Distickstoffoxyd medizinal Carbagas

Hauptinformation

  • Handelsname:
  • Distickstoffoxyd medizinal Carbagas Inhalationsgas
  • Darreichungsform:
  • Inhalationsgas
  • Zusammensetzung:
  • dinitrogenii oxidum 100 %, gasum inhalationis.
  • Verwenden für:
  • Menschen
  • Art der Medizin:
  • Biologische Medizin

Dokumenten

  • für die Allgemeinheit:
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Lokalisierung

  • Erhältlich in:
  • Distickstoffoxyd medizinal Carbagas Inhalationsgas
    Schweiz
  • Sprache:
  • Deutsch

Therapeutische Informationen

  • Therapiegruppe:
  • Synthetika
  • Therapiebereich:
  • Anästhetikum / Analgetikum / Sedativum

Weitere Informationen

Status

  • Quelle:
  • Swissmedic - Swiss Agency for Therapeutic Products
  • Zulassungsnummer:
  • 56668
  • Berechtigungsdatum:
  • 16-04-2010
  • Letzte Änderung:
  • 25-10-2018

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels

Fachinformation

6-12, 15, 20

Distickstoffoxid medizinal Carbagas

Zusammensetzung

a) Wirkstoff: Distickstoffoxid N2O Ph. Eur. 100 % (verflüssigtes Gas unter 44 bar Druck

bei 15 °C)

b) Hilfsstoffe: keine

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Inhalationsgas.

Bei 15°C enthalten die Gebinde 90% Flüssigkeit und 10% Gas (in Bezug auf das Volumen).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Therapeutische Indikationen

Distickstoffoxid ist indiziert

als Anästhetikum, in Verbindung mit jedem anderen intravenös oder durch Inhalation verabreichten

Anästhetikum,

als Analgetikum/Sedativum in allen Situationen, in denen eine schnell einsetzende und zu beendende

Analgesie / Sedierung erforderlich ist.

Dosierung/Anwendung

Alle Personen, die medizinisches Distickstoffoxid verabreichen, müssen in der Anwendung dieses

medizinischen Gases entsprechend geschult und geübt sein. Bei der Verabreichung von

medizinischem Distickstoffoxid müssen angemessene Geräte zur Freihaltung der Luftwege sowie zu

sofortiger Reanimation bereitstehen.

Distickstoffoxid muss mit Sauerstoff gemischt verabreicht werden. Seine Konzentration muss

zwischen 35% und 70% betragen. Die inspiratorische Sauerstoffkonzentration darf 30% nicht

unterschreiten.

Dosierungen bei Kindern unterscheiden sich nicht von den Dosierungen bei Erwachsenen.

Bei schwangeren Frauen muss die verabreichte Konzentration unter 50% liegen.

Bei Patienten mit gestörter alveolärer Sauerstoffaufnahme (z.B. Emphysem, Lungenödem) muss der

inspiratorische Sauerstoffanteil erhöht werden.

Die Anwendungszeit richtet sich nach der Dauer der Narkose und sollte in der Regel 6 Stunden nicht

überschreiten.

Distickstoffoxid darf nur im Operationssaal und im Behandlungszimmer verabreicht werden.

Für die vorschriftgemässe Verwendung von Distickstoffoxid müssen folgende Anforderungen erfüllt

sein:

- eine Distickstoffoxid/Sauerstoff-Mischbatterie, die einen FiO2-Wert von mindestens 21%

garantiert, einen FiO2-Wert von 100% zulässt und mit einer Rückschlagventilvorrichtung sowie

einem Sauerstoffmangel-Alarmsystem ausgerüstet ist

- ein Monitoring des FiO2-Werts in der Inspirationsluft bei künstlicher Beatmung

Distickstoffoxid ist durch Inhalation, entweder bei spontaner Atmung oder durch kontrollierte

Beatmung zu verabreichen.

Distickstoffoxid darf nur in ausreichend belüfteten Räumen und/oder unter Einsatz einer

Absaugvorrichtung verabreicht werden. Zu hohe Konzentrationen in der Umgebungsluft gemäss den

vor Ort geltenden Bestimmungen müssen dadurch vermieden werden.

Distickstoffoxid besitzt dosisabhängig analgetische und sedative Eigenschaften und beeinträchtigt

dosisabhängig die kognitiven Funktionen.

Es wird in der Regel mit Volumenanteilen von 35% bis 70% in einem Gemisch mit Sauerstoff sowie

gegebenenfalls kombiniert mit anderen Anästhetika eingesetzt.

Distickstoffoxid alleine reicht in der Regel nicht aus, um eine ausreichende Anästhesie zu erzeugen.

Soll es zur Anästhesie verwendet werden, ist es daher kombiniert mit einer angemessenen Dosis

eines anderen Anästhetikums zu verabreichen. Distickstoffoxid wirkt additiv zu den meisten anderen

Anästhetika.

Die Wirkungen von Distickstoffoxid sind im Wesentlichen nicht altersabhängig. Die

Wechselwirkung mit anderen Anästhetika ist jedoch je nach Alter unterschiedlich und bei höherem

Lebensalter relativ stärker ausgeprägt.

Distickstoffoxid darf nicht mit höheren Konzentrationen als 70% und somit garantiertem sicherem

Sauerstoffanteil verabreicht werden. Bei Patienten mit beeinträchtigter Sauerstoffversorgung ist ein

sicherer Sauerstoffanteil zu verabreichen. Distickstoffoxid führt bei eingeatmeten Konzentrationen

bis zu 50 bis 60% zu Analgesie / Sedierung / Anxiolyse, beeinträchtigt jedoch in der Regel weder das

Bewusstsein noch die Ansprechbarkeit. Bei diesen Konzentrationen bleiben Atmung, Kreislauf und

Schutzreflexe in der Regel sicher erhalten.

Kontraindikationen

Distickstoffoxid darf nicht verabreicht werden:

·in Situationen und bei Erkrankungen/Symptomen, bei denen ein Risiko der Luftansammlung in

Hohlräumen besteht und seine Ausbreitung eine Gefahr darstellen könnte; dazu gehören:

- Pneumothorax

- Gasembolie

- nach Tauchgängen

- Dekompressionsunfälle (siehe «Vorsichtsmassnahmen für die Anwendung»)

- nach einer Pneumoenzephalographie

- nach einem kardiopulmonalen Bypass mit Herz-Lungen-Maschine

- bei ernsten Schädeltraumata, bei der Sinus- oder Mittelohrchirurgie

- bei der Innenohrchirurgie

- im Falle einer vorausgehenden Lufteinspritzung zur korrekten Positionierung des Katheters bei der

Periduralanästhesie

·bei Patienten, die vor Kurzem eine intraokuläre Gasinjektion (z. B. SF6, C3F8, C2F6) erhalten

haben, solange sich eine Gasblase im Auge befindet, jedoch mindestens während eines Zeitraums

von 3 Monaten, da es infolge des erhöhten Augeninnendrucks zu schweren postoperativen

Komplikationen kommen kann (siehe Rubriken 8 und 11)

·bei Patienten mit Anzeichen eines Darmverschlusses (Ileus), da die Gefahr einer weiteren

Ausdehnung des Darms besteht

·bei Patienten mit Herzversagen oder ernsten Funktionsstörungen des Herzens (z. B. nach einer

Herzoperation), da hier die leicht kardiodepressive Wirkung von Distickstoffoxid zu einer weiteren

Verschlechterung der Herzfunktion führen kann

·bei Patienten mit eingeschränktem Bewusstsein und/oder verringerter Fähigkeit zur Kooperation

beim Einsatz als Analgetikum, da Schutzreflexe fehlen könnten

·bei Patienten, die eine Beatmung mit 100 % Sauerstoff benötigen

·in der Analgesie; Bewusstseinsstörungen jeglichen Ursprungs, die die Kooperation des Patienten

einschränken

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Distickstoffoxid darf nicht mit einer Sauerstoffkonzentration von unter 21 % verwendet werden.

Die Verabreichung von Distickstoffoxid kann den Druck in den kleinen Ballonen der trachealen

Intubationskatheter erhöhen.

Die Einführung von Distickstoffoxid in den Kreislauf der Atemluft bewirkt eine Erhöhung der

Konzentration der halogenierten Anästhetika (Second-Gas-Effect) und erleichtert somit die

Einleitung der Anästhesie.

Die Einführung von Distickstoffoxid in den Kreislauf verringert die Verdampfungsrate der

halogenierten Anästhetika durch den Verdampfer. Entsprechend steigt beim Abbrechen der

Distickstoffoxidzufuhr die Konzentration der halogenierten Anästhetika. Es empfiehlt sich deshalb,

die Verabreichung des flüchtigen halogenierten Anästhetikums vor der Distickstoffoxidzufuhr zu

unterbrechen.

In der Anästhesie tritt in den Minuten nach dem Abbrechen der Distickstoffoxidzufuhr eine

Diffusionshypoxie ein. Aus diesem Grund ist der FiO2-Wert in der vom Patienten inhalierten Luft

während einigen Minuten durch die Zufuhr von 100 % Sauerstoff zu erhöhen.

Tritt während einer Anästhesie mit einem Gerät zur Distickstoffoxid-/Sauerstoff-Versorgung eine

Zyanose auf, muss in einem ersten Schritt zwingend die Distickstoffoxidzufuhr unterbrochen und,

falls die Zyanose nicht sehr schnell abklingt, der Patient mit einem Beatmungsbeutel mit Raumluft

von Hand beatmet werden.

Distickstoffoxid beeinträchtigt den Vitamin-B12- und Folatmetabolismus. Die Anwendung von

Distickstoffoxid führt zur Inaktivierung von Vitamin B12, was den Folatstoffwechsel beeinträchtigt.

Länger andauernde Verabreichung von Distickstoffoxid beeinträchtigt die DNA-Synthese. Diese

Störungen führen zu megaloblastischen Veränderungen des Knochenmarks und möglicherweise zu

Myeloneuropathie und subakuter kombinierter Degeneration des Rückenmarks.

Bei Patienten mit einem Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel (Alkoholiker, Patienten, die an

Anämie oder atrophischer Gastritis leiden, mangelernährte Patienten, Patienten, die zuvor

Arzneimittel verabreicht bekommen haben, die sich auf den Vitamin-B12- und/oder

Folatstoffwechsel auswirken) wird empfohlen, den Vitamin-B12-Spiegel vor der Verabreichung von

Distickstoffoxid zu messen (siehe Rubriken 8 und 11).

Bei wiederholter und dauerhafter Anwendung wird empfohlen, dem Patienten Vitamin-B12-

Präparate zu verabreichen.

In der Anästhesie darf medizinisches Distickstoffoxid bei Patienten, die eine intraokuläre Injektion

erhalten haben, nur mit Vorsicht eingesetzt werden. Es ist sicherzustellen, dass diese ausreichend

lange zurückliegt, da die Gefahr besteht, dass Sehstörungen auftreten.

Bei chirurgischen Eingriffen in den Luftwegen mithilfe eines Lasers darf Distickstoffoxid aufgrund

des relativen Risikos explosiver Entzündungen nicht eingesetzt werden.

In folgenden Fällen ist bei der Verwendung von Distickstoffoxid besondere Vorsicht geboten:

·Herzinsuffizienz: Tritt bei der Distickstoffoxid-Verabreichung an einen herzinsuffizienten Patienten

eine Hypotonie oder eine Kreislaufinsuffizienz auf, ist die Distickstoffoxidzufuhr zu unterbrechen.

·Sinus- und Innenohrchirurgie. Im Falle einer Verstopfung der eustachischen Röhre können infolge

der Druckschwankungen in der Paukenhöhle eine Otalgie und/oder Mittelohrerkrankungen und/oder

Trommelfellrisse auftreten (siehe Rubrik 11).

·Bei Patienten mit intrakraniellen Störungen wurde bei der Verabreichung von Distickstoffoxid eine

Erhöhung des intrakraniellen Drucks festgestellt. Bei Patienten, bei denen eine intrakranielle

Hypertension diagnostiziert wurde und/oder bei denen ein entsprechendes Risiko besteht, wird eine

intensivere Überwachung des intrakraniellen Drucks empfohlen.

Es ist dafür zu sorgen, dass die Distickstoffoxidkonzentration im Arbeitsbereich so gering wie

möglich und im Rahmen der lokalen Bestimmungen gehalten wird.

Räume, in denen Distickstoffoxid häufig eingesetzt wird, müssen über ein ordnungsgemässes System

zur Lufterneuerung und Belüftung oder ein Absaugsystem verfügen, das die

Distickstoffoxidkonzentration in der Umgebungsluft unterhalb der von den jeweils gültigen

nationalen Richtlinien festgehaltenen Werten hält (zeitbezogene Durchschnittskonzentration, auf

Englisch «Time Weighted Average» oder TWA).

Distickstoffoxid muss in speziell hierfür vorgesehenen Räumen verabreicht werden: Diese müssen

über eine Sauerstoffversorgung sowie ein Absaugsystem verfügen, und es müssen Geräte für die

künstliche Beatmung vorhanden sein. Es müssen Mitarbeiter anwesend sein, die in

Notfallmassnahmen geschult sind.

Es besteht das Risiko von Missbrauch, unsachgemässem und illegalem Gebrauch: Aufgrund seiner

euphorisierenden Wirkung (siehe Rubrik 11) kann Distickstoffoxid zu Vergnügungszwecken

missbraucht werden.

Medizinisches Distickstoffoxid kann in hohen Konzentrationen (> 50 %) zum Verlust der

laryngealen Reflexe und zu Bewusstseinseinschränkungen führen. Bei Konzentrationen über 60 bis

70 % verursacht es oft Bewusstlosigkeit. Zudem steigt das Risiko der Beeinträchtigung der

laryngealen Reflexe.

Nach einer Allgemeinanästhesie durch einen hohen Anteil Distickstoffoxid besteht das bekannte

klinische Risiko einer Hypoxämie (Diffusionshypoxämie). Dieses Problem ist neben der

Gaszusammensetzung in den Alveolen auch auf die beeinträchtigten Körperreaktionen auf Hypoxie,

Hyperkapnie und Hyperventilation zurückzuführen. Nach einer Allgemeinanästhesie empfiehlt es

sich, zusätzlich Sauerstoff zuzuführen und die Sauerstoffsättigung pulsoximetrisch zu überwachen,

bis der Patient ausreichende Zeichen einer Erholung zeigt.

In der Analgesie ist die Selbstverabreichung zu bevorzugen, um den Bewusstseinszustand

einschätzen zu können.

In der Analgesie besteht bei Patienten, die sedierende Medikamente für das Zentralnervensystem,

insbesondere Morphinderivate und Benzodiazepine, einnehmen, ein erhöhtes Risiko für die

Potenzierung der Sedierungstiefe. In diesen Fällen ist eine intensivere Überwachung erforderlich

(siehe Rubrik 8).

Pädiatrische Bevölkerungsgruppe:

In seltenen Fällen kann Distickstoffoxid Atemdepression bei Neugeborenen verursachen (siehe

Rubrik 11). Wenn Distickstoffoxid bei Entbindungen eingesetzt wird, muss das Neugeborene auf

jede mögliche Atemdepression hin überwacht werden.

Interaktionen

Kombinationen, die berücksichtigt werden müssen

Distickstoffoxid verstärkt die hypnotische Wirkung von sedierenden Medikamenten für das

Zentralnervensystem (Thiopental, Benzodiazepine, morphinhaltige halogenierte Anästhetika und

andere psychotrope Wirkstoffe), so dass deren Dosierung reduziert werden kann.

Die myokardiale Kontraktilität kann bei einer Kombination von Distickstoffoxid mit Opiaten negativ

beeinflusst werden.

Naloxon schwächt die analgetische Wirkung von Distickstoffoxid ab.

Distickstoffoxid verstärkt unerwünschte Wirkungen von Methotrexat.

Bei einer Kombination von Distickstoffoxid mit anderen Inhalationsanästhetika kommt es zu einer

erhöhten Aufnahme der anderen Gase (Second-Gas-Effect).

Distickstoffoxid bewirkt die Senkung der MAC-Werte anderer Inhalationsanästhetika.

Arzneimittel, die sich auf den Vitamin-B12- und/oder Folatstoffwechsel auswirken, können die

durch Distickstoffoxid hervorgerufene Inaktivierung von Vitamin B12 potenzieren (siehe Rubriken 6

und 11).

Kontraindizierte Kombinationen

Bei der Interaktion zwischen Distickstoffoxid und unvollständig resorbiertem ophthalmologischem

Gas (SF6, C3F8, C2F6) können schwerwiegende postoperative Komplikationen infolge des

steigenden intraokularen Augendrucks auftreten (siehe Rubriken 6 und 11).

Schwangerschaft, Stillzeit

Schwangerschaft:

Bei der Untersuchung von umfangreichen Datenmengen, die bei schwangeren Frauen erhoben

wurden, denen einmalig Distickstoffoxid im ersten Schwangerschaftsdrittel verabreicht wurde (mehr

als 1000 Fälle) konnten keine verursachten Fehlbildungen festgestellt werden.

Darüber hinaus wurde in Fällen von fetaler und neonataler Toxizität kein Zusammenhang mit der

Verabreichung von Distickstoffoxid während der Schwangerschaft hergestellt.

Angesichts dessen kann Distickstoffoxid im Falle von medizinischem Bedarf bei Schwangeren

eingesetzt werden.

Beim Einsatz von Distickstoffoxid in der Geburtshilfe ist bei Neugeborenen auf hypoxische

Zustände zu achten. Bei Frühgeborenen kann das Auftreten von Hirnblutungen durch

Distickstoffoxid zusätzlich erhöht sein. Diese Kinder sind daher besonders sorgfältig zu überwachen.

Bei schwangeren Frauen, die im Rahmen ihrer Berufsausübung aufgrund mangelnder Vorrichtungen

zur Rückführung der verbrauchten Gase bzw. geeigneter Lüftungssysteme regelmässig

Distickstoffmonoxid einatmen, wurde eine erhöhte Rate von Fehlgeburten und fötalen Fehlbildungen

festgestellt. Diese Befunde sind jedoch aufgrund der eingesetzten Untersuchungsmethoden und

Expositionsbedingungen strittig. Zudem wurden bei nachfolgenden Studien, bei denen eine

Vorrichtung zur Rückführung der verbrauchten Gase bzw. ein geeignetes Lüftungssystem vorhanden

waren (Rubrik 7 bezüglich der Belüftung der Räumlichkeiten), keine Risiken festgestellt.

Fruchtbarkeit:

Es liegen keine einschlägigen Daten bezüglich der Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit beim

Menschen vor.

Stillzeit:

Es liegen keine Daten vor, die das Vorhandensein von Distickstoffoxid in der Muttermilch

nachweisen. Eine Stillunterbrechung nach einem kurzen Verabreichungszeitraum ist jedoch aufgrund

der kurzen Halbwertzeit des Distickstoffmonoxids nicht notwendig.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Nach dem Ende der Verabreichung von Distickstoffoxid, und insbesondere wenn dieses längere Zeit

verabreicht wurde, müssen ambulante Patienten, die ein Fahrzeug lenken oder Maschinen bedienen

müssen, solange überwacht werden, bis sie wieder denselben Aufmerksamkeitszustand erreicht

haben, den sie vor der Verabreichung hatten.

Unerwünschte Wirkungen

Das Distickstoffoxid breitet sich schneller in allen luftgefüllten Körperhöhlen aus, als der Stickstoff

entweichen kann. Dadurch kann die Anwendung von Distickstoffoxid zur Erweiterung von

geschlossenen gasgefüllten Hohlräumen führen.

Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10):

Magen-Darm-Erkrankungen: Übelkeit, Erbrechen.

Selten (≥ 1/1,000 bis < 1/100):

Erkrankungen des Nervensystems: Parästhesien, übermässige Sedierung.

Psychische Störungen: Euphorie, Unruhe, Angst, Träume, Halluzinationen.

Unbestimmt (kann auf der Grundlage der verfügbaren Daten nicht eingeschätzt werden):

Erkrankungen des Nervensystems: Schwindelgefühle, Myelopathie, Neuropathie, Kopfschmerzen,

erhöhter intrakranieller Druck.

Erkrankungen des Blut- und Lymphsystems: megaloblastäre Anämie, Panzytopenie (in Fällen von

Prädispositionen festgestellt: Cobalaminmangel, Substanzmissbrauch), Leukopenie, Agranulozytose

(in Fällen von längeren Expositionen und hohen Dosierungen bei Tetanus-Behandlungen in den 50er

Jahren festgestellt).

Psychiatrische Störungen: Desorientierung.

Augenkrankheiten: schwere Augenverletzungen (durch die Ausbreitung eines intraokularen Gases,

siehe Rubriken 6 und 8).

Erkrankungen der Ohren und des Innenohrs: Otalgie, Mittelohrerkrankung, Trommelfellriss (bei

Undurchlässigkeit der eustachischen Röhre, siehe Rubrik 4.4).

Lungen-, Brust- und Lungenfellerkrankungen: Atemdepression (bei Neugeborenen, wenn

Distickstoffmonoxid bei der Entbindung eingesetzt wurde, siehe Rubrik 7).

Überdosierung

In der Analgesie kann die Überdosierung zu verstärkter Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Zyanose

und tödlichem Sauerstoffmangel führen.

In diesen Fällen muss die Behandlung sofort unterbrochen und es müssen angemessene Massnahmen

getroffen werden.

In der Anästhesie können bei einer Überdosierung folgende Symptome auftreten: Hypoxie,

Kreislaufdepression, Agitation oder Somnolenz und sogar Bewusstlosigkeit.

Der Patient ist mit reinem Sauerstoff kontrolliert zu beatmen; gegebenenfalls sind

kreislaufunterstützende Massnahmen erforderlich.

Ein spezielles Antidot existiert nicht.

Eigenschaften/Wirkungen

·ATC-Code: N01AX13

Distickstoffoxid ist ein farbloses Gas mit schwach süsslichem Geruch, das brandfördernd wirkt und

schwerer ist als Luft.

·Pharmakodynamik

Distickstoffoxid hat eine dosisabhängige dämpfende Wirkung auf das Zentralnervensystem.

Es wirkt schwach anästhetisch, so dass es für die Anästhesie in Kombination mit anderen flüchtigen

oder intravenös verabreichten Anästhetika verwendet werden muss. Aufgrund seiner geringen

Löslichkeit in Blut und Fett weist es einen schwachen anästhetischen Effekt, einen raschen

Wirkungseintritt sowie eine rasche Eliminierung beim Abbrechen der Verabreichung auf.

Seine analgetische Wirkung tritt bereits bei geringer Dosis auf (tiefe Konzentration). Sie beruht auf

der Heraufsetzung der Schmerzschwelle. Es dämpft die synaptische Übermittlung der nozizeptiven

Botschaften und aktiviert das sympathische Nervensystem, dessen noradrenergen Neuronen bei der

Schmerzempfindung eine Rolle spielen.

Es wirkt gering amnestisch. Seine muskelentspannende Wirkung ist sehr schwach.

Auf Ebene der Atmung wird eine Erhöhung des Rhythmus mit Abnahme des Atemzugvolumens

ohne Hyperkapnie beobachtet.

Auf Ebene des Herzens wird eine Myokarddepression beobachtet, die es bei Linksherzinsuffizienz zu

berücksichtigen gilt.

Es tritt eine mässige Herabsetzung der Kontraktilität auf, mit geringem Effekt auf die

Linksherzbelastung. Die mässige Kreislaufdämpfung wird durch die Erhöhung des sympathischen

Tonus grösstenteils kompensiert.

Die Wirkung von Distickstoffoxid auf die Wahrnehmung und die kognitiven Funktionen setzt bei

etwa 15 Volumen-% ein und ist klar von der Dosierung abhängig. Bei Konzentrationen über 60 bis

70 Volumen-% ist der Patient nicht mehr ansprechbar. Bei end-expiratorischen Konzentrationen von

etwa 20 Volumen-% zeigen sich dosisabhängige analgetische Eigenschaften.

Es gibt deutliche Hinweise, dass sich Distickstoffoxid direkt oder indirekt auf eine Reihe von

Neurotransmittersystemen des Gehirns und des Rückenmarks auswirkt. Einer der zentraleren

Wirkungsmechanismen könnte die Interaktion mit den endogenen OpioidRezeptorsystemen des

Zentralnervensystems sein. Darüber hinaus gibt es Erkenntnisse, die die Theorie stützen, dass

Distickstoffoxid die Freisetzung von Norepinephrin auf Ebene des Dorsalhorns des Rückenmarks

fördert und einige seiner anti-anxiozeptiven Wirkungen durch spinale Inhibition entstehen. Obwohl

also der Wirkungsmechanismus von Distickstoffoxid noch nicht vollständig geklärt ist, gibt es immer

deutlichere Hinweise auf eine Wechselwirkung mit einer Reihe von Neurotransmittern.

Pharmakokinetik

Distickstoffoxid wird schnell über die Lunge resorbiert. Aufgrund seiner hohen Diffusion und

geringen Löslichkeit erreicht die alveoläre Konzentration in weniger als 5 Minuten annährend die

inhalierte Konzentration.

Seine Verteilung erfolgt einzig in gelöster Form im Blut. In den stark durchbluteten Geweben,

insbesondere im Gehirn, entspricht die Konzentration in weniger als 5 Minuten annähernd der

inhalierten Konzentration.

Es erfährt keine Metabolisierung und wird beim normal belüfteten Patienten innert weniger Minuten

über die Lunge eliminiert.

Präklinische Daten

Bisherige in-vitro-Tests mit Distickstoffoxid zur genetischen Toxikologie zeigten positive und

negative Befunde, in-vivo-Tierstudien dagegen verliefen negativ. Es ist deshalb davon auszugehen,

dass die in-vitro-Befunde für die in-vivo-Situation keine Bedeutung haben und unter den

Bedingungen der sachgemässen klinischen Anwendung kein relevantes genotoxisches Potential für

Distickstoffoxid vorliegt.

Eine 78-Wochen-Studie an Mäusen zur Kanzerogenität von Distickstoffoxid verlief negativ.

Bei Ratten führte in einer Studie die kombinierte Gabe von Distickstoffoxid und Ketamin über 3

Wochen zu einer histologisch nachgewiesenen, weit höheren Neurotoxizität als die Gabe der

jeweiligen Stoffe allein.

In einer Fertilitätsstudie an männlichen Ratten zeigten sämtliche Tiere unter Begasung mit 20 %

Distickstoffoxid nach 14 Tagen reversible Spermatogeneseschädigungen.

In Tierversuchen wurden nach der Verabreichung von Distickstoffoxid Knochen- und

Organfehlbildungen, Wachstumsverzögerungen sowie embryo- und fetoletale Wirkungen

beobachtet.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Keine bekannt.

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «Exp.» bezeichneten Datum verwendet

werden.

Besondere Lagerungshinweise

Im Originalbehältnis aufbewahren. Das Behältnis fest verschlossen halten. Vor Sonneneinstrahlung

und Wärmeeinwirkung schützen. Nur an einem gut belüfteten Ort und nicht über 30 °C lagern.

Ungewolltes Ausströmen von Distickstoffoxid in geschlossenen Räumen erhöht die Brandgefahr; es

gilt Rauch- und Feuerverbot, mögliche Zündquellen sind zu beseitigen. Distickstoffoxid ist schwerer

als Luft; bei hoher Konzentration besteht Erstickungsgefahr.

Druckbehältnis gegen Umfallen sichern. Nicht in Treppenhäusern, Fluren, Durchgängen und

Aufenthalts- bzw. Verbrauchsräumen lagern.

Hinweise für die Handhabung

Um Zwischenfälle zu vermeiden, sind folgende Anweisungen zwingend zu befolgen:

Die Gebinde stets aufrechtstehend aufbewahren, um das Risiko von Flüssigkeitsspritzern zu

vermeiden, die schwere Verbrennungen (Kaltverbrennungen) verursachen. Bei einer Verbrennung

mit viel Wasser spülen.

Es gilt zu beachten, dass der Gasdruck in den Flaschen unabhängig vom Pegel der verbleibenden

Flüssigkeit konstant bleibt (44 bar bei 15 °C) und somit keinen Rückschluss auf die verbleibende

Menge erlaubt. Erst wenn die Flasche nur noch Gas enthält, fällt der Druck rasch ab. Deshalb kann

während des Gebrauchs einzig das Gewicht der Flasche Rückschlüsse auf den verbleibenden Inhalt

zulassen.

Das Material ist vor dem Gebrauch auf seinen einwandfreien Zustand zu prüfen.

Kein Gebinde handhaben, dessen Ventil nicht durch eine Schutzkappe oder -hülle geschützt ist.

Das Material mit sauberen, fettfreien Händen handhaben.

Zum Handhaben der Gebinde von 50 Liter und mehr saubere Arbeitshandschuhe und

Sicherheitsschuhe tragen.

Grössere Gasflaschen müssen mit einem geeigneten Wagen transportiert werden. Insbesondere ist

darauf zu achten, dass sich keine angeschlossenen Geräte versehentlich lösen.

Die Gebinde mit geeignetem Material befestigen (Ketten, Haken oder ähnliches), um sie in

aufrechter Position zu halten und vor dem Umfallen zu schützen.

Ein Gebinde niemals in eine Halterung zwängen, in die es nur schwer hineinpasst.

Das Gebinde nicht am Ventil heben.

Einen spezifischen Anschluss vom Typ G 3/8" rechts verwenden, welcher der Norm SN 219505-9

entspricht.

Einen Druckminderer mit Durchflussmesser verwenden, der einen Druck von mindestens 1,5-mal

den maximalen Betriebsdruck der Flasche zulässt.

Bei den Flaschenbündeln nur Druckminderer verwenden, die mindestens auf 315 bar geeicht sind.

An den Wandanschlüssen Schläuche verwenden, die mit spezifischen Aufsätzen für Distickstoffoxid

medizinal ausgerüstet sind.

Keine Verbindungsstücke verwenden, um zwei Vorrichtungen zu verbinden, die nicht

zusammenpassen.

Ventil langsam öffnen.

Ventil niemals gewaltsam und nicht bis zum Anschlag öffnen.

Ausgangsanschluss der Gebinde vor dem Anschliessen des Druckminderers reinigen, um etwaige

Staubpartikel zu entfernen. Die Schnittstellen zwischen dem Gebinde und dem Druckminderer

sauber halten.

Druckminderer niemals mehrmals nacheinander unter Druck setzen.

Sich niemals vor das Ventil stellen, sondern sich immer auf der dem Druckminderer

entgegengesetzten Seite, hinter dem Gebinde und mit etwas Abstand dazu positionieren. Den

Patienten niemals dem Gasfluss aussetzen.

Vorgängig die Kompatibilität der Materialien prüfen, die in Kontakt mit dem medizinischen

Distickstoffoxid kommen, insbesondere am Druckminderer Anschlussdichtungen verwenden, die für

dieses Gas vorgesehen sind.

Den Zustand der Dichtungen überprüfen.

Nicht rauchen

Keine Flamme in die Nähe bringen

Nicht einfetten

Insbesondere:

a)Dieses Gas niemals in ein Gerät einführen, das feuergefährliche Stoffe, insbesondere Fett,

enthalten könnte.

b)Die Produkte, die dieses Gas enthalten, Ventile, Verbindungsstücke, Leitungen niemals mit

brennbaren Mitteln (z.B. fetthaltiges Stoffen) reinigen.

Keine fetthaltigen Stoffe (Vaseline, Salben etc.) auf das Gesicht des Patienten auftragen.

Weder am Material noch in dessen Nähe Vorrichtungen verwenden, die Aerosol (Lack, Deodorant

etc.) oder Lösungsmittel (Alkohol, Benzin) freisetzen.

Gebindeventil nach dem Gebrauch schliessen, Druck des Druckminderers durch Offenhalten des

Durchflussmessers abfallen lassen, Durchflussmesser schliessen und danach die Verstellschraube des

Druckminderers lösen (nicht bei integrierten Druckminderern).

Ein defektes Ventil nicht zu reparieren versuchen.

Unter Druck stehendes Gas nicht von einer Flasche in eine andere umfüllen.

Druckminderer/Durchflussmesser nicht mit Hilfe einer Zange anziehen, um eine Beschädigung der

Dichtung zu vermeiden.

Im Falle des Entweichens von Gas undichtes Ventil schliessen. Raum gut lüften und evakuieren.

Niemals undichte Gebinde verwenden und die Einleitung der Notfallmassnahmen kontrollieren.

Bei starker Öffnung des Ventils mit Bildung von Reif am Druckminderer das Gebinde nicht

verwenden und es an den Verkaufspunkt zurückbringen.

Bei tiefen Raumtemperaturen oder wenn ein intensiver Gebrauch eine Abkühlung des Gebindes

bewirkt, kann der Durchfluss aufgrund eines ungenügenden Drucks im Gebinde sinken oder

ausbleiben.

Gebinde mit Distickstoffoxid medizinal nicht bei Temperaturen von unter 0 °C verwenden, um

Druckabfälle bei intensivem Gebrauch zu vermeiden.

Das Ventil der Gasflasche muss geschlossen werden, solange sich noch eine kleine Restmenge Gas

in der Flasche befindet (ca. 2 bar). Dieser kleine Restdruck muss unbedingt in der Gasflasche

verbleiben, um sie vor Verunreinigungen zu schützen oder um eine Korrosion durch Feuchtigkeit zu

verhindern.

Distickstoffoxid niemals für Dichtigkeitstests, für die Versorgung von pneumatischen Anlagen oder

für das Durchblasen von Rohren verwenden.

Der Grenzwert für die mittlere Expositionszeit (während 8 Stunden/Tag) für die Exposition des

Personals mit Distickstoffoxid ist auf 100 ppm festgesetzt worden.

Den Verwendungsort systematisch lüften. Die ausgeatmeten Gase evakuieren und die Orte, wo sie

sich ansammeln können, meiden. Es ist ratsam, sich vor jedem Gebrauch von der Möglichkeit zu

versichern, die Gase im Falle eines Unfalls oder eines Lecks zu evakuieren.

Zulassungsnummer

56668 (Swissmedic)

Packungen

Druckgasflasche mit:

- 4 Liter Volumen, enthaltend 1.5 m3 Gas (1 bar, 15 °C). (B)

- 10 Liter Volumen, enthaltend 4.1 m3 Gas (1 bar, 15 °C). (B)

- 30 Liter Volumen, enthaltend 11.9 m3 Gas (1 bar, 15 °C). (B)

- 50 Liter Volumen, enthaltend 20.0 m3 Gas (1 bar, 15 °C). (B)

Flaschenbündel mit 600 Liter Volumen, enthaltend 243.4 m3 Gas (1 bar, 15 °C). (B)

Zulassungsinhaberin

CARBAGAS AG, Muri bei Bern

Stand der Information

Mai 2017

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