Anagrelid Bluefish 0,5 mg Hartkapseln

Österreich - Deutsch - AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)

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Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation (PIL)

22-02-2021

Fachinformation Fachinformation (SPC)

22-02-2021

Wirkstoff:
ANAGRELIDHYDROCHLORID MONOHYDRAT
Verfügbar ab:
Bluefish Pharmaceuticals AB
ATC-Code:
L01XX35
INN (Internationale Bezeichnung):
ANAGRELIDHYDROCHLORIDE MONOHYDRATE
Verschreibungstyp:
Arzneimittel zur einmaligen Abgabe auf aerztliche Verschreibung
Produktbesonderheiten:
Abgabe durch eine (öffentliche) Apotheke
Zulassungsnummer:
138337
Berechtigungsdatum:
2018-05-25

Lesen Sie das vollständige Dokument

PACKUNGSBEILAGE

Gebrauchsinformation: Information für Patienten

Anagrelid Bluefish 0,5 mg Hartkapseln

Wirkstoff: Anagrelid

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder das medizinische

Fachpersonal.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es

kann anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt, Apotheker oder das

medizinische Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser

Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Anagrelid Bluefish und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie vor der Einnahme von Anagrelid Bluefish beachten?

Wie ist Anagrelid Bluefish einzunehmen?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Anagrelid Bluefish aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was ist Anagrelid Bluefish und wofür wird es angewendet?

Anagrelid Bluefish enthält den Wirkstoff Anagrelid. Anagrelid Bluefish ist ein Arzneimittel, das in die

Entwicklung der Blutplättchen eingreift. Es verringert die Anzahl der im Knochenmark gebildeten

Blutplättchen und reduziert auf diesem Weg die Zahl der im Blut zirkulierenden Blutplättchen wieder

auf ein normales Maß. Aus diesem Grund wird Anagrelid Bluefish zur Behandlung von Patienten mit

essenzieller Thrombozythämie eingesetzt.

Essenzielle Thrombozythämie ist eine Erkrankung des Knochenmarks, bei der zu viele Blutplättchen

(Thrombozyten) gebildet werden. Größere Mengen dieser Blutplättchen im Blut können zu

schwerwiegenden Problemen bei der Blutzirkulation bzw. bei der Blutgerinnung führen.

Was sollten Sie vor der Einnahme von Anagrelid Bluefish beachten?

Anagrelid Bluefish darf nicht eingenommen werden,

wenn Sie allergisch gegen Anagrelid oder einen der in Abschnitt 6. genannten sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels sind. Eine allergische Reaktion kann sich durch Ausschlag,

Juckreiz, Anschwellen des Gesichts oder der Lippen oder durch Kurzatmigkeit bemerkbar

machen;

wenn Sie an mäßigen oder schweren Leberproblemen leiden;

wenn Sie an mäßigen oder schweren Nierenproblemen leiden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Anagrelid Bluefish einnehmen:

wenn Sie an einer Herzerkrankung leiden, oder vermuten, Sie könnten an einer solchen leiden;

wenn Sie von Geburt an ein verlängertes QT-Intervall hatten oder Fälle von verlängertem QT-

Intervall in Ihrer Familiengeschichte auftreten (zu sehen im EKG, einer elektrischen

Aufzeichnung der Herztätigkeit) oder wenn Sie andere Medikamente einnehmen, die zu

abnormalen EKG-Veränderungen führen, oder wenn Sie erniedrigte Elektrolytspiegel, wie z. B.

von Kalium, Magnesium oder Kalzium haben (siehe Abschnitt „Einnahme von Anagrelid Bluefish

zusammen mit anderen Arzneimitteln“).

wenn Sie an einer Leber- oder Nierenerkrankung leiden.

In Kombination mit Acetylsalicylsäure (eine Substanz, die in vielen Arzneimitteln zur

Schmerzstillung und Fiebersenkung sowie zur Verhinderung der Bildung von Blutgerinnseln enthalten

ist, auch bekannt als Aspirin®) besteht ein erhöhtes Risiko für starke Blutungen (siehe Abschnitt

„Einnahme von Anagrelid Bluefish zusammen mit anderen Arzneimitteln“).

Kinder und Jugendliche

Bezüglich der Anwendung von Anagrelid Bluefish bei Kindern und Jugendlichen liegen nur begrenzte

Daten vor. Deshalb sollte dieses Arzneimittel mit Vorsicht angewandt werden.

Einnahme von Anagrelid Bluefish zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich andere

Arzneimittel eingenommen haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen.

Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie eines der folgenden Arzneimittel einnehmen:

Arzneimittel, die den Herzrhythmus verändern können, z. B. Sotalol, Amiodaron;

Fluvoxamin, zur Behandlung von Depressionen;

Bestimmte Arten von Antibiotika, wie z. B. Enoxacin, zur Behandlung von Infektionen;

Theophyllin, zur Behandlung von schwerem Asthma und Atemproblemen;

Arzneimittel zur Behandlung von Herzkrankheiten wie z. B. Milrinon, Enoximon, Amrinon,

Olprinon und Cilostazol;

Acetylsalicylsäure (eine Substanz, die in vielen Arzneimitteln zur Schmerzstillung und

Fiebersenkung sowie zur Verhinderung der Bildung von Blutgerinnseln enthalten ist, auch

bekannt als Aspirin®);

Andere Arzneimittel zur Behandlung von Erkrankungen, die sich auf die Blutplättchen in Ihrem

Blut auswirken, z. B. Clopidogrel;

Omeprazol, zur Senkung der im Magen gebildeten Magensäuremenge;

Orale Verhütungsmittel („Pille“): Wenn es bei Ihnen während der Einnahme dieses Arzneimittels

zu schweren Durchfällen kommt, kann dadurch die Zuverlässigkeit des oralen Verhütungsmittels

beeinträchtigt werden; deshalb wird die Anwendung einer weiteren Verhütungsmethode (z. B.

Kondom) empfohlen. Lesen Sie hierzu auch die Hinweise in der Packungsbeilage der von Ihnen

eingenommenen „Pille“.

Anagrelid Bluefish oder diese anderen Arzneimittel können sich gegenseitig in ihrer Wirkung

beeinflussen, wenn sie zusammen eingenommen werden. Wenn Sie sich nicht sicher sind, sprechen

Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker.

Schwangerschaft und Stillzeit

Wenn Sie schwanger sind oder schwanger werden möchten, teilen Sie dies bitte Ihrem Arzt mit.

Während der Schwangerschaft darf Anagrelid Bluefish nicht eingenommen werden. Frauen, bei denen

das Risiko einer Schwangerschaft besteht, sollten sicherstellen, dass sie während der Einnahme von

Anagrelid Bluefish eine wirksame Empfängnisverhütung durchführen. Wenn Sie Beratung im

Hinblick auf Verhütungsmethoden brauchen, sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt.

Wenn Sie stillen oder Ihr Baby stillen möchten, teilen Sie dies bitte Ihrem Arzt mit. Anagrelid

Bluefish darf während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Wenn Sie Anagrelid Bluefish

einnehmen, müssen Sie abstillen.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Achtung: Dieses Arzneimittel kann die Reaktionsfähigkeit und

Verkehrstüchtigkeit beeinträchtigen.

Einige Patienten, die mit Anagrelid Bluefish behandelt wurden, berichteten über Schwindelanfälle.

Wenn Ihnen schwindlig ist, dürfen Sie sich weder an das Steuer eines Fahrzeugs setzen noch

Maschinen bedienen.

Anagrelid Bluefish enthält Lactose

Bitte nehmen Sie dieses Arzneimittel daher erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen

bekannt ist, dass Sie unter einer Zuckerunverträglichkeit leiden.

Wie ist Anagrelid Bluefish einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei

Ihrem Arzt oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Wie viel Anagrelid Bluefish eingenommen werden muss, richtet sich nach Ihrer Krankheit. Ihr Arzt

wird die für Sie am besten geeignete Dosis verschreiben.

Zur Einleitung der Behandlung ist die übliche Dosis 1 mg Anagrelid Bluefish. Sie nehmen diese Dosis

in Form einer Kapsel zu 0,5 mg zweimal täglich für die Dauer von mindestens einer Woche ein.

Anschließend kann Ihr Arzt die Dosis, die Sie einnehmen erhöhen oder verringern, um sie Ihren

Bedürfnissen anpassen und um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.

Nehmen Sie die Kapseln unzerkaut mit einem Glas Wasser ein. Die Kapseln dürfen nicht zerdrückt

und der Inhalt darf nicht in einer Flüssigkeit verdünnt werden. Sie können die Kapseln während einer

Mahlzeit, nach einer Mahlzeit oder auf nüchternen Magen einnehmen. Die Kapsel(n) soll(en) am

besten jeden Tag zur gleichen Zeit eingenommen werden.

Nehmen Sie nie

mehr Kapseln ein, als Ihnen Ihr Arzt empfohlen hat.

Ihr Arzt wird Sie zu regelmäßigen Blutuntersuchungen auffordern, um die Wirksamkeit des

Arzneimittels zu überprüfen und zu kontrollieren, dass Ihre Leber und Ihre Nieren richtig

funktionieren.

Wenn Sie eine größere Menge von Anagrelid Bluefish eingenommen haben, als Sie sollten

Wenn Sie mehr Anagrelid Bluefish eingenommen haben als Sie sollten oder jemand anderes Ihr

Arzneimittel eingenommen hat, wenden Sie sich unverzüglich an Ihren Arzt oder Apotheker. Zeigen

Sie dabei die Packung Anagrelid Bluefish vor.

Wenn Sie die Einnahme von Anagrelid Bluefish vergessen haben

Nahmen Sie die Kapseln ein, sobald Sie sich daran erinnern. Nehmen Sie die nächste Dosis zum

üblichen Zeitpunkt ein. Nehmen Sie nicht die doppelte Menge ein, wenn Sie die vorherige Einnahme

vergessen haben.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen. Wenn Sie sich Sorgen machen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Schwerwiegende Nebenwirkungen:

Gelegentlich:

Herzschwäche (zu den Anzeichen gehören Atemnot, Brustschmerzen, Schwellungen

der Beine infolge von Flüssigkeitseinlagerungen), schwere Herzfrequenz- oder

Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre Tachykardie, supraventrikuläre Tachykardie oder

Vorhofflimmern), Bauchspeicheldrüsenentzündung, die starke Bauch- und Rückenschmerzen

hervorruft (Pankreatitis), Erbrechen von Blut oder Abgang von blutigem oder schwarzem Stuhl,

starker Abfall der Zahl der Blutzellen, was zu Schwäche, blauen Flecken, Blutungen oder Infektionen

führen kann (Panzytopenie), Lungenhochdruck (zu den Anzeichen gehören Atemnot, Schwellungen

der Beine oder Knöchel und möglicherweise bläuliche Verfärbung von Lippen und Haut).

Selten:

Nierenversagen (wenn Sie nur wenig oder gar keinen Urin ausscheiden), Herzinfarkt.

Wenn Sie eine der genannten Nebenwirkungen bei sich feststellen, wenden Sie sich sofort an

Ihren Arzt.

Sehr häufige Nebenwirkungen: kann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Kopfschmerzen.

Häufige Nebenwirkungen: kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Schwindel, Müdigkeit, schneller Herzschlag, unregelmäßiger oder pochender Herzschlag

(Palpitationen), Übelkeit, Durchfall, Magenschmerzen, Blähungen, Erbrechen, Abnahme der Zahl

roter Blutkörperchen (Anämie), unzureichende Flüssigkeitsausscheidung oder Ausschlag.

Gelegentliche Nebenwirkungen: kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Gefühl von Schwäche oder Unwohlsein, Bluthochdruck, unregelmäßiger Herzschlag, Ohnmacht,

Schüttelfrost oder Fieber, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit, Verstopfung, blaue Flecken,

Blutungen, Schwellungen (Ödem), Gewichtsabnahme, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen,

Rückenschmerzen, Gefühls- oder Empfindungsminderung oder -verlust wie Taubheitsgefühl, vor

allem in der Haut, Gefühls- oder Empfindungsstörungen wie Prickeln und „Ameisenlaufen“,

Schlaflosigkeit, Depressionen, Verwirrung, Nervosität, Mundtrockenheit, Gedächtnisverlust,

Kurzatmigkeit, Nasenbluten, schwerwiegende Lungeninfektion mit Fieber, Atemnot, Husten,

Auswurf; Haarausfall, Juckreiz oder Verfärbung der Haut, Impotenz, Brustschmerzen, Abnahme der

Blutplättchen, wodurch es zu einem erhöhten Risiko für Blutungen oder blaue Flecken kommt

(Thrombozytopenie), Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Lunge oder ein Anstieg von

Leberenzymen. Ferner kann Ihr Arzt einen Bluttest durchführen, um eine Erhöhung Ihrer

Leberenzymwerte festzustellen.

Seltene Nebenwirkungen: kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Zahnfleischbluten, Gewichtszunahme, starke Brustschmerzen (Angina pectoris),

Herzmuskelerkrankungen (zu den Anzeichen gehören Erschöpfung, Brustschmerzen und

Herzklopfen), Herzvergrößerung, Flüssigkeitsansammlung im Bereich des Herzens, mangelnde

Koordination, Sprachschwierigkeiten, trockene Haut, Migräne, Sehstörungen oder Doppeltsehen,

Ohrensausen, Schwindelgefühl beim Aufstehen (insbesondere aus dem Sitzen oder Liegen),

gesteigertes Bedürfnis zum nächtlichen Wasserlassen, Schmerzen, ‘grippeartige’ Symptome,

Schläfrigkeit, Blutgefäßerweiterung, Dickdarmentzündung (zu den Anzeichen gehören: Durchfall, in

der Regel mit Blut und Schleim vermischt, Bauchschmerzen, Fieber), Magenschleimhautentzündung

(zu den Anzeichen gehören: Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen), Bereich auffälliger Dichte in der

Lunge, bei Blutuntersuchungen nachweisbarer erhöhter Kreatininspiegel als möglicher Hinweis auf

Nierenprobleme.

Über folgende Nebenwirkungen wurde berichtet, aber es ist nicht genau bekannt, wie häufig diese

auftreten:

Möglicherweise lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung (Torsade de pointes);

Leberentzündung; zu den Symptomen gehören Übelkeit, Erbrechen, Juckreiz, Gelbfärbung der

Haut und der Augen, Verfärbung von Stuhl und Urin (Hepatitis);

Lungenentzündung (zu den Anzeichen gehören Fieber, Husten, Atemschwierigkeiten, pfeifende

Atemgeräusche; dadurch kann es zu Lungenvernarbungen kommen) (allergische Alveolitis,

einschließlich interstitieller Lungenerkrankung, Pneumonitis);

Nierenentzündung (tubulointerstitielle Nephritis).

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch

für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können

Nebenwirkungen auch direkt über das nationale Meldesystem anzeigen.

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen

Traisengasse 5

1200 WIEN

ÖSTERREICH

Fax: +43 (0) 50 555 36207

Website: http//www.basg.gv.at/

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

Wie ist Anagrelid Bluefish aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen dieses Arzneimittel nach dem auf dem Umkarton und dem Flaschenetikett nach

„Verwendbar bis“ angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwenden. Das Verfalldatum bezieht sich

auf den letzten Tag des angegebenen Monats.

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

Wenn Ihr Arzt die Behandlung mit Anagrelid Bluefish beendet, heben Sie keine Kapseln zuhause auf,

es sei denn, Ihr Arzt fordert Sie dazu auf. Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser oder

Haushaltsabfall. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie das Arzneimittel zu entsorgen ist, wenn Sie es nicht

mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der Umwelt bei.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Anagrelid Bluefish enthält

Der Wirkstoff ist Anagrelid. Jede Kapsel enthält 0,5 mg Anagrelid (als Anagrelidhydrochlorid)

Die sonstigen Bestandteile sind:

Kapselinhalt: Povidon, Crospovidon, wasserfreie Lactose, Lactosemonohydrat, mikrokristalline

Cellulose und Magnesiumstearat (Ph. Eur.).

Kapselhülle: Gelatine, Titandioxid, Natriumdodecylsulfat und Wasser.

Wie Anagrelid Bluefish aussieht und Inhalt der Packung

Anagrelid Bluefish wird als weißes bis gebrochen weißes, körniges Pulver, abgefüllt in undurchsichtig

weiße Gelatinekapseln mit einer Länge von 14,3 mm und einem Durchmesser von 5,2 mm geliefert.

Anagrelid Bluefish 0,5 mg Hartkapseln sind in Kunststoffflaschen (HDPE) mit kindersicherem

Verschluss (PP) und Trocknungsmittel verpackt.

Packungsgrößen:

42 oder 100 Kapseln.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller

Bluefish Pharmaceuticals AB

Gävlegatan 22

11330 Stockholm

Schweden

Z.Nr.:

138337

Dieses Arzneimittel ist in den Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR)

unter den folgenden Bezeichnungen zugelassen:

Dänemark

Anagrelide Bluefish 0.5 mg hårde kapsler

Deutschland

Anagrelid Bluefish 0,5 mg Hartkapseln

Irland

Anagrelide Bluefish 0.5 mg hard capsules

Norwegen

Anagrelide Bluefish

Österreich

Anagrelid Bluefish 0,5 mg Hartkapseln

Portugal

Anagrelida Bluefish

Schweden

Anagrelide Bluefish 0.5 mg hårda kapslar

Spanien

Anagrelida Bluefish 0.5 mg cápsulas duras

Vereinigtes

Königreich

Anagrelide 0.5 mg hard capsules

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Mai 2018.

Das Anagrelid enthaltende Referenzarzneimittel wurde unter „Außergewöhnlichen Umständen“

zugelassen.

Das bedeutet, dass es aufgrund der Seltenheit dieser Erkrankung nicht möglich war, vollständige

Informationen zu diesem Arzneimittel zu erhalten.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur wird alle neuen Informationen zu diesem Arzneimittel, die

verfügbar werden, jährlich bewerten, und falls erforderlich, wird die Packungsbeilage aktualisiert

werden.

ZUSAMMENFASSUNG DER MERKMALE DES ARZNEIMITTELS

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Anagrelid Bluefish 0,5 mg Hartkapseln

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Jede Hartkapsel enthält 0,5 mg Anagrelid (als Anagrelidhydrochlorid).

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung:

Jede Hartkapsel enthält 53,7 mg Lactose-Monohydrat und 45,8 mg Lactose.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Hartkapsel.

Weißes bis fast weißes, granuliertes Pulver in einer opaken, weißen Hartgelatinekapsel mit der

Länge 14,3 mm und dem Durchmesser 5,2 mm.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1Anwendungsgebiete

Anagrelid Bluefish wird angewendet zur Verringerung der erhöhten Thrombozytenzahl bei

Risikopatienten mit essenzieller Thrombozythämie (ET), die ihre derzeitige Therapie nicht

vertragen oder deren erhöhte Thrombozytenzahl durch ihre derzeitige Therapie nicht auf ein

akzeptables Maß gesenkt werden kann.

Risikopatient

Ein Risikopatient mit essenzieller Thrombozythämie ist ein Patient, der eines oder mehrere der

folgenden Merkmale aufweist:

>60 Jahre alt oder

Thrombozytenzahl > 1000 × 10

/l oder

thrombohämorrhagische Ereignisse in der Anamnese.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Die Behandlung mit Anagrelid Bluefish sollte durch einen Kliniker eingeleitet werden, der über

Erfahrung in der Behandlung der essenziellen Thrombozythämie verfügt.

Dosierung

Die empfohlene Anfangsdosis Anagrelid beträgt 1 mg/Tag und muss in zwei verteilten Dosen

(0,5 mg/Dosis) oral verabreicht werden.

Die Anfangsdosis muss mindestens eine Woche lang aufrechterhalten werden. Nach einer Woche

kann die Dosis auf individueller Basis titriert werden, um die geringste wirksame Dosis zu

erreichen, die zum Verringern und/oder Aufrechterhalten einer Thrombozytenzahl von unter 600 ×

/l erforderlich ist. Der Idealwert liegt zwischen 150 × 10

/l und 400 × 10

/l. Die Dosiserhöhung

darf in keiner Woche 0,5 mg/Tag überschreiten, und die empfohlene maximale Einzeldosis darf

2,5 mg nicht überschreiten (siehe Abschnitt 4.9). Während der klinischen Entwicklung wurden

Dosen in Höhe von 10 mg/Tag verwendet.

Die Wirkungen der Behandlung mit Anagrelid müssen regelmäßig überwacht werden (siehe

Abschnitt 4.4). Wenn die Anfangsdosis höher liegt als 1 mg/Tag, muss die Thrombozytenzahl

während der ersten Behandlungswoche alle zwei Tage und anschließend mindestens einmal

wöchentlich ermittelt werden, bis eine stabile Erhaltungsdosis erreicht ist. Normalerweise lässt sich

innerhalb von 14 bis 21 Tagen nach Behandlungsbeginn eine Senkung der Thrombozytenzahl

beobachten, und bei den meisten Patienten lässt sich ein angemessenes therapeutisches Ansprechen

bei einer Dosis von 1 bis 3 mg/Tag erreichen und aufrechterhalten (weitere Informationen zu

klinischen Wirkungen siehe Abschnitt 5.1).

Ältere Patienten

Aufgrund der zwischen älteren und jüngeren ET-Patienten beobachteten pharmakokinetischen

Unterschiede (siehe Abschnitt 5.2) ist zur Erreichung eines für den Einzelfall optimierten

Anagrelid-Dosierungsschemas weder ein anderes Schema für die Therapieeinleitung noch eine

andere Dosistitrationsstufe erforderlich.

Während der klinischen Entwicklung waren ca. 50 % der mit Anagrelid behandelten Patienten über

60 Jahre alt, und bei diesen Patienten waren keine altersspezifischen Dosisänderungen erforderlich.

Allerdings war bei Patienten in dieser Altersgruppe wie erwartet die Inzidenz der schweren

Nebenwirkungen (hauptsächlich kardiale Wirkungen) doppelt so hoch.

Patienten mit Nierenschäden

Für diese Patientenpopulation liegen begrenzte pharmakokinetische Daten vor. Daher müssen die

potenziellen Risiken und Nutzen einer Anagrelidtherapie bei Patienten mit eingeschränkter

Nierenfunktion vor Beginn der Behandlung abgewogen werden (siehe Abschnitt 4.3).

Patienten mit Leberschäden

Für diese Patientenpopulation liegen begrenzte pharmakokinetische Daten vor. Der

Leberstoffwechsel ist allerdings der wichtigste Weg für die Anagrelid-Clearance, und daher ist zu

erwarten, dass die Leberfunktion diesen Prozess beeinflusst. Deshalb wird empfohlen, Patienten

mit mittelgradiger oder schwerer Leberschädigung nicht mit Anagrelid zu behandeln. Die

potenziellen Risiken und Nutzen einer Anagrelidtherapie bei Patienten mit leicht eingeschränkter

Leberfunktion müssen vor Beginn der Behandlung abgewogen werden (siehe Abschnitt 4.3 und

4.4).

Kinder und Jugendliche

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Anagrelid bei Kindern ist bisher noch nicht erwiesen. Für

Kinder und Jugendliche liegen nur sehr begrenzte Erfahrungswerte vor; bei der Anwendung von

Anagrelid in dieser Patientengruppe ist daher Vorsicht geboten. Da keine spezifischen Leitlinien

für Kinder und Jugendliche vorliegen, gelten die diagnostischen Kriterien der WHO für die

Diagnose von ET bei Erwachsenen auch als relevant für Kinder und Jugendliche. Die

diagnostischen Leitlinien für essenzielle Thrombozythämie müssen sorgfältig beachtet werden, und

in Fällen, in denen Unsicherheit besteht, sollte die Diagnose in regelmäßigen Abständen neu

bewertet werden. Dabei sollte eine Unterscheidung zwischen hereditärer und sekundärer

Thrombozytose getroffen werden, was eine genetische Analyse und Knochenmarkbiopsie

einschließen kann.

Bei pädiatrischen Hochrisiko-Patienten wird im typischen Fall eine zytoreduktive Therapie in

Erwägung gezogen.

Eine Behandlung mit Anagrelid sollte nur dann initiiert werden, wenn der Patient Anzeichen für

ein Fortschreiten der Krankheit zeigt oder an Thrombose leidet. Nach Einleitung der Behandlung

müssen Nutzen und Risiken der Anagrelid-Therapie in regelmäßigen Abständen überwacht und der

Bedarf für die Fortsetzung der Behandlung muss regelmäßig evaluiert werden.

Die Thrombozyten-Zielwerte werden vom behandelnden Arzt für jeden Patienten individuell

festgelegt.

Bei pädiatrischen Patienten, die nach ca. 3 Monaten nicht zufriedenstellend auf die Behandlung

ansprechen, sollte das Absetzen der Behandlung erwogen werden.

Zurzeit vorliegende Daten werden in Abschnitt 4.4, 4.8, 5.1 und 5.2 beschrieben; eine

Dosierungsempfehlung kann jedoch nicht gegeben werden.

Art der Anwendung

Zum Einnehmen. Die Kapseln müssen im Ganzen geschluckt werden. Sie dürfen nicht zerdrückt

und der Inhalt darf nicht in einer Flüssigkeit verdünnt werden.

4.3

Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile.

Patienten mit mittelgradiger oder schwerer Leberschädigung.

Patienten mit mittelgradiger oder schwerer Nierenschädigung (Kreatinin-Clearance < 50 ml/min).

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Leberschädigung

Die potenziellen Risiken und Nutzen einer Anagrelidtherapie bei Patienten mit leicht

eingeschränkter Leberfunktion müssen vor Beginn der Behandlung abgewogen werden. Die

Anwendung des Mittels bei Patienten mit erhöhten Transaminasen (auf mehr als das 5-fache des

oberen Normalgrenzwerts) wird nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.2 und 4.3).

Nierenschädigung

Die potenziellen Risiken und Nutzen einer Anagrelidtherapie bei Patienten mit eingeschränkter

Nierenfunktion müssen vor Beginn der Behandlung abgewogen werden (siehe Abschnitt 4.2 und

4.3).

Überwachung

Die Therapie erfordert eine enge klinische Überwachung des Patienten einschließlich vollständigen

Blutbildes (Hämoglobin und Leukozyten- und Thrombozytenzahl) und Tests zur Bewertung der

Leberfunktion (ALT und AST) und der Nierenfunktion (Serumkreatinin und Harnstoff) sowie der

Elektrolyte (Kalium, Magnesium und Kalzium).

Thrombozyten

Die Thrombozytenzahl erhöht sich innerhalb von 4 Tagen nach Absetzen von Anagrelid und

erreicht die vor der Behandlung vorhandenen Werte innerhalb von 10 bis 14 Tagen, wobei es auch

zu einem Anstieg über die Ausgangswerte hinaus kommen kann. Die Thrombozyten sollten daher

regelmäßig überwacht werden.

Kardiovaskuläre Wirkungen

Über schwerwiegende kardiovaskuläre unerwünschte Ereignisse, darunter Fälle von Torsade de

pointes, ventrikulärer Tachykardie, Kardiomyopathie, Kardiomegalie und Herzinsuffizienz wurde

berichtet (siehe Abschnitt 4.8).

Vorsicht ist geboten bei der Anwendung von Anagrelid bei Patienten mit bekannten Risikofaktoren

für eine Verlängerung des QT-Intervalls, wie z. B. einem angeborenen Long-QT-Syndrom, einer

bekannten Vorgeschichte mit erworbener QTc-Verlängerung, Arzneimitteln, welche eine

Verlängerung des QTc-Intervalls hervorrufen können, und Hypokaliämie.

Vorsicht ist ferner geboten bei Populationen, bei denen es u. U. zu einer höheren maximalen

Plasmakonzentration (C

) von Anagrelid oder dessen aktivem Metaboliten, 3-Hydroxy-

Anagrelid, kommen kann, wie z. B. bei beeinträchtigter Leberfunktion oder bei der Anwendung

mit CYP1A2-Inhibitoren (siehe Abschnitt 4.5).

Es ist ratsam, Patienten engmaschig auf eine Wirkung auf das QTc-Intervall zu überwachen.

Es wird empfohlen, bei allen Patienten vor dem Beginn der Anagrelid-Behandlung eine

kardiovaskuläre Voruntersuchung, inklusive Ausgangs-EKG und Echokardiographie

durchzuführen. Alle Patienten sollten regelmäßig während der Therapie auf Anhaltspunkte für

kardiovaskuläre Wirkungen überwacht werden (z. B. EKG oder Echokardiographie), die eine

weitere kardiovaskuläre Untersuchung und Abklärung erforderlich machen könnten. Eine

Hypokaliämie oder Hypomagnesiämie muss vor der Anwendung von Anagrelid korrigiert werden

und während der Therapie sind regelmäßige Kontrollen erforderlich.

Anagrelid hemmt zyklische AMP-Phosphodiesterase III und aufgrund seiner positiv inotropen und

chronotropen Wirkungen sollte Anagrelid bei Patienten jeden Alters mit bekannter oder vermuteter

Herzerkrankung mit Vorsicht angewendet werden. Darüber hinaus kam es auch bei Patienten ohne

Verdacht auf eine Herzerkrankung und mit Normalbefunden bei der kardiovaskulären

Voruntersuchung zu schwerwiegenden unerwünschten kardiovaskulären Ereignissen.

Anagrelid sollte nur dann angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen der Behandlung die

potenziellen Risiken überwiegt.

Pulmonale Hypertonie

Über Fälle von pulmonaler Hypertonie wurde bei mit Anagrelid behandelten Patienten berichtet.

Vor Beginn und während der Anagrelid-Therapie sollten die Patienten auf Anzeichen und

Symptome einer zugrundeliegenden kardiopulmonalen Erkrankung untersucht werden.

Kinder und Jugendliche

Zur Anwendung von Anagrelid bei Kindern liegen nur sehr begrenzte Daten vor, und daher darf

Anagrelid in dieser Patientengruppe nur mit Vorsicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.2, 4.8,

5.1 und 5.2).

Wie bei Erwachsenen sollten vor der Behandlung und in regelmäßigen Abständen während der

Behandlung ein großes Blutbild erstellt sowie die Herz-, Leber- und Nierenfunktion überprüft

werden. Die Krankheit kann zu Myelofibrose oder AML fortschreiten. Zwar ist die Rate dieser

Progression nicht bekannt, aber bei Kindern ist der Krankheitsverlauf länger und es kann daher ein

erhöhtes Risiko für eine maligne Entartung im Vergleich zu Erwachsenen bestehen. Kinder sollten

regelmäßig nach entsprechenden klinischen Standardpraktiken, wie z. B. körperlichen

Untersuchungen, Beurteilungen der relevanten Krankheitsmarker und Knochenmarkbiopsien auf

das Fortschreiten der Erkrankung überwacht werden.

Etwaige Auffälligkeiten sollten umgehend abgeklärt werden und es sollten angemessene

Maßnahmen, wie u. a. eine Senkung der Dosis, eine Unterbrechung oder ein Abbruch der

Behandlung, ergriffen werden.

Klinisch relevante Wechselwirkungen

Anagrelid hemmt die zyklische AMP-Phosphodiesterase III (PDE III). Eine gleichzeitige

Anwendung von Anagrelid und anderen PDE III-Hemmern wie Milrinon, Amrinon, Enoximon,

Olprinon und Cilostazol wird nicht empfohlen.

Die gleichzeitige Anwendung von Anagrelid und Acetylsalicylsäure wurde mit schwerwiegenden

Blutungsereignissen in Verbindung gebracht (siehe Abschnitt 4.5).

Sonstige Bestandteile

Anagrelid Bluefish enthält Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz,

Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht

anwenden.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Bisher wurden nur wenige pharmakokinetische und/oder pharmakodynamische Studien zur

Untersuchung möglicher Wechselwirkungen zwischen Anagrelid und anderen Arzneimitteln

durchgeführt.

Wirkungen anderer Wirkstoffe auf Anagrelid

In-vivo-Wechselwirkungsstudien beim Menschen haben gezeigt, dass Digoxin und Warfarin die

pharmakokinetischen Eigenschaften von Anagrelid nicht beeinträchtigen.

CYP1A2-Inhibitoren

Anagrelid wird vorwiegend durch CYP1A2 metabolisiert. CYP1A2 wird durch eine Reihe von

Arzneimitteln gehemmt, u. a. durch Fluvoxamin und Enoxacin, und solche Arzneimittel

könnten theoretisch einen ungünstigen Einfluss auf die Clearance von Anagrelid haben.

CYP1A2-Induktoren

CYP1A2-Induktoren (wie Omeprazol) könnten die Exposition gegenüber Anagrelid herabsetzen

und dadurch zu einem Anstieg von dessen aktivem Hauptmetaboliten führen. Die

Auswirkungen auf das Sicherheits- und Wirksamkeitsprofil von Anagrelid sind nicht bekannt.

Deshalb wird bei Patienten, die gleichzeitig CYP1A2-Induktoren einnehmen, zu einer

Überwachung klinischer und biologischer Parameter geraten. Bei Bedarf kann eine Anpassung

der Anagrelid-Dosis vorgenommen werden.

Wirkungen von Anagrelid auf andere Wirkstoffe

Anagrelid weist eine geringgradige hemmende Aktivität gegenüber CYP1A2 auf, und dies

könnte ein theoretisches Potenzial für eine Wechselwirkung mit anderen gleichzeitig

verabreichten Arzneimitteln bieten, die ebenfalls diesen Clearance-Mechanismus verwenden,

wie z. B. Theophyllin.

Anagrelid hemmt PDE III. Die Wirkung von Arzneimitteln mit ähnlichen Eigenschaften, wie

etwa die inotropen Substanzen Milrinon, Enoximon, Amrinon, Olprinon und Cilostazol, könnte

durch Anagrelid verstärkt werden.

In-vivo-Wechselwirkungsstudien beim Menschen haben gezeigt, dass Anagrelid die

pharmakokinetischen Eigenschaften von Digoxin oder Warfarin nicht beeinträchtigt.

In den zur Behandlung der essenziellen Thrombozythämie empfohlenen Dosen könnte

Anagrelid die Wirkungen anderer Arzneimittel potenzieren, die die Thrombozytenfunktion

hemmen oder modifizieren, wie z. B. Acetylsalicylsäure.

Nach einer klinischen Wechselwirkungsstudie bei gesunden Probanden sind bei gleichzeitiger

wiederholter Verabreichung von einmal täglich Anagrelid 1 mg und einmal täglich

Acetylsalicylsäure 75 mg die thrombozytenaggregationshemmenden Wirkungen jeder der

beiden Wirkstoffe möglicherweise stärker ausgeprägt als nach alleiniger Gabe von

Acetylsalicylsäure. Bei einigen ET-Patienten, die gleichzeitig mit Acetylsalicylsäure und

Anagrelid behandelt wurden, traten massive Blutungen auf. Daher müssen die potenziellen

Risiken einer gleichzeitigen Anwendung von Anagrelid und Acetylsalicylsäure insbesondere bei

Patienten mit hohem Blutungsrisiko vor Beginn der Behandlung abgeschätzt werden.

Anagrelid könnte bei manchen Patienten zu Darmstörungen führen und die Resorption von

hormonalen oralen Kontrazeptiva beeinträchtigen.

Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel verzögern die Resorption von Anagrelid, bewirken aber keine signifikante

Änderung der systemischen Exposition.

Die Wirkungen von Nahrungsmitteln auf die Bioverfügbarkeit werden nicht als klinisch

relevant für die Anwendung von Anagrelid betrachtet.

Kinder und Jugendliche

Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Frauen im gebärfähigen Alter

Frauen im gebärfähigen Alter sollten während der Behandlung mit Anagrelid entsprechende

Verhütungsmethoden anwenden.

Schwangerschaft

Es liegen keine adäquaten Daten aus der Anwendung von Anagrelid bei Schwangeren vor.

Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Das

potenzielle Risiko für Menschen ist unbekannt. Daher wird die Anwendung von Anagrelid Bluefish

während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Wird Anagrelid während der Schwangerschaft verwendet oder wird die Patientin während der

Anwendung des Arzneimittels schwanger, sollte sie auf die potenziellen Risiken für den Fetus

hingewiesen werden

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Anagrelid/Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Die zur Verfügung

stehenden Daten vom Tier zeigten, dass Anagrelid/Metaboliten in die Milch übergehen. Ein Risiko

für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Das Stillen soll während der

Behandlung mit Anagrelid unterbrochen werden.

Fertilität

Es liegen keine Daten aus Studien am Menschen zur Wirkung von Anagrelid auf die Fertilität vor.

Bei männlichen Ratten wurde unter Anagrelid keine Wirkung auf die Fertilität oder die

Fortpflanzungsfähigkeit festgestellt. Bei weiblichen Ratten führte die Anwendung von Anagrelid in

Dosen, die weit über dem therapeutischen Bereich lagen, zu Implantationsstörungen (siehe

Abschnitt 5.3).

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

In der klinischen Entwicklung wurde häufig Schwindel als Nebenwirkung berichtet. Patienten, bei

denen während der Einnahme von Anagrelid Schwindel auftritt, wird geraten, keine Kraftfahrzeuge

zu führen und keine Maschinen zu bedienen.

4.8

Nebenwirkungen

Zusammenfassung des Sicherheitsprofils

Die Unbedenklichkeit von Anagrelid wurde in 4 offen geführten klinischen Studien untersucht. In 3

dieser Studien wurden 942 Patienten, die Anagrelid in einer mittleren Dosis von ca. 2 mg/Tag

erhielten, im Hinblick auf die Unbedenklichkeit untersucht. In diesen Studien wurden 22 Patienten

bis zu 4 Jahre lang mit Anagrelid behandelt.

In einer späteren Studie wurden 3660 Patienten, die Anagrelid in einer mittleren Dosis von ca.

2 mg/Tag erhielten, im Hinblick auf die Unbedenklichkeit untersucht. In dieser Studie wurden 34

Patienten bis zu 5 Jahre lang mit Anagrelid behandelt.

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Anagrelid waren:

Kopfschmerzen (ca. 14 %), Palpitationen (ca. 9 %), Flüssigkeitsretention und Übelkeit (jeweils ca.

6 %) und Diarrhö (ca. 5 %). Diese Nebenwirkungen sind aufgrund der Pharmakologie von

Anagrelid (Hemmung von PDE III) zu erwarten. Eine allmähliche Dosistitration könnte diese

Wirkungen verringern helfen (siehe Abschnitt 4.2).

Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen

Nebenwirkungen aus klinischen Studien, aus nach der Zulassung durchgeführten Sicherheitsstudien

und aus Spontanmeldungen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt. Innerhalb der

Systemorganklassen sind sie wie folgt eingeteilt: Sehr häufig (≥ 1/10); Häufig (≥ 1/100, < 1/10);

Gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100); Selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000); Sehr selten (< 1/10.000), nicht

bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb jeder

Häufigkeitsgruppe werden die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad angegeben.

Häufigkeit der Nebenwirkungen

MedDRA-

Systemorganklasse

Sehr

häufig

Häufig

Gelegentlich

Selten

Nicht

bekannt

Erkrankungen des

Blutes und des

Lymphsystems

Anämie

Panzytopenie

Thrombozytopen

Blutungen

Ekchymose

Stoffwechsel- und

Ernährungsstörunge

n

Flüssigkeits-

retention

Ödem

Gewichts-

abnahme

Gewichts-

zunahme

Erkrankungen des

Nervensystems

Kopf-

schmerze

Schwindel

Depression

Amnesie

Verwirrung

Schlaflosigkeit

Parästhesie

Hypästhesie

Nervosität

Mundtrockenheit

Migräne

Dysarthrie

Somnolenz

Koordinations-

anomalien

Augenerkrankungen

Diplopie

Sehfähigkeits-

anomalien

Erkrankungen des

Ohrs und des

Labyrinths

Tinnitus

Herzerkrankungen

Tachykardie

Palpitationen

Ventrikuläre

Tachykardie

Herzinsuffizienz

Vorhofflimmern

Supra-

ventrikuläre

Tachykardie

Arrhythmie

Hypertonie

Synkope

Myokard-

infarkt

Kardiomyo-

pathie

Kardiomegalie

Perikarderguss

Angina

pectoris

Orthostatische

Hypotonie

Vasodilatation

Torsade

pointes

Erkrankungen der

Atemwege, des

Brustraums und

Mediastinums

Pulmonale

Hypertonie

Pneumonie

Pleuraeffusion

Dyspnoe

Epistaxis

Lungen-

infiltrate

Intersti-

tielle

Lungen-

erkran-

kung

ein-

schließ-

lich

Pneumo-

nitis und

Aller-

gische

Alveoliti

Erkrankungen des

Gastrointestinaltrakt

s

Diarrhö

Erbrechen

Bauchschmerz

Übelkeit

Flatulenz

Gastro-

intestinale

Blutungen

Pankreatitis

Anorexie

Dyspepsie

Obstipation

Magen-Darm-

Störungen

Kolitis

Gastritis

Zahnfleisch-

bluten

Leber- und

Gallenerkrankungen

Erhöhte

Leberenzyme

Hepatitis

Erkrankungen der

Haut und des

Unterhautzellgeweb

es

Ausschläge

Alopezie

Pruritus

Hautverfärbunge

Trockene Haut

Skelettmuskulatur-,

Bindegewebs- und

Knochenerkrankung

en

Arthralgie

Myalgie

Rückenschmerze

Erkrankungen der

Nieren und

Harnwege

Impotenz

Nierenversage

Nykturie

Tubulo-

intersti-

tielle

Nephriti

Allgemeine

Erkrankungen und

Beschwerden am

Verabreichungsort

Müdigkeit

Schmerzen im

Brustkorb

Fieber

Schüttelfrost

Unwohlsein

Schwäche

Grippeähnlich

es Syndrom

Schmerzen

Asthenie

Untersuchungen

Erhöhte

Kreatininkon-

zentration im

Blut

Kinder und Jugendliche

48 Patienten im Alter von 6 – 17 Jahren (19 Kinder und 29 Jugendliche) haben Anagrelid über bis

zu 6,5 Jahre entweder in klinischen Studien oder im Rahmen eines Krankheitsregisters erhalten

(siehe Abschnitt 5.1).

Die meisten der beobachteten unerwünschten Ereignisse waren unter diejenigen einzuordnen, die in

der Fachinformation aufgelistet sind. Es liegen jedoch nur begrenzte Daten zur Sicherheit vor, die

keinen aussagefähigen Vergleich zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen gestatten

(siehe Abschnitt 4.4).

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit.

Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des

Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer

Nebenwirkung über das nationale Meldesystem anzuzeigen:

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen

Traisengasse 5

1200 WIEN

ÖSTERREICH

Fax: + 43 (0) 50 555 36207

Website: http://www.basg.gv.at/

4.9

Überdosierung

Nach der Zulassung sind Fallberichte über eine absichtliche Überdosierung mit Anagrelid

eingegangen. Die berichteten Symptome umfassten Sinustachykardie und Erbrechen. Die

Symptome gingen unter konservativer Behandlung zurück.

Es wurde nachgewiesen, dass Anagrelid bei höherer Dosierung als die empfohlenen Dosen zur

Blutdrucksenkung führt, was gelegentlich eine Hypotonie auslösen kann. Eine 5-mg-Einzeldosis

Anagrelid kann zu einer Blutdrucksenkung führen, die für gewöhnlich mit Schwindelgefühlen

einhergeht.

Ein spezifisches Antidot für Anagrelid wurde bisher nicht ermittelt. Bei Überdosierung ist eine

enge klinische Überwachung des Patienten erforderlich; dies umfasst die Überwachung der

Thrombozytenzahl im Hinblick auf Thrombozytopenie. Die Dosis sollte je nach Bedarf entweder

verringert oder abgesetzt werden, bis die Thrombozytenzahl wieder innerhalb des Normalbereichs

liegt.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere antineoplastische Mittel, ATC-Code: L01XX35.

Wirkmechanismus

Der genaue Wirkmechanismus, anhand dessen Anagrelid die Thrombozytenzahl im Blut verringert,

ist nicht bekannt. In Zellkultur-Studien unterdrückte Anagrelid die Expression von

Transkriptionsfaktoren wie GATA-1 und FOG-1, die für die Megakaryozytopoese erforderlich

sind, was letztendlich zu einer herabgesetzten Thrombozytenbildung führte.

In-vitro-Studien zur Megakaryozytopoese beim Menschen haben nachgewiesen, dass die

hemmende Wirkung von Anagrelid auf die Thrombozytenbildung beim Menschen über eine

Verzögerung der Megakaryozytenreifung und eine Verringerung ihrer Größe und Ploidie vermittelt

wird. Hinweise auf ähnliche In-vivo-Wirkungen wurden bei Knochenmarksbiopsieproben

behandelter Patienten beobachtet.

Anagrelid hemmt die zyklische AMP-Phosphodiesterase III.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Anagrelid als thrombozytensenkendes Mittel wurde in vier

offen geführten, nicht kontrollierten klinischen Studien untersucht (Studiennummern 700-012, 700-

014, 700-999 und 13970-301), an denen mehr als 4000 Patienten mit myeloproliferativen

Neoplasmen (MPN) beteiligt waren. Bei Patienten mit essenzieller Thrombozythämie wurde das

vollständige Ansprechen definiert als eine Senkung der Thrombozytenzahl auf ≤ 600 × 10

/l oder

als eine Senkung von ≥ 50 % gegenüber dem Ausgangswert sowie eine Aufrechterhaltung der

Senkung über einen Zeitraum von mindestens 4 Wochen. In den Studien 700-012, 700-014, 700-

999 und 13970-301 betrug die Zeit bis zum vollständigen Ansprechen zwischen 4 und 12 Wochen.

Ein klinischer Nutzen im Hinblick auf thrombohämorrhagische Ereignisse wurde bisher nicht

überzeugend nachgewiesen.

Wirkungen auf die Herzfrequenz und das QTc-Intervall

Die Wirkung von zwei Dosisstärken von Anagrelid (Einzeldosen zu 0,5 mg und 2,5 mg) auf die

Herzfrequenz und das QTc-Intervall wurde in einer doppelblinden, randomisierten, placebo- und

verumkontrollierten Crossover-Studie an gesunden erwachsenen Männern und Frauen bewertet.

In den ersten 12 Stunden war ein dosisabhängiger Anstieg der Herzfrequenz zu beobachten, wobei

etwa zur Zeit der Höchstkonzentrationen ein maximaler Anstieg auftrat. Die maximale Änderung

der mittleren Herzfrequenz trat 2 Stunden p. a. auf und betrug +7,8 Schläge pro Minute (SpM) nach

0,5 mg und +29,1 SpM nach 2,5 mg.

Während der Phasen des Herzfrequenzanstiegs und der maximalen Änderung der mittleren QTcF

(Fridericia-Korrektur) war unter beiden Dosen ein vorübergehender Anstieg des mittleren QTc von

+5,0 msec nach 2 Stunden unter der 0,5-mg-Dosis und von +10,0 msec nach 1 Stunde unter der

2,5-mg-Dosis zu beobachten.

Kinder und Jugendliche

In einer offenen klinischen Studie an 8 Kindern und 10 Jugendlichen (darunter Patienten, die

Anagrelid noch nie erhalten hatten oder die vor der Studie bereits seit bis zu 5 Jahren mit Anagrelid

behandelt worden waren), konnten die Thrombozytenzahlen im Median nach 12 Wochen

Behandlung auf kontrollierte Werte gesenkt werden. Die durchschnittliche Tagesdosis war bei

Jugendlichen tendenziell höher.

In einer Registerstudie an Kindern und Jugendlichen wurde gegenüber dem Zeitpunkt der Diagnose

eine Senkung der medianen Thrombozytenzahlen erzielt, und die erzielte Senkung blieb bei 14

Patienten mit ET (4 Kinder und 10 Jugendliche) unter der Anagrelid-Behandlung für bis zu 18

Monate erhalten. In früheren offenen Studien wurde bei 7 Kindern und 9 Jugendlichen nach

Behandlungszeiträumen zwischen 3 Monaten und 6,5 Jahren eine Reduktion der medianen

Thrombozytenzahl beobachtet.

Die durchschnittliche Tagesgesamtdosis Anagrelid war in allen Studien an Kindern und

Jugendlichen mit ET sehr unterschiedlich, aber die Daten deuten insgesamt darauf hin, dass

Jugendliche mit einer vergleichbaren Anfangs- und Erhaltungsdosis behandelt werden können wie

Erwachsene, und dass bei Kindern über 6 Jahre eine niedrigere Anfangsdosis von 0,5 mg/Tag

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