Carbamazepin HEXAL 200mg Tablette

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Carbamazepin
Verfügbar ab:
Hexal Aktiengesellschaft
ATC-Code:
N03AF01
INN (Internationale Bezeichnung):
Carbamazepine
Darreichungsform:
Tablette
Zusammensetzung:
Carbamazepin 200.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
32547.00.00

Gebrauchsinformation: Information für

Patienten

Carbamazepin HEXAL® 200 mg Tabletten

Carbamazepin

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme

dieses Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte

weiter. Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden

haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies

gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe

Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

1. Was ist Carbamazepin HEXAL und wofür wird es angewendet?

2. Was sollten Sie vor der Einnahme von Carbamazepin HEXAL beachten?

3. Wie ist Carbamazepin HEXAL einzunehmen?

4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

5. Wie ist Carbamazepin HEXAL aufzubewahren?

6. Inhalt der Packung und weitere Informationen

1

Was ist Carbamazepin HEXAL und wofür wird es angewendet?

Carbamazepin HEXAL enthält den Wirkstoff Carbamazepin. Es ist ein Arzneimittel zur

Behandlung von epileptischen Anfallserkrankungen und anderen Anfallskrankheiten sowie

bestimmten Schmerzzuständen sowie zur Vorbeugung bei bestimmten psychischen

Störungen.

Carbamazepin HEXAL wird angewendet zur Behandlung von:

Epilepsien

Anfälle, die von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen (fokale Anfälle).

Die Anfälle können ohne Bewusstseinsstörungen (einfache partielle Anfälle) oder

einhergehend mit Bewusstseinsstörungen (komplexe partielle Anfälle,

psychomotorische Anfälle) auftreten

beide Gehirnhälften betreffende Anfälle (generalisierte Anfälle), insbesondere, wenn

sie ursprünglich von einem umschriebenen Gebiet des Gehirns ausgehen

(Schlaf-Grand-mal, diffuses Grand-mal)

gemischte Epilepsieformen

anfallsartig auftretenden Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie)

anfallsartigen Schmerzen unbekannter Ursache im Rachenraumbereich (genuine

Glossopharyngeus-Neuralgie)

Schmerzzuständen bei Nervenschädigungen durch Zuckerkrankheit (diabetische

Neuropathie)

nichtepileptischen Anfällen bei Multipler Sklerose, wie z. B. Trigeminus-Neuralgie,

tonischen Anfällen (Anfälle mit gleichmäßiger Muskelspannung), anfallsartigen Sprech-

und Bewegungsstörungen, Missempfindungen (paroxysmale Dysarthrie und Ataxie,

paroxysmale Parästhesien) und Schmerzanfällen

Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom

zur Vorbeugung manisch-depressiver Phasen (bestimmter psychischer Störungen mit

Stimmungsschwankungen), wenn die Therapie mit Lithium versagt hat bzw. wenn

Patienten unter Lithium schnelle Phasenwechsel erlebten und wenn mit Lithium nicht

behandelt werden darf.

2

Was sollten Sie vor der Einnahme von Carbamazepin HEXAL beachten?

Carbamazepin HEXAL darf nicht eingenommen werden, wenn Sie

allergisch gegen Carbamazepin, strukturell verwandte Medikamente (z. B. trizyklische

Antidepressiva, d. h. bestimmte Mittel gegen Depressionen) oder einen der in Abschnitt 6

genannten sonstigen Bestandteile dieses Arzneimittels sind.

eine Knochenmarkschädigung oder eine Störung der Blutbildung im Knochenmark in der

Vorgeschichte haben.

Überleitungsstörungen des Herzens (atrioventrikulärer Block) haben.

an bestimmten erblichen Stoffwechseldefekten (akuter intermittierender Porphyrie,

Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda) leiden.

gleichzeitig mit einem Monoaminoxidase-Hemmer (Mittel gegen Depressionen) behandelt

werden.

gleichzeitig mit Voriconazol (Arzneimittel gegen Pilzerkrankungen) behandelt werden, da

es zum Therapieversagen dieses Medikamentes kommen kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Wenn Sie unter Absencen (Bewusstseinstrübungen) leiden, dann sollte bei Ihnen

Carbamazepin HEXAL nicht angewendet werden, da dieses Medikament solche

Anfallsformen hervorrufen bzw. bereits bestehende verstärken kann.

Schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxisch epidermale Nekrolyse), die

möglicherweise lebensbedrohlich sind, wurden in Zusammenhang mit der Anwendung von

Carbamazepin berichtet. Diese zeigen sich anfänglich als rötliche, schießscheibenartige oder

kreisförmige Flecken (oft mit einer Blase in der Mitte) am Körperstamm. Der Hautausschlag

kann zu einer großflächigen Blasenbildung oder Ablösung der Haut führen. Zusätzliche

Symptome, auf die geachtet werden sollte, sind offene, schmerzende Stellen (Ulcera) in Mund,

Hals, Nase und im Genitalbereich sowie gerötete und geschwollene Augen (Konjunktivitis).

Diese möglicherweise lebensbedrohlichen Hautreaktionen werden oft von grippeähnlichen

Symptomen (Kopfschmerzen, Fieber und Gliederschmerzen) begleitet.

Das höchste Risiko für das Auftreten dieser schweren Hautreaktionen besteht in den ersten

Behandlungswochen. Wenn bei Ihnen ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxisch

epidermale Nekrolyse in Zusammenhang mit der Anwendung von Carbamazepin aufgetreten

ist, dürfen Sie nie wieder mit Carbamazepin behandelt werden.

Wenn bei Ihnen ein Hautausschlag oder die anderen genannten Symptome an der Haut

auftreten, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Teilen Sie ihm mit, dass Sie Carbamazepin HEXAL

einnehmen.

Die beschriebenen schweren Hautreaktionen können bei Personen aus bestimmten

asiatischen Ländern häufiger auftreten. Wenn Sie zur Bevölkerungsgruppe der Han-Chinesen

oder Thailänder gehören, kann Ihr Arzt anhand eines Bluttests erkennen, ob Sie ein erhöhtes

Risiko für diese schweren Hautreaktionen haben. Ihr Arzt kann Ihnen sagen, ob vor der

Einnahme von Carbamazepin ein Bluttest erforderlich ist.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Carbamazepin HEXAL

einnehmen,

wenn Sie an einer der folgenden Erkrankungen leiden:

Erkrankungen der blutbildenden Organe (hämatologische Erkrankungen)

Zeichen einer ungewöhnlichen Empfindlichkeit (Hautausschlag oder andere Zeichen

einer Allergie) auf Oxcarbazepin oder ein anderes Arzneimittel. Wenn Sie allergisch

auf Carbamazepin reagieren, ist die Wahrscheinlichkeit etwa 25 %, dass Sie auch auf

Oxcarbazepin allergisch reagieren.

gestörter Natrium-Stoffwechsel

Herz-, Leber- und Nierenfunktionsstörungen, auch wenn Sie früher einmal daran

gelitten haben (siehe Abschnitt 3 und 4)

erhöhter Augeninnendruck (grüner Star bzw. Glaukom) oder Beschwerden oder

Schmerzen beim Wasserlassen; in diesem Fall sollten Sie sorgfältig überwacht werden

myotone Dystrophie (degenerative Muskelerkrankung, bei diesen Patienten treten

häufig Überleitungsstörungen am Herzen auf)

wenn Sie früher bereits einmal eine Behandlung mit Carbamazepin abgebrochen haben.

wenn Ihr Arzt bei Ihnen eine geistig-seelische Erkrankung mit dem Namen Psychose

festgestellt hat, die von Verwirrungs- und Übererregungszuständen begleitet sein kann.

Wenn Sie eine Frau im gebärfähigen Alter sind, sollten Sie während der Behandlung und für

zwei Wochen nach der letzten Gabe eine wirksame Verhütungsmethode anwenden. Wenn Sie

ein hormonales Kontrazeptivum (die „Pille“) einnehmen, müssen Sie wissen, dass

Carbamazepin HEXAL diese unwirksam machen kann. Sie sollten eine andere oder eine

zusätzliche nicht hormonale Verhütungsmethode verwenden. So können Sie das Risiko einer

ungewünschten Schwangerschaft verringern.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt sofort, falls es zum Auftreten unregelmäßiger vaginaler

Blutungen oder Schmierblutungen kommt.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie schwanger sind oder planen, schwanger zu werden.

Ihr Arzt wird die möglichen Risiken einer Einnahme von Carbamazepin HEXAL während der

Schwangerschaft mit Ihnen besprechen, denn es kann Schädigungen oder Fehlbildungen

beim ungeborenen Kind verursachen (siehe Abschnitt „Schwangerschaft“).

Eine geringe Anzahl von Patienten, die mit Antiepileptika wie Carbamazepin HEXAL behandelt

wurden, hatte Gedanken daran, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen.

Wenn Sie zu irgendeinem Zeitpunkt solche Gedanken haben, setzen Sie sich sofort mit Ihrem

Arzt in Verbindung.

Wenn etwas von dem oben Stehenden auf Sie zutrifft, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arzt

darüber. Sie dürfen dann Carbamazepin HEXAL nur unter entsprechenden

Vorsichtsmaßnahmen einnehmen.

Aufgrund der Möglichkeit einer erhöhten Lichtempfindlichkeit der Haut (Photosensibilisierung)

sollten Sie sich während der Behandlung mit Carbamazepin HEXAL vor starker

Sonnenbestrahlung schützen.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt sofort, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft:

Wenn Sie bei sich Anzeichen wie Fieber, Halsschmerzen, allergische Hautreaktionen wie

Hautausschlag mit Lymphknotenschwellungen und/oder grippeähnliche

Krankheitsbeschwerden, Geschwüre im Mund, Neigung zur Entstehung „blauer Flecken“,

punktförmige oder flächige Hautblutungen feststellen, suchen Sie unverzüglich Ihren Arzt

auf.

Wenn Sie bei sich Anzeichen einer allergischen Reaktion feststellen, die mit Symptomen

wie Fieber, Hautausschlag, Gefäßentzündungen, Lymphknotenschwellung oder

Gelenkschmerzen einhergehen kann, sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt oder gehen Sie in

die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses (siehe Abschnitt 4).

Wenn Sie feststellen, dass Sie häufiger Krampfanfälle haben.

Wenn Sie bei sich Anzeichen einer Leberentzündung wie Abgeschlagenheit,

Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gelbfärbung der Haut und/oder der Augen, Vergrößerung der

Leber feststellen.

Wenn Sie Nierenprobleme in Verbindung mit einem niedrigen Natriumspiegel im Blut haben

oder wenn Sie Nierenprobleme haben und gleichzeitig Arzneimittel einnehmen, die den

Natriumspiegel im Blut senken (Diuretika wie Hydrochlorothiazid, Furosemid).

Wenn Sie aufgrund der Carbamazepin-Einnahme Beschwerden wie Schwindel,

Benommenheit, Blutdruckabfall, Verwirrtheit haben, die zu Stürzen führen können.

Kinder

Kinder unter 6 Jahren dürfen Carbamazepin nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung

einnehmen.

Ältere Menschen

Bei älteren Patienten ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.

Einnahme von Carbamazepin HEXAL zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel

einnehmen/anwenden, kürzlich andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder

beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden.

Eine Behandlung mit MAO-Hemmern (Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen) muss

mindestens 2 Wochen vor Beginn einer Behandlung mit Carbamazepin HEXAL

abgeschlossen worden sein.

Beachten Sie bitte, dass die folgenden Angaben auch für vor Kurzem angewandte Arzneimittel

gelten können.

Beeinflussung der Plasmakonzentration anderer Arzneimittel durch Carbamazepin HEXAL

Carbamazepin HEXAL kann die Aktivität bestimmter Leberenzyme erhöhen und dadurch die

Plasmaspiegel anderer Arzneimittel senken.

Die Wirkung einiger anderer, gleichzeitig verabreichter Arzneimittel, die auf die gleiche Weise

wie Carbamazepin abgebaut werden, kann deshalb abgeschwächt oder sogar aufgehoben

werden.

Bei gleichzeitiger Gabe von Carbamazepin HEXAL ist die Dosierung folgender Wirkstoffe aus

verschiedenen Anwendungsbereichen gegebenenfalls den klinischen Erfordernissen

anzupassen:

Schmerzmittel, entzündungshemmende Substanzen: Buprenorphin, Fentanyl, Methadon,

Paracetamol (Langzeitanwendung von Carbamazepin und Paracetamol [Acetaminophen]

kann zu einer Hepatotoxizität führen), Phenazon, Tramadol

Arzneimittel gegen Parasiten: Praziquantel, Albendazol

blutgerinnungshemmende Mittel: Warfarin, Phenprocoumon, Dicumarol, Acenocumarol,

Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban, Edoxaban

Mittel zur Behandlung einer Depression: Bupropion, Citalopram, Mianserin, Nefazodon,

Sertralin, Trazodon (anscheinend jedoch Verstärkung des depressionslösenden Effekts)

weitere Mittel zur Behandlung einer Depression (sog. trizyklische Antidepressiva):

Imipramin, Amitryptilin, Nortryptilin, Clomipramin

Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen: Aprepitant

Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden: Clonazepam, Ethosuximid,

Felbamat, Eslicarbazepin, Oxcarbazepin, Primidon, Lamotrigin, Tiagabin, Topiramat,

Valproinsäure, Zonisamid, Phenytoin (der Plasmaspiegel von Phenytoin kann erhöht oder

vermindert werden)

Mittel zur Behandlung von (systemischen) Pilzinfektionen: Caspofungin, Antimykotika vom

Azoltyp: z. B. Itraconazol, Voriconazol. Für Patienten, die mit Voriconazol oder Itraconazol

behandelt werden, sind alternative Antikonvulsiva zu empfehlen.

Mittel gegen Viruserkrankungen/HIV: z. B. Indinavir, Ritonavir, Saquinavir

angstlösende Arzneimittel: Alprazolam, Midazolam, Clobazam

Arzneimittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen: Theophyllin

Mittel zur Behandlung von Herzerkrankungen: Digoxin, Simvastatin, Atorvastatin,

Lovastatin, Cerivastatin, Ivabradin

Mittel zur Hemmung von Abwehrmechanismen nach Organtransplantationen,

Immunsuppressiva: Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus

Kalzium-Antagonisten (Arzneimittel zur Behandlung von Schwindel, Migräne,

Bluthochdruck): Felodipin, Flunarizin

Arzneimittel zur Schwangerschaftsverhütung: hormonale Kontrazeptiva

Kortikosteroide: z. B. Prednisolon, Dexamethason

Arzneimittel zur Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen: Haloperidol, Bromperidol,

Clozapin, Olanzapin, Risperidon, Quetiapin, Ziprasonid, Zotepin (Beschleunigung des

Abbaus), Aripiprazol, Paliperidon

Schilddrüsenhormone: Levothyroxin

Antibiotika: Rifabutin, Tetrazykline, z. B. Doxycyclin

Arzneimittel zur Behandlung von Krebserkrankungen: Imatinib, Cyclophosphamid,

Lapatinib, Temsirolimus

sonstige: Chinidin (Mittel zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen), Östrogene

(Hormone), Methylphenidat (Psychostimulans, Mittel zur Behandlung von

Aufmerksamkeitsstörungen), Progesteronderivate (Hormone), Propranolol (Beta-Blocker,

blutdrucksenkendes Mittel)

Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen: Tadalafil

Bei Einnahme eines hormonalen Kontrazeptivums (der „Pille“) können unerwartete

Durchbruchblutungen oder Schmierblutungen auftreten. Außerdem kann die Wirkung des

hormonalen Kontrazeptivums während der Behandlung mit Carbamazepin HEXAL

abgeschwächt sein, d. h., es kann zu einer ungewollten Schwangerschaft kommen. Deshalb

sind in Absprache mit Ihrem Arzt andere wirksame, nicht hormonale Verhütungsmethoden in

Betracht zu ziehen (siehe oben „Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“).

Carbamazepin HEXAL kann den Plasmaspiegel von Bupropion (Arzneimittel zur

Unterstützung der Raucherentwöhnung) senken und den Spiegel des Abbauproduktes

Hydroxybupropion erhöhen und somit die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von Bupropion

verringern.

Verminderte Plasmakonzentration von Carbamazepin HEXAL durch andere Arzneimittel

Die Plasmaspiegel von Carbamazepin HEXAL können vermindert werden durch:

Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden: Felbamat, Methosuximid,

Oxcarbazepin, Phenobarbital, Phensuximid, Phenytoin, Fosphenytoin, Primidon, Progabid

und möglicherweise (hier sind die Daten teilweise widersprüchlich) Clonazepam,

Valproinsäure, Valpromid

Tuberkulosemittel: Rifampicin

Arzneimittel zur Behandlung von Atemwegserkrankungen, Antiasthmatika: Theophyllin,

Aminophyllin

Mittel gegen Hauterkrankungen: Isotretinoin

Arzneimittel zur Behandlung von Krebserkrankungen: Cisplatin, Doxorubicin

sonstige: Johanniskraut (Hypericum perforatum, pflanzliches Mittel gegen depressive

Verstimmungen)

Andererseits können die Plasmaspiegel des pharmakologisch wirksamen Abbauprodukts von

Carbamazepin (Carbamazepin-10,11-epoxid) durch Valproinsäure sowie Primidon erhöht

werden.

Durch gleichzeitige Gabe von Felbamat kann der Plasmaspiegel von Carbamazepin

vermindert und der von Carbamazepin-10,11-epoxid erhöht werden, gleichzeitig kann der

Felbamat-Spiegel gesenkt werden.

Aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung, insbesondere bei gleichzeitiger Verabreichung

mehrerer Antiepileptika, empfiehlt es sich, die Plasmaspiegel zu kontrollieren und die

Dosierung von Carbamazepin HEXAL ggf. anzupassen.

Erhöhte Plasmakonzentration von Carbamazepin HEXAL durch andere Arzneimittel

Folgende Wirkstoffe können die Plasmakonzentrationen von Carbamazepin HEXAL erhöhen:

Schmerzmittel, entzündungshemmende Substanzen: Dextropropoxyphen/Propoxyphen,

Ibuprofen

Arzneimittel zur Hemmung des Sexualhormons Gonadotropin: Danazol

Antibiotika, Wirkstoffe zur Behandlung bakterieller Infektionen: Makrolidantibiotika (z. B.

Erythromycin, Troleandomycin, Josamycin, Clarithromycin, Ciprofloxacin)

Mittel zur Behandlung einer Depression: Fluoxetin, Fluvoxamin, Nefazodon, Paroxetin,

Trazodon, Viloxazin, möglicherweise auch Desipramin

Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden: Stiripentol, Vigabatrin

Mittel zur Behandlung von (systemischen) Pilzinfektionen, Antimykotika vom Azoltyp: z. B.

Itraconazol, Ketoconazol, Fluconazol, Voriconazol. Für Patienten, die mit Voriconazol oder

Itraconazol behandelt werden, sind alternative Antikonvulsiva zu empfehlen.

Mittel zur Behandlung von allergischen Reaktionen: Loratadin, Terfenadin

Arzneimittel zur Behandlung der Tuberkulose: Isoniazid

Mittel gegen Viruserkrankungen/HIV: z. B. Ritonavir

Arzneimittel zur Behandlung des Glaukoms: Acetazolamid

Kalzium-Antagonisten (Wirkstoffe zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen):

Diltiazem, Verapamil

Arzneimittel zur Muskelerschlaffung (Muskelrelaxanzien): Oxybutynin, Dantrolen

Arzneimittel zur Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen: Loxapin, Olanzapin,

Quetiapin

gerinnungshemmende Mittel: Ticlopidin

Arzneimittel zur Behandlung von Magen-Darm-Geschwüren: Omeprazol, möglicherweise

Cimetidin

sonstige: Grapefruitsaft, Nicotinamid (Vitamin der B-Gruppe, in hoher Dosierung)

Erhöhte Plasmaspiegel von Carbamazepin HEXAL können zu den unter Abschnitt 4

genannten Symptomen (z. B. Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Doppeltsehen) führen.

Wenn Sie solche Symptome bemerken, sprechen Sie mit Ihrem Arzt; er wird dann die

Plasmaspiegel überprüfen und die Dosis nötigenfalls verändern.

Weitere Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin HEXAL und Loxapin, Quetiapin (Arzneimittel

zur Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen), Primidon, Progabid, Valproinsäure,

Valnoctamid und Valpromid (Antiepileptika, andere Mittel zur Behandlung von Anfallsleiden)

kann zu einer Erhöhung der Plasmaspiegel des wirksamen Abbauprodukts

Carbamazepin-10,11-epoxid und damit zu den gleichen Nebenwirkungen wie eine zu hohe

Dosierung von Carbamazepin HEXAL führen.

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin und Levetiracetam kann die Toxizität von

Carbamazepin erhöhen.

Die Leberschädlichkeit von Isoniazid (Arzneimittel zur Behandlung der Tuberkulose) kann

durch Carbamazepin HEXAL erhöht werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin HEXAL und Lithium (Arzneimittel zur

Behandlung psychiatrischer Erkrankungen), Metoclopramid (Arzneimittel zur Behandlung von

Magen-Darm-Störungen) oder Neuroleptika (Haloperidol, Thioridazin: Arzneimittel zur

Behandlung geistig-seelischer Erkrankungen) kann das Auftreten neurologischer

Nebenwirkungen begünstigen.

Bei Patienten, die mit Neuroleptika behandelt werden, kann Carbamazepin HEXAL auf der

anderen Seite die Plasmaspiegel dieser Arzneimittel senken und dadurch eine

Verschlechterung des Krankheitsbildes verursachen. Es kann daher vom Arzt auch eine

Dosiserhöhung des jeweiligen Neuroleptikums für erforderlich gehalten werden.

Es wird darauf hingewiesen, dass insbesondere die gleichzeitige Anwendung von Lithium

(Arzneimittel zur Behandlung und Vorbeugung bestimmter geistig-seelischer Erkrankungen)

und Carbamazepin HEXAL die das Nervensystem schädigende Wirkung beider Wirkstoffe

verstärken kann. Daher ist eine sorgfältige Überwachung der Blutspiegel von beiden

notwendig. Eine vorherige Behandlung mit Neuroleptika soll länger als 8 Wochen zurückliegen

und auch nicht gleichzeitig erfolgen. Auf folgende Anzeichen ist zu achten: unsicherer Gang

(Ataxie), Zuckungen bzw. Zittern der Augen (horizontaler Nystagmus), gesteigerte

Muskeleigenreflexe, Muskelzucken (Muskelfaszikulationen).

Die kombinierte Gabe von Carbamazepin HEXAL und einigen harntreibenden Mitteln

(Hydrochlorothiazid, Furosemid) kann zu einem verminderten Gehalt des Blutserums an

Natrium führen.

Die Wirksamkeit bestimmter Arzneimittel zur Muskelerschlaffung, die im Rahmen von

Narkosen eingesetzt werden (nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien wie z. B.

Pancuronium) kann durch Carbamazepin HEXAL beeinträchtigt werden. Dadurch ist eine

raschere Aufhebung der neuromuskulären Blockade möglich. Patienten, die mit

Muskelrelaxanzien behandelt werden, sollten diesbezüglich überwacht und deren Dosierung

ggf. erhöht werden.

Die gleichzeitige Gabe von Carbamazepin HEXAL und direkt wirkenden oralen

Antikoagulanzien (Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban und Edoxaban) kann zu reduzierten

Plasmaspiegeln der direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien führen. Weitere Details

entnehmen Sie bitte der folgenden Tabelle:

Direkt

wirkende

orale

Antikoagulanzien (NOAC)

Empfehlungen für die gleichzeitige Anwendung von

NOAC und Carbamazepin HEXAL

Apixaban

In der Prophylaxe venöser Thromboembolien (VTE)

nach elektiven Hüft- oder

Kniegelenksersatzoperationen, in der Prophylaxe

von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei

Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern

(NVAF) sowie in der Prophylaxe von rezidivierenden

tiefen Venenthrombosen (TVT) und

Lungenembolien (LE) sollte die gleichzeitige

Anwendung nur mit Vorsicht erfolgen.

Bei der Behandlung von TVT und LE sollte die

gleichzeitige Anwendung vermieden werden.

Rivaroxaban

Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden,

es sei denn, der Patient wird engmaschig auf Zeichen

und Symptome einer Thrombose überwacht.

Dabigatran

Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden werden.

Edoxaban

Die gleichzeitige Gabe sollte nur mit Vorsicht erfolgen.

In der Literatur gibt es Hinweise darauf, dass die zusätzliche Einnahme von Carbamazepin bei

vorbestehender Neuroleptika-Therapie das Risiko für das Auftreten eines sog. malignen

neuroleptischen Syndroms (möglicherweise lebensbedrohlicher Zustand mit Erhöhung der

Körpertemperatur und Steifigkeit der Muskulatur) oder eines Stevens-Johnson-Syndroms

(schwere Hautreaktion) erhöht.

Bei gleichzeitiger Gabe von Isotretinoin (Wirkstoff zur Akne-Behandlung) und Carbamazepin

HEXAL sollten die Carbamazepin-Plasmaspiegel kontrolliert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Carbamazepin HEXAL mit Paracetamol (schmerzstillendes und

fiebersenkendes Arzneimittel) kann die Bioverfügbarkeit und damit die Wirksamkeit von

Paracetamol vermindern.

Carbamazepin HEXAL scheint die Ausscheidung (Elimination) von Schilddrüsenhormonen zu

verstärken und den Bedarf an diesen bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion zu erhöhen.

Deshalb sind bei diesen Patienten, die eine Substitutionstherapie erhalten, zu Beginn und am

Ende einer Therapie mit Carbamazepin HEXAL die Schilddrüsenparameter zu bestimmen.

Gegebenenfalls ist eine Dosisanpassung der Schilddrüsenhormonpräparate vorzunehmen.

Die gleichzeitige Gabe von Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer

(depressionslösende Arzneimittel wie z. B. Fluoxetin) kann zu einem toxischen

Serotonin-Syndrom führen.

Es wird empfohlen, Carbamazepin HEXAL nicht in Kombination mit Nefazodon

(depressionslösendes Mittel) anzuwenden, da Carbamazepin HEXAL zu einer deutlichen

Reduktion des Nefazodon-Plasmaspiegels bis hin zum Wirkungsverlust führen kann. Darüber

hinaus wird bei gleichzeitiger Einnahme von Nefazodon und Carbamazepin HEXAL der

Carbamazepin-Plasmaspiegel erhöht und der seines aktiven Abbauproduktes

Carbamazepin-10,11-epoxid erniedrigt.

Durch gleichzeitige Einnahme von Carbamazepin und anderen Medikamenten, die eine

kardiale Überleitungsstörung (Erregungsausbreitungsstörungen am Herzen) verursachen

können, wie Antiarrhythmika (Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen), zyklische

Antidepressiva (depressionslösende Medikamente) oder Erythromycin (Antibiotikum), erhöht

sich das Risiko für kardiale Überleitungsstörungen.

Einnahme von Carbamazepin HEXAL zusammen mit Nahrungsmitteln,

Getränken und Alkohol

Grapefruitsaft/Grapefruit kann möglicherweise die Plasmaspiegel von Carbamazepin erhöhen

und unter Umständen zu Nebenwirkungen führen.

Carbamazepin kann, wie andere auf das zentrale Nervensystem wirkende Stoffe, dazu führen,

dass Sie nur noch wenig oder gar keinen Alkohol vertragen. Alkoholkonsum während der

Behandlung mit Carbamazepin HEXAL sollten Sie daher meiden.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder

beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren

Arzt oder Apotheker um Rat.

Wenn Sie ein hormonales Kontrazeptivum (die „Pille“) einnehmen, müssen Sie wissen, dass

Carbamazepin HEXAL diese unwirksam machen kann. Sie sollten eine andere oder eine

zusätzliche nicht hormonale Verhütungsmethode verwenden, so lange Sie Carbamazepin

HEXAL einnehmen und für zwei Wochen nach der letzten Gabe. So können Sie das Risiko

einer ungewünschten Schwangerschaft verringern.

Schwangerschaft

Carbamazepin darf während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger

Nutzen-Risiko-Abwägung durch den behandelnden Arzt verordnet werden. Bei Kinderwunsch

sollten sich Frauen unbedingt vom Arzt beraten lassen und eine regelmäßige ärztliche

Überwachung der Schwangerschaft sicherstellen.

Wie für einige andere Antiepileptika wurden auch mit Carbamazepin Fehlbildungen

unterschiedlicher Art beschrieben. Aus verschiedenen Studien ergibt sich ein auf 1 % erhöhtes

Risiko für Spaltbildungen der Wirbelsäule (Spina bifida). Es ist bisher ungeklärt, in welchem

Maß die Behandlung mit Carbamazepin für die Fehlbildungen verantwortlich ist, da auch ein

Zusammenhang mit der Grunderkrankung oder erblichen Faktoren nicht ausgeschlossen

werden kann. Zur Früherkennung möglicher Schädigungen der Frucht werden diagnostische

Maßnahmen wie Ultraschall und Alpha-Fetoprotein-Bestimmung empfohlen.

Carbamazepin sollte bei gebärfähigen Frauen und besonders während der Schwangerschaft

wenn möglich als Monotherapie angewendet werden, da sich das Risiko von Fehlbildungen

bei einer Kombinationstherapie mit anderen Antiepileptika erhöht.

Wenn unter einer Carbamazepin-Behandlung eine Schwangerschaft eintritt oder geplant wird

oder wenn eine Behandlung mit Carbamazepin in der Schwangerschaft begonnen werden

soll, muss Ihr Arzt die Notwendigkeit einer Anfallskontrolle sorgfältig gegen das mögliche

Risiko für das ungeborene Kind abwägen. Während der für Fehlbildungen besonders

anfälligen ersten 3 Monate der Schwangerschaft und besonders zwischen dem 20. und 40.

Tag nach der Befruchtung soll die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden, da

Fehlbildungen wahrscheinlich durch hohe Plasmakonzentrationen des Wirkstoffs

hervorgerufen werden. Eine Überwachung der Plasmaspiegel wird empfohlen.

In keinem Fall sollten Sie die Einnahme ohne ärztlichen Rat abbrechen, da es bei

epileptischen Anfällen zur Schädigung des Kindes kommen kann.

In der Schwangerschaft kann es zu einem Folsäuremangel kommen. Antiepileptika können

diesen verstärken. Der Folsäuremangel kann ein zusätzlicher Faktor für die Entstehung von

Fehlbildungen sein. Deshalb kann die Gabe von Folsäure vor und während der

Schwangerschaft sinnvoll sein. Zur Vermeidung von Blutgerinnungsstörungen wird auch die

vorbeugende Gabe von Vitamin K

in den letzten Wochen der Schwangerschaft an die Mutter

bzw. nach der Geburt an das Neugeborene empfohlen.

Stillzeit

Der Wirkstoff Carbamazepin tritt in die Muttermilch über. Trotzdem ist in der Regel das Stillen

während der Behandlung möglich. Der gestillte Säugling sollte jedoch auf mögliche

unerwünschte Wirkungen hin beobachtet werden und wenn beim Säugling schlechte

Gewichtszunahmen oder überhöhtes Schlafbedürfnis (Sedation) oder allergische

Hautreaktionen festgestellt werden, sollte abgestillt werden.

Fortpflanzungsfähigkeit

Es traten Einzelfälle sexueller Funktionsstörungen auf, wie z. B. Impotenz oder verminderte

Libido. Sehr selten wurde über verminderte männliche Zeugungsfähigkeit und/oder abnorme

Spermienbildung berichtet.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Bekannte zentralnervöse Nebenwirkungen von Carbamazepin HEXAL, wie z. B. Schwindel,

Benommenheit, Müdigkeit, verschwommenes Sehen, Doppeltsehen, Störung der

Bewegungskoordination, zu Beginn der Behandlung, bei Dosissteigerung oder Einnahme

höherer Dosen und/oder bei gleichzeitiger Einnahme anderer, ebenfalls am

Zentralnervensystem angreifender Arzneimittel führen auch bei bestimmungsgemäßem

Gebrauch zu Einschränkungen der Fahrtüchtigkeit und der Fähigkeit, Maschinen zu bedienen.

Daher dürfen Sie keine Kraftfahrzeuge führen, Maschinen bedienen oder andere gefahrvolle

Tätigkeiten ausführen. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

3

Wie ist Carbamazepin HEXAL einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie

bei Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die Dosierung ist individuell vom (Fach-)Arzt zu bestimmen und zu kontrollieren, wobei

Anfallsfreiheit bei möglichst niedriger Dosierung, besonders auch in der Schwangerschaft,

angestrebt werden sollte.

Ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt dürfen Sie keine Behandlungs- oder

Dosisänderungen vornehmen, um den Behandlungserfolg nicht zu gefährden.

Es empfiehlt sich ein stufenweiser (einschleichender) Aufbau der Dosierung bis zur optimal

wirksamen Dosis.

Die Tagesdosis wird in der Regel in mehreren Einzelgaben verabreicht.

Der allgemeine Tagesdosisbereich liegt zwischen 400 und 1.200 mg Carbamazepin.

Eine Gesamttagesdosis von 1.600 mg Carbamazepin sollte in der Regel nicht überschritten

werden, da in höheren Dosen vermehrt Nebenwirkungen auftreten.

Die Festlegung der therapeutischen Dosis sollte, insbesondere bei Kombinationstherapie,

über die Bestimmung der Plasmaspiegel und in Abhängigkeit von der Wirksamkeit erfolgen.

Der therapeutische Carbamazepin-Spiegel liegt erfahrungsgemäß zwischen 4 und

12 Mikrogramm/ml.

Im Einzelfall kann die erforderliche Dosis erheblich von der angegebenen Anfangs- und

Erhaltungsdosis abweichen (z. B. wegen Beschleunigung des Abbaus durch Enzyminduktion

oder wegen Arzneimittelwechselwirkungen bei gleichzeitiger Einnahme anderer

Medikamente).

Carbamazepin HEXAL sollte zur Behandlung der Epilepsie bevorzugt allein (Monotherapie)

angewendet werden. Die Behandlung ist von einem in der Epilepsie-Behandlung erfahrenen

Facharzt zu überwachen.

Bei Umstellung auf die Behandlung mit Carbamazepin HEXAL ist die Dosis des

abzusetzenden Arzneimittels gegen Anfallsleiden schrittweise herabzusetzen.

Folgendes allgemeines Dosierschema wird zur Behandlung von epileptischen Anfallsleiden

empfohlen:

Anfangsdosis (täglich)

Erhaltungsdosis (täglich)

Erwachsene

2-mal 100 mg (2-mal

½ Tablette)

3-mal 200 bis 400 mg (3-mal 1 bis

2 Tabletten)

Kinder* 1-5 Jahre

1- bis 2-mal 100 mg (1- bis

2-mal ½ Tablette)

1- bis 2-mal 200 mg (1- bis 2-mal

1 Tablette)

Kinder* 6-10 Jahre

2-mal 100 mg (2-mal

½ Tablette)

3-mal 200 mg (3-mal 1 Tablette)

Kinder* 11-15 Jahre

2- bis 3-mal 100 mg (2- bis

3-mal ½ Tablette)

3-mal 200 bis 400 mg (3-mal 1 bis

2 Tabletten)

Kinder* > 15 Jahre

entsprechend der Erwachsenendosis

* Hinweis

Bei Kindern unter 4 Jahren wird aufgrund klinischer Erfahrungen empfohlen, bevorzugt mit

einer Tagesdosis von 20-60 mg Carbamazepin zu beginnen. Bis zum Erreichen der

therapeutisch notwendigen Dosis kann diese Tagesdosis um 20-60 mg Carbamazepin

jeden 2. Tag gesteigert werden. Jedoch sollten die oben genannten Dosierungsbereiche

nicht überschritten werden.

Bei Kindern über 4 Jahren kann aufgrund klinischer Erfahrungen die Anfangsdosis 100 mg

Carbamazepin/Tag betragen. Diese Tagesdosis kann jeden 2. Tag oder wöchentlich um bis

zu 100 mg Carbamazepin/Tag bis zur erforderlichen Dosis gesteigert werden. Jedoch

sollten die oben genannten Dosierungsbereiche nicht überschritten werden.

Empfohlene Maximaldosis

bis zu 6 Jahren: 35 mg/kg/Tag

6-15 Jahre: 1.000 mg/Tag

> 15 Jahre: 1.200 mg/Tag

Anfallsleiden (Epilepsie)

Im Allgemeinen sollte bei Erwachsenen die Anfangsdosis von 200-400 mg Carbamazepin/Tag

langsam bis auf die Erhaltungsdosis von 800-1.200 mg Carbamazepin/Tag gesteigert werden.

Im Allgemeinen beträgt die Erhaltungsdosis für Kinder durchschnittlich 10-20 mg

Carbamazepin/kg Körpergewicht/Tag.

Empfohlenes Dosierschema: siehe oben

Anfallsartig auftretende Gesichtsschmerzen (Trigeminus-Neuralgie), anfallsartige Schmerzen

unbekannter Ursache im Rachenraumbereich (genuine Glossopharyngeus-Neuralgie)

Die Tagesdosis ist von einer Anfangsdosis von 200-400 mg Carbamazepin in 1-2 Gaben bis

zum Eintritt der Schmerzfreiheit durchschnittlich auf 2-4-mal 200 mg Carbamazepin

(entsprechend 400-800 mg Carbamazepin) zu erhöhen. Die Maximaldosis beträgt 1.200 mg

am Tag. Im Anschluss daran ist es bei einem Teil der Fälle möglich, die Behandlung mit einer

geringeren Erhaltungsdosis von 2-mal 200 mg Carbamazepin (entsprechend 400 mg

Carbamazepin) täglich fortzusetzen.

Bei älteren und empfindlichen Patienten ist eine Anfangsdosis von 2-mal täglich 100 mg

Carbamazepin (entsprechend 200 mg Carbamazepin) ausreichend.

Schmerzzustände bei Schädigungen der peripheren Nerven durch Zuckerkrankheit

(diabetische Neuropathie)

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 200 mg Carbamazepin (entsprechend 600 mg

Carbamazepin), in Ausnahmefällen bis zu 3-mal täglich 400 mg Carbamazepin (entsprechend

1.200 mg Carbamazepin).

Nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 2-4-mal 200 mg Carbamazepin (entsprechend

400-800 mg Carbamazepin).

Anfallsverhütung während der stationären Alkoholentzugssyndrom-Behandlung

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 200 mg Carbamazepin (entsprechend 600 mg

Carbamazepin).

In schweren Fällen kann sie in den ersten Tagen bis auf 3-mal täglich 400 mg Carbamazepin

(entsprechend 1.200 mg Carbamazepin) erhöht werden.

Die Kombination von Carbamazepin mit sedativ-hypnotischen Mitteln (Beruhigungs-,

Schlafmittel) wird nicht empfohlen. Entsprechend den klinischen Erfordernissen kann

Carbamazepin jedoch mit anderen in der Alkoholentzugsbehandlung eingesetzten

Substanzen bei Bedarf kombiniert werden.

Es sind regelmäßige Kontrollen des Carbamazepin-Spiegels vorzunehmen. Wegen der

zentralnervösen und vegetativen Nebenwirkungen (siehe Abschnitt 4) wird eine sorgfältige

klinische Beobachtung empfohlen.

Prophylaxe manisch-depressiver Phasen

Die Anfangsdosis, die in der Regel auch als Erhaltungsdosis ausreichend ist, beträgt 1–2-mal

täglich 1 Tablette Carbamazepin HEXAL 200 mg (entsprechend 200–400 mg Carbamazepin).

Gegebenenfalls kann die Dosis bis auf 4 Tabletten Carbamazepin HEXAL 200 mg

(entsprechend 800 mg Carbamazepin) täglich, in 3–4 Gaben erhöht werden.

Hinweis

Bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Leber- und Nierenleiden sowie

bei älteren Patienten ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.

Art der Anwendung

Die Tabletten sind halbierbar. Nehmen Sie die Tabletten bitte während oder nach den

Mahlzeiten mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Trinkwasser [200 ml]) ein.

In manchen Fällen hat sich die Verteilung der Tagesdosis auf 4-5 Einzelgaben als besonders

wirkungsvoll erwiesen.

Anwendungshinweis

Nehmen Sie die Tablette, wie in der nebenstehenden Abbildung gezeigt, in beide Hände.

Durch Daumendruck über die beiden Zeigefinger wird die Tablette in 2 gleiche Hälften geteilt.

Dauer der Anwendung

Die Anwendungsdauer richtet sich nach der jeweiligen Indikation und der individuellen

Reaktion des Patienten und wird durch den behandelnden Arzt bestimmt.

Die antiepileptische Therapie ist grundsätzlich eine Langzeittherapie.

Über die Einstellung, Behandlungsdauer und das Absetzen von Carbamazepin HEXAL sollte

im Einzelfall ein in der Epilepsie-Behandlung erfahrener Facharzt entscheiden.

Im Allgemeinen ist eine Dosisreduktion und ein Absetzen der Medikation frühestens nach

2-3-jähriger Anfallsfreiheit zu erwägen.

Das Absetzen muss in schrittweiser Dosisreduktion über 1-2 Jahre erfolgen; Kinder können

der Dosis pro kg Körpergewicht entwachsen anstelle altersgemäßer Dosisanpassung, wobei

sich der EEG-Befund nicht verschlechtern sollte.

Bei der Neuralgie-Behandlung hat es sich bewährt, die Therapie mit einer für die

Schmerzfreiheit gerade noch ausreichenden Erhaltungsdosis über einige Wochen

durchzuführen. Durch vorsichtige Dosisreduktion sollte festgestellt werden, ob es inzwischen

zu einer Spontanremission gekommen ist.

Beim Wiederauftreten von Schmerzattacken ist mit der ursprünglichen Erhaltungsdosis weiter

zu behandeln.

Für die Behandlungsdauer der Schmerzzustände bei diabetischer Neuropathie und der

nichtepileptischen Anfälle bei Multipler Sklerose gilt das Gleiche.

Zur Anfallsverhütung bei der Alkoholentzugssyndrom-Behandlung sollte die Therapie mit

Carbamazepin HEXAL unter ausschleichender Dosierung nach 7 bis 10 Tagen beendet

werden.

Die Prophylaxe manisch-depressiver Phasen ist eine Langzeit-Behandlung.

Wird eine Umstellung der Behandlung bei Patienten mit Epilepsie, die mit Carbamazepin

HEXAL behandelt werden, erforderlich, darf die Behandlung nicht plötzlich, sondern muss

ausschleichend auf die Behandlung mit einem anderen Antiepileptikum (Mittel gegen

Anfallsleiden) umgestellt werden.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die

Wirkung von Carbamazepin HEXAL zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von Carbamazepin HEXAL eingenommen haben,

als Sie sollten

Im Falle einer Überdosierung ist umgehend ärztliche Behandlung erforderlich.

Bei Überdosierung mit Carbamazepin HEXAL können die unter Abschnitt 4 genannten

unerwünschten Symptome verstärkt in Erscheinung treten:

Zentrales Nervensystem

Dämpfung des Nervensystems, Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Schläfrigkeit

[Somnolenz], Starre [Stupor], Koma), Schwindel, Desorientiertheit, Unruhe, Erregung,

Verwirrtheit, plötzliches Hitzegefühl (Flushing), Halluzinationen, verschwommenes Sehen,

unartikuliertes oder verwaschenes Sprechen, Augenzittern (Nystagmus), unsicherer Gang

(Ataxie), Störungen oder Fehlfunktionen von Bewegungsabläufen (Dyskinesien),

Reflexanomalien (zunächst gesteigerte, dann abgeschwächte Reflexe), Krampfanfälle des

Gehirns (tonisch-klonische Konvulsionen), psychomotorische Störungen, Muskelzuckungen

(Myoklonien), Opisthotonus, unwillkürliche Bewegungen, Zittern (Tremor), zu niedrige

Körpertemperatur (Hypothermie), weite Pupillen (Mydriasis), EEG-Störungen

Atmungsorgane

Störungen der Atmung (Atemdepression), Wasser in der Lunge (Lungenödem),

Blauverfärbung im Gesicht (Zyanose), Atemstillstand

Herz-Kreislauf-System

erhöhter Herzschlag (Tachykardie), meist erniedrigter (hypotoner) Blutdruck, evtl. auch

Bluthochdruck (Hypertonus), Störungen der Erregungsausbreitung im Herzen

(EKG-Veränderungen, Arrhythmien, AV-Block), Synkopen, Herzstillstand, heftige Hautröte mit

Hitzegefühl (Flushing)

Magen-Darm-Trakt

Übelkeit, Erbrechen, verzögerte Magenentleerung, verringerte Darmmotilität

Harntrakt, Geschlechtsorgane

Harnverhalten, verminderte oder ausbleibende Harnproduktion, Wasseransammlung im

Körper

Laborbefunde

verminderter Natriumgehalt des Blutserums (Hyponatriämie), möglicherweise Ansäuerung

des Blutes, möglicherweise erhöhter Blutzucker (Hyperglykämie), erhöhte

Muskel-Kreatinphosphokinase, erhöhte oder verringerte Anzahl weißer Blutkörperchen

(Leukozytose, Leukopenie, Neutropenie), Ausscheidung von Zucker mit dem Urin

(Glykosurie), Erhöhung eines bestimmten Stoffwechselproduktes im Urin (Azetonurie)

Bei jedem Anwendungsfehler ist sofort ein Arzt zu informieren. Wurden hohe Dosen

eingenommen, sind Notfallmaßnahmen einzuleiten (Einlieferung in ein Krankenhaus).

Ein spezifisches Gegenmittel bei akuten Vergiftungen mit Carbamazepin HEXAL gibt es

bislang nicht.

Die Behandlung einer Überdosierung mit Carbamazepin HEXAL ist abhängig von den

auftretenden Krankheitszeichen und muss in der Regel im Krankenhaus erfolgen.

Wenn Sie die Einnahme von Carbamazepin HEXAL vergessen haben

Bitte nehmen Sie Ihr Medikament weiter so ein, wie es in seiner Anwendung vorgesehen ist.

Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme vergessen

haben.

Wenn Sie die Einnahme von Carbamazepin HEXAL abbrechen

Sie dürfen auf keinen Fall die Behandlung mit Carbamazepin HEXAL eigenmächtig

unterbrechen oder vorzeitig beenden. Sie können damit den Behandlungserfolg gefährden

und erneut epileptische Anfälle auslösen. Bitte sprechen Sie vorher mit Ihrem behandelnden

Arzt, wenn Unverträglichkeiten oder eine Änderung in Ihrem Krankheitsbild eintreten.

Wenn Sie weitere Fragen zur Einnahme dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren

Arzt oder Apotheker.

4

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei

jedem auftreten müssen.

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde

gelegt:

Sehr häufig:

kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufig:

kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlich:

kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Selten:

kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr selten:

kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

Nicht bekannt:

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar

Folgende Nebenwirkungen können schwerwiegende Folgen haben:

Suchen Sie sofort Ihren Arzt auf, wenn eine der folgenden Nebenwirkungen bei Ihnen auftritt.

Diese können frühe Anzeichen einer schweren Schädigung von Blut, Leber, Niere oder

anderen Organen sein und müssen möglicherweise dringend medizinisch behandelt werden.

Beim Auftreten von grippeähnlichen Krankheitsbeschwerden, Fieber, Halsschmerzen,

Hautausschlag, Geschwüren im Mund, Lymphdrüsenschwellung oder erhöhter

Infektionsanfälligkeit (Anzeichen bestimmter Blutbildveränderungen, insbesondere einer

Verringerung der weißen Blutkörperchen)

Beim Auftreten von Müdigkeit, Kopfschmerzen, Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung,

Schwindel, bleichem Aussehen, häufigen Infektionen, die zu Fieber, Schüttelfrost,

Halsschmerzen, Geschwüren im Mund führen, bei leichterem Auftreten von blauen Flecken

als normal, Nasenbluten (Anzeichen bestimmter Blutbildveränderungen, insbesondere

Panzytopenie)

Beim Auftreten von rotem, fleckigem Ausschlag hauptsächlich im Gesicht und gleichzeitiger

Erschöpfung, Fieber, Übelkeit, Appetitverlust (Anzeichen eines systemischen Lupus

erythematodes)

Bei Gelbverfärbung der Haut oder des Weißen im Auge (Anzeichen von Hepatitis)

Bei Dunkelverfärbung des Urins (Anzeichen von Porphyrie oder Hepatitis)

Bei verminderter Harnausscheidung aufgrund von Nierenfunktionsstörungen und bei Blut

im Urin

Bei starken Schmerzen im Oberbauch, Erbrechen, Appetitverlust (Anzeichen von

Pankreatitis)

Bei Hautausschlag, Hautrötung, Bläschen auf Lippen, Augen oder im Mund, Abschälen der

Haut und gleichzeitigem Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Husten, Schmerzen am

ganzen Körper (Anzeichen von schweren Hautreaktionen)

Bei Schwellung von Gesicht, Augen oder Zunge, Schwierigkeiten beim Schlucken,

pfeifendem Atem, Nesselsucht oder Jucken am ganzen Körper, Hautausschlag, Fieber,

Bauchkrämpfen, Brustbeschwerden oder Enge um die Brust, Schwierigkeiten beim

Luftholen, Bewusstlosigkeit (Anzeichen von Angioödem oder schweren allergischen

Reaktionen)

Bei Schlappheit, Verwirrtheit, Muskelzuckungen oder deutlicher Verschlechterung der

Krampfanfälle (Symptome, die mit einem zu niedrigen Natriumspiegel im Blut

zusammenhängen können)

Bei Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, steifem Nacken und extremer

Lichtempfindlichkeit (Anzeichen von Meningitis)

Bei Muskelsteifigkeit, hohem Fieber, Bewusstseinsveränderungen, hohem Blutdruck,

starkem Speichelfluss (Anzeichen eines malignen neuroleptischen Syndroms)

Bei unregelmäßigem Herzschlag und Brustschmerzen

Bei Bewusstseinsstörungen und Ohnmacht

Bei Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber (Anzeichen einer Darmentzündung). Die

Häufigkeit dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt.*

Bei Stürzen aufgrund von Schwindel, Benommenheit, Blutdruckabfall, Verwirrtheit.

Mögliche weitere Nebenwirkungen

Die beobachteten Nebenwirkungen treten bei alleiniger Verabreichung von Carbamazepin

HEXAL (Monotherapie) seltener als bei gleichzeitiger Gabe anderer Antiepileptika

(Kombinationstherapie) auf.

Ein Teil der Nebenwirkungen tritt dosisabhängig, vor allem zu Beginn der Behandlung, bei zu

hoher Anfangsdosierung oder bei älteren Patienten sehr häufig oder häufig auf, wie z. B.

zentralnervöse Störungen (Schwindel, Kopfschmerzen, Gangstörungen, Schläfrigkeit,

Sedierung, Erschöpfung, Doppeltsehen, Akkomodationsstörungen wie verschwommenes

Sehen), Störungen im Magen-Darm-Bereich (Übelkeit, Erbrechen) und allergische

Hautreaktionen.

Dosisabhängige Nebenwirkungen klingen meist innerhalb einiger Tage von selbst oder nach

vorübergehender Dosisreduktion ab. Daher sollte Carbamazepin HEXAL möglichst

einschleichend dosiert werden. Zentralnervöse Störungen können ein Zeichen einer relativen

Überdosierung oder starker Schwankungen der Plasmaspiegel sein; daher empfiehlt es sich in

diesen Fällen, die Plasmaspiegel zu bestimmen.

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Nicht bekannt ist die Häufigkeit einer Reaktivierung einer Herpesvirus-Infektion (dies kann

schwerwiegend sein, wenn die Immunabwehr vermindert ist).*

Blut- und Lymphsystem

Sehr häufig treten Blutbildveränderungen wie verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen

(Leukopenie) auf. Nach Literaturangaben tritt davon am häufigsten eine gutartige Leukopenie,

in etwa 10 % der Fälle vorübergehend, in 2 % anhaltend, auf. Eine gutartige Leukopenie tritt

vor allem innerhalb der ersten vier Therapiemonate auf.

Häufig tritt eine vermehrte Anzahl einer bestimmten Form weißer Blutkörperchen

(Eosinophilie) oder eine verminderte Anzahl der Blutplättchen (Thrombozytopenie) auf.

Selten treten eine vermehrte Anzahl anderer weißer Blutkörperchen (Leukozytose) oder

Lymphknotenschwellungen sowie ein Folsäuremangel auf.

Sehr selten treten bestimmte, zum Teil lebensbedrohende Blutzellschäden wie

Agranulozytose, aplastische Anämie, Panzytopenie, Aplasie der roten Blutkörperchen sowie

andere Anämieformen (megaloblastär, möglicherweise hämolytisch), Retikulozytose sowie

verschiedene Formen der Porphyrie (akute intermittierende Porphyrie, Porphyria variegata,

Porphyria cutanea tarda) auf. Milzvergrößerung wurde sehr selten berichtet.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Gelegentlich treten verzögerte, mehrere Organsysteme betreffende,

Überempfindlichkeitsreaktionen mit Fieber, Hautausschlag, Gefäßentzündung,

Lymphknotenschwellung, Pseudolymphom, Gelenkschmerz, veränderter Anzahl weißer

Blutkörperchen (Leukopenie, Eosinophilie), Vergrößerung von Leber und Milz, veränderten

Leberfunktionswerten und Lebererkrankungen mit Zerstörung und Schwund der

intrahepatischen Gallengänge auf. Diese Erscheinungen können in verschiedenen

Kombinationen auftreten und auch andere Organe wie Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse

oder Herzmuskel und Dickdarm betreffen.

Sehr selten wurde eine akute allergische Allgemeinreaktion und eine aseptische (nicht durch

Bakterien und Viren ausgelöste) Hirnhautentzündung (Meningitis) mit Muskelzucken

(Myoklonien) und Vermehrung bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie),

anaphylaktischen (Schock-)Reaktionen und Schwellungen von Haut und Schleimhäuten

(Angioödeme) beobachtet.

Nicht bekannt ist die Häufigkeit eines Hautausschlags mit Blutbildveränderungen und

systemischen Symptomen (Drug Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms).*

Stoffwechsel (Wasser- und Mineralhaushalt), Hormonstatus

Häufig tritt eine Wasseransammlung im Gewebe (Ödeme), verringerte

Flüssigkeitsausscheidung, Gewichtszunahme, Hyponatriämie (verminderter Natriumgehalt

des Blutserums) und verminderte Plasmaosmolalität auf, die selten zu Wasserintoxikation mit

Lethargie, Erbrechen, Kopfschmerz, Verwirrtheitszuständen und anderen neurologischen

Störungen führen kann.

Sehr selten wird über einen Anstieg des Prolaktinspiegels mit oder ohne klinische Symptome

wie Anschwellen der männlichen Brustdrüsen (Gynäkomastie) oder Milchfluss (Galaktorrhö)

berichtet.

Die Schilddrüsenfunktionsparameter T

, TSH und FT

können, insbesondere bei

gleichzeitiger Anwendung mit anderen Arzneimitteln gegen Anfallsleiden, beeinflusst werden.

Dabei treten meist keine klinischen Symptome auf.

Carbamazepin HEXAL kann den Serum-Kalziumspiegel durch beschleunigten Abbau des

25-OH-Cholecalciferols senken. Dies kann sehr selten zu einer Osteomalazie

(Knochenerweichung) führen.

Erhöhte Cholesterinspiegel, einschließlich HDL-Cholesterin und Triglyzeride, können sehr

selten auftreten, ebenso eine Erhöhung des freien Cortisols im Serum.

Carbamazepin kann den Folsäurespiegel im Serum senken, darüber hinaus gibt es Hinweise

auf verminderte Vitamin-B

-Spiegel und erhöhte Homocystein-Spiegel im Serum unter

Carbamazepin.

Psyche

Sehr häufig können Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Gang- und

Bewegungsstörung, gelegentlich Kopfschmerz, bei älteren Patienten Verwirrtheit und Unruhe

(Agitation) auftreten.

Selten wurden Sinnestäuschungen (optische und akustische Halluzinationen),

Stimmungsveränderungen wie Depression, depressive oder manische (mit gehobener

Stimmungslage, Aggressionen einhergehende) Verstimmungen, Appetitlosigkeit,

Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten, Verwirrtheit und Unruhe (Agitation) beobachtet.

Sehr selten traten phobische Störungen (Angststörungen), Denkerschwernis und

Antriebsverarmung auf. Unter der Behandlung mit Carbamazepin HEXAL können latente

Psychosen (unterschwellige seelische Erkrankungen) aktiviert werden.

Nervensystem

Sehr häufig können Benommenheit, Schwindel, Müdigkeit, Schläfrigkeit, Gang- und

Bewegungsstörungen und Erschöpfung auftreten.

Häufig treten Kopfschmerzen, Doppelbilder sowie Akkommodationsstörungen (z. B.

verschwommenes Sehen) auf, gelegentlich Augenbewegungsstörungen, einhergehend mit

Augenzittern (Nystagmus), unwillkürliche Bewegungen (z. B. Zittern, Flattertremor, Ticks,

Dystonie).

Darüber hinaus können selten Bewegungsstörungen wie z. B. unwillkürliche Bewegungen im

Mund-Gesichtsbereich wie Grimassieren (orofaziale Dyskinesien), verschraubte Bewegungen

(Choreoathetose) sowie Sprechstörungen (Dysarthrie, verwaschene Sprache),

Missempfindungen, Muskelschwäche, Nervenerkrankungen (Polyneuropathie),

Nervenentzündung (periphere Neuritis, periphere Neuropathie) sowie

Lähmungserscheinungen (Paresen) auftreten.

Sehr selten wurde über Geschmacksstörungen oder über malignes neuroleptisches Syndrom

berichtet.

Nicht bekannt ist die Häufigkeit von Gedächtnisverlust.*

Es gibt Hinweise darauf, dass Carbamazepin zu einer Verschlechterung der Symptome einer

Multiplen Sklerose führen kann.

Wie bei Einnahme anderer Medikamente gegen Anfallsleiden auch, kann es unter

Carbamazepin zu einer Anfallshäufung kommen; insbesondere Absencen (spezielle von

beiden Hirnhälften ausgehende Anfallsform) können verstärkt oder neu auftreten.

Augen

Sehr selten treten Bindehautentzündungen, Linsentrübungen und erhöhter Augeninnendruck

auf.

Bei zwei Patienten wurde in Zusammenhang mit einer Carbamazepin-Langzeittherapie über

Retinotoxizität (Netzhautschädigung) berichtet, die nach Absetzen des Carbamazepins

rückläufig war.

Ohr und Gleichgewichtsorgan

Sehr selten treten Hörstörungen wie Ohrensausen (Tinnitus), übersteigertes oder

vermindertes Hörempfinden (Hyper- oder Hypoakusis) sowie Änderung der Wahrnehmung

von Tonhöhen auf.

Herz- und Kreislaufsystem

Gelegentlich treten Überleitungsstörungen am Herzen (AV-Block), in Einzelfällen mit

Bewusstseinsverlust, sowie erhöhter oder zu niedriger Blutdruck auf.

Gelegentlich bis selten können eine Verlangsamung des Herzschlages (Bradykardie) und

Herzrhythmusstörungen, Kreislaufkollaps, Herzinsuffizienz, sowie Verschlechterung einer

vorbestehenden koronaren Herzkrankheit auftreten. Darüber hinaus wurden

Venenentzündung (Thrombophlebitis) und Blutgerinnsel (Thromboembolie) beobachtet.

Atmungsorgane

Sehr selten wurden Überempfindlichkeitsreaktionen der Lunge mit Fieber, Atemnot,

Lungenentzündung (Pneumonitis, Pneumonie, Alveolitis) sowie Einzelfälle von Lungenfibrose

in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben.

Magen-Darm-Trakt

Sehr häufig treten Übelkeit und Erbrechen, häufig Appetitlosigkeit, Mundtrockenheit,

gelegentlich Durchfall oder Verstopfung auf. Selten wurde über Bauchschmerzen, sehr selten

über Schleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich (Stomatitis, Gingivitis, Glossitis)

oder über Pankreatitis berichtet.

Leber und Galle

Veränderungen (Anstiege) von Leberfunktionswerten finden sich sehr häufig bei Gamma-GT,

häufig bei alkalischer Phosphatase, gelegentlich bei Transaminasen, selten treten Gelbsucht

oder Leberentzündungen (Hepatitis in unterschiedlicher Form: cholestatisch, hepatozellulär,

granulomatös, gemischt) und Lebererkrankungen mit Zerstörung und Schwund der

intrahepatischen Gallengänge auf. Selten kann, insbesondere innerhalb der ersten

Therapiemonate, eine lebensbedrohliche akute Hepatitis oder Leberversagen eintreten.

Haut, Schleimhäute, Gefäßsystem

Sehr häufig wird über allergische, auch stark ausgeprägte, Hautreaktionen mit und ohne

Fieber und Nesselsucht (Urtikaria) berichtet, gelegentlich über Hautentzündungen, bei denen

sich die Haut oder die Schleimhäute schuppend ablösen (exfoliative Dermatitis), den ganzen

Körper betreffende entzündliche Rötung und Schuppung der Haut (Erythrodermie), selten

über schwere und möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen

(Stevens-Johnson-Syndrom und toxisch epidermale Nekrolyse) (siehe Abschnitt 2), Juckreiz

(Pruritus) oder Lupus erythematodes disseminatus (Autoimmunerkrankung mit

Gefäßentzündung). Sehr selten treten Lichtempfindlichkeit (Photosensibilität), Hautrötungen

mit scheiben- oder knotenförmigen Veränderungen und Einblutungen (Erythema exsudativum

multiforme et nodosum), kleinfleckige Hautblutungen (Purpura), Haarausfall, vermehrtes

Schwitzen, Veränderungen der Hautpigmentierung, Akne, Hirsutismus (vermehrte Behaarung

vom männlichen Typ bei Frauen), Gefäßentzündung (Vaskulitis) auf. Nicht bekannt ist die

Häufigkeit eines akuten generalisierten Hautausschlags (akute generalisierte exanthemische

Pustulosis), eines Auftretens von violetten bis rot-violetten fleckförmigen Hautveränderungen,

die möglicherweise jucken, sowie die Häufigkeit eines Ausfalls der Nägel.*

Bewegungsapparat

Selten wurde über Muskelschwäche, sehr selten über Gelenkschmerzen (Arthralgie),

Muskelschmerzen (Myalgien) sowie Muskelkrämpfe berichtet. Nach Absetzen von

Carbamazepin HEXAL verschwanden diese Erscheinungen.

Es wurden Fälle von Verringerungen der Knochendichte (Osteoporose bis hin zu

Knochenbrüchen) berichtet. Bitte beraten Sie sich mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie

Antiepileptika über eine lange Zeit anwenden, wenn bei Ihnen eine Osteoporose festgestellt

wurde oder wenn Sie gleichzeitig Kortison oder andere Steroidhormone einnehmen.

Harntrakt, Geschlechtsorgane

Gelegentlich treten Störungen der Nierenfunktion auf, wie z. B. Eiweißausscheidung im Urin

(Albuminurie), Blut im Urin (Hämaturie), verminderte Harnproduktion (Oligurie) oder erhöhter

Harnstoffstickstoff im Blut (Azotämie), sehr selten interstitielle Nephritis

(Nierengewebsentzündung) oder Nierenversagen oder andere Beschwerden beim

Harnlassen (häufiges Wasserlassen, Schmerzen beim Wasserlassen, Drang zu häufigem

Wasserlassen ohne vermehrte Harnausscheidung [Pollakisurie], Harnverhalt).

Weiterhin traten sehr selten sexuelle Störungen, wie z. B. Impotenz, verminderte Libido,

verminderte männliche Fruchtbarkeit und/oder veränderte Bildung von Samenzellen

(verminderte Spermienzahl und/oder -beweglichkeit) auf.

Laboruntersuchungen

Sehr selten wurde eine Verringerung der Gammaglobuline im Blut (Hypogammaglobulinämie)

festgestellt.

* Spontanmeldungen und Literaturfälle von Nebenwirkungen (Häufigkeit auf Grundlage der

verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Im Rahmen von Erfahrungen nach Markteinführung von Carbamazepin wurden

Nebenwirkungen anhand von Spontanmeldungen und Literatur bekannt. Da die Meldungen

freiwillig und von einer unbekannten Populationsgröße erfolgten, ist die Häufigkeit auf

Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Sollten Sie eine oder mehrere der oben genannten Nebenwirkungen bei sich

beobachten, benachrichtigen Sie sofort Ihren Arzt, damit er über den Schweregrad und

die gegebenenfalls erforderlichen Maßnahmen entscheiden kann.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt

auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können

Nebenwirkungen auch direkt dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr

Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5

Wie ist Carbamazepin HEXAL aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und dem Behältnis nach

„verwendbar bis“ angegebenen Verfallsdatum nicht mehr verwenden. Das Verfallsdatum

bezieht sich auf den letzten Tag des angegebenen Monats.

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie das

Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz

der Umwelt bei.

6

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Carbamazepin HEXAL enthält

Der Wirkstoff ist Carbamazepin.

1 Tablette enthält 200 mg Carbamazepin.

Die sonstigen Bestandteile sind:

Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.), mikrokristalline Cellulose,

Magnesiumstearat (Ph.Eur.), hochdisperses Siliciumdioxid

Wie Carbamazepin HEXAL aussieht und Inhalt der Packung

Carbamazepin HEXAL sind weiße, runde Tabletten mit einseitiger Bruchkerbe.

Carbamazepin HEXAL ist in Packungen mit 50, 100 und 200 (2x100) Tabletten erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: service@hexal.com

Hersteller

Salutas Pharma GmbH

Otto-von-Guericke-Allee 1

39179 Barleben

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im

April 2018

.

Fachinformation

1.

BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL

Carbamazepin HEXAL 200 mg, Tabletten

Carbamazepin HEXAL 400 mg, Tabletten

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Carbamazepin HEXAL 200 mg

1 teilbare Tablette enthält 200 mg Carbamazepin.

Carbamazepin HEXAL 400 mg

1 teilbare Tablette enthält 400 mg Carbamazepin.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Tablette

Carbamazepin HEXAL 200 mg

Weiße runde Tablette mit Bruchkerbe auf einer Seite

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

Carbamazepin HEXAL 400 mg

Weiße runde Tablette mit Bruchkerbe auf einer Seite

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur Behandlung von:

Epilepsien:

Einfache partielle Anfälle (fokale Anfälle)

Komplexe partielle Anfälle (psychomotorische Anfälle)

Grand mal, insbesondere fokaler Genese (Schlaf-Grand mal, diffuses Grand mal)

gemischte Epilepsieformen

Trigeminus-Neuralgie

Genuine Glossopharyngeus-Neuralgie

Schmerzhafte diabetische Neuropathie

Nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose, wie z. B. Trigeminus-Neuralgie, tonische

Anfälle, paroxysmale Dysarthrie und Ataxie, paroxysmale Parästhesien und

Schmerzanfälle

Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom

Zur Prophylaxe manisch-depressiver Phasen, wenn die Therapie mit Lithium versagt hat

bzw. wenn Patienten unter Lithium schnelle Phasenwechsel erlebten, und wenn mit

Lithium nicht behandelt werden darf.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Vor der Entscheidung zur Behandlung mit Carbamazepin sollten Patienten han-

chinesischer oder thailändischer Abstammung auf die Genvariante HLA-B*1502 hin

untersucht werden, wenn dies irgendwie möglich ist. Dieses Allel ist ein starker Prädiktor für

das Risiko des Auftretens des Stevens-Johnson-Syndroms bei einer Behandlung mit

Carbamazepin (siehe Hinweise zu Gentests und Hautreaktionen in Abschnitt 4.4).

Die Behandlung mit Carbamazepin wird einschleichend, in einer niedrigen Initialdosis, je

nach Art und Schwere des Krankheitsbildes, individuell begonnen, danach wird die Dosis

langsam bis zur am besten wirksamen Erhaltungsdosis erhöht.

Die Tagesdosis wird in der Regel in mehreren Einzelgaben verabreicht.

Der allgemeine Tagesdosisbereich liegt zwischen 400 und 1.200 mg Carbamazepin.

Eine Gesamttagesdosis von 1.600 mg Carbamazepin sollte in der Regel nicht überschritten

werden, da in höherer Dosierung vermehrt Nebenwirkungen auftreten.

Die Festlegung der therapeutischen Dosis sollte, insbesondere bei Kombinationstherapie,

über die Bestimmung der Plasmaspiegel und in Abhängigkeit von der Wirksamkeit erfolgen.

Der therapeutische Carbamazepin-Spiegel liegt erfahrungsgemäß zwischen 4 und

12 µg/ml.

Im Einzelfall kann die erforderliche Dosis erheblich von der angegebenen Anfangs- und

Erhaltungsdosis abweichen (z. B. wegen Beschleunigung des Metabolismus durch

Enzyminduktion oder wegen Arzneimittelinteraktionen bei eventuell kombinierter

Medikation).

Carbamazepin sollte zur Behandlung der Epilepsie bevorzugt allein (Monotherapie)

angewendet werden. Die Behandlung ist von einem in der Epilepsie-Behandlung

erfahrenen Facharzt zu überwachen.

Bei Umstellung auf die Behandlung mit Carbamazepin ist die Dosis des abzusetzenden

Antiepileptikums schrittweise herabzusetzen.

Folgendes allgemeines Dosierschema wird zur Behandlung von epileptischen Anfallsleiden

empfohlen:

Tabelle 1

Anfangsdosis

(täglich)

Erhaltungsdosis

(täglich)

Erwachsene

2-mal 100 mg

3-mal 200 bis 400 mg

Kinder* 1-5 Jahre

1- bis 2-mal 100 mg

1- bis 2-mal 200 mg

Kinder* 6-10 Jahre

2-mal 100 mg

3-mal 200 mg

Kinder 11-15 Jahre

2- bis 3-mal 100 mg

3-mal 200 bis 400 mg

Kinder > 15 Jahre

entsprechend der Erwachsenendosis

* Hinweis

Bei Kindern unter 4 Jahren wird aufgrund klinischer Erfahrungen empfohlen, bevorzugt

mit einer Tagesdosis von 20 bis 60 mg zu beginnen. Bis zum Erreichen der

therapeutisch notwendigen Dosis kann diese Tagesdosis um 20 bis 60 mg

Carbamazepin jeden zweiten Tag gesteigert werden. Jedoch sollten die oben genannten

Dosierungsbereiche nicht überschritten werden.

Bei Kindern über 4 Jahren kann aufgrund klinischer Erfahrungen die Anfangsdosis 100

mg Carbamazepin/Tag betragen. Diese Tagesdosis kann jeden zweiten Tag oder

wöchentlich um bis zu 100 mg Carbamazepin/Tag bis zur erforderlichen Dosis gesteigert

werden. Jedoch sollten die oben genannten Dosierungsbereiche nicht überschritten

werden.

Empfohlene Maximaldosis

bis zu 6 Jahren: 35 mg/kg/Tag

6-15 Jahre: 1.000 mg/Tag

> 15 Jahre: 1.200 mg/Tag

Es gelten folgende Dosierungsempfehlungen

Epilepsien

Im Allgemeinen wird bei Erwachsenen die Anfangsdosis von 200 bis 400 mg

Carbamazepin/Tag) langsam auf die Erhaltungsdosis von 800 bis 1.200 mg

Carbamazepin/Tag) gesteigert.

Im Allgemeinen beträgt die Erhaltungsdosis für Kinder durchschnittlich 10 bis 20 mg

Carbamazepin/kg Körpergewicht/Tag.

Empfohlenes Dosierschema siehe Tabelle 1.

Trigeminus-Neuralgie, genuine Glossopharyngeus-Neuralgie

Die Tagesdosis wird von einer Anfangsdosis von 200 bis 400 mg Carbamazepin, in 1 bis 2

Gaben, bis zum Eintritt der Schmerzfreiheit auf 2- bis 4-mal 200 mg Carbamazepin

(entsprechend 400 bis 800 mg) erhöht. Im Anschluss daran ist es bei einem Teil der Fälle

möglich, die Behandlung mit einer geringeren Erhaltungsdosis von 2-mal 200 mg

Carbamazepin (ensprechend 400 mg Carbamazepin) täglich fortzusetzen. Die empfohlene

Maximaldosis beträgt 1.200 mg/Tag. Wenn eine Schmerzlinderung erreicht wurde, sollte

versucht werden, die Therapie schrittweise abzusetzen, bis eine weitere Schmerzattacke

auftritt.

Bei älteren und empfindlichen Patienten ist eine Anfangsdosis von täglich 200 mg

Carbamazepin aufgeteilt auf 2 Gaben ausreichend.

Schmerzzustände bei diabetischer Neuropathie

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 200 mg (entsprechend 600 mg

Carbamazepin), in Ausnahmefällen bis zu 3-mal täglich 400 mg (entsprechend 1.200 mg

Carbamazepin).

Nichtepileptische Anfälle bei Multipler Sklerose

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 2- bis 4-mal 200 mg (entsprechend 400 bis 800

mg Carbamazepin).

Anfallsverhütung während der stationären Alkoholentzugssyndrom-Behandlung

Die durchschnittliche Tagesdosis beträgt 3-mal 200 mg (entsprechend 600 mg

Carbamazepin).

In schweren Fällen kann die Dosis in den ersten Tagen bis auf 3-mal täglich 400 mg

Carbamazepin (entsprechend 1.200 mg Carbamazepin) erhöht werden.

Die Kombination von Carbamazepin mit sedativ-hypnotischen Mitteln wird nicht empfohlen.

Entsprechend den klinischen Erfordernissen kann Carbamazepin jedoch mit anderen in der

Alkoholentzugs-Behandlung eingesetzten Substanzen bei Bedarf kombiniert werden.

Es sind regelmäßige Kontrollen des Carbamazepin-Spiegels vorzunehmen. Wegen der

zentralnervösen und vegetativen Nebenwirkungen (siehe zu Alkoholentzugssyndrom unter

Abschnitt 4.4) wird eine sorgfältige klinische Beobachtung empfohlen.

Prophylaxe manisch-depressiver Phasen:

Die Anfangsdosis, die in der Regel auch als Erhaltungsdosis ausreichend ist, beträgt 1- bis

2-mal täglich 200 mg (entsprechend 200 bis 400 mg Carbamazepin). Gegebenenfalls kann

die Dosis bis auf 800 mg Carbamazepin täglich, in 3 bis 4 Gaben, erhöht werden.

Hinweis

Bei Patienten mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei Leber- und Nierenleiden

sowie bei älteren Patienten ist eine niedrigere Dosierung angezeigt.

Art und Dauer der Anwendung

Die Tabletten sind teilbar und werden während oder nach den Mahlzeiten mit ausreichend

Flüssigkeit (z. B. 1 Glas Wasser) eingenommen.

In manchen Fällen hat sich die Verteilung der Tagesdosis auf 4 bis 5 Einzelgaben als

besonders wirkungsvoll erwiesen.

Die Anwendungsdauer richtet sich nach der jeweiligen Indikation und der individuellen

Reaktion des Patienten. In jedem Fall darf das Arzneimittel durch den Patienten nicht

eigenmächtig abgesetzt werden.

Die Dauer der Anwendung ist individuell verschieden und wird vom behandelnden Arzt

festgelegt.

Die antiepileptische Therapie ist grundsätzlich eine Langzeittherapie.

Über die Einstellung, Behandlungsdauer und das Absetzen von Carbamazepin sollte im

Einzelfall ein in der Epilepsie-Behandlung erfahrener Facharzt entscheiden. Im Allgemeinen

ist eine Dosisreduktion und ein Absetzen der Medikation frühestens nach 2- bis 3-jähriger

Anfallsfreiheit zu erwägen.

Das Absetzen muss in schrittweiser Dosisreduktion über 1 bis 2 Jahre erfolgen; Kinder

können der Dosis pro kg Körpergewicht entwachsen, anstelle altersgemäßer

Dosisanpassung, wobei sich der EEG-Befund nicht verschlechtern sollte.

Bei der Neuralgie-Behandlung hat es sich bewährt, die Therapie mit einer für die

Schmerzfreiheit gerade noch ausreichenden Erhaltungsdosis über einige Wochen

durchzuführen. Durch vorsichtige Dosisreduktion sollte festgestellt werden, ob es

inzwischen zu einer Spontanremission gekommen ist.

Beim Wiederauftreten von Schmerzattacken ist mit der ursprünglichen Erhaltungsdosis

weiterzubehandeln.

Für die Behandlungsdauer der Schmerzzustände bei diabetischer Neuropathie und der

nichtepileptischen Anfälle bei Multipler Sklerose gilt das Gleiche.

Zur Anfallsverhütung bei der Alkoholentzugssyndrom-Behandlung sollte die Therapie mit

Carbamazepin unter ausschleichender Dosierung nach 7 bis 10 Tagen beendet werden.

Die Prophylaxe manisch-depressiver Phasen ist eine Langzeit-Behandlung.

Kinder

Bei Kindern unter 6 Jahren darf die Anwendung von Carbamazepin nur nach strenger

Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

4.3

Gegenanzeigen

Carbamazepin darf nicht angewendet werden bei:

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder strukturell verwandte Medikamente (z. B.

trizyklische Antidepressiva) oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile

Vorliegen einer Knochenmarkschädigung, Knochenmarkdepression in der

Vorgeschichte

atrioventrikulärem Block

hepatischer Porphyrie, auch in der Vorgeschichte (z. B. akute intermittierende Porphyrie,

Porphyria variegata, Porphyria cutanea tarda)

gleichzeitiger Behandlung mit einem Monoaminoxidase-Hemmer

gleichzeitiger Behandlung mit Voriconazol, da es zum Therapieversagen dieses

Medikamentes kommen kann

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Carbamazepin darf nur unter ärztlicher Überwachung und nach strenger Nutzen-Risiko-

Abwägung und unter entsprechendem engmaschigem Monitoring angewendet werden bei:

früheren oder bestehenden hämatologischen Erkrankungen, hämatologischen

Reaktionen auf andere Arzneimittel in der Vorgeschichte

gestörtem Natrium-Stoffwechsel

Herz-, Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, auch in der Vorgeschichte (siehe

Abschnitte 4.2 und 4.8)

Patienten, die bereits einmal eine Behandlung mit Carbamazepin abgebrochen haben

Patienten mit myotoner Dystrophie, da bei dieser Patientengruppe häufig kardiale

Überleitungsstörungen auftreten

Hämatologische Ereignisse

Ein Auftreten von Agranulozytose und aplastischer Anämie wurde mit Carbamazepin in

Verbindung gebracht; eine Abschätzung des Risikos ist jedoch aufgrund der sehr geringen

Häufigkeit schwierig. In der unbehandelten Bevölkerung beträgt die Wahrscheinlichkeit des

Auftretens 4,7 Fälle/Mio/Jahr für Agranulozytose und 2,0 Fälle/Mio/Jahr für aplastische

Anämie.

Eine vorübergehende oder dauerhafte Verminderung der Blutplättchenzahl oder der Zahl

weißer Blutkörperchen tritt unter Carbamazepin gelegentlich bis häufig auf. In der Mehrzahl

der Fälle ist dies vorübergehend und prognostiziert nicht den Beginn einer Agranulozytose

oder aplastischen Anämie. Trotzdem sollte das Blutbild (einschließlich Thrombozyten und

Retikulozyten sowie Serumeisen) zunächst vor der Behandlung mit Carbamazepin, dann in

wöchentlichen Abständen im ersten Monat der Behandlung, danach in monatlichen

Abständen kontrolliert werden. Nach 6-monatiger Behandlung reichen teilweise 2- bis 4-

malige Kontrollen im Jahr aus.

Patienten sollten auf frühe Anzeichen potenzieller hämatologischer Probleme und ebenso

auf Symptome dermatologischer und hepatischer Reaktionen aufmerksam gemacht

werden. Treten Reaktionen wie Fieber, Halsschmerzen, allergische Hautreaktionen wie

Hautausschlag mit Lymphknotenschwellungen und/oder grippeähnliche

Krankheitsbeschwerden, Geschwüre im Mund, Hämatomneigung, petechiale oder

Purpurablutungen unter der Behandlung mit Carbamazepin auf, sollte der Patient sofort

den Arzt aufsuchen und das Blutbild bestimmt werden. Beim Auftreten bestimmter

Blutbildveränderungen (insbesondere Leukozytopenien und Thrombozytopenien) kann das

Absetzen von Carbamazepin erforderlich sein; dies ist immer der Fall, wenn gleichzeitig

Beschwerden wie allergische Symptome, Fieber, Halsschmerzen oder Hautblutungen

auftreten. Anhaltspunkte geben die folgenden Aufstellungen:

Kurzfristige Kontrollen (innerhalb 1 Woche) erforderlich bei:

Fieber, Infekt

Hautausschlag

allgemeinem Schwächegefühl

Halsentzündung, Mundulzera

rascher Ausbildung blauer Flecken

Anstieg der Transaminasen

Abfall der Leukozyten unter 3.000/mm

bzw. der Granulozyten unter 1.500/mm

Abfall der Thrombozyten unter 125.000/mm

Abfall der Retikulozyten unter 0,3 % = 20.000/mm

Anstieg des Serumeisen über 150 µg%

Absetzen von Carbamazepin erforderlich bei:

petechialen oder Purpura-Blutungen

Abfall der Erythrozyten unter 4 Mio/mm

Abfall des Hämatokrits unter 32 %

Abfall des Hämoglobin unter 11 g%

Abfall der Leukozyten unter 2.000/mm

bzw. der Granulozyten unter 1.000/mm

bzw. der

Thrombozyten unter 80.000/mm

symptomatischen Blutbildungsstörungen

Schwere Hautreaktionen

Fälle von lebensbedrohlichen Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) und

Toxisch epidermaler Nekrolyse (TEN)) wurden in Zusammenhang mit der Anwendung von

Carbamazepin berichtet. Die Patienten sollten über die Anzeichen und Symptome dieser

schweren Nebenwirkungen informiert und engmaschig bezüglich des Auftretens von

Hautreaktionen überwacht werden. Das Risiko für das Auftreten von SJS oder TEN ist in

den ersten Behandlungswochen am höchsten. Wenn Anzeichen oder Symptome für ein

SJS oder eine TEN auftreten (z. B. ein progredienter Hautausschlag, oft mit Blasenbildung

oder begleitenden Schleimhautläsionen), muss die Therapie mit Carbamazepin beendet

werden. Der Verlauf von SJS und TEN wird maßgeblich von der frühzeitigen

Diagnosestellung und dem sofortigen Absetzen aller verdächtigen Arzneimittel bestimmt, d.

h. frühzeitiges Absetzen verbessert die Prognose.

Nach Auftreten eines SJS oder einer TEN in Zusammenhang mit der Anwendung von

Carbamazepin darf der Patient nie wieder mit Carbamazepin behandelt werden.

Schwere und in einigen Fällen tödliche Hautreaktionen, wie toxische epidermale Nekrolyse

(TEN) und Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), treten bei schätzungsweise 1 bis 6 von

10.000 neuen Anwendern in Ländern mit hauptsächlich kaukasischer Bevölkerung auf,

aber in einigen asiatischen Ländern liegt das Risiko den Schätzungen nach etwa 10-mal

höher. Es liegen vermehrt Hinweise darauf vor, dass verschiedene HLA-Allele bei der

Prädisposition von Patienten für immunvermittelte unerwünschte Reaktionen eine Rolle

spielen (siehe Abschnitt 4.2).

Allel HLA-A*3101 - Personen europäischer und japanischer Abstammung

Es liegen Daten vor, die darauf hinweisen, dass das Allel HLA-A*3101 bei Personen mit

europäischer Abstammung sowie bei Japanern mit einem erhöhten Risiko von

Carbamazepin-induzierten unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Haut assoziiert ist, z.

B. SJS, TEN, Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen

(DRESS-Syndrom) oder weniger schwerer akuter generalisierter exanthematischer

Pustulose (AGEP) und makulopapulösem Arzneimittelexanthem (siehe Abschnitt 4.8).

Die Häufigkeit des HLA-A*3101-Allels zeigt starke Variationen zwischen den verschiedenen

Bevölkerungsgruppen. Das Allel HLA-A*3101 hat eine Prävalenz von 2 bis 5 % in der

europäischen Bevölkerung und von etwa 10 % bei der japanischen Bevölkerung.

Das Vorliegen des Allels HLA-A*3101 kann das Risiko Carbamazepin-induzierter

Hautreaktionen (in den meisten Fällen von geringem Schweregrad) von 5,0 % bei der

Allgemeinbevölkerung auf 26,0 % bei Patienten europäischer Abstammung steigern,

wohingegen das Fehlen dieses Allels das Risiko von 5,0 % auf 3,8 % senken kann.

Es liegen keine ausreichenden Daten für die Empfehlung einer Untersuchung auf das

Vorliegen des Allels HLA-A*3101 vor Beginn einer Behandlung mit Carbamazepin vor.

Ist bei Patienten europäischer oder japanischer Herkunft bekannt, dass sie das Allel HLA-

A*3101 tragen, kann die Anwendung von Carbamazepin in Erwägung gezogen werden,

wenn der voraussichtliche Nutzen größer ist als das Risiko.

Allel HLA-B*1502 bei Han-Chinesen, Thailändern und anderen asiatischen

Bevölkerungsgruppen

Es wurde nachgewiesen, dass das Vorhandensein des Allels HLA-B*1502 bei Personen,

die von Han-Chinesen oder Thailändern abstammen, stark mit dem Risiko des Auftretens

schwerer Hautreaktionen, und zwar des Stevens-Johnson-Syndroms, verbunden ist. Die

Prävalenz von Trägern des HLA-B*1502-Allels beträgt bei Han-Chinesen und Thailändern

etwa 10 %. Diese Personen sollten vor Beginn der Therapie mit Carbamazepin genetisch

auf dieses Allel hin untersucht werden, wenn dies irgendwie möglich ist (siehe Abschnitt

4.2). Wenn der Test positiv ausfällt, sollte die Behandlung mit Carbamazepin nicht

begonnen werden, es sei denn, es steht keine Behandlungsalternative zur Verfügung.

Getestete Personen, bei denen kein HLA-B*1502 gefunden wurde, haben ein geringes

Risiko für das Auftreten des Stevens-Johnson-Syndroms; dennoch können diese

Reaktionen selten auftreten.

Einige Daten weisen bei anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen auf ein erhöhtes Risiko

von schweren Carbamazepin-assoziierten TEN-/SJS-Fällen hin. Aufgrund der Prävalenz

dieses Allels bei anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen (z. B. über 15 % auf den

Philippinen und in Malaysia) kann erwogen werden, Patienten aus genetisch besonders

gefährdeten Bevölkerungsgruppen auf das Vorhandensein des Allels HLA-B*1502 zu

testen.

Die Prävalenz des Allels HLA-B*1502 ist zu vernachlässigen bei Personen europäischer

Abstammung, in getesteten afrikanischen und lateinamerikanischen Bevölkerungsgruppen

sowie bei Japanern und Koreanern (< 1 %).

Die Identifizierung Einzelner, die HLA-B*1502-Allel-positiv sind und deshalb nicht mit

Carbamazepin therapiert wurden, reduzierte das Auftreten von Carbamazepin-induziertem

SJS/TEN.

Limitierung der genetischen Tests

Genetische Tests können niemals eine sorgsame medizinische Betreuung ersetzen. Viele

asiatische Patienten, die für HLA-B*1502 positiv sind und mit Carbamazepin behandelt

werden, entwickeln kein SJS/TEN und Patienten, die für HLA-B*1502 negativ sind, können

dennoch SJS/TEN entwickeln. Ebenso werden viele HLA-A*3101-positive Patienten trotz

Behandlung mit Carbamazepin kein SJS, TEN, DRESS, AGEP oder makulopapulösen

Ausschlag entwickeln und Patienten aus jeder ethnischen Gruppe, die HLA-A*3101-negativ

getestet sind, können trotzdem diese schweren Hautreaktionen entwickeln. Die Rolle

möglicher anderer Faktoren zur Entwicklung und Morbidität dieser schweren Hautreaktion

wie AED-Dosierung, Compliance, gleichzeitige Anwendung weiterer Arzneimittel und der

Grad an dermatologischer Überwachung wurden nicht untersucht.

Andere Hautreaktionen

Leichte Hautreaktionen, z. B. isolierte makuläre oder makulopapuläre Exantheme, können

ebenfalls auftreten und sind meist vorübergehend und nicht gefährlich. Sie verschwinden

gewöhnlich innerhalb weniger Tage oder Wochen, entweder bei unveränderter Fortsetzung

der Therapie oder nach Dosisreduktion. Da es jedoch schwierig sein kann, die frühen

Anzeichen schwerer Hautreaktionen von denen leichter und vorübergehender

Hautreaktionen zu unterscheiden, sollte der Patient unter engmaschiger Beobachtung

bleiben und ein sofortiges Absetzen in Betracht gezogen werden, sollten sich die

Hautreaktionen bei fortgesetzter Anwendung verschlechtern.

Es wurde beobachtet, dass das HLA-A*3101-Allel mit weniger schweren durch

Carbamazepin verursachten Hautreaktionen assoziiert ist und möglicherweise das Risiko

für Carbamazepin-Nebenwirkungen wie Antikonvulsiva-Hypersensitivität-Syndrom oder

nicht schwerwiegenden Ausschlag (makulopapulösen Hautausschlag) vorhersagbar macht.

Das HLA-B*1502-Allel ist nicht prädiktiv für das Auftreten der oben aufgeführten

Hautreaktionen.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Carbamazepin kann Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen, einschließlich

Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS), eine

verzögerte, mehrere Organe betreffende Überempfindlichkeitsreaktion mit Fieber,

Hautausschlag, Vaskulitis, Lymphknotenschwellung, Gelenkschmerz, Leukopenie,

Eosinophilie, Vergrößerung von Leber und Milz, veränderten Leberfunktionswerten und

Vanishing Bile Duct Syndrom (Zerstörung und Verlust der intrahepatischen Gallengänge),

die in verschiedenen Kombinationen auftreten können. Andere Organe können ebenfalls

betroffen sein (z. B. Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse, Herzmuskel, Dickdarm) (siehe

Abschnitt 4.8).

Es wurde beobachtet, dass das HLA-A*3101-Allel mit dem Auftreten des Hypersensitivität-

Syndroms, inkl. makulopapulösem Hautausschlag, assoziiert ist.

Patienten, die auf Carbamazepin Überempfindlichkeitsreaktionen gezeigt haben, sollten

informiert werden, dass etwa 25 bis 30 % dieser Patienten Überempfindlichkeitsreaktionen

auf Oxcarbazepin zeigen können.

Eine Kreuzreaktion kann bei Carbamazepin und aromatischen Antiepileptika (z. B.

Phenytoin, Primidon, Phenobarbital) auftreten.

Wenn Anzeichen oder Symptome einer Überempfindlichkeitsreaktion auftreten, sollte

Carbamazepin sofort abgesetzt werden.

Krampfanfälle

Da Carbamazepin Absencen hervorrufen bzw. bereits bestehende verstärken kann, sollte

Carbamazepin bei Patienten, die unter Absencen bzw. gemischten Epilepsieformen, die

solche beinhalten, leiden, nicht angewendet werden. In diesen Konstellationen könnte

Carbamazepin zu einer Anfallsverschlimmerung führen.

Falls es zur Exazerbation von Krampfanfällen kommt, sollte Carbamazepin abgesetzt

werden.

Leberfunktion

Vor und während der Behandlung mit Carbamazepin müssen die Leberwerte kontrolliert

werden; es wird eine Bestimmung vor Behandlungsbeginn, dann in wöchentlichen

Abständen im ersten Monat der Behandlung, danach in monatlichen Abständen empfohlen.

Das gilt insbesondere für Patienten mit einer Lebererkrankung in der Anamnese oder für

ältere Patienten. Nach 6-monatiger Behandlung reichen teilweise 2 bis 4-malige Kontrollen

im Jahr aus.

Die Patienten müssen darauf hingewiesen werden, beim Auftreten von Symptomen einer

Hepatitis wie Abgeschlagenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Gelbfärbung der Haut,

Vergrößerung der Leber umgehend den Arzt aufzusuchen.

Wenn sich eine Leberfunktionsstörung verschlechtert oder eine floride Lebererkrankung

auftritt, sollte Carbamazepin sofort abgesetzt werden.

Nierenfunktion

Es wird empfohlen, vor und regelmäßig während der Behandlung mit Carbamazepin einen

Harnstatus und den Harnstoff-Stickstoff zu bestimmen.

Hyponatriämie

Unter Einnahme von Carbamazepin kommt es bekanntermaßen zu einer Hyponatriämie.

Bei Patienten mit vorbestehenden Nierenerkrankungen, die mit einer niedrigen Serum-

Natrium-Konzentration einhergehen, oder bei Patienten, die gleichzeitig mit die Natrium-

Konzentration senkenden Arzneimitteln (z. B. Diuretika, Arzneimittel, die mit einer

inadäquaten ADH-Sekretion in Verbindung stehen) behandelt werden, sollte die Serum-

Natrium-Konzentration vor der Behandlung bestimmt werden. Danach sollte die Serum-

Natrium-Konzentration zunächst nach etwa zwei Wochen und dann während der ersten

drei Monate der Behandlung in monatlichen Abständen oder entsprechend der klinischen

Notwendigkeit bestimmt werden. Die oben genannten Risikofaktoren treten besonders bei

älteren Patienten auf. Wenn eine Hyponatriämie festgestellt wird, ist eine

Flüssigkeitsrestriktion eine wichtige Gegenmaßnahme, falls dies klinisch indiziert ist.

Hypothyreose

Carbamazepin kann durch Enzyminduktion die Serum-Konzentration von

Schilddrüsenhormonen reduzieren, wodurch eine Erhöhung der Dosis einer

Schilddrüsenhormonersatztherapie bei Patienten mit Hypothyreose erforderlich wird. Daher

ist eine Überwachung der Schilddrüsenfunktion empfohlen, um die Dosierung einer

Schilddrüsenhormonersatztherapie anzupassen.

Anticholinerge Effekte

Carbamazepin hat eine schwache anticholinerge Aktivität. Patienten mit Glaukom (grüner

Star) und Harnretention sollten daher während der Behandlung sorgfältig überwacht

werden (siehe Abschnitt 4.8).

Psychiatrische Reaktionen

Die Möglichkeit einer Aktivierung latenter Psychosen und, v. a. bei älteren Patienten, des

Auftretens von Verwirrungs- oder Erregungszuständen sollte stets bedacht werden.

Suizidgedanken und suizidales Verhalten

Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit

Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Eine

Metaanalyse randomisierter, placebo-kontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte auch

ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten.

Der Mechanismus für die Auslösung dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt und die

verfügbaren Daten schließen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos bei der Einnahme von

Carbamazepin nicht aus.

Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen

Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen

werden. Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden medizinische Hilfe

einzuholen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.

Schwangerschaft und Frauen im gebärfähigen Alter

Carbamazepin kann bei Verabreichung an schwangere Frauen mit einer Schädigung des

Fetus verbunden sein (siehe Abschnitt 4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit).

Carbamazepin HEXAL 200 mg sollte während der Schwangerschaft nur angewendet

werden, wenn der potenzielle Nutzen die möglichen Risiken rechtfertigt.

Aufgrund des möglichen teratogenen Risikos für den Fetus sollte für alle schwangeren

Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter eine ausreichende Beratung hinsichtlich der

Risiken einer Schwangerschaft gewährleistet sein (siehe Abschnitt 4.6).

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Carbamazepin HEXAL

200 mg und für zwei Wochen nach der letzten Gabe wirksame Verhütungsmethoden

anwenden (siehe unten im Absatz „Hormonale Kontrazeptiva“ und Abschnitt 4.6).

Hormonale Kontrazeptiva

Bei mit Carbamazepin behandelten Patientinnen, die gleichzeitig hormonale Kontrazeptiva

(die „Pille“) verwendeten, wurde über Durchbruchblutungen berichtet. Die Zuverlässigkeit

der hormonalen Kontrazeption mit Östrogen- und/oder Progesteronderivaten kann aufgrund

der enzyminduzierenden Eigenschaften von Carbamazepin negativ beeinflusst oder sogar

aufgehoben werden. Deshalb sollten Frauen im gebärfähigen Alter andere, nicht hormonale

Verhütungsmethoden empfohlen werden (siehe Abschnitt 4.6).

Plasmaspiegel-Monitoring

Obwohl die Korrelation zwischen Dosis von Carbamazepin und Plasmaspiegel einerseits

und zwischen Plasmaspiegel und klinischer Wirksamkeit bzw. Verträglichkeit andererseits

sehr zweifelhaft ist, kann ein Plasmaspiegel-Monitoring in den folgenden Fällen nützlich

sein: auffälliger Anstieg der Anfallshäufigkeit, Überprüfung der Patienten-Compliance,

während der Schwangerschaft, bei der Behandlung von Kindern oder Heranwachsenden,

bei Verdacht auf Resorptionsstörungen, bei Verdacht auf toxische Effekte, wenn mehrere

Arzneimittel gleichzeitig gegeben werden (siehe Abschnitt 4.5).

Alkoholentzugssyndrom

Im Anwendungsgebiet Anfallsverhütung beim Alkoholentzugssyndrom darf Carbamazepin

nur unter stationären Bedingungen angewendet werden.

Zu beachten ist, dass die auftretenden Nebenwirkungen von Carbamazepin bei der

Behandlung des Alkoholentzugssyndroms den Entzugserscheinungen ähnlich sein bzw. mit

ihnen verwechselt werden können.

Gabe zusammen mit Lithium

Wenn Carbamazepin zur Prophylaxe manisch-depressiver Phasen bei unzureichender

Wirksamkeit von Lithium alleine in Ausnahmefällen zusammen mit Lithium gegeben werden

soll, ist zur Vermeidung von unerwünschten Wechselwirkungen (siehe Abschnitt 4.5) darauf

zu achten, dass eine bestimmte Plasmakonzentration von Carbamazepin nicht

überschritten wird (8 µg/ml), der Lithiumspiegel in einem niedrigen therapeutischen Bereich

gehalten wird (0,3 bis 0,8 mval/L) und eine Behandlung mit Neuroleptika länger als

8 Wochen zurückliegt und auch nicht gleichzeitig erfolgt.

Photosensibilisierung

Aufgrund der Möglichkeit einer Photosensibilisierung sollten sich die Patienten während der

Behandlung mit Carbamazepin vor starker Sonnenbestrahlung schützen.

Dosisreduktion und Entzugseffekte

Ein abruptes Absetzen von Carbamazepin kann zu Anfällen führen. Daher sollte

Carbamazepin schrittweise über einen Zeitraum von 6 Monaten abgesetzt werden. Wird

eine Umstellung der Therapie bei Patienten mit Epilepsie, die mit Carbamazepin behandelt

werden, erforderlich, darf die Umstellung nicht plötzlich erfolgen, sondern es muss

ausschleichend auf die Behandlung mit einem anderen Antiepileptikum umgestellt werden.

Falls bei Epilepsiepatienten eine abrupte Umstellung von Carbamazepin auf ein anderes

Antiepileptikum erforderlich ist, sollte diese unter Abdeckung mit geeigneten Medikamenten

erfolgen.

Laborkontrollen

Aufgrund der oben genannten möglichen Nebenwirkungen sowie

Überempfindlichkeitsreaktionen sind, insbesondere bei Langzeittherapie, regelmäßig

Blutbild, Nieren- und Leberfunktion und der Carbamazepin-Spiegel sowie bei

Kombinationstherapie die Plasmakonzentrationen der anderen Antiepileptika zu

kontrollieren, gegebenenfalls sind die Tagesdosen zu reduzieren.

Stürze

Eine Carbamazepin-Behandlung kann mit Ataxie, Schwindel, Somnolenz, Hypotonie,

Verwirrtheitszuständen und Sedierung (siehe Abschnitt 4.8) verbunden sein. Dies kann zu

Stürzen und damit zu Frakturen oder anderen Verletzungen führen. Bei Patienten mit

Krankheiten, Beschwerden oder Medikationen, die diese Auswirkungen verstärken

könnten, sollte eine umfassende Beurteilung des Sturzrisikos in Betracht gezogen werden.

Bei Patienten unter Langzeitbehandlung mit Carbamazepin HEXAL 200 mg sollte dies

wiederholt erfolgen.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Die Anwendung von Carbamazepin in Kombination mit Monoamino-Oxidasehemmern

(MAO-Hemmern) wird nicht empfohlen. Daher muss eine Behandlung mit MAO-Hemmern

mindestens zwei Wochen vor Beginn einer Behandlung mit Carbamazepin beendet worden

sein.

Beeinflussung der Plasmakonzentration anderer Arzneimittel durch Carbamazepin

Carbamazepin induziert das Cytochrom-P-450-System (überwiegend das Isoenzym

CYP3A4) und andere Phase-I- und Phase-II-Enzymsysteme in der Leber, so dass die

Plasmakonzentrationen von Substanzen, die hauptsächlich über CYP3A4 abgebaut

werden, verringert und diese unter Umständen unwirksam werden können. Ihre Dosis ist

gegebenenfalls den klinischen Erfordernissen anzupassen.

Dies gilt beispielsweise für:

Analgetika, entzündungshemmende Substanzen: Buprenorphin, Fentanyl, Methadon,

Paracetamol (Langzeitanwendung von Carbamazepin und Paracetamol

(Acetaminophen) kann zu einer Hepatotoxizität führen), Phenazon, Tramadol

Anthelmintika: Praziquantel, Albendazol

Antikoagulantien: Warfarin, Phenprocoumon, Dicumarol, Acenocumarol, Rivaroxaban,

Dabigatran, Apixaban, Edoxaban

Antidepressiva: Bupropion, Citalopram, Mianserin, Nefazodon, Sertralin, Trazodon

(anscheinend jedoch Verstärkung des antidepressiven Effekts von Trazodon)

trizyklische Antidepressiva: Imipramin, Amitryptilin, Nortryptilin, Clomipramin

Antimimetika: Aprepitant

andere Antikonvulsiva: Clonazepam, Ethosuximid, Felbamat, Lamotrigin, Eslicarbazepin,

Oxcarbazepin, Primidon, Tiagabin, Topiramat, Valproinsäure, Zonisamid

Um eine Phenytoin-Intoxikation und subtherapeutische Konzentrationen von

Carbamazepin zu vermeiden, wird empfohlen, die Plasmakonzentration von Phenytoin

auf 13 µg/ml einzustellen, bevor die zusätzliche Behandlung mit Carbamazepin

aufgenommen wird.

Antimykotika: Caspofungin, Antimykotika vom Azoltyp: z. B. Itraconazol, Voriconazol

Für Patienten, die mit Voriconazol oder Itraconazol behandelt werden, sind alternative

Antikonvulsiva zu empfehlen.

antivirale Substanzen: Proteaseinhibitoren zur Behandlung von HIV, z. B. Indinavir,

Ritonavir, Saquinavir

Anxiolytika: Alprazolam, Midazolam, Clobazam

Bronchodilatatoren, Antiasthmatika: Theophyllin

Immunsuppressiva: Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus, Everolimus

Herz-Kreislauf-Medikamente: Kalzium-Antagonisten (vom Dihydropyridin-Typ, z. B.

Felodipin), Digoxin, Simvastatin, Atorvastatin, Lovastatin, Cerivastatin, Ivabradin

hormonale Kontrazeptiva

Kortikosteroide: z. B. Prednisolon, Dexamethason

typische Neuroleptika: Haloperidol, Bromperidol

atypische Neuroleptika: Clozapin, Olanzapin, Quetiapin, Risperidon, Ziprasonid,

Aripiprazol, Paliperidon

Schilddrüsenhormone: Levothyroxin

Tetrazykline: z. B. Doxycyclin

Zytostatika: Imatinib, Cyclophosphamid, Lapatinib, Temsirolimus

sonstige: Chinidin, Östrogene, Methylphenidat, Progesteronderivate, Propranolol,

Flunarizin, Rifabutin

Arzneimittel zur Therapie der erektilen Dysfunktion: Tadalafil

Bei Einnahme der „Pille“ können, zusätzlich zur Wirkungsabschwächung der hormonalen

Kontrazeptiva, plötzliche Zwischenblutungen auftreten. Deshalb sollten andere, nicht

hormonale Verhütungsmethoden empfohlen werden.

Die Plasmakonzentration von Phenytoin kann durch Carbamazepin sowohl erhöht als auch

vermindert werden, wodurch in Ausnahmefällen Verwirrtheitszustände bis hin zum Koma

auftreten können.

Carbamazepin kann den Plasmaspiegel von Bupropion senken und den des Metaboliten

Hydroxybupropion erhöhen und somit die klinische Wirksamkeit und Sicherheit von

Bupropion verringern.

Carbamazepin kann den Plasmaspiegel von Trazodon senken, scheint jedoch den

antidepressiven Effekt von Trazodon zu verstärken.

Carbamazepin kann möglicherweise die Metabolisierung von Zotepin beschleunigen.

Verminderte Plasmakonzentration von Carbamazepin

Carbamazepin wird durch das Cytochrom-P-450-System (überwiegend durch das

Isoenzym CYP3A4) metabolisiert. Induktoren von CYP3A4 könnten daher den

Carbamazepin-Metabolismus erhöhen und dadurch möglicherweise zu einer Verringerung

der Carbamazepin-Plasmakonzentration und der therapeutischen Wirkung führen.

Umgekehrt könnte es nach Absetzen eines CYP3A4-Induktors zu einem verringerten

Metabolismus von Carbamazepin kommen und in der Folge zu einem Anstieg der

Carbamazepin-Plasmakonzentration. Eine Verringerung der Carbamazepin-

Plasmakonzentration ist z. B. möglich durch die folgenden Substanzen (nach

Substanzklassen geordnet):

andere Antikonvulsiva: Felbamat, Methosuximid, Oxcarbazepin, Phenobarbital,

Phensuximid, Phenytoin (um eine Phenytoin-Intoxikation und subtherapeutische

Konzentrationen von Carbamazepin zu vermeiden, wird empfohlen, die

Plasmakonzentration von Phenytoin auf 13 µg/ml einzustellen, bevor die zusätzliche

Behandlung mit Carbamazepin aufgenommen wird), Fosphenytoin, Primidon, Progabid

und möglicherweise (hier sind die Daten teilweise widersprüchlich) Clonazepam,

Valproinsäure, Valpromid

Tuberkulosemittel: Rifampicin

Bronchodilatatoren, Antiasthmatika: Theophyllin, Aminophyllin

Dermatika: Isotretinoin

Zytostatika: Cisplatin, Doxorubicin

sonstige: Johanniskraut (Hypericum perforatum)

Andererseits können die Plasmaspiegel des pharmakologisch wirksamen Metaboliten

Carbamazepin-10,11-epoxid durch Valproinsäure sowie Primidon erhöht werden.

Durch Gabe von Felbamat kann der Plasmaspiegel von Carbamazepin vermindert und der

von Carbamazepin-10,11-epoxid erhöht werden, gleichzeitig kann der Felbamat-Spiegel

gesenkt werden.

Aufgrund der wechselseitigen Beeinflussung, insbesondere bei gleichzeitiger

Verabreichung mehrerer Antiepileptika, empfiehlt es sich, die Plasmaspiegel zu

kontrollieren und die Dosierung von Carbamazepin gegebenenfalls anzupassen.

Erhöhte Plasmakonzentration von Carbamazepin und/oder Carbamazepin-10,11-epoxid

Carbamazepin wird hauptsächlich durch Cytochrom-P-450 3A4 (CYP3A4) zu dem aktiven

Metaboliten Carbamazepin-10,11-epoxid metabolisiert. Die gleichzeitige Anwendung von

Inhibitoren von CYP3A4 kann daher zu einem Anstieg der Carbamazepin-

Plasmakonzentration führen, die Nebenwirkungen zur Folge haben kann.

Erhöhte Plasmaspiegel von Carbamazepin können zu den unter Abschnitt 4.8 genannten

Symptomen (z. B. Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Doppeltsehen) führen. Daher

sollte die Carbamazepin-Plasmakonzentration bei Auftreten solcher Symptome überprüft

und die Dosis nötigenfalls verringert werden.

Die Plasmakonzentration an Carbamazepin kann z. B. durch die folgenden Substanzen

(geordnet nach Substanzklassen) erhöht werden:

Analgetika, entzündungshemmende Substanzen: Dextropropoxyphen/Propoxyphen,

Ibuprofen

Androgene: Danazol

Antibiotika: Makrolidantibiotika (z. B. Erythromycin, Troleandomycin, Josamycin,

Clarithromycin, Ciprofloxacin)

Antidepressiva: Fluoxetin, Fluvoxamin, Nefazodon, Paroxetin, Trazodon, Viloxazin,

möglicherweise auch Desipramin

andere Antikonvulsiva: Stiripentol, Vigabatrin

Antimykotika: vom Azoltyp (wie z. B. Itraconazol, Ketoconazol, Fluconazol, Voriconazol)

Für Patienten, die mit Voriconazol oder Itraconazol behandelt werden, sind alternative

Antikonvulsiva zu empfehlen.

Antihistaminika: Loratadin, Terfenadin

Tuberkulosemittel: Isoniazid

antivirale Substanzen: Proteaseinhibitoren zur Behandlung von HIV, z. B. Ritonavir

Carboanhydrasehemmer (Diuretika): Acetazolamid

Kalzium-Antagonisten: Diltiazem, Verapamil

Muskelrelaxanzien: Oxybutynin, Dantrolen

Neuroleptika: Loxapin, Olanzapin, Quetiapin

Plättchenaggregationshemmer: Ticlopidin

Ulcustherapeutika: Omeprazol, möglicherweise Cimetidin

sonstige: Grapefruitsaft, Nicotinamid (in hoher Dosierung)

Erhöhte Plasmakonzentration des aktiven Metaboliten Carbamazepin-10,11-epoxid

Die menschliche mikrosomale Epoxid-Hydrolase wurde als dasjenige Enzym identifiziert,

das die Bildung des 10,11-trans-Diols aus Carbamazepin-10,11-epoxid bewirkt. Die

gleichzeitige Gabe von Inhibitoren der menschlichen mikrosomalen Epoxid-Hydrolase kann

daher zu erhöhten Plasmakonzentrationen an Carbamazepin-10,11-epoxid führen.

Erhöhte Plasmaspiegel von Carbamazepin-10,11-epoxid können zu den in Abschnitt 4.8

genannten Symptomen (z. B. Schwindel, Müdigkeit, Gangunsicherheit, Doppeltsehen)

führen. Daher sollte die Plasmakonzentration bei Auftreten solcher Symptome überprüft

und die Dosis nötigenfalls angepasst werden, wenn folgende Substanzen gleichzeitig

gegeben werden:

Loxapin, Quetiapin, Primidon, Progabid, Valproinsäure, Valnoctamid und Valpromid.

Weitere Wechselwirkungen, die besonderer Aufmerksamkeit bedürfen

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin und Levetiracetam kann die Toxizität von

Carbamazepin erhöhen.

Die Leberschädlichkeit von Isoniazid kann durch Carbamazepin erhöht werden.

Die gleichzeitige Anwendung von Carbamazepin und Lithium oder Metoclopramid

einerseits und von Neuroleptika (Haloperidol, Thioridazin) andererseits kann das Auftreten

neurologischer Nebenwirkungen begünstigen. Bei Patienten, die mit Neuroleptika

behandelt werden, ist darauf zu achten, dass Carbamazepin den Plasmaspiegel dieser

Arzneimittel reduzieren und dadurch eine Verschlechterung des Krankheitsbildes

verursachen kann. Eine Dosisanpassung des jeweiligen Neuroleptikums kann erforderlich

sein.

Es wird darauf hingewiesen, dass insbesondere die gleichzeitige Anwendung von Lithium

und Carbamazepin die neurotoxische Wirkung beider Wirkstoffe, auch bei Vorliegen

therapeutischer Lithium-Spiegel, verstärken kann. Daher ist eine sorgfältige Überwachung

der Blutspiegel von beiden notwendig. Eine vorherige Behandlung mit Neuroleptika soll

länger als 8 Wochen zurückliegen und auch nicht gleichzeitig erfolgen. Auf folgende

Anzeichen neurotoxischer Symptome ist zu achten: Unsicherer Gang, Ataxie, horizontaler

Nystagmus, gesteigerte Muskeleigenreflexe, Muskelzucken (Muskelfaszikulationen).

Die kombinierte Gabe von Carbamazepin und einigen Diuretika (Hydrochlorothiazid,

Furosemid) kann zu einer symptomatischen Hyponatriämie führen.

Die Wirksamkeit nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien, wie z. B. Pancuronium, kann

durch Carbamazepin beeinträchtigt werden. Dadurch ist eine raschere Aufhebung der

neuromuskulären Blockade möglich. Patienten, die mit Muskelrelaxanzien behandelt

werden, sollten diesbezüglich überwacht und die Dosierung dieser Arzneimittel

gegebenenfalls erhöht werden.

Carbamazepin kann, wie andere psychoaktive Stoffe, die Alkoholtoleranz der Patienten

vermindern. Die Patienten sollten daher während der Behandlung keinen Alkohol trinken.

Die gleichzeitige Gabe von Carbamazepin und direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien

(Rivaroxaban, Dabigatran, Apixaban und Edoxaban) kann zu reduzierten Plasmaspiegeln

der direkt wirkenden oralen Antikoagulanzien führen. Weitere Details entnehmen Sie bitte

der folgenden Tabelle:

Direkt

wirkende

orale

Antikoagulanzien

(NOAC)

Empfehlungen für die gleichzeitige

Anwendung von NOAC und Carbamazepin

Apixaban

In der Prophylaxe venöser Thromboembolien

(VTE) nach elektiven Hüft- oder

Kniegelenksersatzoperationen, in der

Prophylaxe von Schlaganfällen und

systemischen Embolien bei Patienten mit

nicht-valvulärem Vorhofflimmern (NVAF)

sowie in der Prophylaxe von rezidivierenden

tiefen Venenthrombosen (TVT) und

Lungenembolien (LE) sollte die gleichzeitige

Anwendung nur mit Vorsicht erfolgen.

Bei der Behandlung von TVT und LE sollte die

gleichzeitige Anwendung vermieden werden.

Rivaroxaban

Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden

werden, es sei denn, der Patient wird

engmaschig auf Zeichen und Symptome einer

Thrombose überwacht.

Dabigatran

Die gleichzeitige Anwendung sollte vermieden

werden.

Edoxaban

Die gleichzeitige Gabe sollte nur mit Vorsicht

erfolgen.

In der Literatur gibt es Hinweise darauf, dass die zusätzliche Einnahme von Carbamazepin

bei vorbestehender Neuroleptikatherapie das Risiko für das Auftreten eines malignen

neuroleptischen Syndroms oder eines Stevens-Johnson-Syndroms erhöht.

Bei gleichzeitiger Gabe von Isotretinoin (Wirkstoff zur Akne-Behandlung) und

Carbamazepin sollten die Carbamazepin-Plasmaspiegel kontrolliert werden.

Die gleichzeitige Gabe von Carbamazepin mit Paracetamol kann die Bioverfügbarkeit von

Paracetamol vermindern.

Carbamazepin scheint die Elimination von Schilddrüsenhormonen zu verstärken und den

Bedarf an diesen bei Patienten mit Schilddrüsenunterfunktion zu erhöhen. Deshalb sind bei

solchen Patienten, die eine Substitutionstherapie erhalten, zu Beginn und am Ende einer

Therapie mit Carbamazepin die Schilddrüsenparameter zu bestimmen. Gegebenenfalls ist

eine Dosisanpassung der Schilddrüsenhormon-Präparate vorzunehmen. Insbesondere die

gleichzeitige Behandlung mit Carbamazepin und anderen Antikonvulsiva (z. B.

Phenobarbital) kann die Schilddrüsenfunktion verändern.

Die gleichzeitige Gabe von Antidepressiva vom Typ der Serotonin-Wiederaufnahme-

Hemmer (z. B. Fluoxetin) kann zu einem toxischen Serotonin-Syndrom führen.

Es wird empfohlen, Carbamazepin nicht in Kombination mit Nefazodon

(depressionslösendes Mittel) anzuwenden, da Carbamazepin zu einer deutlichen Reduktion

des Nefazodon-Plasmaspiegels bis hin zum Wirkungsverlust führen kann. Darüber hinaus

wird bei gleichzeitiger Einnahme von Nefazodon und Carbamazepin der Carbamazepin-

Plasmaspiegel erhöht und der seines aktiven Abbauproduktes Carbamazepin-10,11-epoxid

erniedrigt.

Durch gleichzeitige Einnahme von Carbamazepin und Antiarrhythmika, zyklischen

Antidepressiva oder Erythromycin erhöht sich das Risiko für kardiale

Überleitungsstörungen.

Beeinträchtigung serologischer Untersuchungen

Durch Interferenz bei der HPLC-Analyse kann Carbamazepin zu falsch positiven

Perphenazin-Konzentrationen führen.

Carbamazepin und sein 10,11-Epoxid-Metabolit können bei Fluoreszenzpolarisations-

Immunoassays zu falsch positiven Konzentrationen von trizyklischen Antidepressiva führen.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Kontrazeption bei Frauen im gebärfähigen Alter

Carbamazepin beeinträchtigt die Wirkung von hormonalen Kontrazeptiva, die Östrogen-

und/oder Progesteronderivate enthalten. Deshalb sollte während der Behandlung mit

Carbamazepin und für zwei Wochen nach der letzten Gabe eine andere wirksame und

sichere Verhütungsmethode angewendet werden.

Schwangerschaft

Es ist bekannt, dass der Nachwuchs von an Epilepsie erkrankten Müttern häufiger

Entwicklungsstörungen einschließlich Missbildungen aufweist. Es fehlen jedoch schlüssige

Belege aus kontrollierten Studien mit Carbamazepin als Monotherapie. Es wurde aber in

Zusammenhang mit der Anwendung von Carbamazepin über Entwicklungsstörungen und

ein generell erhöhtes Risiko für Fehlbildungen wie Spina bifida sowie über andere

angeborene Anomalien wie kraniofaziale Dysmorphien, kardiovaskuläre Fehlbildungen,

Fingernagelhypoplasien und Anomalien anderer Organsysteme berichtet.

In Anbetracht dessen sollten folgende Punkte bedacht werden:

Schwangere Frauen mit Epilepsie sollten mit besonderer Vorsicht medikamentös

behandelt werden.

Wenn unter einer Carbamazepin-Behandlung eine Schwangerschaft eintritt oder geplant

wird oder wenn während einer Schwangerschaft eine Behandlung mit Carbamazepin

begonnen werden soll, muss der erwartete Nutzen des Medikaments sehr sorgfältig

gegen die möglichen Risiken dieser Therapie für das ungeborene Kind abgewogen

werden, besonders in den ersten drei Monaten.

Carbamazepin sollte bei gebärfähigen Frauen und besonders während der

Schwangerschaft wann immer möglich als Monotherapie angewendet werden, da die

Inzidenz von Fehlbildungen bei einer Kombinationstherapie mit anderen Antiepileptika

höher ist als bei einer Monotherapie. Das Risiko von Fehlbildungen nach Carbamazepin-

Exposition als Polytherapie variiert abhängig von den einzelnen angewendeten

Medikamenten und kann insbesondere bei einer Polytherapie mit Valproat höher sein.

Während der für Fehlbildungen besonders anfälligen ersten drei Monate der

Schwangerschaft und besonders zwischen dem 20. und 40. Tag nach der Befruchtung

soll die niedrigste wirksame Dosis angewendet werden, da Fehlbildungen

wahrscheinlich durch hohe Plasmakonzentrationen hervorgerufen werden. Eine

Kontrolle der Plasmaspiegel wird empfohlen. Sie sollten im unteren Bereich des

therapeutischen Bereiches (3 bis 7 µg/ml) liegen. Bei einer Dosis von < 400 mg

Carbamazepin pro Tag sind die Fehlbildungsraten niedriger als bei höheren Dosen.

Die Patientinnen sollen über das erhöhte Risiko von Fehlbildungen informiert und auf die

Möglichkeit des pränatalen Screenings hingewiesen werden.

In keinem Fall sollte die Behandlung ohne ärztlichen Rat abgebrochen werden, da es bei

epileptischen Anfällen zur Schädigung des Kindes kommen kann.

Es ist bekannt, dass es in der Schwangerschaft zum Auftreten eines Folsäuremangels

kommen kann. Es wurde berichtet, dass Antiepileptika den Folsäuremangel verstärken

können. Der Folsäuremangel kann möglicherweise zur erhöhten Inzidenz von angeborenen

Fehlbildungen bei Kindern, deren Mütter mit Antiepileptika behandelt wurden, beitragen.

Deshalb kann die Gabe von Folsäure vor und während der Schwangerschaft sinnvoll sein.

Zur Vermeidung von Blutgerinnungsstörungen wird auch die prophylaktische Gabe von

Vitamin K

in den letzten Wochen der Schwangerschaft an die Mutter bzw. post partum an

das Neugeborene empfohlen.

In Zusammenhang mit der Einnahme von Carbamazepin und anderen Antiepileptika wurde

über einige wenige Fälle von Krämpfen und/oder Atemdepression bei Neugeborenen

berichtet, ebenso über einige Fälle von Erbrechen, Diarrhö und/oder verminderter

Nahrungsaufnahme. Dies könnten Anzeichen eines Entzugssyndroms beim Neugeborenen

sein.

Stillzeit

Carbamazepin und sein wirksamer Metabolit treten in die Muttermilch über (Milch/Plasma-

Konzentrationsverhältnisse von 0,24 bis 0,69). Der Nutzen des Stillens sollte jedoch gegen

das geringe Risiko von Nebenwirkungen beim Säugling abgewogen werden. Carbamazepin

darf in der Stillzeit eingenommen werden, vorausgesetzt, der gestillte Säugling wird

bezüglich des Auftretens möglicher unerwünschter Wirkungen beobachtet (verringerte

Gewichtszunahme, Sedierung, allergische Hautreaktionen). Beim Auftreten solcher

Substanzwirkungen sollte abgestillt werden. Es liegen einige Berichte über cholestatische

Hepatitis bei Neugeborenen vor, die pränatal oder während der Stillzeit Carbamazepin

ausgesetzt waren. Daher sollten gestillte Kinder, deren Mütter mit Carbamazepin behandelt

werden, sorgfältig auf hepatobiliäre Nebenwirkungen überwacht werden.

Fertilität

Es traten Einzelfälle sexueller Funktionsstörungen auf, wie z. B. Impotenz oder verminderte

Libido. Sehr selten wurde über verminderte männliche Fertilität und/oder abnorme

Spermatogenese berichtet.

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Durch das Auftreten zentralnervöser Nebenwirkungen, wie z. B. Schwindel, Benommenheit,

Müdigkeit, Ataxie, Doppeltsehen, Akkommodationsstörungen und verschwommenes

Sehen, zu Beginn der Behandlung oder in höheren Dosen und/oder bei gleichzeitiger

Einnahme anderer, ebenfalls am Zentralnervensystem angreifender Arzneimittel kann

Carbamazepin auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen -

unabhängig von der Auswirkung des zu behandelnden Grundleidens - so weit verändern,

dass z. B. die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von

Maschinen oder Arbeiten ohne sicheren Halt vermindert wird. Dies gilt in verstärktem Maße

im Zusammenwirken mit Alkohol.

4.8

Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

Sehr häufig

(≥ 1/10)

Häufig

(≥ 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich

(≥ 1/1.000 bis < 1/100)

Selten

(≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten

(< 1/10.000)

Nicht bekannt

(Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Die beobachteten Nebenwirkungen traten bei alleiniger Verabreichung von Carbamazepin

(Monotherapie) seltener als bei gleichzeitiger Gabe anderer Antiepileptika

(Kombinationstherapie) auf.

Ein Teil der Nebenwirkungen tritt dosisabhängig vor allem zu Beginn der Behandlung, bei

zu hoher Anfangsdosierung oder bei älteren Patienten sehr häufig oder häufig auf, so

zentralnervöse Störungen (Schwindel, Kopfschmerzen, Ataxie, Schläfrigkeit, Sedierung,

Doppeltsehen), gastrointestinale Störungen (Übelkeit, Erbrechen) und allergische

Hautreaktionen.

Dosisabhängige Nebenwirkungen klingen meist innerhalb einiger Tage von selbst oder

nach vorübergehender Dosisreduktion ab. Daher sollte Carbamazepin möglichst

einschleichend dosiert werden. Zentralnervöse Störungen können ein Zeichen einer

relativen Überdosierung oder starker Schwankungen der Plasmaspiegel sein; daher

empfiehlt es sich in diesen Fällen, die Plasmaspiegel zu bestimmen.

Die Nebenwirkungen sind gemäß der MedDRA-Terminologie entsprechend der

Organklassen aufgeführt. Innerhalb der Organklassen sind die Nebenwirkungen nach

absteigender Schwere aufgeführt.

Infektionen und parasitäre Erkrankungen

Nicht bekannt**

Reaktivierung einer Infektion mit dem Humanen

Herpesvirus 6

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Sehr häufig

Leukopenie

Nach Literaturangaben tritt dabei am häufigsten eine

gutartige Leukopenie, in etwa 10 % der Fälle

vorübergehend, in 2 % persistierend, auf. Eine gutartige

Leukopenie tritt vor allem innerhalb der ersten vier

Therapiemonate auf.

Häufig

Thrombozytopenie

Eosinophilie

Selten

Leukozytose

Lymphadenopathie

Sehr selten

Agranulozytose

aplastische Anämie

Panzytopenie

Aplasie der Erythrozyten

Anämie

megaloblastäre Anämie

Retikulozytose

hämolytische Anämie

Milzvergrößerung

Nicht bekannt**

Knochenmarkinsuffizienz

Erkrankungen des Immunsystems

Gelegentlich

verzögerte, mehrere Organsysteme betreffende

Überempfindlichkeitsreaktionen mit Fieber,

Hautausschlag, Vaskulitis, Lymphknotenschwellung,

Pseudolymphom, Gelenkschmerz, Leukopenie,

Eosinophilie, Vergrößerung von Leber und Milz oder mit

veränderten Leberfunktionswerten und Vanishing Bile Duct

Syndrome (progrediente cholestatische Hepatopathie mit

Zerstörung und Schwund der intrahepatischen

Gallengänge)

Diese Erscheinungen können in verschiedenen

Kombinationen auftreten und auch andere Organe wie

Lunge, Niere, Bauchspeicheldrüse und Herzmuskel und

Dickdarm betreffen.

Sehr selten

akute allergische Allgemeinreaktionen

anaphylaktische Reaktionen

Angioödeme

Hypogammaglobulinämie

Nicht bekannt**

Ausschlag mit Eosinophilie und systemischen Symptomen

(Drug Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms

[DRESS])

Endokrine Erkrankungen

Häufig

Ödeme

Flüssigkeitsretention

Gewichtszunahme

Hyponatriämie und verminderte Plasmaosmolalität

aufgrund einer ADH-ähnlichen Wirkung, die selten zu

Wasserintoxikation mit Lethargie, Erbrechen,

Kopfschmerz, Verwirrtheitszuständen und anderen

neurologischen Störungen führen kann.

Sehr selten

Galaktorrhö und Gynäkomastie

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Selten

Folsäuremangel

verminderter Appetit

Sehr selten

akute Porphyrie (akute intermittierende Porphyrie,

Porphyria variegata)

nicht-akute Porphyrie (Porphyria cutanea tarda)

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich

bei älteren Patienten Verwirrtheitszustände und Unruhe

(Agitation)

Selten

Halluzinationen (akustisch und visuell)

Depression

depressive oder manische Verstimmungen

Ruhelosigkeit

aggressives Verhalten

Sehr selten

Aktivierung latenter Psychosen

Stimmungsveränderungen wie phobische Störungen

Denkerschwernis

Antriebsverarmung

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr häufig

Schwindel

Ataxie (ataktische und zerebellare Störungen)

Somnolenz

Sedierung

Schläfrigkeit

Häufig

Kopfschmerzen

Doppelbilder

Gelegentlich

unwillkürliche Bewegungen wie z. B. Tremor, Asterixis,

Dystonie oder Ticks

Störungen der Okulomotorik einhergehend mit Nystagmus

Selten

dyskinetische Störungen wie orofaziale Dyskinesien

Choreoathetose (unwillkürliche Bewegungen im Mund-

Gesichtsbereich wie Grimassieren, verschraubte

Bewegungen)

Sprechstörungen (z. B. Dysarthrie, verwaschene Sprache)

Polyneuropathie

periphere Neuritis

periphere Neuropathie

Parästhesie

Paresen

Sehr selten

Malignes Neuroleptisches Syndrom

aseptische Meningitis mit Myoklonus und peripherer

Eosinophilie

Dysgeusie

Nicht bekannt**

Gedächtnisstörung

Es gibt Hinweise darauf, dass Carbamazepin zu einer Verschlechterung der Symptome einer

Multiplen Sklerose führen kann. Wie bei Einnahme anderer Medikamente gegen Anfallsleiden

auch, kann es unter Carbamazepin zu einer Anfallshäufung kommen; insbesondere Absencen

können verstärkt oder neu auftreten.

Augenerkrankungen

Häufig

Akkommodationsstörungen (z. B. verschwommenes

Sehen)

Sehr selten

Linsentrübung

Konjunktivis

Bei zwei Patienten wurde in Zusammenhang mit einer

Carbamazepin-Langzeittherapie über Retinotoxizität

berichtet, die nach Absetzen des Carbamazepins rückläufig

war.

Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths

Sehr selten

Hörstörungen, z. B. Tinnitus und Hyper- und Hypoakusis

sowie Änderung der Wahrnehmung von Tonhöhen

Herzerkrankungen

Gelegentlich

Erregungsleitungsstörungen

AV-Block in Einzelfällen mit Synkopen

Gelegentlich bis selten

Bradykardie

Herzrhythmusstörungen

Herzinsuffizienz

Verschlechterung einer vorbestehenden koronaren

Herzkrankheit

Gefäßerkrankungen

Selten

Hypertonie oder Hypotonie

Sehr selten

Kreislaufkollaps

Embolie (z. B. Lungenembolie)

Thrombophlebitis

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Sehr selten

Hypersensitivitätsreaktionen der Lunge mit Fieber

Dyspnoe und Pneumonitis oder Pneumonie (Alveolitiden)

Einzelfälle von Lungenfibrose wurden in der Literatur

beschrieben.

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Sehr häufig

Übelkeit

Erbrechen

Häufig

Appetitlosigkeit

Mundtrockenheit

Gelegentlich

Diarrhö

Obstipation

Selten

Bauchschmerz

Sehr selten

Schleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich

(Stomatitis, Gingivitis, Glossitis)

Pankreatitis

Nicht bekannt**

Kolitis

Leber- und Gallenerkrankungen

Selten

verschiedene Formen von Hepatitis (cholestatisch,

hepatozellulär, gemischt)

Vanishing Bile Duct Syndrome

Ikterus

lebensbedrohliche akute Hepatitis, insbesondere innerhalb

der ersten Therapiemonate

Leberversagen

Sehr selten

granulomatöse Lebererkrankung

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig

allergische Hautreaktionen mit und ohne Fieber, wie z. B.

Urtikaria (auch stark ausgeprägt)

Gelegentlich

exfoliative Dermatitis

Erythrodermie

Selten

Lupus erythematodes disseminatus

Pruritus

Sehr selten

Stevens-Johnson-Syndrom*

Lyell-Syndrom (toxisch epidermale Nekrolyse)

Photosensibilität

Erythema exsudativum multiforme et nodosum

Veränderung der Hautpigmentierung

Purpura

Akne

vermehrtes Schwitzen

Alopezie

Hirsutismus und Vaskulitis wurden sehr selten berichtet,

aber hier ist der kausale Zusammenhang unklar.

Nicht bekannt**

akute generalisierte exanthemische Pustulose (AGEP)

lichenoide Keratose

Onychomadese

Es gibt zunehmend Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Genmarkern und dem

Auftreten von unerwünschten Arzneimittelwirkungen der Haut wie SJS, TEN, DRESS, AGEP

und makulopapulösem Ausschlag. Bei japanischen und europäischen Patienten wurde

berichtet, dass eine Assoziation zwischen diesen Reaktionen und der Anwendung von

Carbamazepin bei gleichzeitigem Vorliegen des Allels HLA-A*3101 besteht. Bei einem

weiteren Marker, dem Allel HLA-B*1502, konnte gezeigt werden, dass ein starker

Zusammenhang mit dem Auftreten von SJS und TEN bei Han-Chinesen, Thailändern und

einigen anderen asiatischen Bevölkerungsgruppen besteht (siehe Abschnitt 4.2 und 4.4 für

weitere Informationen).

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Selten

Muskelschwäche

Sehr selten

Störungen im Knochenstoffwechsel (vermindertes Serum-

Kalzium und vermindertes 25-OH-Cholecalciferol), was

vereinzelt zu Osteomalazie führte

Arthralgien

Myalgien

Muskelkrämpfe

Nicht bekannt**

Frakturen

Es gibt Fallberichte über die Abnahme der Knochendichte unter dem Bild der Osteoporose bis

hin zu pathologischen Frakturen bei Patienten, die Carbamazepin über eine lange Zeit

angewendet haben. Der Mechanismus, über den Carbamazepin den Knochen-Metabolismus

beeinflusst, ist nicht bekannt.

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Gelegentlich

Nierenfunktionsstörungen (z. B. Albuminurie, Hämaturie,

Oligurie, erhöhter Harnstoffstickstoff im Blut/Azotämie)

Sehr selten

tubulointerstitielle Nephritis

Nierenversagen

andere Harnbeschwerden (häufiges Wasserlassen,

Dysurie, Pollakisurie, Harnretention)

Erkrankungen der Geschlechtsorgane

Sehr selten

sexuelle Dysfunktion

verminderte Libido

erektile Dysfunktion

verminderte männliche Fertilität und/oder abnorme

Spermiogenese (verminderte Spermienzahl und/oder -

beweglichkeit)

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Sehr häufig

Erschöpfung

Untersuchungen

Sehr häufig

Anstieg der γ-GT-Werte (bedingt durch hepatische

Enzyminduktion), üblicherweise klinisch nicht relevant

Häufig

Anstieg der alkalischen Phosphatase im Blut

Gelegentlich

Anstieg der Transaminasen

Sehr selten

erhöhter Augeninnendruck

erhöhte Cholesterinspiegel, einschließlich HDL-

Cholesterin und Triglyzeride

veränderte Schilddrüsenfunktionsparameter: vermindertes

L-Thyroxin (freies Thyroxin, Thyroxin, Trijodthyronin) und

erhöhtes TSH im Blut, meist ohne klinische Symptome

Erhöhung des freien Cortisols im Serum

erhöhte Prolaktin-Spiegel im Blut

Es gibt Hinweise auf verminderte Vitamin-B12-Spiegel und erhöhte Homocystein-Spiegel

im Serum.

Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen

Nicht bekannt**

Sturz (in Verbindungen mit durch die Carbamazepin-

Behandlung ausgelöste Ataxie, Schwindel,

Somnolenz, Hypotonie, Verwirrtheitszustand und

Sedierung (siehe Abschnitt 4.4 )

In einigen asiatischen Ländern auch selten (siehe Abschnitt 4.4)

** Spontanmeldungen und Literaturfälle von Nebenwirkungen (Häufigkeit auf Grundlage

der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).

Zusätzliche Nebenwirkungen aus Spontanmeldungen (Häufigkeit nicht bekannt)

Im Rahmen von Erfahrungen nach Markteinführung von Carbamazepin wurden

Nebenwirkungen anhand von Spontanmeldungen und Literatur bekannt. Da die

Meldungen freiwillig und von einer unbekannten Populationsgröße erfolgten, ist die

Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer

Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-

Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert,

jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Bei jeder Beurteilung einer Intoxikation muss auch an die Möglichkeit einer evtl.

vorliegenden Mehrfachintoxikation durch mögliche Einnahme mehrerer Arzneimittel,

beispielsweise in suizidaler Absicht, gedacht werden.

Carbamazepin-Intoxikationen treten meist bei sehr hohen Dosen (4 bis 20 g) auf, wobei die

Plasmaspiegel immer über 20 µg/ml liegen. Akzidentelle oder suizidale Einnahmen mit

Plasmakonzentrationen von 38 µg/ml wurden überlebt.

In der Literatur wurde über Intoxikationen (nach Einnahme von Carbamazepin in suizidaler

Absicht oder akzidenteller Einnahme) mit zum Teil letalem Ausgang berichtet.

Symptome einer Überdosierung

Bei einer Überdosierung mit Carbamazepin können die unter Abschnitt 4.8 genannten

Symptome verstärkt in Erscheinung treten. Normalerweise sind bei Überdosierungen das

zentrale Nervensystem, das Herz-Kreislauf-System sowie das respiratorische System

betroffen.

Zentrales Nervensystem

ZNS-Depression, Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Somnolenz, Stupor, Koma),

Schwindel, Desorientiertheit, Unruhe, Erregung, Verwirrtheit, Halluzinationen,

verschwommenes Sehen, verwaschene Sprache, Dysarthrie, Nystagmus, Ataxie,

Dyskinesien, Reflexanomalien (zunächst gesteigerte, dann abgeschwächte Reflexe),

tonisch-klonische Konvulsionen, Krampfanfälle, psychomotorische Störungen, Myoklonie,

Opisthotonus, unwillkürliche Bewegungen, Tremor, Hypothermie, Flushing, Mydriasis,

EEG-Dysrhythmien.

Respiratorisches System

Atemdepression, Lungenödem, Zyanose, Atemstillstand.

Herz-Kreislauf-System

Meist hypotone Blutdruckwerte (evtl. auch Hypertonus), Überleitungsstörungen, EKG-

Veränderungen (Arrhythmien, Verlängerung des QRS-Komplexes), Tachykardie,

Synkopen, AV-Block, Herzstillstand, Flush.

Magen-Darm-Trakt

Übelkeit, Erbrechen, verzögerte Magenentleerung, reduzierte Darmmotilität.

Muskel-Skelett-System

Es gab einige Fälle, in denen von Rhabdomyolyse in Verbindung mit Carbamazepin-

Toxizität berichtet wurde.

Renales System

Harnretention, Oligurie oder Anurie, Flüssigkeitsretention, Wasserintoxikation aufgrund

einer ADH-ähnlichen Wirkung.

Laborbefunde

Hyponatriämie, möglicherweise metabolische Azidose, möglicherweise Hyperglykämie,

erhöhte Muskel-Kreatinphosphokinase, Leukozytose, Leukopenie, Neutropenie, Glykosurie,

Azetonurie.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Ein spezifisches Antidot bei Intoxikation mit Carbamazepin gibt es bislang nicht.

Die Behandlung erfolgt daher symptomatisch: Stationäre Aufnahme, Bestimmung des

Carbamazepinspiegels, um die Carbamazepin-Intoxikation zu bestätigen und das Ausmaß

der Überdosierung festzustellen.

Möglichst schnelle Entfernung der Noxe (Magenentleerung, Magenspülungen) sowie

Verminderung der Resorption (Verabreichen von z. B. Aktivkohle oder eines Laxans). Eine

verzögerte Magenentleerung kann zu einer verzögerten Absorption führen. Dies kann zur

Folge haben, dass sich der Zustand des Patienten während der Erholung von der

Intoxikation wieder verschlechtert.

Die Vitalfunktionen müssen unter klinischen Bedingungen gesichert werden; die

Plasmakonzentration und Herzfunktion ist zu überprüfen, gegebenenfalls ist eine

vorsichtige Korrektur von Elektrolytverschiebungen notwendig.

Eine Hämoperfusion über Aktivkohle wurde empfohlen. Eine Hämodialyse ist eine

wirksame Möglichkeit zur Behandlung einer Carbamazepin-Überdosierung.

Eine mögliche Verschlechterung der Symptomatik am 2. und 3. Tag aufgrund von

verzögerter Resorption sollte berücksichtigt werden.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Carbamazepin ist ein Dibenzoazepin-Derivat.

Pharmakologisch hat es Gemeinsamkeiten mit Phenytoin. Der Wirkungsmechanismus ist

bislang nicht geklärt.

ATC-Code: N03A F01

Ähnlich wie Phenytoin hemmt Carbamazepin die synaptische Übertragung und reduziert

dadurch die Fortleitung von konvulsiven Entladungen. In höheren Konzentrationen

verursacht Carbamazepin eine Herabsetzung der posttetanischen Potenzierung.

Die Schmerzlinderung bei der Trigeminus-Neuralgie kommt wahrscheinlich durch eine

Hemmung der synaptischen Reizübertragung im spinalen Trigeminuskern zustande.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption, Plasmakonzentrationen

Carbamazepin wird (abhängig von der Darreichungsform) nach oraler Verabreichung relativ

langsam und fast vollständig resorbiert.

Die Resorptionshalbwertszeit liegt durchschnittlich bei 8,5 Stunden und zeigt große intra-

und interindividuelle Unterschiede auf (ca. 1,72 bis 12 Stunden).

Die maximalen Plasmakonzentrationen werden nach einmaliger Gabe (je nach

Darreichungsformen) bei Erwachsenen nach 4 bis 16 Stunden (ganz selten bis

35 Stunden), bei Kindern etwa 4 bis 6 Stunden erreicht. Die Plasmaspiegel hängen nicht

linear von der Dosis ab und zeigen im höheren Dosisbereich einen flachen Kurvenverlauf.

Maximale Plasmakonzentrationen werden bei Verabreichung der Suspension schneller

erreicht als bei Gabe von Tabletten oder Retardtabletten.

Die Plasmaspiegel sind nach Gabe von Retardtabletten niedriger als bei nicht retardierten

Tabletten.

Der Steady-State wird nach 2 bis 8 Tagen erreicht. Es besteht keine enge Korrelation

zwischen der Dosis von Carbamazepin und der Plasmakonzentration im Steady-State.

Im Steady-State sind die Fluktuationen im Plasmaspiegel von Carbamazepin und seines

Metaboliten Carbamazepin-10,11-epoxid beim Dosierungsintervall von 8 bzw. 12 Stunden

nur gering.

In Literaturberichten wird hinsichtlich therapeutischer und toxischer Plasmakonzentrationen

darauf hingewiesen, dass die Anfallsfreiheit bei Plasmaspiegeln von 4 bis 12 µg/ml erzielt

werden kann. Eine Überschreitung des Plasmaspiegels von 20 µg/ml führte zur

Verschlechterung des Krankheitsbildes. Bei Plasmakonzentrationen von 5 bis 18 µg/ml wird

eine Schmerzlinderung bei Trigeminus-Neuralgie erreicht.

Die Schwellenkonzentration für das Auftreten von Nebenwirkungen liegt bei ca. 8 bis

9 µg/ml.

Plasmaproteinbindung, Verteilung

Das Verteilungsvolumen beim Menschen wird mit Werten zwischen 0,8 bis 1,9 l/kg

angegeben.

Die Plasmaproteinbindung von Carbamazepin liegt zwischen 70 und 80 %. Der Anteil an

ungebundenem Carbamazepin ist bei einer Konzentration bis 50 µg/ml konstant. Der

pharmakologisch aktive Metabolit Carbamazepin-10,11-epoxid wird zu 48 bis 53 % (etwa

0,74 l/kg) an das Plasmaprotein gebunden.

Mit pharmakokinetischen Interaktionen ist zu rechnen, siehe Abschnitt 4.5.

Die Carbamazepin-Konzentration im Liquor beträgt 33 % der jeweiligen

Plasmakonzentration.

Die Carbamazepin-Konzentration im Speichel entspricht der Konzentration freier

Muttersubstanz und steht in guter Korrelation zum Plasmaspiegel (etwa 20 bis 30 %). Sie

lässt sich durch den Multiplikator 4 zur Plasmaspiegelschätzung im Rahmen der Therapie

verwenden.

Carbamazepin durchdringt die Plazentaschranke und geht in die Muttermilch über

(Konzentration etwa 58 % derjenigen im Plasma). Beim gestillten Säugling kann dies zu

Konzentrationen im Plasma führen, die denen der Muttermilch entsprechen.

Metabolismus

Carbamazepin wird in der Leber oxidiert, desaminiert, hydroxiliert und anschließend mit

Glukuronsäure verestert.

Bislang wurden 7 Metabolite von Carbamazepin im Urin des Menschen identifiziert. Davon

hat der pharmakologisch nicht aktive Metabolit Trans-10,11-Dihydroxy-10,11-

Dihydrocarbamazepin den größten Mengenanteil. Der Metabolit Carbamazepin-10,11-

epoxid wird zu etwa 0,1 bis 2 % gefunden; er besitzt antikonvulsive Wirkungen. Die

menschliche mikrosomale Epoxid-Hydrolase wurde als dasjenige Enzym identifiziert, das

die Bildung des 10,11-trans-Diols aus Carbamazepin-10,11-epoxid bewirkt.

Elimination, Plasma-Clearance, Plasmahalbwertszeit

Nach Einzelgaben wird Carbamazepin mit einer Halbwertszeit von ca. 36 Stunden (Bereich:

18 bis 65 Stunden) aus dem Plasma eliminiert.

Bei Dauertherapie sinkt die Halbwertszeit infolge Enzyminduktion um etwa 50 % (10 bis

20 Stunden). Die Halbwertszeiten sind in Kombinationstherapie mit anderen Antiepileptika

kürzer (durchschnittlich 6 bis 10 Stunden) als bei Monotherapie (11 bis 13 Stunden); bei

Kindern kürzer als bei Erwachsenen, bei Neugeborenen sind sie länger als bei Säuglingen.

Die Plasma-Clearance beträgt bei Gesunden etwa 19,8 ± 2,7 ml/h/kg, bei Patienten in

Monotherapie etwa 54,6 ± 6,7 ml/h/kg, bei Patienten in Kombinationstherapie etwa 113,3 ±

33,4 ml/h/kg.

Nach einmaliger oraler Applikation werden 72 % der Dosis in Form von Metaboliten über

die Nieren ausgeschieden. Der Rest von etwa 28 % wird über die Fäzes ausgeschieden,

dabei teilweise in unveränderter Form. Nur 2 bis 3 % der im Urin ausgeschiedenen

Substanzmenge liegt als unverändertes Carbamazepin vor.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Präklinische Daten zeigen basierend auf konventionellen Studien zur Toxizität mit

Einmalgaben und mit wiederholter Gabe, zur Genotoxizität und zum kanzerogenen

Potenzial keine besondere Gefahr für Menschen. Die Tierstudien waren jedoch

unzureichend, um die teratogene Wirkung von Carbamazepin auszuschließen.

Kanzerogenität

In einer Kanzerogenitätsstudie über 2 Jahre an Ratten mit Carbamazepin wurden erhöhte

Inzidenzen von hepatozellulären Tumoren bei weiblichen Tieren sowie benigne

Testestumoren bei männlichen Tieren beobachtet. Es liegen jedoch keine Hinweise vor,

dass diese Beobachtungen für die therapeutische Anwendung beim Menschen von

Bedeutung sind.

Genotoxizität

Verschiedenen Standard-Mutagenizitätsstudien an Bakterien und Säugetieren ergaben

keine Hinweise auf eine Genotoxizität von Carbamazepin.

Reproduktionstoxizität

Kumulative Nachweise aus verschiedenen Tierstudien an Mäusen, Ratten und Kaninchen

demonstrierten, dass Carbamazepin in 10- bis 20-fach erhöhten Dosen gegenüber der

empfohlenen Dosis beim Menschen während der Organentwicklung zu einer erhöhten

embryonalen Letalität und zu Wachstumsverzögerungen führte. Bei Mäusen wurden

embryonale Schädigungen (hauptsächlich der Hirnventrikel) beobachtet. In

Reproduktionsstudien an Ratten zeigte der gestillte Nachwuchs eine reduzierte

Gewichtszunahme bei einer Dosis von 192 mg/kg/Tag beim Muttertier.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.)

mikrokristalline Cellulose

Magnesiumstearat (Ph.Eur.)

hochdisperses Siliciumdioxid

6.2

Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3

Dauer der Haltbarkeit

5 Jahre

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5

Art und Inhalt der Behältnisse

Originalpackungen mit 50, 100 und 200 (2x100) Tabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

7.

INHABER DER ZULASSUNGEN

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: medwiss@hexal.com

8.

ZULASSUNGSNUMMERN

Carbamazepin HEXAL 200 mg Tabletten

32547.00.00

Carbamazepin HEXAL 400 mg Tabletten

32547.01.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNGEN/VERLÄNGERUNG DER

ZULASSUNGEN

Datum der Erteilung der Zulassungen: 10. August 1994

Datum der letzten Verlängerung der Zulassungen: 30. Mai 2007

10.

STAND DER INFORMATION

April 2018

11.

VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

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