Lithiofor Retardtablette

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Lithiumsulfat
Verfügbar ab:
VIFOR FRANCE
ATC-Code:
N05AN01
INN (Internationale Bezeichnung):
lithium sulfate
Darreichungsform:
Retardtablette
Zusammensetzung:
Lithiumsulfat 660.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
5869.00.00

Version 10, 02/2016

Language rev.1, 04/2016

B. PACKUNGSBEILAGE

Gebrauchsinformation: Information für Patienten

LITHIOFOR 83 mg Retardtabletten

Wirkstoff: Lithium

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es

kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch

für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Lithiofor und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Lithiofor beachten?

Wie ist Lithiofor einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Lithiofor aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Lithiofor und wofür wird es angewendet?

Lithiofor enthält den Wirkstoff Lithium.

Lithiofor ist ein Arzneimittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen.

Lithiofor wird angewendet zur

Vorbeugung des Wiederauftretens der bipolaren Störung (ausgeprägte Stimmungsschwankungen

zwischen krankhaft gehobener Stimmung mit vermehrter Aktivität (Hypomanie oder Manie) und einer

übermäßig gesenkten Stimmung mit vermindertem Antrieb und Aktivität (Depression))

Vorbeugung des Wiederauftretens von depressiven Episoden (Episoden einer Major Depression)

Behandlung von krankhaft gehobener Stimmung mit Überaktivität (manische Episode) , gegebenenfalls

in Kombination mit anderen Arzneimitteln, so genannten Antipsychotika

2.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Lithiofor beachten?

Lithiofor darf nicht eingenommen werden,

wenn Sie allergisch gegen Lithium oder einen der in Abschnitt 6 genannten sonstigen Bestandteile

dieses Arzneimittels sind.

bei akutem Nierenversagen oder stark verminderter Nierenfunktion

bei akutem Herzinfarkt

bei einem angeborenen Syndrom, das Einfluss auf das Herz hat (Brugada-Syndrom) oder wenn ein naher

Familienangehöriger unter dem Brugada-Syndrom leidet

bei ausgeprägtem Natriummangel (Hyponatriämie)

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Lithiofor einnehmen.

Lithiofor sollte in folgenden Fällen nur eingenommen werden, wenn es sich um eine lebensbedrohliche

psychiatrische Erkrankung handelt und wenn andere therapeutische Maßnahmen erfolglos waren.

Behandlung sollte dann im Krankenhaus unter täglicher Kontrolle der Lithiumkonzentration im Blut

stattfinden:

bei leichten bis mäßigen Funktionsstörungen der Nieren (Niereninsuffizienz)

bei Funktionsstörungen des Herzens (Herzinsuffizienz)

bei Unterfunktion der Schilddrüse

bei seltener, lebensbedrohlicher Erkrankung der Nebenniere (Morbus Addison)

bei krankhafter Muskelschwäche (Myastenia gravis)

bei bestimmten Erkrankungen der weißen Blutkörperchen (myeloische Leukämie)

Schuppenflechte (Psoriasis)

bei allen Erkrankungen, die eine kochsalzarme (natriumarme) Diät erfordern sowie bei Störungen im

Natrium- und Wasserhaushalt des Körpers, oder bei Fastenkuren mit verringerter Kochsalzzufuhr

bei Flüssigkeitsverlust des Körpers (Dehydration)

bei Herzrhythmusstörungen

bei einem nicht ausgeglichenen Kaliummangel (nicht korrigierte Hypokaliämie), bei verlangsamtem

Herzschlag (Bradykardie) sowie bei gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die das QT-

Intervall im EKG verändern. Bei bestimmten EKG-Veränderungen (angeborenes Long-QT-Syndrom

oder bekannte erworbene QT-Verlängerung) sollte eine Einnahme vermieden werden.

bei erhöhter Krampfbereitschaft des Gehirns (Epilepsie)

bei geplanter Narkose oder Operation sollte 48 Stunden zuvor Lithiofor abgesetzt werden. Lithiofor

kann anschließend sofort wieder angewendet werden, wenn die Nierenfunktion und der

Mineralstoffhaushalt normal sind.

bei geplanter Elektrokrampftherapie sollte 48 Stunden zuvor Lithiofor abgesetzt werden, um die

Gefahr eines Verwirrtheitszustandes (Delirium) zu reduzieren. Dieser kann auftreten, wenn beide

Therapien gleichzeitig verabreicht werden.

Harntreibende Arzneimittel, bestimmte Arzneimittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen

(Antipsychotika), bestimmte Arzneimittel gegen Schmerzen und Entzündungen (NSAR) und bestimmte

Arzneimittel zur Blutdrucksenkung sollten nur unter besonderer Vorsicht während einer Therapie mit

Lithiofor eingesetzt werden.

Ältere Patienten

Da bei älteren Patienten die Nierenfunktion oft eingeschränkt ist, können bei ihnen bereits bei einer

Dosis, die von jüngeren Patienten gut vertragen wird, höhere Lithiumkonzentration im Blut erreicht

werden und Anzeichen einer Lithiumvergiftung auftreten (siehe Abschnitt 3. Wie ist Lithiofor

einzunehmen?).

Welche Vorsichtsmaßnahmen müssen beachtet werden?

Mit Hilfe der Bestimmung der Lithiumkonzentration im Blut wird die einzunehmende Menge an

Lithiofor individuell eingestellt. Gehen Sie daher bitte regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen, die

während des 1. Monats 1x wöchentlich wiederholt werden, danach im ersten halben Jahr 1x monatlich

und später in der Regel im vierteljährlichen Abstand stattfinden sollten. Längere Abstände sind nur in

Ausnahmefällen möglich.

Die Bestimmung der Lithiumkonzentration im Blut durch Ihren Arzt sollte möglichst genau 12 Stunden

nach der letzten Einnahme von Lithiofor erfolgen. Zweckmäßigerweise wird die Bestimmung am Morgen

vor der nächsten Tabletteneinnahme durchgeführt.

Kontrolluntersuchungen

Nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung zu Beginn der Behandlung mit Lithium sollten Sie

während der Einnahme von Lithium sorgfältig überwacht werden.

Folgende Untersuchungen sind neben der Bestimmung der Lithiumkonzentration im Blut durchzuführen:

Messung der Nierenfunktion (Serumkreatinin) parallel zur Bestimmung der Lithiumkonzentration

Schilddrüsenfunktion: jährlich

Bestimmung von Natrium, Kalium und Calcium: jährlich

Blutbild: jährlich

Körpergewicht und Halsumfang: vierteljährlich

Blutdruckmessung

Messung der Herzfunktion (EKG): jährlich

Messung der Hirnströme (EEG): bei Bedarf

24-Stunden Urinvolumen, Filtrationsleistung der Nieren (Kreatinin-Clearance): jährlich

Urinanalyse

gegebenenfalls weitere Überprüfung der Konzentrationsleistung der Nieren (am 28. Tag

Desmopressin-Test)

Ultraschalluntersuchung der Nieren nach Langzeitbehandlung (mehr als 10 Jahre): jährlich

Begleiterkrankungen, die mit starkem Erbrechen, heftigen Durchfällen oder hohem Fieber einhergehen,

können zu einer Veränderung der Lithiumkonzentration im Blut führen; suchen Sie bitte daher Ihren

behandelnden Arzt auf. Dies ist ebenfalls erforderlich bei sehr starker Harnproduktion und ausgeprägtem

Durstgefühl.

Beim Verdacht auf eine Lithiumvergiftung ist die Behandlung sofort abzubrechen und unbedingt der Arzt

aufzusuchen (Anzeichen für eine Lithiumvergiftung: siehe in Abschnitt 3“ Wenn Sie eine größere Menge

von Lithiofor eingenommen haben, als Sie sollten“).

Achten Sie auf eine ausreichende Kochsalz- und Flüssigkeitszufuhr. Dies gilt insbesondere bei

Abmagerungskuren und bei bestimmten Diäten.

Bei einer Langzeitbehandlung mit Lithium ist eine sorgfältige medizinische Betreuung notwendig,

insbesondere, wenn es zu einer Zunahme der Harnausscheidung und gesteigertem Durstgefühl kommt, um

eine Austrocknung des Körpers, verbunden mit einer erhöhten Lithiummenge im Blut, zu vermeiden.

Nierentumoren:

Bei Patienten mit schwerer Störung der Nierenfunktion (Niereninsuffizienz), die über einen Zeitraum von

mehr als 10 Jahren Lithium erhalten haben, besteht möglicherweise ein Risiko für die Entwicklung von gut-

bzw. bösartigen Nierentumoren (Mikrozysten, Onkozytome oder Karzinome der Sammelrohre der Niere).

Kinder und Jugendliche

Kinder unter 12 Jahren sollten nicht mit Lithiofor behandelt werden, da bei dieser Altersgruppe keine

Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.

Einnahme von Lithiofor zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich

andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden. Auch wenn es sich um nicht verschreibungsverpflichtige Arzneimittel handelt.

Andere Arzneimittel sollten nur unter besonderer Vorsicht gleichzeitig mit Lithiofor gegeben werden, da es

bei vielen Arzneimitteln zu Wechselwirkungen mit Lithiofor kommen kann.

Insbesondere bei der gleichzeitigen Anwendung der im Folgenden aufgeführten Arzneimittel muss Ihr Arzt

die Lithiumkonzentration im Blut häufiger überprüfen und die Dosis von Lithiofor anpassen:

harntreibende Arzneimittel

Metronidazol, ein Arzneimittel zur Behandlung von Infektionen (Antibiotikum)

bestimmte Arzneimittel gegen Schmerzen und Entzündungen (NSAR, z.B. Diclofenac, Indometacin,

Celecoxib)

bestimmte blutdrucksenkende Arzneimittel (Sartane, Betablocker, ACE-Hemmer wie z.B. Captopril,

Enalapril)

Harnstoff

Theophyllin-haltige Arzneimittel zur Behandlung von Asthma

durchblutungsfördernde Arzneimittel (z.B. Pentoxifyllin, Xantinolnicotinat)

den pH-Wert erhöhende Substanzen (z.B. Natriumbikarbonat)

Calcitonin, ein Arzneimittel gegen Osteoporose

Arzneimittel zur Behandlung von grünem Star und anderen Erkrankungen (z.B. Acetazolamid,

Dorzolamid, Brinzolamid)

Arzneimittel gegen Krampfanfälle (z.B. Phenytoin)

Methyldopa, ein Arzneimittel zur Blutdrucksenkung

bestimmte Arzneimittel zur Behandlung von Depression (trizyklische Antidepressiva, z.B. Imipramin)

bestimmte andere Arzneimittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen (Antipsychotika, z.B.

Haloperidol, Thioridazin, Clozapin)

Insbesondere bei höherer Dosierung dieser Arzneimittel ist auf Nebenwirkungen wie Schwäche,

Fieber, Zittern, Verwirrtheit, Krampfanfälle, gestörter Bewegungsablauf, Reaktionsminderung, erhöhte

Muskelspannung und Veränderung des Blutbildes und Serums besonders zu achten. Dies können

Anzeichen einer schweren Erkrankung des Gehirns (sogenanntes malignes neuroleptisches Syndrom)

sein.

Arzneimittel, die den Serotonin-Stoffwechsel beeinflussen (MAO-Hemmer, selektive Serotonin-

Wiederaufnahmehemmer, 5HT-Agonisten [bestimmte Migränemittel wie z.B. Sumatriptan])

Hinweis: Sie sollten schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, wenn bei Ihnen folgende Anzeichen

auftreten: Bewusstseinsstörung, Ruhelosigkeit, Muskelzucken, gesteigerte Reflexe, Schweißausbruch,

Frösteln und Zittern.

bestimmte Arzneimittel zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Calciumantagonisten wie

z.B. Diltiazem, Verapamil)

bei einer Operation mit Arzneimitteln zur Muskelschlaffung (neuromuskulär blockierender

Substanzen)

Kaliumjodid

Tetrazykline, Arzneimittel zur Behandlung von Infektionen (Antibiotika)

Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall im EKG

verlängern, z. B.:

Arzneimittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika, z.B. Chinidin,

Disopyramid, Amiodaron, Sotalol)

Cisaprid (Arzneimittel zur Verstärkung der Bewegung des Verdauungstrakts)

Arzneimittel zur Behandlung von Infektionen (Antibiotika wie Erythromycin)

Arzneimittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen (Antipsychotika, z.B. Thioridazin,

Amisulprid).

Einnahme von Lithiofor zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol

Meiden Sie alle alkoholhaltigen Genussmittel, Speisen und Getränke.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Schwangerschaft

Lithiofor sollte während einer Schwangerschaft nicht angewendet werden. Dies gilt insbesondere für eine

Anwendung im 1. Drittel der Schwangerschaft. Ein erhöhtes Fehlbildungs- und Komplikationsrisiko durch

Lithium kann nicht ausgeschlossen werden. Vor Beginn der Behandlung mit Lithiofor ist das Bestehen einer

Schwangerschaft auszuschließen, und während der Behandlung ist eine sichere Empfängnisverhütung

notwendig. Bitte wenden Sie sich umgehend an Ihren Arzt, wenn Sie schwanger sind, um gemeinsam über

die Fortsetzung und Anpassung der Behandlung mit Lithiofor zu beraten.

Stillzeit

In der Stillzeit sollte Lithiofor nur eingenommen werden, wenn Ihr Arzt es für absolut notwendig hält, da

Lithium aus dem Blut in die Muttermilch übergeht. Bei Einnahme von Lithiofor nach der Geburt soll die

Muttermilch in den ersten 2 Lebenswochen des Neugeborenen abgepumpt und verworfen werden. Der

Säugling muss während dieser Zeit mit Säuglingsnahrung versorgt werden. Es muss umgehend ein Arzt

aufgesucht werden, wenn beim Säugling Vergiftungssymptome wie Verfärbungen von Haut und Lippen

sowie Teilnahmslosigkeit auftreten.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit

verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen

beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

3.

Wie ist Lithiofor einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei Ihrem Arzt

oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Jeder Patient ist individuell und zu Beginn der Behandlung einschleichend auf Lithium einzustellen.

Die folgenden Angaben gelten, soweit Ihnen Ihr Arzt Lithiofor nicht anders verordnet hat. Bitte halten Sie

sich an die Anwendungsvorschriften, da Lithiofor sonst nicht richtig wirken kann!

Falls vom Arzt nicht anders verordnet, wird folgendes Basisschema empfohlen:

1. + 2. Tag: ½ Tablette Lithiofor täglich (entsprechend 6 mmol Lithium)

3. + 4. Tag: 2x ½ Tablette Lithiofor täglich (entsprechend 12 mmol Lithium)

5. + 6. Tag: ½ Tablette Lithiofor morgens und 1 Tablette abends (entsprechend 18 mmol Lithium)

Anschließend 2x 1 Tablette täglich (entsprechend 24 mmol Lithium).

Der wirksame Bereich der Lithiumkonzentration im Blut liegt in der Regel zwischen 0,5 und 1,2 mmol/l. Zur

vorbeugenden Behandlung wird eine Lithiumkonzentration von 0,5 bis 0,8 mmol/l empfohlen. Eine

Lithiumkonzentration im Blut zwischen 1,0 und 1,2 mmol/l kann bei einigen Patienten in der Akutphase

nötig sein. Mögliche Nebenwirkungen müssen sorgfältig überwacht werden.

Die Einnahme von Lithiofor sollte immer zu einer festgesetzten Zeit (z.B. morgens und abends mit einem

Zeitabstand von 10-12 Stunden) erfolgen.

Die Tagesdosis kann alternativ auch auf einmal vor dem Schlafengehen eingenommen werden, wenn Ihr

Arzt dies nach Kontrolle der Lithiumkonzentration im Blut für möglich erachtet. Während der Umstellung

von der Mehrfachgabe auf die Einmaldosierung sollten die Kontrolluntersuchungen in kürzeren Abständen

erfolgen.

Patienten, die schon mit Lithium behandelt wurden, können im Allgemeinen mit einer Dosierung von 2x 1

Tablette täglich beginnen. Eine 1. Kontrolle der Lithiumkonzentration im Blut soll nach 1 Woche

durchgeführt werden.

Bei älteren Patienten ist erfahrungsgemäß eine niedrigere Dosis ausreichend. Bei ihnen sollte eine

Lithiumkonzentration im Blut über 0,6 mmol/l nach Möglichkeit vermieden werden. Auch sollte die

Lithiumkonzentration im Blut daher häufiger kontrolliert werden als im Regelfall (siehe in Abschnitt 2

Ältere Patienten unter Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen).

Wie sollten Sie Lithiofor einnehmen?

Lithiofor ist zum Einnehmen.

Die Tabletten sind unzerkaut und mit reichlich Flüssigkeit einzunehmen. Die Tablette kann in gleiche

Dosen geteilt werden.

Wie lange sollten Sie Lithiofor einnehmen?

Mitunter kann der Therapieerfolg erst nach längerer Behandlung eintreten. In jedem Fall bestimmt der Arzt

anhand des Krankheitsverlaufs die Behandlungsdauer. Falls das Arzneimittel abgesetzt werden soll, sollte

die Dosis schrittweise reduziert werden, um die Gefahr des Wiederauftretens der Krankheit zu verringern.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung von

Lithiofor zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von Lithiofor eingenommen haben, als Sie sollten

Anzeichen einer Lithiumvergiftung können sein:

vermehrte Urinausscheidung,

gesteigertes Durstgefühl,

Durchfall,

Erbrechen,

Flüssigkeitsverlust des Körpers (Dehydratation),

Muskelschwäche,

erhöhte Muskelspannung,

unwillkürliche Muskelzuckungen (Faszikulationen),

Müdigkeit,

Koordinations- und Konzentrationsstörungen,

undeutliche Sprache,

Verwirrtheit,

krankhafte Schläfrigkeit (Somnolenz),

Augenzittern (Nystagmus),

Zittern,

gesteigerte Reflexe (Hyperreflexie),

Ohrgeräusche,

verschwommenes Sehen,

Gangunsicherheit (Ataxie),

Teilnahmslosigkeit (Apathie),

Herzrhythmusstörungen,

Kreislaufkollaps,

Funktionsstörungen der Nieren (in seltenen Fällen auch akutes Nierenversagen).

Die Erhöhung der Lithiumkonzentration im Blut kann lebensbedrohlich sein. In besonders schweren Fällen

kann es zum Krampfanfall, Koma und tödlichen Ausgang kommen. Beim Verdacht auf eine

Lithiumvergiftung ist unbedingt der Arzt aufzusuchen!

Wenn Sie die Einnahme von Lithiofor vergessen haben

Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen haben.

Sofern Sie einen Einnahmezeitpunkt vergessen haben sollten, kann in diesem Ausnahmefall die Einnahme

übersprungen werden. Bitte halten Sie ab dem nächsten Einnahmezeitpunkt wieder die vom Arzt empfohlene

Dosis ein.

Wenn Sie die Einnahme von Lithiofor abbrechen

Die Behandlung mit Lithiofor darf nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt unterbrochen oder vorzeitig beendet

werden. Die Behandlung sollte nicht plötzlich beendet werden, da es sonst zu Rückfällen kommen kann.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder

Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Die Häufigkeit des Auftretens und die Ausprägung der Nebenwirkungen hängen im Allgemeinen von der

Lithiumkonzentration im Blut ab und von Ihrer individuellen Empfindlichkeit auf Lithium.

Vorwiegend zu Beginn der Behandlung

Am Anfang der Behandlung kann es zu einer Beeinträchtigung der Wiederaufnahme von Natrium und

Kalium in der Niere kommen. Diese sollte sich jedoch nach 1 Woche wieder normalisiert haben.

Die folgenden Nebenwirkungen klingen meist während der Behandlung oder nach Verringerung der Dosis

Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen)

Leichtes Zittern der Hände

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen)

vermehrte Urinausscheidung

gesteigertes Durstgefühl

Übelkeit

Gewichtszunahme, zum Teil dosisabhängig, insbesondere in den ersten 2 Jahren der Behandlung.

Vermeiden Sie deshalb den Genuss kalorienreicher Speisen und Getränke.

Während der Behandlung

Sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen)

Zittern

Störungen der Erregungsausbreitung am Herzen (EKG-Veränderungen)

metallischer Geschmack

Mundtrockenheit

Gewichtszunahme

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen)

vermehrte Urinausscheidung

gesteigertes Durstgefühl

Brennen, Juckreiz und Tränen der Augen

Appetitlosigkeit

Übelkeit

Erbrechen

Durchfall

Bauchschmerzen

Vergrößerung der Schilddrüse (Kropfbildung)

Unterfunktion der Schilddrüse

Erhöhung der Calciumkonzentration im Blut

Erhöhung der Magnesiumkonzentration im Blut

Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen)

Entwicklung von Antikörpern gegen die Schilddrüse (Autoimmunthyreoiditis)

Selten (kann bis zu 1 von 1000 Behandelten betreffen)

Herzrhythmusstörungen (meist mit niedrigem Puls)

Überfunktion der Schilddrüse

Haarausfall

akneartige Hautreaktion

Entzündungen der Haut, die die Haarwurzel umgibt (Haarbalgentzündungen)

Juckreiz

Wiederauftreten oder Verschlimmerung einer Schuppenflechte (Psoriasis)

Schwellungen im Gesichtsbereich (Quincke-Ödem)

Hautausschläge sowie andere Zeichen von Überempfindlichkeit

Sehr selten (kann bis zu 1 von 10 000 Behandelten betreffen)

Abnormales EKG, „QT-Verlängerung“ genannt

Nierenerkrankung gekennzeichnet von Eiweißverlust und Wasserretention (nephrotisches Syndrom)

Funktionsstörungen der Nieren

Nierenveränderungen (z.B. interstitielle Fibrose) bei langjähriger Behandlung

Überfunktion der Nebenschilddrüse

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Halluzinationen

krankhafte Schläfrigkeit (Somnolenz)

Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Muskelschwäche

unwillkürliche Muskelzuckungen (Faszikulationen)

unwillkürliche Bewegungen der Gliedmaßen

Gangunsicherheit (Ataxie)

Störungen des Bewegungsablaufes

gesteigerte Sehnenreflexe

Bewegungsstörungen, die vom Zentralnervensystem ausgehen (extrapyramidalmotorische Symptome)

kurzfristige Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma

Krampfanfälle

undeutliche Sprache

Koordinationsstörungen

Kopfschmerzen

Schwindel

Benommenheit

Starrezustand des ganzen Körpers bei wachem Bewusstsein (Stupor)

Geschmacksstörungen

erhöhter Hirndruck (Pseudotumor cerebri)

krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis)

Muskel- und Gelenkschmerzen

Lichtempfindlichkeit (Photophobie)

Veränderungen der Augenlider (Blepharospasmus)

Unfähigkeit, gezielte Bewegungen auszuführen (Apraxie)

Gesichtsfeldausfälle

Augenzittern

verschwommenes Sehen

Kreislaufversagen

niedriger Blutdruck

Einlagerung von Wasser (Ödeme)

Störungen der Blutversorgung im Bereich der Hände und Füße (Raynaud-Syndrom)

Demaskierung eines vorhandenen angeborenen Syndrom, das Einfluss auf das Herz hat (Brugada-

Syndrom)

Vermehrung der Anzahl der weißen Blutkörperchen

Magenschleimhautentzündung

sehr starke Speichelproduktion

unkontrollierter Urinverlust (Urininkontinenz)

gutartige / bösartige Nierentumoren (Mikrozysten, Onkozytome und Karzinome der Sammelrohre der

Niere) bei Langzeitbehandlung

Erhöhung des Blutzuckers

Impotenz

sexuelle Störungen

Eruptionen an der Haut oder den Schleimhäuten (lichenoide Arzneimittelreaktion)

Welche Gegenmaßnahmen sind bei Nebenwirkungen zu ergreifen?

Eine mögliche Gegenmaßnahme des Arztes ist eine Dosisminderung. Weitere Gegenmaßnahmen richten sich

nach der Art der Nebenwirkung. Beim Auftreten von Nebenwirkungen sollten Sie deshalb unbedingt Ihren

Arzt informieren, damit über das weitere Vorgehen entschieden werden kann.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für

Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können Nebenwirkungen auch

direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-

Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Webseite: www.bfarm.de anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden,

können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung

gestellt werden.

5.

Wie ist Lithiofor aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und Behältnis angegebenen Verfalldatum nicht

mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.

Nicht über 30

C lagern. In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu

schützen.

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie das Arzneimittel zu

entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der Umwelt bei.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Lithiofor enthält

Der Wirkstoff ist Lithium.

1 Retardtablette enthält 83 mg Lithium als 660 mg Lithiumsulfat entsprechend 12 mmol Li+

Die sonstigen Bestandteile sind:

Ammoniummethacrylat-Copolymer (Typ B) (Ph.Eur.), Hypromellose, Magnesiumstearat (Ph.Eur.).

Wie Lithiofor aussieht und Inhalt der Packung

Retardtablette

Längliche, weiße Tablette mit Bruchkerbe auf beiden Seiten

50 Retardtabletten

100 Retardtabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

Vifor France

100-101 Terrasse Boieldieu

Tour Franklin La Défense 8

F-92042 Paris La Défense Cedex

Tel. 0033 1 41 06 58 90

Fax 0033 1 41 06 58 99

E-Mail: contact-fr@viforpharma.com

Mitvertrieb

Vifor Pharma Deutschland GmbH

Baierbrunner Str. 29

D-81379 München

Tel. 0049 89 324918 600

Fax 0049 89 324918 601

E-Mail: info@viforpharma.com

Hersteller

Vifor France

100-101 Terrasse Boieldieu

Tour Franklin La Défense 8

F-92042 Paris la Défense Cedex

Tel. 0033 1 41 06 58 90

Fax 0033 1 41 06 58 99

E-Mail: contact-fr@viforpharma.com

Dieses Arzneimittel ist in den Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) unter den

folgenden Bezeichnungen zugelassen:

Deutschland

Lithiofor 83 mg Retardtabletten

Italien

Resilient 83 mg

compresse a rilascio prolungato

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im November 2019.

Version 10, 02/2016

Language rev.1, 04/2016

ANHANG I

ZUSAMMENFASSUNG DER MERKMALE DES ARZNEIMITTELS

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

LITHIOFOR 83 mg Retardtabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

1 Retardtablette enthält:

83 mg Lithium als 660 mg Lithiumsulfat entsprechend 12 mmol Li

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Retardtablette

Weiße längliche Tablette (16,2 x 8,7 mm) mit Bruchkerbe auf beiden Seiten.

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Rezidivprophylaxe der bipolaren Störung und Episoden einer Major Depression

Behandlung der manischen Episode, ggf. in Kombination mit Antipsychotika

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Jeder Patient ist individuell und zu Beginn der Behandlung einschleichend auf Lithium einzustellen. In den

ersten Tagen der Behandlung sollten einschleichend nur etwa 6 bis 12 mmol Lithium täglich eingenommen

werden. Danach sollte die Tagesdosis je nach Alter der Patienten auf 18 bis 36 mmol Lithium täglich in

Abhängigkeit vom Serumlithiumspiegel und therapeutischen Effekt gesteigert werden.

Folgendes Basisschema wird empfohlen:

1. + 2. Tag: 6 mmol Lithium täglich;

3. + 4. Tag: 6 mmol Lithium zweimal täglich (entsprechend 12 mmol Lithium);

5. + 6. Tag: 6 mmol Lithium morgens und 12 mmol Lithium abends (entspechend 18 mmol Lithium);

Anschließend 12 mmol Lithium zweimal täglich (entsprechend 24 mmol Lithium).

Bei einem Serumlithiumspiegel von 0,5 bis 1,2 mmol/l erreicht Lithium in der Regel seine volle

Wirksamkeit. Für die Prophylaxe ist meist ein Serumlithiumspiegel von 0,5 bis 0,8 mmol/l ausreichend.

Höhere Serumlithiumspiegel (1,0 – 1,2 mmol/l) können bei einigen Patienten in der Akutphase nötig sein,

mit sorgfältiger Überwachung auf mögliche Nebenwirkungen.

Während der akuten manischen Phase, in der Lithium besser toleriert wird, kann der Serumlithiumspiegel

abfallen und somit eine Dosiserhöhung erforderlich werden. Die Lithiumtoleranz kann mit dem Abklingen

der manischen Symptome sinken und erfordert dann wieder eine Dosisreduzierung.

Die Einnahme von LITHIOFOR sollte immer zu einer festgesetzten Zeit (z.B. morgens und abends mit

einem Zeitabstand von 10-12 Stunden) erfolgen.

Alternativ kann die gesamte Tagesdosis auch als Einmalgabe vor dem Schlafengehen eingenommen

werden. Beim Wechsel von der Mehrfachgabe zur Einmalgabe sollten anfänglich die Serumlithiumspiegel

häufiger kontrolliert werden; es ist dabei zu beachten, dass (bei gleicher Tagesdosis) der standardisierte 12-

Stunden-Wert bis zu 0,2 mmol/l über dem zuvor eingestellten Wert liegen kann.

Im Falle von Patienten, die schon mit Lithium behandelt wurden, kann der Übergang von einer Nicht-

Retardform zu LITHIOFOR direkt erfolgen, im Allgemeinen mit einer Dosierung von 2-mal 12 mmol

täglich. Eine erste Serumspiegelkontrolle sollte ebenfalls nach einer Woche durchgeführt werden.

Mitunter ist ein voller Behandlungserfolg erst nach 6 bis 12 Monaten zu diagnostizieren. Deshalb sollte ein

anfangs unbefriedigendes Ergebnis kein Grund zum vorzeitigen Abbrechen der Therapie sein.

Falls das Lithiumsalz abgesetzt werden soll, sollte die Dosis schrittweise reduziert werden, um eine

Rezidivgefahr zu verringern.

Falls eine Einnahme versäumt wurde, sollte der Patient mit der Einnahme der nächsten Dosis bis zu dieser

festgesetzten Zeit warten. Er sollte die versäumte Einnahme jedoch nicht mit einer doppelten Dosis

ausgleichen.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten (über 65 Jahren) ist erfahrungsgemäß eine niedrigere Dosis für die gleiche

Wirksamkeit ausreichend. Ein Serumlithiumspiegel über 0,6 mmol/l sollte nach Möglichkeit vermieden

werden.

Weiterhin kann bei älteren Patienten aufgrund der abnehmenden Nierenfunktion und der dadurch

verringerten Lithium-Elimination der Serumlithiumspiegel leicht toxische Werte erreichen. Der

Serumlithiumspiegel älterer Patienten sollte daher häufiger kontrolliert werden als im Regelfall empfohlen.

(Zu Kontrolluntersuchungen siehe 4.4)

Kinder und Jugendliche

Kinder unter 12 Jahren sollten nicht mit Lithium behandelt werden, da bei dieser Altersgruppe keine Daten

zur Sicherheit und Wirksamkeit vorliegen.

Art der Anwendung

LITHIOFOR ist zum Einnehmen.

Die Retardtabletten sollen unzerkaut mit reichlich Wasser eingenommen werden.

4.3

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile,

akutes Nierenversagen, schwere Niereninsuffizienz, akuter Herzinfarkt, vorhandenes Brugada-Syndrom

oder familiärer Hintergrund von Brugada-Syndrom, ausgeprägte Hyponatriämie

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

LITHIOFOR sollte in folgenden Fällen nicht eingenommen werden, es sei denn, es handelt sich um eine

lebensbedrohliche psychiatrische Erkrankung und wenn andere therapeutische Maßnahmen erfolglos waren.

Außerdem sollte der Patient in diesen Fällen hospitalisiert sein und der Serumlithiumspiegel täglich

kontrolliert

werden:

leichter

mäßiger

Niereninsuffizienz,

Herzinsuffizienz,

unbehandelter

Schilddrüsenunterfunktion,

Morbus

Addison,

Myasthenia

gravis,

myeloische

Leukämie,

Psoriasis,

Erkrankungen, die eine natriumarme Diät erfordern, Herzrhythmusstörungen, angeborenem Long-QT-

Syndrom oder dieser Krankheit in der Familienanamnese und bei Patienten mit bekannter erworbener QT-

Verlängerung, Epilepsie sowie Störungen im Natriumhaushalt und Dehydratation.

Bei Patienten mit Risikofaktoren für eine QT-intervall-Verlängerung (z.B. nicht korrigierte Hypokaliämie,

Bradykardie) ist Vorsicht geboten, ebenso bei Patienten, die mit anderen Arzneimitteln behandelt werden,

die das QT-Intervall verlängern können (siehe Abschnitt 4.5 und 4.8).

Diuretika

andere

Antihypertensiva,

bestimmte

Antipsychotika

sowie

nichtsteroidale

entzündungshemmende Arzneimittel sollten nur unter besonderer Vorsicht während einer Lithiumtherapie

eingesetzt werden (siehe Abschnitt 4.5).

Hinweise:

einer

Narkose

oder Operation

sollten

Lithiumsalze

Stunden

vorher

abgesetzt

werden

(siehe

Abschnitt

4.5:

Wechselwirkungen

neuromuskulär

blockierenden

Substanzen).

Lithium

kann

anschließend sofort wieder angewendet werden, wenn die Nierenfunktion und der Elektrolythaushalt normal

sind.

Vor einer Elektrokrampftherapie sollten Lithiumsalze 48 Stunden vorher abgesetzt werden, um die Gefahr

eines Deliriums zu reduzieren. Dieses kann auftreten, wenn beide Therapien gleichzeitig angewendet

werden.

Kontrolluntersuchungen

Einer gründlichen körperlichen Untersuchung zu Beginn der Behandlung mit Lithiumsalzen sollte sich eine

sorgfältige

Überwachung

Patienten

während

Lithiumtherapie

anschließen.

Folgende

Untersuchungen sind durchzuführen:

Serumlithiumspiegel: Der Serumlithiumspiegel ist nach 8 Tagen der Lithiumtherapie zu bestimmen. Die

Bestimmung wird während des ersten Monats einmal wöchentlich wiederholt, danach im ersten halben

Jahr einmal monatlich und später in der Regel im vierteljährlichen Abstand. Längere Zwischenräume

können nur in Ausnahmefällen toleriert werden.

Bestimmung

Serumlithiumspiegel

sollte

möglichst

genau

Stunden

nach

letzten

Lithiumgabe

erfolgen.

Zweckmäßigerweise

wird

Bestimmung

Morgen

weiteren

Tablettengabe durchgeführt.

Serumkreatinin: Die Messung des Kreatinins im Serum sollte stets parallel zur Bestimmung der

Lithiumkonzentration erfolgen.

T3, T4, TSH: jährliche Bestimmung ggf. TRH-Test

Natrium, Kalium, Calciumbestimmung: jährlich

Blutbild: jährlich

Körpergewicht und Halsumfang: vierteljährlich

Blutdruckmessung

EKG: jährlich

EEG: bedarfsweise, bzw. bei Gefahr von Wechselwirkungen bei Kombinationsbehandlung (z.B. mit

Antipsychotika)

24-Stunden Urinvolumen, Kreatinin-Clearance: jährlich

Urinanalyse

ggf. Überprüfung der renalen Konzentrationsleistung (am. 28. Tag Desmopressin-Test).

Ultraschalluntersuchung der Nieren nach Langzeitbehandlung (mehr als 10 Jahre): jährlich

Kürzere

Untersuchungsintervalle

bzw.

außerplanmäßige

Kontrollen

des

Serumlithiumspiegels

können nötig sein bei:

Begleiterkrankungen, die zu einer Veränderung des Serumlithiumspiegels führen können (z.B. starkes

Erbrechen, hohes Fieber, heftige Durchfälle)

Gleichzeitiger

Gabe

Arzneimitteln,

Serumlithiumspiegel

beeinflussen

können

(siehe

Abschnitt 4.5)

Dosisänderung

Übergang von der Mehrfachgabe auf die Einmalgabe

Umstellung auf andere lithiumhaltige Arzneimittel

Da im Alter die glomeruläre Filtrationsrate abnimmt und damit die Gefahr einer Intoxikation größer wird,

ist bei älteren Patienten eine häufigere Kontrolle der Nierenfunktion notwendig.

Unregelmäßiger Nahrungsaufname

Hinweise:

Bei den ersten Anzeichen einer Intoxikation (siehe Abschnitt 4.9) sollte Lithium abgesetzt werden.

Auf eine ausreichende Kochsalz- und Flüssigkeitszufuhr ist zu achten. Dies gilt insbesondere für Patienten,

die sich einer Abmagerungskur oder einer Diät unterziehen.

Eine

Langzeittherapie

Lithium

kann

einhergehen

einer

Verminderung

renalen

Konzentrationsfähigkeit, die sich in einem nephrogenen Diabetes insipidus mit Polyurie und Polydipsie

äußert (siehe Abschnitt 4.8). In diesem Fall ist eine sorgfältige medizinische Betreuung notwendig, um eine

Dehydratation mit daraus resultierender Lithium-Retention und Toxizität zu vermeiden. Nach Absetzen von

Lithium ist dieser Zustand gewöhnlich reversibel.

Bei Langzeittherapie wurde sehr selten eine chronische tubulo-interstitielle Nephropathie beobachtet, die

irreversibel

sein

kann,

weshalb

Lithiumtherapie

eine

regelmäßige

Kontrolle

Nierenfunktion

empfohlen wird.

Nierentumoren:

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz, die über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren Lithium

erhalten haben, wurden Fälle von Mikrozysten, Onkozytomen und Karzinomen der Sammelrohre der Niere

berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Bei Patienten, die länger als 10 Jahre mit Lithium behandelt werden, sollten

regelmäßig Ultraschalluntersuchungen der Nieren durchgeführt werden (siehe Kontrolluntersuchungen).

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Da Lithium mit einer Vielzahl von Arzneimitteln interagieren kann, ist stets besondere Vorsicht geboten bei

gleichzeitiger Gabe mit anderen Arzneimitteln, insbesondere aber bei einer Kombination mit einem der im

Folgenden aufgeführten Arzneimittel (in diesen Fällen sind engmaschige Kontrollen des

Serumlithiumspiegels und ggf. eine Dosisanpassung erforderlich):

Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die den Lithiumspiegel erhöhen

Die gleichzeitige Behandlung mit folgenden Substanzen erhöht den Serumlithiumspiegel und kann zu einer

Lithiumtoxizität führen:

Thiazide, Kaliumsparende und Schleifendiuretika:

Erhöhung des Serumlithiumspiegels durch Verminderung der renalen Lithiumclearance.

Thiazide zeigen einen paradoxen antidiuretischen Effekt, der möglicherweise zur Wasserretention und

Lithiumintoxikation führt.

Metronidazol,

nichtsteroidale

entzündungshemmende

Arzneimittel

(z.B.

Diclofenac,

Indometacin)

inkl.

COX-2-Hemmer (z.B. Celecoxib) , ACE-Hemmer (z.B. Captopril, Enalapril), Angiotensin-II-Rezeptor-

Antagonisten, Beta-Blocker:

Erhöhung des Serumlithiumspiegels kann zur Lithiumtoxizität führen. Siehe Abschnitt 4.4.

Durch zusätzliche Gabe eines Betablockers (z.B. Propranolol) kann der unter der Lithiumbehandlung häufig

auftretende

Tremor

günstig

beeinflusst

werden;

andererseits

kann

aber

auch

durch

Gabe

Betablockers das Auftreten eines grobschlägigen Tremors, als Zeichen einer Lithiumintoxikation, maskiert

werden.

Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die den Lithiumspiegel erniedrigen

Eine Erniedrigung des Serumlithiumspiegels durch erhöhte Lithiumausscheidung kann bei gleichzeitiger

Behandlung mit folgenden Substanzen auftreten:

Harnstoff, Xanthinpräparate (z.B. Theophyllin-haltige Antiasthmatika; durchblutungsfördernde Mittel wie

Pentoxiphyllin, Xantinolnicotinat) , alkalisierende Substanzen (z.B. NaHCO

) und Calcitonin:

Erniedrigung des Serumlithiumspiegels durch erhöhte Lithiumausscheidung.

Osmotisch wirkende Diuretika, Carboanhydraseinhibitoren einschließlich Azetazolamid, Dorzolamid und

Brinzolamid:

Erniedrigung des Serumlithiumspiegels.

Wechselwirkungen mit Arzneimitteln, die Neurotoxizität verursachen

Die gleichzeitige Behandlung mit folgenden Arzneimitteln kann zum Auftreten von Neurotoxizität führen:

Antiepileptika (z.B. Phenytoin); Methyldopa; trizyklische Antidepressiva (z.B. Imipramin):

Erhöhung des Serumlithiumspiegels mit Gefahr von Neurotoxizität. Bei latenter Krampfbereitschaft ist

wegen der Gefahr zerebraler Anfälle die Kombination von Lithium und Imipramin mit Vorsicht

einzusetzen.

Antipsychotika (z.B. Haloperidol, Thioridazin, Clozapin):

Gehäuftes Auftreten von unerwünschten Wirkungen. Vor allem bei höherer Antipsychotika-Dosierung

sollte auf Nebenwirkungen der Arzneimittel besonders geachtet werden. Die gleichzeitige Anwendung von

Antipsychotika und Lithium kann das Risiko des Auftretens eines malignen neuroleptischen Syndroms

erhöhen, das tödlich verlaufen kann. Eine dem malignen neuroleptischen Syndrom ähnliche

Enzephalopathie – charakterisiert durch Schwäche, Lethargie, Fieber, Zittern, Verwirrtheit, Delirium,

Krampfanfälle und Häufung extrapyramidalmotorischer Symptome, Leukozytose, Anstieg der

Serumenzyme – ist in seltenen Fällen nach Kombinationsbehandlung mit Lithium und Antipsychotika

aufgetreten. Unter bestimmten Umständen hat dieses Syndrom zum irreversiblen Hirnschaden geführt.

Wegen eines möglichen Kausalzusammenhanges in diesen Fällen sollten die Patienten mit

Kombinationstherapie von Lithium und Antipsychotika engmaschig kontrolliert werden und bei ersten

Anzeichen einer Neurotoxizität sollten beide Arzneimittel sofort abgesetzt werden.

Arzneimittel, die den Serotonin-Stoffwechsel beeinflussen können (MAO-Hemmer, selektive Serotonin-

Wiederaufnahmehemmer, 5 HT-Agonisten):

Das Auftreten eines Serotonin-Syndroms (Bewusstseinsstörung, Ruhelosigkeit, Muskelzucken, gesteigerte

Reflexe, Schweißausbruch, Frösteln und Zittern) wurde beschrieben. In diesem Falle sind alle Arzneimittel

abzusetzen und ggf. eine medizinische Behandlung auf der Intensivstation einzuleiten.

Calcium-Antagonisten (z.B. Diltiazem, Verapamil):

Erhöhung der Lithiumtoxizität. Der Lithiumspiegel sollte deshalb im unteren therapeutischen Bereich

liegen.

Weitere Wechselwirkungen

Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung mit Arzneimitteln, die das QT-Intervall verlängern,

z.B. Antiarrhythmika Klasse IA (Chinidin, Disopyramid) oder Klasse III (Amiodaron, Sotalol), Cisaprid,

Antibiotika wie Erythromycin, Antipsychotika, wie beispielsweise Thioridazin oder Amisulprid.

Neuromuskulär blockierende Arzneimittel:

Verlängerung deren Wirkung durch Lithium (siehe Hinweis unter Abschnitt 4.4).

Kaliumjodid:

Verstärkung eines möglichen strumigenen Effekts des Lithiums.

Tetrazykline:

Sowohl Erhöhung als auch Erniedrigung des Serumlithiumspiegels wurden beschrieben.

Alkohol:

Alkohol könnte die Freisetzung des Wirkstoffes aus LITHIOFOR nachteilig beeinflussen; gleichzeitige

Einnahme sollte vermieden werden.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

LITHIOFOR sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, vor allem während des 1.

Trimesters, es sei denn, die Weiterbehandlung wird für dringend erforderlich gehalten.

Untersuchungen am Tier haben ein reproduktionstoxikologisches und teratogenes Potential von Lithium

gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Epidemiologische Daten deuten darauf hin, dass Lithium das fötale Risiko für

kardiale Anomalien, insbesondere das Ebstein-Syndrom und andere Anomalien, erhöht.

Vor Beginn der Behandlung mit LITHIOFOR ist das Bestehen einer Schwangerschaft auszuschließen,

während der Behandlung ist eine sichere Empfängnisverhütung zu gewährleisten. Wenn dennoch eine

Schwangerschaft eingetreten ist, kann die Behandlung mit Lithium dann fortgeführt werden, wenn es für die

Patientin unbedingt erforderlich erscheint. Eine sorgfältige Dosisanpassung muss durch den Arzt

vorgenommen werden und die Serumkonzentrationen von Lithium, die im Tagesverlauf auf gleichbleibend

niedrigem Niveau liegen sollen (siehe Abschnitt 4.2), müssen engmaschig kontrolliert werden. In der

Woche vor der Geburt soll die Dosis um 30-50% reduziert und bei Beginn der Wehentätigkeit vollständig

abgesetzt werden, um eine Erhöhung des Lithiumspiegels aufgrund der geburtsbedingten Veränderungen im

Wasser- und Elektrolythaushalt zu vermeiden. Nach der Geburt kann die ursprüngliche Therapie mit

LITHIOFOR fortgesetzt werden, da das Risiko eines Rezidivs der bipolaren Störung postpartum deutlich

erhöht ist.

Nach einer Behandlung im 1. Trimester wird eine sonographische Feindiagnostik und fetale

Echokardiographie empfohlen.

Neugeborene können Zeichen einer Lithiumintoxikation zeigen, wie Zyanose, Lethargie, schlaffer

Muskeltonus, Blutdruckabfall oder EKG-Veränderungen. Eine sorgfältige Überwachung des Neugeborenen

nach Lithium-Exposition in der Schwangerschaft ist erforderlich und Serumlithiumspiegel müssen, wenn

notwendig, genau kontrolliert werden. Darüber hinaus ist eine Hypothyreose auszuschließen.

Stillzeit

Da Lithium in die Muttermilch übergeht, sollte während der Stillzeit die Behandlung mit LITHIOFOR

eingestellt werden.

Bei Einnahme von LITHIOFOR nach der Geburt soll die Muttermilch in den ersten 2 Lebenswochen des

Neugeborenen abgepumpt und verworfen werden. Beim Säugling ist auf Vergiftungssymptome wie Zyanose,

Lethargie, Blutdruckabfall, EKG-Veränderungen zu achten, die Serumkonzentration von Lithium ist zu

kontrollieren und die Dehydratation des Säuglings ist unbedingt zu vermeiden.

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

LITHIOFOR kann auch bei bestimmungsgemäßen Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit verändern,

dass die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden. Dies

gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

4.8

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zu Grunde gelegt:

Sehr häufig (

1/10)

Häufig (

1/100, <1/10)

Gelegentlich (

1/1.000, <1/100)

Selten (

1/10.000, <1/1.000)

Sehr selten (<1/10.000)

Häufigkeit nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Die Häufigkeit des Auftretens und die Intensität der Nebenwirkungen ist im Allgemeinen vom

Serumlithiumspiegel und der individuellen Empfindlichkeit des Patienten auf Lithium abhängig. Die

therapeutische Breite zwischen therapeutischen und toxischen Dosen ist sehr eng.

Vorwiegend zu Beginn der Behandlung kann es zu den folgenden unerwünschten Wirkungen kommen,

die aber meist mit der Fortdauer der Behandlung oder nach Verringerung der Dosis abklingen:

Sehr häufig: feinschlägiger Tremor

Häufig: Polyurie, Polydipsie und Übelkeit

Insbesondere in den ersten 2 Jahren der Behandlung ist häufig eine Gewichtszunahme, z.T. dosisabhängig,

zu beobachten. (Dem Patienten sollte geraten werden, den Genuss kalorienreicher Speisen und Getränke zu

vermeiden.)

Auch bei therapeutischem Serumlithiumspiegel können Nebenwirkungen in folgenden Organsystemen

auftreten:

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems:

Häufigkeit nicht bekannt: Leukozytose

Endokrine Erkrankungen:

Häufig: Euthyreote Struma, Hypothyreose

Gelegentlich: Autoimmunthyreoiditis

Selten: Hyperthyreosen

Sehr selten: Hyperparathyreoidismus

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen:

Sehr häufig: Gewichtszunahme

Häufig: Hyperkalzämie, Hypermagnesiämie

Häufigkeit nicht bekannt: Hyperglykämie

Psychiatrische Erkrankungen:

Häufigkeit nicht bekannt: Halluzinationen, Somnolenz, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen

Erkrankungen des Nervensystems:

Sehr häufig: Tremor

Häufigkeit nicht bekannt: Muskelschwäche, Faszikulationen, unwillkürliche Bewegungen der Extremitäten,

Ataxie, choreoathetotische Bewegungen, hyperaktive Sehnenreflexe, extrapyramidalmotorische Symptome,

Ohnmacht, Krampfanfälle, verwaschene Sprache, Koordinationsstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel,

Benommenheit, Stupor, Bewusstlosigkeit, Geschmacksstörungen, Pseudotumor cerebri, Myasthenia gravis

Augenerkrankungen:

Häufig: Brennen, Juckreiz und Tränen der Augen

Häufigkeit nicht bekannt: Photophobie, Blepharospasmus, Apraxie, Gesichtsfeldausfälle, Nystagmus,

verschwommenes Sehen

Herzerkrankungen:

Sehr häufig: EKG-Veränderungen wie z.B. reversible Kurvenabflachung und T-Wellenumkehr

Selten: Arrhythmien (meist Bradykardie aufgrund von Sinusknotendysfunktion)

Sehr selten: Verlängerungen des QT-Intervalls

Gefässerkrankungen:

Häufigkeit nicht bekannt: Kreislaufversagen, Hypotonie, Ödeme, Raynaud-Syndrom, Demaskierung eines

vorhandenen Brugada-Syndroms.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts:

Sehr häufig: Metallischer Geschmack im Mund und Mundtrockenheit

Häufig: Anorexie, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Abdominalschmerz

Häufigkeit nicht bekannt: Gastritis sowie exzessive Speichelproduktion

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes:

Selten: Alopezie, akneiforme Dermatosen, Follikulitiden, Pruritus, Exazerbationen von Psoriasis, Quincke-

Ödem, Hautausschläge oder andere Zeichen von Überempfindlichkeit

Häufigkeit nicht bekannt: Lichenoide Arzneimittelreaktion

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen:

Häufigkeit nicht bekannt: Gelenk- und Muskelschmerzen

Erkrankungen der Nieren und Harnwege:

Initial Natrium- und Kaliumverlust durch die verminderte Natrium- und Kaliumreabsorption an den renalen

Tubuli. Innerhalb einer Woche sollte die Na

-Konzentration auf Ausgangsniveau zurückkehren.

Häufig: nephrogener Diabetes insipidus (siehe auch Abschnitt 4.4), verminderte glomeruläre Filtrationsrate

Sehr

selten:

nephrotisches

Syndrom,

progressive

Niereninsuffizienz.

Nach

langjähriger

Behandlung

beobachtete

morphologische

Nierenveränderungen

(z.B.

interstitielle

Fibrosen)

sind

Regel

unspezifisch.

Häufigkeit nicht bekannt: Harninkontinenz, Mikrozysten, Onkozytome und Karzinome der Sammelrohre

der Niere (bei Langzeitbehandlung) (siehe Abschnitt 4.4)

Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse:

Häufigkeit nicht bekannt: Impotenz/sexuelle Dysfunktion

Zur Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens siehe Abschnitt 4.7.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee

3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de, anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Symptome einer Überdosierung

Die Lithiumtoxizität korreliert mit dem Serumlithiumspiegel. Im Allgemeinen treten Intoxikationen bei

Serumlithiumspiegeln von 1,5 mmol/l an, verstärkt bei über 2,0 mmol/l auf, können aber bei empfindlichen

Patienten bereits bei normalem oder bei geringfügig erhöhtem Serumlithiumspiegel auftreten.

Warn- und Initialsymptome einer Lithiumvergiftung können sein: Polyurie, Polydipsie oder Durchfall,

Erbrechen, Dehydratation, Muskelschwäche, erhöhter Muskeltonus, unfreiwillige Muskelzuckungen,

Müdigkeit, Koordinations-, Konzentrations- und Artikulationsstörungen, Verwirrtheit, Somnolenz,

Nystagmus, Tremor, Hyperreflexie.

Bei höheren Serumlithiumspiegeln: Tinnitus, verschwommenes Sehen, Ataxie, Apathie, evtl.

kardiovaskuläre (Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkollaps) und renale Störungen (in seltenen Fällen ein

akutes Nierenversagen); in besonders schweren Fällen kann es zum zerebralen Anfall, zum Koma und zum

tödlichen Ausgang kommen.

Bei den ersten Anzeichen einer Intoxikation sollte Lithium abgesetzt werden.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Es gibt kein Antidot. Die Therapie einer Intoxikation sollte stationär durchgeführt werden. Regelmäßige

Kontrollen der Lithiumkonzentration z.B. im Abstand von 6 Stunden (der Serumlithiumspiegel sollte

innerhalb dieser Zeit um ca. 20% und nach 24 Stunden auf die Hälfte abfallen) sind von großer Bedeutung.

Neben EEG- und EKG-Kontrollen, Überwachung der Nierenfunktion sowie eine Infektionsprophylaxe ist

eine symptomatische Therapie mit Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr (Na

-Infusion!) angezeigt (Gabe von

natriuretischen Diuretika vermeiden!). Falls der Serumlithiumspiegel nicht rasch genug abfällt (z.B. durch

Ausscheidungsstörungen), der Allgemeinzustand des Patienten schlecht ist und/oder der

Serumlithiumspiegel bei 3 mmol/l oder höher liegt empfiehlt sich eine Hämodialyse oder - wenn keine

Möglichkeit dazu besteht – eine Peritonealdialyse.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Psycholeptika; Antipsychotika; Lithium

ATC-Code: N05A N01

Lithiumionen besitzen vielfältige Wirkungen auf Elektrolytverteilung, Intermediärstoffwechsel und

hormonelle Regulation. Es ist jedoch noch nicht geklärt, welche dieser Effekte für die therapeutische

Wirkung des Lithiums verantwortlich sind. Diskutiert wird ein Einfluss auf die Nervenzellmembranen und

somit die Neurotransmitter-Freisetzung, sowie eine Beeinflussung der Aminosäure-Konzentrationen des

Gehirnstoffwechsels. Im ZNS verhindert Lithium in therapeutischen Konzentrationen die durch

Depolarisation provozierte und von der Anwesenheit von Calcium abhängige Freisetzung von Noradrenalin

und Dopamin. Gleichzeitig erfolgt eine leichte Hemmung der Wiederaufnahme und damit eine gesteigerte

Inaktivierung dieser Katecholamine.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption:

Die Bioverfügbarkeit des Wirkstoffes Lithiumsulfat aus der Retardtablette Lithiofor beträgt 80 – 90%.

Lithiumsulfat wird nach oraler Anwendung innerhalb von 8 Stunden fast vollständig aus dem

Gastrointestinaltrakt resorbiert.

Verteilung:

Die maximalen Serumspiegel werden bei der retardierten Form nach etwa 4 Stunden erzielt. Bei der

Langzeittherapie wird nach 5 bis 7 Tagen das Plateau der Serumlithiumspiegel (steady state) erreicht. Die

Permeationsfähigkeit in die Zellen entspricht der des Natriums, infolge ihrer geringeren Affinität zu den

Ionenpumpen werden Lithiumionen jedoch wesentlich schlechter wieder aus den Zellen heraustransportiert.

Die Konzentration im Liquor entspricht 50% der Serumkonzentration. Lithiumionen werden nicht an

Plasmaeiweiße gebunden.

Elimination:

Die mittlere Plasmahalbwertszeit beträgt etwa 24 Stunden, unterliegt jedoch in Abhängigkeit von der

Natriumzufuhr, der Nierenfunktion und dem Lebensalter starken Schwankungen.

Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion wurden nach der Einnahme einer einzelnen Dosis eine initiale

Halbwertzeit von 0,8 bis 1,2 Stunden und eine Schlusshalbwertzeit von 20 bis 27 Stunden beobachtet.

Die Elimination erfolgt zu 95% renal. 80% werden tubulär rückresorbiert, die Clearance beträgt somit etwa

20% der Kreatinin-Clearance. Die Rückresorptionsrate im Tubulusapparat der Niere hängt vom

Natriumgehalt des Urins ab. Bei Natriummangel werden Lithiumionen massiv retiniert, bei hoher

Natriumkonzentration ist die Lithiumionenausscheidung geringgradig erhöht.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Die therapeutische Breite von Lithiumsulfat ist gering. Die ersten Symptome einer Intoxikation treten meist

schon bei Serumspiegeln über 1,5 bis 2,0 mmol/l auf.

Untersuchungen der subchronischen und chronischen Toxizität anderer Lithiumsalze am Versuchstier

ergaben Funktionsstörungen und Vergrößerungen der Schilddrüse, sowie Schädigungen der Niere und des

ZNS.

Untersuchungen am Tier ergaben Hinweise auf ein reproduktionstoxikologisches und teratogenes Potential

von Lithium. Bei Ratten, Mäusen und Schweinen wurden mehr intrauterine Resorptionen, kleinere Würfe

und postpartal weniger überlebende Neugeborene beobachtet, bei Ratten und Mäusen traten des Weiteren

Knochenmissbildungen auf.

Untersuchungen in vitro und in Versuchstieren zeigten, dass Lithiumverbindungen in einem sehr hohen,

zytotoxischen Dosisbereich Chromosomenmutationen induzieren können. Unter klinischen

Expositionsbedingungen ist das Auftreten solcher Effekte unwahrscheinlich.

Zum karzinogenen Potential von Lithium liegen keine gesicherten Daten vor.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Ammoniummethacrylat-Copolymer (Typ B) (Ph.Eur.),

Hypromellose,

Magnesiumstearat (Ph.Eur.)

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3

Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Nicht über 30

C lagern. In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu

schützen.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Blisterpackung (PVC/PE/PVdC-Folie und Aluminiumfolie)

Packungen zu 50 und 100 Retardtabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

Mitvertrieb:

Vifor France

Vifor Pharma Deutschland GmbH

100-101 Terrasse Boieldieu

Baierbrunner Str. 29

Tour Franklin La Défense 8

D-81379 München

F-92042 Paris La Défense Cedex

Tel. : 0049 89 324918 600

Tel. : 0033 1 41 06 58 90

Fax : 0049 89 324918 601

Fax : 0033 1 41 06 58 99

8.

ZULASSUNGSNUMMER(N)

5869.00.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 22. Mai 1985

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 17. Juli 2002

10.

STAND DER INFORMATION

November 2019

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