ATenativ Trockensubstanz und Lösungsmittel

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Plasmaproteine vom Menschen
Verfügbar ab:
Octapharma GmbH
ATC-Code:
B01AB02
INN (Internationale Bezeichnung):
Plasma proteins from humans
Darreichungsform:
Trockensubstanz und Lösungsmittel
Zusammensetzung:
Plasmaproteine vom Menschen 70. - 100.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
4310.00.00

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Atenativ (500 I.E. / 1000 I.E.)

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung

Antithrombin III vom Menschen

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Anwendung dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder das

medizinische Fachpersonal.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter.

Es kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder das

medizinische Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Atenativ und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Anwendung von Atenativ beachten?

Wie ist Atenativ anzuwenden?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Atenativ aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

1.

Was ist Atenativ und wofür wird es angewendet?

Atenativ

eine

sogenannte

antithrombotisches

(blutverdünnendes)

Arzneimittel,

welchesaus

menschlichem Plasma insoliertes Antithrombin enthält. Antithrombin ist ein normaler Bestandteil des

menschlichen

Plasmas

wichtiger

Blutgerinnungsinhibitor.

Atenativ wird zur Behandlung von Patienten mit kongenitalem (angeborenem) Antithrombin-Mangel

eingesetzt, um insbesondere die Bildung und die Entwicklung von Blutgerinnseln in tiefen Venen und

Embolien in klinischen Risikosituationen (z. B. während Operationen, Schwangerschaft oder Geburt)

zu verhindern.

Anwendungsgebiete

Zur Behandlung von Patienten mit angeborenem Mangel

Prophylaktisch

Verhinderung

tiefen

Venenthrombosen

Thromboembolie

klinischen Risikosituationen (insbesondere bei operativen Eingriffen, Schwangerschaft und

Geburt) in Verbindung mit Heparin soweit dies sinnvoll ist,

Vermeidung des Fortschreitens der tiefen Venenthrombose und des Thromboembolismus in

Verbindung mit Heparin soweit dies sinnvoll ist.

Bei erworbenem Antithrombin III-Mangel, zur Prophylaxe oder Therapie.

Verminderte Antithrombin III-Synthese und disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) wie

z.B.

gastrointestinalen

Blutungen

Leberzirrhose

geplanter

Gabe

Prothrombinkomplexkonzentraten.

Verbrauchskoagulopathie (DIC) wie z.B. bei Sepsis oder Fruchtwasserembolie.

Hämodialyse.

Plasmapherese.

2.

Was sollten Sie vor der Anwendung von Atenativ beachten?

Atenativ darf nicht angewendet werden,

wenn Sie allergisch gegen Antithrombin oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen Bestandteile

dieses Arzneimittels sind.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Apotheker oder dem medizinischen Fachpersonal, bevor Atenativ

angewendet wird.

Beim Auftreten allergischer Reaktionen muss die Infusion sofort abgebrochen werden. Im Falle einer

anaphylaktischen Reaktion sollte die Behandlung den aktuellen Empfehlungen für die Schocktherapie

folgen.

Aufgrund von Erfahrungen aus klinischen Prüfungen kann die Anwendung von Antithrombin III zur

Behandlung von IRDS (Infant Respiratory Distress Syndrome) bei Frühgeborenen nicht empfohlen

werden.

Dieses Arzneimittel enthält bis zu 1,5 mmol (36 mg) Natrium pro Flasche Atenativ 500 I.E. und bis zu

3,1 mmol (72 mg) Natrium (Hauptbestandteil des Koch- / Speisesalzes) pro Flasche Atenativ 1000 I.E..

Dies entspricht 1,8% oder 3,6% der empfohlenen maximalen täglichen Natriumzufuhr für einen

Erwachsenen. Dies ist bei Patienten zu berücksichtigen, die auf eine natriumarme Ernährung achten

müssen.

Virussicherheit

Bei der Herstellung von Arzneimitteln aus menschlichem Blut oder Plasma werden bestimmte

Maßnahmen ergriffen, um eine Übertragung von lnfektionen auf den Patienten zu verhindern.

Diese Maßnahmen umfassen:

die sorgfaltige Auswahl von Blut- und Plasmaspendern um sicherzustellen, dass diejenigen

ausgeschlossen werden, die ein infektioses Risiko tragen

die Testung jeder einzelnen Spende und jedes Plasmapools auf Anzeichen für

Viren/lnfektionen.

Die Durchführung von Schritten zur lnaktivierung oder Entfernung von Viren während der

Verarbeitung von Blut oder Plasma.

Trotz dieser Maßnahmen können bei einer Verabreichung von Medikamenten, die aus menschlichem

Plasma hergestellt werden, Infektionskrankheiten durch Übertragung von Erregern nicht vollständig

ausgeschlossen werden. Dies gilt ebenso für bisher unbekannte Viren oder andere Infektionserreger.

getroffenen

Maßnahmen

werden

wirksam

gegen

umhüllte

Viren

humane

Immundefizienz Virus (HIV), Hepatitis B-Virus (HBV) und Hepatitis C-Virus (HCV) und gegen das

nicht-umhüllte Hepatitis-A-Virus (HAV) angesehen.

Die getroffenen Maßnahmen können bei nicht-umhüllten Viren wie Parvovirus B19 von begrenzter

Wirksamkeit sein.

Parvovirus-B19-Infektionen können schwerwiegende Folgen für schwangere Frauen (fetale Infektion)

für

Personen

Immunmangelkrankheiten

oder

gesteigerter

Erythropoese

(z.B.

Sichelzellenerkrankung oder hämolytische Anämie) haben.

wird

dringend

empfohlen,

jeder

Verabreichung

Atenativ

Bezeichnung

Chargennummer

Produkts

(mittels

beigefügtem

Klebeetikett)

dokumentieren,

eine

Verbindung zwischen Patient und Charge herstellen zu können.

Patienten,

regelmäßig/wiederholt

Präparate

menschlichem

Plasma

erhalten,

wird

grundsätzlich eine Impfung gegen Hepatitis A und B empfohlen.

Anwendung von Atenativ zusammen mit anderen Arzneimitteln:

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich andere

Arzneimittel eingenommen haben oder beabsichtigen, andere Arzneimittel einzunehmen.

Die gerinnungshemmende Wirkung von Heparin wird durch die Behandlung mit Atenativ verstärkt,

sodass sich das Blutungsrisiko erhöhen kann. Wenn Sie ein erhöhtes Blutungsrisiko haben, muss die

gleichzeitige Verabreichung von Heparin sorgfältig abgewogen werden. Falls sich Ihr Arzt entscheidet,

Ihnen Heparin zu geben, sollte die Überwachung durch Laboruntersuchungen in kurzen Abständen

erfolgen.

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit:

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker.

Die Erfahrung zur Sicherheit des Einsatzes von Atenativ während der Schwangerschaft oder Stillzeit ist

begrenzt. Atenativ sollte nur dann bei schwangeren und stillenden Frauen mit Antithrombin -Mangel

angewendet werden, wenn es aufgrund des erhöhten Risikos thromboembolischer Ereignisse für

erforderlich gehalten wird.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Atenativ hat keinen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen.

3.

Wie ist Atenativ anzuwenden?

Ihr Arzt entscheidet, ob Sie Atenativ benötigen und in welcher Dosierung. Atenativ wird intravenös (in

eine Vene) verabreicht. Die Dosierung erfolgt individuell, bezogen auf den aktuellen Antithrombin -

Spiegel. Nach der ersten Infusion bzw. Injektion sollte der Antithrombin-Spiegel zumindest auf den

Normwert ansteigen.

Eine I.E. Antithrombin/kg Körpergewicht erhöht den Antithrombin -Spiegel um ca. 1%.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung des Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt,

Apotheker oder das medizinische Fachpersonal.

4.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Allergische Reaktionen oder Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich Schwellung von Augen,

Gesicht oder Zunge, Brennen und Stechen an der lnfusionseinstichstelle, Schüttelfrost, Rötungen,

Kopfschmerzen,

Nesselsucht, niedriger Blutdruck, Antriebslosigkeit, Übelkeit, Unruhe, Angstzustande, Herzrasen,

Engegefühl in der Brust, Kribbeln, Erbrechen, keuchende Atmung, vermehrtes Schwitzen,

Rückenschmerzen) wurden selten beobachtet."

. Sie können sich in seltenen Einzelfällen zu einer schweren Anaphylaxie (einschließlich Schock)

entwickeln. In seltenen Fällen wurde Fieber beobachtet.

Bei Verdacht auf eine Allergie oder Überempfindlichkeitsreaktion mit den oben genannten

Symptomen muss die Verabreichung des Arzneimittels sofort beendet werden.. Im Falle einer

anaphylaktischen Reaktion muss Ihr Arzt die entsprechenden Richtlinien für eine Schockbehandlung

befolgen.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder das medizinische

Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind.

Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische

Arzneimittel, Paul-Ehrlich-Institut, Paul-Ehrlich-Str. 51-59, 63225 Langen, Tel: +49 6103 77 0, Fax:

+49 6103 77 1234, Website: www.pei.de anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie

dazu beitragen, dass mehr Informationen über die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt

werden.

5.

Wie ist Atenativ aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Behältnis angegebenen Verfallsdatum nicht mehr

verwenden.

Bei 2°C bis 8°C (Kühlschrank) lagern. Nicht einfrieren.

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Das verpackte Produkt kann bei Raumtemperatur (bis max. 25°C) maximal 1 Monat aufbewahrt werden.

diesem

Fall

läuft

Haltbarkeit

Produkts

nach

Ablauf

eines

Monats

neue

Haltbarkeitsdatum muss außen auf dem Karton vermerkt werden.

Die fertige Lösung kann bis zur Verwendung auch 12 Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt werden.

Nicht verbrauchte Lösung verwerfen.

Nur klare Lösung verwenden.

6.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Atenativ enthält:

Der Wirkstoff ist humanes Antithrombin III (50 I.E./ml)

Nach Auflösung des Pulvers mit dem Lösungsmittel enthalten 10 (20) ml Infusionslösung 500

I.E. (1000 I.E.) Antithrombin .

Die sonstigen Bestandteile sind: Albumin vom Menschen, Natriumchlorid, Acetyltryptophan,

Caprylsäure sowie Wasser für Injektionszwecke (in einer separaten Durchstechflasche).

Wie Atenativ aussieht und Inhalt der Packung

Atenativ ist in folgenden Packungsgrößen erhältlich:

1 Durchstechflasche mit Pulver zu 500 I.E. Antithrombin III

1 Flasche mit 10 ml Wasser für Injektionszwecke

1 Durchstechflasche mit Pulver zu 1000 I.E. Antithrombin III

1 Flasche mit 20 ml Wasser für Injektionszwecke

Möglicherweise sind nicht alle Packungsgrößen im Handel erhältlich.

Herkunftsland des Blutplasmas:

Deutschland, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal,

Schweden, Schweiz, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, USA

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller

OCTAPHARMA GmbH

Elisabeth-Selbert-Str. 11

40764 Langenfeld

E-Mail: info.de@octapharma.com

www.octapharma.de

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im

Februar 2020

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Atenativ 500/1000 I.E.

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Antithrombin III vom Menschen

Atenativ ist erhältlich als Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung und enthält pro

Durchstechflasche 500 I.E. bzw. 1000 I.E. Antithrombin III vom Menschen.

Das Konzentrat enthält ca. 50 I.E./ml Antithrombin III vom Menschen, wenn es in 10 ml bzw. 20 ml

Wasser für Injektionszwecke (Ph. Eur.) aufgelöst worden ist.

Die Bestimmung der Aktivität (I.E.) wird mittels der chromogenen Methode gemäß Europäischem

Arzneibuch durchgeführt. Die spezifische Aktivität von Atenativ beträgt ca. 2,8 I.E./mg Protein.

Hilfsstoff mit bekannter Wirkung

Jede Durchstechflasche Atenativ 500 I.E. enthält 36 mg Natrium.

Jede Durchstechflasche 1000 I.E. enthält 72 mg Natrium.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Infusionslösung.

Atenativ ist ein gefriergetrocknetes Pulver oder leicht körnige Masse mit einer weißen oder schwach

gelblichen Färbung. Das Lösungsmittel ist Wasser für Injektionszwecke.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur Behandlung von Patienten mit angeborenem Mangel

Prophylaxe von tiefen Venenthrombosen und Thromboembolie in klinischen Risikosituationen

(insbesondere bei operativen Eingriffen, Schwangerschaft und Geburt), in Verbindung mit Heparin

soweit dies indiziert ist.

Verhindern eines Fortschreitens von tiefen Venenthrombosen und von Thromboembolien in

Verbindung mit Heparin soweit dies indiziert ist.

Bei erworbenem Antithrombin III-Mangel, zur Prophylaxe oder Therapie.

Verminderte Antithrombin III-Synthese und disseminierte intravasale Gerinnung (DIC) wie z.B. bei

- gastrointestinalen Blutungen bei Leberzirrhose und

- geplanter Gabe von Prothrombinkomplexkonzentraten.

Verbrauchskoagulopathie (DIC) wie z.B. bei Sepsis oder Fruchtwasserembolie.

Hämodialyse.

Plasmapherese.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Kinder und Jugendliche

Es liegen keine Daten vor.

Die Therapie sollte unter der Aufsicht eines in der Behandlung von Patienten mit Antithrombin III-

Mangel erfahrenen Arztes eingeleitet werden.

Bei angeborenem Mangel sollte die Dosierung individuell für jeden Patienten unter Berücksichtigung

seiner Familienanamnese hinsichtlich thromboembolischer Episoden, der gegenwärtigen klinischen

Risikofaktoren und der Laborergebnisse erfolgen.

Die Dosierung und Dauer der Substitutionsbehandlung bei erworbenem Mangel hängen vom

Antithrombin-Plasmaspiegel, von Anzeichen erhöhten Verbrauchs, der zu Grunde liegenden Erkrankung

und der Schwere der klinischen Symptome ab. Die Dosierung ist individuell abhängig basierend auf den

Laborwerten und der medizinischen Beurteilung durch den Arzt. Die Anzahl der verabreichten

Antithrombin -Einheiten wird in Internationalen Einheiten (I.E.) angegeben, bezogen auf den aktuellen

WHO-Standard für Antithrombin . Die Antithrombin-Aktivität im Plasma wird entweder als Prozentsatz

(relativ zu normalem menschlichem Plasma) oder in Internationalen Einheiten (relativ zum Internationalen

Standard für Antithrombin im Plasma) angegeben.

Eine Internationale Einheit (I.E.) Antithrombin-Aktivität entspricht der Menge Antithrombin in einem ml

normalen menschlichen Plasmas. Die Berechnung der erforderlichen Dosis von Antithrombin basiert auf

dem empirischen Befund, dass 1 Internationale Einheit (I.E.) Antithrombin pro kg Körpergewicht die

Antithrombin-Aktivität im Plasma um ca. 1 % erhöht.

Die Anfangsdosis wird mit folgender Formel berechnet:

Erforderliche Einheiten = Körpergewicht (kg) × (Zielwert – tatsächliche Antithrombin-Aktivität [%]).

Die angestrebte anfängliche Antithrombin-Aktivität hängt von der klinischen Situation ab. Ist die

Indikation für die Antithrombin-Substitution eindeutig geklärt, sollte die Dosis ausreichend sein, um die

angestrebte Antithrombin-Aktivität zu erreichen und einen wirksamen Spiegel zu erhalten. Die Dosierung

sollte auf Basis der im Labor bestimmten Antithrombin-Aktivität festgesetzt und überwacht werden - bis

zur Stabilisierung des Patienten mindestens zweimal täglich, danach einmal täglich, bevorzugt unmittelbar

vor der nächsten Injektion. Bei einer Korrektur der Dosierung sollten sowohl Anzeichen eines erhöhten

Antithrombin-Umsatzes gemäß den Laborkontrollen als auch der klinische Verlauf berücksichtigt werden.

Für die Dauer der Behandlung sollte eine Antithrombin-Aktivität über 80 % aufrechterhalten werden, es

sei denn, klinische Besonderheiten erfordern einen anderen effektiven Spiegel.

Die übliche Anfangsdosis bei angeborenem Antithrombin -Mangel liegt bei 30 bis 50 I.E./kg

Körpergewicht (KG).

Danach sollte die Dosis und Häufigkeit sowie die Dauer der Behandlung an die biologischen Daten und

die klinische Situation angepasst werden.

Art der Anwendung

Hinweise zur Rekonstitution des Arzneimittels vor der Anwendung, siehe Abschnitt 6.6.

Das Arzneimittel wird intravenös verabreicht.

Die empfohlene Infusionsgeschwindigkeit bei Erwachsenen soll 100 I.E./min nicht überschreiten.

4.3

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile.

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Wie bei allen intravenös zu verabreichenden Proteinpräparaten sind allergische Reaktionen möglich. Die

Patienten müssen während der Infusion auf alle Symptome überwacht und sorgfältig beobachtet werden.

Sie sollten über frühe Anzeichen allergischer Reaktionen informiert werden, wie z.B. Quaddeln,

generalisierte Urtikaria, Engegefühl in der Brust, keuchende Atmung, Hypotonie und Anaphylaxie. Falls

diese Symptome nach der Behandlung auftreten, sollen sie sofort ihren Arzt informieren.

Im Falle eines anaphylaktischen Schocks sollten die aktuellen medizinischen Richtlinien zur

Schocktherapie beachtet werden.

Zu den Standardmaßnahmen zur Verhinderung von Infektionen infolge der Verwendung von aus

menschlichem Blut oder Plasma hergestellten Medikamenten zählen die Auswahl der Spender,

Untersuchung der einzelnen Spenden und Plasmapools auf spezifische Infektionsmarker sowie wirksame

Produktionsschritte zur Inaktivierung/Entfernung von Viren. Dennoch kann bei der Verabreichung von

Medikamenten, die aus menschlichem Blut oder Plasma hergestellt wurden, die Möglichkeit von

Infektionskrankheiten durch die Übertragung von Infektionserregern nicht völlig ausgeschlossen werden.

Dies gilt auch für bisher unbekannte oder neu auftretende Viren und andere Krankheitserreger.

Die ergriffenen Maßnahmen gelten als wirksam gegen umhüllte Viren wie das humane Immundefizienz-

Virus (HIV), Hepatitis B-Virus (HBV) und Hepatitis C-Virus (HCV) und gegen das nicht-umhüllte

Hepatitis-A-Virus (HAV).

Die Maßnahmen können bei nicht-umhüllten Viren wie Parvovirus B19 von begrenzter Wirksamkeit sein.

Parvovirus-B19-Infektionen können schwerwiegende Folgen für schwangere Frauen (fetale Infektion) und

für Personen mit Immunmangelkrankheiten oder gesteigerter Erythropoese (z.B. hämolytische Anämie)

haben.

Bei Patienten, die regelmäßig/wiederholt Präparate aus menschlichem Plasma erhalten, wird grundsätzlich

eine Impfung gegen Hepatitis A und B empfohlen.

Es wird auf die Dokumentationspflicht gemäß Transfusionsgesetz hingewiesen.

Klinische und biologische Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung von Antithrombin und Heparin:

zur Anpassung der Heparin-Dosis und zur Vermeidung von Hypokoagulabilität sollten regelmäßig der

Grad der Antikoagulation (APPT, und im gegebenen Falle Anti-FXa-Aktivität) kontrolliert werden; die

Kontrollen sollten in engen zeitlichen Abständen und vor allem in den ersten Minuten/Stunden nach der

ersten Antithrombin -Anwendung erfolgen.

tägliche Messung des Antithrombin -Spiegels zur Anpassung der individuellen Dosis, da bei einer

verlängerten Behandlung mit unfraktioniertem Heparin das Risiko einer Senkung des Antithrombin -

Spiegels besteht.

Dieses Arzneimittel enthält 36 mg (Atenativ 500 I.E.) oder 72 mg (Atenativ 1000 I.E.) Natrium pro Durchstechflasche.

Dies entspricht 1,8% oder 3,6% der von der WHO empfohlenen maximalen Tagesdosis von 2 g Natrium für einen

Erwachsenen.

Kinder und Jugendliche

Daten aus klinischen Studien und systematischen Übersichtsarbeiten über die Verwendung von

Antithrombin bei der Behandlung von Frühgeborenen in der nicht genehmigten Indikation

„Atemnotsyndrom des Neugeborenen (IRDS)“ deuten auf ein erhöhtes Risiko für intrakranielle Blutungen

und Mortalität hin, bei gleichzeitig fehlendem Nachweis von positiven Wirkungen in dieser

Patientenpopulation.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Heparin: Eine Antithrombin-Substitution bei gleichzeitiger Verabreichung von Heparin in therapeutischen

Dosen erhöht das Risiko von Blutungen.

Die Wirkung von Atenativ wird durch die gleichzeitige Verabreichung von Heparin verstärkt. Die

Halbwertzeit von Antithrombin kann sich bei einer gleichzeitigen Behandlung mit Heparin aufgrund eines

beschleunigten Umsatzes von Antithrombin stark reduzieren. Daher muss die gleichzeitige Verabreichung

von Heparin und Antithrombin an Patienten mit erhöhtem Blutungsrisiko klinisch und biologisch

überwacht werden.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Die Erfahrung zur Sicherheit des Einsatzes von menschlichen Antithrombin-Produkten während der

Schwangerschaft ist begrenzt. Atenativ sollte nur dann bei schwangeren und stillenden Frauen mit

Antithrombin-Mangel angewandt werden, wenn eine eindeutige Indikation gegeben ist. Dabei ist zu

beachten, dass für diese Patientinnen während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko von

thromboembolischen Episoden besteht.

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Atenativ hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die

Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.

4.8

Nebenwirkungen

Die Häufigkeit der einzelnen Nebenwirkungen wurde anhand folgender Kriterien bestimmt:

Sehr häufig (≥ 1/10)

Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)

Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten (<1/10.000).

Hypersensibilität oder allergische Reaktionen (einschließlich Angioödem, Brennen und Stechen an der

Infusionseinstichstelle, Schüttelfrost, Rötungen, generalisierte Urtikaria, Kopfschmerzen, Nesselsucht,

Hypotonie, Lethargie, Übelkeit, Unruhe, Tachykardie, Engegefühl in der Brust, Kribbeln, Erbrechen,

keuchende Atmung) wurden selten beobachtet. Sie können sich in seltenen Einzelfällen zu einer schweren

Anaphylaxie (einschließlich Schock) entwickeln. In seltenen Fällen wurde Fieber beobachtet.

Für Informationen zur Virussicherheit siehe Abschnitt 4.4.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Nebenwirkungen, die während der Einsatzes von

Atenativ festgestellt wurden.

MedDRA-Systemorganklassen

Nebenwirkung

Erkrankungen des Immunsystems

Anaphylaktischer Schock

Anaphylaktische Reaktion

Hypersensibilität

Anaphylaktoide Reaktion

Psychiatrische Erkrankungen

Angst

Herzerkrankungen

Tachykardie

Gefäßerkrankungen

Hypotonie

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Dyspnoe

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Urtikaria

Allergische Dermatitis

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Rückenschmerzen

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am

Verabreichungsort

Fieber

Reaktion an der Injektionsstelle

Hautrötung

Hyperhidrose

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit.

Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, Paul-Ehrlich-Institut, Paul-Ehrlich-Str.

51-59, 63225 Langen, Tel: +49 6103 77 0, Fax: +49 6103 77 1234, Website: www.pei.de anzuzeigen.

4.9

Überdosierung

Es wurden keine Symptome einer Überdosierung mit Antithrombin berichtet.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antithrombotische Mittel, Heparin-Gruppe

ATC-Code: B01AB02

Antithrombin, ein 58kD, 432 Aminosäuren großes Glykoprotein, gehört zu den Serin-Proteasen-

Inhibitoren und ist einer der wichtigsten natürlichen Blutgerinnungshemmer. Die am stärksten gehemmten

Faktoren sind Thrombin und der Faktor Xa, jedoch auch Faktoren der Kontaktaktivierung, des

intrinsischen Systems und der Faktor VIIa/Gewebefaktorkomplex. Die Antithrombin -Aktivität wird durch

Heparin in großem Maße verstärkt und die blutgerinnungshemmende Wirkung von Heparin ist abhängig

von der Anwesenheit von Antithrombin.

Antithrombin hat zwei für seine Funktion wichtige Domänen. Die erste Domäne beinhaltet das reaktive

Zentrum mit einer Bindungsstelle für Proteasen wie Thrombin (zur Komplexbildung). Die zweite Domäne

bindet Glycosaminoglykan und ist verantwortlich für die Interaktion mit Heparin und ähnlichen

Substanzen, welche die Thrombinhemmung beschleunigen. Die Gerinnungshemmer-Enzym-Komplexe

werden vom retikuloendothelialen System abgebaut.

Die Antithrombin -Aktivität beträgt bei Erwachsenen 80-120 %, die Werte bei Neugeborenen betragen

ca. 40-60 %.

Es gibt einige kleinere Studien zur Verbrauchskoagulopathie (DIC), Sepsis, Präeklampsie,

L-Asparaginase-Behandlung von akuter lymphoblastischer Leukämie, venookklusiver Krankheit und zu

Operationen mit Herz-Lungen-Maschinen, wo die Antithrombin -Anwendung einen positiven Effekt auf

die Koagulations-Parameter gezeigt hat. In diesen Fällen wurde kein Einfluss auf die Morbidität und die

Sterblichkeit berichtet. In der als Kybersept-Studie bezeichneten Untersuchung, die mehr als 2300

Patienten mit Sepsis beinhaltete, gab es bei den mit Antithrombin -Behandelten verglichen mit Placebo-

Patienten keinen Unterschied in der Sterblichkeit.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Pharmakokinetische Studien ermittelten für Atenativ eine durchschnittliche Halbwertzeit von ca. 3 Tagen.

Die Halbwertzeit kann bei gleichzeitiger Heparinbehandlung auf ca. 1,5 Tage sinken. Die Halbwertzeit

kann sich bei akutem Verbrauch auf Stunden reduzieren.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Toxikologische Eigenschaften

Da es sich bei Atenativ um ein natürliches Produkt menschlichen Ursprungs handelt, wurden

toxikologische Untersuchungen nicht durchgeführt.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Albumin vom Menschen,

Natriumchlorid.

Lösungsmittel: Wasser für Injektionszwecke.

6.2

Inkompatibilitäten

Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen Arzneimitteln

gemischt werden.

6.3

Dauer der Haltbarkeit

Pulver und Lösungsmittel:

3 Jahre

Rekonstituierte Lösung:

12 Std. bei Raumtemperatur vor Gebrauch

Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Produkt sofort verwendet werden. Wird das Produkt nicht sofort

verwendet, liegen die Aufbewahrungszeiten und –bedingungen für den Gebrauch in der Verantwortung

des Anwenders.

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Bei 2°C bis 8°C (Kühlschrank) lagern. Nicht einfrieren. In der Originalverpackung aufbewahren, um den

Inhalt vor Licht zu schützen.

Das verpackte Produkt kann bei Raumtemperatur (bis max. 25°C) maximal 1 Monat aufbewahrt werden.

In diesem Fall läuft die Haltbarkeit des Produkts nach Ablauf eines Monats ab. Das neue

Haltbarkeitsdatum muss außen auf dem Karton vermerkt werden.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Pulver in einer Durchstechflasche (Typ II Glas) mit einem Bromobutylstopfen;

Lösungsmittel in einer Durchstechflasche (Typ I Glas) mit einem Bromobutylstopfen.

1 Durchstechflasche mit Pulver zu 500 I.E. Antithrombin III

1 Durchstechflasche mit 10 ml Wasser für Injektionszwecke

1 Durchstechflasche mit Pulver zu 1000 I.E. Antithrombin III

1 Durchstechflasche mit 20 ml Wasser für Injektionszwecke

Möglicherweise sind nicht alle Packungsgrößen im Handel erhältlich.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung

Das gelöste Antithrombin kann zur Infusion mit physiologischer 0,9 %iger Kochsalzlösung oder 5 %iger

Glucoselösung in Infusionsflaschen aus Glas oder Plastik gemischt werden.

Das Verfalldatum ist auf dem Behältnis und der Verpackung aufgedruckt. Atenativ darf nach diesem

Datum nicht mehr verwendet werden.

Normalerweise ist die Lösung klar oder leicht opaleszent. Keine Lösungen verwenden, die trübe sind oder

einen Bodensatz aufweisen.

Die Auflösung des Pulvers mit dem Lösungsmittel dauert höchstens 5 Minuten. Nach der Auflösung sollte

das Produkt so bald wie möglich, unbedingt jedoch innerhalb der nächsten 12 Stunden verabreicht

werden. Nicht verbrauchte Lösung verwerfen.

Nicht verwendetes Arzneimittel und Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu

beseitigen.

7.

INHABER DER ZULASSUNG

OCTAPHARMA GmbH

Elisabeth-Selbert-Str. 11

40764 Langenfeld

E-Mail: info.de@octapharma.com

www.octapharma.de

8.

ZULASSUNGSNUMMER(N)

4310.00.00

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 14. Mai.1984

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 04. März 2006

10.

STAND DER INFORMATION

Februar 2020

11.

VERSCHREIBUNGSSTATUS/APOTHEKENPFLICHT

Verschreibungspflichtig

12.

HERKUNFTSLAND DES PLASMAS

Deutschland, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal,

Schweden, Schweiz, Slowenien, Tschechische Republik, Ungarn, USA

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