation, Mundtrockenheit oder Störungen beim Wasserlassen).

Durch Cimetidin und andere den Leberstoffwechsel belastende Arzneimittel können durch

Hemmung des Abbaus erhöhte Plasmakonzentrationen von Morphin auftreten.

Durch Morphin kann die Wirkung von Muskelrelaxantien verstärkt werden.

Bei Vorbehandlung von Patienten mit bestimmten Antidepressiva (MAO-Hemmstoffen)

innerhalb der letzten 14 Tage vor der Opioid-Anwendung sind lebensbedrohende

Wechselwirkungen auf Zentralnervensystem, Atmungs- und Kreislauffunktion mit Pethidin

beobachtet worden. Dies ist auch mit Morphin nicht auszuschließen.

Bei gleichzeitiger Anwendung von Rifampicin kann es zu einer Abschwächung der

Morphinwirkung kommen.

Bei rückenmarksnaher (epiduraler und intrathekaler) Anwendung sollte eine gleichzeitige

systemische Gabe von anderen Opioiden – soweit es sich nicht um eine Rescue-Medikation

gegen Schmerzspitzen handelt - vermieden werden.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Beim Menschen liegen keine ausreichenden Daten vor, die die Bewertung eines möglichen

teratogenen Risikos erlauben würden. Über einen möglichen Zusammenhang mit einer erhöhten

Häufigkeit von Leistenbrüchen wurde berichtet. Morphin passiert die Plazentaschranke.

Untersuchungen an Tieren zeigten ein Schädigungspotential für die Nachkommen während der

gesamten Dauer der Trächtigkeit (siehe Abschnitt 5.3). Morphin darf daher in der

Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der Nutzen für die Mutter das Risiko für das

Kind klar überwiegt.

Wegen der mutagenen Eigenschaften von Morphin sollte es Männern und Frauen im zeugungs-

und gebärfähigen Alter nur dann verabreicht werden, wenn eine wirksame Verhütung

sichergestellt ist.

Neugeborene, deren Mütter während der Schwangerschaft Opioid-Analgetika erhalten haben,

sollten auf Anzeichen eines neonatalen Entzugs (Abstinenzsyndrom) überwacht werden. Die

Behandlung kann ein Opioid und unterstützende Behandlung umfassen.

Entbindung

Morphin kann die Dauer der Wehentätigkeit verlängern oder verkürzen. Neugeborene, deren

Mütter während der Entbindung Opioidanalgetika erhalten, sollten auf Anzeichen einer

Atemdepression oder eines Entzugssyndroms überwacht und gegebenenfalls mit einem

spezifischen Opioidantagonisten behandelt werden.

Stillzeit

Morphin wird in die Muttermilch ausgeschieden und erreicht dort höhere Konzentrationen als

im mütterlichen Plasma. Da beim Säugling klinisch relevante Konzentrationen erreicht werden

können, ist vom Stillen abzuraten.

Fertilität

In tierexperimentellen Studien wurde gezeigt, dass Morphin die Fertilität reduzieren kann (siehe

Abschnitt 5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit).

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Morphin kann Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit

zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt

oder nicht mehr gegeben ist.

Dies ist insbesondere bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung und Präparatewechsel sowie im

Zusammenwirken mit Alkohol oder der Einnahme von Beruhigungsmitteln zu erwarten.

Die Beurteilung der jeweils individuellen Situation ist durch den behandelnden Arzt

vorzunehmen. Bei einer stabilen Therapie ist ein generelles Fahrverbot nicht zwingend

erforderlich.

4.8

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt:

Sehr häufig

≥ 1/10

Häufig

≥ 1/100, < 1/10

Gelegentlich

≥ 1/1.000, < 1/100

Selten

≥ 1/10.000, < 1/1.000

Sehr selten

< 1/10.000

Nicht bekannt

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Nervensystem

Morphin führt dosisabhängig zu einer Atemdämpfung und Sedierung in unterschiedlichem

Ausmaß von leichter Müdigkeit bis zur Benommenheit.

Häufig:

Kopfschmerzen, Schwindel.

Sehr selten:

Tremor, unwillkürliches Muskelzucken, insbesondere bei epiduraler oder

intrathekaler Gabe, epileptische Krampfanfälle.

Insbesondere in hoher Dosierung Hyperalgesie oder Allodynie (siehe Abschnitt 4.4), die nicht

auf eine weitere Dosiserhöhung von Morphin ansprechen (ggf. Dosisreduktion oder

Opioidrotation erforderlich!)

Bei der epiduralen und intrathekalen Morphingabe können auch folgende Nebenwirkungen

auftreten:

Gelegentlich:

Reaktivierung von Herpes-labialis-Infektionen.

Sehr selten:

Schwerwiegende neurologische Symptome wie Paresen, die z. B. auf eine

Granulombildung im Bereich der Katheterspitze zurückgehen können (siehe

Abschnitt 4.4). Eine verspätete Atemhemmung (bis zu 24 Stunden).

Psychische Störungen

Morphin zeigt vielfältig psychische Nebenwirkungen, die hinsichtlich Stärke und Art

individuell unterschiedlich (je nach Persönlichkeit und Behandlungsdauer) in Erscheinung

treten.

Sehr häufig:

Stimmungsveränderungen, meist Euphorie aber auch Dysphorie.

Häufig:

Veränderungen der Aktiviertheit (meist Dämpfung, aber auch Steigerung

oder Erregungszustände), Schlaflosigkeit und Veränderungen der kognitiven

und sensorischen Leistungsfähigkeit (z. B. Denkstörungen,

Wahrnehmungsstörungen/Halluzinationen, Verwirrtheit).

Sehr selten:

Abhängigkeit (siehe Abschnitt 4.4), Verminderung der Libido oder

Potenzschwäche.

Augen:

Pupillenverengung ist ein typischer Begleiteffekt.

Sehr selten:

Verschwommenes Sehen, Doppeltsehen und Augenzittern.

Gastrointestinaltrakt

Dosisabhängig können Übelkeit und Mundtrockenheit auftreten.

Bei Dauerbehandlung ist Verstopfung ein typischer Begleiteffekt.

Häufig:

Erbrechen (besonders zu Beginn der Behandlung), Appetitlosigkeit,

Dyspepsie und Geschmacksveränderungen.

Selten:

Erhöhung der Pankreasenzyme bzw. Pankreatitis.

Sehr selten:

Darmverschluss, Bauchschmerzen.

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten:

Gallenkoliken.

Sehr selten:

Erhöhung leberspezifischer Enzyme.

Nieren und Harnwege

Häufig:

Störungen bei der Blasenentleerung.

Selten:

Nierenkoliken.

Bewegungsapparat

Sehr selten:

Muskelkrämpfe, Muskelstarre.

Atemwege

Selten:

Bronchospasmen.

Sehr selten:

Dyspnoe.

Bei intensivmedizinisch behandelten Patienten sind nicht-kardiogen bedingte Lungenödeme

beobachtet worden.

Haut, allergische Reaktionen

Häufig:

Hyperhidrose, Überempfindlichkeitsreaktionen wie Urtikaria, Pruritus.

Sehr selten:

Andere Hautausschläge wie Exantheme und periphere Ödeme (bilden sich

nach Absetzen zurück).

Es kann zu anaphylaktischen oder anaphylaktoiden Reaktionen kommen.

Herz-Kreislauf-System

Gelegentlich:

Klinisch bedeutsamer Abfall als auch Anstieg von Blutdruck und

Herzfrequenz.

Es können Gesichtsrötungen, Herzklopfen, allgemeine Schwäche bis hin zum Ohnmachtsanfall

und Herzversagen auftreten.

Allgemeine Erkrankungen

Es kann zu einer Toleranzentwicklung kommen.

Selten:

Entzugserscheinungen*

Sehr selten:

Asthenie, Unwohlsein, Schüttelfrost, Amenorrhoe. Zahnveränderungen,

wobei jedoch ein ursächlicher Zusammenhang zur Morphin-Therapie nicht

hergestellt werden konnte.

In Einzelfällen wurde ein Abfall oder Anstieg der Körpertemperatur (Hypothermie,

Hyperthermie) beobachtet.

Endokrine Störungen

Sehr selten:

Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH; Leitsymptom:

Hyponatriämie).

*Arzneimittelabhängigkeit und Entzugserscheinungen (Abstinenzsyndrom)

Die Anwendung von Opioid-Analgetika kann mit der Entwicklung von körperlicher und/oder

psychischer Abhängigkeit oder Toleranz einhergehen. Wenn die Gabe von Opioiden abrupt

abgesetzt wird oder eine Gabe von Opioidantagonisten erfolgt, kann ein Abstinenzsyndrom

ausgelöst werden; es kann in manchen Fällen auch zwischen den Dosen auftreten.

Behandlungsempfehlungen, siehe Abschnitt 4.4.

Zu den körperlichen Entzugssymptomen gehören: Körperschmerzen, Tremor, Restless Legs

Syndrom, Diarrhö, Bauchkolik, Übelkeit, grippeähnliche Symptome, Tachykardie und

Mydriasis. Psychische Symptome sind unter anderem dysphorische Stimmung, Angst und

Reizbarkeit. Arzneimittelabhängigkeit geht häufig mit „Drogenhunger“ einher.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer

Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses

des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall

einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt.

Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Symptome der Intoxikation

Da die Empfindlichkeit auf Morphin individuell stark schwankt, können

Intoxikationserscheinungen beim Erwachsenen ab Einzeldosen auftreten, die einer subkutanen

und intravenösen Gabe von ca. 30 mg entsprechen. Bei Karzinompatienten werden diese Werte

oft überschritten, ohne gravierende Nebenwirkungen hervorzurufen.

Die Opiatvergiftung äußert sich durch die Trias: Miosis, Atemdepression und Koma: Die

Pupillen sind zunächst stecknadelkopfgroß. Bei starker Hypoxie dilatieren sie jedoch. Die

Atmung ist stark reduziert (bis auf 2-4 Atemzüge pro Minute). Der Patient wird zyanotisch.

Überdosierung mit Morphin führt zu Benommenheit und Stupor bis hin zum Koma. Der

Blutdruck bleibt zunächst normal, fällt jedoch bei fortschreitender Intoxikation rapide ab.

Anhaltender Blutdruckabfall kann in einen Schockzustand übergehen. Tachykardie,

Bradykardie, Rhabdomyolyse und Aspirationspneumonie können auftreten. Die

Körpertemperatur fällt ab. Die Skelettmuskulatur wird relaxiert, gelegentlich können,

insbesondere bei Kindern, generalisierte Krämpfe auftreten. Es kann zu Todesfällen aufgrund

von Atemversagen oder durch Komplikationen wie z. B. pulmonales Ödem kommen.

Therapie von Intoxikationen

Bei bewusstlosen Patienten mit Atemstillstand sind Beatmung, Intubation und die intravenöse

Gabe eines Opiatantagonisten (z. B. 0,4 mg Naloxon i.v.) angezeigt. Bei anhaltender

Ateminsuffizienz muss die Einzeldosis 1-3-mal in dreiminütigen Abständen wiederholt werden,

bis die Atemfrequenz normalisiert ist und der Patient auf Schmerzreize reagiert.

Strenge Überwachung (mind. 24 Stunden) ist notwendig, da die Wirkung des Opiatantagonisten

kürzer ist als die des Morphins, so dass mit einem erneuten Auftreten der Ateminsuffizienz

gerechnet werden muss.

Die Dosis des Opiatantagonisten beträgt bei Kindern pro Einzeldosis 0,01 mg pro kg

Körpergewicht.

Ferner können Maßnahmen zum Schutz vor Wärmeverlusten und zur Volumentherapie

erforderlich sein.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Opioide

ATC-Code: N02AA01

Morphin ist ein Phenantren-Alkaloid aus Schlafmohn (Papaver somniferum) mit

opiatagonistischen Eigenschaften. Es zeigt eine ausgeprägte Affinität zu

-Rezeptoren.

Zentrale Wirkungen

Morphin wirkt analgetisch, antitussiv, sedierend, tranquillisierend, atemdepressiv, miotisch,

antidiuretisch, emetisch und antiemetisch (Späteffekt) und geringgradig Blutdruck und

Herzfrequenz senkend.

Periphere Wirkungen

Obstipation, Kontraktion der Sphinkteren im Bereich der Gallenwege, Steigerung des Tonus der

Harnblasenmuskulatur und des Blasenschließmuskels, Verzögerung der Magenentleerung durch

Pyloruskonstriktion, Hautrötung, Urtikaria und Juckreiz durch Histaminfreisetzung sowie bei

Asthmatikern Bronchospasmus, Beeinflussung der hypophysär-hypothalamischen Achse und

damit Beeinflussung der Hormonwirkung von Kortikoiden, Sexualhormonen, Prolaktin und

antidiuretischem Hormon. Eine Manifestation klinischer Symptome aufgrund dieser

Hormonveränderungen kann möglich sein.

Der Wirkungseintritt nach oraler Applikation erfolgt nach 30-90 Minuten. Die Wirkdauer

beträgt ca. 4-6 Stunden und ist bei retardierter Wirkstofffreisetzung erheblich verlängert.

Der Wirkungseintritt nach intramuskulärer oder subkutaner Applikation erfolgt nach 15-30

Minuten, nach intravenöser Gabe in wenigen Minuten. Die Wirkdauer beträgt unabhängig von

diesen Applikationsarten ca. 4-6 Stunden. Nach epiduraler und intrathekaler Gabe sind lokal

begrenzte analgetische Wirkungen bereits nach wenigen Minuten nachweisbar. Die Wirkdauer

beträgt bei epiduraler Anwendung ca. 12 Stunden und geht bei intrathekaler Gabe noch darüber

hinaus.

Bei epiduraler oder intrathekaler Applikation wird die analgetische Wirkung bereits bei

Plasmakonzentrationen unter 10 ng/ml erreicht.

In-vitro- und Tierstudien zeigen unterschiedliche Effekte natürlicher Opioide, wie Morphin, auf

Komponenten des Immunsystems. Die klinische Bedeutung dieser Befunde ist nicht bekannt.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Morphin wird nach oraler Applikation relativ rasch – vorwiegend aus dem oberen Dünndarm

und geringfügig auch aus dem Magen – resorbiert. Die geringe absolute Bioverfügbarkeit (20-

40 %) ist auf einen ausgeprägten First-pass-Effekt zurückzuführen.

Morphin wird zu ca. 20-35 % an Plasmaproteine, bevorzugt an die Albuminfraktion, gebunden.

Das Verteilungsvolumen von Morphin wird mit 1,0-4,7 l/kg nach i.v.-Einmalgabe von 4-10 mg

angegeben. Hohe Gewebekonzentrationen findet man in der Leber, Niere, im

Gastrointestinaltrakt und im Muskel. Morphin überwindet die Blut-Hirn-Schranke.

Morphin wird vorwiegend in der Leber, aber auch im Darmepithel metabolisiert. Der

wesentliche Schritt ist die Glucuronidierung der phenolischen Hydroxylgruppe mittels der

hepatischen UDP-Glukuronyltransferase und N-Demethylierung.

Hauptmetabolite sind vor allem Morphin-3-glucuronid und in geringerer Menge Morphin-6-

glucuronid. Außerdem entstehen unter anderem Sulfatkonjugate sowie oxidative

Stoffwechselprodukte wie Normorphin, Morphin-N-oxid und ein in 2-Stellung hydroxyliertes

Morphin. Die Halbwertszeit der Glucuronide ist erheblich länger als die des freien Morphins.

Das Morphin-6-glucuronid ist biologisch wirksam. Es ist möglich, dass eine verlängerte

Wirkung bei Patienten mit Niereninsuffizienz auf diesen Metaboliten zurückzuführen ist.

Im Harn werden nach oraler oder parenteraler Applikation ca. 80 % des verabreichten Morphins

wiedergefunden (10 % unverändertes Morphin, 4 % Normorphin und 65 % als Glucuronide,

davon Morphin-3-glucuronid: Morphin-6-glucuronid [10 : 1]). Die Eliminationshalbwertszeit

von Morphin unterliegt großen interindividuellen Schwankungen. Sie liegt nach parenteraler

Gabe durchschnittlich zwischen 1,7 und 4,5 Stunden, gelegentlich wurden auch Werte um 9

Stunden gefunden. Etwa 10 % der Morphin-Glucuronide werden über die Galle mit den Faeces

ausgeschieden.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Bei fortgesetzter Anwendung von Morphin nimmt die Empfindlichkeit des ZNS gegenüber

Morphin ab. Diese Gewöhnung kann so ausgeprägt sein, dass Dosen vertragen werden, die bei

erstmaliger Anwendung infolge Atemdepression toxisch wirken. Aufgrund der euphorischen

Wirkungskomponente des Morphins besteht Suchtgefahr (siehe auch Abschnitt 4.4).

Es liegen zur Mutagenität klar positive Befunde vor, die darauf hindeuten, dass Morphin

klastogen wirkt und eine solche Wirkung auch auf Keimzellen ausübt. Daher ist Morphin als

mutagen wirksame Substanz anzusehen; eine derartige Wirkung muss auch im Menschen

angenommen werden.

Morphin sollte nur unter sicherem Konzeptionsschutz angewendet werden.

Langzeituntersuchungen am Tier auf ein tumorerzeugendes Potential von Morphin liegen nicht

vor.

Untersuchungen an Tieren zeigten ein Schädigungspotential für die Nachkommen während der

gesamten Dauer der Trächtigkeit (ZNS-Missbildungen, Wachstumsretardierung, Testisatrophie,

Veränderungen bei Neurotransmittersystemen und Verhaltensweisen, Abhängigkeit). Bei

männlichen Ratten wurde über reduzierte Fertilität und Chromosomenschäden in Keimzellen

berichtet. Daneben hatte Morphin bei verschiedenen Tierspezies Auswirkungen auf das

männliche Sexualverhalten und die weibliche Fertilität.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Natriumchlorid

Salzsäure

Wasser für Injektionszwecke

Stickstoff

6.2

Inkompatibilitäten

Morphinsulfat ist physikalisch unverträglich mit Aciclovir-Natrium, Aminophyllin,

Amobarbital-Natrium, Cefepim-Hydrochlorid, Chlorothiazid-Natrium, Dolasetronmesilat,

Floxacillin-Natrium, Furosemid, Galliumnitrat, Heparin-Natrium, Meperidin-Hydrochlorid,

Meperidin-Natrium, Meticillin-Natrium, Minocyclin-Hydrochlorid, Pentobarbital-Natrium,

Phenobarbital-Natrium, Phenytoin-Natrium, Sargramostim, Natron, Thiopental-Natrium.

Es wurden physikalisch-chemische Unvereinbarkeiten (Fällungsbildung) zwischen Lösungen

mit Morphinsulfat und 5-Fluorouracil nachgewiesen.

6.3

Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Die Ampullen im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Morphin-ratiopharm

®

10 mg/ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

20 mg/ml Injektionslösung

Braunglas-Ampulle mit 1 ml Injektionslösung

Packung mit 5 Ampullen

Packung mit 10 Ampullen

Packung mit 10 x 5 Ampullen

Packung mit 10 x 10 Ampullen

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

Braunglas-Ampulle mit 5 ml Injektionslösung

Packung mit 5 Ampullen

Packung mit 10 Ampullen

Packung mit 10 x 5 Ampullen

Packung mit 10 x 10 Ampullen

Morphin-ratiopharm

®

200 mg/10 ml Injektionslösung

Braunglas-Ampulle mit 10 ml Injektionslösung

Packung mit 5 Ampullen

Packung mit 10 Ampullen

Packung mit 10 x 5 Ampullen

Packung mit 10 x 10 Ampullen

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur

Handhabung

Keine besonderen Anforderungen.

Die Lösung ist unmittelbar nach Anbruch der Ampulle zu verwenden. Reste verwerfen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

ratiopharm GmbH

Graf-Arco-Str. 3

89079 Ulm

8.

ZULASSUNGSNUMMER

Morphin-ratiopharm

®

10 mg/ml Injektionslösung

48363.00.00

Morphin-ratiopharm

®

20 mg/ml Injektionslösung

48363.02.00

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

48371.01.00

Morphin-ratiopharm

®

200 mg/10 ml Injektionslösung

48403.00.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER

ZULASSUNG

Morphin-ratiopharm

®

10 mg/ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

20 mg/ml Injektionslösung

Datum der Erteilung der Zulassung: 21. März 2002

Datum der Verlängerung der Zulassung: 17. Februar 2009

Morphin-ratiopharm

®

100 mg/5 ml Injektionslösung

Morphin-ratiopharm

®

200 mg/10 ml Injektionslösung

Datum der Erteilung der Zulassung: 20. März 2002

Datum der Verlängerung der Zulassung: 17. Februar 2009

10.

STAND DER INFORMATION

August 2018

11.

VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig entsprechend der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung

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