Decapeptyl Retard

Hauptinformation

  • Handelsname:
  • Decapeptyl Retard Injektionspräparat i.m./s.c.
  • Darreichungsform:
  • Injektionspräparat i.m./s.c.
  • Zusammensetzung:
  • Mikrokapsel: triptorelinum 3.75 mg ut triptorelini acetas hydricus, propylenglycoli octanoas et decanoas, copoly(dl-lactidum-glycolidum), pro vase. Solvens: polysorbatum 80, dextranum-70, natrii chloridum, natrii dihydrogenophosphas dihydricus, aqua ad iniectabilia q.s. ad solutionem pro 1 ml.
  • Verwenden für:
  • Menschen
  • Art der Medizin:
  • Biologische Medizin

Dokumenten

  • für die Allgemeinheit:
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Lokalisierung

  • Erhältlich in:
  • Decapeptyl Retard Injektionspräparat i.m./s.c.
    Schweiz
  • Sprache:
  • Deutsch

Therapeutische Informationen

  • Therapiegruppe:
  • Biotechnologika
  • Therapiebereich:
  • Hormonabhängiges Prostatakarzinom,Endometriose,Downregulation in der Reproduktionsmed.,zentrale vorzeitige Pubertät

Weitere Informationen

Status

  • Quelle:
  • Swissmedic - Swiss Agency for Therapeutic Products
  • Zulassungsnummer:
  • 53830
  • Berechtigungsdatum:
  • 10-09-1998
  • Letzte Änderung:
  • 05-02-2018

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels

Fachinformation

Dosierung/Anwendung; Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen; Interaktionen; Unerwünschte

Wirkungen; Sonstige Hinweise

Decapeptyl® Retard

Zusammensetzung

Wirkstoff: Triptorelinum ut triptorelini acetas hydricus.

Hilfsstoffe

Spritze mit Wirkstoff: copoly(dl-lactidum-glycolidum), propylenglycoli dicaprylocapras.

Spritze mit Suspensionsmittel: dextranum 70, polysorbatum 80, natrii chloridum, natrii

dihydrogenphosphas dihydricus, aqua ad iniectabilia.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Injektionspräparat

Pro Injektions-Set:

Einmalspritze mit mikroverkapseltem Wirkstoff: Triptorelinum 3,75 mg (ut triptorelini acetas 4,12

mg).

Glasspritze enthaltend Trägerlösung zur Herstellung der Suspension: 1 ml.

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Männer

Symptomatische Therapie des fortgeschrittenen hormonabhängigen Prostatakarzinoms.

Frauen

Endometriose. Downregulation im Rahmen der Reproduktionsmedizin.

Kinder

Zentrale vorzeitige Pubertät.

Die Kinder sollten folgende Kriterien erfüllen:

1. Es muss eine klinisch diagnostizierte zentrale vorzeitige Pubertät (idiopathisch oder neurogen)

vorliegen, mit Einsetzen und raschem Entwickeln von sekundären Sexualmerkmalen vor dem 8.

Lebensjahr bei Mädchen und vor dem 9. Lebensjahr bei Knaben.

2. Die klinische Diagnose soll vor Therapiebeginn mittels eines GnRH-Stimulationstests, der eine

allfällige pubertäre Antwort nachweist, bestätigt werden. Ausserdem sollte bestätigt werden, dass das

Knochenalter um ein Jahr weiter fortgeschritten ist als das chronologische Alter.

3. Folgende Basisparameter sollten bestimmt werden:

-Körpergrösse und Gewicht.

-Sexualsteroidspiegel.

-Adrenale Steroidspiegel, um eine kongenitale adrenale Hyperplasie auszuschliessen.

-Spiegel des humanen β-Chorion-Gonadotropins, um einen Chorion-Gonadotropin sekretierenden

Tumor auszuschliessen.

-Ultraschalluntersuchungen des kleinen Beckens, der Nebennierenrinde, der Hoden, um einen

Steroid sekretierenden Tumor auszuschliessen.

-Computertomographische Untersuchungen des Kopfes, um einen intrakraniellen Tumor

auszuschliessen.

Dosierung/Anwendung

Prostatakarzinom, Endometriose, Downregulation in der Reproduktionsmedizin

Die übliche Dosierung besteht in einer intramuskulären oder subkutanen Injektion von Decapeptyl

Retard in monatlichen Abständen.

Im Falle von ungenügendem klinischen Ansprechen sollten die Serumwerte von LH und Testosteron

bzw. Östradiol bestimmt werden.

Zentrale vorzeitige Pubertät

Decapeptyl Retard 3,75 mg subkutan. Die ersten 2 Injektionen werden in Abständen von 14 Tagen

appliziert, anschliessend eine Injektion alle 28 Tage. Bei ungenügender Wirkung muss Decapeptyl

Retard alle 21 Tage injiziert werden.

Bei Endometriose beträgt die übliche Therapiedauer 4–6 Monate, entsprechend 4–6 Injektionen

Decapeptyl Retard.

Downregulation im Rahmen der Reproduktionsmedizin (IVF, GIFT, Follikelreifungsinduktion bei

nicht-assistierten Behandlungsmethoden etc.)

Verschiedene Protokolle werden herangezogen unter Anwendung von entweder Decapeptyl Retard

oder täglicher s.c. Injektion von Decapeptyl 0,1 mg (siehe entsprechende Fachinformation).

Beim «long protocol» wird vor Einleitung der Stimulierung mit exogenen Gonadotropinen eine

vollständige hypophysäre Suppression (Downregulation) mit einer einzelnen Decapeptyl Retard-

Injektion bzw. mit täglichen s.c. Injektionen von Decapeptyl 0,1 mg (siehe entsprechende

Fachinformation) erzielt. Das Ausmass der Suppression im Sinne des Hypogonadismus wird anhand

der zirkulierenden Östrogenspiegel ermittelt. Die Stimulierung mit exogenen Gonadotropinen wird

erst eingeleitet, wenn die E2-Spiegel <50 pg/ml betragen.

Das «long protocol» wird ähnlich in der nicht-assistierten Reproduktionsmedizin verwendet, wobei

allerdings die Dosierung der Gonadotropinphase niedrig gehalten werden muss, da hier das

Behandlungssziel eine monofollikuläre Reifung ist.

Beim «short protocol» beginnt die Stimulierung mit Hilfe von exogenen Gonadotropinen gleichzeitig

oder nur kurzfristig nach einer einzelnen Decapeptyl Retard-Injektion bzw. der Gabe von täglichen

s.c. Injektionen von Decapeptyl 0,1 mg (siehe entsprechende Fachinformation). In diesem Fall

verstärkt die Wirkung des GnRH-Agonisten während der ersten Tage der Stimulierung die Effekte

der exogen zugeführten Gonadotropine («flare-up»). In der klinischen nicht-assistierten

Reproduktionsmedizin soll das «short protocol» nicht eingesetzt werden.

Therapiekontrolle

Prostatakarzinom

Diese erfolgt in erster Linie nach subjektiven Gesichtspunkten (symptomatische Verbesserung wie

z.B. Miktionsbeschwerden, Karzinomschmerzen). Nötigenfalls können die üblichen Laborwerte

(Serumtestosteron, PSA) zur Therapiekontrolle beigezogen werden.

Endometriose

Während der Therapie ist eine Besserung der Symptome (wie z.B. Dysmenorrhö, Dyspareunie,

Tenesmen, Beckenschmerzen) zu erwarten. Nötigenfalls können die üblichen Laborwerte (E2,

Progesteron) zur Therapiekontrolle beigezogen werden. Eine Kontroll-Laparoskopie nach Abschluss

der Behandlung gibt Aufschluss über das Verschwinden der ektopen Endometriumherde. Eine

Gravidität nach Abschluss der Therapie bestätigt den Therapieerfolg.

Reproduktionsmedizin

Das Ausmass der hypophysären Suppression kann anhand der E2-Spiegel-Bestimmungen (beim

«long protocol») ermittelt werden. Regelmässige biologisch-endokrinologische Untersuchungen und

ultrasonographische Kontrollen sind während der assistierten Reproduktion angebracht. Im Falle

einer übermässigen Stimulierung des Ovars sollte die Zugabe von Gonadotropinen reduziert oder

unterbrochen werden.

Zentrale vorzeitige Pubertät

Ein bis zwei Monate nach dem Therapiebeginn oder nach einem Dosiswechsel soll beim Kind ein

GnRH-Stimulationstest, eine Sexualsteroid-Bestimmung und eine Klassierung nach Tanner

(Bestimmung der Brustgrösse bei Mädchen bzw. der Hodengrösse bei Knaben, Überprüfung der

Uterus- und Ovariengrösse mittels Sonographie) durchgeführt werden, um eine Downregulation zu

bestätigen. Das Knochenalter sollte alle 6 bis 12 Monate untersucht werden. Die Dosis muss

aufwärts titriert werden bis keine Anzeichen, die auf PPC hindeuten, klinisch und/oder durch

Laborparameter mehr erfasst werden können.

Der Sexualsteroidspiegel kann bei unzureichender Dosierung ansteigen oder sogar normale

präpubertäre Werte übersteigen. Ist eine therapeutische Dosierung festgelegt, werden die

Gonadotropin- und Sexualsteroidwerte auf ein präpubertäres Niveau gesenkt. Wird die Decapeptyl

Retard Behandlung nicht korrekt befolgt oder wird eine ungenügende Dosierung angewendet, kann

eine ungenügende Kontrolle der pubertären Entwicklung die Folge sein. Die Konsequenzen sind

pubertäre Zeichen wie Monatsblutung, Brust- und Testeswachstum. Die Langzeitfolgen der

inadäquaten Kontrolle der gonadalen Steroidsekretion sind bekannt, können aber eine verminderte

Körpergrösse einschliessen.

Die erste Dosis, die eine angemessene Downregulation bewirkt, kann wahrscheinlich bei den meisten

Kindern während der ganzen Therapiedauer beibehalten werden.

Es sind keine ausreichenden Daten zur Dosisanpassung für Patienten, die während der Behandlung

stark an Gewicht zunehmen, vorhanden. Es ist deshalb empfehlenswert, diese auf eine genügende

Downregulation zu überprüfen.

Die Decapeptyl Retard Therapie sollte bei Mädchen vor dem 11. Lebensjahr, bei Knaben vor dem

12. Lebensjahr abgesetzt werden.

Um die Rückverfolgbarkeit von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln sicherzustellen, wird

empfohlen, Handelsname und Chargennummer bei jeder Behandlung zu dokumentieren.

Kontraindikationen

Allgemein

Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der Hilfsstoffe gemäss

Zusammensetzung.

Prostatakarzinom

Bei nachgewiesener Hormonunabhängigkeit oder nach chirurgischer Kastration soll Decapeptyl

Retard nicht eingesetzt werden.

Endometriose/Reproduktionsmedizin

Die Ursache von Vaginalblutungen muss vor der Gabe von Decapeptyl geklärt werden. Bei

Patientinnen mit Osteoporose oder Osteoporoserisiko (z.B. bei reduzierter Knochendichte) soll

Decapeptyl Retard nicht eingesetzt werden.

Zentrale vorzeitige Pubertät

Bei nicht zentral bedingter Pubertas praecox muss die zugrunde liegende Erkrankung einer

spezifischen Therapie zugeführt werden. Bei Kindern mit fortschreitenden Hirntumoren darf

Decapeptyl Retard nicht angewendet werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Allgemein

Bei antikoagulierten Patienten ist wegen der Gefahr eines Hämatoms an der Injektionsstelle

besondere Vorsicht angebracht.

Hypophysenapoplexie

Während der Marktüberwachung (Post-Marketing-Surveillance) wurde nach der Verabreichung von

Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Agonisten selten über Hypophysenapoplexie berichtet

(sekundäres klinisches Syndrom eines Hypophysen-Infarktes). In den meisten dieser Fälle wurde ein

Hypophysenadenom diagnostiziert. Die Mehrheit dieser Hypophysenapoplexie-Fälle traten innerhalb

von 2 Wochen, einige innerhalb der ersten Stunde, nach Verabreichung der ersten Dosis auf. In

diesen Fällen zeigte sich die Hypophysenapoplexie durch plötzliche Kopfschmerzen, Erbrechen,

visuelle Veränderungen, Ophthalmoplegie, einen veränderten mentalen Status und manchmal einen

kardiovaskulären Kollaps. Sofortige medizinische Betreuung war erforderlich. Bei bekanntem

Hypophysenadenom sollte aus diesem Grund ein GnRH-Agonist nicht gegeben werden.

Knochendichte/Frakturrisiko

Eine längerandauernde Anwendung von GnRH Analogen bei Erwachsenen kann zu einer Reduktion

der Knochenmineralisation führen, was das Risiko einer Osteoporose erhöht. Die Reduktion der

Knochenmineralisation betrifft auch Männer.

Stimmungsveränderung/Depression

Über Stimmungsveränderungen, einschliesslich Depressionen, wurde während der Behandlung mit

GnRH Agonisten berichtet. Patienten mit bekannter Depression oder durchgemachter Depression

sollten deshalb während der Anwendung von Triptorelin engmaschig überwacht werden.

Prostatakarzinom

Der initiale Anstieg des Serum-Testosterons während der ersten Therapiewoche kann bei einigen

Patienten zu einer Verstärkung der Krankheitssymptome führen. Deshalb sollten zu Beginn der

Therapie mit Decapeptyl Retard Patienten mit Anzeichen einer Rückenmarkskompression als Folge

spinaler Metastasen oder einer Harnröhrenobstruktion besonders vorsichtig überwacht werden.

Um die Intensivierung der Krankheitssymptome zu verhindern, sollte vor Beginn der Decapeptyl-

Therapie und während der ersten Therapiewoche ein Antiandrogen eingesetzt werden.

Bei Männern, welche mit GnRH-Agonisten behandelt wurden, wurde über ein erhöhtes Risiko für

Diabetes mellitus und/oder kardiovaskuläre Ereignisse berichtet. Es wird daher empfohlen, Patienten

mit Hypertonie, Hyperlipidämie oder kardiovaskulären Erkrankungen während der Behandlung mit

Triptorelin diesbezüglich zu überwachen.

Bei der Androgendeprivationstherapie kann es zu einer Verlängerung des QT-Intervalls kommen.

Bei Patienten mit QT-Verlängerung in der Anamnese oder bei Patienten, die in ihrer Vorgeschichte

Risikofaktoren für eine QT Verlängerung (inklusive das Auftreten von Torsade de Pointes) sowie bei

Patienten, die gleichzeitig Arzneimittel einnehmen, die das QT Intervall verlängern können (siehe

Interaktionen) soll der Arzt vor Beginn der Behandlung mit Decapeptyl das Nutzen- Risiko-

Verhältnis einschliesslich des Potenzials für Torsade de pointes bewerten.

Endometriose

Nach der Menopause ist eine medikamentöse Therapie der Endometriose nur in seltenen

Ausnahmefällen (z.B. bei östrogenproduzierenden Tumoren mit Endometrioseaktivierung, bei

zusätzlicher Kontraindikation zur chirurgischen Therapie) sinnvoll. Bis heute liegen keine

Erfahrungen vor über klinische Effekte von Therapiezyklen mit einer Dauer von mehr als 6 Monaten.

Vor Beginn einer Therapie mit Decapeptyl Retard bei Endometriose muss eine Schwangerschaft

ausgeschlossen werden. Während der Therapie bis zum Wiederauftreten normaler Zyklen nach

Therapieende sollten nicht-hormonelle Methoden der Kontrazeption angewendet werden.

Unter Decapeptyl Retard sistiert normalerweise die Menstruation. Die Patientinnen sollten

angewiesen werden, ihren Arzt zu informieren, falls die Menses persistieren.

Die Therapie mit Decapeptyl Retard kann zu einer Reduktion der Knochenmineralisation führen,

welche nach Therapieende mindestens teilweise reversibel ist.

Reproduktionsmedizin

Das Risiko einer Hyperstimulation des Ovars ist auch bei einer Vorbehandlung mit Decapeptyl nicht

auszuschliessen. Höchste Aufmerksamkeit (klinische und echographische Überwachung) sollte den

ersten Anzeichen einer Hyperstimulierung geschenkt werden, vor allem falls die Stimulierung mit

Hilfe exogener Gonadotropine während oder am Ende der lutealen Phase eingeleitet wird. Klinische

Anzeichen einer schon moderaten Hyperstimulierung bestehen in Hypovolämie, Tachykardie,

Hypotension, Oligurie, Dehydratation, Aszites, Pleuraerguss sowie Störungen der Nierenfunktion

und der Koagulation, welche je nach Ausmass eine Hospitalisierung erfordern können.

Bei Stimulierung mit exogenen Gonadotropinen ist das Risiko multipler Schwangerschaften bzw.

ektoper Graviditäten erhöht. Daher ist eine frühzeitige (innerhalb der ersten 4 Wochen)

echographische Überwachung einer eingetretenen Schwangerschaft angebracht.

Zentrale vorzeitige Pubertät

Die Kombination von Decapeptyl Retard mit Wachstumshormon erfordert eine besondere

Überwachung, da das Wachstumshormon das ovarielle Wachstum fördern kann.

Anaphylaktische und allergische Reaktionen, sowohl lokal wie systemisch, sind insgesamt selten,

werden aber bei Kindern etwas häufiger beobachtet als bei Erwachsenen. Es wird deshalb

empfohlen, die Kinder nach jeder Injektion von Decapeptyl Retard während einer Stunde in der

Arztpraxis zu beobachten und bei Bedarf geeignete Massnahmen bereitzuhalten. Sind

Überempfindlichkeitsreaktionen aufgetreten, ist Decapeptyl Retard abzusetzen.

Eine Pseudo-Pubertas praecox oder eine Gonadotropin-unabhängige vorzeitige Pubertät (z.B. bei

testikulärer Toxikose oder familiärer Leydig-Zell Hyperplasie) sollte ausgeschlossen werden.

Interaktionen

Östrogen enthaltende Arzneimittel sollten während der Therapie mit Decapeptyl Retard nicht

angewendet werden.

Da die Androgendeprivationstherapie zu einer Verlängerung des QT-Intervalls, inklusive Auftreten

von Torsade de Pointes, führen kann, sollte die gleichzeitige Gabe von Arzneimitteln, die zu einer

Verlängerung des QT-Intervalls oder zu Torsade de Pointes führen, wie Antiarrhythmika der Klasse

IA (Chinidin, Disopyramid) oder III (Amiodaron, Sotalol, Dofelitid, Ibutilid), Methadon,

Moxifloxacin und Antipsychotika sorgfältig beurteilt werden.

Schwangerschaft/Stillzeit

Es bestehen keine kontrollierten Studien an schwangeren Frauen. Decapeptyl führt bei Frauen zur

Suppression der endogenen Gonadotropine und Östrogene. Aus Studien im Tier bestehen Anzeichen

einer Schädigung des Fötus. Vor der Behandlung mit Decapeptyl soll eine Schwangerschaft

ausgeschlossen werden. Beim Eintreten einer solchen soll die Behandlung sofort abgebrochen

werden.

Ob Decapeptyl in die Muttermilch übertritt, ist nicht gesichert. Während der Behandlung mit

Decapeptyl soll nicht gestillt werden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Aufgrund seiner bekannten unerwünschten Wirkungen könnte Decapetyl Retard einen Einfluss auf

die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen haben.

Unerwünschte Wirkungen

Allgemein

Vereinzelt werden allergische Hautreaktionen kurze Zeit nach der Injektion von Decapeptyl Retard

gesehen, die jedoch unter konventioneller Therapie gut heilen. Vereinzelt sind anaphylaktische

Reaktionen auf Dextran beschrieben worden.

Lokalreaktionen wie Rötung und Juckreiz an der Einstichstelle werden häufiger nach subkutaner als

nach intramuskulärer Gabe beobachtet.

In seltenen Fällen können Parästhesien und schwere Migränen auftreten. In schweren oder

wiederholt auftretenden Fällen ist ein Abbruch der Therapie angezeigt.

Prostatakarzinom

In den ersten 10 Behandlungstagen kann wegen des vorübergehenden Testosteron-Anstiegs eine

Verstärkung der Karzinombeschwerden beobachtet werden. Mit dem Ansprechen des Karzinoms auf

die Behandlung nehmen auch diese Beschwerden ab. In ausgeprägten Fällen kann eine

symptomatische Behandlung mit einem Anti-Androgen kurzfristig notwendig sein.

Folgende Wirkungen sind auf den Entzug der Geschlechtshormone zurückzuführen und treten in

abnehmender Häufigkeit auf: Libidoverlust und Impotenz; Hitzewallungen und Gesichtsrötung (in

etwa 50% der Fälle, vor allem zu Beginn der Therapie); selten Gynäkomastie, Hodenatrophie und

Schlafstörungen.

Endometriose/Reproduktionsmedizin

In den ersten 10 Behandlungstagen kann wegen des vorübergehenden Östrogen-Anstiegs eine

Verstärkung der subjektiven Beschwerden beobachtet werden. Mit dem Absinken der Östrogen- und

Progesteronwerte auf Kastrationsniveau nehmen auch diese Beschwerden ab.

Folgende Wirkungen sind auf den Entzug der Geschlechtshormone zurückzuführen und treten in

abnehmender Häufigkeit auf: Hitzewallungen (gegen 100%), trockene Scheide, Dyspareunie,

Libidoverlust, gelegentlich Schmierblutungen, Kopfschmerzen, emotionale Störungen und andere

vasomotorische Beschwerden.

Eine Therapiedauer von mehr als 6 Monaten soll vermieden werden, da der behandlungsbedingte

Östradiolabfall bei Langzeit-Therapien zu einer Reduktion der Knochendichte führt.

Zentrale vorzeitige Pubertät

Die Häufigkeit von vaginalen Schmierblutungen ist unter der Therapie mit Decapeptyl Retard höher

als bei präpuberalen Mädchen.

Kinder mit zentraler vorzeitiger Pubertät weisen eine höhere als dem chronologischen Alter

entsprechende Knochendichte auf. Nach einer einjährigen Behandlung mit Decapeptyl Retard

reduziert sich die Knochendichte um ca. 8%. Langzeitdaten über den Verlauf der

Knochenmineralisation nach Absetzen der Therapie liegen nicht vor.

Bisher wurden zwei Fälle von Epiphysiolysis capitis femoris nach Absetzen der Therapie gemeldet.

Männer und Frauen

Endokrine Störungen

Häufig (>1/100): Depression, Irritationen, Stimmungsschwankungen (alle >10%).

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): erhöhte Enzymwerte (LDH, γGT, SGOT, SGPT).

Gastrointestinale Störungen

Häufig (>1/100): Nausea.

Muskelskelettsystem

Häufig (>1/100): Myalgie, Arthralgie (>10%).

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Häufig (>1/100): Müdigkeit, Schlafstörungen, Überempfindlichkeitsreaktionen (Juckreiz,

Hautausschlag, Fieber), vorübergehender Schmerz an der Applikationsstelle (alle >10%).

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Anaphylaxie, Fremdkörpergefühl an der Applikationsstelle.

Männer

Blut- und Lymphsystem

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Thromboembolien (selten).

Endokrine Störungen

Häufig (>1/100): Gynäkomastie, Kopfschmerzen, Hitzewallungen (50%), Libidoverlust (30–40%),

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Verminderter Bartwuchs, Haarausfall an Brust, Beinen und Armen.

Herz und Gefässe

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Hypertonie.

Unbekannt: Verlängerung des QT-Intervalls.

Reproduktionssystem

Häufig (>1/100): Impotenz (30–40%).

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Hodenatrophie.

Atmungsorgane

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Asthma-Rezidive.

Allgemeine Störungen

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Gewichtsschwankungen.

Frauen

Endokrine Störungen

Häufig (>1/100): Kopfschmerzen, Hitzewallungen (75–100%), Libidoverlust (>10%).

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): leichte Erhöhung des Serum-Cholesterols.

Nervensystem

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Sehstörungen, Parästhesien.

Muskelskelettsystem

Häufig (>1/100): Gelenkschmerzen, Reduktion der Knochenmineralisation (75–100%).

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Rückenschmerzen.

Reproduktionssystem

Häufig (>1/100): vaginale Blutungen und Spotting, trockene Vagina, Dyspareunie (alle >10%).

Allgemeine Störungen

Häufig (>1/100): Gewichtszunahme.

Kinder

Gastrointestinale Störungen

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): Nausea, Erbrechen.

Muskelskelettsystem

Häufig (>1/100): Reduktion der Knochenmineralisation (100%).

Reproduktionssystem

Häufig (>1/100): vaginale Blutungen.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Gelegentlich (>1/1000, <1/100): allergische Reaktionen, Anaphylaxie (sehr selten).

Überdosierung

Die bisherigen Erfahrungen mit Überdosierungen von Triptorelin sind gering und gestatten keine

Rückschlüsse auf eventuell auftretende unerwünschte Wirkungen.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L02AE04

Wirkungsmechanismus

Durch Austausch der Aminosäure Glycin mit D-Tryptophan an Position 6 von Gonadorelin entsteht

ein in seiner biologischen Aktivität stärker wirkender Agonist des natürlich vorkommenden

Gonadotropin-Releasing-Hormons (GnRH, LHRH). Diese Wirkungssteigerung kann auf eine

verstärkte Affinität zu den hypophysären Rezeptoren und auf eine langsamere Inaktivierung im

Zielgewebe zurückgeführt werden.

Bei einmaliger und intermittierender Verabreichung von LHRH wird die Freisetzung von LH und

FSH aus der Hypophyse stimuliert. Bei kontinuierlicher Dosierung hingegen, wie dies nach einmal

monatlicher Injektion von Decapeptyl Retard durch die verzögerte Wirkstofffreisetzung (resp. bei

täglicher s.c. Injektion von Decapeptyl 0,1 mg) der Fall ist, wird ein «paradoxer» Effekt beobachtet:

die Plasmaspiegel von LH, FSH, Testosteron und Östrogen/Progesteron sinken, nach einem

vorübergehenden Anstieg zu Behandlungsbeginn, innert etwa zwei Wochen auf Kastrationsniveau

Pharmakodynamik/Klinische Wirksamkeit

Prostata-Karzinom

Etwa 80% der Prostatakarzinome sind androgenabhängig. Aus diesem Grund kann durch Hemmung

der Testosteronwirkung oft eine Teilremission oder eine Verzögerung der Tumorprogression und

damit eine symptomatische Besserung (Harnverhalten, Karzinomschmerzen) erzielt werden. Diese

Hemmung kann einerseits operativ (Orchiektomie, Adrenalektomie, Hypophysektomie), andererseits

durch chemische Kastration (Behandlung mit Östrogenen und Anti-Androgenen), oder wie

beschrieben durch kontinuierliche Verabreichung von LH-RH in Form von Decapeptyl Retard

erreicht werden.

Endometriose

Das Therapiekonzept der Endometriose mit Decapeptyl Retard besteht in einer zeitlich begrenzten

und reversiblen Hemmung der Ausschüttung von hypophysären Gonadotropinen. Damit wird

erreicht, dass die Östrogene und Progesteron auf Kastrationsniveau gesenkt werden. In der Folge

kommt es zu einer Besserung der Symptome wie Dysmenorrhö, Tenesmen, Dysurie, Dyspareunie,

Abdominal- und Sakralschmerzen, sowie zur Auflösung von ektopen Endometriumherden.

Downregulation im Rahmen der Reproduktionsmedizin

Bei der Vorbehandlung mit Decapeptyl im Rahmen der Therapie des sterilen Paares führt die

selektive Hypophysensuppression zur Verbesserung der Erfolgsrate der simultanen bzw.

nachträglichen Stimulierung durch exogene Zufuhr von Gonadotropinen.

Während der Stimulation mit Gonadotropinen kommt es öfters aufgrund der Überschreitung der

Plasma-Östradiol-Konzentration zur Auslösung eines verfrühten LH-Gipfels mit einhergehender

Luteinisierung des oder der unreifen Follikel, wobei dann der Behandlungszyklus abgebrochen

werden muss. Dies tritt bei nicht vorbehandelten Patientinnen innerhalb eines IVF-Programms in ca.

30%, beim polyzystischen Ovarsyndrom bei 30–50% der Zyklen ein. Die Vorbehandlung mit

Decapeptyl führt zu einer vollständigen hypophysären Suppression (Downregulation) mit

einhergehender Blockierung der LH-Ausschüttung und zu einer kontrollierten Stimulation des Ovars

alleine durch die exogene Gonadotropinzufuhr. Dadurch lässt sich eine Verbesserung der

Follikelreifung, der Oocytenausbeute und der Schwangerschaftsrate sowie eine Reduktion der

Häufigkeit des Hyperstimulationssyndroms und der Therapieabbrüche erzielen.

Zentrale vorzeitige Pubertät

Die klinische Diagnose der Pubertas praecox beinhaltet das Auftreten der ersten sekundären

Geschlechtsmerkmale vor dem 8. Lebensjahr bei Mädchen und dem 9. Lebensjahr bei Knaben.

Die zentrale Pubertas praecox resultiert aus einer frühzeitigen Aktivierung des hypothalamischen

Pulsgenerators und damit der Hypothalamus-Hypophysen-Gonadenachse. Durch die Therapie mit

Decapeptyl Retard wird die Ausschüttung der Gonadotropine und der Sexsteroide auf das

vorpubertäre Niveau gesenkt. Als Folge wird die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale

verlangsamt, aufgehalten oder rückgängig gemacht. Die fortschreitende Skelettreifung kann

gebremst und die beschleunigte Wachstumsgeschwindigkeit normalisiert werden, sodass eine

verbesserte Erwachsenengrösse erreicht wird. Die natürliche Reifung setzt ein, wenn die Therapie

mit Decapeptyl Retard abgesetzt wird.

Pharmakokinetik

Distribution

Nach intramuskulärer Injektion von Decapeptyl Retard kommt es nach ca. 1 Stunde zu einer

maximalen Konzentration des Wirkstoffes im Blut. Danach folgt ein biexponentieller Abfall bis 24

Stunden. Die Wirkstoffwerte steigen zum Tag 4 auf ein zweites Maximum, um in einem

biexponentiellen Verlauf nach 44 Tagen unter die Nachweisgrenze zu sinken.

Nach subkutaner Injektion ist der Anstieg der Wirkstoffkonzentration im Blut im Vergleich zur i.m.-

Gabe leicht verzögert, die maximalen Konzentrationen bleiben etwas niedriger. Der

Konzentrationsabfall dauert länger, nach 65 Tagen sanken die Werte unter die Nachweisgrenze.

Die systemische Verfügbarkeit von Triptorelin aus dem intramuskulären Depot beträgt nach den

ersten 13 Tagen 38,3% bei Männern und 25,5% bei Frauen. Danach erfolgt eine lineare Freisetzung

von täglich 0,92% der Gesamtdosis bei Männern und 0,73% bei Frauen. Im Vergleich zur

intramuskulären Injektion liegt die Bioverfügbarkeit nach subkutaner Injektion bei 69%.

Nach einer 6-monatigen Therapie, bei Injektionen alle 28 Tage, konnten keine Anhaltspunkte für

eine Akkumulation der Wirksubstanz gefunden werden.

Metabolismus/Elimination

Die Elimination von Triptorelinacetat ist eine Kombination von Metabolismus und renaler

Elimination. Es ist anzunehmen, dass der nicht systemisch verfügbare Anteil von Triptorelin lokal

am Applikationsort z.B. durch Makrophagen abgebaut wird.

Kinetik spezieller Patientengruppen

Eine eingeschränkte Nierenfunktion führt zu einer Abnahme der totalen Clearance von Triptorelin.

Aufgrund der untergeordneten Bedeutung der renalen Elimination erübrigt sich jedoch eine

Dosisanpassung.

Präklinische Daten

Nach wiederholter Gabe von Triptorelin und in Genotoxizitätsstudien ergaben sich keine Hinweise

auf Mutagenität.

Nach einer Langzeitbehandlung mit Triptorelin ist bei Ratten ein Wachstum von

Hypophysentumoren beobachtet worden. Die Wirkung von Triptorelin auf Hypophysen-Anomalien

beim Menschen ist nicht bekannt.

In reproduktionstoxikologischen Studien in der Ratte sind Schädigungen der harnleitenden Wege in

Jungtieren von behandelten Muttertieren aufgetreten.

Triptorelin ist embryo- bzw. fetotoxisch und führt zu einer Verlangsamung der embryonalen

Entwicklung sowie zu Spätgeburten.

Sonstige Hinweise

Haltbarkeit

Das Arzneimittel darf nur bis zu dem auf dem Behälter mit «EXP» bezeichneten Datum verwendet

werden.

Ausserhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Besondere Lagerungshinweise

Im Kühlschrank (2–8 °C) lagern.

Hinweise für die Handhabung

Zubereitung der Suspension

Die Suspension ist unmittelbar vor der Injektion herzustellen.

1. Vorbereitung

Die Verschlusskappe von der Einmalspritze mit den Retardmikrokapseln abziehen.

Die Packung mit dem Verbindungsstück öffnen, ohne aber das Verbindungsstück der Verpackung zu

entnehmen.

Die Einmalspritze mit den Retardmikrokapseln auf das sich in der Verpackung befindliche

Verbindungsstück aufschrauben und es entnehmen.

Am Ende des Verbindungsstücks die Einmalspritze mit dem Suspensionsmittel festschrauben und

auf festen Halt achten (Abb. 1).

Abbildung 1

2. Herstellung der Suspension

Das Suspensionsmittel aus der einen Einmalspritze in die Einmalspritze mit den Retardmikrokapseln

drücken (Abb. 2) und die Mischung anschliessend wieder zurückdrücken. Die ersten zwei oder drei

Bewegungen nicht bis zum Anschlag durchführen.

Abbildung 2

Die Mischung muss so lange zwischen den beiden Einmalspritzen sorgfältig hin und her bewegt

werden, bis eine homogene, milchige Suspension entstanden ist (ca. 10mal, Abb. 3).

Abbildung 3

3. Injektion

Das Verbindungsstück zusammen mit der leeren Einmalspritze abnehmen und weglegen.

Die Injektionsnadel auf die Einmalspritze mit der fertigen Suspension aufsetzen.

Sofort subkutan oder tief intramuskulär injizieren.

Zulassungsnummer

53830 (Swissmedic).

Packungen

Single Pack enthaltend 1 Injektions-Set (A).

Triple Pack enthaltend 3 Injektions-Sets (A).

Five Pack enthaltend 5 Injektions-Sets (A).

Zulassungsinhaberin

Ferring AG, 6340 Baar.

Stand der Information

Februar 2016

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12-7-2018

Melleril® retard

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4-7-2018

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7-6-2018

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Dusodril®/Dusodril® retard

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