Minirin

Hauptinformation

  • Handelsname:
  • Minirin Injektionslösung
  • Darreichungsform:
  • Injektionslösung
  • Zusammensetzung:
  • desmopressini acetas 4 µg Endwerte. desmopressinum 3.56 µg, natrii chloridum, Säure hydrochloridum, Wasser ad iniectabilia die Lösung für 1 ml.
  • Verwenden für:
  • Menschen
  • Art der Medizin:
  • Biologische Medizin

Dokumenten

  • für die Allgemeinheit:
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Lokalisierung

  • Erhältlich in:
  • Minirin Injektionslösung
    Schweiz
  • Sprache:
  • Deutsch

Therapeutische Informationen

  • Therapiegruppe:
  • Synthetika
  • Therapiebereich:
  • Diabetes insipidus, Polyurie, Polydipsie nach Hypophysenoperationen

Weitere Informationen

Status

  • Quelle:
  • Swissmedic - Swiss Agency for Therapeutic Products
  • Zulassungsnummer:
  • 43585
  • Berechtigungsdatum:
  • 29-06-1982
  • Letzte Änderung:
  • 24-10-2018

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels

Fachinformation

Galenisch Form und Wirkstoffmenge pro Einheit; Dosierung/Anwendung; Kontraindikationen;

Packungen

MINIRIN® / - Melt

Zusammensetzung

Wirkstoff: Desmopressinacetat

Hilfsstoffe:

Minirin Injektionslösung: Natrii chloridum, Acidum hydrochloridum ad pH 4, Aqua ad iniectabilia

q.s. ad solutionem pro 1 ml.

Minirin Nasaltropfen: Natrii chloridum, Acidum hydrochloridum, Conserv.: Chlorbutanolum

hemihydricum, Aqua purificata ad 1 ml.

Minirin Nasalspray: Natrii chloridum, Acidum citricum monohydricum, Dinatrii phosphas

dihydricus, Conserv.: Benzalkonium chloridum 0,1 mg, Aqua purificata ad 1 ml.

Minirin Tabletten: Lactosum monohydricum, Amylum solani tuberosi, Povidonum K25, Magnesii

stearas.

Minirin Melt, Sublingualtabletten: Gelatinum, Mannitolum, Acidum citricum anhydricum.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Minirin Injektionslösung: 4 µg Desmopressinacetat, entsprechend 3,56 µg Desmopressin pro 1 ml.

Minirin Nasaltropfen: 10 µg Desmopressinacetat, entsprechend 8,9 µg Desmopressin pro 0,1 ml.

Minirin Nasalspray: 10 µg Desmopressinacetat, entsprechend 8,9 µg Desmopressin pro Sprühstoss

zu 0,1 ml.

Minirin Tabletten: 0,1 resp. 0,2 mg, Desmopressinacetat entsprechend 89 µg resp. 178 µg

Desmopressin pro Tablette.

Minirin Melt, Sublingualtabletten: Desmopressin 60 resp. 120 µg.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Diabetes insipidus centralis, Polyurie, Polydipsie nach Hypophysektomie bzw. Operationen im

Hypophysenbereich.

Enuresis nocturna im Alter ab 5 Jahren, bei normaler Konzentrationsfähigkeit der Niere, nach

Versagen üblicher Massnahmen, nur bei Patienten mit normalem Blutdruck und Ausschluss einer

organischen Ursache zur Kurzzeitbehandlung. Die nasalen Formen von Minirin (Nasaltropfen und

Nasalspray) dürfen für die Behandlung der Enuresis nocturna nicht verwendet werden.

Untersuchung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren (Diagnostik des Diabetes insipidus).

Dosierung/Anwendung

Diabetes insipidus centralis, Polyurie, Polydipsie nach Hypophysektomie bzw. Operationen im

Hypophysenbereich

Zu Beginn der Behandlung muss die optimale Dosierung vom Arzt individuell durch Bestimmung

der Harnmenge und Harnosmolalität ermittelt werden. Die Therapie sollte sich an zwei Parametern

ausrichten: einer adäquaten Schlafdauer und einer ausgewogenen Wasserbilanz.

Parenterale Anwendung

Erwachsene: Tagesdosis 1 - 4 µg, entsprechend 0,25 – 1,0 ml i.v. oder i.m, verteilt auf 1 – 2

Einzeldosen.

Kinder: Tagesdosis 0,4 – 1 µg entsprechend 0,1 – 0,25 ml i.v. oder i.m, verteilt auf 1 – 2

Einzeldosen.

Säuglinge: Vorsichtige Einstellung mit 0,025 ml resp. 0,1 µg beginnend, i.v. oder i.m.

Injektion intravenös oder intramuskulär (1 – 2 mal täglich):

Tagesdosis

(Mikrogramm)

Injektionslösung

(ml)

Anzahl Ampullen

Erwachsene:

1 – 4

0.25 – 1.0

¼ - 1

Kinder:

0.4 – 1

0.10 – 0.25

1/10 – ¼

Säuglinge

(vorsichtig

einstellen)

Mit 0.1 beginnend mit 0.025 beginnend mit 1/40 beginnend

Verdünnungstabelle:

Verdünnung mit isotonischer, steriler, pyrogenfreier Natriumchloridlösung:

Zur Verabreichung

von:

1 Ampulle verdünnen

mit:

Gesamtmenge

Lösung:

Lösungsmenge zur

Injektion

¼ Ampulle

3 ml NaCl-Lsg.

4 ml

1 ml

1/10 Ampulle

9 ml NaCl-Lsg.

10 ml

1 ml

1/40 Ampulle

39 ml NaCl-Lsg.

40 ml

1 ml

Intranasale Anwendung

Erwachsene: Tagesdosis 10–40 µg, entsprechend 0,1–0,4 ml Nasaltropfen resp. 1–4 Sprühstösse

Nasalspray, verteilt auf 1-2 Einzeldosen.

Kinder: Tagesdosis 5–20 µg, entsprechend 0,05–0,20 ml Nasaltropfen, resp. 1-2 Sprühstössen

Nasalspray, verteilt auf 1-2 Einzeldosen. Minirin Nasalspray ist für die Behandlung von Kindern,

welche eine Dosis von 5 µg benötigen, ungeeignet, da Dosierungen unter 10 µg nicht mit dem

Nasalspray verabreicht werden können.

Säuglinge: Vorsichtige Einstellung beginnend mit 1 µg Nasaltropfen. Um ein geeignetes

Applikationsvolumen zu erreichen, sollte die Nasaltropfen Lösung vorher mit 0.9 % iger

Kochsalzlösung verdünnt werden (z.B.: 0,1 ml einer 1:10 Verdünnung entsprechen 1 µg

Desmopressin). Die verdünnte Lösung muss sofort verwendet werden. Reste müssen verworfen

werden.

Perorale Anwendung

Erwachsene, Kinder: Initial 0,1 mg peroral 3× täglich. Die Dosierung wird dem Ansprechen des

Patienten individuell angepasst. Die mittlere Tagesdosis liegt zwischen 0,2–1,2 mg. Die Mehrzahl

der Patienten ist mit 3× täglich 0,1–0,2 mg optimal eingestellt.

Säuglinge: Keine Anwendung bei Säuglingen.

Sublinguale Anwendung

Erwachsene, Kinder: Initial 60 µg 3× täglich. Die Dosierung wird dem Ansprechen des Patienten

individuell angepasst. Die mittlere Tagesdosis liegt zwischen 120 µg – 720 µg. Die Mehrzahl der

Patienten ist mit 3× täglich 60–120 µg optimal eingestellt. Die Sublingualtablette soll vor dem

Schlucken 10 Sekunden unter der Zunge gehalten werden.

Säuglinge: Keine Anwendung bei Säuglingen.

Nach Operationen im Hypophysenbereich, bei Hypophysenhinterlappeninsuffizienz

Dosierung nach Messung der Osmolalität des Urins festlegen.

Bei Anzeichen von Wasserretention/Hyponatriämie muss die Behandlung unterbrochen und die

Dosierung angepasst werden.

Enuresis Nocturna

Die effektive therapeutische Dosis ist individuell verschieden und wird entsprechend der Reaktion

angepasst.

Kinder ab 5 Jahren, Jugendliche und Erwachsene

Perorale Anwendung: Initial 0,2 mg. Bei Bedarf schrittweise erhöhen auf 0,4 mg.

Sublinguale Anwendung: Initial 120 µg. Bei Bedarf schrittweise erhöhen auf 240 µg. Die

Sublingualtablette soll vor dem Schlucken 10 Sekunden unter der Zunge gehalten werden.

Minirin Tabletten und Minirin Melt Sublingualtabletten sind indiziert zur Behandlung des zentralen

Diabetes insipidus und der Enuresis nocturna. Dabei entsprechen 0,2 mg per os 120 µg sublingual.

Bei Anzeichen von Wasserretention/Hyponatriämie muss die Behandlung unterbrochen und die

Dosierung angepasst werden.

Es ist ein Behandlungszeitraum von bis zu 3 Monaten vorgesehen. Die Notwendigkeit für eine

weitere Behandlung sollte nach einer Unterbrechung der Einnahme von mindestens 1 Woche

überprüft werden.

Untersuchung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren

Die Untersuchung der Konzentrationsfähigkeit der Nieren mit Minirin bei Kleinkindern unter 1 Jahr

sollte nur unter Klinik-Bedingungen durchgeführt werden.

Der Kurztest wird vorzugsweise morgens durchgeführt. Die Trinkmenge sollte während der ersten 12

Stunden nach der Applikation eingeschränkt werden. Kinder unter 5 Jahren und Patienten mit

Herzerkrankungen oder Hochdruck sollten die Flüssigkeitsaufnahme auf die Hälfte reduzieren.

Vor Testbeginn sollte die Osmolalität des Urins bestimmt werden. Nach der Desmopressin-Gabe

werden 2 Urinproben genommen (vorzugsweise nach etwa 2 und 4 Stunden). Innerhalb der ersten

Stunde sollte Urin abgenommen und verworfen werden. In den beiden Urinproben wird die

Osmolalität ermittelt. Zur Bestimmung der renalen Konzentrationsfähigkeit wird dann der höhere

Wert mit dem Ausgangswert vor Testbeginn oder dem alterspezifischen Referenzwert (Erwachsene

800-1000 mOsm/kg) verglichen. Erniedrigte Werte, ein fehlender oder nur geringer Anstieg der

Urinosmolalität deuten auf eine eingeschränkte Nierenkonzentrationsfähigkeit hin. Eine durch

zentralen Diabetes insipidus bedingte Polyurie liegt vor, wenn die Urinosmolalität deutlich ansteigt

und das Urinvolumen deutlich abnimmt.

Parenterale Anwendung

Erwachsene: 1 ml bzw. 4 µg i.v.

Kinder, 10–16 Jahre: 0,5 ml bzw. 2 µg i.v.

Säuglinge und Kleinkinder: 0,25 ml bzw. 1 µg i.v.

Intranasale Anwendung

Erwachsene: 40 µg (0,4 ml Nasaltropfen oder 4 Sprühstösse Nasalspray).

Kinder, 10–16 Jahre: 20 µg (0,2 ml Nasaltropfen oder 2 Sprühstösse Nasalspray).

Säuglinge und Kleinkinder: 10 µg (0,1 ml Nasaltropfen oder 1 Sprühstoss Nasalspray).

Kontraindikationen

Desmopressin darf nicht angewendet werden bei:

-primärer oder psychogener Polydipsie;

-Herzinsuffizienz und anderen Erkrankungen, die eine Behandlung mit Diuretika erfordern;

-bei Patienten mit Hyponatriämie;

-moderater oder schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 50 ml/min);

-Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH);

-schwerem klassischem von-Willebrand-Jürgens-Syndrom (Typ IIb), Patienten mit 5% Faktor VIII-

Aktivität, Faktor VIII-Antikörpern;

-Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Bei der Gabe von Minirin Tabletten oder Sublingualtabletten bei Enuresis nocturna soll als

Vorsichtsmassnahme die Flüssigkeitsaufnahme 1 Stunde vor bis 8 Stunden nach Verabreichung von

Minirin eingeschränkt und auf das Durstlöschen reduziert werden. Eine Behandlung ohne

gleichzeitige Reduktion der Flüssigkeitsaufnahme kann zu Wasserretention und/oder Hyponatriämie

mit Symptomen wie Kopfschmerzen, Nausea, Erbrechen, Gewichtszunahme und in schweren Fällen

zu Hirnödem, Krampfanfällen und Koma führen. Die Sicherheit der Langzeitanwendung bei

Enuresis nocturna ist nicht belegt.

Über das Auftreten von Hirnödem und Krampfanfällen wurde wiederholt berichtet bei sonst

gesunden Kindern und jungen Erwachsenen, die wegen einer Enuresis nocturna mit Desmopressin

behandelt wurden. Dieses Risiko scheint in der ersten Behandlungswoche besonders hoch zu sein.

Ältere Patienten (>65 Jahre) und Patienten mit niedrigen Natriumspiegeln können ein erhöhtes

Risiko für eine Hyponatriämie haben.

Die Wirkungsdauer nimmt mit höheren Dosierungen zu, und somit auch das Hyponatriämierisiko.

Die Dosierung soll entsprechend von unten nach oben titriert werden.

Desmopressin sollte mit besonderer Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit zystischer

Fibrose, koronarer Herzkrankheit, Hypertonie, Thromboseneigung, chronischem Nierenleiden, Pre-

Eklampsie, erhöhtem intrakraniellen Druck oder mit Störungen des Flüssigkeits- und

Elektrolythaushaltes.

Bei Patienten mit Hypertonie und chronischem Nierenleiden können die unter «Unerwünschte

Wirkungen» genannten Symptome verstärkt auftreten. Bei sehr jungen und älteren Patienten und

beim Bestehen von Risikofaktoren, welche zu einem erhöhten intrakraniellen Druck führen können,

muss beim Einsatz von Minirin sorgfältig darauf geachtet werden, dass keine Wasserretention

auftritt.

Die Behandlung mit Desmopressin kann ohne gleichzeitige Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr zu

einer Wasserretention und Hyponatriämie führen.

Patienten, und im Falle von Kindern deren Eltern, sind darauf aufmerksam zu machen, dass eine

übermässige Flüssigkeitsaufnahme zu vermeiden ist und dass bei Erbrechen, Durchfall, systemischen

Infektionen und Fieber die Anwendung von Desmopressin solange zu unterbrechen ist, bis sich der

Flüssigkeitshaushalt wieder normalisiert hat.

Um das Risiko einer Hyponatriämie bzw. Wasserintoxikation zu vermindern, ist eine Reduktion der

Flüssigkeitsaufnahme besonders wichtig bei:

-Einsatz von Arzneimitteln, welche bekanntermassen ein SIADH herbeiführen (trizyklische

Antidepressiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, Chlorpromazin, Chlorpropamide und

Carbamazepin);

-gleichzeitiger Behandlung mit NSAID's.

Es ist wichtig, während der Behandlung das Körpergewicht zu überwachen.

Bei Patienten im Alter über 65 Jahren soll das Serum-Natrium vor Beginn der Therapie und 3 Tage

nach Therapiebeginn oder Dosiserhöhungen bestimmt werden. Beim Auftreten von Kopfschmerzen

und/oder Nausea muss die Behandlung abgebrochen werden.

Organische Ursachen für eine Polyurie oder gesteigerte Miktionsrate oder Nykturie wie benigne

Prostatahyperplasie (BPH), Harnwegsinfekte, Blasensteine bzw. –tumore, Störungen des

Blasensphinkters, Polydipsie oder unzureichend behandelten Diabetes mellitus sollten

ausgeschlossen oder entsprechend behandelt werden. Jede Nebennieren- oder

Schilddrüseninsuffizienz muss vor Beginn der Desmopressintherapie behandelt werden.

Bei intranasaler Anwendung können Veränderungen oder Erkrankungen der Nasenschleimhaut zu

einer veränderten Absorption führen. In diesen Fällen sollte Desmopressin nicht angewendet werden.

Das in Minirin Nasalspray enthaltene Konservierungsmittel (Benzalkoniumchlorid) kann zu

Bronchospasmen führen und insbesondere bei längerer Anwendung, eine Schwellung der

Nasenschleimhaut hervorrufen. Besteht ein Verdacht auf eine derartige Reaktion (anhaltend

verstopfte Nase), sollte – soweit möglich – ein Arzneimittel zur Anwendung in der Nase ohne

Konservierungsstoff verwendet werden. Stehen solche Arzneimittel nicht zur Verfügung, so ist eine

andere Darreichungsform in Betracht zu ziehen.

Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-

Galactose-Malabsorption sollten Minirin Tabletten nicht einnehmen.

Interaktionen

Bei gleichzeitiger Anwendung von Oxytocin ist eine Erhöhung des antidiuretischen Effektes möglich

und mit einer Abschwächung der Uterusdurchblutung zu rechnen. Glibenclamid und Lithium können

die antidiuretische Wirkung von Minirin verringern.

Clofibrat, Indomethacin und andere NSARs, Chlorpromazin, Carbamazepin, Antidepressiva,

selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer sowie alle Arzneimittel mit Wirkung auf den Wasser-

Elektrolythaushalt können die antidiuretische Wirkung von Minirin verstärken und damit das Risiko

der Wasserretention/Hyponatriämie erhöhen. Bei gleichzeitiger Anwendung der obengenannten

Medikamente sollten Blutdruck, Plasma-Natriumspiegel und Harnausscheidung überwacht werden.

Die gleichzeitige Behandlung mit Loperamid kann zu einer bis zu 3-fach höheren

Desmopressinplasmakonzentration führen, die wiederum zu einem erhöhten Risiko einer

Wasserretention/Hyponatriämie führen kann.

Es ist unwahrscheinlich, dass Desmopressin Wechselwirkungen mit Stoffen, die den

Lebermetabolismus beeinflussen, hat, da Desmopressin in in-vitro Studien an humanen Mikrosomen

keinen signifikanten Metabolismus in der Leber zeigt. In-vivo Studien zu möglichen

Wechselwirkungen wurden bisher nicht durchgeführt.

Eine standardisierte Diät mit 27% Fett verringert die Absorption (Menge und Dauer) von oral

verabreichtem Desmopressin signifikant. Hinsichtlich der pharmakodynamischen Eigenschaften

(Urinproduktion oder Osmolalität) wurde kein signifikanter Effekt beobachtet, daher kann

Desmopressin, wenn gewünscht, zu den Mahlzeiten eingenommen werden. Jedoch kann

Nahrungsaufnahme bei einer geringen oralen Dosierung von Desmopressin Intensität und Dauer der

antidiuretischen Wirkung verringern.

Schwangerschaft/Stillzeit

Die vorliegenden Daten bei einer begrenzten Anzahl (n=53) schwangerer Frauen mit Diabetes

insipidus zeigen, dass Desmopressin keine negativen Auswirkungen auf die Schwangerschaft oder

den Gesundheitszustand des Foeten oder Neugeborenen hat. Bis heute liegen keine weiteren

relevanten epidemiologischen Daten vor. Tierversuche zeigen keine direkten oder indirekten

schädlichen Effekte auf die Schwangerschaft, die embryonale/foetale Entwicklung, die Geburt oder

die postnatale Entwicklung.

Bei der Anwendung während der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten.

Bei der Behandlung des Diabetes insipidus in der Schwangerschaft ist die Dosis den individuellen

Erfordernissen anzupassen, da sie sich während der Schwangerschaft verändern kann. Eine

Blutdrucküberwachung wird empfohlen.

Untersuchungen der Muttermilch von Frauen, die eine hohe Dosierung von 300 µg Desmopressin

(intranasal) erhalten hatten, zeigten, dass die Mengen an Desmopressin, die auf das Kind übertragen

werden könnten, zu gering sind, um die Diurese zu beeinflussen.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Es wurden keine entsprechenden Studien durchgeführt.

Unerwünschte Wirkungen

Die unerwünschten Wirkungen sind nach Organklassen und Häufigkeitsgraden gegliedert unter

Berücksichtigung folgender Definition: sehr häufig (≥1/10); häufig (≥1/100, <1/10); gelegentlich

(≥1/1’000, <1/100); selten (≥1/10’000, <1/1’000); sehr selten (<1/10’000).

Störungen des Immunsystems

Sehr selten: allergische Reaktionen und Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. Juckreiz, Exanthem,

Fieber, Bronchospasmus, Anaphylaxie).

Stoffwechselstörungen

Sehr selten: Hyponatriämie, Wasserintoxikation.

Psychiatrische Störungen

Sehr selten: Emotionale Störungen (bei Kindern).

Störungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen.

Selten: Hirnödem, hyponatriämische Krämpfe.

Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen

Häufig: (Nasaltropfen, Nasalspray) Nasale Kongestion, Epistaxis, Rhinitis.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Abdominale Schmerzen, Krämpfe, Übelkeit, Durchfall, Erbrechen.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Vorübergehender Blutdruckabfall, erhöhte Pulsfrequenz, Flush-Phänomene.

Unbekannt: thrombotische Komplikationen (Hirn- und Koronararterien).

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig: Müdigkeit.

Bei übermässiger Flüssigkeitszufuhr sowie bei Anwendung von zu hohen Dosierungen können durch

Wasserretention Gewichtszunahme, Hyponatriämie, Krämpfe, Hirnödeme und Koma auftreten. Dies

gilt besonders für Kinder bis 1 Jahr oder ältere Patienten, abhängig von ihrem Allgemeinzustand. Um

eine Wasserintoxikation zu vermeiden, sollte auf eine ausgewogene Wasserbilanz geachtet werden.

Auf Grund der verstärkten Wasserrückresorption kann der Blutdruck steigen, und es kann sich in

einigen Fällen eine Hypertonie entwickeln. Bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit kann es

zu Angina pectoris kommen.

Überdosierung

Bei akuter Überdosierung von Minirin treten die oben erwähnten Nebenwirkungen verstärkt auf.

Eine Überdosierung kann insbesondere bei der unvorsichtigen Einstellung von Kleinkindern

auftreten.

Bei Überdosierung erhöht sich das Risiko einer Flüssigkeitsretention und einer Hyponatriämie.

Obwohl die Behandlung der Hyponatriämie individuell gestaltet werden soll, bewährten sich die

folgenden allgemeinen Empfehlungen:

Bei asymptomatischer Hyponatriämie wird die Therapie mit Desmopressin abgebrochen und die

Flüssigkeitszufuhr eingeschränkt. Bei symptomatischer Hyponatriämie können zusätzlich Infusionen

von isotonischer oder hypertonischer Kochsalzlösung gegeben werden. Bei Hirnödem ist eine

sofortige Einweisung zur Intensivtherapie notwendig. Krämpfe im Kindesalter bedürfen ebenfalls

Intensivmassnahmen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: H01BA02

Die pharmakologische Wirkung von Minirin ist ungeachtet der verschiedenen Anwendungsarten und

galenischen Formen gleich.

Desmopressin ist ein Analogon des menschlichen Hypophysenhinterlappenhormons Arginin-

Vasopressin, bei welchem eine Aminogruppe des Cysteins (in Stellung 1 des Peptids) entfernt und L-

Arginin (in Position 8) durch D-Arginin ersetzt wurde. Damit wird im Vergleich zum nativen L-

Arginin-Vasopressin eine wesentliche Verlängerung der antidiuretischen Wirkung erreicht, während

der vasopressorische Effekt bei therapeutischer Dosierung stark verringert wird.

Die antidiuretische Wirkung nach intravenöser oder subkutaner Gabe von 1 µg Desmopressin dauert

5–20 Stunden, nach intranasaler Gabe von 20 µg 8–12 Stunden, und nach peroraler Gabe von 0,1 mg

ca. 8 Stunden.

In hohen Dosen besitzt Desmopressin zudem die Eigenschaft, sowohl den Antihämophilie-Faktor

(Faktor VIII) als auch den von-Willebrand-Faktor (vWF) zu aktivieren.

Pharmakokinetik

Absorption

Die systemische Verfügbarkeit von intravenös verabreichtem Desmopressin ist nahezu vollständig,

jene von subkutan verabreichtem Desmopressin beträgt ca. 90% im Vergleich zur intravenösen

Gabe. tmax beträgt weniger als 20 Minuten bei i.v.- und ungefähr 1 Stunde bei subkutaner Injektion.

Minirin, intranasal und oral verabreicht, wird schnell, aber unvollständig resorbiert, wobei die

Bioverfügbarkeit im Vergleich zur i.v. Gabe nach intranasaler Gabe etwa 3–5% beträgt. Nach

intranasaler Gabe von Desmopressin wird die maximale Plasmakonzentration nach ca. 50 min.

erreicht.

Die Plasmahalbwertzeit liegt zwischen 2 und 3 Stunden.

Die absolute Bioverfügbarkeit von Desmopressin nach oraler Gabe liegt zwischen 0,08 und 0,16%.

Die mittlere maximale Plasmakonzentration wird nach ca. 2 Stunden erreicht.

Die mittlere systemische Bioverfügbarkeit von sublingual verabreichtem Desmopressin wie Minirin

Melt in Dosen von 200, 400 und 800 µg liegt bei 0,25% mit einem 95%igen Vertrauensintervall von

0,21–0,31%. Cmax lag bei 14, 30 bzw. 65 pg/ml nach Verabreichung von 200, 400 bzw. 800 µg.

tmax wurde 0,5–2,0 Stunden nach Dosierung beobachtet. Die geometrische mittlere Halbwertzeit ist

2,8 (CV = 24%) Stunden.

Desmopressin verfügt über eine hohe Variabilität der Bioverfügbarkeit sowohl inter- als auch

intraindividuell.

Distribution

Das Distributionsvolumen beträgt 0,2–0,3 l/kg. Desmopressin passiert die Blut/Hirn-Schranke nicht.

Desmopressin tritt in sehr geringen Mengen in die Muttermilch über.

Metabolismus

Mit humanen Leber-Mikrosomen konnte in vitro gezeigt werden, dass nur ein geringer Teil von

Desmopressin in der Leber metabolisiert wird. Demnach ist der Metabolismus von Desmopressin in

der Leber in vivo von geringer Bedeutung.

Elimination

Die Elimination von Desmopressin folgt einer Kinetik erster Ordnung, verläuft jedoch etwas

langsamer als die Elimination des nativen Vasopressins. Die Plasma-Halbwertszeit von

Desmopressin nach parenteraler und intranasaler Gabe liegt zwischen 2,5 und 4,5 Stunden, nach

oraler Gabe zwischen 2,0 und 3,2 Stunden. Ca. 65% des nach oraler Gabe resorbierten Desmopressin

(nach i.v. Injektion 45%) wird innerhalb von 24 Stunden über den Urin ausgeschieden.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Es bestehen keine geschlechtsspezifischen Unterschiede im pharmakokinetischen Verhalten von

Desmopressin.

Präklinische Daten

Aus den Untersuchungen zur chronischen Toxizität liegen keine Erkenntnisse vor, dass beim

Menschen bisher unbekannte Nebenwirkungen auftreten können.

In einem Ames-Test gab es keinen Hinweis auf mutagenes Potential. Langzeitstudien zum

karzinogenen Potential wurden nicht durchgeführt.

Studien zur Embryotoxizität nach subkutaner Gabe von maximal 10 µg/kg Desmopressin an den

Tagen 6-18 post conceptionem an Kaninchen ergaben in der hohen Dosisgruppe einen höheren

Postimplantationsverlust von 10,6% im Vergleich zu Kontrollen (1,2%) und eine geringere Anzahl

lebender Feten. Teratogene Effekte wurden nicht beobachtet.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf der Packung mit „Exp“ bezeichneten Datum verwendet

werden.

Minirin Nasaltropfen: Nach Anbruch sind die Nasaltropfen 2 Monate bei 2°C - 8°C haltbar. Für

Säuglinge verdünnte Minirin Nasaltropfen müssen sofort verwendet werden, Reste müssen

verworfen werden.

Minirin Nasalspray: Nach Anbruch ist der Nasalspray 2 Monate bei max. 25°C haltbar.

Minirin Injektionslösung: Die Injektionslösung enthält kein Konservierungsmittel. Aus

mikrobiologischen Gründen ist die gebrauchsfertige Injektionslösung unmittelbar nach Anbruch zu

verwenden. Restmengen sind zu verwerfen.

Besondere Lagerungshinweise

Ausser Reichweite von Kindern aufbewahren.

Minirin Injektionslösung: Im Kühlschrank (2–8°C) in der Originalverpackung vor Licht geschützt

lagern. Nicht einfrieren.

Minirin Nasaltropfen: Im Kühlschrank (2–8°C) in der Originalverpackung vor Licht geschützt

lagern. Nicht einfrieren.

Minirin Nasalspray: Bei Raumtemperatur (15–25°C) in der Originalverpackung vor Licht geschützt

lagern. Nicht einfrieren.

Minirin Tabletten: Nicht über 25°C in der Originalverpackung vor Licht und Feuchtigkeit geschützt

lagern.

Minirin Melt, Sublingualtabletten: Bei Raumtemperatur (15–25°C) in der Originalverpackung vor

Licht und Feuchtigkeit geschützt lagern.

Hinweise für die Handhabung

Minirin Injektionslösung:

Das Volumen einer Ampulle erlaubt die Entnahme und Verabreichung einer Dosis bis zu 1.0 ml (4

µg) Injektionslösung.

Minirin Melt Sublingualtabletten:

Gebrauchsanweisung zum Öffnen der Blister:

1.Blisterstreifen am markierten Ende öffnen.

2.Den ersten Blister entlang der perforierten Linie abtrennen.

Die nicht versiegelte Ecke jedes einzelnen Blisters ist mit einem Pfeil markiert und mit einer kleinen

dreieckigen Schutzkappe versehen. Die Schutzkappe entfernen und die Abdeckung des Blisters

anheben und entfernen. Die Tablette kann nun entnommen werden.

3.Zur Entnahme der übrigen Tabletten folgen Sie Punkt 2.

4.Falls die Blister-Abdeckung reisst, können die Ränder entlang der perforierten Linie mit einer

Schere abgeschnitten werden.

Falls eine Tablette auseinander bricht, können die einzelnen Teile eingenommen werden. Falls eine

Tablette in mehr als 3 Teile zerbricht, werden die Teile im Blister belassen und weggeworfen.

Gebrauchsanweisung zur korrekten Anwendung von Minirin Nasaltropfen:

1. Plastikband am Flaschenhals aufreissen und braune Plastik-Kappe entfernen.

2. Den geriffelten Spitzenverschluss der Tropfflasche abdrehen und als späteren Verschluss behalten.

3. Umfassen Sie das mit einem Pfeil markierte Ende der Rhinyle® (Plastikröhrchen) mit einer Hand

und mit den Fingern der anderen Hand den zylindrischen Kunststoff-Verschluss der Tropfflasche.

Setzen Sie die Spitze der nach unten gerichteten Tropfflasche an das markierte Ende der Rhinyle und

drücken Sie vorsichtig auf den Kunststoffverschluss, bis die Lösung die gewünschte Markierung

erreicht.

Bei der Entnahme einer Einzeldosis sollte darauf geachtet werden, dass beim Absetzen der Rhinyle

vom zylindrischen Kunststoffverschluss der Druck auf den Verschluss erhalten bleibt bis die Rhinyle

abgenommen wurde. Ansonsten kommt es aufgrund des entstandenen Unterdrucks zum Rücksaugen

der Lösung in die Flasche.

4. Ein Ende der Rhinyle ca. 2 cm in die Nase einführen und das andere in den Mund nehmen. Kurz

den Atem anhalten und den Kopf nach hinten neigen. Mittels eines kurzen, kräftigen Luftstosses

durch die Rhinyle wird die Lösung auf die Nasenschleimhaut gebracht.

5. Um die Flasche zu verschliessen, wird der geriffelte Spitzenverschluss umgekehrt aufgesetzt. Die

Rhinyle wird mit Wasser gründlich ausgewaschen und anschliessend ausgeschüttelt, bis kein Wasser

mehr darin enthalten ist. Danach ist die Rhinyle für die nächste Anwendung bereit.

Gebrauchsanweisung zur korrekten Anwendung von Minirin Nasalspray:

1.Schutzkappe entfernen.

2.Die Sprayflasche aufrecht halten. Vor dem erstmaligen Gebrauch oder wenn die Sprayflasche 1

Woche und länger nicht benutzt wurde: Pumpventil drücken (ca. 4x), bis die Pumpe einen

gleichmässigen Sprühnebel abgibt. Darauf achten, dass das Ende des Schläuchleins in der

Sprayflasche immer in Flüssigkeit eingetaucht bleibt.

3.Den Kopf leicht nach hinten neigen und die Sprühdüse an ein Nasenloch führen (Sprühdüse nicht

zu tief in die Nase einführen). Die Atmung anhalten und das Pumpventil einmal drücken.

4.Beträgt die verschriebene Dosis 2 Sprühstösse, ist der Vorgang beim zweiten Nasenloch gemäss

Punkt 3 zu wiederholen. Beträgt die verschriebene Dosis mehr als 2 Sprühstösse, muss ca. 5 Min.

gewartet werden, bis das erste Nasenloch erneut besprüht werden kann.

5.Schutzkappe aufsetzen. Sprayflasche stehend aufbewahren.

Zulassungsnummer

38088, 43585, 48069, 49002, 57151 (Swissmedic).

Packungen

Minirin Injektionslösung: 4 µg Amp, 10 × 1 ml. B

Minirin Nasaltropfen: 0,1 mg/ml, 2,5 ml*. B

Minirin Tabletten: 0,1 mg, 30*. B

Minirin Tabletten: 0,1 mg, 90*. B

Minirin Tabletten: 0,2 mg, 30*. B

Minirin Tabletten: 0,2 mg, 90*. B

Minirin Nasalspray: 6 ml*. B

Minirin Nasalspray: 3 × 6 ml*. B

Minirin Melt Sublingualtabletten: 60 µg, 30*. B

Minirin Melt Sublingualtabletten: 60 µg, 100*. B

Minirin Melt Sublingualtabletten: 120 µg, 30*. B

Minirin Melt Sublingualtabletten: 120 µg, 100*. B

Zulassungsinhaberin

Ferring AG, 6340 Baar

Stand der Information

Dezember 2013

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