Ketamin "Richter"

Hauptinformation

  • Handelsname:
  • Ketamin "Richter" 100 mg/ml - Injektionslösung für Tiere
  • Einheiten im Paket:
  • 10 ml Weißglasflasche Glasart I. (Ph.Eur.), mit Brombutylgummistopfen Typ I (Ph.Eur.) und Aluminiumbördelkappe, Laufzeit: 36 Mon
  • Verschreibungstyp:
  • Arzneimittel zur einmaligen Abgabe auf aerztliche Verschreibung
  • Verwenden für:
  • Tiere
  • Art der Medizin:
  • allopathic Droge

Dokumenten

Lokalisierung

  • Erhältlich in:
  • Ketamin "Richter" 100 mg/ml - Injektionslösung für Tiere
    Österreich
  • Sprache:
  • Deutsch

Therapeutische Informationen

  • Produktbesonderheiten:
  • Abgabe durch eine (öffentliche) Apotheke

Weitere Informationen

Status

  • Quelle:
  • AGES
  • Zulassungsnummer:
  • 8-00158
  • Berechtigungsdatum:
  • 09-11-1992
  • Letzte Änderung:
  • 10-08-2017

Packungsbeilage

931289_F_GI_12-12-10_Ketamin

[Version 8, 10/2012]

B. PACKUNGSBEILAGE

GEBRAUCHSINFORMATION FÜR

Ketamin „Richter“ 100 mg/ml – Injektionslösung für Tiere

1.

NAME UND ANSCHRIFT DES ZULASSUNGSINHABERS UND, WENN

UNTERSCHIEDLICH, DES HERSTELLERS, DER FÜR DIE CHARGENFREIGABE

VERANTWORTLICH IST

Zulassungsinhaber:

Richter Pharma AG, Feldgasse 19, A-4600 Wels

Für die Chargenfreigabe verantwortlicher Hersteller:

Richter Pharma AG, Durisolstraße 14, A-4600 Wels

2.

BEZEICHNUNG DES TIERARZNEIMITTELS

Ketamin „Richter“ 100 mg/ml – Injektionslösung für Tiere

Ketamin

3.

WIRKSTOFF(E) UND SONSTIGE BESTANDTEILE

1 ml enthält:

Wirkstoff:

Ketamin (als Hydrochlorid)

100 mg

Sonstige Bestandteile:

Benzethoniumchlorid

0,1 mg

Klare, farblose bis nahezu farblose Lösung

4.

ANWENDUNGSGEBIET(E)

Als Monotherapie zur Ruhigstellung und für kleinere chirurgische Eingriffe bei der Katze,

wenn Muskelrelaxation nicht notwendig ist.

Zur Einleitung einer Anästhesie:

a) in Kombination mit Detomidin beim Pferd

b) in Kombination mit Xylazin beim Pferd, Rind, Hund und Katze

c) in Kombination mit Azaperon beim Schwein

d) in Kombination mit Medetomidin bei Hund und Katze

5.

GEGENANZEIGEN

Nicht anwenden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der

sonstigen Bestandteile.

Nicht anwenden bei Tieren mit schwerer kardialer Dekompensation, manifestem Bluthochdruck,

zerebrovaskulären Insulten, bei Nieren- und Leberfunktionsstörungen, sowie bei Eklampsie und

Präeklampsie, Glaukom und bei Anfallsleiden (z.B. Epilepsie).

Nicht empfohlen bei chirurgischen Eingriffen an Larynx, Pharynx, Trachea oder Bronchialbaum, wenn

nicht durch Verabreichung eines Muskelrelaxans für ausreichene Entspannung gesorgt wird

(Intubation obligatorisch).

Nicht zu empfehlen bei Tieren bei denen ein Myelogramm durchgeführt wird.

Das Produkt nicht als Monotherapeutikum anwenden, außer bei der Spezies Katze.

6.

NEBENWIRKUNGEN

Erhöhter Muskeltonus (infolge einer Enthemmung des extrapyramidalen Systems), selten Tachykardie

und Blutdrucksteigerung, Salivation (infolge einer Hirnstammstimulierung).Ohne begleitende

Verabreichung eines Muskelrelaxans können dadurch Zuckungen oder tonisch-klonische Krämpfe

auftreten.

Mögliche Begleiteffekte von Ketamin sind motorische Erregung, offene Augen, Nystagmus

(Augenzittern), Mydriasis (Dilatation der Pupillen) und erhöhte Sensibilität insbesondere auf

akustische Stimuli während der Anästhesie und in der Aufwachphase.

Falls Sie Nebenwirkungen insbesondere solche, die nicht in der Packungsbeilage aufgeführt sind, bei

Ihrem Tier feststellen, teilen Sie diese Ihrem Tierarzt oder Apotheker mit.

7.

ZIELTIERART(EN)

Pferd, Rind, Schwein, Hund, Katze

8.

DOSIERUNG FÜR JEDE TIERART, ART UND DAUER DER ANWENDUNG

Die Wirkung von Ketamin kann große interindividuelle Unterschiede zeigen, daher ist die zu

verabreichende Dosis an das jeweilige Tier anzupassen, abhängig von verschiedenen Faktoren wie

Alter und Zustand des Tieres, sowie der Tiefe und Dauer der erforderlichen Anästhesie.

Wirkungsverlängerungen sind durch wiederholte Gaben einer eventuell reduzierten Initialdosis

möglich.

Die Verabreichung kann intravenös (Pferd, Rind), intramuskulär (Schwein, Hund, Katze) oder bei

Katzen auch subkutan erfolgen.

Bei adulten Nutztieren wird die intravenöse Verabreichung empfohlen.

Bei Kombinationsanästhesie: Vor der Anwendung von Ketamin ist für eine ausreichende Sedierung zu

sorgen.

PFERD:

Für eine ausreichende anästhetische Wirkung ist eine Prämedikation mit einem Sedativum

erforderlich.

Zur Einleitung einer Anästhesie:

mit Detomidin:

Detomidin 20 µg/kg i.v.,

nach 5 Minuten

Ketamin 2,2 mg/kg schnell i.v. (2,2 ml/100 kg)

Die Wirkung erfolgt graduell und es dauert ungefähr 1 Minute, bis sich das Tier niederlegt. Die

Wirkdauer beträgt ca. 10 - 15 Minuten.

mit Xylazin:

Xylazin 1,1 mg/kg i.v.,

gefolgt von

Ketamin 2,2 mg/kg i.v. (2,2 ml/100 kg)

Der Wirkungseintritt erfolgt graduell und dauert ungefähr 1 Minute. Die Wirkdauer ist variabel und

beträgt 10-30 Minuten, aber für gewöhnlich weniger als 20 Minuten.

Nach der Verabreichung legt sich das Tier spontan ohne weitere Hilfe nieder. Ist auch eine

ausgeprägte Muskelrelaxation erforderlich, können dem liegenden Tier Muskelrelaxantien verabreicht

werden, bis erste Anzeichen einer ausreichenden Relaxation auftreten.

RIND:

Eine sedative Prämedikation wird empfohlen, um unkontrolliertes Niederlegen oder Exzitationen zu

vermeiden bzw. um die Anästhesie zu vertiefen. Sauerstoff kann über einen Nasenkatheter verabreicht

werden, um einer durch Seiten- oder Rückenlage möglichen Hypoxie vorzubeugen.

Zur Einleitung einer Anästhesie:

mit Xylazin:

Xylazin 0,14 - 0,22 mg/kg i.v./i.m.,

gefolgt von

Ketamin 2 - 5 mg/kg i.v. (2 - 5 ml/100 kg)

Der Wirkeintritt beginnt nach ca. 1 Minute, die Wirkdauer der Anästhesie beträgt ungefähr 30

Minuten.

Wenn Xylazin i.v. verabreicht wird, ist die niedrigere Xylazin-Dosierung anzuwenden.

SCHWEIN:

Zur Einleitung einer Anästhesie:

mit Azaperon:

Ketamin 15 - 20 mg/kg i.m. (1,5 - 2 ml/10 kg)

und 2 mg/kg Azaperon i.m.

Bei 4 – 5 Monate alten Schweinen erfolgte der Wirkeintritt nach einer Dosis von 2 mg/kg Azaperon

und 20 mg/kg Ketamin i.m. nach 29 Minuten und die Wirkdauer betrug 27 Minuten.

HUND:

Beim Hund kann Ketamin nicht als Monotherapeutikum verwendet werden, da es zu einem erhöhten

Muskeltonus und zu unkoordinierten Muskelkontraktionen führt.

Zur Einleitung einer Anästhesie:

mit Medetomidin:

Medetomidin 40 µg/kg i.m.

gefolgt von

Ketamin 5 – 7,5 mg/kg IM (0,5 – 0,75 ml/10 kg)

Die Wirkdauer variiert dosisabhängig und beträgt zwischen 30 und 50 Minuten.

mit Xylazin:

Xylazin 2 mg/kg i.m.

nach 10 Minuten

Ketamin 10 mg/kg i.m. (1 ml/10 kg).

Bei Hunden die mehr als 25 kg wiegen, ist die Xylazindosis auf 1,3 mg/kg zu reduzieren.

Die Wirkung tritt gewöhnlich innerhalb von 10 Minuten ein, die Wirkdauer beträgt ungefähr 30

Minuten.

KATZE:

Monoanwendung von Ketamin ist möglich, eine Kombinationsanwendung ist aber zur Vermeidung

unerwünschter psychomotorischer Effekte empfehlenswert.

Zur Monoanwendung:

11 mg/kg Ketamin i.m. zur Ruhigstellung,

22 - 33 mg/kg Ketamin i.m. für kleinere Eingriffe und zur Ruhigstellung von widerspenstigen Katzen.

Der Wirkeintritt erfolgt gewöhnlich innerhalb von 5 Minuten nach Ketamin Verabreichung. Die

Wirkdauer beträgt ungefähr 30 - 45 Minuten.

Zur Einleitung einer Anästhesie (Dauer weniger als eine Stunde):

mit Medetomidin

Medetomidin 80 µg/kg i.m.

gefolgt von

Ketamin 5 – 7,5 mg/kg i.m. (0,25 – 0,4 ml/5 kg)

Die Wirkung tritt nach ungefähr 3 - 4 Minuten ein, die Wirkdauer variiert zwischen 30 - 60 Minuten

und ist dosisabhängig.

mit Xylazin

Xylazin 1 - 2 mg/kg i.m./s.c. und

Ketamin 10 - 20 mg/kg i.m./s.c. (0,5 - 1 ml/5 kg)

Wenn die Höchstdosis von Ketamin verwendet wird (20 mg/kg) dann muss von Xylazin die niedrigste

Dosis verwendet werden (1 mg/kg).

Die Wirkung tritt üblicherweise innerhalb von 5 Minuten nach der Anwendung von Ketamin ein und

die Wirkdauer beträgt mindestens 30 Minuten.

Aufgrund der kleinen Volumina wird zur korrekten Dosisbemessung eine Insulinspritze empfohlen.

Der Gummistopfen kann bis zu 25 Mal sicher durchstochen werden.

9.

HINWEISE FÜR DIE RICHTIGE ANWENDUNG

Bei Kombination mit anderen Produkten sollten alle Warnhinweise und Kontraindikationen der

entsprechenden Fachinformation aufmerksam gelesen und beachtet werden.

Präoperative Vorbereitung:

Wie bei allen Narkosemitteln darf auch vor einer Ketamin-Narkose 12 Stunden keine

Nahrungsaufnahme mehr erfolgt sein.

Zeitraum der Narkose:

Die Augen bleiben unter Ketamin-Wirkung geöffnet, weshalb bei längerer Narkosedauer Vorsorge

gegen Austrocknung (durch Verwendung geeigneter Salben) getroffen werden sollte.

Aufwachphase:

Prämedikation und Aufwachphase sollten in ruhiger Umgebung stattfinden. Die Aufwachphase ist für

gewöhnlich nach 2 Stunden beendet, kann aber gelegentlich auch länger dauern. Bei Hunden können

in seltenen Fällen psychomotorische Erregungszustände begleitet von Heulen auftreten.

10.

WARTEZEIT

Pferd und Rind:

Essbare Gewebe:

Null Tage.

Milch:

Null Stunden.

Schwein:

Essbare Gewebe:

Null Tage.

11.

BESONDERE LAGERUNGSHINWEISE

Arzneimittel unzugänglich für Kinder aufbewahren.

Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Sie dürfen das Tierarzneimittel nach dem auf dem Etikett und dem Karton angegebenen Verfalldatum

nicht mehr anwenden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den letzten Tag des Monats.

Haltbarkeit nach erstmaligem Öffnen/Anbruch des Behältnisses: 28 Tage

Nach dem erstmaligem Öffnen nicht über 25 °C lagern.

12.

BESONDERE WARNHINWEISE

Besondere Warnhinweise für jede Zieltierart:

Für sehr schmerzhafte und größere chirurgische Eingriffe, sowie zur Aufrechterhaltung einer

Anästhesie ist eine Kombination mit Injektions - oder Inhalationsanästhetika notwendig. Da eine für

chirurgische Eingriffe ausreichende Muskelrelaxation mit Ketamin allein nicht erreicht werden kann,

müssen zusätzlich Muskelrelaxantien angewendet werden. Zur Vertiefung der Anästhesie oder

Verlängerung des Effekts kann Ketamin mit Alpha-2 Rezeptor-Agonisten, weiteren Anästhetika,

neuroleptischen Substanzen, Beruhigungsmitteln und Inhalationsanästhetika kombiniert werden.

Die intramuskuläre Verabreichung kann schmerzhaft sein.

Bei subkutaner Anwendung bei der Katze kann die Zeit bis zur vollständigen Wirkung verlängert sein.

Trächtigkeit und Laktation:

Ketamin passiert die Plazentarschranke. In der Peripartalperiode soll Ketamin nicht angewendet

werden.

Nur nach entsprechender Nutzen-Risiko-Bewertung durch den behandelnden Tierarzt anwenden.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und andere Wechselwirkungen:

Neuroleptanalgetika, Tranquilizer und Chloramphenicol potenzieren die Wirkung der Ketamin-

Anästhesie. Barbiturate, Opiate oder Diazepam können die Aufwachphase verlängern. Additive

Effekte können auftreten, daher kann eine Dosisreduktion einer oder beider Wirkstoffe erforderlich

sein. Das Risiko von Arrhythmien ist erhöht, wenn Ketamin gemeinsam mit Thiopental oder Halothan

angewendet wird. Halothan verlängert die Halbwertszeit von Ketamin. Gleichzeitig intravenös

verabreichte Spasmolytika können einen Kollaps provozieren.

Theophyllin kann in Kombination mit Ketamin zu erhöhter Anfallshäufigkeit führen.

Detomidin kann in Kombination mit Ketamin die Aufwachphase verlängern.

Überdosierung (Symptome, Notfallmaßnahmen, Gegenmittel):

Bei Überdosierung können Herzarrythmien und Atemdepression bis zur Paralyse auftreten. Wenn

notwendig,

sind

künstliche

Beatmung

Herzdruckmassage

anzuwenden,

solange

eine

ausreichende

Detoxifikation

stattgefunden

hat.

Pharmakologische

Herzstimulanzien

sind

nicht

empfehlenswert, außer wenn keine anderen Hilfsmaßnahmen verfügbar sind.

Inkompatibilitäten:

Da keine Kompatibilitätsstudien durchgeführt wurden, darf dieses Tierarzneimittel nicht mit anderen

Tierarzneimitteln gemischt werden.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für den Anwender:

Ketamin ist ein potentes Arzneimittel - aus diesem Grund sollte besondere Vorsicht aufgewendet

werden, um versehentliche Selbstinjektion zu vermeiden.

Bei versehentlicher Selbstinjektion ist unverzüglich ein Arzt zu Rate zu ziehen und die

Packungsbeilage oder das Etikett vorzuzeigen.

Nehmen Sie kein Fahrzeug in Betrieb.

Spritzer auf die Haut und in die Augen sind unverzüglich abzuwaschen.

Für den Arzt:

Lassen Sie den Patienten nicht unbeaufsichtigt. Die Atemwege müssen freigehalten und

symptomatische und unterstützende Maßnahmen eingeleitet werden.

13.

BESONDERE VORSICHTSMASSNAHMEN FÜR DIE ENTSORGUNG VON NICHT

VERWENDETEM ARZNEIMITTEL ODER VON ABFALLMATERIALIEN, SOFERN

ERFORDERLICH

Nicht verwendete Tierarzneimittel oder davon stammende Abfallmaterialien sind entsprechend den

nationalen Vorschriften zu entsorgen.

14.

GENEHMIGUNGSDATUM DER PACKUNGSBEILAGE

Monat JJJJ

15.

WEITERE ANGABEN

Z. Nr.: 8-00158

Packungsgrößen:

10 ml, 50 ml

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in Verkehr gebracht.

Falls weitere Informationen über das Tierarzneimittel gewünscht werden, setzen Sie sich bitte mit dem

Zulassungsinhaber in Verbindung.