Retrovir AZT i.v.

Hauptinformation

  • Handelsname:
  • Retrovir AZT i.v. Infusionslösung
  • Darreichungsform:
  • Infusionslösung
  • Zusammensetzung:
  • zidovudinum 200 mg, Säure hydrochloridum oder natrii hydroxidum, Wasser q.s. zu einer Lösung von 20 ml.
  • Verwenden für:
  • Menschen
  • Art der Medizin:
  • Biologische Medizin

Dokumenten

  • für die Allgemeinheit:
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Lokalisierung

  • Erhältlich in:
  • Retrovir AZT i.v. Infusionslösung
    Schweiz
  • Sprache:
  • Deutsch

Therapeutische Informationen

  • Therapiegruppe:
  • Synthetika
  • Therapiebereich:
  • HIV-Infektionen

Weitere Informationen

Status

  • Quelle:
  • Swissmedic - Swiss Agency for Therapeutic Products
  • Zulassungsnummer:
  • 48917
  • Berechtigungsdatum:
  • 12-07-1996
  • Letzte Änderung:
  • 24-10-2018

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels

Fachinformation

Retrovir® AZT® i.v.

ViiV Healthcare GmbH

Zusammensetzung

Wirkstoff: Zidovudinum (3-Azido-3-deoxythymidin).

Hilfsstoffe: Acidum hydrochloridum et Natrii hydroxidum q.s. ad pH, Aqua q.s. ad solutionem pro 1

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Ampullen zu 20 ml mit 200 mg Zidovudinum (10 mg/ml).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Retrovir AZT i.v. ist indiziert zur Kurzzeitbehandlung schwerer Manifestationen einer

symptomatischen HIV-Infektion bei Patienten im CDC-Stadium B und C, wenn eine orale

Verabreichung von Retrovir AZT nicht möglich ist.

Retrovir AZT i.v. ist indiziert zur Reduktion der mütterlich-kindlichen HIV-1 Transmission ab der

14. Schwangerschaftswoche.

Dosierung/Anwendung

Die Therapie mit Retrovir AZT sollte von einem Arzt, der Erfahrung in der Behandlung der HIV-

Infektion besitzt, eingeleitet und überwacht werden.

Die erforderliche Menge von Retrovir AZT i.v. muss verdünnt als Infusion langsam über einen

Zeitraum von einer Stunde intravenös appliziert werden (vgl. «Verdünnung»).

Retrovir AZT i.v. darf nicht intramuskulär verabreicht werden.

Übliche Dosierung

Erwachsene und Jugendliche über 12 Jahre

Eine Dosis von 1 oder 2 mg/kg alle 4 Stunden entspricht einer oralen Zidovudin-Dosis von 1,5 oder

3 mg/kg alle 4 Stunden (600 oder 1200 mg täglich für einen 70 kg schweren Patienten). Patienten

sollten Retrovir AZT i.v. nur solange erhalten, bis eine orale Therapie möglich ist.

Kinder

3 Monate bis 12 Jahre: Es liegen nur wenige Daten über den Einsatz von Retrovir AZT i.v. bei

Kindern vor. Es wurden Dosen zwischen 80 und 160 mg/m2 KO alle 6 Stunden verwendet (320 bis

640 mg/m2/Tag).

Eine Dosis von 120 mg/m2 alle 6 Stunden entspricht ungefähr einer oralen Dosis von 720 mg/m2

täglich.

Unter 3 Monaten: Die verfügbaren Daten reichen nicht aus, um spezifische Dosierungsempfehlungen

abzugeben (vgl. «Mutter-Kind-HIV-1-Transmission»).

Spezielle Dosierungsanweisungen

Mutter-Kind-HIV-1-Transmission

Zur Reduktion des HIV-1-Transmissionsrisikos sollte die Schwangere nach der 14.

Schwangerschaftswoche peroral 500 mg täglich (5× täglich 100 mg) bis zum Wehenbeginn erhalten,

was sich als wirksame Dosierung erwiesen hat. Während der Wehen und der Geburt sollte Retrovir

AZT intravenös gegeben werden, und zwar während der 1. Stunde 2 mg/kg und nachher in einer

Dauerinfusion in der Dosierung 1 mg/kg/Stunde bis zur Durchtrennung der Nabelschnur.

Das Neugeborene sollte oral 2 mg/kg alle 6 Stunden erhalten, erstmals innerhalb der ersten 12

Stunden nach der Geburt bis zum Alter von 6 Wochen. Säuglingen, denen peroral die Dosis nicht

gegeben werden kann, erhalten Retrovir AZT intravenös, 1,5 mg/kg in einer Infusion über

30 Minuten alle 6 Stunden.

Ältere Patienten

Die Pharmakokinetik von Zidovudin bei Patienten im Alter über 65 Jahre wurde nicht untersucht,

und es stehen keine spezifischen Daten zur Verfügung. Da bei dieser Altersgruppe wegen

altersbedingter Veränderungen, wie der verminderten Nierenfunktion und Änderungen der

hämatologischen Parameter, besondere Vorsicht angezeigt ist, wird eine angemessene Überwachung

der Patienten vor und während der Anwendung von Retrovir AZT empfohlen.

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion

Intravenös wird bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz eine Dosierung von 1 mg/kg KG 3-4

mal pro Tag empfohlen. Bei einer Bioverfügbarkeit von 60-70% entspricht das der oralen Dosierung

von 300-400 mg für dieses Patientenkollektiv.

Die hämatologischen Parameter und das klinische Befinden können eine Dosisanpassung nötig

machen. Hämodialyse und Peritonealdialyse haben keinen wesentlichen Einfluss auf die

Zidovudinausscheidung, während die Elimination des Glucuronidmetaboliten erhöht ist.

Bei Patienten im Endstadium einer Nierenerkrankung unter Hämo- oder Peritonealdialyse beträgt die

empfohlene Dosis 100 mg alle 6 bis 8 Stunden (vgl. «Pharmakokinetik»).

Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion

Daten von Patienten mit Leberzirrhose deuten darauf hin, dass Zidovudin bei Leberinsuffizienz

infolge verminderter Glucuronidierung kumuliert. Eine Dosisanpassung kann notwendig werden,

doch sind aufgrund der beschränkten Daten keine präzisen Dosierungsempfehlungen möglich. Falls

eine Überwachung der Zidovudin-Plasmaspiegel nicht möglich ist, sollte der behandelnde Arzt den

Patienten auf Anzeichen von Unverträglichkeit überwachen und gegebenenfalls die Dosis anpassen

und/oder das Dosierungsintervall verlängern.

Patienten mit hämatologischen Veränderungen

Eine Dosisreduktion oder das Absetzen von Retrovir AZT kann bei Patienten nötig werden, deren

Hämoglobinspiegel auf Werte zwischen 7,5 g/dl (4,65 mmol/l) und 9 g/dl (5,59 mmol/l) oder deren

Neutrophilenzahl auf 0,75-1,0× 109/l fallen (vgl. «Kontraindikationen» und «Warnhinweise und

Vorsichtsmassnahmen»).

Kontraindikationen

Retrovir AZT ist bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Zidovudin oder einem

der Hilfsstoffe der Darreichungsform kontraindiziert.

Retrovir AZT i.v. sollte nicht an Patienten mit Granulozytopenie (Neutrophilenzahl <0,75× 109/l)

oder Anämie (Hämoglobinkonzentration <7,5 g/dl oder <4,65 mmol/l) verabreicht werden (vgl.

«Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Patienten sollten vor einer gleichzeitigen Selbstmedikation gewarnt werden (vgl. «Interaktionen»).

Die Patienten sollten auch informiert werden, dass die Retrovir AZT-Therapie das

Übertragungsrisiko von HIV durch Sexualkontakt oder Blutkontamination nicht vermindert,

entsprechende Vorsichtsmassnahmen sind weiterhin notwendig.

Retrovir AZT heilt die HIV-Infektion nicht, und das Risiko, eine durch Immunsuppression bedingte

Erkrankung, einschliesslich opportunistischer Infektionen oder Neoplasmen, zu entwickeln, bleibt

bestehen. Es hat sich gezeigt, dass das Risiko der opportunistischen Infektionen verringert wird,

hingegen über die Entwicklung von Neoplasmen, einschliesslich Lymphomen, sind noch wenig

Daten vorhanden. Es scheint, dass behandelte Patienten mit fortgeschrittener HIV-Erkrankung das

gleiche Risiko zur Entwicklung von Lymphomen zeigen wie unbehandelte Patienten. Über die

Entwicklung von Lymphomen bei Patienten im frühen Stadium der HIV-Erkrankung – auch unter

Langzeitbehandlung – ist noch nichts bekannt.

Frauen, die in Betracht ziehen, während der Schwangerschaft Retrovir AZT zu verwenden, um eine

HIV-Übertragung auf das Kind zu verhindern, müssen informiert werden, dass trotz Therapie in

einigen Fällen eine Übertragung doch vorkommen kann.

Hämatologische Nebenwirkungen:

Mit Blutbildveränderungen in Form von

·Anämie (meistens 6 Wochen nach Beginn der Zidovudin-Behandlung, gelegentlich auch früher),

·Neutropenie (meistens nach 4 Wochen, gelegentlich früher) und

·Leukopenie (gewöhnlich als Folge der Neutropenie)

ist zu rechnen.

Daher sollten die hämatologischen Parameter sorgfältig überwacht werden. Im Allgemeinen wird

empfohlen, bei Patienten unter intravenöser Retrovir AZT-Therapie mindestens einmal wöchentlich

Blutuntersuchungen durchzuführen.

Wenn die Hämoglobin-Konzentrationen auf Werte zwischen 7,5 und 9 g/dl (4,65-5,59 mmol/l) oder

die Neutrophilenzahl auf Werte zwischen 0,75 und 1,0× 109/l abfällt, soll die tägliche Dosis bis zur

Erholung des Knochenmarks reduziert werden; andernfalls kann die Erholung durch eine 2- bis 4-

wöchige Unterbrechung der Retrovir AZT-Therapie beschleunigt werden. Das Knochenmark erholt

sich gewöhnlich innerhalb von 2 Wochen, danach kann Retrovir AZT mit reduzierter Dosis wieder

gegeben werden. Bei Patienten mit ausgeprägter Anämie können trotz Dosisanpassung

Bluttransfusionen notwendig sein (vgl. «Kontraindikationen»).

Laktatazidose und Hepatomegalie: Im Zusammenhang mit der Anwendung von Nukleosidanaloga,

einschliesslich Retrovir AZT, wurde über Laktatazidose berichtet, die üblicherweise mit

Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert war. Frühsymptome (symptomatische

Hyperlaktatämie) umfassen gutartige Verdauungsbeschwerden (Übelkeit, Erbrechen und

Bauchschmerzen), unspezifisches Unwohlsein, Appetitverlust, Gewichtsverlust, respiratorische

Symptome (beschleunigtes oder/und vertieftes Atmen) oder neurologische Symptome

(einschliesslich motorischer Schwäche). Laktatazidose hat eine hohe Mortalitätsrate und kann mit

Pankreatitis, Leberversagen, Nierenversagen oder motorischer Lähmung verbunden sein. Die

Behandlung mit Nukleosidanaloga sollte bei symptomatischer Hyperlaktatämie und metabolischer

Azidose/Laktatazidose (mit und ohne Hepatitis), progressiver Hepatomegalie oder rasch

ansteigenden Transaminasespiegeln abgebrochen werden. Vorsicht ist geboten, wenn

Nukleosidanaloga an Patienten (insbesondere übergewichtige Frauen) mit Hepatomegalie, Hepatitis

oder bekannten Risikofaktoren für eine Lebererkrankung und eine Hepatosteatose (einschliesslich

bestimmter Arzneimittel und Alkohol) verabreicht werden. Patienten mit gleichzeitiger Hepatitis C-

Infektion, die mit Alpha-Interferon und Ribavirin behandelt werden, können ein besonderes Risiko

haben. Patienten mit erhöhtem Risiko sollten engmaschig überwacht werden. Laktatazidose trat im

Allgemeinen nach einigen bis mehreren Monaten Behandlung auf.

Patienten, bei denen Symptome wie Pankreatitis, symptomatische Laktatazidose oder Neuropathien

in Verbindung mit Muskelschwäche auftreten, müssen auch nach Absetzen von Retrovir AZT für

mindestens einen Monat engmaschig auf das Wiederauftreten dieser Symptome überwacht werden.

Lipoatrophie: Die Behandlung mit Zidovudin ist mit einem Verlust von subkutanem Fett assoziiert.

Inzidenz und Schweregrad der Lipoatrophie stehen in Zusammenhang mit der kumulativen

Exposition. Dieser Fettverlust, der sich am deutlichsten im Gesicht sowie an den Extremitäten und

am Gesäss bemerkbar macht, ist möglicherweise nur teilweise reversibel; nach der Umstellung auf

ein Zidovudin-freies Behandlungsregime können bis zum Eintritt einer Verbesserung mehrere

Monate verstreichen. Die Patienten sollten während der Behandlung mit Zidovudin und anderen

Zidovudin-haltigen Präparaten (Combivir und Trizivir) regelmässig auf Anzeichen einer

Lipoatrophie kontrolliert werden und bei Verdacht auf Lipoatrophie-Entwicklung auf ein alternatives

Behandlungsregime umgestellt werden.

Serumlipide und Blutglucose: Unter einer antiretroviralen Therapie können die Serumlipid- und

Blutglucosekonzentrationen ansteigen. Dazu beitragen können auch die Krankheitskontrolle und

Änderungen der Lebensweise. Die Bestimmung der Serumlipid- und Blutglucosekonzentrationen

sollte in Erwägung gezogen werden. Fettstoffwechselstörungen sind dem klinischen Bedarf

entsprechend zu behandeln.

Generalisierte motorische Schwäche: Eine generalisierte motorische Schwäche wurde sehr selten bei

Patienten beobachtet, die eine kombinierte antiretrovirale Therapie einschliesslich Retrovir AZT

erhielten. Viele der Fälle, aber nicht alle, traten im Rahmen einer Laktatazidose auf. Diese

motorische Schwäche kann klinisch ein Guillain-Barré Syndrom inklusive Atemlähmung imitieren.

Die Symptome können nach Beendigung der Therapie ggf. weiter bestehen bleiben bzw. sich weiter

verschlechtern (vgl. auch «Unerwünschte Wirkungen»).

Immun-Reaktivierungs-Syndrom: Bei HIV-infizierten Patienten mit schwerem Immundefekt kann

sich zum Zeitpunkt der Einleitung einer antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) eine

entzündliche Reaktion auf asymptomatische oder residuale opportunistische Infektionen entwickeln,

die zu schweren klinischen Zuständen oder Verschlechterung von Symptomen führt. Typischerweise

wurden solche Reaktionen innerhalb der ersten Wochen oder Monate nach Beginn der ART

beobachtet. Entsprechende Beispiele sind CMV-Retinitis, disseminierte und/oder lokalisierte

mykobakterielle Infektionen und Pneumocystis jiroveci (P. carinii) Pneumonie. Jedes

Entzündungssymptom ist zu bewerten; falls notwendig ist eine Behandlung einzuleiten.

Über das Auftreten von Autoimmunerkrankungen (wie z.B. Morbus Basedow, Polymyositis und

Guillain-Barré-Syndrom) ist im Rahmen einer Immun-Reaktivierung berichtet worden, jedoch ist die

Zeit bis zum Einsetzen der Symptome variabler. Diese können viele Monate nach

Behandlungsbeginn auftreten und sich manchmal atypisch manifestieren.

Patienten mit zusätzlicher Hepatitis C-Virus-Infektion: Eine Verschlechterung der Anämie unter

Ribavirin wurde beobachtet, wenn Zidovudin Teil der HIV- Behandlung darstellt, obwohl der genaue

Mechanismus erst geklärt werden muss. Daher wird die gleichzeitige Verabreichung von Ribavirin

und Zidovudin nicht empfohlen, und eine Substitution von Zidovudin innerhalb der antiretroviralen

Therapie sollte in Betracht gezogen werden, falls eine Kombinationstherapie bereits etabliert ist.

Dies ist insbesondere wichtig bei Patienten mit einer bekannten Geschichte einer Zidovudin-

induzierten Anämie.

Latex Allergie: Der Gummistopfen der Retrovir AZT iv. Ampullen enthält Naturlatex, welcher bei

Personen, die gegenüber Latex empfindlich sind, allergische Reaktionen auslösen kann.

Interaktionen

Zidovudin wird hauptsächlich über Konjugation in der Leber zu einem inaktiven Glucuronid-

Metaboliten eliminiert. Arzneistoffe, die vorwiegend über eine hepatische Metabolisierung eliminiert

werden, insbesondere über den Weg der Glucuronidierung, können möglicherweise den Zidovudin-

Stoffwechsel hemmen.

Die nachfolgende Liste der Interaktionen ist nicht vollständig, aber für diejenigen Klassen von

Arzneimitteln repräsentativ, bei denen Vorsicht angezeigt ist.

Zudem sollten Patienten vor Selbstmedikation gewarnt werden.

Phenytoin: Unter Retrovir AZT wurde bei einigen Patienten ein tiefer Phenytoin-Blutspiegel

festgestellt, in einem Fall jedoch ein erhöhter, so dass der Phenytoin-Spiegel sorgfältig überwacht

werden sollte.

Rifampicin: Beschränkte Daten weisen darauf hin, dass die gleichzeitige Verabreichung von

Zidovudin und Rifampicin zu einer Verringerung der Zidovudin-AUC um 48% ± 34% führt. Die

klinische Bedeutung dieser Beobachtung ist jedoch nicht bekannt.

Stavudin: Bei gleichzeitiger Einnahme kann Zidovudin die intrazelluläre Phosphorylierung von

Stavudin hemmen. Die Kombination von Stavudin mit Zidovudin ist daher nicht empfohlen.

Probenecid: Anhand begrenzter Daten lässt sich folgern, dass durch Probenecid die mittlere

Eliminationshalbwertszeit und die Fläche unter der Konzentrations-Zeit-Kurve (AUC) von

Zidovudin erhöht wird, und zwar durch eine Herabsetzung der Glucuronidierung. Die renale

Ausscheidung des Glucuronids (und möglicherweise des Zidovudins selbst) ist in Anwesenheit von

Probenecid verringert.

Lamivudin: Eine geringfügige Erhöhung des Cmax (28%) wurde für Zidovudin bei gleichzeitiger

Verabreichung von Lamivudin beobachtet. Die Gesamtexposition (AUC) war jedoch nicht

signifikant verändert. Zidovudin hat keine Auswirkungen auf die Pharmakokinetik von Lamivudin.

Atovaquon: Zidovudin scheint die Pharmakokinetik von Atovaquon nicht zu beeinflussen.

Atovaquon hingegen reduziert die Abbaurate von Zidovudin zu seinem Glukuronidmetaboliten. In

pharmakokinetischen Untersuchungen war die AUC im «Steady State» von Zidovudin um 33%

erhöht und die maximale Plasmakonzentration des Glukuronidmetaboliten um 19% vermindert. Bei

Zidovudin-Tagesdosen von 500-600 mg scheint es aber unwahrscheinlich, dass eine 3-wöchige

Therapie mit Atovaquon zur Behandlung von PCP zu einer erhöhten Rate an unerwünschten

Wirkungen führt, welche auf die erhöhte Zidovudin-Plasmakonzentration zurückzuführen wären.

Spezielle Vorsicht ist aber bei Patienten unter Langzeittherapie mit Atovaquon geboten.

Clarithromycin: Clarithromycin Tabletten reduzieren die Resorption von Zidovudin. Dies lässt sich

vermeiden, wenn bei der Verabreichung von Zidovudin und Clarithromycin ein zeitlicher Abstand

von mindestens 2 Stunden eingehalten wird.

Tipranavir/Ritonavir: Tipranavir/Ritonavir (750 mg/200 mg zweimal täglich) reduzierte die AUC

und Cmax Plasmakonzentrationen von Zidovudin um 33% resp. 56%. Eine Auswirkung auf die

Spiegel von glukuronidiertem Zidovudin wurde nicht beobachtet. Die klinische Relevanz dieser

Interaktion ist unbekannt. Zur gemeinsamen Gabe von Zidovudin und Tipranavir/Ritonavir kann

keine Dosierungsempfehlung gegeben werden.

Andere: Weitere Wirkstoffe können durch kompetitive Hemmung der Glucuronidierung oder direkte

Hemmung des hepatischen mikrosomalen Metabolismus den Zidovudin-Stoffwechsel beeinflussen.

Dazu gehören, ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Acetylsalicylsäure, Codein, Morphin, Methadon,

Indometacin, Ketoprofen, Naproxen, Oxazepam, Lorazepam, Phenobarbital, Cimetidin, Clofibrat,

Dapson und Isoprinosin. Die gleichzeitige Gabe derartiger Arzneimittel mit Retrovir AZT,

insbesondere zur Langzeitbehandlung, sollte im Hinblick auf mögliche Interaktionen gut überlegt

werden.

Auch die gleichzeitige Behandlung, insbesondere die Akuttherapie, mit potentiell nephrotoxischen

oder myelosuppressiven Arzneimitteln kann das Risiko unerwünschter Wirkungen von Retrovir AZT

erhöhen. Hierzu gehören z.B. systemisch verabreichtes Pentamidin, Dapson, Pyrimethamin, Co-

trimoxazol, Amphotericin, Flucytosin, Ganciclovir, Interferon, Vincristin, Vinblastin und

Doxorubicin. Ist die gleichzeitige Behandlung mit einem dieser Arzneimittel notwendig, so sind die

Nierenfunktion und die hämatologischen Parameter sorgfältig zu überwachen und nötigenfalls die

Dosierung eines oder mehrerer Arzneimittel zu reduzieren.

Da manche Patienten unter Retrovir AZT weiterhin opportunistische Infektionen haben, ist eine

gleichzeitige prophylaktische antimikrobielle Therapie in Betracht zu ziehen. Für eine derartige

Prophylaxe wurden Co-trimoxazol, Pentamidin als Aerosol, Pyrimethamin und Aciclovir verwendet.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft allgemein

Zidovudin wurde im Rahmen des Antiretroviral Pregnancy Registry (APR) an über 13'000 Frauen in

der Schwangerschaft und in der postpartalen Phase beurteilt. Die aus dem APR vorliegenden Daten

für den Menschen zeigen im Vergleich zur Hintergrundinzidenz kein erhöhtes Risiko schwerer

Geburtsfehler unter Zidovudin (siehe «Klinische Studien»).

Die sichere Anwendung von Zidovudin während der Schwangerschaft wurde nicht in adäquaten,

ausreichend kontrollierten Studien zu kongenitalen Anomalien untersucht. Während der

Schwangerschaft sollte die Behandlung mit Zidovudin daher nur dann erwogen werden, wenn der

erwartete Nutzen die möglichen Risiken für den Fetus überwiegt.

Für Zidovudin wurde die Passage der menschlichen Plazenta nachgewiesen (vgl.

«Pharmakokinetik»). Zidovudin war in Reproduktionsstudien am Tier mit Befunden assoziiert (siehe

«Präklinische Daten»). Darauf sollten Schwangere, die eine Behandlung mit Zidovudin in der

Schwangerschaft in Betracht ziehen, hingewiesen werden.

Mutter-Kind-HIV-1-Transmission

Die Verwendung von Retrovir AZT bei Schwangeren nach der 14. Schwangerschaftswoche mit

anschliessender Behandlung des Neugeborenen hat gezeigt, dass die Häufigkeit der HIV-

Übertragung von der Mutter auf das Kind signifikant gesenkt werden konnte (Infektionsrate 23%

unter Placebo vs. 8% unter Zidovudin). Die Schwangeren hatten eine CD4-Zellzahl zwischen 200

und 1’818/mm3 (im Schnitt 550/mm3), die Behandlung mit Retrovir AZT per os begann zwischen

der 14. und 34. Woche und wurde bis zum Einsetzen der Wehen fortgesetzt. Während der

Wehentätigkeit und der Entbindung wurde Retrovir AZT intravenös verabreicht. Die Neugeborenen

erhielten Retrovir AZT oral während 6 Wochen. Kinder, bei denen eine orale Gabe nicht möglich

war, erhielten die intravenöse Formulierung. Es ist nicht bekannt, ob diese prä- und postnatale

Exposition irgendwelche Spätfolgen haben wird.

Bei Neugeborenen und Kindern, die in utero oder unter der Geburt NRTIs (Nukleosid-Reverse

Transkriptase-Inhibitoren) ausgesetzt waren, liegen Berichte über leicht und vorübergehend erhöhte

Serumlaktatwerte vor, was auf eine Funktionsstörung der Mitochondrien zurückzuführen sein

könnte. Die klinische Relevanz dieser vorübergehend erhöhten Serumlaktatwerte ist unbekannt.

Ausserdem liegen sehr seltene Berichte über Entwicklungsverzögerungen, Krampfanfälle und andere

neurologische Krankheiten vor. Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Auftreten dieser

Störungen und der Verabreichung von NRTIs ist jedoch nicht nachgewiesen. Diese Erkenntnisse

haben keinen Einfluss auf die geltenden Empfehlungen zum Einsatz einer antiretroviralen Therapie

bei Schwangeren zur Vorbeugung einer Mutter-Kind Übertragung von HIV.

Stillzeit

Fachleute empfehlen, dass HIV-infizierte Frauen wenn möglich nicht stillen sollten, um eine HIV-

Übertragung zu vermeiden.

Verschiedene Studien bei mit Zidovudin behandelten, stillenden Müttern und ihren Kindern haben

gezeigt, dass Zidovudin in der menschlichem Muttermilch in ähnlichen oder sogar höheren

Konzentrationen als im Serum nachweisbar ist. Auch im Serum der gestillten Kinder konnte

Zidovudin in niedrigen Konzentrationen gemessen werden.

Mütter sollten daher angewiesen werden, während der Behandlung mit Zidovudin nicht zu stillen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Da Retrovir i.v. im Allgemeinen nur bei hospitalisierten Patienten eingesetzt wird, sind

Informationen zur Verkehrstüchtigkeit und zum Bedienen von Maschinen für diese spezifische

Darreichungsform von Retrovir AZT nicht von Bedeutung.

Es existieren keine Studien zur Auswirkung von Retrovir AZT auf die Verkehrstüchtigkeit und das

Bedienen von Maschinen. Aufgrund der Pharmakologie des Wirkstoffes kann kein nachteiliger

Einfluss vorhergesagt werden.

Bei der Beurteilung der Fahrtüchtigkeit und der Fähigkeit des Patienten, Maschinen zu bedienen,

sollte trotzdem immer der klinische Zustand des Patienten und das Nebenwirkungsprofil

berücksichtigt werden.

Unerwünschte Wirkungen

Das Nebenwirkungsprofil bei Kindern und Erwachsenen ist vergleichbar. Die nachfolgend

aufgeführten Ereignisse wurden bei Zidovudin-behandelten Patienten beobachtet.

Die unerwünschten Ereignisse wurden anhand ihrer Häufigkeiten wie folgt klassifiziert: Sehr häufig

(>1/10), häufig (>1/100, <1/10), gelegentlich (>1/1‘000, <1/100), selten (>1/10‘000, <1/1‘000), sehr

selten (<1/10‘000).

Blut und lymphatisches Gewebe

Häufig: Anämie (wodurch Transfusionen erforderlich werden können), Neutropenie und Leukopenie.

Diese Erscheinungen treten vermehrt bei höheren Dosierungen (1200-1500 mg/Tag) auf, sowie bei

Patienten im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, insbesondere wenn die Knochenmarkreserve

vor Behandlungsbeginn vermindert ist oder bei Patienten mit CD4(T-Helfer)-Zellzahlen unter

100/mm3. Eine Dosisreduktion oder ein Therapieunterbruch können erforderlich sein (vgl.

«Dosierung/Anwendung» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»). Neutropenien sind

ebenfalls häufiger bei vorbestehender, verminderter Neutrophilen-Konzentration oder Anämie und

bei niedrigen Vitamin B12-Konzentrationen.

Gelegentlich: Thrombozytopenie und Panzytopenie mit Knochenmarkhypoplasie.

Selten: Erythrozytenaplasie.

Sehr selten: Aplastische Anämie.

Stoffwechsel und Ernährung

Selten: Laktatazidose ohne Hypoxämie und Anorexie.

Über das Auftreten von Laktatazidose, die in manchen Fällen tödlich verlief und die üblicherweise

mit schwerer Hepatomegalie und Hepatosteatose assoziiert war, wurde im Zusammenhang mit der

Gabe von Nukleosidanaloga berichtet (vgl. «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Die Behandlung mit Zidovudin ist assoziiert mit dem Verlust von subkutanem Fett (siehe

«Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Psychiatrie

Selten: Angst und Depressionen.

Nervensystem

Sehr häufig: Kopfschmerzen.

Häufig: Schwindel.

Selten: Schlaflosigkeit, Parästhesien, Somnolenz, Konzentrationsschwäche, Konvulsionen, selten

generalisierte motorische Schwäche.

Sehr selten wurde unter Behandlung mit Zidovudin eine generalisierte motorische Schwäche

beobachtet, welche klinisch einem Krankheitsbild wie dem Guillain-Barré Syndrom ähnelte. Eine

solche motorische Schwäche kann mit oder ohne Hyperlaktatämie einschliesslich respiratorischer

Insuffizienz auftreten (vgl. auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen» sowie

«Laktatazidose»).

Herz

Selten: Kardiomyopathie.

Respirationstrakt

Gelegentlich: Dyspnoe.

Selten: Husten.

Gastrointestinaltrakt

Sehr häufig: Übelkeit.

Häufig: Erbrechen, Abdominalschmerzen, Diarrhoe.

Gelegentlich: Flatulenz.

Selten: Mundschleimhaut-Pigmentierung, Geschmacksstörungen, Dyspepsie, Pankreatitis.

Leber/Galle

Häufig: erhöhte Blutwerte von Leberenzymen und Bilirubin.

Selten: Lebererkrankungen wie schwere Hepatomegalie mit Steatosis.

Haut und subkutanes Gewebe

Gelegentlich: Exanthem, Pruritus.

Selten: Nagel- und Hautpigmentierung, Urtikaria, Schwitzen.

Bewegungsapparat

Häufig: Myalgie.

Gelegentlich: Myopathie.

Nieren und Harnwege

Selten: Häufiges Wasserlassen.

Geschlechtsorgane und Brust

Selten: Gynäkomastie.

Allgemeine Nebenwirkungen

Häufig: Unwohlsein.

Gelegentlich: Fieber, Asthenie, allgemeines Schmerzgefühl.

Selten: Schüttelfrost, Thoraxschmerzen, grippeähnliche Symptome.

Die Erfahrungen mit Retrovir AZT i.v. bei Erwachsenen, die länger als 2 Wochen behandelt wurden,

sind gering, obwohl in Einzelfällen die Behandlung bis zu 12 Wochen dauerte. Die hauptsächlichsten

Nebenwirkungen waren Anämie, Neutropenie und Leukopenie. Lokale Reaktionen waren selten.

Aus den Daten von placebokontrollierten und offenen Studien mit den oralen Formen von Retrovir

AZT folgt, dass die Inzidenz von Übelkeit und anderen, häufig auftretenden klinischen

Nebenwirkungen durchwegs im Laufe der ersten Wochen der Behandlung abnimmt.

Kinder

Die wenigen Daten von Kindern, die in offenen Studien mit Retrovir AZT i.v. behandelt wurden,

zeigen dasselbe Nebenwirkungsprofil wie die Erwachsenen.

Zu den schwerwiegendsten Nebenwirkungen zählen auch hier – wie bei Erwachsenen – Anämie

(wodurch Transfusionen erforderlich sein können), Neutropenie und Leukopenie. Eine

Dosisanpassung kann erforderlich sein (vgl. «Dosierung/Anwendung»). Die vorliegenden

Erkenntnisse über andere Nebenwirkungen zeigen, dass das Nebenwirkungsprofil von Zidovudin bei

Kindern dem bei Erwachsenen entspricht.

Schwangerschaft/Geburt/Neugeborene

In einer placebokontrollierten Studie wurde Retrovir AZT von Schwangeren in der für diese

Indikation empfohlenen Dosierung angewendet: Die klinischen Nebenwirkungen und pathologischen

Laborbefunde waren in der Retrovir AZT- und in der Placebogruppe ähnlich.

In der gleichen Studie war die Hämoglobin-Konzentration beim Neugeborenen in der Retrovir AZT-

Gruppe unwesentlich niedriger als in der Placebogruppe. Bluttransfusionen waren nicht erforderlich.

Nach Beendigung der Therapie verschwand die Anämie innerhalb von 6 Wochen. Die übrigen

klinischen Nebenwirkungen und abnormen Laborwerte waren in der Retrovir AZT- und

Placebogruppe vergleichbar. Die Langzeitfolgen der Retrovir AZT-Behandlung vor der Geburt und

im Säuglingsalter sind nicht bekannt.

Überdosierung

Bei 5 Patienten wurden Dosen von 7,5 mg/kg 4-stündlich als Infusion über 2 Wochen verabreicht.

Ein Patient hatte Angstzustände, die 4 anderen zeigten keine Nebenwirkungen.

Sowohl bei Erwachsenen wie bei Kindern gibt es nur wenige Berichte über die Folgen einer akuten

Überdosierung, und alle Patienten überlebten. Der höchste gemessene Zidovudinspiegel betrug

185 µmol/l (49,4 µg/ml). Es traten keine spezifischen Symptome auf.

Patienten sollten sorgfältig auf Nebenwirkungen untersucht werden (vgl. «Unerwünschte

Wirkungen»), und es sollte ihnen die nötige Behandlung gegeben werden.

Hämodialyse und Peritonealdialyse scheinen nur eine bedingte Wirkung auf die Ausscheidung von

Zidovudin zu haben, verbessern jedoch die Ausscheidung des Glucuronidmetaboliten.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: J05AF01 – Nukleosidanalogon

Wirkmechanismus

Zidovudin ist eine antivirale Wirksubstanz mit hoher In-vitro-Aktivität gegen Retroviren,

einschliesslich des humanen Immundefizienzvirus (HIV).

Zidovudin wird sowohl in der befallenen wie auch in der nicht befallenen Zelle von der

Zellthymidinkinase zum Monophosphat (MP) phosphoryliert. In der Folge wird das Zidovudin-MP

durch die Zellthymidinkinase, bzw. durch unspezifische Kinasen zum Diphosphat (DP) und dann

zum Triphosphat (TP) phosphoryliert.

Zidovudin-TP wirkt gleichzeitig als Inhibitor und als Substrat für die virale Reverse-Transkriptase.

Die Bildung weiterer proviraler DNS wird durch den Einbau von Zidovudin-MP in die Kette und den

nachfolgenden Kettenabbruch blockiert. Die zelluläre Alpha-DNS Polymerase wird erst bei mehr als

100fach höheren Konzentrationen wesentlich gehemmt.

Virologie

Der Zusammenhang zwischen der In-vitro-Empfindlichkeit von HIV gegen Zidovudin und dem

klinischen Ansprechen auf die Therapie wird zurzeit noch weiter untersucht.

Die In-vitro-Empfindlichkeitstests sind nicht standardisiert, und somit können die Ergebnisse je nach

methodologischen Bedingungen variieren.

Über eine verringerte In-vitro-Empfindlichkeit gegen Zidovudin bei HIV-Isolaten von Patienten, die

über einen längeren Zeitraum (im Mittel 1½-2 Jahre) mit Retrovir AZT behandelt wurden, wurde

berichtet. Die vorliegenden Ergebnisse lassen darauf schliessen, dass die Häufigkeit und das

Ausmass einer verringerten In-vitro-Empfindlichkeit im Frühstadium der HIV-Erkrankung

beträchtlich geringer sind als bei fortgeschrittener Erkrankung.

Die Verringerung der Empfindlichkeit und das Auftreten von Zidovudin-resistenten Stämmen wirken

sich einschränkend auf die klinische Zweckmässigkeit einer Monotherapie aus. In-vitro-Studien mit

Zidovudin in Kombination mit Lamivudin weisen darauf hin, dass die isolierten Zidovudin-

resistenten Virusstämme wieder auf Zidovudin ansprechen können, wenn sie gleichzeitig gegen

Lamivudin resistent werden. Ausserdem liegen aus In-vivo-Untersuchungen klinische Hinweise vor,

denenzufolge die Kombination von Zidovudin und Lamivudin das Auftreten einer Zidovudin-

Resistenz bei Patienten, die zuvor keine antiretrovirale Therapie erhalten hatten, verzögert.

Keine antagonistischen Effekte wurden in vitro gesehen mit Zidovudin und anderen antiretroviralen

Substanzen (getestete Substanzen: Abacavir, Didanosin, Lamivudin und Interferon-alpha).

Allerdings weisen In-vitro-Studien darauf hin, dass Dreierkombinationen von Nukleosidanaloga oder

Kombinationen von zwei Nukleosidanaloga und einem Protease-Inhibitor eine stärkere Wirksamkeit

bezüglich der Hemmung der HIV-1 induzierten zellschädigenden Wirkungen aufweisen als

Monotherapien oder Zweierkombinationen.

Klinische Studien haben ausserdem gezeigt, dass die Kombination mit einem Protease-Inhibitor zu

einer weiteren Erhöhung der Wirkung einer Kombination von Lamivudin und Zidovudin führt.

Klinische Studien

Dem Register zur antiretroviralen Therapie während der Schwangerschaft (APR) wurden Berichte

von über 13'000 Schwangerschaften mit Exposition gegenüber Zidovudin, die zu Lebendgeburten

führten, gemeldet. Diese Berichte setzten sich aus über 4'100 Expositionen während des 1.

Trimesters, die 133 Geburtsdefekte beinhalteten, und über 9‘300 Expositionen während des 2. und 3.

Trimesters mit 264 Geburtsdefekten zusammen. Die Prävalenz (95% KI) von Missbildungen im

ersten Trimester lag bei 3.2% (2.7, 3.8%) und bei 2.8% (2.5, 3.2%) im 2. und 3. Trimester. Diese

Anteile liegen nicht signifikant höher als die entsprechenden Anteile in den beiden

bevölkerungsbasierten Überwachungssystemen (2.72 pro 100 Lebendgeburten bzw. 4.17 pro 100

Lebendgeburten). Aus dem APR geht im Vergleich zur Hintergrundinzidenz kein erhöhtes Risiko

schwerer Geburtsfehler unter Zidovudin hervor.

Pharmakokinetik

Absorption

Bei Patienten, die 3-6× täglich eine einstündige Infusion von 1-5 mg/kg KG Zidovudin erhielten,

wurde eine dosisunabhängige Kinetik beobachtet. Im Mittel schwankte die Plasmakonzentration von

Cmax zu Cmin bei Erwachsenen nach einer einstündigen Infusion von 2,5 mg/kg alle 4 Stunden

zwischen 4,0 und 0,4 µmol/l (oder 1,1 und 0,1 µg/ml).

Distribution

Beim Erwachsenen betrug der Quotient der Zidovudin-Konzentration zwischen Liquor und Plasma

2-4 Stunden nach oraler Verabreichung 0,15-1,35. Zidovudin passiert die Plazenta und lässt sich im

Fruchtwasser und foetalen Blut in ähnlichen Konzentrationen wie im Plasma der Mutter nachweisen.

Zidovudin ist ausserdem in der Samenflüssigkeit und in der Muttermilch nachgewiesen worden.

Das Verteilungsvolumen beträgt 1,6 l/kg.

Bei Kindern lag der Quotient für die Verteilung zwischen Liquor und Plasma 1-5 Stunden nach einer

1-stündigen Infusion bei 0,87. Während einer kontinuierlichen intravenösen Infusion betrug der

Quotient im Steady-State 0,24.

Die Plasmaproteinbindung beträgt 34-38%.

Metabolismus

Beim Menschen werden ca. 74% einer oralen Dosis im Urin in Form eines Glucuronid-Metaboliten,

dem 3'-Azido-3'-Deoxy-5'-O-b-D-Glucopyranuronosylthymidin (GZDV) und 14% als Zidovudin

(ZDV) ausgeschieden, was einer Wiederauffindungsrate von ca. 90% entspricht. Zwei weitere,

mengenmässig weniger bedeutsame Metaboliten des Zidovudin wurden ebenfalls identifiziert und

zwar 3'-Amino-3'-Deoxythymidin (AMT) und sein 5'-O-Glucuronid (GAMT). Es wird angenommen,

dass die Umwandlung von ZDV zu AMT via reduktive (nicht oxidative) Biotransformation über das

Cytochrom P450 (CYP450)-System erfolgt. Obwohl bisher wenig bekannt ist über die Hemmung

oder Förderung der reduktiven Biotransformation über das CYP450-System, kann eine Induktion des

CYP450-Systems die Umwandlung zum AMT-Metaboliten erhöhen. Da jedoch die Bildung von

AMT einen weniger bedeutenden Stoffwechselweg darstellt, ist eine klinisch signifikante Erhöhung

des AMT nach Verabreichung der empfohlenen oralen Dosis von 2× täglich 300 mg Zidovudin

unwahrscheinlich.

Elimination

In Studien zur intravenösen Verabreichung von Zidovudin war die terminale Plasmahalbwertszeit

1,1 Stunden. Die mittlere Ganzkörperclearance war 27,1 ml/min/kg. Die Zidovudin-Clearance ist

deutlich grösser als die Kreatinin-Clearance, was auf eine erhebliche tubuläre Sekretion hinweist.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Kinder

Bei Kindern über 5-6 Monaten gleicht das pharmakokinetische Profil von Zidovudin dem von

Erwachsenen.

Nach einer intravenösen Zidovudin-Dosis von 80 mg/m2 KO beträgt die maximale

Plasmakonzentration im Steady-State (Cssmax) 1,46 µg/ml, nach 120 mg/m2 2,26 µg/ml und nach

160 mg/m2 2,96 µg/ml.

Nach intravenöser Gabe betrug die terminale Eliminationshalbwertszeit zirka 1,5 Stunden und die

Ganzkörperclearance 30,9 ml/min/kg. Die Ausscheidung erfolgte überwiegend über die

Metabolisierung zum 5'-Glucuronid. Nach intravenöser Verabreichung wurden 29% der

verabreichten Dosis unverändert und 45% als Glucuronid im Urin ausgeschieden. Da die renale

Zidovudin-Clearance wesentlich grösser war als die Kreatinin-Clearance, ist eine signifikante

tubuläre Sekretion anzunehmen.

Die bis jetzt erhobenen Daten über die Pharmakokinetik bei Neugeborenen und jungen Säuglingen

zeigen, dass die Glucuronidierung von Zidovudin reduziert ist. Daraus ergibt sich bei Säuglingen

unter 14 Tagen eine höhere absolute Bioverfügbarkeit, eine Reduktion der Clearance und Erhöhung

der Halbwertszeit. Bei älteren Säuglingen scheint die Pharmakokinetik vergleichbar mit der eines

Erwachsenen zu sein.

Ältere Patienten

Die Pharmakokinetik von Zidovudin wurde bei Patienten über 65 Jahre nicht untersucht.

Schwangerschaft

Die Pharmakokinetik von Zidovudin wurde in einer Studie an acht Frauen im letzten Trimester ihrer

Schwangerschaft untersucht. Bei fortschreitender Schwangerschaft ergaben sich keine Hinweise auf

eine Anreicherung des Arzneistoffes. Die Pharmakokinetik entsprach weitgehend derjenigen bei

nicht schwangeren Erwachsenen. In Übereinstimmung mit einer passiven Plazentapassage des

Arzneistoffes entsprachen die Zidovudin-Konzentrationen im Plasma der gerade geborenen Kinder

den Plasmawerten der Mütter bei der Geburt.

Patienten mit Nierenfunktionsstörung

Im Vergleich zu Gesunden haben Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz um 50% erhöhte

maximale Zidovudin-Plasmakonzentrationen. Die systemisch wirksame Substanzmenge, gemessen

als Fläche unter der Zidovudin-Plasmakonzentrations/Zeit-Kurve (AUC) ist um 100% erhöht, die

Halbwertszeit ist nicht signifikant verändert. Bei Niereninsuffizienz kumuliert der Hauptmetabolit,

das Glucuronid, in erheblichem Masse, aber dies scheint keine Toxizität zu verursachen.

Hämodialyse und Peritonealdialyse haben keinen wesentlichen Einfluss auf die Elimination von

Zidovudin, während die Elimination des Glucuronidmetaboliten erhöht ist (vgl.

«Dosierung/Anwendung»).

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Begrenzte Daten von Patienten mit Leberzirrhose deuten darauf hin, dass es bei Patienten mit

eingeschränkter Leberfunktion wegen verminderter Glucuronidierung zu einer Akkumulation des

Zidovudin kommen kann. Eine Dosisanpassung kann notwendig sein. Aufgrund der beschränkten

Daten können aber keine genauen Dosierungsempfehlungen gemacht werden (vgl.

«Dosierung/Anwendung»).

Präklinische Daten

Mutagenität

Zidovudin wirkte in Bakterientests nicht mutagen, zeigte aber in vitro, wie viele andere

Nukleosidanaloga, eine Aktivität in Säugetiertests wie dem Maus Lymphom-Assay.

Zidovudin zeigte nach wiederholter oraler Verabreichung im Micronucleus-Test bei der Maus und

der Ratte klastogene Effekte. In einer Untersuchung von Lymphozyten aus peripherem Blut von

AIDS-Patienten, die Zidovudin erhielten, wurde eine erhöhte Anzahl von Chromosomenbrüchen

festgestellt. Die klinische Bedeutung dieser Befunde ist unklar.

Karzinogenität

In Karzinogenitätsstudien bei Mäusen und Ratten wurden nach oraler Verabreichung von Zidovudin

spät auftretende Vaginalepitheltumore beobachtet. Andere substanzbedingte Tumore wurden bei

beiden Spezies und Geschlechtern nicht gefunden.

Eine anschliessend durchgeführte Intravaginal-Karzinogenitätsstudie bestätigte die Hypothese,

wonach die Vaginaltumore das Resultat einer langandauernden, lokalen Einwirkung hoher

Konzentrationen von unmetabolisiertem Zidovudin im Urin auf das Vaginalepithel der Nager war.

Der Vorhersagewert der Karzinogenitätsstudien an Nagern für den Menschen ist unsicher und daher

ist die klinische Bedeutung dieser Befunde unklar.

Zusätzlich wurden zwei transplazentare Karzinogenitätsstudien an Mäusen durchgeführt. In der

ersten vom US National Cancer Institute durchgeführten Studie wurde Zidovudin in den maximal

tolerierten Dosen an trächtige Mäuse vom Tag 12 bis Tag 18 der Tragzeit verabreicht. Ein Jahr nach

der Geburt wurde bei den Nachkommen, welche der höchsten Dosis (420 mg/kg KG) ausgesetzt

waren, eine Erhöhung der Inzidenz von Tumoren in der Lunge, der Leber und in den weiblichen

Fortpflanzungsorganen festgestellt.

In einer zweiten Studie wurde Zidovudin über 24 Monate in Dosen von bis zu 40 mg/kg an Mäuse

verabreicht, wobei mit der Verabreichung am 10. Tag der Tragzeit begonnen worden war. Die auf

die Behandlung zurückzuführenden Beobachtungen waren limitiert auf spät auftretende

Vaginalepitheltumore, welche mit einer vergleichbaren Inzidenz und zu einem ähnlichen Zeitpunkt

auftraten, wie in der Standard-Karzinogenitätsstudie bei oraler Verabreichung. Die zweite Studie

lieferte somit keine Anhaltspunkte dafür, dass Zidovudin transplazentar eine karzinogene Wirkung

aufweist.

Schlussfolgernd kann festgehalten werden, dass aufgrund der Daten aus der ersten Transplazentar-

Karzinogenitätsstudie ein theoretisches Risiko besteht. Im Gegensatz hierzu konnte gezeigt werden,

dass durch die Verabreichung von Zidovudin während der Schwangerschaft das Risiko einer HIV-

Übertragung von der Mutter auf das Kind vermindert wird.

Teratogenität

Studien mit Zidovudin bei trächtigen Ratten und Kaninchen haben eine Erhöhung der frühen

Embryoletalität gezeigt. In einer separat durchgeführten Studie bei der Ratte führten Dosen nahe der

mittleren oralen Letaldosis zu einer erhöhten Inzidenz foetaler Missbildungen. Bei niedrigeren Dosen

wurden keine Anzeichen von Teratogenität beobachtet.

Fertilität

Zidovudin beeinträchtigte die männliche und weibliche Fertilität bei Ratten nicht. Es gibt keine

Daten zur Wirkung von Retrovir AZT auf die weibliche Fertilität. Retrovir AZT hat beim Mann

keine Wirkung auf die Zahl, die Morphologie oder die Motilität der Spermien gezeigt.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Retrovir i.v. darf nur mit den unter «Hinweise für die Handhabung» aufgeführten Infusionslösungen

gemischt werden.

Haltbarkeit

Nicht über 30 °C und vor Licht geschützt aufbewahren. Das Arzneimittel darf nur bis zum

angegebenen Verfalldatum («EXP») verwendet werden. Ausser Reichweite von Kindern

aufbewahren.

Hinweise für die Handhabung

Verdünnung: Retrovir AZT i.v. muss vor der Anwendung verdünnt werden. Die benötigte Menge

wird in eine 5%ige Glukose-Infusion gegeben und geschüttelt. Die so erhaltene Konzentration

beträgt entweder 2 mg/ml oder 4 mg/ml.

Diese Lösung ist chemisch und physikalisch zwischen 5 °C und 25 °C bis zu 48 Stunden stabil.

Die Lösung sollte unter aseptischen Bedingungen und möglichst unmittelbar vor der Anwendung

hergestellt werden, da sie keine Konservierungsmittel enthält, und Reste sollten entsorgt werden.

Sollte eine sichtbare Trübung vor oder nach der Verdünnung oder während der Infusion auftreten,

sollte die Lösung nicht verwendet werden.

Zulassungsnummer

48917 (Swissmedic).

Packungen

Ampullen zu 200 mg (10 mg/ml): 5, A

Zulassungsinhaberin

ViiV Healthcare GmbH, 3053 Münchenbuchsee.

Stand der Information

November 2016.

  • Das Informationsblatt für dieses Produkt ist derzeit nicht verfügbar, können Sie eine Anfrage an unseren Kundendienst zu senden und wir werden Sie benachrichtigen, sobald wir in der Lage, um es zu erhalten.

    Fordern Sie das Informationsblatt für die Öffentlichkeit.



  • Dokumente in anderen Sprachen zur Verfügung hier

27-8-2018

Strimvelis (Orchard Therapeutics (Netherlands) B.V.)

Strimvelis (Orchard Therapeutics (Netherlands) B.V.)

Strimvelis (Active substance: autologous CD34+ enriched cell fraction that contains CD34+ cells transduced with retroviral vector that encodes for the human ADA cDNA sequence) - Centralised - Transfer Marketing Authorisation Holder - Commission Decision (2018)5703 of Mon, 27 Aug 2018 European Medicines Agency (EMA) procedure number: EMEA/H/C/3854/T/14

Europe -DG Health and Food Safety

1-8-2018

Strimvelis (GlaxoSmithKline Trading Services Limited)

Strimvelis (GlaxoSmithKline Trading Services Limited)

Strimvelis (Active substance: autologous CD34+ enriched cell fraction that contains CD34+ cells transduced with retroviral vector that encodes for the human ADA cDNA sequence) - Centralised - Yearly update - Commission Decision (2018)5217 of Wed, 01 Aug 2018

Europe -DG Health and Food Safety

30-7-2018

Zalmoxis (MolMed S.p.A.)

Zalmoxis (MolMed S.p.A.)

Zalmoxis (Active substance: Allogeneic T cells genetically modified with a retroviral vector encoding for a truncated form of the human low affinity nerve growth factor receptor (?LNGFR) and the herpes simplex I virus thymidine kinase (HSV-TK Mut2)) - Centralised - Renewal - Commission Decision (2018)5118 of Mon, 30 Jul 2018 European Medicines Agency (EMA) procedure number: EMEA/H/C/2801/R/10

Europe -DG Health and Food Safety

28-5-2018

Cayston (Gilead Sciences Ireland UC)

Cayston (Gilead Sciences Ireland UC)

Cayston (Active substance: aztreonam) - Centralised - Transfer Marketing Authorisation Holder - Commission Decision (2018)3343 of Mon, 28 May 2018 European Medicines Agency (EMA) procedure number: EMEA/H/C/996/T/72

Europe -DG Health and Food Safety

18-5-2018

EU/3/04/204 (Gilead Sciences Ireland UC)

EU/3/04/204 (Gilead Sciences Ireland UC)

EU/3/04/204 (Active substance: Aztreonam lysinate (inhalation use)) - Transfer of orphan designation - Commission Decision (2018)3131 of Fri, 18 May 2018 European Medicines Agency (EMA) procedure number: EMEA/OD/006/04/T/03

Europe -DG Health and Food Safety