Caelyx

Hauptinformation

  • Handelsname:
  • Caelyx Infusionskonzentrat
  • Darreichungsform:
  • Infusionskonzentrat
  • Zusammensetzung:
  • doxorubicini hydrochloridum 2 mg, phosphatidylcholinum e soja hydrogenatum, mpeg-2000 carbamoyl dspe-Natrium, cholesterolum, ammonii sulfas, histidinum, Zucker, Wasser iniectabilia q.s. um die suspension für 1 ml.
  • Verwenden für:
  • Menschen
  • Art der Medizin:
  • allopathic Droge

Dokumenten

  • für die Allgemeinheit:
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Lokalisierung

  • Erhältlich in:
  • Caelyx Infusionskonzentrat
    Schweiz
  • Sprache:
  • Deutsch

Therapeutische Informationen

  • Therapiegruppe:
  • Synthetika human
  • Therapiebereich:
  • Zytostatikum

Weitere Informationen

Status

  • Quelle:
  • Swissmedic - Swiss Agency for Therapeutic Products
  • Zulassungsnummer:
  • 54273
  • Berechtigungsdatum:
  • 24-12-1997
  • Letzte Änderung:
  • 08-02-2018

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels

Fachinformation

Caelyx®

Janssen-Cilag AG

Zusammensetzung

Wirkstoff: Doxorubicini hydrochloridum.

Hilfsstoffe: Phosphatidylcholinum e soja hydrogenatum, MPEG-2000 carbamoyl DSPE sodium,

Cholesterolum, Ammonii sulfas, Histidinum, Saccharum, Aqua ad iniectabilia q.s. ad suspensionem.

Galenische Form und Wirkstoffmenge pro Einheit

Infusionskonzentrat, liposomale Zubereitung:

Durchstechflaschen zu 20 mg/10 ml und 50 mg/25 ml (Konzentration 2 mg/ml).

Indikationen/Anwendungsmöglichkeiten

Behandlung von Patientinnen mit metastasierendem Mammakarzinom, wenn eine Monotherapie mit

Anthrazyklinen geeignet ist.

Behandlung des fortgeschrittenen Ovarialkarzinoms bei Versagen/Rezidiv nach einer Paclitaxel-

und/oder Platin-haltigen Chemotherapie.

In Kombination mit Bortezomib für die Behandlung des progressiven multiplen Myeloms bei

Patienten, die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben und die sich bereits einer

Knochenmarktransplantation unterzogen haben oder die für eine Knochenmarktransplantation nicht

geeignet sind.

Behandlung des AIDS-assoziierten Kaposi-Sarkoms bei Patienten mit niedrigen CD4-Werten (<200

CD4-Lymphozyten/µl) und ausgedehnter mucokutaner oder viszeraler Beteiligung.

Caelyx kann als systemische First-Line Chemotherapie oder als Second-Line Chemotherapie bei

AIDS-Kaposi-Patienten bei Progredienz der Erkrankung oder Intoleranz unter vorausgehender

systemischer Kombinationstherapie mit mindestens zwei der folgenden Zytostatika verwendet

werden: Vinca-Alkaloid, Bleomycin und Doxorubicin (oder einem anderen Anthrazyclin).

Dosierung/Anwendung

Allgemeine Dosierungshinweise

Caelyx darf nur unter Aufsicht eines Onkologen angewendet werden, der in der Verabreichung

zytotoxischer Substanzen spezialisiert ist.

Caelyx darf nicht intramuskulär oder subcutan verabreicht werden.

Caelyx darf nicht abwechselnd mit anderen Doxorubicinhydrochlorid-Formulierungen angewendet

werden.

Caelyx wird nach Verdünnung als intravenöse Infusion verabreicht. Zubereitung der

Infusionszubereitung und Applikation siehe «Sonstige Hinweise für die Handhabung».

Um das Risiko von infusionsbedingten Reaktionen möglichst gering zu halten, soll die erste Infusion

wie folgt über einen Zeitraum von 90 Minuten (nicht mehr als 1 mg/Minute) verabreicht werden:

Nicht mehr als 5% der Gesamtdosis sollen in den ersten 15 Minuten langsam infundiert werden.

Wurde diese Dosis ohne Reaktionen vertragen, kann die Infusionsrate in den nächsten 15 Minuten

verdoppelt werden. Wurde auch diese Dosis vertragen, kann die Infusion im Verlauf der nächsten

Stunde beendet werden.

Weitere Infusionen mit Caelyx können anschliessend über einen Zeitraum von 60 Minuten bei

Patientinnen mit Mamma-, Ovarialkarzinom oder bei multiplem Myelom bzw. über 30 Minuten bei

Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom infundiert werden.

Zeigt der Patient mögliche Frühsymptome einer infusionsbedingten Reaktion, soll die Infusion sofort

abgebrochen und bei Bedarf eine entsprechende Medikation gegeben werden (Antihistaminika

und/oder kurz wirksames Kortikosteroid). Nach Abklingen der Symptome kann die Infusion mit

einer Geschwindigkeit von 1 mg/min wieder aufgenommen werden und wie oben für die erste

Infusion beschrieben fortgeführt werden (siehe auch «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Patientinnen mit Mamma-/Ovarialkarzinom

Caelyx wird intravenös in einer Dosierung von 50 mg/m² über 60 Minuten alle 4 Wochen infundiert.

Die Behandlung wird weitergeführt, solange die Erkrankung nicht weiter fortschreitet und die

Patientin die Behandlung verträgt.

Multiples Myelom

Caelyx wird in einer Dosierung von 30 mg/m² am vierten Tag der 3-wöchigen Behandlung mit

Bortezomib als Infusion über 1 Stunde unmittelbar nach der Bortezomib-Infusion verabreicht.

Die Bortezomib-Behandlung besteht aus Gaben von 1,3 mg/m² an den Tagen 1, 4, 8 und 11 alle

3 Wochen. Die Gabe von Bortezomib sollte jeweils im Abstand von mindestens 72 Stunden erfolgen.

Die Infusion an Tag 4 (Caelyx und Boertezomib) kann, falls medizinisch erforderlich, um 24–48

Stunden verzögert werden. Die Dauer der Behandlung ist von Ansprechen und Verträglichkeit

abhängig zu machen.

Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom

Caelyx wird als intravenöse Infusion über 30 Minuten in einer Dosierung von 20 mg/m² alle 2–3

Wochen verabreicht. Kürzere Intervalle als 10 Tage sollten vermieden werden, da eine

Akkumulation des Arzneimittels und eine erhöhte Toxizität nicht ausgeschlossen werden können.

Um einen therapeutischen Erfolg zu erreichen, sollte die Behandlung über 2–3 Monate erfolgen. Die

Behandlung sollte so lange fortgesetzt werden, wie es nötig ist, um einen therapeutischen Erfolg

beizubehalten.

Dosisanpassung aufgrund unerwünschter Wirkungen

Caelyx Monotherapie

Bei Auftreten unerwünschter Wirkungen, wie zum Beispiel palmar-plantarer Erythrodysaesthesie

(PPE), Stomatitis oder hämatologische Toxizität, kann die Dosis reduziert oder die Verabreichung

verzögert werden (siehe Tabellen 1 + 2) für Patienten mit Mamma- oder Ovarialkarzinom

(Modifikation des empfohlenen 4-wöchigen Behandlungsschemas). Falls palmar-plantare

Erythrodysasthesie (PPE) oder Stomatitis bei Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom

auftreten, kann das empfohlene 2–3-wöchige Behandlungsschema entsprechend modifiziert werden.

Tabelle 1: Palmar-plantare Erythrodysästhesie, Stomatitis

Woche nach vorhergehender Caelyx-Dosis

Toxizitätsgrad Woche 4

Woche 5

Woche 6

Grad 1

Unveränderte Dosis geben,

ausser beim Patienten ist eine

vorherige Haut-/Schleimhaut-

Toxizität Grad 3 oder 4

aufgetreten. In diesem Fall ist

eine weitere Woche zu warten.

Unveränderte Dosis geben,

ausser beim Patienten ist eine

vorherige Haut-/Schleimhaut-

Toxizität Grad 3 oder 4

aufgetreten. In diesem Fall ist

eine weitere Woche zu warten.

Dosis um 25%

reduzieren; zu 4-

wöchigem Intervall

zurückkehren oder –

nur bei Stomatitis –

nach Ermessen des

Arztes Behandlung

abbrechen.

Grad 2

Eine weitere Woche warten.

Eine weitere Woche warten.

Dosis um 25%

reduzieren; zu 4-

wöchigem Intervall

zurückkehren oder –

nur bei Stomatitis –

nach Ermessen des

Arztes Behandlung

abbrechen.

Grad 3

Eine weitere Woche warten.

Eine weitere Woche warten.

Behandlung

abbrechen.

Grad 4

Eine weitere Woche warten.

Eine weitere Woche warten.

Behandlung

abbrechen.

Tabelle 2: Hämatologische Toxizität (ANC und Thrombozyten) - Patientinnen mit Mamma- oder

Ovarialkarzinom

Toxizitätsgrad Dosisanpassung

Grad 1

Die Behandlung ohne Dosisreduktion weiterführen.

Grad 2/3

Warten, bis die ANC auf ≥1500 und die Thrombozyten auf ≥75'000 angestiegen

sind; keine Dosisreduktion.

Grad 4

Warten, bis die ANC auf ≥1500 und die Thrombozyten auf ≥75'000 angestiegen

sind; die Dosis um 25% reduzieren oder die vollständige Dosis mit einer

Wachstumsfaktor-Supportivtherapie fortsetzen.

Bei Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom sollten Dosisanpassungen wegen

hämatologischer Toxizität wie folgt vorgenommen werden: Die Caelyx-Behandlung sollte temporär

unterbrochen werden, falls ANC-Werte <1000/µl oder Thrombozytenzahlen <50000/µl auftreten. G-

CSF (oder GM-CSF) kann als Begleittherapie verabreicht werden, falls der ANC unter 1000/µl fällt.

Bei Kombinationstherapie Caelyx und Bortezomib gelten bei PPE und Mukositis die

Dosisempfehlungen von Tabelle 1, bei anderen unerwünschten Wirkungen siehe Tabelle 3.

Tabelle 3: Kombinationsbehandlung mit Caelyx und Bortezomib Patienten mit multiplem Myelom

Zustand des Patienten

Caelyx

(Caelyx wird am Tag 4 des

Bortezomib-Zyklus gegeben)

Bortezomib*

Fieber ≥38 °C und

ANC <1000/nm3

Bei Auftreten eines dieser Werte

vor Tag 4 des Bortezomib-Zyklus:

Caelyx im aktuellen Zyklus nicht

anwenden.

Bei Auftreten nach Tag 4 des

Bortezomib-Zyklus: nächste

Caelyx-Dosis um 25%

verrringern.

Nächste Dosis um 25% reduzieren.

Thrombozytenzahl

<25'000/nm3

Hämoglobin <8 g/dl

ANC <500/nm3

Bei Auftreten eines dieser Werte

vor Tag 4 des Bortezomib-Zyklus:

Caelyx im aktuellen Zyklus nicht

anwenden.

Bei Auftreten nach Tag 4 und falls

Bortezomib wegen

hämatologischer Toxizität

reduziert wird: Reduktion der

nächsten Caelyx-Dosis um 25%.

Bei Auftreten eines dieser Werte

Bortezomib nicht anwenden. Falls 2 oder

mehr Bortezomib-Dosen in einem

Zyklus nicht gegeben werden, Reduktion

der Bortezomib-Dosis in den nächsten

Zyklen um 25%.

Nicht hämatologische

Toxizität Grad 3 oder 4

Caelyx nicht anwenden, bis

Rückgang der Toxizität auf Grad

<2 erfolgt ist.

Bei allen nachfolgenden

Behandlungen Dosis um 25%

reduzieren.

Bortezomib nicht anwenden, bis

Rückgang der Toxizität auf Grad <2

erfolgt ist.

Bei allen nachfolgenden Behandlungen

Dosis um 25% reduzieren.

Neuropathische

Schmerzen oder

periphere Neuropathie

Keine Dosismodifikation.

Siehe Bortezomib Fachinformation.

* Weitere Informationen zur Dosierung und Dosisanpassung von Bortezomib: siehe

Arzneimittelfachinformation von Bortezomib.

Spezielle Dosierungsanweisungen

Patienten mit Leberfunktionsstörungen

Die Dosierung von Caelyx soll bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion folgendermassen

reduziert werden: Wenn die Bilirubin-Werte bei Therapiebeginn zwischen 1,2 und 3,0 mg/dl liegen,

wird die erste Dosis um 25% reduziert. Wenn der Bilirubin-Spiegel >3,0 mg/dl beträgt, wird die erste

Dosis um 50% reduziert. Wenn der Patient die erste Dosis ohne einen Anstieg des Serumbilirubins

oder der Leberenzyme verträgt, kann die Dosis für den 2. Zyklus auf die nächsthöhere Dosis

gesteigert werden, das heisst, wenn sie für die erste Dosis um 25% gesenkt wurde, wird sie für den 2.

Zyklus auf die volle Dosis erhöht; wenn sie für die erste Dosis um 50% reduziert wurde, wird sie für

den 2. Zyklus auf 75% der vollen Dosis angehoben. Bei Verträglichkeit kann die Dosierung für die

sich anschliessenden Zyklen auf die volle Dosis erhöht werden.

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen

Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von weniger als 30 ml/Min sollte Caelyx mit Vorsicht

angewendet werden.

Patienten mit Splenektomie

Da Erfahrungen bei Patienten mit Splenektomie nicht vorliegen, ist von einer Behandlung mit

Caelyx abzuraten.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten wird keine spezielle Dosisanpassung empfohlen.

Pädiatrie

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Caelyx wurde bei Patienten unter 18 Jahren nicht ermittelt.

Kontraindikationen

Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Doxorubicinhydrochlorid oder einem anderen Bestandteil

von Caelyx.

Unverträglichkeit gegenüber anderen Anthrazyclinderivaten oder Anthracendionen.

Jegliche Formen von dekompensierter Kardiomyopathie.

Floride Infektionen.

Knochenmarksdepression.

Bei Patienten, die bereits mit maximalen kumulativen Dosen anderer Anthrazycline oder von

Anthracendionen vorbehandelt wurden.

Schwangerschaft und Stillzeit.

Caelyx sollte nicht zur Behandlung von AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom verwendet werden, das

mit einer lokalen Therapie oder mit systemischem Alfa-Interferon wirksam behandelt werden kann.

Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen

Kardiale Risiken

Patienten, die Caelyx verabreicht bekommen, sollten routinemässig klinisch kardial untersucht

werden. EKG und eine Messung der linksventrikulären Auswurffraktion (LVEF) anhand der

Echokardiographie oder bevorzugt anhand des MUGA-Scans (Multiple Gated Angiography) sollten

routinemässig vor Beginn der Caelyx-Therapie durchgeführt und während der Behandlung

periodisch wiederholt werden. Die Beurteilung der linksventrikulären Funktion ist vor jeder weiteren

Caelyx-Verabreichung obligatorisch, bei der bei Patienten ohne vorherige Anthrazyclin-Therapie

eine kumulative Anthrazyclin-Dosis von 600 mg/m² (Caelyx) überschritten wird. Bei Patienten, die

zuvor eine Behandlung mit Anthrazyklinen oder Anthracendionen erhielten, müssen die Messungen

der LVEF vor jeder zusätzlichen Verabreichung von Caelyx, die eine kumulative Dosis von 450

mg/m² (Doxorubicin, Epirubicin) überschreitet, vorgenommen werden. Wann immer eine

Kardiomyopathie vermutet wird, d.h. wenn die linksventrikuläre Auswurffraktion gegenüber dem

Wert vor der Behandlung erheblich abgenommen hat und/oder die linksventrikuläre Auswurffraktion

niedriger ist als der prognostisch relevante Wert (z.B. <45%), soll eine endomyokardiale Biopsie in

Erwägung gezogen werden. Der Nutzen einer fortgesetzten Behandlung ist dann sorgfältig gegen das

Risiko für das Auftreten einer irreversiblen Herzschädigung abzuwägen.

Die erwähnten Tests und Verfahren zur Überwachung der kardialen Leistung während der

Anthrazyclin-Therapie sind in der folgenden Reihenfolge einzusetzen: EKG-Überwachung, Messung

der linksventrikulären Ejektionsfraktion, endomyokardiale Biopsie. Deutet ein Testergebnis auf eine

mögliche Herzschädigung hin, so muss der Vorteil einer Weiterführung der Therapie sorgfältig

gegenüber dem Risiko einer Herzschädigung abgewogen werden.

Vorübergehende EKG-Veränderungen wie T-Wellen-Abflachung, ST-Strecken-Senkung und

benigne Arrhythmien werden nicht als zwingende Indikationen für das Absetzen der Caelyx-

Therapie angesehen. Die Reduktion des QRS-Komplexes wird als empfindlicher Marker einer

kardialen Toxizität angesehen.

Kongestive Herzinsuffizienz aufgrund einer Kardiomyopathie kann plötzlich, ohne vorherige EKG-

Veränderungen, eintreten und kann sich auch noch einige Wochen nach Beendigung der Therapie

manifestieren.

Patienten, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Anamnese aufweisen, sollten Caelyx nur erhalten,

wenn die Vorteile für den Patienten gegenüber dem Risiko überwiegen.

Vorsicht ist geboten bei Patienten mit eingeschränkter Herzfunktion, die Caelyx erhalten.

Bei der Gesamtdosis von Doxorubicinhydrochlorid muss auch jegliche frühere oder begleitende

Therapie mit verwandten Substanzen wie z.B. Daunorubicin (s. «Kontraindikationen» und Beginn

des Abschnittes «Kardiale Risiken») oder anderen kardiotoxischen Verbindungen wie z.B. 5-

Fluoruracil berücksichtigt werden.

Myelosuppression

Symptome einer Myelosuppression wie Anämie, Thrombozytopenie, Leukopenie und selten fiebrige

Neutropenie wurde bei mit Caelyx behandelten Patienten beobachtet.

Deshalb sollten periodische Blutbildkontrollen während der Behandlung mit Caelyx häufig

durchgeführt werden, zumindest aber vor jeder Verabreichung einer Caelyx-Dosis.

Dosisanpassungen sind gemäss der Angaben unter «Dosierung/Anwendung» vorzunehmen.

Viele Patienten, die mit Caelyx behandelt werden, haben bereits eine vorgeschädigte Hämopoese

aufgrund ihrer HIV-Erkrankung, arzneimittelbedingt oder aufgrund von Knochenmetastasen.

Im Gegensatz zu den Erfahrungen bei Patientinnen mit Mamma- oder Ovarialkarzinom scheint die

Myelosuppression bei Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom eine dosislimitierende

unerwünschte Wirkung zu sein.

Patienten mit Lebermetastasen

Bei Patienten mit Lebermetastasen mit gleichzeitiger Erhöhung des Bilirubins und der Leberenzyme

(bis auf das 4fache der oberen Grenze des Normbereiches) sollten die zur Bewertung der

Leberfunktion üblichen klinischen Labortests, wie zum Beispiel ALT/AST, alkalische Phosphatase

und Bilirubin, vor der Applikation von Caelyx durchgeführt werden.

Infusionsbedingte Reaktionen

Schwerwiegende und manchmal lebensbedrohliche infusionsbedingte Reaktionen können innerhalb

weniger Minuten nach Beginn der Infusion von Caelyx auftreten. Diese sind durch allergieartige

oder anaphylaktoide Reaktionen charakterisiert, mit Symptomen wie Reaktionen an der

Injektionsstelle, Ausschlag, Pruritus, Urtikaria, Gesichtsödem, Engegefühl in Brust und Hals,

Pharyngitis, Dyspnoe, Brustschmerzen, Asthma, Vasodilatation, Hitzewallungen,

Schweissausbrüchen, Hypotonie, Hypertonie, Tachykardie, Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost

und/oder Rückenschmerzen. In sehr seltenen Fällen wurden auch Konvulsionen beobachtet. Eine

vorübergehende Unterbrechung der Infusion lässt diese Symptome in der Regel abklingen, ohne dass

eine Behandlung notwendig ist. Arzneimittel zur Behandlung der Symptome (z.B. Antihistaminika,

Kortikosteroide, Adrenalin und Antikonvulsiva) sowie eine Notfallausrüstung sollten immer

griffbereit sein. Bei den meisten Patienten kann die Behandlung mit einer langsameren

Geschwindigkeit (nicht schneller als 1 mg/Min) wieder aufgenommen werden, sobald alle

Symptome verschwunden sind und nicht mehr wiederkehren. Zur Minimierung des Risikos für

Infusionsreaktionen soll die erste Infusion gemäss den Angaben unter «Dosierung/Anwendung»

verabreicht werden. Infusionsreaktionen nach dem ersten Behandlungszyklus sind selten.

Patientinnen mit Mamma- und Ovarialkarzinom

Die am häufigsten dokumentierte unerwünschte Wirkung in den klinischen Studien bei

Mammakarzinom und Ovarialkarzinom war die palmar-plantare Erythrodysaesthesie (PPE). Die

Gesamtinzidenz der angegebenen PPE-Fälle betrug 46,9%, eine schwere Ausprägung (Grad III)

wurde in 19% der Fälle berichtet. Die dokumentierte Häufigkeit von lebensbedrohlichen Fällen

(Grad IV) lag bei <1%. Die PPE erforderte bei 3,7%–7,0% der Patientinnen ein endgültiges Absetzen

der Behandlung. Die PPE ist durch schmerzhafte, mit fleckenartigen Rötungen einhergehende

Hauteruptionen gekennzeichnet. Bei Patientinnen, die dieses Erscheinungsbild entwickeln, wurde es

in der Regel nach zwei oder drei Behandlungszyklen festgestellt. Eine Besserung tritt im

Allgemeinen nach ein bis zwei Wochen mit oder ohne Kortikoidbehandlung ein, in einigen Fällen

können bis zum vollständigen Abklingen des Erscheinungsbildes bis zu 4 Wochen oder mehr

vergehen. Zur Prophylaxe und Behandlung der PPE ist Pyridoxin in einer Dosis von 50–150 mg pro

Tag eingesetzt worden. Andere Massnahmen zur Vorbeugung und Behandlung einer PPE sind:

Hände und Füsse kühl halten mit Hilfe von kaltem Wasser (Umschläge, Bäder oder Schwimmen),

Vermeidung von übermässiger Hitze/heissem Wasser; Hände und Füsse unbedeckt halten (keine

Socken, Handschuhe oder engen Schuhe). Das Risiko einer PPE scheint in erster Linie von der Dosis

und den Verabreichungszeiträumen abhängig zu sein und kann durch Verlängerung des

Dosierungsintervalls von Caelyx um 1–2 Wochen oder Dosisreduktion von Caelyx verringert werden

(siehe «Dosierung/Anwendung», Tabelle 1). Diese Reaktion kann bei einigen Patienten schwer

ausgeprägt sein, sie deutlich beeinträchtigen und einen Abbruch der Behandlung erforderlich

machen.

Sekundäre orale Neoplasien

Sehr selten wurden Fälle eines sekundären Oralkarzinoms bei Patienten unter Langzeitbehandlung

mit Caelyx (länger als ein Jahr) oder solchen, die eine kumulative Caelyx Dosis über 720 mg/m2

erhalten haben, berichtet. Diese Fälle wurden entweder während der Behandlung mit Caelyx oder bis

zu 6 Jahre nach der letzten Dosis diagnostiziert. Die Patienten sollten in regelmässigen Abständen

hinsichtlich des Vorhandenseins oraler Ulzerationen oder etwaiger oraler Beschwerden, die als

Anzeichen eines sekundären Oralkarzinoms sein könnten, untersucht werden.

Kaposi-Sarkom

Die Erfahrungen in der Second-Line-Therapie des AIDS-assoziierten Kaposi-Sarkoms sind limitiert.

Diabetiker

Es muss beachtet werden, dass jede Caelyx-Durchstechflasche Saccharose (94 mg/ml) enthält und

dass Caelyx verdünnt in Glukose 5% verabreicht wird.

Interaktionen

Es wurden mit Caelyx keine Interaktionsstudien durchgeführt. Vorsicht ist angezeigt bei

gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln, für welche Interaktionen mit konventionellem

Doxorubicinhydrochlorid bekannt sind.

Caelyx kann wie andere Doxorubicinhydrochlorid-Präparate die Toxizität anderer zytostatischer

Therapien potenzieren. Bei Patientinnen mit Ovarial- oder Mammakarzinom, die gleichzeitig

Cyclophosphamid oder Taxane erhielten, wurden keine neuen additiven Toxizitäten festgestellt. Bei

Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom wurde unter konventionellem

Doxorubicinhydrochlorid eine Verschlimmerung der Cyclophosphamid-induzierten hämorrhagischen

Zystitis und eine Steigerung der Hepatotoxizität von 6-Mercaptopurin berichtet. Vorsicht ist geboten,

wenn gleichzeitig weitere zytotoxische Substanzen verabreicht werden, insbesondere myelotoxische

Arzneimittel.

Schwangerschaft/Stillzeit

Schwangerschaft

Caelyx ist bei Ratten embryotoxisch und teratogen, bei Kaninchen embryotoxisch und abortiv.

Caelyx führt bei Ratten und Hunden nach Mehrfachgabe zu Hodenatrophie. Bei konventionellen

Doxorubicin-Präparaten wurden Störungen der Spermatogenese bei Mensch und Tier beobachtet.

Es besteht keine Erfahrung mit Caelyx bei schwangeren Frauen. Caelyx ist in der Schwangerschaft

kontraindiziert. Frauen im gebärfähigen Alter soll geraten werden, eine Schwangerschaft so lange zu

vermeiden und wirksame empfängnisverhütende Methoden anzuwenden, wie sie oder ihr Partner

Caelyx erhalten und bis zu 6 Monate nach Abschluss der Caelyx-Therapie.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Caelyx in die Muttermilch übergeht. Aufgrund der Möglichkeit

schwerwiegender Nebenwirkungen auf gestillte Kinder durch Caelyx soll während der Behandlung

mit Caelyx nicht gestillt werden.

HIV-infizierte Frauen sollen ihre Kinder unter keinen Umständen stillen, um eine Übertragung von

HIV zu vermeiden.

Wirkung auf die Fahrtüchtigkeit und auf das Bedienen von Maschinen

Caelyx kann zu unerwünschten Wirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen

führen. Patienten, die an diesen unerwünschten Begleiterscheinungen leiden, sollten die aktive

Teilnahme am Strassenverkehr und das Bedienen von Maschinen vermeiden.

Unerwünschte Wirkungen

Die am häufigsten beobachteten unerwünschten Wirkungen bei Patientinnen mit Mamma- und

Ovarialkarzinom (50 mg/m² alle 4 Wochen) sind: palmar-plantare Erythrodysästhesie (PPE),

Stomatitis, Mukositis und Übelkeit. Im Rahmen des AIDS-KS-Programms (20 mg/m² alle

2 Wochen) war eine Myelosuppression (zumeist eine Leukopenie) die häufigste unerwünschte

Wirkung.

Die häufigsten unerwünschten Wirkungen bei Patienten mit multiplem Myelom, die mit einer

Kombination aus Caelyx (30 mg/m²) und Bortezomib behandelt wurden, waren Übelkeit (40%),

Diarrhö (35%), Neutropenie (33%), Thrombozytopenie (29%), Erbrechen (28%), Müdigkeit (27%)

und Obstipation (22%). Palmar-plantare Erythrodysästhesie trat bei 16% der Patienten mit multiplem

Myelom auf. Mit Ausnahme der PPE traten diese unerwünschten Wirkungen bei

Kombinationsbehandlung häufiger auf als bei Monotherapie.

Bei Patienten mit multiplem Myelom darf sich die Gabe von Bortezomib und Caelyx an Tag 4 um

bis zu 48 Stunden verzögern, falls medizinisch erforderlich. Die Gabe von Bortezomib sollte im

Abstand von mindestens 72 Stunden erfolgen.

Weitere wichtige unerwünschte Wirkungen sind infusionsbedingte Reaktionen (siehe

«Dosierung/Anwendung» und «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Unerwünschte Wirkungen nach Organklassen in Studien bei Patientinnen mit Mamma- und

Ovarialkarzinom (Caelyx-Monotherapie) oder multiplem Myelom (Kombinationsbehandlung Caelyx

+ Bortezomib) oder während der Anwendungsbeobachtung nach Markteinführung:

«Sehr häufig» (≥1/10), «häufig» (<1/10, ≥1/100), «gelegentlich» (<1/100, ≥1/1000), «selten»

(<1/1000, ≥1/10'000, «sehr selten» (<1/10'000).

Infektionen und Infestationen

Häufig: Pharyngitis, Infektionen, Infektion der oberen Atemwege, orale Candidose, Herpes zoster,

Herpes simplex, Pneumonie.

Gelegentlich: Infektion der unteren Atemwege, Hautinfektionen, Pilzerkrankungen,

Harnwegsinfektionen, Follikulitis, Nasopharyngitis, Sepsis.

Gutartige, bösartige und unspezifische Neubildungen (einschl. Zysten und Polypen)

Sehr selten: sekundäres Oralkarzinom (siehe nachstehenden Abschnitt «Alle Patienten»).

Störungen des Blut- und Lymphsystems

Sehr häufig: Neutropenie (25,6%, Grad III/IV: 14,2%), Anämie (21,6%, Grad III/IV: 5,1%),

Leukopenie (18,4%, Grad III/IV: 5,7%) Thrombozytopenie (13,9%, Grad III/IV: 7,1%).

Häufig: febrile Neutropenie, Thrombozythämie.

Gelegentlich: Lymphopenie, hypochrome Anämie.

Störungen des Immunsystems

Häufig: infusionsbedingte Reaktion (9%), allergische Reaktion.

Gelegentlich: Anaphylaxie, Anaphylaktoide Reaktionen.

Stoffwechsel und Ernährungsstörungen

Sehr häufig: Anorexie (13,0%, Grad III/IV: 0,9%).

Häufig: Dehydrierung, verminderter Appetit, Gewichtsverlust, Hypokaliämie.

Gelegentlich: Hyperkaliämie, Hypomagnesiämie, Hyponatriämie, Hypokalzämie, Kachexie.

Psychiatrische Störungen

Häufig: Angstgefühl, Schlafstörung, Depression.

Störungen des Nervensystems

Häufig: Kopfschmerzen, Parästhesie, periphere Neuropathie, Polyneuropathie, Schwindel,

Dysgeusie.

Gelegentlich: veränderter Gang, Lethargie, Hypoästhesie, Dysästhesie, Synkope.

Augenleiden

Häufig: Konjunktivitis.

Gelegentlich: gesteigerter Tränenfluss, gereizte, trockene oder schmerzende Augen, Sehstörungen.

Funktionsstörungen des Herzens

Häufig: Herz-Kreislauf-Störung, verminderte Auswurffraktion (bei multiplem Myelom).

Gelegentlich: ventrikuläre Arrhythmien.

Funktionsstörungen der Gefässe

Häufig: Vasodilatation, Hypotonie, orthostatische Hypotonie, Flushing.

Gelegentlich: Hypertonie, Thrombophlebitis, Venenthrombose (siehe nachstehenden Abschnitt «Alle

Patienten»).

Selten: Lungenembolie (siehe nachstehenden Abschnitt «Alle Patienten»).

Atmungsorgane (Respiratorische, thorakale und mediastinale Funktionsstörungen)

Häufig: Dyspnoe, Husten.

Gastrointestinale Störungen

Sehr häufig: Übelkeit (38,5%, Grad III/IV: 3,3%), Stomatitis (28,1%, Grad III/IV: 5,5%), Erbrechen

(24,3% Grad III/IV: 3,7%), Diarrhoe (17,4%, Grad III/IV: 3,0%), Obstipation (14,4% Grad III/IV:

0,7%).

Häufig: Abdominalschmerzen, Oberbauchschmerzen, Dyspepsie, Dysphagie, Mundulzera,

Mundtrockenheit, veränderter Geschmack, Oesophagitis, Gastritis, Epistaxis, Mukositis.

Gelegentlich: Flatulenz, orale Schmerzen, Gingivitis.

Funktionsstörungen der Leber und der Galle

Häufig: erhöhtes AST.

Gelegentlich: erhöhtes Gesamtbilirubin, erhöhte ALT.

Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Sehr häufig: PPE (Palmar-plantare Erythrodysästhesie, Hand-Fuss Syndrom, 37,7%, Grad III: 19%

Grad IV: <1%), Hautausschlag (17,3%, Grad III/IV: 2,4%), Erkrankungen der Schleimhäute (nur

Patientinnen mit Ovarialkarzinom, 14,5%, Grad III/IV: 3,1%), Alopezie (13,4%, Grad III/IV: 0,6%).

Häufig: Hautrockenheit, Hautverfärbungen, abnormale Pigmentierung, Erythem, Pruritus,

vesikulobullöser Hautausschlag, makulopapulöser Hautausschlag, Dermatitis, exfoliative Dermatitis,

Störung der Haut, Nagelveränderungen, Hautabschuppung.

Gelegentlich: Schwitzen, Akne, Urtikaria, Ekchymose, Hautgeschwür, Exanthem.

Sehr selten: Erythema multiforme, Stevens-Johnson, Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse

(siehe nachstehenden Abschnitt «Alle Patienten»).

Muskelskelettsystem

Häufig: Rückenschmerzen, Myalgien, Skelettschmerzen, Gelenkschmerzen, Thoraxschmerzen,

Muskelspasmen.

Gelegentlich: Knochenschmerzen,.

Erkrankungen der Niere und Harnwege

Gelegentlich: erhöhtes Serumkreatinin, Dysurie.

Funktionsstörungen des Reproduktionssystems und der Brust

Gelegentlich: Schmerzen in der Brust, Vaginitis, scrotales Erythem.

Allgemeine Störungen und Reaktionen an der Applikationsstelle

Sehr häufig: Asthenie (23,3%, Grad III/IV: 4,9%), Müdigkeit (13,2%, Grad III/IV: 1,6%), Fieber

(11,6%, Grad III/IV: 0,5%).

Häufig: Schleimhautveränderungen, Schmerzen, Schüttelfrost, Malaise, periphere Ödeme,

grippeartige Erkrankung, Hyperthermie, Dehydrierung.

Unerwünschte Arzneimittelwirkungen nach Organklassen bei Patienten mit AIDS-assoziiertem

Kaposi-Sarkom, die bei den anderen Indikationen nicht beobachtet wurden:

Augenleiden

Häufig: Retinitis.

Gastrointestinale Störungen

Häufig: Glossitis.

Die am häufigsten in klinischen Studien beobachteten opportunistischen Infektionen waren

Candidiasis, Infektionen durch Zytomegalie-Virus, Herpes simplex, Pneumocystis carinii-

Pneumonien und Infektionen durch Mycobacterium avium.

Bestimmte Blutbildveränderungen waren bei Patienten mit AIDS-assoziiertem Kaposi-Sarkom

häufiger als bei den übrigen Indikationen: Leukopenie (61,2%), Anämie (55,4%), Neutropenie

(48,9%), und Thrombocytopenie (häufig).

Alle Patienten

Bei Krebspatienten besteht ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien. Bei Patienten unter

Behandlung mit Caelyx werden gelegentlich Fälle von Thrombophlebitis und Venenthrombose

beobachtet sowie seltene Fälle einer Lungenembolie.

Nach Markteintritt von Caelyx wurde sehr selten über schwere Hauterscheinungen einschliesslich

Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom und toxische epidermale Nekrolyse berichtet.

Sehr selten wurde über Fälle eines sekundären Oralkarzinoms bei Patienten unter

Langzeitbehandlung mit Caelyx (länger als ein Jahr) oder solchen, die eine kumulative Caelyx Dosis

über 720 mg/m2 erhalten haben, berichtet.

Überdosierung

Eine akute Überdosis von Caelyx verschlimmert die toxischen Wirkungen wie Mukositis,

Leukopenie und Thrombopenie. Die Behandlung einer akuten Überdosierung eines schwer

myelosupprimierten Patienten besteht in Hospitalisation, Antibiotikagabe, Thrombozyten- und

Granulozyten-Transfusionen und einer symptomatischen Behandlung der Mukositis.

Eigenschaften/Wirkungen

ATC-Code: L01DB01

Wirkungsmechanismus/Pharmakodynamik

Doxorubicinhydrochlorid, der Wirkstoff von Caelyx, ist ein zytotoxisches Anthrazyclin-

Antibiotikum, das aus Streptomyces peucetius var. caesius gewonnen wird. Es hemmt als Folge einer

Interkalation in die DNA die Nukleinsäuresynthese über die Hemmung der Topoisomerase II und

damit auch die Proteinsynthese der Zelle, woraus die zytotoxische Wirkung resultiert.

Caelyx ist eine liposomale, wässrige rote Zubereitung mit Doxorubicinhydrochlorid. Die

Doxorubicin-haltigen Liposomen sind polyethylenglykolisiert, d.h. an ihre Oberfläche wurden

Methoxypolyethylenglykol(MPEG)-Ketten gebunden. Diese bilden eine hydrophile Schicht, von der

man vermutet, dass sie die Liposomen vor der Phagozytose durch Makrophagen schützt, so dass sie

länger im Blutkreislauf zirkulieren. Gleichzeitig sind diese polyethylenglykolisierten Liposomen

klein genug (ca. 100 nm), dass sie intakt durch die defekten Blutgefässe der Tumore hindurchtreten

und im Tumorgewebe akkumulieren. Doxorubicinhydrochlorid bleibt in den Liposomen

eingekapselt, solange diese im Blut zirkulieren, und wird erst nach Austritt der Liposomen ins

Gewebe freigesetzt.

Klinische Wirksamkeit

Metastasierendes Mammakarzinom

In einer randomisierten Phase-III-Studie mit Caelyx versus Doxorubicinhydrochlorid an 509

Patientinnen mit metastasierendem Mammakarzinom wurde die therapeutische Äquivalenz belegt.

Das mediane progressionsfreie Überleben betrug 6,9 versus 7,8 Monate. Die HR («Hazard Ratio»)

betrug 1,00 (95%-Vertrauensintervall 0,82–1,22). Das mediane Gesamtüberleben betrug 21 versus

22 Monate, die Ansprechrate 33% versus 38%.

Kardiale Nebenwirkungen (definiert als Reduktion der linksventrikulären Auswurffraktion (LVEF)

um 20 Punkte bei normalem Ausgangswert oder um 10 Punkte bei pathologischem Ausgangswert)

traten in dieser Studie bei 10/254 Patientinnen unter Caelyx (50 mg/m² alle 4 Wochen) und bei

48/255 Patientinnen unter Doxorubicin (60 mg/m² alle 3 Wochen) auf. Keine der 10 mit Caelyx

behandelten Patientinnen entwickelte Zeichen einer kongestiven Herzinsuffizienz, aber 10 der 48 mit

Doxorubicin behandelten Patientinnen hatten Symptome einer kongestiven Herzinsuffizienz. Das

Risiko der Entwicklung eines kardialen Ereignisses war in Abhängigkeit von der kumulativen

Anthrazyclin-Dosis unter der Therapie mit Caelyx signifikant geringer als unter Therapie mit

Doxorubicin (HR [Doxorubicin/Caelyx] = 3,16, p <0,001). Bei kumulativen Anthrazyklindosen von

450 mg/m² bis 600 mg/m² fand sich kein erhöhtes Risiko einer kardialen Toxizität unter Caelyx. Eine

Progression zu einer Herzinsuffizienz wurde unter Caelyx bei 2 Patientinnen beobachtet, von denen

eine kardiale Vorerkrankungen aufwies (siehe «Warnhinweise und Vorsichtsmassnahmen»).

Bei Patientinnen, welche mit einer Dosis von 50 mg/m²/Zyklus mit einer kumulativen Anthrazyclin-

Dosis bis zu 1532 mg/m² behandelt wurden, war die Inzidenz einer klinisch relevanten kardialen

Dysfunktion niedrig. Von 418 Patientinnen, bei denen die LVEF bestimmt wurde, hatten

88 Patientinnen eine kumulative Anthrazyclin-Dosis von >400 mg/m². Nur 13 dieser 88 Patientinnen

(15%) hatten mindestens eine klinisch relevante Veränderung der LVEF (LVEF-Wert weniger als

45% oder Abnahme von mindestens 20 Punkten im Vergleich zum Anfangswert). Bei einer Patientin

(kumulative Anthrazyklindosis 944 mg/m²) wurde aufgrund klinischer Symptome einer kongestiven

Herzinsuffizienz die Studienbehandlung abgebrochen.

Bei 8 an einem soliden Tumor leidenden Patientinnen unter kumulativen Anthrazyclin-Dosen

(Caelyx) von 509 mg/m²-1680 mg/m² zeigte die Endomyokardbiopsie Kardiotoxizitäts-Scores nach

Billingham von Grad 0–1,5. Diese Grading Scores stehen im Einklang mit keiner bzw. einer leichten

Kardiotoxizität.

In einer Phase-III-Vergleichsstudie mit Caelyx versus Vinorelbin oder Mitomycin C + Vinblastin

wurden 301 Patientinnen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom, bei denen ein Taxol-haltiges

Behandlungsregime versagt hatte, behandelt. Das progressionsfreie Überleben war für Caelyx und

den aktiven Komparator äquivalent mit 2,86 versus 2,53 Monaten. Die HR (Hazard Ratio) betrug

1,26 (95%-Vertrauensintervall 0,98–1,62, p= 0,11).

Fortgeschrittenes Ovarialkarzinom

In einer Phase-III-Studie an 474 Patientinnen mit Ovarialkarzinom, das auf die Therapie der ersten

Wahl auf Platin-Basis nicht angesprochen hatte, wurde Caelyx mit Topotecan verglichen. Für die

auswertbaren Patientinnen erwies sich bezüglich der Zeit bis zur Progression als primärem Endpunkt

Caelyx gegenüber Topotecan als überlegen (Progressionsquotient 1,262, 90%-Vertrauensintervall

1,062–1,500, p= 0,026). Für die vollständige ITT-Population war die Gesamtüberlebensrate unter

Caelyx im Vergleich zu Topotecan mindestens gleichwertig mit einem Quotienten des

Gesamtüberlebens von 1,121 (90%-Vertrauensintervall 0,920–1,367, p= 0,34) zugunsten von Caelyx.

Für die im Studienprotokoll definierten, auf Platin ansprechenden Untergruppen der ITT-Population

war Caelyx in Bezug auf die Zeit bis zur Progression und die Gesamtüberlebensrate signifikant

überlegen (Progressionsquotient 1,349, p= 0,037, 90%-Vertrauensintervall 1,065–1,709, im Mittel

202 bzw. 163 Tage; Quotient des Gesamtüberlebens 1,720, 90%-Vertrauensintervall 1,222–2,422, p

<0,01, im Mittel 756 bzw. 498 Tage).

Obwohl Schmerz infolge palmar-plantarer Erythrodysästhesie bei Caelyx-behandelten Patienten

häufiger ist, führte dies selten zum vorzeitigen Abbruch der Therapie. In der Überlebensanalyse war

Caelyx im Hinblick auf Parameter der Lebensqualität wie Toxizität und Progression gegenüber

Topotecan jeweils überlegen.

Multiples Myelom

In einer randomisierten, parallelen, offenen, multizentrischen Studie an 646 Patienten mit nach

Vortherapie progressivem multiplem Myelom wurde die Kombinationstherapie mit Caelyx plus

Bortezomib gegen Bortezomib Monotherapie verglichen. Die mediane Zeit bis zur Progression (time

to progression, TTP) betrug 6,5 Monate für die Bortezomib-Monotherapie-Patienten, im Vergleich

zu 9,3 Monaten für die Patienten der Caelyx plus Bortezomib Kombinationstherapie (HR 1,82, CI

95% 1,41, 2,35, p <0,0001).

Die Ansprechrate betrug 43 vs. 48% bei einer vollständigen Ansprechrate (complete response, CR)

von 3% vs. 5%. Die mediane Gesamtüberlebenszeit konnte bisher noch nicht bestimmt werden (HR

1,4, CI 95% 1,002, 1,972, p= 0,048).

Pharmakokinetik

Die Pharmakokinetik von Caelyx unterscheidet sich bedeutend von der Pharmakokinetik von

konventionellen Doxorubicinhydrochlorid-Präparaten. Caelyx weist in niedrigen Dosierungen (10

mg/m²–20 mg/m²) eine lineare Kinetik und in Dosierungen bis 60 mg/m² eine nicht-lineare Kinetik

auf.

Distribution

Caelyx bleibt hauptsächlich auf das vaskuläre Flüssigkeitsvolumen beschränkt, das mittlere zentrale

Verteilungsvolumen beträgt 1,93 l/m² (Bereich: 0,96–3,85 l/m²), was dem Plasmavolumen entspricht.

Konventionelles Doxorubicin hingegen zeigt eine ausgeprägte Gewebeverteilung

(Verteilungsvolumen 700–1100 l/m²). Bei vergleichbaren Dosen sind die Plasmakonzentrationen und

die AUC-Werte bei Caelyx bedeutend höher als bei konventionellen Doxorubicin-Präparaten. 90–

95% des im Blut gemessenen Doxorubicins liegt dabei in Liposomen verkapselt vor.

Metabolismus

Bezüglich Metabolismus unterscheidet sich Caelyx nicht von den konventionellen Doxorubicin-

Präparaten: Doxorubicin wird teilweise metabolisiert. Hauptmetabolit ist das aktive Doxorubicinol (=

Adriamycinol = 13-OH-Doxorubicin). Der Metabolismus erfolgt sowohl in der Leber als auch

extrahepatisch über eine NADPH-abhängige Aldoketoreduktase.

Elimination

Die Elimination erfolgt wie bei konventionellem Doxorubicin hauptsächlich über die Galle und

Faeces, in unveränderter Form und als Metaboliten (Doxorubicinol). Die Clearance von Caelyx ist

abhängig vom liposomalen Trägersystem und beträgt 0,030 l/h/m² (Bereich 0,008–0,152 l/h/m²), die

Halbwertszeit beträgt 73,9 h (Bereich: 24–231 h). Im Vergleich dazu ist die Elimination von

konventionellem Doxorubicin schnell (Clearance 24–73 l/h/m²).

Kinetik spezieller Patientengruppen

Patienten mit Leberinsuffizienz

Bei Patienten mit Leberinsuffizienz liegen nur beschränkte Daten vor.

Die Pharmakokinetik von Caelyx, die an einer kleinen Anzahl von Patienten mit erhöhtem

Gesamtbilirubin (bis 4 mg/dl) bestimmt wurde, unterschied sich nicht von derjenigen bei Patienten

mit normalem Gesamtbilirubin.

Patienten mit Niereninsuffizienz

Analysen von verschiedenen Patientengruppen bestätigen, dass Veränderungen der Nierenfunktion

im untersuchten Bereich (geschätzte Kreatinin-Clearance 30–156 ml/Min.) die Pharmakokinetik von

Caelyx nicht beeinflussen. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance von weniger als 30 ml/Min.

liegen keine pharmakokinetischen Daten vor.

Geriatrie

Das Alter (untersuchte Altersgruppen: 21–75 Jahre) hat keine signifikanten Veränderungen der

Pharmakokinetik von Caelyx zur Folge.

Pädiatrie

Zur Pharmakokinetik in der Pädiatrie liegen keine Daten vor.

Präklinische Daten

Mutagenität und Karzinogenität

Mit Caelyx wurden keine Studien durchgeführt. Doxorubicin-HCl ist als mutagen und karzinogen

bekannt. Polyethylenglykolisierte, wirkstofffreie Liposomen sind weder mutagen noch genotoxisch.

Reproduktionstoxizität

Caelyx verursachte eine geringfügige bis mässige Ovar- und Hoden-Atrophie bei Mäusen nach einer

Einmaldosis von 36 mg/kg. Vermindertes Hodengewicht und Hypospermie wurden bei Ratten nach

wiederholten Dosen von ≥0,25 mg/kg/Tag festgestellt. Bei Hunden beobachtete man eine diffuse

Degeneration der Samenkanälchen und eine markante Abnahme der Spermatogenese nach

wiederholten Dosen von 1 mg/kg/Tag.

Nierentoxizität

Eine Studie hat gezeigt, dass Caelyx bei einer einmaligen intravenösen Dosis von mehr als der

doppelten klinischen Dosis renale Toxizität beim Affen hervorruft. Bei Ratten und Kaninchen wurde

renale Toxizität sogar bei niedrigeren einmaligen Dosen von Doxorubicin-HCl beobachtet.

Dermatologische Toxizität

In Studien mit wiederholter Verabreichung von Caelyx in klinisch relevanten Dosen bei Ratten und

Hunden wurden schwerwiegende Hautentzündungen und Ulzerationen beobachtet. In der Studie mit

Hunden wurden Auftreten und Schweregrad dieser Läsionen durch Reduzierung der Dosis oder

Verlängerung der Dosisintervalle verringert. Ähnliche Hautläsionen, die als palmar-plantare

Erythrodysästhesie bezeichnet werden, wurden auch bei Patienten nach intravenöser Dauerinfusion

beobachtet (siehe Abschnitt «Unerwünschte Wirkungen»).

Anaphylaktoide Reaktion

In Studien zur Toxizität bei wiederholter Verabreichung bei Hunden wurde nach Verabreichung von

polyethylenglykolisierten Liposomen als Placebo eine akute Reaktion beobachtet, die sich durch

Blutdruckabfall, blasse Schleimhäute, Speichelfluss, Erbrechen und Phasen der Überaktivität –

gefolgt von herabgesetzter Aktivität – und Lethargie äusserte. Eine ähnliche aber weniger heftige

Reaktion wurde bei Hunden, die mit Caelyx und Standard-Doxorubicin behandelt wurden,

beobachtet. Das Ausmass der blutdrucksenkenden Reaktion wurde durch eine Vorbehandlung mit

Antihistaminen herabgesetzt. Diese Reaktion war jedoch nicht lebensbedrohlich, und die Hunde

erholten sich schnell nach Absetzen der Behandlung.

Sonstige Hinweise

Inkompatibilitäten

Caelyx darf nur mit dem unter «Hinweise für die Handhabung» aufgeführten Arzneimittel gemischt

werden.

Caelyx ist inkompatibel mit Benzylalkohol, es kann zu einer Ausfällung kommen.

Haltbarkeit

Caelyx enthält kein Konservierungsmittel. Aseptische Bedingungen müssen unbedingt eingehalten

werden. Nach Anbruch der Durchstechflasche ist das Infusionskonzentrat sofort zu verwenden,

allfällige Reste sind fachgerecht zu entsorgen.

Die verdünnte Infusionszubereitung (siehe unten, «Hinweise für die Handhabung») ist 24 Std. bei

Raumtemperatur (15–25 °C) physikalisch und chemisch stabil. Aus mikrobiologischer Sicht sollte

sie sofort nach Zubereitung verwendet werden; falls erforderlich, kann sie maximal 24 Std. im

Kühlschrank (2–8 °C) aufbewahrt werden.

Besondere Lagerungshinweise

Caelyx ist vor Licht geschützt im Kühlschrank (2–8 °C) zu lagern. Nicht einfrieren.

Ausser Sicht- und Reichweite von Kindern aufbewahren.

Hinweise zur Handhabung

Durchstechflaschen, die Anzeichen von Niederschlägen oder anderen Partikeln aufweisen, dürfen

nicht verwendet werden.

Zubereitung der Infusionszubereitung und Applikation

Caelyx darf nicht als i.v. Bolusinjektion, intramuskulär, subkutan oder als unverdünntes

Infusionskonzentrat verabreicht werden.

Das Caelyx-Infusionskonzentrat wird vor der Verabreichung mit Glucose 5% verdünnt: Bei Dosen

<90 mg mit 250 ml und bei Dosen ≥90 mg mit 500 ml.

Die verdünnte Zubereitung wird durch intravenöse Infusion verabreicht (Zeitraum: siehe

«Dosierung/Anwendung», «Allgemeine Dosierungshinweise»). Es darf kein In-Line-Filter

verwendet werden.

Es wird empfohlen, die Caelyx-Infusionsleitung über einen Seitenanschluss an eine intravenöse

Infusionsleitung mit Glukose 5% anzuschliessen, um eine weitere Verdünnung zu erzielen und das

Risiko einer Thrombose und einer Extravasation zu minimieren. Die Infusion kann auch via eine

periphere Vene gegeben werden. Caelyx sollte als lokal reizend angesehen werden, obwohl eine

lokale Nekrose nach einer Extravasation sehr selten beobachtet wurde. Falls irgendwelche

Symptome einer Extravasation auftreten (z.B. Brennen, Erythem), muss die Infusion sofort

abgebrochen und in einer anderen Vene erneut begonnen werden. Das Bedecken der

Extravasationsstelle mit Eis für ungefähr 30 Minuten kann hilfreich sein, um die lokale Reaktion zu

lindern.

Der Venenkatheter und der Schlauch sollte zwischen den Verabreichungen von 2 Arzneimitteln mit

5% Glukose-Lösung für Infusionszwecke gespült werden.

Handhabung von Zytostatika

Caelyx sollte mit Vorsicht gehandhabt werden. Das Tragen von Handschuhen ist erforderlich. Falls

Caelyx mit Haut oder Schleimhaut in Kontakt gerät, sollte diese Stelle sofort gründlich mit Wasser

und Seife gewaschen werden.

Bei der Handhabung von Caelyx, der Zubereitung der Infusionszubereitung und der Entsorgung sind

die Richtlinien für Zytostatika zu befolgen.

Zulassungsnummer

54273 (Swissmedic).

Packungen

Caelyx Inf Konz 20 mg Stechamp 10 ml. (A)

Caelyx Inf Konz 50 mg Stechamp 25 ml. (A)

Zulassungsinhaberin

Janssen-Cilag AG, Zug, ZG.

Stand der Information

Dezember 2017.

  • Das Informationsblatt für dieses Produkt ist derzeit nicht verfügbar, können Sie eine Anfrage an unseren Kundendienst zu senden und wir werden Sie benachrichtigen, sobald wir in der Lage, um es zu erhalten.

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