Fampridin neuraxpharm 10 mg Retardtabletten

Österreich - Deutsch - AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)

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Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation (PIL)

26-05-2021

Fachinformation Fachinformation (SPC)

26-05-2021

Wirkstoff:
FAMPRIDIN
Verfügbar ab:
Neuraxpharm Arzneimittel GmbH
ATC-Code:
N07XX07
INN (Internationale Bezeichnung):
FAMPRIDIN
Verschreibungstyp:
Arzneimittel zur einmaligen Abgabe auf aerztliche Verschreibung
Produktbesonderheiten:
Abgabe durch eine (öffentliche) Apotheke
Zulassungsnummer:
140645
Berechtigungsdatum:
2021-05-12

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Gebrauchsinformation: Information für Patienten

Fampridin neuraxpharm

10 mg Retardtabletten

Wirkstoff: Fampridin

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es

kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Fampridin neuraxpharm und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Fampridin neuraxpharm beachten?

Wie ist Fampridin neuraxpharm einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Fampridin neuraxpharm aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was ist Fampridin neuraxpharm und wofür wird es angewendet?

Fampridin neuraxpharm ist ein Arzneimittel, das zur Verbesserung der Gehfähigkeit von erwachsenen

Patienten (18 Jahre und älter) bei Gehbehinderung im Zusammenhang mit Multipler Sklerose (MS)

angewendet wird. Bei Multipler Sklerose wird der Schutzmantel, der die Nerven umgibt, durch eine

Entzündung zerstört, was Muskelschwäche, Muskelversteifung und Schwierigkeiten beim Gehen zur

Folge hat.

Fampridin neuraxpharm enthält den Wirkstoff Fampridin, der zu einer Gruppe von Arzneimitteln

gehört, die als Kaliumkanalblocker bezeichnet werden. Diese Arzneimittel verhindern den Austritt von

Kalium aus den durch MS geschädigten Nervenzellen. Es wird angenommen, dass dieses Arzneimittel

wirkt, indem es die Signalübertragung durch die Nerven normalisiert, so dass Sie besser gehen

können.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Fampridin neuraxpharm beachten?

Fampridin neuraxpharm darf nicht eingenommen werden,

wenn Sie

allergisch

gegen Fampridin oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels sind.

wenn Sie einen Krampfanfall haben oder schon einmal einen

Krampfanfall

hatten (auch als Anfall

oder Schüttelkrampf bezeichnet).

wenn Ihr Arzt oder das Pflegepersonal Ihnen mitgeteilt hat, dass Sie mittelschwere oder schwere

Nierenprobleme

haben.

wenn Sie ein Arzneimittel mit dem Wirkstoff Cimetidin einnehmen.

wenn Sie

andere Arzneimittel einnehmen, die Fampridin enthalten

. Dies kann das Risiko für

schwerwiegende Nebenwirkungen erhöhen.

Informieren Sie Ihren Arzt

nehmen Sie

Fampridin neuraxpharm

nicht ein

, wenn einer der oben

aufgeführten Punkte auf Sie zutrifft.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Fampridin neuraxpharm einnehmen:

wenn Sie Ihren Herzschlag (Herzklopfen) spüren.

wenn Sie anfällig für Infektionen sind.

Sie sollten bei Bedarf eine Gehhilfe, z.B. einen Stock, benutzen, da dieses Arzneimittel dazu führen

kann, dass Sie sich schwindlig oder unsicher fühlen. Das kann zu einem erhöhten Sturzrisiko

führen.

wenn Sie Risikofaktoren haben oder Arzneimittel einnehmen, die sich auf das Risiko von

Krampfanfällen auswirken.

wenn Ihnen von einem Arzt mitgeteilt wurde, dass Sie leichte Nierenprobleme haben.

Informieren Sie Ihren Arzt bevor Sie Fampridin neuraxpharm einnehmen, wenn einer der oben

aufgeführten Punkte auf Sie zutrifft.

Kinder und Jugendliche

Geben Sie Fampridin neuraxpharm nicht Kindern oder Jugendlichen unter 18 Jahren.

Ältere Patienten

Vor Behandlungsbeginn und während der Behandlung wird Ihr Arzt Ihre Nierenfunktion überprüfen.

Einnahme von Fampridin neuraxpharm zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker

, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden,

kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen

andere

Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Sie dürfen Fampridin neuraxpharm nicht einnehmen, wenn Sie andere Arzneimittel, die

Fampridin enthalten, einnehmen.

Andere Arzneimittel mit Einfluss auf die Nierenfunktion

Ihr Arzt wird besonders vorsichtig sein, wenn Fampridin zusammen mit anderen Arzneimitteln

angewendet wird, die Einfluss auf die Ausscheidung von Arzneimitteln über die Nieren haben können,

wie beispielsweise Carvedilol, Propranolol und Metformin.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger

sind oder beabsichtigen, schwanger zu werden,

fragen Sie

vor der Einnahme

Ihren Arzt um Rat

Die Einnahme von Fampridin neuraxpharm während der Schwangerschaft wird nicht empfohlen.

Ihr Arzt wird den Nutzen Ihrer Behandlung mit Fampridin neuraxpharm gegen das Risiko für Ihr Baby

abwägen.

Es wird nicht empfohlen

während der Behandlung mit diesem Arzneimittel

zu stillen

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Achtung: Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit und die Verkehrstüchtigkeit

beeinträchtigen.

Fampridin neuraxpharm kann die Verkehrstüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen beeinträchtigen. Es kann Schwindelgefühl hervorrufen. Vergewissern Sie sich, dass Sie

nicht davon betroffen sind, bevor Sie ein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen.

Wie ist Fampridin neuraxpharm einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei

Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Fampridin neuraxpharm ist verschreibungspflichtig und die Behandlung muss durch einen in der

Behandlung von MS erfahrenen Arzt überwacht werden.

Ihr Arzt wird Ihnen zunächst ein Rezept für 2 bis 4 Wochen ausstellen. Nach 2 bis 4 Wochen wird die

Behandlung erneut beurteilt.

Die empfohlene Dosis beträgt

eine

Retardtablette morgens und

eine

Retardtablette abends (im Abstand von 12 Stunden). Nehmen

Sie nicht mehr als zwei Retardtabletten pro Tag ein.

Der Abstand

zwischen zwei Retardtabletten

muss 12 Stunden betragen

. Nehmen Sie die Retardtabletten nicht häufiger als alle 12 Stunden ein.

Schlucken Sie die Retardtablette im Ganzen

mit Wasser. Die Retardtablette darf nicht geteilt,

zerdrückt, aufgelöst, gelutscht oder gekaut werden. Dies kann das Risiko für Nebenwirkungen

erhöhen.

Wenn Sie eine größere Menge von Fampridin neuraxpharm eingenommen haben, als Sie sollten

Wenden Sie sich unverzüglich an Ihren Arzt

, wenn Sie zu viele Retardtabletten eingenommen

haben.

Nehmen Sie die Fampridin neuraxpharm Packung mit zum Arzt.

Im Fall einer Überdosierung können Sie Schweißausbrüche, leichtes Zittern (Tremor),

Schwindelgefühl, Verwirrtheit, Gedächtnisverlust (Amnesie) und Krampfanfälle bemerken. Sie

können auch andere Nebenwirkungen bemerken, die hier nicht aufgeführt sind.

Wenn Sie die Einnahme von Fampridin neuraxpharm vergessen haben

Wenn Sie die Einnahme einer Retardtablette vergessen haben

, nehmen Sie nicht als Ausgleich für

die verpasste Dosis zwei Retardtabletten gleichzeitig ein. Sie müssen zwischen der Einnahme der

Retardtabletten

immer einen Abstand von 12 Stunden

einhalten.

Wenn Sie weitere Fragen zur Einnahme dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt

oder Apotheker.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Wenn Sie einen Krampfanfall haben, setzen Sie Fampridin neuraxpharm sofort ab

informieren Sie umgehend Ihren Arzt.

Wenn Sie unter einem oder mehreren der folgenden allergischen (Überempfindlichkeits-) Symptome

leiden: Schwellungen von Gesicht, Mund, Lippen, Hals oder Zunge, Rötung oder Jucken der Haut,

Engegefühl in der Brust oder Atemprobleme

setzen Sie Fampridin neuraxpharm sofort ab

suchen

Sie umgehend Ihren Arzt

Nebenwirkungen sind nachfolgend nach Häufigkeit aufgeführt:

Sehr häufige Nebenwirkungen

Kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen:

Harnwegsinfektion

Häufige Nebenwirkungen

Kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen:

Gefühl des Schwankens

Schwindelgefühl

Drehschwindel (

Vertigo

Kopfschmerzen

Schwäche- und Müdigkeitsgefühl

Schlafstörungen

Angst

leichtes Zittern (Tremor)

Taubheit oder Kribbeln der Haut

Halsschmerzen

Erkältung (Nasopharyngitis)

Grippe (Influenza)

Atemschwierigkeiten (Kurzatmigkeit)

Übelkeit

Erbrechen

Verstopfung

Magenverstimmung

Rückenschmerzen

Spürbarer Herzschlag (Herzklopfen)

Gelegentliche Nebenwirkungen

Kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen:

Krampfanfälle

Allergische Reaktion (Überempfindlichkeit)

Verschlimmerung der Nervenschmerzen im Gesicht (Trigeminusneuralgie)

Hohe Herzfrequenz (Herzrasen)

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch

für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.

Sie können Nebenwirkungen auch direkt über das nationale Meldesystem anzeigen:

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen

Traisengasse 5

1200 WIEN

ÖSTERREICH

Fax: + 43 (0) 50 555 36207

Website: http://www.basg.gv.at/

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

Wie ist Fampridin neuraxpharm aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und der Blisterpackung nach „verwendbar

bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten

Tag des angegebenen Monats.

Nicht über 30 °C lagern.

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie

das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der

Umwelt bei.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Fampridin neuraxpharm enthält

Der Wirkstoff ist Fampridin.

Jede Retardtablette enthält 10 mg Fampridin.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Tablettenkern: Hypromellose, mikrokristalline Cellulose, hochdisperses Siliciumdioxid,

Magnesiumstearat

Filmüberzug: Hypromellose, Titandioxid (E 171), Macrogol 400

Wie Fampridin neuraxpharm aussieht und Inhalt der Packung

Fampridin neuraxpharm sind weiße bis fast weiße, längliche, bikonvexe Retardtabletten mit einer

Länge von 12,9 mm - 13,4 mm und einer Breite von 7,9 mm - 8,4 mm.

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller

Pharmazeutischer Unternehmer

neuraxpharm Arzneimittel GmbH

Elisabeth-Selbert-Straße 23

40764 Langenfeld

Deutschland

Tel. +49 2173 / 1060 - 0

Fax +49 2173 / 1060 - 333

Hersteller

Laboratorios Lesvi, S.L.

Avda. Barcelona 69

08970 Sant Joan Despí, Barcelona

Spanien

neuraxpharm Arzneimittel GmbH

Elisabeth-Selbert-Straße 23

40764 Langenfeld

Deutschland

Z.Nr.:

Dieses Arzneimittel ist in den Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR)

unter den folgenden Bezeichnungen zugelassen:

Deutschland:

Fampridin neuraxpharm 10 mg Retardtabletten

Österreich:

Fampridin neuraxpharm 10 mg Retardtabletten

Spanien:

Fampridina Qualigen 10 mg comprimidos de liberación prolongada EFG

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im April 2021.

ZUSAMMENFASSUNG DER MERKMALE DES ARZNEIMITTELS

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Fampridin neuraxpharm

10 mg Retardtabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Jede Retardtablette enthält 10 mg Fampridin.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Retardtabletten

Weiße bis fast weiße, längliche, bikonvexe Retardtabletten mit einer Länge von 12,9 mm -13,4 mm

und einer Breite von 7,9 mm - 8,4 mm.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1.

Anwendungsgebiete

Fampridin neuraxpharm wird angewendet zur Verbesserung der Gehfähigkeit von erwachsenen

Patienten mit Multipler Sklerose (MS) mit Gehbehinderung (EDSS 4-7).

4.2.

Dosierung und Art der Anwendung

Fampridin neuraxpharm ist verschreibungspflichtig und die Behandlung muss durch einen in der

Behandlung von MS erfahrenen Arzt überwacht werden.

Dosierung

Die empfohlene Dosis beträgt je eine 10 mg Retardtablette zweimal täglich, im Abstand von 12

Stunden (eine Retardtablette morgens und eine Retardtablette abends). Fampridin neuraxpharm darf

nicht häufiger oder in höheren Dosen als empfohlen eingenommen werden (siehe Abschnitt 4.4). Die

Retardtabletten sind auf nüchternen Magen einzunehmen (siehe Abschnitt 5.2).

Beginn und Beurteilung der Behandlung mit Fampridin neuraxpharm

Die Erstverordnung ist auf zwei bis vier Wochen Therapie zu brgrenzen, da ein klinischer

Behandlungserfolg im Allgemeinen innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn

mit Fampridin neuraxpharm erkennbar sein sollte.

Zur Beurteilung der Verbesserung nach zwei bis vier Wochen wird die Bewertung der

Gehfähigkeit, z. B. durch die Durchführung des Timed 25 Foot Walk-Test (T25FW) oder die

Anwendung der Bewertungsskala MSWS-12 (Twelve Item Multiple Sclerosis Walking Scale)

empfohlen. Wenn keine Verbesserung beobachtet wird, ist Fampridin neuraxpharm abzusetzen.

Fampridin neuraxpharm ist abzusetzen, wenn Patienten keine positive Wirkung berichten.

Wiederholte Beurteilung der Behandlung mit Fampridin neuraxpharm

Wenn der Arzt beobachtet, dass sich die Gehfähigkeit wieder verschlechtert, soll er eine

Unterbrechung der Behandlung in Betracht ziehen und die Wirkung von Fampridin neuraxpharm

erneut bewerten (siehe oben). Die Neubewertung soll ein Absetzen von Fampridin neuraxpharm und

eine Beurteilung der Gehfähigkeit umfassen. Fampridin neuraxpharm ist abzusetzen, wenn Patienten

keine weiteren positiven Wirkungen auf das Gehen erfahren.

Versäumte Dosis

Das empfohlene Dosierschema ist immer einzuhalten. Wenn eine Dosis versäumt wird, darf keine

doppelte Dosis eingenommen werden.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist vor Beginn der Behandlung mit Fampridin neuraxpharm die Nierenfunktion

zu überprüfen. Zur Erkennung einer etwaigen Nierenfunktionsstörung wird bei älteren Patienten eine

laufende Kontrolle der Nierenfunktion empfohlen (siehe Abschnitt 4.4).

Patienten mit Nierenfunktionsstörung

Fampridin neuraxpharm ist bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Nierenfunktionsstörung

(Kreatinin-Clearance <50 ml/min) kontraindiziert (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).

Patienten mit Leberfunktionsstörung

Bei Patienten mit Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung notwendig.

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Fampridin neuraxpharm bei Kindern und Jugendlichen im Alter

von 0 bis 18 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.

Art der Anwendung

Fampridin neuraxpharm ist zum Einnehmen.

Die Retardtablette muss im Ganzen geschluckt werden. Sie darf nicht geteilt, zerdrückt, aufgelöst,

gelutscht oder zerkaut werden.

4.3.

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile.

Gleichzeitige Behandlung mit anderen Arzneimitteln, die Fampridin (4-Aminopyridin) enthalten.

Patienten mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte oder Patienten, die gegenwärtig an Krampfanfällen

leiden.

Patienten mit mittelschwerer oder schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance

<50 ml/min).

Gleichzeitige Behandlung mit Fampridin neuraxpharm und Inhibitoren des organischen

Kationentransporters 2 (OCT2), wie z. B. Cimetidin.

4.4.

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Risiko für Krampfanfälle

Die Behandlung mit Fampridin erhöht das Risiko für Krampfanfälle (siehe Abschnitt 4.8).

Fampridin neuraxpharm muss bei Vorliegen von Faktoren, die die Krampfanfallsschwelle herabsetzen

können, mit Vorsicht angewandt werden.

Fampridin neuraxpharm muss bei Patienten, die während der Behandlung einen Krampfanfall

erleiden, abgesetzt werden.

Nierenfunktionsstörung

Fampridin wird hauptsächlich unverändert über die Nieren ausgeschieden. Patienten mit

Nierenfunktionsstörung haben höhere Plasmakonzentrationen, die zu vermehrten unerwünschten

Reaktionen, insbesondere zu neurologischen Wirkungen, führen. Die Bestimmung der Nierenfunktion

vor der Behandlung und ihre regelmäßige Kontrolle während der Behandlung wird für alle Patienten

empfohlen (insbesondere für ältere Patienten, deren Nierenfunktion eingeschränkt sein kann). Die

Kreatinin-Clearance kann mit der Cockroft-Gault-Formel berechnet werden.

Vorsicht ist geboten, wenn Fampridin neuraxpharm Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung

verordnet wird oder Patienten, die Arzneimittel anwenden, die OCT2-Substrate sind, wie z.B.

Carvedilol, Propranolol und Metformin.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Nach Markteinführung gab es Berichte über schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen

(einschließlich anaphylaktischer Reaktion), wobei der Großteil dieser Fälle in der ersten

Behandlungswoche auftrat. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit allergischen Reaktionen

in der Vorgeschichte. Bei Auftreten einer anaphylaktischen oder sonstigen schweren allergischen

Reaktion ist Fampridin neuraxpharm abzusetzen und die Behandlung nicht wieder aufzunehmen.

Weitere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Fampridin neuraxpharm ist bei Patienten mit kardiovaskulären Rhythmusstörungen und sinuatrialen

oder atrioventrikulären Erregungsleitungsstörungen mit Vorsicht anzuwenden (diese Wirkungen sind

bei einer Überdosierung zu beobachten). Für diese Patientengruppe liegen nur begrenzte

Informationen zur Sicherheit vor.

Das vermehrte Auftreten von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen unter Fampridin kann zu einem

erhöhten Sturzrisiko führen. Patienten sollen bei Bedarf Gehhilfen benutzen.

In klinischen Studien wurden bei 2,1 % der Patienten unter Fampridin niedrige Leukozytenzahlen

festgestellt, verglichen mit 1,9 % der Patienten unter Placebo. Ferner wurden in den klinischen Studien

Infektionen beobachtet (siehe Abschnitt 4.8). Eine erhöhte Infektionsrate sowie eine Beeinträchtigung

der Immunantwort können nicht ausgeschlossen werden.

4.5.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.

Die gleichzeitige Behandlung mit anderen Arzneimitteln, die Fampridin (4-Aminopyridin) enthalten,

ist kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).

Fampridin wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden, wobei die aktive Nierenausscheidung ca.

60 % ausmacht (siehe Abschnitt 5.2). OCT2 ist der für die aktive Ausscheidung von Fampridin

verantwortliche Transporter. Daher ist die gleichzeitige Behandlung mit Fampridin und OCT2-

Inhibitoren, wie z.B. Cimetidin, kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) und es wird vor gleichzeitiger

Anwendung von Fampridin und Arzneimitteln, die Substrate von OCT2 sind, wie beispielsweise

Carvedilol, Propranolol und Metformin, gewarnt (siehe Abschnitt 4.4).

Interferon: Fampridin wurde gleichzeitig mit Interferon-beta angewendet, ohne dass

pharmakokinetische Arzneimittelwechselwirkungen beobachtet wurden.

Baclofen: Fampridin wurde gleichzeitig mit Baclofen angewendet, ohne dass pharmakokinetische

Arzneimittelwechselwirkungen beobachtet wurden.

4.6.

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Fampridin bei Schwangeren

vor.

Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Aus

Vorsichtsgründen soll eine Einnahme von Fampridin neuraxpharm während der Schwangerschaft

vermieden werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Fampridin beim Menschen oder bei Tieren in die Muttermilch übergeht. Die

Einnahme von Fampridin neuraxpharm während der Stillzeit wird nicht empfohlen.

Fertilität

In tierexperimentellen Studien wurden keine Auswirkungen auf die Fertilität beobachtet.

4.7.

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Fampridin neuraxpharm hat einen mäßigen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit

zum Bedienen von Maschinen, da Fampridin neuraxpharm Schwindel hervorrufen kann.

4.8.

Nebenwirkungen

Die Sicherheit von Fampridin wurde in randomisierten kontrollierten klinischen Studien, in offenen

Langzeitstudien und nach der Markteinführung beurteilt.

Unerwünschte Reaktionen sind meistens neurologischer Art und umfassen Krampfanfälle,

Schlaflosigkeit, Angst, Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühl, Parästhesien, Tremor,

Kopfschmerzen und Asthenie. Dies entspricht der pharmakologischen Wirkung von Fampridin. Unter

den Nebenwirkungen, die in placebokontrollierten Studien an Patienten mit Multipler Sklerose, die

Fampridin in der empfohlenen Dosis erhielten, berichtet wurden, hatte Harnwegsinfektion die höchste

Inzidenz (bei ca. 12 % der Patienten).

Die Nebenwirkungen sind untenstehend nach Systemorganklasse und absoluter Häufigkeit angegeben.

Die Häufigkeiten sind wie folgt definiert: Sehr häufig (≥1/10), häufig (≥1/100, <1/10), gelegentlich

(≥1/1000, <1/100), selten (≥1/10.000, <1/1000), sehr selten (<1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf

Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Innerhalb jeder Häufigkeitsklasse werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad

geordnet.

MedDRA SOC

Nebenwirkung

Häufigkeits-

kategorie

Harnwegsinfektion

Sehr häufig

Infektionen und parasitäre

Erkrankungen

Influenza

Nasopharyngitis

Virusinfektion

Häufig

Erkrankungen des Immunsystems

Anaphylaxie

Angioödem

Überempfindlichkeit

Gelegentlich

Psychiatrische Erkrankungen

Schlaflosigkeit

Angst

Häufig

Erkrankungen des Nervensystems

Schwindelgefühl

Kopfschmerz

Häufig

Gleichgewichtsstörung

Vertigo

Parästhesie

Tremor

Krampfanfall

Exazerbation einer

Trigeminusneuralgie

Gelegentlich

Palpitationen

Häufig

Herzerkrankungen

Tachykardie

Gelegentlich

Gefäßerkrankungen

Hypotonie

Gelegentlich

Erkrankungen der Atemwege, des

Brustraums und Mediastinums

Dyspnoe

Pharyngolaryngealschmerzen

Häufig

Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakts

Übelkeit

Erbrechen

Obstipation

Dyspepsie

Häufig

Erkrankungen der Haut und des

Unterhautzellgewebes

Ausschlag

Urtikaria

Gelegentlich

Sklelettmuskulatur-, Bindegewebs-

und Knochenerkrankungen

Rückenschmerzen

Häufig

Asthenie

Häufig

Allgemeine Erkrankungen und

Beschwerden am Verabreichungsort

Brustkorbbeschwerden

Gelegentlich

Siehe Abschnitt 4.4.

Diese Symptome wurden im Rahmen einer Überempfindlichkeit beobachtet

Siehe Abschnitte 4.3 und 4.4.

Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen

Überempfindlichkeit

Nach Markteinführung gab es Berichte über Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich

Anaphylaxie), die zusammen mit einer oder mehreren der folgenden Nebenwirkungen auftraten:

Dyspnoe, Brustkorbbeschwerden, Hypotonie, Angioödem, Ausschlag und Urtikaria. Weitere

Informationen zu Überempfindlichkeitsreaktionen sind in den Abschnitten 4.3 und 4.4 enthalten.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung direkt

über das nationale Meldesystem anzuzeigen:

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen

Traisengasse 5

1200 WIEN

ÖSTERREICH

Fax: + 43 (0) 50 555 36207

Website: http://www.basg.gv.at/

4.9.

Überdosierung

Symptome

Akute Symptome einer Überdosierung mit Fampridin entsprachen einer Erregung des zentralen

Nervensystems und schlossen Verwirrtheit, Zittern, Diaphorese, Krampfanfälle und Amnesie ein.

Das Zentralnervensystem betreffende Nebenwirkungen, die bei hohen Dosen von 4-Aminopyridin

auftraten, waren Schwindelgefühl, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Status epilepticus, unwillkürliche und

choreoathetoide Bewegungen. Andere Nebenwirkungen bei hohen Dosen waren

Herzrhythmusstörungen (beispielsweise supraventrikuläre Tachykardie und Bradykardie) und

ventrikuläre Tachykardie als Folge einer möglichen QT-Verlängerung. Es liegen auch Berichte über

Hypertonie vor.

Behandlung

Patienten, die eine Überdosis eingenommen haben, sollen unterstützend behandelt werden.

Wiederholte Krampfanfälle sollen mit Benzodiazepinen, Phenytoin oder anderen angemessenen

Maßnahmen gegen akute Krampfanfälle behandelt werden.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1.

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Mittel für das Nervensystem, ATC-Code: N07XX07.

Pharmakodynamische Wirkungen

Fampridin ist ein Kaliumkanalblocker. Durch Blockierung der Kaliumkanäle verringert Fampridin das

Austreten von Ionenstrom durch diese Kanäle, verlängert so die Repolarisation und verstärkt die

Aktionspotentialbildung in demyelinisierten Axonen sowie die neurologische Funktion. Vermutlich

werden durch die Verstärkung der Aktionspotentialbildung mehr Impulse im zentralen Nervensystem

weitergeleitet.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

Es wurden drei randomisierte, placebokontrollierte konfirmatorische Doppelblindstudien der Phase III

(MS-F203, MS-F204 und 218MS305) durchgeführt. Der Responderanteil war von der

immunmodulatorischen Begleittherapie (u. a. mit Interferonen, Glatirameracetat, Fingolimod und

Natalizumab) unabhängig. Fampridin wurde in einer Dosis von 10 mg zweimal täglich angewendet.

Studien MS-F203 und MS-F204

Der primäre Endpunkt in den Studien MS-F203 und MS-F204 war die Ansprechrate im Hinblick auf

die Gehgeschwindigkeit, gemessen mit dem „Timed 25 Foot Walk“-Test (T25FW). Ein Responder

war definiert als Patient, der bei mindestens drei von vier möglichen Kontrollen in der

Doppelblindphase eine konsistent höhere Gehgeschwindigkeit zeigte als im Vergleich zu dem bei fünf

Kontrollen ohne Behandlung erreichten Höchstwert.

Im Vergleich zu Placebo wurden signifikant mehr Patienten, die mit Fampridin behandelt wurden, als

Responder gewertet (MS-F203: 34,8 % vs. 8,3 %, p<0,001; MS-F204: 42,9 % vs. 9,3 %, p<0,001).

Bei Patienten, die auf Fampridin ansprachen, erhöhte sich die Gehgeschwindigkeit durchschnittlich

um 26,3 % vs. 5,3 % unter Placebo (p<0,001) (MS-F203) und 25,3 % vs. 7,8 % (p<0,001) (MS-F204).

Die Verbesserung zeigte sich rasch (innerhalb weniger Wochen) nach Beginn der Behandlung mit

Fampridin.

Es wurden statistisch und klinisch bedeutsame Verbesserungen der Gehfähigkeit beobachtet, wobei

die Messung auf der 12 Elemente umfassenden Gehskala für Multiple Sklerose erfolgte.

Tabelle 1: Studien MS-F203 und MS-F204

Studie*

MS-F203

MS-F204

Placebo

Fampridin 10

mg BID

Placebo

Fampridin 10

mg BID

Anzahl Patienten

Stetige

Verbesserung

8,3 %

34,8 %

9,3 %

42,9 %

Unterschied

26,5 %

33,5 %

95 %

17,6 %, 35,4 %

23,2 %, 43,9 %

p-Wert

< 0,001

< 0,001

≥20 %

Verbesserung

11,1 %

31,7 %

15,3 %

34,5 %

Unterschied

20,6 %

19,2 %

95 %

11,1 %, 30,1 %

8,5 %, 29,9 %

p-Wert

< 0,001

< 0,001

Gehgeschwindigkeit

Fuß/Sek.

Fuß pro Sek.

Fuß pro Sek.

Fuß pro Sek.

Fuß pro Sek.

Ausgangswert

2,04

2,02

2,21

2,12

Endpunkt

2,15

2,32

2,39

2,43

Veränderung

0,11

0,30

0,18

0,31

Unterschied

0,19

0,12

p-Wert

0,010

0,038

Durchschnittliche

Veränderung in %

5,24

13,88

7,74

14,36

Unterschied

8,65

6,62

p-Wert

< 0,001

0,007

MSWS-12-Wert

(Mittelwert, SEM)

Ausgangswert

69,27 (2,22)

71,06 (1,34)

67,03 (1,90)

73,81 (1,87)

Durchschnittliche

Veränderung

-0,01 (1,46)

-2,84 (0,878)

0,87 (1,22)

-2,77 (1,20)

Unterschied

2,83

3,65

p-Wert

0,084

0,021

LEMMT

(Mittelwert, SEM)

(Manueller

Muskeltest der

unteren

Extremitäten)

Ausgangswert

3,92 (0,070)

4,01 (0,042)

4,01 (0,054)

3,95 (0,053)

Durchschnittliche

Veränderung

0,05 (0,024)

0,13 (0,014)

0,05 (0,024)

0,10 (0,024)

Unterschied

0,08

0,05

p-Wert

0,003

0,106

Ashworth-Score

(Test auf Muskel-

Spastizität)

Ausgangswert

0,98 (0,078)

0,95 (0,047)

0,79 (0,058)

0,87 (0,057)

Durchschnittliche

Veränderung

-0,09 (0,037)

-0,18 (0,022)

-0,07 (0,033)

-0,17 (0,032)

Unterschied

0,10

0,10

p-Wert

0,021

0,015

Studie 218MS305

Die Studie 218MS305 wurde an 636 Patienten mit Multipler Sklerose und Gehbehinderung

durchgeführt. Die Dauer der doppelblinden Behandlung betrug 24 Wochen. Im Anschluss an die

Behandlung erfolgte eine 2-wöchige Nachbeobachtung. Der primäre Endpunkt war eine Verbesserung

der Gehfähigkeit, gemessen als Anteil an Patienten mit einer mittleren Verbesserung des MSWS-12-

Wertes um ≥ 8 Punkte gegenüber dem Ausgangswert über eine Zeitdauer von 24 Wochen. In dieser

Studie bestand ein statistisch signifikanter Behandlungsunterschied und im Vergleich zu den mit

Placebo kontrollierten Patienten zeigte ein größerer Anteil der mit Fampridin behandelten Patienten

eine Verbesserung der Gehfähigkeit (relatives Risiko von 1,38 (95 % KI: [1.06, 1.70]). Die

Verbesserungen zeigten sich im Allgemeinen innerhalb von 2 bis 4 Wochen nach Einleitung der

Behandlung und verschwanden wieder innerhalb von 2 Wochen nach dem Absetzen der Behandlung.

Die mit Fampridin behandelten Patienten zeigten außerdem eine statistisch signifikante Verbesserung

beim Timed Up and Go (TUG)-Test, einem Test zur Beurteilung des statischen und dynamischen

Gleichgewichts und der körperlichen Mobilität. Bei diesem sekundären Endpunkt erreichte ein

größerer Anteil der mit Fampridin behandelten Patienten eine mittlere Verbesserung der TUG-

Geschwindigkeit um ≥ 15 % gegenüber dem Ausgangswert über eine Zeitdauer von 24 Wochen

verglichen mit Placebo. Der Unterschied bei der Berg-Balance-Skala (BBS, einer Skala zur

Bewertung des statischen Gleichgewichts) war statistisch nicht signifikant.

Darüber hinaus zeigten Patienten mit Fampridin-Behandlung eine statistisch signifikante mittlere

Verbesserung des Körper-Scores der Multiple Sclerosis Impact Scale (MSIS-29) im Vergleich zu

Placebo (LSM-Unterschied -3,31, p<0,001).

Tabelle 2: Studie 218MS305

24-Wochen-Zeitraum

Placebo

N = 318*

Fampridin

10 mg

2 x täglich

N = 315*

Unterschied (95% KI)

p – Wert

Anteil an Patienten mit einer mittleren

Verbesserung des MSWS-12-Scores um

≥ 8 Punkte gegenüber dem Ausgangswert

34 %

43 %

Risikodifferenz: 10,4 %

(3 %; 17,8 %)

0,006

MSWS-12-Wert

Ausgangswert

65,4

63,6

Verbesserung gegenüber dem

Ausgangswert

-2,59

-6,73

LSM: -4,14

(-6,22; -2,06)

<0,001

TUG

Anteil an Patienten mit einer mittleren

Verbesserung der TUG-Geschwindigkeit

um ≥ 15 %

35 %

43 %

Risikodifferenz: 9,2 %

(0,9 %; 17,5 %)

0,03

TUG

Ausgangswert

27,1

24,9

Verbesserung gegenüber dem

Ausgangswert

-1,94

-3,3

LSM:-1,36

(-2,85; 0,12)

0,07

MSIS-29 Körperscore

Ausgangswert

55,3

52,4

Verbesserung gegenüber dem

Ausgangswert

-4,68

-8,00

LSM: -3,31

(-5,13; -1,50)

<0,001

BBS-Wert

Ausgangswert

40,2

40,6

Verbesserung gegenüber dem

Ausgangswert

1,34

1,75

LSM: 0,41

(-0,13; 0,95)

0,141

*Intent-to-Treat-Kollektiv = 633; LSM = Mittelwert der kleinsten Quadrate

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für das Referenzprodukt mit dem Wirkstoff Fampridin eine

Freistellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in allen pädiatrischen

Altersklassen bei der Behandlung von Multipler Sklerose mit Gehbehinderung gewährt (siehe

Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).

5.2.

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption

Oral angewendetes Fampridin wird schnell und vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert.

Fampridin hat eine geringe therapeutische Breite. Die absolute Bioverfügbarkeit von Fampridin

Retardtabletten wurde nicht untersucht, aber die relative Bioverfügbarkeit (im Vergleich zu einer

wässrigen oralen Lösung) beträgt 95 %. Die Fampridin Retardtablette bewirkt eine Verzögerung der

Resorption von Fampridin, was sich durch einen langsameren Anstieg zu einer niedrigeren

Spitzenkonzentration ohne Auswirkung auf die Resorptionsrate bemerkbar macht.

Bei Einnahme von Fampridin Retardtabletten zusammen mit Nahrungsmitteln beträgt die

Verringerung der Fläche unter der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve (AUC

0-∞

) von Fampridin ca. 2-

7 % (10 mg Dosis). Es ist nicht davon auszugehen, dass die geringe Abnahme der AUC die

therapeutische Wirksamkeit herabsetzt. C

steigt aber um 15-23 %. Da es einen klaren

Zusammenhang zwischen C

und dosisbedingten Nebenwirkungen gibt, wird empfohlen, Fampridin

auf nüchternen Magen einzunehmen (siehe Abschnitt 4.2).

Verteilung

Fampridin ist ein lipidlösliches Arzneimittel, das leicht die Blut-Hirn-Schranke passiert. Fampridin ist

größtenteils nicht an Plasmaproteine gebunden (der gebundene Anteil im Humanplasma schwankte

zwischen 3-7 %). Fampridin weist ein mittleres Verteilungsvolumen von ca. 2,6 l/kg auf. Fampridin

ist kein Substrat für P-Glykoprotein.

Biotransformation

Fampridin wird beim Menschen durch Oxidation zu 3-Hydroxy-4-Aminopyridin metabolisiert und

weiter zu 3-Hydroxy-4-Aminopyridin-Sulfat konjugiert. In vitro fand sich keine pharmakologische

Wirkung der Fampridin-Metaboliten auf ausgewählte Kaliumkanäle.

Die 3-Hydroxylierung von Fampridin zu 3-Hydroxy-4-Aminopyridin durch menschliche

Lebermikrosome schien durch Cytochrom P450 2E1 (CYP2E1) katalysiert zu werden.

Es gab Hinweise auf eine direkte Hemmung von CYP2E1 durch eine Fampridin-Konzentration von

30 μM (ca. 12 % Hemmung), was ungefähr dem 100-Fachen der durchschnittlichen

Plasmakonzentration von Fampridin, die für die 10 mg Retardtablette gemessen wird, entspricht.

Die Behandlung von gezüchteten menschlichen Hepatozyten mit Fampridin hatte geringe oder keine

Wirkung auf die CYP1A2, CYP2B6, CYP2C9, CYP2C19, CYP2E1 oder CYP3A4/5

Enzymaktivitäten.

Elimination

Der Haupteliminationsweg von Fampridin ist die Ausscheidung über die Nieren, wobei ca. 90 % der

Dosis innerhalb von 24 Stunden als unveränderter Wirkstoff im Urin gefunden werden. Die renale

Clearance (CLR 370 ml/min) ist aufgrund der kombinierten glomerulären Filtration und aktiven

Ausscheidung durch den renalen OCT2-Transporter erheblich größer als die glomeruläre

Filtrationsrate. Mit den Fäzes werden weniger als 1 % der verabreichten Dosis ausgeschieden.

Fampridin ist durch eine lineare (dosisproportionale) Pharmakokinetik mit einer terminalen

Eliminationshalbwertszeit von ca. 6 Stunden gekennzeichnet. Die maximale Plasmakonzentration

) und zu einem geringeren Umfang die Fläche unter der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve (AUC)

nimmt proportional zur Dosis zu. Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion gibt es bei Einnahme in

der empfohlenen Dosis keine Hinweise auf eine klinisch relevante Akkumulation von Fampridin. Bei

Patienten mit Nierenfunktionsstörung erfolgt die Akkumulation relativ zum Grad der

Funktionsstörung.

Besondere Patientengruppen

Ältere Patienten

Fampridin wird überwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden, und da sich die Kreatinin-

Clearance bekanntermaßen mit zunehmendem Alter verringert, wird eine Kontrolle der

Nierenfunktion bei älteren Patienten empfohlen (siehe Abschnitt 4.2).

Kinder und Jugendliche

Es liegen keine Daten vor.

Patienten mit Niereninsuffizienz

Fampridin wird primär als unveränderter Wirkstoff über die Nieren ausgeschieden. Bei Patienten,

deren Nierenfunktion beeinträchtigt sein könnte, ist deshalb die Nierenfunktion zu kontrollieren. Es

kann davon ausgegangen werden, dass die Konzentrationen von Fampridin bei Patienten mit leichter

Nierenfunktionsstörung ca. 1,7- bis 1,9-mal höher sind als bei Patienten mit normaler Nierenfunktion.

Fampridin neuraxpharm ist bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Niereninsuffizienz (siehe

Abschnitte 4.3 und 4.4) kontraindiziert.

5.3.

Präklinische Daten zur Sicherheit

Fampridin wurde in Toxizitätsstudien mit wiederholter Verabreichung oraler Dosen an mehreren

Tierspezies untersucht.

Nebenwirkungen nach oral verabreichtem Fampridin traten schnell ein, am häufigsten innerhalb der

ersten 2 Stunden nach Verabreichung. Die klinischen Symptome nach hohen Einzeldosen oder

wiederholten niedrigeren Dosen waren bei allen untersuchten Spezies ähnlich und umfassten Tremor,

Krämpfe, Ataxie, Dyspnoe, erweiterte Pupillen, Entkräftung, abnormale Vokalisierung, beschleunigte

Atmung und übermäßige Speichelbildung. Gangauffälligkeiten und Übererregbarkeit wurden ebenfalls

beobachtet. Diese klinischen Symptome waren nicht unerwartet und sind auf die übersteigerte

pharmakologische Wirkung von Fampridin zurückzuführen. Darüber hinaus wurden bei Ratten

einzelne Fälle von tödlich verlaufenden Harnwegsobstruktionen beobachtet. Die klinische Relevanz

dieser Befunde muss noch geklärt werden, aber ein ursächlicher Zusammenhang mit der Behandlung

mit Fampridin kann nicht ausgeschlossen werden.

In Studien zur Reproduktionstoxizität bei Ratten und Kaninchen wurden bei Dosen, die für die Mütter

toxisch waren, Gewichtsreduktion und verminderte Lebensfähigkeit der Föten und Nachkommen

beobachtet. Es wurde jedoch kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder unerwünschte Wirkungen

auf die Fertilität beobachtet.

In einer Reihe von Studien, in vitro und in vivo, zeigte Fampridin kein mutagenes, klastogenes oder

karzinogenes Potential.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1.

Liste der sonstigen Bestandteile

Tablettenkern

Hypromellose

mikrokristalline Cellulose

hochdisperses Siliciumdioxid

Magnesiumstearat

Filmüberzug

Hypromellose

Titandioxid (E 171)

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