Detrusitol SR 4 mg Retard-Kapseln

Schweiz - Deutsch - Swissmedic (Swiss Agency for Therapeutic Products)

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Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation (PIL)

01-02-2020

Fachinformation Fachinformation (SPC)

25-10-2018

Wirkstoff:
tolterodinum
Verfügbar ab:
Pfizer PFE Switzerland GmbH
ATC-Code:
G04BD07
INN (Internationale Bezeichnung):
tolterodinum
Darreichungsform:
Retard-Kapseln
Zusammensetzung:
tolterodini l-tartras 4 mg corresp. tolterodinum 2.74 mg, sacchari sphaerae corresp. saccharum 80.66 – 118.10 mg et maydis amylum, hypromellosum, ethylcellulosum, triglycerida media, acidum oleicum, Kapselhülle: gelatina, E 132, E 171, Drucktinte: lacca, E 171, propylenglycolum, simethiconum, pro capsula.
Klasse:
B
Therapiegruppe:
Synthetika
Therapiebereich:
Behandlung der hyperaktiven Blase
Zulassungsnummer:
55581
Berechtigungsdatum:
2000-12-11

Dokumente in anderen Sprachen

Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation - Französisch

23-10-2018

Fachinformation Fachinformation - Französisch

23-10-2018

Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation - Italienisch

01-02-2020

Fachinformation Fachinformation - Italienisch

07-05-2021

Information für Patientinnen und Patienten

Lesen Sie diese Packungsbeilage sorgfältig, bevor Sie das Arzneimittel einnehmen. Dieses Arzneimittel

ist Ihnen persönlich verschrieben worden und Sie dürfen es nicht an andere Personen weitergeben. Auch

wenn diese die gleichen Krankheitssymptome haben wie Sie, könnte ihnen das Arzneimittel schaden.

Bewahren Sie die Packungsbeilage auf, Sie wollen sie vielleicht später nochmals lesen.

Detrusitol® SR

Pfizer PFE Switzerland GmbH

Was ist Detrusitol SR und wann wird es angewendet?

Detrusitol SR ist ein Arzneimittel zur Behandlung der hyperaktiven Blase, welche gekennzeichnet ist

durch eines oder mehrere der folgenden Symptome: häufiges Wasserlassen, plötzlicher

unkontrollierbarer Harndrang, unfreiwilliger Harnverlust.

Detrusitol SR wirkt erschlaffend auf den hyperaktiven Blasenmuskel. Dadurch wird das

Fassungsvermögen der Harnblase vergrössert, der erste Drang zum Wasserlösen verzögert und die

Häufigkeit der willkürlichen und unwillkürlichen Blasenentleerungen gesenkt.

Die Wirksamkeit der Behandlung entfaltet sich in der Regel innerhalb von vier Wochen.

Detrusitol SR darf nur auf Verschreibung des Arztes oder der Ärztin angewendet werden.

Was sollte dazu beachtet werden?

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen von Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin zur Behandlung der hyperaktiven

Blase verschrieben.

Die Anwendung eines falsch gewählten oder nicht richtig dosierten Arzneimittels kann Komplikationen

verursachen. Wenden Sie es deshalb nie von sich aus für die Behandlung anderer Erkrankungen oder

anderer Personen an.

Wann darf Detrusitol SR nicht angewendet werden?

Falls Sie an einer Überempfindlichkeit (Allergie) gegen einen Inhaltsstoff von Detrusitol SR, an einem

Harnverhalt, schwerer entzündlicher Darmerkrankung (Colitis ulcerosa), einer immunologisch bedingten

Muskelschwäche (Myasthenia gravis) oder einer nicht behandelten Erhöhung des Augeninnendrucks

(sogenannter grüner Star bei Engwinkelglaukom) leiden, dürfen Sie Detrusitol SR nicht einnehmen.

Wann ist bei der Anwendung von Detrusitol SR Vorsicht geboten?

Vor einer Behandlung mit Detrusitol SR sollten organische Ursachen für Harndrang und häufiges

Wasserlassen ausgeschlossen werden.

Informieren Sie bitte Ihren Arzt oder Ärztin, wenn Sie an einem oder mehreren der folgenden Zustände

leiden:

·Zwerchfellbruch (Hiatushernie);

·Prostataleiden sowie andere Krankheiten der unteren Harnwege, die den Harnfluss behindern;

·Abflussbehinderung im Magen-Darm-Trakt wie z.B. eine Verengung des Magenpförtners, welcher den

Übertritt des Speisebreis vom Magen in den Zwölffingerdarm ermöglicht;

·Risiko für eine Beeinträchtigung der Magen-Darmtätigkeit;

·Nierenerkrankungen;

·Lebererkrankungen;

·Nervenerkrankungen (Neuropathie)

·Herzerkrankungen.

Da klinische Erfahrungen mit Kindern fehlen, sollte das Präparat bei dieser Patientengruppe nicht

angewendet werden.

Folgende Arzneimittel können die Wirksamkeit von Detrusitol SR steigern bzw. beeinträchtigen:

Arzneimittel gegen Depressionen, Arzneimittel gegen die Parkinsonsche Krankheit, bestimmte

Arzneimittel gegen Übelkeit und Magenentleerungsstörungen (z.B. Paspertin), sowie bestimmte

Antibiotika (Mittel gegen Infektionen) und Arzneimittel zur Pilzbehandlung.

Detrusitol SR kann die Wirksamkeit von Arzneimitteln gegen Demenz abschwächen.

Detrusitol SR kann auch die Wirkung und Nebenwirkungen von anderen Arzneimitteln beeinflussen. Es

ist deshalb wichtig, dass Sie Ihren Arzt bzw. Ihre Ärztin über die Einnahme weiterer Arzneimittel

informieren.

Bitte nehmen Sie Detrusitol SR erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen bekannt ist, dass

Sie unter einer Zuckerunverträglichkeit leiden.

Da dieses Arzneimittel Störungen des Nahsehens verursachen kann und die Reaktionszeit beeinflusst,

kann die Reaktionsfähigkeit, die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Werkzeuge oder Maschinen zu

bedienen, beeinträchtigt werden!

Informieren Sie Ihren Arzt, Apotheker bzw. Ihre Ärztin, Apothekerin, wenn Sie

·an anderen Krankheiten leiden,

·Allergien haben oder

·andere Arzneimittel (auch selbst gekaufte!) einnehmen oder äusserlich anwenden!

Darf Detrusitol SR während einer Schwangerschaft oder in der Stillzeit angewendet werden?

Falls Sie schwanger sind, es werden möchten oder wenn Sie stillen, dürfen Sie Detrusitol SR nicht

einnehmen. Wenn Sie Detrusitol SR einnehmen und im gebärfähigen Alter sind, müssen Sie für eine

zuverlässige Schwangerschaftsverhütung Sorge tragen.

Wie verwenden Sie Detrusitol SR?

Falls von Ihrem Arzt oder Ärztin nicht anders verordnet und Sie an keiner Lebererkrankung oder

Nierenerkrankung leiden oder Arzneimittel einnehmen, welche mit Detrusitol SR in Wechselwirkung

treten, ist einmal täglich eine Retardkapsel zu 4 mg einzunehmen. Sie können die Retardkapseln

zusammen mit Ihrer Mahlzeit oder unabhängig davon einnehmen. Die Retardkapseln müssen in jedem

Fall ganz, d.h. unzerbrochen, eingenommen werden und dürfen nicht zerkaut werden.

Die Anwendung und Sicherheit von Detrusitol SR bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht geprüft

worden.

Halten Sie sich an die Anordnung Ihres Arztes bzw. Ihrer Ärztin, denn er/sie hat die Einnahmevorschrift

und die Dosis auf Sie persönlich abgestimmt.

Ändern Sie nicht von sich aus die verschriebene Dosierung. Wenn Sie glauben, das Arzneimittel wirke

zu schwach oder zu stark, so sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker bzw. mit Ihrer Ärztin oder

Apothekerin.

Welche Nebenwirkungen kann Detrusitol SR haben?

Folgende Nebenwirkungen können bei der Einnahme oder Anwendung von Detrusitol SR auftreten:

Sehr häufig (betrifft mehr als einen von 10 Anwendern)

Mundtrockenheit.

Häufig (betrifft 1 bis 10 von 100 Anwendern)

Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Schwindel, Blähungen,

Verdauungsstörungen, Bauchschmerzen, Verstopfung, Störungen des Sehens inkl. des Nahsehens,

verminderter Tränenfluss, Entzündung der Nebenhöhlen, trockene Haut, Hautrötungen, Schmerzen beim

Wasserlösen, Wassereinlagerung ins Gewebe (Ödeme).

Selten (betrifft 1 bis 10 von 10'000 Anwendern)

Allergische Reaktionen, Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre, Harnverhalt, Verwirrtheit und

Beschleunigung der Herztätigkeit.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind Orientierungslosigkeit, Verschlechterung des Gedächtnisses

und Durchfall.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker bzw. Ihre Ärztin,

Apothekerin. Dies gilt insbesondere auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage

angegeben sind.

Was ist ferner zu beachten?

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet

werden.

Lagerungshinweis

Bei Raumtemperatur (unterhalb 25 °C) und in der Originalverpackung aufbewahren um den Inhalt vor

Licht zu schützen.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Weitere Hinweise

Wenn Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin Ihnen sagt, dass Sie die Behandlung abbrechen sollen, sollten Sie alle

nicht gebrauchten Detrusitol SR Retardkapseln Ihrem Arzt bzw. Ihrer Ärztin oder Ihrer Apotheke

zurückbringen.

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen Ihr Arzt, Apotheker bzw. Ihre Ärztin, Apothekerin. Diese Personen

verfügen über die ausführliche Fachinformation.

Was ist in Detrusitol SR enthalten?

Retardkapseln zu 2 mg sind blau-grün mit weissem Aufdruck.

Retardkapseln zu 4 mg sind blau mit weissem Aufdruck.

Wirkstoffe

1 Retardkapsel zu 2 mg enthält 2 mg Tolterodin L-tartrat entsprechend 1.37 mg Tolterodin.

1 Retardkapsel zu 4 mg enthält 4 mg Tolterodin L-tartrat entsprechend 2.74 mg Tolterodin.

Hilfsstoffe

Retardkapseln zu 2 mg: Zucker-Stärke-Pellets (Saccharose, Maisstärke), Ethylcellulose, mittelkettige

Trigylceride, Ölsäure, Hypromellose, Schellack, Titandioxid, Propylenglykol (E 1520), Simeticon,

Gelatine, Indigocarmin (E 132), gelbes Eisenoxid (E 172).

Retardkapseln zu 4 mg: Zucker-Stärke-Pellets (Saccharose, Maisstärke), Ethylcellulose, mittelkettige

Trigylceride, Ölsäure, Hypromellose, Schellack, Titandioxid, Propylenglykol (E 1520), Simeticon,

Gelatine, Indigocarmin (E 132).

Zulassungsnummer

55581 (Swissmedic).

Wo erhalten Sie Detrusitol SR? Welche Packungen sind erhältlich?

In Apotheken nur gegen ärztliche Verschreibung.

Detrusitol SR Retardkapseln 2 mg: Blisterpackung zu 28 Kapseln.

Detrusitol SR Retardkapseln 4 mg: Blisterpackungen zu 14, 56 Kapseln.

Zulassungsinhaberin

Pfizer PFE Switzerland GmbH, Zürich.

Diese Packungsbeilage wurde im Februar 2020 letztmals durch die Arzneimittelbehörde (Swissmedic)

geprüft.

PIL V004

Fachinformation

Transferiert von Pfizer AG

Detrusitol® SR

Pfizer PFE Switzerland GmbH

Zusammensetzung

Wirkstoff: Tolterodin L-tartrat.

Hilfsstoffe:

Kapselinhalt: Saccharosum, Maydis amylum, Ethylcellulosum, Triglyceride saturate media, Acidum

oleicum, Hypromellosum.

Kapselhülle:

2 mg Retard-Kapsel: Gelatina, Lacca, Propylenglycolum, Titanii dioxidum (E171), Color: E132,

Color: E172.

4 mg Retard-Kapsel: Gelatina, Lacca, Propylenglycolum, Titanii dioxidum (E171), Color: E132.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

1 Retardkapsel enthält: Tolterodin L-tartrat 2 bzw. 4 mg entsprechend 1.37 mg, bzw. 2.74 mg

Tolterodin.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung der hyperaktiven Blase, verbunden mit den Symptomen imperativer Harndrang,

Pollakisurie oder Dranginkontinenz.

Dosierung/Anwendung

Die empfohlene Dosis beträgt einmal täglich 4 mg.

Die Retard-Kapseln können mit oder ohne Nahrung eingenommen werden und müssen ganz (d.h.

unzerkaut) geschluckt werden.

Nach sechs Monaten soll die Notwendigkeit der Weiterbehandlung überprüft werden.

Spezielle Dosierungsanweisungen:

Kinder und Jugendliche: Die Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern und Jugendlichen ist nicht

erwiesen. Daher wird Detrusitol SR für Kinder und Jugendliche nicht empfohlen.

Eingeschränkte Leberfunktion

Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion, insbesondere bei schwerer Leberinsuffizienz

(Leberzirrhose), sollte eine Maximaldosis von 2 mg/d nicht überschritten werden.

Eingeschränkte Nierenfunktion

Bei Patienten mit Niereninsuffizienz sollte eine Maximaldosis von 2 mg/d nicht überschritten

werden.

Komedikation mit starken CYP3A4-Hemmern

Bei Komedikation mit starken CYP3A4-Hemmern (z.B. Ketoconazol) sollte eine Maximaldosis von

2 mg Tolterodin pro Tag nicht überschritten werden. (vgl. «Warnhinweise und

Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

Detrusitol SR ist kontraindiziert bei Patienten mit:

·Harnretention;

·schwerer Colitis ulcerosa;

·toxischem Megacolon;

·unbehandeltem Engwinkelglaukom;

·Myasthenia gravis;

·bekannter Überempfindlichkeit gegen Tolterodin oder einen der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Tolterodin sollte mit Vorsicht bei Patienten mit den folgenden klinischen Zuständen eingesetzt

werden:

·Obstruktionen im Blasenhalsbereich verbunden mit dem Risiko eines Harnverhaltes;

·obstruktive Störungen im Gastrointestinaltrakt, z.B. Pylorusstenose;

·Risiko für eine Beeinträchtigung der gastrointestinalen Motilität;

·Nierenerkrankungen (Tagesdosis sollte maximal 2 mg betragen);

·Lebererkrankungen (Tagesdosis sollte maximal 2 mg betragen);

·Hiatushernie;

·autonome Neuropathie.

Organische Ursachen für Harndrang und Pollakisurie sollten vor der Behandlung abgeklärt werden.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit starken CYP3A4-Inhibitoren in normaler Dosierung wie

Makrolidantibiotika (z.B. Erythromycin und Clarythromycin) oder Antimykotika (z.B. Ketokonazol,

Itrakonazol und Micokonazol) sollte die tägliche Tolterodindosis 2 mg nicht überschreiten. Die

Hochdosistherapie mit CYP3A4-Hemmern (wie z.B. bei HIV-infizierten Patienten) wurde nicht

untersucht. In einem solchen Fall wird die gleichzeitige Anwendung von Detrusitol SR nicht

empfohlen, bis weitere Daten vorliegen. Zu einer Komedikation von Tolterodin mit

Proteaseinhibitoren wie Ritonavir liegen bisher keine Daten vor (vgl. «Interaktionen»).

Der Effekt von Tolterodin 2 mg oder 4 mg 2× täglich auf die QT-Zeit wurde an 48 gesunden

Probanden im Vergleich zu 400 mg Moxifloxacin untersucht.

Nach oraler Mehrfachverabreichung einer täglichen Gesamtdosis von 4 mg (therapeutisch) und 8 mg

(supratherapeutisch) Tolterodin wurde eine dosisabhängige QTc-Intervall-Verlängerung um

durchschnittlich 2.4 bzw. 4.8 ms beobachtet, 9.9 ms bei Moxifloxacin 400 mg (aktive Kontrolle). In

klinischen Studien wurde bei einem grossen und repräsentativen Patientenkollektiv in der

empfohlenen Dosierung von Tolterodintabletten keine Verlängerung des QT-Intervals festgestellt.

Folgenden Patienten muss vor Beginn einer Tolterodin-Therapie besondere Beachtung geschenkt

werden: Patienten mit bekannten Risikofaktoren für eine QT-Verlängerung, Patienten mit relevanten

bereits bestehenden Herzerkrankungen sowie Patienten, die begleitend z.B. Anti-Arrhythmika der

Klasse IA und Klasse III oder QT verlängernde Arzneimittel erhalten.

Klinische Erfahrungen bei Kindern liegen nicht vor.

Interaktionen

Die gleichzeitige Medikation mit anderen Wirkstoffen, welche anticholinerge Eigenschaften

besitzen, kann zu einem ausgeprägteren therapeutischen Effekt und vermehrten bzw. stärkeren

Nebenwirkungen führen. Umgekehrt ist durch die gleichzeitige Gabe eines cholinergen Muscarin-

Agonisten eine Beeinträchtigung der therapeutischen Wirkung von Tolterodin möglich.

Ausserdem ist eine Verstärkung der Wirkung und Nebenwirkungen anderer anticholinerger

Arzneimittel möglich, wenn gleichzeitig Tolterodin verabreicht wird. Umgekehrt kann es bei

Patienten, welche wegen einer Demenz mit Cholinesterasehemmern behandelt werden, zu einer

Abschwächung der Wirkung der Demenz-Therapie mit Verschlechterung der Demenz-Symptome

kommen (vgl. «Unerwünschte Wirkungen»).

Die Wirkungen von Metoclopramid und Cisaprid können durch Tolterodin reduziert werden.

Pharmakokinetische Interaktionen sind möglich mit Substanzen, die ebenfalls von CYP2D6 oder

CYP3A4 metabolisiert werden, bzw. solchen die diese Enzyme inhibieren, wie Fluoxetin. Dieser

selektive Serotinwiederaufnahmehemmer bewirkt eine starke Hemmung von CYP2D6. In einer

Studie konnte nachgewiesen werden, dass Fluoxetin den Metabolismus von Tolterodin bei

«extensiven» Metabolisierern signifikant hemmte, was zu einem 4.8-fachen Anstieg der AUC von

Tolterodin bei einer gleichzeitigen Abnahme der AUC des aktiven 5-Hydroxymethylmetaboliten

DD01 (vgl. «Pharmakokinetik») um 20% sowie zu einem Abfall der Cmax um 52% führte. Somit

gleicht die Pharmakokinetik eines normalerweise «extensiven» Metabolisierers unter Fluoxetin

derjenigen eines schlechten Metabolisierers. Jedoch hat die gleichzeitige Behandlung mit Fluoxetin

nur einen Anstieg um 25% der kombinierten Exposition gegenüber ungebundenem Tolterodin und

dem gleich wirksamen 5-Hydroxymethylmetaboliten zur Folge. Somit kommt es zu keiner klinisch

relevanten Interaktion, und eine Dosisanpassung erübrigt sich.

Die gleichzeitige Behandlung mit Ketokonazol (200 mg/d), einem starken CYP3A4-Inhibitor, führt

vor allem bei gleichzeitiger Reduktion der CYP2D6-Aktivität zu einem Anstieg der AUC von

Tolterodin. In einer Studie an schlechten Metabolisierern für CYP2D6 (die ca. 5-10% der

kaukasischen Bevölkerung ausmachen), kam es zu einem Anstieg der AUC von Tolterodin auf das

2.2-fache. Bei Patienten, welche gleichzeitig CYP3A4-Hemmer wie Makrolid-Antibiotika (z.B.

Erythromycin und Clarythromycin) oder Antimykotika (z.B. Ketokonazol, Itrakonazol und

Miconazol) erhalten, sollte daher eine Tageshöchstdosis von 2 mg nicht überschritten werden.

Der Proteasehemmer Ritonavir gilt als etwa gleich starker CYP3A4-Hemmer wie Ketokonazol.

Jedoch wurde der Einfluss von Ritonavir sowie der Einfluss von hohen Dosen der oben genannten

Arzneimittel, wie Makrolid-Antibiotika oder Antimykotika des Azol-Typs (wie z.B. bei der HIV-

Therapie) nicht untersucht. Die gleichzeitige Anwendung von Detrusitol SR bei diesen Therapien

wird nicht empfohlen, bis weitere Daten vorhanden sind.

Interaktionen mit den in der Schweiz erhältlichen oralen Antikoagulantien (z.B. Acenocoumarol,

Phenprocoumon) wurden nicht speziell untersucht. Subanalysen klinischer Daten von Patienten, die

gleichzeitig mit in der Schweiz nicht registrierten Antikoagulantien behandelt wurden (n= 109),

zeigen keinen Hinweis auf unterschiedliche Nebenwirkungsprofile.

In Studien mit gesunden Probanden/innen ergab sich kein Hinweis auf eine Interaktion mit Warfarin

oder kombinierten oralen Kontrazeptiva (Ethinylestradiol/Levonorgestrel).

Klinische Studien mit entsprechenden Substanzen ergaben keinen Hinweis für eine Inhibition von

CYP2D6, 2C19, 3A4 oder 1A2 durch Tolterodin.

Schwangerschaft/Stillzeit

Klinische Erfahrungen über die Behandlung schwangerer Frauen liegen nicht vor. Studien an

Mäusen haben gezeigt, dass hohe Dosen von Tolterodin, welche die therapeutische Dosierung um ein

Mehrfaches übersteigen, zu einem reduzierten Fötalgewicht, Fruchttod und erhöhter Inzidenz von

fötalen Missbildungen führen können. Bis mehr Informationen über die Behandlung schwangerer

Frauen vorliegen, sollten diese nicht mit Tolterodin behandelt werden. Die Behandlung von Frauen

im fertilen Alter sollte demzufolge nur bei sicherem Konzeptionsschutz durchgeführt werden.

Tolterodin sollte ebenfalls nicht in der Stillzeit eingenommen werden, da Daten über die Passage in

die Muttermilch fehlen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Da Detrusitol SR Akkommodationsstörungen verursachen kann und die Reaktionszeit beeinflusst,

kann die Fahrtüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen beeinträchtigt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Folgende unerwünschte Wirkungen wurden bei der Einnahme von Detrusitol SR beobachtet:

Wegen der pharmakologischen Wirkung von Tolterodin können unter der Therapie leichte bis

mässige antimuskarinische Effekte wie Mundtrockenheit, Dyspepsie, und trockene Augen auftreten.

Die nachfolgende Auflistung basiert auf den Daten von klinischen Studien. Die am häufigsten

auftretende Nebenwirkung war Mundtrockenheit. Es gab keinen Unterschied hinsichtlich der Anzahl

von nebenwirkungsbedingten Therapieabbrüchen zwischen Detrusitol SR und Placebo.

Immunsystem:

selten

Anaphylaktoide Reaktionen.

Nervensystem:

sehr

häufig

Mundtrockenheit (23.4%).

häufig

Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Kopfschmerz,

Schwindel.

selten

Verwirrtheit.

Augen:

häufig

Sehstörungen inkl. Akkomodationsstörungen, Xerophthalmie.

Herz und Gefässe:

selten

Tachykardie.

Atmungsorgane:

häufig

Sinusitis.

Gastrointestinale

Störungen:

häufig

Flatulenz, Dyspepsie, Abdominalschmerz, Obstipation.

selten

gastroösophagealer Reflux.

Haut:

häufig

Trockene Haut, Hautrötungen, periphere Ődeme.

Nieren und Harnwege:

häufig

Dysurie.

selten

Harnretention.

Über die folgenden unerwünschten Wirkungen wurde nach der Marktzulassung von Detrusitol SR

berichtet:

Desorientiertheit, Verschlechterung des Gedächtnisses, Diarrhoe.

Darüber hinaus wird über Fälle berichtet, in denen es bei Patienten, die Cholinesterase-Hemmer zur

Behandlung einer Demenz einnahmen, nach Beginn einer Tolterodin-Therapie zu einer

Verschlechterung der Demenz-Symptome (z.B. Desorientiertheit, Verwirrtheit, Wahnvorstellungen)

kam.

Überdosierung

Eine Einzeldosis von 12.8 mg Tolterodin L-Tartrat wurde als höchste Dosis gesunden Probanden

verabreicht und führte zu Akkomodationsstörungen und Miktionsschwierigkeiten.

Als unspezifische Massnahmen bei Überdosierung empfehlen sich je nach Schweregrad der

Vergiftung die Gabe von Aktivkohle bzw. Magenspülung.

Wenn mehrere zentrale anticholinerge Effekte wie Halluzinationen und schwere Exzitationen

dominieren, sollte Physostigmin verabreicht werden. Die Dosis wird bis zum gewünschten

therapeutischen Effekt titriert und im Bedarfsfalle nochmals verabreicht. In Fällen von

Erregungszuständen und Krämpfen können Benzodiazepine gegeben werden. Bei respiratorischer

Insuffizienz sollte künstlich beatmet werden. Für die Behandlung einer Tachykardie sind

Betablocker geeignet. Einem Harnverhalt ist therapeutisch durch Katheterisierung zu begegnen. Bei

starker Beeinträchtigung durch Mydriasis sollte der Patient in einem dunklen Raum untergebracht

und/oder eventuell mit Pilocarpintropfen behandelt werden.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: G04BD07

Wirkungsmechanismus

Anticholinerge Wirkung.

Pharmakodynamik

Tolterodin ist ein kompetitiver, spezifischer Muscarinrezeptorantagonist mit einem im Tierversuch

nachgewiesenen selektiven Effekt auf den Detrusormuskel im Vergleich zur Wirkung auf die

Speicheldrüsen. Ein aktiver Hauptmetabolit, ein 5-Hydroxymethylabkömmling, zeigt ein

pharmakologisches Profil, welches dem der Ausgangssubstanz ähnlich ist. Dieser Metabolit trägt bei

«extensive metabolisers» wesentlich zum therapeutischen Effekt von Tolterodin bei (siehe auch

Kapitel «Pharmakokinetik»).

Klinische Wirksamkeit

Bei Patienten erhöht Tolterodin die Blasenkapazität und reduziert die Miktionshäufigkeit sowie die

Inkontinenzepisoden bei hyperaktivem Detrusor. Innerhalb von vier Wochen ist mit der Wirkung der

Behandlung zu rechnen.

Pharmakokinetik

Absorption

Die absolute Bioverfügbarkeit von Tolterodin beträgt 65% bei schlechten Metabolisierern (solchen

mit einem Defizit an CYP2D6, siehe auch unter «Metabolismus») und 17% bei «extensiven»

Metabolisierern (der Mehrheit der Patienten). Die Nahrungsaufnahme hat keinen Einfluss auf die

Bioverfügbarkeit von Detrusitol SR Retard-Kapseln. Maximale Serumkonzentrationen von

Tolterodin sowie des 5-Hydroxymethylmetaboliten werden 2-6 Stunden nach Verabreichung der

Retard-Kapseln erreicht. Im therapeutischen Dosisbereich ist die Pharmakokinetik linear.

Distribution

Steady State Konzentrationen für Tolterodin und den 5-Hydroxymethylmetaboliten werden innerhalb

von 4 Tagen nach Verabreichung der Retard-Kapseln erreicht.

Tolterodin und der 5-Hydroxymetabolit binden sich vor allem an Orosomucoid. Die ungebundenen

Fraktionen betragen 3.7 bzw. 36%. Das Verteilungsvolumen beträgt 113 Liter.

Metabolismus

Tolterodin wird bei ca. 90-95% der kaukasischen Bevölkerung hauptsächlich von dem polymorphen

Enzym CYP2D6 metabolisiert, woraus die Bildung des pharmakologisch aktiven 5-

Hydroxymethylmetaboliten (DD01) resultiert. Bei schlechten Metabolisierern (solchen mit einem

Defizit an CYP2D6) wird Tolterodin via die CYP3A-Isoenzyme dealkyliert, wobei N-dealkyliertes

Tolterodin entsteht. Dieser Metabolit trägt nicht zum klinischen Effekt bei. Die systemische

Clearance von Tolterodin beträgt ca. 30 l/h. Die Halbwertszeit für Tolterodin und den 5-

Hydroxymethylmetaboliten beträgt ca. 6 Stunden. Bei schlechten Metabolisierern ist die

Halbwertszeit für Tolterodin verlängert (11 Stunden) und die Clearance reduziert. Bei diesen

Patienten wurden um das ca. 7-fache ansteigende Tolterodinkonzentrationen, verbunden mit nicht

nachweisbaren Konzentrationen des 5-Hydroxymethylmetaboliten, nachgewiesen. Es ergaben sich

hieraus keine Unterschiede hinsichtlich der Sicherheit und Verträglichkeit.

Elimination

Anhand von Messungen mit [14C] radioaktiv markiertem Tolterodin fanden sich 77% der

Radioaktivität im Urin und 17% in den Fäzes. Weniger als 1% der Dosis wurde als unveränderte

Substanz und ca. 4% als 5-Hydroxymethyl-Metabolit ausgeschieden. Der carboxylierte und der

dealkylierte Metabolit machen etwa 51 bzw. 29% der im Urin nachgewiesenen Metaboliten aus.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Leberfunktionsstörungen: Bei Patienten mit Leberzirrhose wurde ein Anstieg der Exposition

gegenüber ungebundenem Tolterodin und seinem 5-Hydroxymethyl-Metaboliten auf etwa das

Doppelte beobachtet.

Nierenfunktionsstörungen: Bei Patienten mit Niereninsuffizienz (GFR <30 ml/min) war die

Exposition gegenüber Tolterodin und seinem aktiven Metaboliten auf das Doppelte erhöht.

Ältere Patienten: Es wurden keine wesentlichen Unterschiede zu jüngeren Patienten beobachtet.

Präklinische Daten

In Studien zur Toxizität, Genotoxizität, Karzinogenizität und Sicherheitspharmakologie wurden

ausser der pharmakologischen Substanzwirkung keine relevanten Wirkungen beobachtet.

Mit Mäusen und Kaninchen wurden Reproduktionsstudien durchgeführt. Bei Mäusen zeigte sich

keine Wirkung von Tolterodin auf die Fruchtbarkeit oder die reproduktive Funktion.

Plasmakonzentrationen (Cmax oder AUC), die das 7- oder 20-fache der Plasmakonzentrationen von

mit Tolterodin behandelten Menschen betrugen, führten zu Embryoletalität und Missbildungen.

Bei Kaninchen wurden keine teratogenen Wirkungen beobachtet, wobei die Studien mit einer im

Vergleich zu den zu erwartenden Plasmaspiegeln beim Menschen mit einer 20 - oder dreimal

höheren Exposition im Plasma (Cmax oder AUC) durchgeführt wurden.

Bei Hunden wurde eine leichte Verlängerung des QT-Intervals bei hohen Konzentrationen von

Tolterodin oder des Hauptmetaboliten (das 50- bis 100-fache der therapeutischen Konzentration)

beobachtet.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Verpackung mit «EXP» bezeichneten Datum

verwendet werden.

Besondere Lagerungshinweise

Bei Raumtemperatur (unterhalb 25 °C) und in der Originalverpackung aufbewahren um den Inhalt

vor Licht zu schützen.

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Zulassungsnummer

55581 (Swissmedic).

Packungen

Detrusitol SR ret Kaps 2 mg 28. [B]

Detrusitol SR ret Kaps 4 mg 14. [B]

Detrusitol SR ret Kaps 4 mg 56. [B]

Zulassungsinhaberin

Pfizer PFE Switzerland GmbH, Zürich.

Stand der Information

April 2009.

LLD V001

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