IMMUNINE 1200 I.E. Lyophilisat und Lösungsmittel

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen
Verfügbar ab:
Shire Deutschland GmbH
ATC-Code:
B02BD04
INN (Internationale Bezeichnung):
Human coagulation factor IX
Darreichungsform:
Lyophilisat und Lösungsmittel
Zusammensetzung:
Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen 1200I.E.
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
PEI.H.03595.03.1

Dokumenten

GEBRAUCHSINFORMATION: INFORMATION FÜR ANWENDER

IMMUNINE 1200 I.E.

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Anwendung dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter.

Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe

Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist IMMUNINE 1200 I.E. und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Anwendung von IMMUNINE 1200 I.E. beachten?

Wie ist IMMUNINE 1200 I.E. anzuwenden?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist IMMUNINE 1200 I.E. aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist IMMUNINE 1200 I.E.

und wofür wird es angewendet?

IMMUNINE ist ein Gerinnungsfaktor-IX-Konzentrat. Es ersetzt den bei Hämophilie B fehlenden oder

nicht funktionstüchtigen Faktor IX. Hämophilie B ist eine geschlechtsgebundene, erbliche Störung der

Blutgerinnung aufgrund erniedrigter Faktor-IX-Spiegel. Dies führt entweder spontan oder als Folge

einer Verletzung oder einer Operation zu starken Blutungen in Gelenken, Muskeln und inneren

Organen. Durch die Gabe von IMMUNINE wird der Faktor-IX-Mangel vorübergehend korrigiert und

die Blutungsneigung vermindert.

IMMUNINE dient zur Behandlung und Vorbeugung von Blutungen bei Patienten, die mit der

Bluterkrankheit Hämophilie B geboren wurden.

Die Anwendung von IMMUNINE ist bei Kindern ab 6 Jahren und bei Erwachsenen angezeigt.

Es liegen keine ausreichenden Daten vor, um die Anwendung von IMMUNINE bei Kindern unter

6 Jahren empfehlen zu können.

2.

Was sollten Sie vor der Anwendung von IMMUNINE 1200 I.E.

beachten?

IMMUNINE 1200 I.E.

darf nicht angewendet werden,

wenn Sie

allergisch

gegen den Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen oder einen der in

Abschnitt 6 genannten sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.

wenn Sie an einer

Verbrauchskoagulopathie

leiden

(auch bezeichnet als DIC, Disseminierte Intravasale Gerinnung). Dies ist ein lebensbedrohlicher

Zustand, bei dem es zu einer übermäßig stark ablaufenden Blutgerinnung mit ausgeprägter

Blutgerinnselbildung in den Blutgefäßen kommt.

wenn Sie an einer

Hyperfibrinolyse

leiden. Eine Hyperfibrinolyse besteht, wenn die

Blutgerinnung vermindert ist, weil die wichtige Gerinnungssubstanz Fibrin abgebaut wird.

wenn bei Ihnen eine Heparin-Allergie bekannt ist oder

schon einmal festgestellt wurde, dass die Anzahl der an der Blutgerinnung beteiligten Blutzellen

durch Heparin-Gabe stark zurück ging (

Heparin-induzierten Thrombopenie

Nach entsprechender Behandlung dieser Zustände darf IMMUNINE nur bei lebensbedrohlichen

Blutungen angewendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie IMMUNINE anwenden.

Wenn allergische Reaktionen auftreten:

Es besteht die seltene Möglichkeit, dass Sie eine schwere plötzliche allergische Reaktion

(anaphylaktische Reaktion) auf IMMUNINE entwickeln.

Brechen Sie die Infusion sofort ab und

rufen Sie umgehend Ihren Arzt

, wenn bei Ihnen eines der folgenden Symptome auftritt. Diese

Symptome könnten Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks sein und erfordern eine sofortige

Notfallbehandlung.

Hautrötung

Hautausschlag

Auftreten von Quaddeln auf der Haut (Nesselsucht)

Juckreiz am ganzen Körper

Anschwellen von Lippen und Zunge

Atembeschwerden/Atemnot

erschwertes Ein- und/oder Ausatmen infolge einer Einengung der Luftwege

(Stenose.Atmung)

Engegefühl in der Brust

allgemeines Unwohlsein

Schwindel

Blutdruckabfall

Bewusstseinsverlust

Wenn Überwachung erforderlich ist:

Um sicherzustellen, dass die gegenwärtige Dosierung ausreicht und Ihr Blut genügend Faktor

IX enthält, wird Ihr Arzt regelmäßig Ihr Blut untersuchen.

Um eventuelle Komplikationen zu erkennen, wird Ihr Arzt sie besonders überwachen

Wenn Sie hohe Dosen IMMUNINE erhalten

Wenn Sie zu Thrombosen neigen. In diesem Fall werden Sie weniger

Faktor IX (Wirkstoff von IMMUNINE) erhalten.

Wenn die Blutung weiter besteht:

Wenn die Blutung mit IMMUNINE nicht aufhört,

informieren Sie bitte sofort Ihren Arzt

. Sie

könnten Inhibitoren gegen Faktor IX entwickelt haben. Faktor-IX-Inhibitoren sind Antikörper

in Ihrem Blut, die die Wirkung von Faktor IX aufheben. Dies verringert die Wirksamkeit von

IMMUNINE bei der Behandlung von Blutungen. Ihr Arzt wird die notwendigen Tests

durchführen, um dies zu bestätigen.

Zwischen dem Auftreten von Faktor-IX-Inhibitoren und allergischen Reaktionen besteht

möglicherweise ein Zusammenhang. Patienten mit Faktor-IX-Inhibitoren können ein erhöhtes

Risiko für das Auftreten plötzlicher und schwerer allergischer Reaktionen (Anaphylaxie) haben.

Deshalb sollen Patienten, die eine allergische Reaktion entwickeln, auf die Anwesenheit eines

Faktor-IX-Inhibitors untersucht werden.

Virussicherheit

Bei der Herstellung von Arzneimitteln aus menschlichem Blut oder Plasma werden bestimmte

Maßnahmen durchgeführt, um einer Übertragung von Infektionen auf die Patienten vorzubeugen. Zu

diesen Maßnahmen gehören:

die sorgfältige Auswahl der Blut- und Plasmaspender, um mögliche Infektionsträger

auszuschließen,

die Testung jeder einzelnen Spende und jedes Plasmapools auf Anzeichen für

Viren/Infektionen,

Produktionsschritte zur wirksamen Inaktivierung und Entfernung von Viren.

Trotz dieser Maßnahmen kann die Möglichkeit der Infektionsübertragung bei der Verabreichung von

Arzneimitteln aus Blut oder Blutplasma nicht völlig ausgeschlossen werden. Dies trifft auch für

bislang unbekannte oder neu aufgetretene Viren oder andere Arten von Infektionen zu.

Die getroffenen Maßnahmen werden als wirksam erachtetet für umhüllte Viren, wie das humane

Immunschwächevirus (HIV), das Hepatitis B-Virus und das Hepatitis C-Virus, sowie für das nicht-

umhüllte Hepatitis A-Virus.

Für nicht-umhüllte Viren wie Parvovirus B19 (das Virus, das Ringelröteln verursacht) können diese

Maßnahmen möglicherweise nur begrenzt wirksam sein.

Parvovirus-B19-Infektionen können bei Schwangeren (Infektion des Fötus) und bei Personen mit

geschwächtem Immunsystem oder einigen Anämieformen (z. B. Sichelzellanämie oder hämolytische

Anämie) zu schweren Erkrankungen führen.

Ihr Arzt wird Ihnen möglicherweise die Impfung gegen Hepatitis A und B empfehlen, wenn Sie

regelmäßig oder wiederholt aus Blutplasma hergestellte Präparate einschließlich IMMUNINE 1200

I.E. erhalten.

Es wird dringend empfohlen, bei jeder Verabreichung von IMMUNINE

1200 I.E. den Produktnamen

und die Chargennummer zu notieren, um die Rückverfolgung der Chargen sicherzustellen.

Kinder

Die Anwendung von IMMUNINE bei Kindern unter 6 Jahren kann nicht empfohlen werden, da hier

nur unzureichende Daten vorliegen.

Anwendung von IMMUNINE 1200 I.E. zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel anwenden, kürzlich andere

Arzneimittel angewendet haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel anzuwenden.

Wechselwirkungen von IMMUNINE mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit

Bei Frauen tritt Hämophilie B sehr selten auf. Daher liegen über die Anwendung von IMMUNINE

während Schwangerschaft und Stillzeit bisher keine Erfahrungen vor. Auch zu den Auswirkungen von

IMMUNINE auf die Fortpflanzungsfähigkeit gibt es keine Erfahrungen.

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Anwendung dieses Arzneimittels Ihren Arzt um Rat. Ihr Arzt

wird entscheiden, ob Sie IMMUNINE in der Schwangerschaft oder Stillzeit anwenden können.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Es wurden keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen beobachtet.

IMMUNINE 1200 I.E. enthält Natriumchlorid und Natriumzitrat.

IMMUNINE 1200 I.E. enthält 41 mg Natrium (kalkulierter Wert) pro Durchstechflasche. Dies sollte

bei Patienten, die auf eine natriumarme Ernährung achten müssen, berücksichtigt werden.

3.

Wie ist IMMUNINE 1200 I.E.

anzuwenden?

Ihre Therapie sollte von einem in der Behandlung von Hämophilie B erfahrenen Arzt eingeleitet

und durchgeführt werden.

Ihr Arzt wird die für Sie geeignete Dosis bestimmen. Er wird die Dosis entsprechend Ihrer

besonderen Bedürfnisse berechnen. Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie den Eindruck

haben, dass die Wirkung von IMMUNINE 1200 I.E. zu stark oder zu schwach ist.

Anwendung bei Kindern

Die Anwendung von IMMUNINE bei Kindern unter 6 Jahren kann nicht empfohlen werden, da hier

nur unzureichende Daten vorliegen.

Überwachung durch Ihren Arzt

Ihr Arzt wird in regelmäßigen Abständen geeignete Labortests durchführen, um sicherzustellen, dass

Sie ausreichende Mengen an Faktor IX in Ihrem Blut haben. Dies ist besonders bei größeren

chirurgischen Eingriffen zur Behandlung lebensbedrohlicher Blutungen wichtig.

Patienten mit Inhibitoren

Falls trotz angemessener Dosis die erwarteten Faktor-IX-Spiegel im Blut nicht erreicht werden oder

die Blutung nicht aufhört, können Inhibitoren vorhanden sein. Ihr Arzt wird das Vorliegen von

Inhibitoren mit Hilfe geeigneter Tests überprüfen. Bei Bildung von Inhibitoren ist ein spezialisiertes

Hämophilie-Zentrum aufzusuchen.

Wenn Sie Faktor-IX-Inhibitoren entwickelt haben, besteht die Möglichkeit, dass Sie größere Mengen

IMMUNINE 1200 I.E. benötigen, um Blutungen zu kontrollieren. Wenn die Blutung auch dann nicht

beherrscht werden kann, wird Ihr Arzt ein anderes Produkt in Erwägung ziehen. Steigern Sie nicht die

Dosierung von IMMUNINE 1200 I.E. zur Kontrolle Ihrer Blutung, ohne Ihren Arzt zu befragen.

Häufigkeit der Verabreichung

Ihr Arzt wird Ihnen erklären, wie oft und in welchen Abständen Sie IMMUNINE 1200 I.E. anwenden

müssen. Er wird dies für Sie persönlich, abhängig von Ihrem Ansprechen auf IMMUNINE 1200 I.E.,

festlegen.

Art der Anwendung

IMMUNINE wird nach dem Auflösen mit dem beigepackten Lösungsmittel

langsam

in eine Vene

(intravenös) verabreicht.

IMMUNINE darf vor Verabreichung nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden. Dies kann die

Wirksamkeit und Sicherheit des Produktes beeinträchtigen.

Bitte befolgen Sie genau die Anweisungen Ihres Arztes.

Die Verabreichungsgeschwindigkeit richtet sich nach Ihrem Wohlbefinden und soll nicht mehr als 2

ml pro Minute betragen.

Verwenden Sie nur das mitgelieferte Applikationsset. Bei der Verwendung anderer Sets kann

IMMUNINE eventuell an der Innenseite des Infusionssets haften bleiben, was zu einer

fehlerhaften Dosierung führen kann.

Wenn Sie noch andere Medikamente über Ihren venösen Zugang erhalten,

muss

dieser unbedingt

vor und nach

der Verabreichung von IMMUNINE mit einer geeigneten Lösung, z. B.

physiologischer Kochsalzlösung, gespült werden.

Lösen Sie IMMUNINE erst unmittelbar vor der Verabreichung auf. Verwenden Sie die Lösung

danach unverzüglich (die Lösung enthält keine Konservierungsmittel).

Die Injektionslösung ist klar oder leicht milchig (opaleszent). Verwenden Sie keine Lösungen, die

eine stärkere Trübung oder sichtbare Teilchen aufweisen.

Entsorgen Sie nicht verwendetes, gelöstes Produkt sachgerecht.

Auflösung des Pulvers zur Herstellung einer Injektionslösung:

Achten Sie auf eine möglichst saubere und keimarme Arbeitsweise!

Erwärmen Sie die ungeöffnete Lösungsmittel-Durchstechflasche (Sterilisiertes Wasser für

Injektionszwecke) auf Raumtemperatur (max. 37 °C).

Entfernen Sie die Schutzkappen von den Durchstechflaschen mit Pulver und Lösungsmittel (Abb.

A) und desinfizieren Sie die Gummistopfen beider Durchstechflaschen.

Entfernen Sie durch Drehen das eine Ende der Schutzkappe von der beigepackten Transfernadel.

Stechen Sie nun mit der Nadel durch den Gummistopfen der Lösungsmittel-Durchstechflasche

(Abb. B und C).

Entfernen Sie das andere Ende der Schutzkappe von der Transfernadel. Achten Sie darauf, das

freie Ende nicht zu berühren!

Drehen Sie die Lösungsmittel-Durchstechflasche kopfüber um und stechen Sie nun das andere

Ende der Transfernadel durch den Gummistopfen der Pulver-Durchstechflasche (Abb. D). Durch

das Vakuum in der Pulverflasche wird das Lösungsmittel angesaugt.

Nachdem das Lösungsmittel vollständig in die Pulver-Durchstechflasche geflossen ist, entfernen

Sie die Lösungsmittel-Durchstechflasche mit der Transfernadel (Abb. E). Um den

Lösungsvorgang zu beschleunigen sollte die Pulver-Durchstechflasche sanft geschwenkt werden.

Nachdem das Pulver vollständig gelöst ist, stechen Sie die beigepackte Belüftungsnadel ein (Abb.

F), eventuell entstandener Schaum wird zusammenfallen. Danach entfernen Sie die

Belüftungsnadel.

Injektion/Infusion:

Achten Sie auf eine möglichst saubere und keimarme Arbeitsweise!

Entfernen Sie durch Drehen das eine Ende der Schutzkappe von der beigepackten Filternadel.

Stecken Sie die Nadel auf die sterile Einmalspritze und ziehen Sie die Lösung in die Spritze auf

(Abb. G).

Die Filternadel von der Spritze abziehen. Anschließend die Lösung langsam (max. 2 ml pro

Minute) mit dem mitgelieferten Infusionsset (bzw. beigepackte Einmalnadel) intravenös

verabreichen.

Bei der Infusion muss ein Einmal-Infusionsset mit einem geeigneten Filter verwendet werden.

Abb. A

Abb. B

Abb. C Abb. D Abb. E Abb. F Abb. G

Dauer der Behandlung

Normalerweise ist eine lebenslange Behandlung mit IMMUNINE 1200 I.E. erforderlich.

Wenn Sie eine größere Menge von IMMUNINE 1200 I.E.

angewendet haben, als Sie sollten

Bitte informieren Sie Ihren Arzt. Es wurden bislang keine Symptome durch Überdosierung mit Faktor

IX berichtet.

Wenn Sie die Anwendung von IMMUNINE 1200 I.E.

vergessen haben

Wenden Sie nicht die doppelte Menge an, wenn Sie die vorherige Anwendung vergessen haben.

Nehmen Sie sofort die nächste Anwendung vor und fahren Sie, wie von Ihrem Arzt angewiesen,

mit den regelmäßigen Intervallen fort.

Wenn Sie die Anwendung von IMMUNINE 1200 I.E. abbrechen

Holen Sie grundsätzlich den Rat Ihres Arztes ein, bevor Sie sich entscheiden, IMMUNINE

abzusetzen.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung des Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt

oder Apotheker.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Wenn folgende schwerwiegende Nebenwirkungen auftreten, sollten Sie dringend

medizinische Hilfe in Anspruch nehmen

Gefährliche allergische Reaktion (anaphylaktische Reaktion). Brechen Sie die Infusion sofort

ab und rufen Sie umgehend Ihren Arzt, wenn bei Ihnen eines der folgenden Symptome

auftritt. Seien Sie besonders wachsam, wenn Ihr Arzt bei Ihnen Inhibitoren im Blut festgestellt

hat.

Hautötung

Hautausschlag

Auftreten von Quaddeln auf der Haut (Nesselsucht)

Juckreiz am ganzen Körper

Anschwellen von Lippen und Zunge

Atembeschwerden/Atemnot

erschwertes Ein- und/oder Ausatmen infolge einer Einengung der Luftwege (Stenose-

Atmung)

Engegefühl in der Brust

allgemeines Unwohlsein

Schwindel

Blutdruckabfall

Bewusstseinsverlust

Plötzlich auftretende Haut- oder Schleimhautschwellung mit oder ohne Schluck- oder

Atembeschwerden (Angioödem).

Ausgeprägte Bildung von Blutgerinnseln in kleinen Blutgefäßen im Körper (Disseminierte

Intravasale Gerinnung (DIC))

Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)

Blutdruckabfall (Hypotonie)

thromboembolische Ereignisse (z. B. Verschluss einer Lungenvene durch ein Blutgerinnsel

[Lungenembolie], Blutgerinnselbildung in einer Vene [Venenthrombose],

Blutgerinnselbildung in einer Arterie [arterielle Thrombose], Blutgerinnselbildung in einer

Hirnarterie [Zerebralarterienthrombose])

Hautrötung

erschwertes Ein- und/oder Ausatmen infolge einer Einengung der Luftwege (Stenose-

Atmung)

Atemnot (Dyspnoe)

Eine bestimmte Nierenerkrankung mit Symptomen wie z. B. Schwellungen von Lidern,

Gesicht und Unterschenkel mit Gewichtszunahme, sowie Proteinverlust durch den Harn

(nephrotisches Syndrom)

Falls Ihr Arzt in Ihrem Blut Inhibitoren festgestellt hat, besteht bei Ihnen das Risiko einer sogenannten

Serumkrankheit

. Beenden Sie sofort die Infusion und rufen Sie Ihren Arzt, wenn bei Ihnen eines der

folgenden Symptome auftritt.

Hautausschlag

Juckreiz

Gelenkschmerzen (Arthralgie) vor allem in den Fingern und Zehen

Fieber

Lymphknotenschwellung (Lymphadenopathie)

Blutdruckabfall (Hypotonie)

Vergrößerung der Milz (Splenomegalie)

Weitere Nebenwirkungen

Gelegentlich auftretende Nebenwirkungen (kann bei bis zu 1 von 100 Personen auftreten)

Rachenreizung, Rachenschmerzen, trockener Husten

Ausschlag und Juckreiz

Fieber

Nebenwirkungen, deren Häufigkeit auf der Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

ist

Kopfschmerzen

Unruhe

Unwohlsein (Übelkeit)

Erbrechen

Nesselsucht am gesamten Körper (Urtikaria)

Schüttelfrost

Überempfindlichkeitsreaktionen

Brennen und Stechen an der Injektionsstelle

Antriebslosigkeit

Hitzewallungen

Engegefühl in der Brust

Folgende Nebenwirkungen wurden bei Produkten derselben Produktgruppe beobachtet:

Empfindungsstörung bzw. verminderte Empfindung (Parästhesie).

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder das medizinische

Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben

sind. Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische

Arzneimittel, Paul-Ehrlich-Institut, Paul-Ehrlich-Str. 51-59, 63225 Langen, Tel: +49 6103 77 0, Fax:

+49 6103 77 1234, Website: www.pei.de anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie

dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung

gestellt werden.

5.

Wie ist IMMUNINE 1200 I.E.

aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Etikett und dem Umkarton angegebenen

Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten Tag des

angegebenen Monats.

Im Kühlschrank lagern (2 °C – 8 °C). Nicht einfrieren.

Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

IMMUNINE 1200 I.E. kann innerhalb der Laufzeit einmalig bei Raumtemperatur (maximal 25 °C)

gelagert werden. Dies ist jedoch auf 3 Monate beschränkt. Beginn und Ende der

Raumtemperaturlagerung (maximal 25 °C) sind auf der Produktschachtel zu vermerken. Sie müssen

IMMUNINE aber innerhalb dieser 3 Monate verwenden. Wenn Sie das Arzneimittel dann nicht

verwendet haben, müssen Sie es nach Ablauf der 3 Monate verwerfen. Legen Sie IMMUNINE nicht

wieder in den Kühlschrank zurück.

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie

das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der

Umwelt bei.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was IMMUNINE 1200 I.E. enthält

Pulver

Der Wirkstoff ist Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen. Eine Durchstechflasche enthält 1200

I.E. Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen.

1 ml der gebrauchsfertigen Lösung enthält nach dem Auflösen in 10 ml Sterilisiertem Wasser

für Injektionszwecke 120 I.E./ml Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen.

Die sonstigen Bestandteile sind Natriumchlorid und Natriumzitrat.

Lösungsmittel

Sterilisiertes Wasser für Injektionszwecke

Wie IMMUNINE 1200 I.E.

aussieht und Inhalt der Packung

IMMUNINE 1200 I.E. ist ein weißes oder hellgelbes Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung.

Nach Auflösen im beigepackten Lösungsmittel (Sterilisiertes Wasser für Injektionszwecke) ist die

Lösung klar oder leicht milchig (opaleszent). Das Arzneimittel nicht verwenden, falls die Lösung

Partikel enthält oder verfärbt bzw. getrübt ist. In diesem Fall wenden Sie sich bitte an den

Kundenservice von Baxter.

Packungsgröße

: 1 x 1200 I.E.

Jede Packung enthält

Durchstechflasche mit 1200 I.E. IMMUNINE

Durchstechflasche mit 10 ml Sterilisiertem Wasser für

Injektionszwecke

Transfernadel

Belüftungsnadel

Filternadel

Einmalnadel

Einmalspritze (10 ml)

Infusionsset

Pharmazeutischer Unternehmer

Shire Deutschland GmbH

Friedrichstr. 149

10117 Berlin

Hersteller

BAXTER AG

Industriestraße 67

A-1221 Wien

Österreich

Takeda Manufacturing Austria AG

Industriestraße 67

A-1221 Wien

Österreich

Zulassungsnummer:

PEI.H.03595.03.1

Herkunftsländer der zur Produktion verwendeten Plasmen:

Deutschland, Estland, Finnland, Österreich, Schweden, Schweiz, Tschechien, Ungarn und Vereinigte

Staaten von Amerika.

Dieses Arzneimittel ist in den Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR)

unter den folgenden Bezeichnungen zugelassen:

Österreich

Immunine 1200 I.E. – Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer

Injektionslösung

Bulgarien

Immunine 1200 IU

Tschechien

Immunine 1200 IU

Estland

Immunine

Deutschland

IMMUNINE 1200 I.E.

Italien

Fixnove

Lettland

Immunine 1200 SV pulveris un šķīdinātājs injekciju vai infūziju šķīduma

pagatavošanai

Litauen

Immunine 1200 TV milteliai ir tirpiklis injeciniam tirpalui

Niederlande

Immunine

Norwegen

Immunine 1200 IE

Polen

Immunine 1200 IU

Portugal

Immunine 1200 IU

Rumänien

Immunine 1200 IU

Slowakei

Immunine 1200 IU

Slowenien

Immunine 1200 IU

Spanien

Immunine 1200 IU

Schweden

Immunine 1200 IE

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Dezember 2019.

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Die folgenden Informationen sind für medizinisches Fachpersonal bestimmt:

Dosierung und Art der Anwendung

Die Behandlung sollte unter der Aufsicht eines mit der Therapie der Hämophilie erfahrenen Arztes

eingeleitet werden.

Dosierung

Dosierung und Dauer der Substitutionstherapie richten sich nach dem Schweregrad des Faktor-IX-

Mangels, dem Ort und Ausmaß der Blutung und dem klinischen Zustand des Patienten.

Die verabreichten Faktor-IX-Einheiten werden in Internationalen Einheiten (I.E.) angegeben, die vom

aktuellen WHO-Standard für Faktor-IX-Produkte abgeleitet sind. Die Faktor-IX-Aktivität im Plasma

wird entweder als Prozentsatz (relativ zum normalen menschlichen Plasma) oder in Internationalen

Einheiten (relativ zum internationalen Standard für Faktor-IX-Konzentrate im Plasma) angegeben.

Eine Internationale Einheit (I.E.) Faktor-IX-Aktivität entspricht der Menge an Faktor IX in 1 ml

normalem menschlichen Plasma.

Bedarfsbehandlung

Die Berechnung der erforderlichen Faktor-IX-Dosis basiert auf der empirischen Erkenntnis, dass

1 Internationale Einheit (I.E.) Faktor IX pro kg Körpergewicht bei Patienten ab 12 Jahren die Faktor-

IX-Aktivität im Plasma um ca. 1,1 % der normalen Aktivität erhöht.

Die benötigte Dosis wird mit folgender Formel berechnet:

Benötigte Einheiten = Körpergewicht (kg) x gewünschter Faktor-IX-Anstieg (%) (IE/dl) x 0,9

Dosis und Häufigkeit der Verabreichung sollten sich immer nach der klinischen Wirksamkeit des

Produktes im Einzelfall richten. Faktor-IX-Produkte müssen nur selten mehr als 1 x pro Tag

verabreicht werden.

Bei folgenden hämorrhagischen Ereignissen darf die Faktor-IX-Aktivität im entsprechenden Zeitraum

nicht unter den angegebenen Plasmaspiegel (in % der Norm oder in I.E./dl) sinken.

Die folgende Tabelle enthält Richtwerte für die Dosierung bei Blutungen und chirurgischen

Eingriffen:

Grad der Blutung / Art des

chirurgischen Eingriffs

Erforderlicher Faktor-

IX-Plasmaspiegel (% des

Normalwertes) (I.E./dl)

Häufigkeit der Dosierung (Stunden) /

Behandlungsdauer (Tage)

Blutung

Frühstadium von Gelenks- oder

Muskelblutung, oder Blutung in

der Mundhöhle

20 – 40

Alle 24 Stunden wiederholen. Mindestens 1

Tag, bis die Blutung (angezeigt durch

Schmerzen), zum Stehen gekommen, oder

die Wundheilung erreicht ist.

Ausgeprägtere Gelenkblutung,

Muskelblutung oder Hämatom

30 – 60

Infusion alle 24 Stunden wiederholen; für

normalerweise 3 – 4 Tage oder länger, bis

die Schmerzen und die akute

Beeinträchtigung beseitigt sind.

Lebensbedrohliche Blutungen

wie bei Eingriffen am Kopf,

Blutungen in den Hals, starken

Blutungen im Abdomen

60 – 100

Infusion alle 8 – 24 Stunden wiederholen,

bis die Gefahr für den Patienten vorüber ist.

Chirurgische Eingriffe

Kleinere Eingriffe

einschließlich Zahnextraktion

30 – 60

Alle 24 Stunden; mindestens 1 Tag, bis die

Wundheilung erreicht ist.

Größere Eingriffe

80 – 100

(prä- und postoperativ)

Die Infusion alle 8 – 24 Stunden wieder-

holen, bis eine adäquate Wundheilung

erreicht ist; anschließend eine Behandlungs-

dauer von mindestens 7 weiteren Tagen, um

eine Faktor IX Aktivität von 30 – 60 %

(I.E./dl) aufrecht zu erhalten.

Prophylaxe

Zur Langzeitprophylaxe von Blutungen bei Patienten mit schwerer Hämophilie B liegen die üblichen

Dosen zwischen 20 und 40 I.E. FIX/kg im Abstand von 3 – 4 Tagen.

In manchen Fällen, besonders bei jüngeren Patienten, können kürzere Dosierungsabstände oder höhere

Dosen erforderlich sein.

Es wird empfohlen, den Faktor IX-Plasmaspiegel während des Behandlungsverlaufs in geeigneter

Weise zu überwachen, damit die zu verabreichende Dosis und die Häufigkeit wiederholter Infusionen

festgelegt werden können. Besonders bei größeren chirurgischen Eingriffen ist eine genaue

Überwachung der Substitutionstherapie durch Bestimmung des Blutgerinnungsstatus (Faktor-IX-

Aktivität im Plasma) unerlässlich. Patienten können auf die Faktor IX-Gabe unterschiedlich

ansprechen. Dies zeigt sich in unterschiedlichen Werten der

in-vivo

-Recovery und unterschiedlichen

Halbwertzeiten.

Kinder und Jugendliche

Basierend auf den verfügbaren klinischen Daten kann eine Dosierungsempfehlung für Patienten ab 12

Jahren gegeben werden. In der Altersgruppe von 6 bis 12 Jahren reichen die verfügbaren klinischen

Daten nicht aus, um eine Dosierungsempfehlung geben zu können.

Nebenwirkungen

Besondere Patientengruppen

Die Anwendung von IMMUNINE wurde bei Kindern und Jugendlichen in den Patientengruppen 6 bis

12 Jahre und über 12 Jahre mit Hämophilie B untersucht. Das Sicherheitsprofil war vergleichbar mit

dem bei Erwachsenen.

Zusätzlich wurde die Anwendung von IMMUNINE in 2 nicht-interventionellen Studien bei Patienten

mit Hämophilie B untersucht, und zwar auch bei Kindern bis zu 6 Jahren und bei Patienten zwischen 0

und 64 Jahren. Die Sicherheit von IMMUNINE bei Kindern bis zu 6 Jahren war vergleichbar mit der

Sicherheit bei Kindern über 6 Jahren und bei Erwachsenen.

FACHINFORMATION

(Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels)

1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

IMMUNINE 600 I.E. / 1200 I.E.

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Wirkstoff: Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen

Jede Durchstechflasche mit Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung enthält nominell 600 I.E.

(IMMUNINE 600 I.E.) oder 1200 I.E. (IMMUNINE 1200 I.E.) Blutgerinnungsfaktor IX vom

Menschen.

1 ml Lösung IMMUNINE enthält nach Rekonstitution in 5 ml (IMMUNINE 600 I.E.) oder 10 ml

(IMMUNINE 1200 I.E.) sterilisiertem Wasser für Injektionszwecke ca. 120 I.E. Blutgerinnungsfaktor

IX vom Menschen.

Die Aktivität (I.E.) von Faktor IX wurde mit Hilfe des in der Europäischen Pharmakopöe

beschriebenen Einstufen-Gerinnungstests bestimmt.

Hergestellt aus dem Plasma humaner Spender.

Die spezifische Aktivität von IMMUNINE ist mindestens 50 I.E. Faktor IX/mg Protein.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung.

Weiße bis hellgelbe, gefriergetrocknete, pulvrige oder kompakte Trockensubstanz.

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Therapie und Prophylaxe von Blutungen bei Patienten mit Hämophilie B (angeborener Faktor-IX-

Mangel).

IMMUNINE ist für die Anwendung in allen Altersgruppen – bei Kindern älter als 6 Jahre bis hin zu

Erwachsenen – indiziert.

Die Anwendung von IMMUNINE bei Kindern unter 6 Jahren kann nicht empfohlen werden, da hierzu

nur unzureichende Daten vorliegen.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Die Behandlung sollte unter der Aufsicht eines mit der Therapie der Hämophilie erfahrenen Arztes

eingeleitet werden.

Dosierung

Dosierung und Dauer der Substitutionstherapie richten sich nach dem Schweregrad des Faktor-IX-

Mangels, dem Ort und Ausmaß der Blutung und dem klinischen Zustand des Patienten.

Die verabreichten Faktor-IX-Einheiten werden in Internationalen Einheiten (I.E.) angegeben, die vom

aktuellen WHO-Standard für Faktor-IX-Produkte abgeleitet sind. Die Faktor-IX-Aktivität im Plasma

wird entweder als Prozentsatz (relativ zum normalen menschlichen Plasma) oder in Internationalen

Einheiten (relativ zum internationalen Standard für Faktor-IX-Konzentrate im Plasma) angegeben.

Eine Internationale Einheit (I.E.) Faktor-IX-Aktivität entspricht der Menge an Faktor IX in 1 ml

normalem menschlichen Plasma.

Bedarfsbehandlung

Die Berechnung der erforderlichen Faktor-IX-Dosis basiert auf der empirischen Erkenntnis, dass

1 Internationale Einheit (I.E.) Faktor IX pro kg Körpergewicht bei Patienten ab 12 Jahren die Faktor-

IX-Aktivität im Plasma um ca. 1,1 % der normalen Aktivität erhöht.

Die benötigte Dosis wird mit folgender Formel berechnet:

Benötigte Einheiten = Körpergewicht (kg) x gewünschter Faktor-IX-Anstieg (%) (IE/dl) x 0,9

Dosis und Häufigkeit der Verabreichung sollten sich immer nach der klinischen Wirksamkeit des

Produktes im Einzelfall richten. Faktor-IX-Produkte müssen nur selten mehr als 1 x pro Tag

verabreicht werden.

Bei folgenden hämorrhagischen Ereignissen darf die Faktor-IX-Aktivität im entsprechenden Zeitraum

nicht unter den angegebenen Plasmaspiegel (in % der Norm oder in I.E./dl) sinken.

Die folgende Tabelle enthält Richtwerte für die Dosierung bei Blutungen und chirurgischen

Eingriffen:

Grad der Blutung / Art des

chirurgischen Eingriffs

Erforderlicher Faktor-

IX-Plasmaspiegel (% des

Normalwertes) (I.E./dl)

Häufigkeit der Dosierung (Stunden) /

Behandlungsdauer (Tage)

Blutung

Frühstadium von Gelenks- oder

Muskelblutung, oder Blutung in

der Mundhöhle

20 – 40

Alle 24 Stunden wiederholen. Mindestens 1

Tag, bis die Blutung (angezeigt durch

Schmerzen), zum Stehen gekommen, oder

die Wundheilung erreicht ist.

Ausgeprägtere Gelenkblutung,

Muskelblutung oder Hämatom

30 – 60

Infusion alle 24 Stunden wiederholen; für

normalerweise 3 – 4 Tage oder länger, bis

die Schmerzen und die akute

Beeinträchtigung beseitigt sind.

Lebensbedrohliche Blutungen

wie bei Eingriffen am Kopf,

Blutungen in den Hals, starken

Blutungen im Abdomen

60 – 100

Infusion alle 8 – 24 Stunden wiederholen,

bis die Gefahr für den Patienten vorüber ist.

Chirurgische Eingriffe

Kleinere Eingriffe

einschließlich Zahnextraktion

30 – 60

Alle 24 Stunden; mindestens 1 Tag, bis die

Wundheilung erreicht ist.

Größere Eingriffe

80 – 100

(prä- und postoperativ)

Die Infusion alle 8 – 24 Stunden wieder-

holen, bis eine adäquate Wundheilung

erreicht ist; anschließend eine Behandlungs-

dauer von mindestens 7 weiteren Tagen, um

eine Faktor IX Aktivität von 30 – 60 %

(I.E./dl) aufrecht zu erhalten.

Prophylaxe

Zur Langzeitprophylaxe von Blutungen bei Patienten mit schwerer Hämophilie B liegen die üblichen

Dosen zwischen 20 und 40 I.E. FIX/kg im Abstand von 3 – 4 Tagen.

In manchen Fällen, besonders bei jüngeren Patienten, können kürzere Dosierungsabstände oder höhere

Dosen erforderlich sein.

Es wird empfohlen, den Faktor IX-Plasmaspiegel während des Behandlungsverlaufs in geeigneter

Weise zu überwachen, damit die zu verabreichende Dosis und die Häufigkeit wiederholter Infusionen

festgelegt werden können. Besonders bei größeren chirurgischen Eingriffen ist eine genaue

Überwachung der Substitutionstherapie durch Bestimmung des Blutgerinnungsstatus (Faktor-IX-

Aktivität im Plasma) unerlässlich. Patienten können auf die Faktor IX-Gabe unterschiedlich

ansprechen. Dies zeigt sich in unterschiedlichen Werten der

in-vivo

-Recovery und unterschiedlichen

Halbwertzeiten.

Kinder und Jugendliche

Die verfügbaren Daten zu Kindern und Jugendlichen sind in Abschnitt 4.8 „Nebenwirkungen“ unter

der neuen Überschrift „Besondere Patientengruppen“ und in Abschnitt 5.2 „Pharmakokinetische

Eigenschaften“ beschrieben. Basierend auf den verfügbaren klinischen Daten kann eine

Dosierungsempfehlung für Patienten ab 12 Jahren gegeben werden. In der Altersgruppe von 6 bis 12

Jahren reichen die verfügbaren klinischen Daten nicht aus, um eine Dosierungsempfehlung geben zu

können.

Art der Anwendung

Intravenöse Verabreichung. Die Infusionsgeschwindigkeit sollte nicht mehr als 2 ml pro Minute

betragen.

Hinweise zur Rekonstitution des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.

4.3 Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.

Disseminierte Intravasale Gerinnung (DIC) und/oder Hyperfibrinolyse.

Bekannte Heparin-Allergie oder Heparin-induzierte Thrombopenie in der Anamnese.

Nach entsprechender Abklärung dieser Erkrankungen darf IMMUNINE nur bei lebensbedrohlichen

Blutungen verabreicht werden.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Überempfindlichkeit

Unter der Anwendung von IMMUNINE können allergische Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten.

Das Produkt enthält außer Faktor IX Spuren anderer menschlicher Plasmaproteine. Die Patienten sind

anzuweisen, beim Auftreten von Symptomen einer Überempfindlichkeitsreaktion die Behandlung

sofort abzubrechen und ihren Arzt zu kontaktieren. Die Patienten und/oder ihre Betreuer sind über die

frühen Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion wie Nesselausschlag, generalisierte Urtikaria,

Engegefühl in der Brust, Stenose-Atmung, Hypotonie und Anaphylaxie aufzuklären. Im Falle eines

Schocks ist eine Schocktherapie nach aktuellem medizinischem Standard durchzuführen.

Inhibitoren

Nach wiederholter Gabe humaner Blutgerinnungsfaktor-IX-Produkte sollten die Patienten auf die

Bildung neutralisierender Antikörper (Inhibitoren) hin überwacht werden. Inhibitoren sind unter

Verwendung geeigneter biologischer Tests in Bethesda-Einheiten (B.E.) zu quantifizieren.

Falls die erwarteten Faktor-IX-Plasmaaktivitäten nicht erreicht werden oder die Blutung mit einer

angemessenen Dosis nicht beherrscht werden kann, muss ein Test zur Bestimmung von Faktor-IX-

Inhibitoren durchgeführt werden. Bei Patienten mit hohen Inhibitorwerten ist die Faktor-IX-Therapie

möglicherweise nicht wirksam, so dass andere therapeutische Maßnahmen erwogen werden müssen.

Die Behandlung dieser Patienten sollte unter der Anleitung von Ärzten erfolgen, die über Erfahrung in

der Behandlung von Patienten mit Hämophilie verfügen. Aus diesem Grund sollte ein spezialisiertes

Hämophilie-Zentrum kontaktiert werden.

In der Literatur wird von einem Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Faktor-IX-Inhibitoren

und allergischen Reaktionen berichtet. Es ist zu beachten, dass bei Patienten mit Faktor-IX-Inhibitoren

bei erneuter Exposition gegenüber Faktor IX ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Anaphylaxie

besteht.

Wegen des Risikos allergischer Reaktionen auf Faktor-IX-Produkte sollten die ersten Faktor-IX-

Gaben nach Ermessen des behandelnden Arztes unter medizinischer Aufsicht erfolgen, so dass eine

mögliche allergische Reaktion angemessen behandelt werden kann.

Thromboembolie, DIC, Fibrinolyse

Da bei Verwendung von Faktor-IX-Konzentraten in der Vergangenheit thromboembolische

Komplikationen beobachtet wurden, wobei das Risiko bei weniger gut gereinigten Produkten höher

ist, kann die Gabe von Faktor-IX-Produkten für Patienten mit Zeichen einer Fibrinolyse oder einer

Disseminierten Intravasalen Gerinnung (DIC) eine potentielle Gefährdung darstellen. Wegen des

möglichen Risikos thromboembolischer Komplikationen ist bei Patienten mit Lebererkrankungen,

Thrombophilie, Hyperkoagulabilität, Angina pectoris, einer Koronarerkrankung oder einem akuten

Myokardinfarkt sowie bei postoperativen Patienten, Frühgeborenen, Neugeborenen oder bei Patienten,

bei denen das Risiko für eine Thrombose oder Verbrauchskoagulopathie besteht, eine klinische

Beobachtung, einschließlich geeigneter Testverfahren, erforderlich, um Frühzeichen einer

thromboembolischen Komplikation oder einer Verbrauchskoagulopathie festzustellen. In den

genannten Fällen muss der Nutzen der Behandlung mit IMMUNINE gegen das mögliche Risiko dieser

Komplikationen abgewogen werden.

Bei Verdacht auf DIC ist die Substitutionstherapie mit IMMUNINE unverzüglich zu beenden.

Virussicherheit

Standardmaßnahmen zur Vorbeugung von Infektionen, die sich durch den Einsatz von

Arzneimitteln ergeben, die aus Humanblut oder Humanplasma hergestellt sind, schließen die

Auswahl der Spender und das Screening der einzelnen Spenden und Plasmapools auf

spezifische Infektionsmarker sowie effektive Schritte zur Inaktivierung/Entfernung von Viren

im Herstellungsverfahren ein. Dennoch kann bei der Verabreichung von Arzneimitteln aus

Humanblut oder Humanplasma die Möglichkeit der Übertragung von Infektionserregern nicht

völlig ausgeschlossen werden. Dies gilt auch für bislang unbekannte oder neu aufgetretene

Viren und andere Pathogene.

Die getroffenen Maßnahmen werden als wirksam erachtet für umhüllte Viren wie das humane

Immunschwächevirus (HIV), das Hepatitis-B-Virus (HBV), das Hepatitis-C-Virus (HCV) und

für das nicht-umhüllte Hepatitis-A-Virus (HAV).

Die getroffenen Maßnahmen sind für nicht-umhüllte Viren wie das Parvovirus B19

möglicherweise nur begrenzt wirksam. Eine Infektion mit dem Parvovirus B19 kann

schwerwiegende Folgen bei Schwangeren (fetale Infektion) und bei Menschen mit

Immunschwäche oder gesteigertem Erythrozytenumsatz (z. B. bei hämolytischer Anämie)

haben.

Wird ein aus menschlichem Plasma hergestelltes Faktor-IX-Konzentrat regelmäßig oder

wiederholt verabreicht, müssen geeignete Impfungen (Hepatitis A und B) in Betracht gezogen

werden.

Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung

Natriumgehalt

IMMUNINE 600 I.E. enthält 20 mg Natrium pro Durchstechflasche (berechneter Wert).

IMMUNINE 1200 I.E. enthält 41 mg Natrium pro Durchstechflasche (berechneter Wert).

Dies ist bei Patienten unter natriumarmer Diät zu berücksichtigen.

Es wird dringend empfohlen, jede Verabreichung von IMMUNINE mit Produktnamen und

Chargenbezeichnung zu dokumentieren, um die Verbindung zwischen Patient und verwendeter

Produktcharge herstellen zu können.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Es wurden keine Wechselwirkungsstudien mit IMMUNINE durchgeführt.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Reproduktionsstudien an Tieren wurden mit Faktor IX nicht durchgeführt. Aufgrund des seltenen

Auftretens der Hämophilie B bei Frauen liegen über die Anwendung von Faktor-IX-Konzentraten

während der Schwangerschaft und Stillzeit keine Erfahrungen vor. IMMUNINE darf daher in der

Schwangerschaft und Stillzeit nur bei eindeutiger Indikationsstellung angewendet werden.

Die Auswirkungen von IMMUNINE auf die Fertilität wurden nicht untersucht.

Bezüglich des Risikos einer Infektion mit dem Parvovirus B19 lesen Sie bitte in Abschnitt 4.4 den

Warnhinweis unter der Überschrift „Virussicherheit“.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Es wurden keine Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen beobachtet.

4.8 Nebenwirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Überempfindlichkeitsreaktionen oder allergische Reaktionen (u. a. Angioödem, Brennen oder Stechen

an der Infusionsstelle, Schüttelfrost, Flush, generalisierte Urtikaria, Kopfschmerzen, Nesselsucht,

Hypotonie, Lethargie, Übelkeit, Ruhelosigkeit, Tachykardie, Engegefühl in der Brust, Kribbeln,

Erbrechen, Stenoseatmung) wurden in eher seltenen Fällen bei Patienten, die mit Faktor-IX-haltigen

Produkten behandelt wurden, beobachtet.

In manchen Fällen entwickelten sich diese Reaktionen zu einer schweren Anaphylaxie. Diese

Reaktionen traten in enger zeitlicher Verbindung mit der Bildung von Faktor-IX-Inhibitoren auf (siehe

auch Abschnitt 4.4).

Bei Hämophilie B-Patienten mit Faktor-IX-Inhibitoren und allergischen Reaktionen in der Anamnese

wurde über das Auftreten eines nephrotischen Syndroms nach versuchter Immuntoleranzinduktion

berichtet.

In seltenen Fällen wurde Fieber beobachtet.

Patienten mit Hämophilie B können neutralisierende Antikörper (Inhibitoren) gegen Faktor IX bilden

(siehe Abschnitt 4.4). Falls solche Inhibitoren auftreten, manifestiert sich dieser Zustand als eine

unzureichende klinische Antwort. Es wird empfohlen, in diesen Fällen ein spezialisiertes Hämophilie-

Zentrum zu kontaktieren.

Es besteht ein potenzielles Risiko für das Auftreten thromboembolischer Ereignisse nach der

Anwendung von Faktor-IX-Produkten, wobei das Risiko bei Präparaten mit geringerer Reinheit höher

ist. Die Anwendung von weniger reinen Faktor-IX-Produkten wurde mit Fällen von Myokardinfarkt,

Disseminierter Intravasaler Gerinnung, Venenthrombose und Lungenembolie in Zusammenhang

gebracht. Hochgereinigte Faktor-IX-Produkte wurden mit solchen Nebenwirkungen nur selten in

Verbindung gebracht.

Zur Virussicherheit siehe Abschnitt 4.4.

Tabellarische Zusammenfassung der Nebenwirkungen

Die nachstehende Tabelle entspricht den Systemorganklassen gemäß MedDRA-Datenbank (Angaben

nach SOC und bevorzugtem Terminus).

Die Liste der Nebenwirkungen beruht auf den Meldungen aus sechs klinischen Studien, die mit

IMMUNINE bei 197 Patienten durchgeführt worden sind, sowie auf Spontanmeldungen im Rahmen

der Pharmakovigilanz nach der Zulassung.

Die Häufigkeitsangaben entsprechen der folgenden Konvention: Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100;

<1/10), gelegentlich (≥1/1.000; <1/100), selten (≥1/10.000; <1/1.000), sehr selten (<1/10.000), nicht

bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Systemorganklasse gemäß

MedDRA-Standard

Nebenwirkung

Häufigkeit

Erkrankungen des Blutes und des

Lymphsystems

Faktor-IX-Hemmung

nicht bekannt

Disseminierte Intravasale

Gerinnung

nicht bekannt

Erkrankungen des Immunsystems

Allergische Reaktion

nicht bekannt

Anaphylaktische Reaktionen/

Anaphylaktoide Reaktionen

nicht bekannt

Angioödem

nicht bekannt

Nesselsucht

nicht bekannt

Bei Vorliegen von Inhibitoren:

Serumkrankheit

nicht bekannt

Überempfindlichkeitsreaktion

nicht bekannt

Erkrankungen des Nervensystems

Kopfschmerzen

nicht bekannt

Unruhe

nicht bekannt

Kribbeln

nicht bekannt

Herzerkrankungen

Myokardinfarkt

nicht bekannt

Tachykardie

nicht bekannt

Gefäßerkrankungen

Hypotonie

nicht bekannt

Thromboembolische Ereignisse

(z. B. Lungenembolie,

Venenthrombose, arterielle

Thrombose, Zerebralarterien-

thrombose)

nicht bekannt

Hautrötung (Flush)

nicht bekannt

Erkrankungen der Atemwege, des

Brustraums und des Mediastinums

Rachenreizung

gelegentlich

Schmerzen im Mund- und

Rachenraum

gelegentlich

Husten (trocken)

gelegentlich

Stenoseatmung

nicht bekannt

Dyspnoe

nicht bekannt

Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakts

Übelkeit

nicht bekannt

Erbrechen

nicht bekannt

Erkrankungen der Haut und des

Unterhautzellgewebes

Ausschlag

gelegentlich

Juckreiz

gelegentlich

Urtikaria

nicht bekannt

Erkrankungen der Nieren und

Harnwege

Nephrotisches Syndrom

nicht bekannt

nach dem Versuch einer Immuntoleranzinduktion

Systemorganklasse gemäß

MedDRA-Standard

Nebenwirkung

Häufigkeit

Allgemeine Erkrankungen und

Beschwerden am

Verabreichungsort

Pyrexie

gelegentlich

Schüttelfrost

nicht bekannt

Brennen und Stechen an der

Infusionsstelle

nicht bekannt

Lethargie

nicht bekannt

Engegefühl in der Brust

nicht bekannt

Inhibitoren gegen Faktor IX

In klinischen Studien mit IMMUNINE wurden keine Inhibitoren gegen Faktor IX festgestellt. Es

wurden keine zuvor unbehandelten Patienten (PUPs) in die klinischen Studien mit IMMUNINE

aufgenommen.

Besondere Patientengruppen

Die Anwendung von IMMUNINE wurde bei Kindern und Jugendlichen in den Patientengruppen 6 bis

12 Jahre und über 12 Jahre mit Hämophilie B untersucht. Das Sicherheitsprofil war vergleichbar mit

dem bei Erwachsenen.

Zusätzlich wurde die Anwendung von IMMUNINE in 2 nicht-interventionellen Studien bei Patienten

mit Hämophilie B untersucht, und zwar auch bei Kindern bis zu 6 Jahren und bei Patienten zwischen 0

und 64 Jahren. Die Sicherheit von IMMUNINE bei Kindern bis zu 6 Jahren war vergleichbar mit der

Sicherheit bei Kindern über 6 Jahren und bei Erwachsenen.

Mögliche unerwünschte Wirkungen mit Blutgerinnungsfaktor-IX-Konzentraten vom Menschen:

Parästhesie

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, Paul-Ehrlich-Institut, Paul-Ehrlich-

Str. 51-59, 63225 Langen, Tel: +49 6103 77 0, Fax: +49 6103 77 1234, Website: www.pei.de

anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Es wurden keine Symptome von Überdosierung mit Blutgerinnungsfaktor IX vom Menschen

berichtet.

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antihämorrhagika, Blutgerinnungsfaktor IX; ATC-Code: B02BD04

Faktor IX ist ein Einzelketten-Glykoprotein mit einem Molekulargewicht von ca. 68.000 Dalton. Es ist

ein Vitamin K-abhängiger Blutgerinnungsfaktor und wird in der Leber synthetisiert. Faktor IX wird

durch Faktor XIa über den intrinsischen und durch den Faktor VII/Tissue-Faktor-Komplex über den

extrinsischen Weg der Blutgerinnung aktiviert. Aktivierter Faktor IX aktiviert zusammen mit

aktiviertem Faktor VIII den Faktor X. Der aktivierte Faktor X wandelt Prothrombin in Thrombin um;

Thrombin wandelt wiederum Fibrinogen zu Fibrin um, wodurch die Gerinnselbildung erfolgt.

Hämophilie B ist eine geschlechtsgebundene, erbliche Störung der Blutgerinnung aufgrund

erniedrigter Faktor-IX-Spiegel. Dies führt, entweder spontan oder in Folge unfallbedingter oder

chirurgischer Traumata zu starken Blutungen in Gelenken, Muskeln oder inneren Organen. Durch die

Substitutionstherapie werden die Faktor-IX-Plasmaspiegel erhöht, wodurch eine vorübergehende

Korrektur des Faktor-IX-Mangels und der Blutungsneigung erfolgt.

Kinder und Jugendliche

Die Anwendung von IMMUNINE bei Kindern unter 6 Jahren kann nicht empfohlen werden, da hierzu

nur unzureichende Daten vorliegen.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Gemäß den Ergebnissen einer Studie der Phase IV betrug die mittlere inkrementelle Recovery (IR)

von Faktor IX bei vorbehandelte Patienten (PTPs) ab 12 Jahren (n = 27) 1,1 (± 0,27) I.E./dl pro

I.E./kg, mit einem Streubereich von 0,6 bis 1,7 I.E./dl pro I.E./kg. In der gleichen Studie ergab sich bei

PTPs bis einschließlich 11 Jahren (n = 4) eine mittlere IR von 0,9 (± 0,12) mit einem Streubereich von

0,8 bis 1,1.

Eine pharmakokinetische Studie mit 26 Patienten zeigte die unten beschriebenen Ergebnisse:

Parameter

Anzahl

Mittelwert

95 % Cl

Clearance (ml/h/kg)

8,89

2,91

7,72 – 10,06

Mittlere Verweilzeit (h)

23,86

5,09

1,85 – 25,88

Die biologische Halbwertszeit beträgt ca. 17 Stunden.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

IMMUNINE ist ein hochgereinigtes Faktor-IX-Konzentrat, das nur Spuren von Faktor II, VII und X

enthält. Die einmalige Verabreichung von IMMUNINE an Versuchstieren zeigte keine Anzeichen

eines toxischen oder thrombogenen Potentials.

Die Durchführung von Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe ist aufgrund des Verhaltens

heterologer, menschlicher Proteine im Tier nicht aussagekräftig.

Da Faktor IX ein Protein menschlichen Ursprungs ist, das unter physiologischen Bedingungen im

Blutkreislauf zirkuliert, sind keine reproduktionstoxischen, mutagenen oder kanzerogenen Wirkungen

zu erwarten.

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Pulver:

Natriumchlorid

Natriumzitrat

Lösungsmittel: Sterilisiertes Wasser für Injektionszwecke

6.2 Inkompatibilitäten

Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Arzneimittel, außer mit den unter

Abschnitt 6.6 aufgeführten Produkten, nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.

Es dürfen ausschließlich die mitgelieferten Injektions-/Infusionssets benutzt werden, da die Therapie

als Folge einer Adsorption von humanem Blutgerinnungsfaktor IX an der inneren Oberfläche mancher

Injektions-/Infusionsbestecke versagen kann.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

2 Jahre

Die chemische und physikalische Stabilität der gebrauchsfertigen Lösung von IMMUNINE wurde für

3 Stunden bei maximal 25 °C nachgewiesen. Aus mikrobiologischer Sicht sollte die Lösung dennoch

unmittelbar verwendet werden, außer die Herstellung der gebrauchsfertigen Lösung schließt das

Risiko einer mikrobiologischen Kontamination aus (validierte aseptische Umgebung). Wird die

gebrauchsfertige Lösung nicht unverzüglich verwendet, liegen Lagerbedingungen und -zeit in der

Verantwortung des Anwenders. Die gebrauchsfertige Lösung darf nicht wieder in den Kühlschrank

zurückgestellt werden.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Im Kühlschrank lagern (2 °C bis 8 °C). Nicht einfrieren.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

IMMUNINE kann innerhalb der Laufzeit einmalig bis zu 3 Monate bei maximal 25 °C gelagert

werden. Der Beginn der Lagerung bei maximal 25 °C ist auf der Produktschachtel einzutragen. Nach

Lagerung bei maximal 25 °C darf IMMUNINE nicht mehr in den Kühlschrank zurückgegeben

werden, sondern ist unmittelbar zu verbrauchen oder zu verwerfen.

Lagerungsbedingungen des rekonstituierten Arzneimittels siehe Abschnitt 6.3.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Das IMMUNINE-Pulver befindet sich in einer Einzeldosis-Durchstechflasche aus Glas der

hydrolytischen Klasse II, das Lösungsmittel in Einzeldosis-Durchstechflaschen aus Glas der

hydrolytischen Klasse I. Die Durchstechflasche mit dem Blutgerinnungspräparat ist mit einem

Chlorbutyl-, die Lösungsmittel-Durchstechflasche mit einem Brombutylgummistopfen verschlossen.

Packungsinhalt:

1 Durchstechflasche IMMUNINE 600 I.E. oder IMMUNINE 1200 I.E.

1 Durchstechflasche mit 5 ml oder 10 ml Sterilisiertem Wasser für Injektionszwecke

1 Transfernadel

1 Belüftungsnadel

1 Filternadel

1 Einmalnadel

1 Einmalspritze (5 ml oder 10 ml)

1 Infusionsset

Packungsgröße:

1 x 600 I.E. oder 1 x 1200 I.E.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur

Handhabung

Nur das beigepackte Injektions-/Infusionsset verwenden.

IMMUNINE soll erst unmittelbar vor der Verabreichung aufgelöst werden. Danach soll die Lösung

unverzüglich verwendet werden (die Lösung enthält keine Konservierungsmittel). Die

gebrauchsfertige Lösung ist vor der Verabreichung visuell auf Partikel oder Verfärbungen zu

überprüfen. Die Lösung muss klar oder leicht opaleszent sein. Trübe Lösungen, oder solche mit

Niederschlag, sind zu verwerfen.

Es wird empfohlen, einen gemeinsamen venösen Zugang vor und nach der Verabreichung von

IMMUNINE mit isotonischer Kochsalz-Lösung zu spülen.

Auflösung des Pulvers zur Herstellung einer Injektionslösung:

Auf aseptische Arbeitsweise achten!

Erwärmen Sie die ungeöffnete Lösungsmittel-Durchstechflasche (Sterilisiertes Wasser für

Injektionszwecke) auf Raumtemperatur (max. 37 °C).

Entfernen Sie die Schutzkappen von den Durchstechflaschen mit Pulver und Lösungsmittel (Abb.

A) und desinfizieren Sie die Gummistopfen beider Durchstechflaschen.

Entfernen Sie durch Drehen das eine Ende der Schutzkappe von der beigepackten Transfernadel.

Stechen Sie nun mit der Nadel durch den Gummistopfen der Lösungsmittel-Durchstechflasche

(Abb. B und C).

Entfernen Sie das andere Ende der Schutzkappe von der Transfernadel. Achten Sie darauf, nicht

das freie Ende zu berühren!

Drehen Sie die Lösungsmittel-Durchstechflasche kopfüber um und stechen Sie nun das andere

Ende der Transfernadel durch den Gummistopfen der Pulver-Durchstechflasche (Abb. D). Durch

das Vakuum in der Pulver-Durchstechflasche wird das Lösungsmittel angesaugt.

Nachdem das Lösungsmittel vollständig in die Pulver-Durchstechflasche geflossen ist, entfernen

Sie die Lösungsmittel-Durchstechflasche mit der Transfernadel (Abb. E). Um den

Lösungsvorgang zu beschleunigen sollte die Pulver-Durchstechflasche sanft geschwenkt werden.

Nachdem das Pulver vollständig gelöst ist, stechen Sie die beigepackte Belüftungsnadel ein (Abb.

F), eventuell entstandener Schaum wird zusammenfallen. Danach entfernen Sie die

Belüftungsnadel.

Injektion/Infusion:

Auf aseptische Arbeitsweise achten!

Ein Ende der Schutzkappe der beigepackten Filternadel durch Drehen und Abziehen öffnen,

entfernen und die Nadel auf die sterile Einmalspritze stecken. Die Lösung in die Spritze aufziehen

(Abb. G).

Die Filternadel von der Spritze abziehen und die Lösung langsam mit dem beigepackten

Infusionsset (bzw. Einmalnadel) intravenös verabreichen (maximale Infusionsrate: 2 ml pro

Minute).

Bei Infusion muss ein Einmalinfusions-Set mit einem geeigneten Filter verwendet werden.

Abb. A Abb. B Abb. C Abb. D Abb. E Abb. F Abb. G

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen

zu entsorgen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

Shire Deutschland GmbH

Friedrichstr. 149

10117 Berlin

Tel: + 49 (0) 30 206 582 0

Fax: + 49 (0) 30 206 582 100

info.de@shire.com

8.

ZULASSUNGSNUMMER

PEI.H.03595.02.1

PEI.H.03595.03.1

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 05. Mai 2008

Datum der Verlängerung der Zulassung: 09. Juni 2011

10. STAND DER INFORMATION

Juni 2019

11. SONSTIGE HINWEISE

Herkunftsländer der zur Produktion verwendeten Plasmen: Deutschland, Estland, Finnland,

Österreich, Schweden, Schweiz, Tschechien, Ungarn und Vereinigte Staaten von Amerika

12. VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

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