Amantadin HEXAL 200mg Filmtabletten

Deutschland - Deutsch - BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte)

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Gebrauchsinformation PIL
Fachinformation SPC
Wirkstoff:
Amantadinhemisulfat
Verfügbar ab:
Hexal Aktiengesellschaft
ATC-Code:
N04BB01
INN (Internationale Bezeichnung):
Amantadinhemisulfat
Darreichungsform:
Filmtablette
Zusammensetzung:
Amantadinhemisulfat 200.mg
Berechtigungsstatus:
gültig
Zulassungsnummer:
45619.00.00

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Amantadin HEXAL 200 mg Filmtabletten

Amantadinhemisulfat

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Einnahme dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

Dieses Arzneimittel wurde Ihnen persönlich verschrieben. Geben Sie es nicht an Dritte weiter. Es kann

anderen Menschen schaden, auch wenn diese die gleichen Beschwerden haben wie Sie.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für

Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

1. Was ist Amantadin HEXAL und wofür wird es angewendet?

2. Was sollten Sie vor der Einnahme von Amantadin HEXAL beachten?

3. Wie ist Amantadin HEXAL einzunehmen?

4. Welche Nebenwirkungen sind möglich?

5. Wie ist Amantadin HEXAL aufzubewahren?

6. Inhalt der Packung und weitere Informationen

1 Was ist Amantadin HEXAL und wofür wird es angewendet?

Amantadin HEXAL ist ein Arzneimittel, das die Symptome einer Parkinsonerkrankung verringert

(Antiparkinsonmittel).

Amantadin HEXAL wird angewendet bei

Parkinson-Syndromen

Zur Behandlung von Symptomen der Parkinson´schen Krankheit wie z. B. Steifheit (Rigor), Zittern

(Tremor) und Bewegungsarmut bzw. Unbeweglichkeit (Hypo- bzw. Akinese) sowie der durch bestimmte

Arzneimittel (Neuroleptika und ähnlich wirkende Arzneimittel) bedingten parkinsonähnlichen

Bewegungsstörungen (extrapyramidale Symptome wie Frühdyskinesie, Bewegungsdrang [Akathisie],

durch Medikamente ausgelöster Parkinsonismus [Parkinsonoid]).

2 Was sollten Sie vor der Einnahme von Amantadin HEXAL beachten?

Amantadin HEXAL darf nicht eingenommen werden

wenn Sie allergisch gegen Amantadin oder einen der in Abschnitt 6 genannten sonstigen Bestandteile

dieses Arzneimittels sind

bei schwerer, nicht kompensierter Herzmuskelschwäche (NYHA-Stadium IV)

bei bestimmten anderen Erkrankungen des Herzmuskels (Kardiomyopathien, Myokarditiden)

bei Überleitungsstörungen des Herzens (Blockierung der Reizleitung zwischen Vorhof und Kammer des

Herzens, d. h. AV-Block Grad II und III)

bei langsamem Herzschlag (unter 55 Schläge pro Minute)

bei bestimmten im EKG erkennbaren Besonderheiten (bekanntes langes QT-Intervall oder erkennbare

U-Wellen)

bei Fällen von angeborenem QT-Syndrom, einer vererbten Herzkrankheit, bei einem Ihrer leiblichen

Verwandten

bei einer Vorgeschichte von schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen (ventrikuläre Arrhythmien

einschließlich Torsade de pointes)

bei Verminderung von Kalium oder Magnesium im Blut.

Amantadin HEXAL darf nicht in Kombination mit Budipin oder anderen QT-verlängernden Arzneimitteln

(siehe Abschnitt „Einnahme von Amantadin HEXAL zusammen mit anderen Arzneimitteln“) verabreicht

werden.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, bevor Sie Amantadin HEXAL einnehmen.

Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Amantadin HEXAL ist erforderlich,

wenn Sie unter folgenden Zuständen leiden:

Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie)

erhöhter Augeninnendruck wie z. B. bei grünem Star (Engwinkelglaukom)

Nieren- und Leberfunktionsstörungen (Niereninsuffizienz verschiedener Schweregrade) (siehe „Weitere

wichtige Informationen zur Anwendung von Amantadin HEXAL“)

vorbestehende oder bestehende Erregungs- und Verwirrtheitszustände

delirante Syndrome sowie schwerwiegende psychische Störungen (exogene Psychosen)

Kreislaufbeschwerden

Magen-Darm-Geschwüre

immer wieder auftretende Hautkrankheiten, wiederkehrendes Ekzem oder Allergien

krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis)

Anschwellen von Händen und Füßen

sowie bei Patienten, die mit dem Wirkstoff Memantin behandelt werden (siehe Abschnitt „Einnahme von

Amantadin HEXAL zusammen mit anderen Arzneimitteln“).

Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie oder Ihre Familie/Pflegeperson feststellen, dass Sie den Drang oder

das Verlangen entwickeln, sich auf für Sie ungewöhnliche Weise zu verhalten, und Sie dem Impuls, dem

Drang oder der Versuchung nicht widerstehen können, bestimmte Tätigkeiten auszuführen, die Ihnen

oder anderen schaden könnten. Dies wird als Impulskontrollstörungen bezeichnet und kann

Verhaltensweisen wie Spielsucht, exzessives Essen oder Geldausgeben, einen abnorm starken

Sexualtrieb oder vermehrte sexuelle Gedanken oder Gefühle umfassen. Möglicherweise muss Ihr Arzt

Ihre Dosis von Amantadin HEXAL anpassen oder das Arzneimittel ganz absetzen.

Kinder und Jugendliche

Ausreichende Erfahrungen bei Kindern liegen nicht vor.

Bei Kindern wurde abnorm tiefe Körpertemperatur (Hypothermie) beobachtet.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten, insbesondere bei solchen mit Erregungs- und Verwirrtheitszuständen sowie mit

deliranten Syndromen, sollte mit Vorsicht dosiert werden (siehe Abschnitt 3 „Wie ist Amantadin HEXAL

einzunehmen?“).

Weitere wichtige Informationen zur Anwendung von Amantadin HEXAL

Vor Therapiebeginn und zu den Zeitpunkten 1 und 3 Wochen danach wird Ihr Arzt ein EKG (50 mm/s)

schreiben und die frequenzkorrigierte QT-Zeit nach Bazett (QTc) manuell bestimmen. Bei Dosiserhöhungen

zu einem späteren Zeitpunkt muss ein solches EKG vorher und 2 Wochen nach Dosiserhöhung geschrieben

werden. Danach wird Ihr Arzt EKG-Kontrollen zumindest jährlich vornehmen.

Sobald Herzklopfen, Schwindelgefühl oder kurzdauernde Bewusstlosigkeit auftreten, beenden Sie bitte

sofort die Einnahme von Amantadin HEXAL und fragen Sie Ihren Arzt um Rat, damit er Ihren Herzrhythmus

untersuchen kann. Wenn keine Herzrhythmusstörungen vorliegen, kann Amantadin HEXAL unter

Berücksichtigung der Gegenanzeigen und Wechselwirkungen wieder eingesetzt werden (siehe Abschnitt 4

„Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).

Bei Herzschrittmacherpatienten ist die exakte Bestimmung der QT-Zeiten nicht möglich. Daher wird Ihr Arzt

die Entscheidung über eine Therapie mit Amantadin HEXAL in Abstimmung mit dem behandelnden

Kardiologen treffen.

Bei eingeschränkter Nierenfunktion besteht die Gefahr der Wirkstoffanhäufung durch eine Verschlechterung

der Ausscheidungsleistung der Nieren. Es kann zum Auftreten von Überdosierungserscheinungen kommen.

Deshalb ist eine sorgfältige ärztliche Einstellung der Dosierung sowie die Überwachung und Messung der

glomerulären Filtrationsrate während der Behandlung mit Amantadin HEXAL erforderlich (siehe Abschnitt 3

„Wie ist Amantadin HEXAL einzunehmen?“).

Bei Patienten mit hirnorganischem Psychosyndrom (Hirnleistungsstörungen) und vorbestehendem

Krampfleiden erfordert die Anwendung von Amantadin HEXAL besondere Vorsicht, da sich einzelne

Krankheitssymptome verschlechtern und Krampfanfälle auftreten können (siehe Abschnitt 3 „Wie ist

Amantadin HEXAL einzunehmen?“ und Abschnitt 4 „Welche Nebenwirkungen sind möglich?“).

Patienten mit bekannter Anfallsneigung auch in der Vorgeschichte oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen

müssen während der gleichzeitigen Behandlung mit Amantadin HEXAL unter regelmäßiger ärztlicher

Kontrolle stehen.

Sie sollten ein plötzliches Absetzen von Amantadin HEXAL vermeiden, da es bei Parkinson-Patienten zu

starker Verschlechterung der Bewegungsabläufe bis hin zur Bewegungsunfähigkeit kommen kann.

Bei gleichzeitiger Behandlung mit Neuroleptika (Arzneimittel zur Behandlung von geistig-seelischen

Erkrankungen) ist im Falle des plötzlichen Absetzens von Amantadin HEXAL die Gefahr des Auftretens

eines lebensbedrohlichen Zustandes gegeben (malignes neuroleptisches Syndrom). Dieser Zustand geht mit

plötzlich hoher Körpertemperatur, Muskelstarre und Störungen des vegetativen Nervensystems einher.

Oft werden bei Parkinson-Patienten Krankheitszeichen wie niedriger Blutdruck, Speichelfluss,

Schweißausbrüche, erhöhte Körpertemperatur, Hitzestauungen, Wasseransammlungen und depressive

Verstimmungen beobachtet. Sie sind unter Beachtung der Neben- und Wechselwirkungen von Amantadin

HEXAL zu behandeln.

Falls Beschwerden beim Wasserlassen auftreten, sollten Sie den behandelnden Arzt aufsuchen.

Wenden Sie sich bitte umgehend an einen Augenarzt, wenn Verschwommensehen oder andere

Sehstörungen auftreten.

Wird bei Ihnen ein Hornhautödem diagnostiziert, so wird Ihr Arzt Amantadin HEXAL absetzen. Ein durch

Amantadin HEXAL verursachtes Hornhautödem ist im Allgemeinen innerhalb eines Monats reversibel.

Einnahme von Amantadin HEXAL zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich

andere Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Amantadin HEXAL darf nicht gleichzeitig mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden, für die eine

Verlängerung des QT-Intervalls, einer bestimmten Zeitspanne im EKG, bekannt ist. Beispiele sind:

bestimmte Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen (Antiarrhythmika der Klasse IA wie z. B. Chinidin,

Disopyramid, Procainamid und der Klasse III wie Amiodaron, Sotalol)

bestimmte Arzneimittel gegen Wahnvorstellungen (Antipsychotika wie z. B. Thioridazin, Chlorpromazin,

Haloperidol, Pimozid)

bestimmte Mittel gegen Depressionen (tri- und tetrazyklische Antidepressiva wie z. B. Amitriptylin)

bestimmte Mittel gegen Heuschnupfen (Antihistaminika wie z. B. Astemizol, Terfenadin)

bestimmte Mittel gegen Pilz- und Bakterieninfektionen (Makrolidantibiotika wie z. B. Erythromycin,

Clarithromycin)

bestimmte Mittel gegen Bakterieninfektionen (Gyrasehemmer wie z. B. Sparfloxacin)

bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen (Azol-Antimykotika)

sowie weitere Arzneimittel wie Budipin, Halofantrin, Cotrimoxazol, Pentamidin, Cisaprid oder Bepridil

Diese Aufzählung kann nicht vollständig sein. Vor der gleichzeitigen Anwendung von Amantadin HEXAL mit

einem anderen Arzneimittel wird Ihr Arzt prüfen, ob eine Wechselwirkung durch Verlängerung des QT-

Intervalls (eine bestimmte Zeitspanne im EKG) zwischen diesem Mittel und Amantadin HEXAL möglich ist.

Bitte informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie neben Amantadin HEXAL noch weitere

Arzneimittel einnehmen oder kürzlich eingenommen haben.

Es ist möglich, Amantadin HEXAL mit anderen Mitteln zur Behandlung der Parkinson´schen Krankheit zu

kombinieren. Zur Vermeidung von Nebenwirkungen (wie z. B. geistig-seelische Reaktionen) kann eine

Dosisverringerung der anderen Arzneimittel bzw. der Kombination notwendig werden.

Die zusätzliche Gabe von Amantadin zur Prophylaxe und Behandlung der Virusgrippe vom Typ A ist nicht

sinnvoll und wegen der Gefahr der Überdosierung zu vermeiden.

Es liegen keine gezielten Untersuchungen über das Auftreten von Wechselwirkungen nach Verabreichung

von Amantadin HEXAL mit anderen Antiparkinsonmitteln (z. B. mit Levodopa, Bromocriptin, Trihexyphenidyl)

oder Memantin vor (siehe Abschnitt 4).

Bei gleichzeitiger Therapie mit Amantadin HEXAL und den im Folgenden aufgeführten Arzneimittelgruppen

bzw. Wirkstoffen kann es zu den im Folgenden beschriebenen Wechselwirkungen kommen:

Anticholinergika

Verstärkung von Nebenwirkungen (Verwirrtheitszustände und Halluzinationen) von Substanzen, die die

Wirkung von Acetylcholin unterdrücken (Anticholinergika), z. B. Trihexyphenidyl, Benzatropin, Scopolamin,

Biperiden oder Orphenadrin

Indirekt zentral wirkende Sympathomimetika (Substanzen, die auf den Sympathikus, einen Anteil des

vegetativen Nervensystems, stimulierend wirken)

Verstärkung der zentralen Wirkung von Amantadin

Alkohol

Verminderung der Alkoholtoleranz

Levodopa (Antiparkinsonmittel)

Gegenseitige Verstärkung der therapeutischen Wirkung. Deshalb kann Levodopa mit Amantadin HEXAL

kombiniert werden.

Memantin (Mittel zur Behandlung der Alzheimer-Demenz)

Memantin kann die Wirkung und Nebenwirkungen von Amantadin HEXAL verstärken (siehe Abschnitt

„Besondere Vorsicht bei der Einnahme von Amantadin HEXAL ist erforderlich“).

Andere Arzneimittel

Die gleichzeitige Gabe bestimmter harntreibender (entwässernder) Arzneimittel (Diuretika) vom Typ der

Kombination Triamteren/Hydrochlorothiazid kann die Ausscheidung von Amantadin verringern und zu

gesundheitsschädlichen (toxischen) Plasmakonzentrationen mit Störung des Bewegungsablaufes,

Schüttelkrampf und Verwirrtheit führen. Deshalb sollte eine gleichzeitige Verabreichung von Amantadin

HEXAL mit solchen Arzneimitteln unterbleiben.

Beachten Sie bitte, dass diese Angaben auch für vor Kurzem angewendete Arzneimittel gelten können.

Einnahme von Amantadin HEXAL zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol

Vermeiden Sie die Einnahme alkoholhaltiger Getränke, da Amantadin HEXAL deren Verträglichkeit mindert.

Schwangerschaft, Stillzeit und Zeugungs-/Gebärfähigkeit

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen,

schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung und über fünf Tage nach dem Absetzen von

Amantadin hinaus eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Schwangerschaft

Es besteht der Verdacht, dass Amantadin HEXAL Schwangerschaftskomplikationen und Fehlbildungen

auslösen

kann.

Amantadin,

Wirkstoff

Amantadin

HEXAL,

erwies

sich

Tierstudien

fruchtschädigend.

Daher dürfen Sie Amantadin HEXAL in der Schwangerschaft nicht einnehmen, es sei denn Ihr Arzt hält die

Behandlung für zwingend erforderlich. Im Falle einer Therapie in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft

sollte Ihnen Ihr Arzt die Durchführung einer Ultraschallfeindiagnostik anbieten.

Stillzeit

Da der Wirkstoff in die Muttermilch übertritt und möglicherweise Nebenwirkungen beim Säugling auslösen

kann

(Hautausschlag,

Harnverhalten,

Erbrechen),

sollten

stillende

Frauen

Amantadin

HEXAL

nicht

einnehmen.

Zeugungs-/Gebärfähigkeit

Bei Tieren reduzierte der Wirkstoff von Amantadin HEXAL die Fertilität.

Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Auswirkungen auf die Aufmerksamkeit und Wachheit (Vigilanz) und Anpassung des Auges in Bezug auf das

Sehvermögen (Akkommodation) sind - auch im Zusammenwirken mit anderen Mitteln zur Behandlung der

Parkinsonsyndrome - nicht auszuschließen. Zu Beginn der Behandlung kann es daher - über die

krankheitsbedingten Einschränkungen hinaus - zu einer Verminderung der Fahrtüchtigkeit und der Fähigkeit,

Maschinen zu bedienen, kommen.

Sie können dann auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell und gezielt reagieren. Fahren

Sie deshalb nicht ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt Auto oder andere Fahrzeuge bzw. bedienen Sie keine

elektrischen Werkzeuge oder Maschinen. Beachten Sie besonders, dass Alkohol Ihre Verkehrstüchtigkeit

noch weiter verschlechtert!

Amantadin HEXAL enthält Lactose

Bitte nehmen Sie Amantadin HEXAL erst nach Rücksprache mit Ihrem Arzt ein, wenn Ihnen bekannt ist,

dass Sie unter einer Zuckerunverträglichkeit leiden.

3 Wie ist Amantadin HEXAL einzunehmen?

Nehmen Sie dieses Arzneimittel immer genau nach Absprache mit Ihrem Arzt ein. Fragen Sie bei Ihrem Arzt

oder Apotheker nach, wenn Sie sich nicht sicher sind.

Die folgenden Angaben gelten, soweit Ihnen Ihr Arzt Amantadin HEXAL nicht anders verordnet hat. Bitte

halten Sie sich an die Anwendungsvorschriften, da Amantadin HEXAL sonst nicht richtig wirken kann!

Die empfohlene Dosis beträgt

Die Behandlung der Parkinson-Syndrome und medikamentös bedingten Bewegungsstörungen erfolgt in der

Regel einschleichend. Die jeweils erforderliche Dosis sowie die Dauer der Behandlung richten sich nach Art

und Schwere des Krankheitsbildes und werden vom behandelnden Arzt festgelegt. Das Arzneimittel darf

nicht eigenmächtig abgesetzt werden.

Amantadin HEXAL eignet sich zur Fortsetzung der mit Amantadin begonnenen Therapie.

Die Ersteinstellung des Patienten sollte bereits mit Filmtabletten mit 100 mg Amantadinhemisulfat erfolgt

sein.

Die während der Behandlung erreichte Erhaltungsdosis kann dann auf diese Dosisstärke umgestellt und

damit fortgeführt werden.

Die Tageshöchstdosis von 3 Filmtabletten Amantadin HEXAL (entsprechend 600 mg Amantadinhemisulfat)

sollte nicht überschritten werden.

Bei älteren Patienten, insbesondere bei solchen mit Erregungs- und Verwirrtheitszuständen sowie mit

deliranten Syndromen, sollte mit einer geringeren Dosis begonnen werden.

Bei einer gleichzeitigen Behandlung mit anderen Antiparkinsonmitteln wird Ihr Arzt die Dosierung individuell

für Sie bestimmen.

Falls Sie bereits mit einer Amantadin-Infusionslösung vorbehandelt wurden, kann Ihr Arzt die Anfangsdosis

höher wählen.

Bei akuter Verschlechterung der Parkinsonsymptomatik im Sinne einer akinetischen Krise wird Ihr Arzt eine

Amantadin-Infusionsbehandlung anwenden.

Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Wenn die Funktion Ihrer Nieren eingeschränkt ist, wird Ihr Arzt die Höhe der Dosis an das Ausmaß der

verringerten Nierenclearance, also die Einheit der Blutplasmamenge, die beim Durchfluss durch die Niere

bei einer Nierenfunktionsprüfung in 1 Minute vollständig von der harnpflichtigen Testsubstanz befreit wird

(gemessen an der glomerulären Filtrationsrate = GFR), anpassen.

Art und Dauer der Anwendung

Nehmen Sie die Filmtabletten mit etwas Flüssigkeit vorzugsweise morgens und nachmittags ein. Die letzte

Tagesdosis soll nicht nach 16 Uhr eingenommen werden.

Die Filmtabletten können in gleiche Dosen geteilt werden.

Das Arzneimittel darf nicht eigenmächtig abgesetzt werden. Die Dauer der Behandlung wird von Ihrem Arzt

bestimmt. Sie richtet sich nach Ihrer Erkrankung und Ihrer individuellen Reaktion.

Bitte sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung von

Amantadin HEXAL zu stark oder zu schwach ist.

Wenn Sie eine größere Menge von Amantadin HEXAL eingenommen haben, als Sie sollten

Informieren Sie bzw. Ihre Angehörigen einen Arzt und lassen Sie sich ins Krankenhaus einweisen, wenn der

akute Vergiftungszustand gekennzeichnet ist durch Übelkeit, Erbrechen, Übererregbarkeit, Zittern,

Gangunsicherheit, Verschwommensehen, Schläfrigkeit, Depression, Sprechstörungen und das Gehirn

betreffende (zerebrale) Krampfanfälle. (In einem Fall wurde über eine maligne kardiale Arrhythmie berichtet.)

Verwirrtheitszustände mit Trugbildern bis hin zum Koma sowie Muskelzuckungen wurden bei gleichzeitiger

Einnahme von Amantadin HEXAL mit anderen Antiparkinsonmitteln beobachtet.

Da keine spezifische medikamentöse Therapie oder kein Antidot bekannt sind, wird Ihr Arzt bei Überdosen

der eingenommenen Filmtabletten Erbrechen auslösen oder eine Magenspülung vornehmen.

Aufgrund der geringen Dialysierbarkeit von Amantadin (ca. 5 %) ist eine Reinigung des Blutes durch Dialyse

(Hämodialyse) nicht sinnvoll.

Bei vital bedrohlichen Intoxikationen sind darüber hinaus Intensivüberwachungsmaßnahmen erforderlich.

Ferner kommen Flüssigkeitszufuhr, Ansäuerung des Urins zur schnelleren Ausscheidung der Substanz,

gegebenenfalls Sedierung, krampflösende (antikonvulsive) Maßnahmen und Antiarrhythmika (Lidocain i.v.)

zur Behandlung in Frage.

Zur Behandlung neurotoxischer Symptome (wie oben beschrieben) kann Ihr Arzt bei Erwachsenen die

intravenöse Gabe von 1-2 mg Physostigmin alle 2 Stunden, bei Kindern von 0,5 mg 2-mal in Abständen von

5-10 Minuten bis zu einer Maximaldosis von 2 mg versuchen. Ihr Arzt wird gegebenenfalls eine EKG-

Überwachung durchführen und Umstände, die das Auftreten von Herzrhythmusstörungen begünstigen, z. B.

Elektrolytstörungen (Kalium- oder Magnesiummangel im Blut) oder verlangsamten Herzschlag sorgfältig

beobachten.

Wenn Sie die Einnahme von Amantadin HEXAL vergessen haben

Nehmen Sie bitte auf keinen Fall die doppelte Dosis ein, sondern Ihre vom Arzt verordnete Einzeldosis

normal weiter ein.

Wenn Sie die Einnahme von Amantadin HEXAL abbrechen

Sie dürfen das Arzneimittel auf keinen Fall eigenmächtig absetzen.

Bitte informieren Sie Ihren behandelnden Arzt, wenn Sie die Einnahme z. B. wegen Unverträglichkeiten

oder bei Besserung Ihres Krankheitsbildes beenden wollen. Sie sollten die Einnahme nicht plötzlich

beenden, da es sonst zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes und zu Absetzerscheinungen

kommen kann.

Wenn Sie weitere Fragen zur Einnahme dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder

Apotheker.

4 Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Sollten Sie folgende Nebenwirkungen bei sich beobachten, besprechen Sie dies bitte mit Ihrem Arzt, der

dann festlegt, wie weiter zu verfahren ist.

Mögliche Nebenwirkungen:

Häufig (kann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen)

Schlafstörungen

motorische und psychische Unruhe

Harnverhaltung bei Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie)

Besonders bei dazu veranlagten (prädisponierten) älteren Patienten können wahnhafte (paranoid

gefärbte), mit optischen Halluzinationen einhergehende exogene Psychosen (Störungen der

Wahrnehmung und des Verhaltens) ausgelöst werden. Diese unerwünschten Wirkungen können

besonders in der Kombination von Amantadin HEXAL zusammen mit anderen Antiparkinsonmitteln

(z. B. Levodopa, Bromocriptin) oder Memantin häufiger auftreten.

Ausbildung einer für Amantadin charakteristischen Hautreaktion einer Livedo reticularis (Bild einer

„marmorierten Haut“) zuweilen verbunden mit Wasseransammlungen im Fußknöchel- und

Unterschenkelbereich

Übelkeit, Mundtrockenheit

Schwindel

Regulationsstörungen des Kreislaufes beim Stehen oder Aufstehen (orthostatische Dysregulation)

Gelegentlich (kann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen)

Kopfschmerzen

Lethargie

Störungen der Bewegungskoordination, Sprachstörungen

Depression, Angstzustände, gehobene Stimmung

Agitiertheit, Nervosität, Schlaflosigkeit, Halluzinationen, Albträume

Halluzinationen, Verwirrtheit und Albträume treten häufiger auf, wenn Amantadin zusammen mit

Anticholinergika verabreicht wird oder wenn der Patient an einer psychischen Störung leidet.

Schwitzen

Erbrechen, Verstopfung, Appetitlosigkeit

Verschwommensehen

periphere Ödeme

Palpitationen

Selten (kann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen)

Zittern (Tremor), Störungen des Bewegungsablaufes (Dyskinesie), Schüttelkrämpfe

Verwirrtheit, Desorientierung, Psychosen

Harninkontinenz

Hautausschlag (Exanthem)

Durchfall

Hornhautläsion, Hornhautschwellung (Hornhautödem), verminderte Sehschärfe sowie

Pupillenvergrößerung, Augenmuskellähmung

Sehr selten (kann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen)

Auslösung epileptischer Anfälle, meist im Zusammenhang mit höheren als den empfohlenen Dosen,

Muskelzuckungen und Gefühlsstörungen der Gliedmaßen, Symptome ähnlich denen eines malignen

neuroleptischen Syndroms

erhöhte Sensibilität der Haut auf UV-Licht

Herzrhythmusstörungen wie ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern, Torsade de pointes und

QT-Verlängerungen. In den meisten dieser Fälle lagen Überdosierungen, bestimmte Ko-Medika-

tionen oder Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen vor (siehe Abschnitte „Was sollten Sie vor der

Einnahme von Amantadin HEXAL beachten” sowie „Einnahme von Amantadin HEXAL zusammen

mit anderen Arzneimitteln”); Herzrhythmusstörungen mit gesteigerter Herzschlagfolge;

Herzversagen

das Blutbild betreffende (hämatologische) Nebenwirkungen, wie Leukopenie und Thrombozytopenie

reversible Erhöhung von Leberenzymen

vorübergehender Sehverlust, gesteigerte Lichtempfindlichkeit

Sobald Sehstörungen (Visusverlust) oder Verschwommensehen auftreten, sollten Sie zum Ausschluss eines

Hornhautödems einen Augenarzt aufsuchen (siehe Abschnitt 2 „Besondere Vorsicht bei der Einnahme von

Amantadin HEXAL ist erforderlich“ unter „Weitere wichtige Informationen zur Anwendung von Amantadin

HEXAL“).

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Drang, sich auf ungewöhnliche Weise zu verhalten – starker Impuls zu exzessivem Spielen,

verändertes oder verstärktes sexuelles Interesse, unkontrollierbares, exzessives Einkaufen oder

Geldausgeben, Binge-Eating (Verzehr von großen Mengen an Nahrung in einem kurzen Zeitraum)

oder zwanghaftes Essen (Verzehr von ungewöhnlich viel Nahrung über das Sättigungsgefühl

hinaus)

Bei Kindern wurde nach Markteinführung über Hypothermie berichtet (siehe Abschnitt

„Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen“)

Berichtet wurde über Delirium, Hypomanie und Manie. Ihre Inzidenz ist aber nicht ohne Weiteres aus der

Literatur ersichtlich.

Bei Anwendung von Amantadin bei anderen Anwendungsgebieten als Parkinson-Syndrome treten häufig

Schwindel, Nervosität, Gedächtnis-, Konzentrations- und Schlafstörungen sowie gelegentlich

Stimmungsveränderungen, Albträume und Wahnwahrnehmungen leichteren Grades auf. Ein Abbruch der

Behandlung ist in der Regel nicht erforderlich.

Sehr selten wurde über Selbsttötungsversuche bei mit Amantadin behandelten Patienten auch bei nur

kurzfristiger Behandlung bei anderen Anwendungsgebieten als Parkinson-Syndrome berichtet.

Bei auftretenden Nebenwirkungen wird Ihr behandelnder Arzt die geeigneten Gegenmaßnahmen

bestimmen. Bitte wenden Sie sich daher beim Auftreten von Unverträglichkeitserscheinungen an Ihren

behandelnden Arzt.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Dies gilt auch für

Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben sind. Sie können Nebenwirkungen auch

direkt dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzeigen. Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über

die Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

5 Wie ist Amantadin HEXAL aufzubewahren?

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Sie dürfen das Arzneimittel nach dem auf der Faltschachtel und der Blisterpackung nach „verwendbar bis“

angegebenen Verfallsdatum nicht mehr verwenden. Das Verfallsdatum bezieht sich auf den letzten Tag des

angegebenen Monats.

Entsorgen Sie Arzneimittel nicht im Abwasser. Fragen Sie Ihren Apotheker, wie das Arzneimittel zu

entsorgen ist, wenn Sie es nicht mehr verwenden. Sie tragen damit zum Schutz der Umwelt bei.

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6 Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Amantadin HEXAL enthält

Der Wirkstoff ist Amantadinhemisulfat.

1 Filmtablette enthält 200 mg Amantadinhemisulfat.

Die sonstigen Bestandteile sind: mikrokristalline Cellulose, Croscarmellose-Natrium, Hypromellose, Lactose-

Monohydrat, Macrogol 4000, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Maisstärke, Povidon K25, Talkum, Titandioxid

Wie Amantadin HEXAL aussieht und Inhalt der Packung

Amantadin HEXAL sind weiße, runde, bikonvexe Filmtabletten mit einseitiger Kreuzbruchkerbe.

Amantadin HEXAL ist in Packungen mit 30 und 100 Filmtabletten erhältlich.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: service@hexal.com

Hersteller

Salutas Pharma GmbH

Otto-von-Guericke-Allee 1

39179 Barleben

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Dezember 2018.

Fachinformation

1. BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL

Amantadin HEXAL 100 mg Filmtabletten

Amantadin HEXAL 200 mg Filmtabletten

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Amantadin HEXAL 100 mg

1 Filmtablette enthält 100 mg Amantadinhemisulfat.

Amantadin HEXAL 200 mg

1 Filmtablette enthält 200 mg Amantadinhemisulfat.

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Lactose-Monohydrat

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Filmtablette

Amantadin HEXAL 100 mg

Weiße, runde, bikonvexe Filmtabletten mit einseitiger Bruchkerbe.

Die Filmtablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

Amantadin HEXAL 200 mg

Weiße, runde, bikonvexe Filmtabletten mit einseitiger Kreuzbruchkerbe.

Die Filmtablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Parkinson-Syndrome

zur Behandlung von Symptomen der Parkinson’schen Krankheit wie z. B. Rigor, Tremor und Hypo-

bzw. Akinese

durch Neuroleptika und ähnlich wirkende Arzneimittel bedingte extrapyramidale Symptome wie

Frühdyskinesie, Akathisie, Parkinsonoid

Zusätzlich für Amantadin HEXAL 100 mg

Chemoprophylaxe von Influenza-Infektionen bei ungeimpften Personen oder bei geimpften Personen

im Rahmen von Epidemien mit einem von Impfstämmen nicht erfassten Influenza-A-Subtyp, wenn und

solange Infektionsgefahr besteht.

Chemotherapie der Influenza-A-Infektion

Beginn der Therapie so rasch wie möglich, spätestens 48 Stunden nach Ausbruch der Erkrankung. Die

Behandlung sollte 1-2 Tage über das Abklingen der Symptome hinaus fortgeführt werden.

Hinweis

Voraussetzung der Anwendung von Amantadin HEXAL 100 mg in der Prophylaxe und Therapie der

Virusgrippe A ist eine ärztliche Kontrolle der Therapie sowohl von Einzelpersonen als auch von Kollektiven

während des gesamten Behandlungszeitraumes.

Vigilanzminderung

Zur Fortsetzung der bei Vigilanzminderung bei postkomatösen Zuständen verschiedener Genese im

Rahmen eines therapeutischen Gesamtkonzeptes mit Amantadin-Infusionslösung begonnenen

Behandlung bis zu 4 Wochen.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Vor Therapiebeginn und zu den Zeitpunkten 1 und 3 Wochen danach ist ein EKG (50 mm/s) zu schreiben

und die frequenzkorrigierte QT-Zeit nach Bazett (QTc) manuell zu bestimmen. Bei Dosiserhöhungen zu

einem späteren Zeitpunkt muss ein solches EKG vorher und 2 Wochen nachher geschrieben werden.

Danach haben EKG-Kontrollen zumindest jährlich zu erfolgen. Patienten mit QTc-Vorwerten über 420 ms

oder mit einem QTc-Anstieg von über 60 ms unter Amantadin oder mit QTc-Zeiten > 480 ms unter

Amantadin sowie mit erkennbaren U-Wellen sind von der Behandlung auszuschließen. Damit kann bei

gleichzeitiger Beachtung der im Abschnitt 4.3 genannten Gegenanzeigen die sehr seltene, aber

bedrohliche Nebenwirkung Torsade-de-pointes-Kammertachykardie verhindert werden.

Parkinson-Syndrome

Bei Parkinson-Syndromen und medikamentös bedingten Bewegungsstörungen erfolgt die Therapie in der

Regel einschleichend; die jeweilige Dosis richtet sich nach dem therapeutischen Effekt.

Zur Einstellung des Patienten ist in den ersten 4-7 Tagen 1-mal täglich 1 Filmtablette Amantadin HEXAL

100 mg (entsprechend 100 mg Amantadinhemisulfat pro Tag) zu verabreichen und dann wöchentlich um

die gleiche Dosis zu steigern, bis die Erhaltungsdosis erreicht ist.

Als wirksame Dosen sind 2-mal täglich 1-3 Filmtabletten Amantadin HEXAL 100 mg (entsprechend 200-

600 mg Amantadinhemisulfat pro Tag) anzusehen.

Amantadin HEXAL 200 mg eignet sich zur Fortsetzung der mit Amantadin begonnenen Therapie. Die

Ersteinstellung des Patienten sollte bereits mit Filmtabletten zu 100 mg Amantadinhemisulfat erfolgt sein.

Die während der Therapie erreichte Erhaltungsdosis kann dann auf die Dosisstärke zu 200 mg

(entsprechend 1 Filmtablette Amantadin HEXAL 200 mg) umgestellt und fortgeführt werden.

Die Tageshöchstdosis von 6 Filmtabletten Amantadin HEXAL 100 mg oder 3 Filmtabletten Amantadin

HEXAL 200 mg (entsprechend 600 mg Amantadinhemisulfat) sollte nicht überschritten werden.

Bei älteren Patienten, insbesondere bei solchen mit Erregungs- und Verwirrtheitszuständen sowie mit

deliranten Syndromen, sollte mit einer geringeren Dosis begonnen werden.

Bei einer Kombinationsbehandlung mit anderen Antiparkinsonmitteln ist die Dosierung individuell

anzupassen.

Falls bereits mit einer Amantadin-Infusionslösung vorbehandelt wurde, kann die Anfangsdosis höher

gewählt werden.

Bei akuter Verschlechterung der Parkinsonsymptomatik im Sinne einer akinetischen Krise wird eine

Amantadin-Infusionsbehandlung angewendet.

Zusätzlich für Amantadin HEXAL 100 mg

Chemoprophylaxe und -therapie von Influenza-A-Infektionen

Amantadin HEXAL 100 mg sollte möglichst vor Exposition oder so bald wie möglich nach dem ersten

Kontakt, spätestens jedoch 48 Stunden nach Ausbruch der Erkrankung, verabreicht und danach für 10

Tage weitergegeben werden.

Bei wiederholter Exposition kann unter strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eine vorbeugende

Verabreichung über 3 Monate empfohlen werden.

Im Allgemeinen erhalten

Kinder ab 5 Jahre

1-mal täglich 1 Filmtablette Amantadin HEXAL 100 mg (entsprechend 100 mg Amantadinhemisulfat

pro Tag)

Kinder ab 10 Jahre oder ab 45 kg Körpergewicht

2-mal täglich 1 Filmtablette Amantadin HEXAL 100 mg (entsprechend 200 mg Amantadinhemisulfat

pro Tag)

Erwachsene bis 64 Jahre

2-mal täglich 1 Filmtablette Amantadin HEXAL 100 mg oder 1-mal täglich 2 Filmtabletten Amantadin

HEXAL 100 mg (entsprechend 200 mg Amantadinhemisulfat pro Tag)

Erwachsene ab 65 Jahre

sollten vorbeugend und zur Behandlung 1-mal täglich 1 Filmtablette Amantadin HEXAL 100 mg

(entsprechend 100 mg Amantadinhemisulfat pro Tag) erhalten, da bei mindestens 50 % dieser

Personen mit einer eingeschränkten Nierenleistung zu rechnen ist (siehe Tabelle unter „Dosierung bei

eingeschränkter Nierenfunktion“).

Vigilanzminderung

Zur Fortsetzung der Behandlung bei Vigilanzminderung nach vorheriger Infusionstherapie mit Gaben von

2 Filmtabletten Amantadin HEXAL 100 mg (entsprechend 200 mg Amantadinhemisulfat pro Tag) täglich

bis zu 4 Wochen.

Dosierung bei eingeschränkter Nierenfunktion

Grundsätzlich ist bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion die Höhe der Dosis an das Ausmaß der

verringerten Nierenclearance (gemessen an der glomerulären Filtrationsrate = GFR) anzupassen wie folgt:

GFR (ml/min)

Dosierung

(Amantadinhemisulfat)

Dosierungsintervall

80-60

100 mg

alle 12 Stunden

60-50

200 mg und 100 mg* oder 150

mg**

jeden 2. Tag* abwechselnd

oder 1-mal täglich**

50-30

100 mg

1-mal täglich

30-20

200 mg

2-mal wöchentlich

20-10

100 mg

3-mal wöchentlich

< 10 und

Hämodialyse

200 mg und 100 mg

wöchentlich oder

jede 2. Woche

zu erreichen durch abwechselnde Gaben von jeweils 1-mal 1 Filmtablette Amantadin HEXAL 100 mg bzw. 1-mal ½

Filmtablette Amantadin HEXAL 200 mg und 1-mal 2 Filmtabletten Amantadin HEXAL 100 mg bzw. 1-mal 1 Filmtablette

Amantadin HEXAL 200 mg

zu erreichen durch Gabe von 1-mal 1½ Filmtabletten Amantadin HEXAL 100 mg bzw. 1-mal ½ und ¼ Filmtablette Amantadin

HEXAL 200 mg

Um die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) abschätzen zu können, darf folgende Näherung angewendet

werden:

= (140-Alter) x Gewicht

72 x Kreatinin

wobei Cl

= Kreatininclearance in ml/min

Kreatinin = Serumkreatinin in mg/100 ml ist

Der so berechnete Wert der Kreatininclearance gilt für Männer, er beträgt für Frauen ca. 85 % und darf der

Inulinclearance zur Ermittlung der GFR (beim Erwachsenen 120 ml/min) gleichgesetzt werden.

Amantadin ist nur bedingt dialysierfähig (ca. 5 %).

Kinder

Ausreichende Erfahrungen bei Kindern liegen nicht vor. Die Anwendung von Amantadin HEXAL ist bei

Kindern ab 5 Jahre nur zur Prophylaxe und Behandlung der Virusgrippe Typ A vorgesehen.

Art und Dauer der Anwendung

Die Filmtabletten werden mit etwas Flüssigkeit, vorzugsweise morgens und nachmittags, eingenommen.

Die letzte Tagesdosis soll nicht nach 16 Uhr eingenommen werden.

Die Dauer der Behandlung richtet sich nach Art und Schwere des Krankheitsbildes und wird vom

behandelnden Arzt entschieden. Der Patient darf das Arzneimittel nicht eigenmächtig absetzen.

Ein plötzliches Absetzen der Einnahme von Amantadin HEXAL ist zu vermeiden, da es sonst bei

Parkinson-Patienten zu einer starken Verschlechterung der extrapyramidalen Symptomatik bis hin zur

akinetischen Krise kommen kann, und Absetzerscheinungen bis hin zu einem Delir auftreten können.

Zusätzlich für Amantadin HEXAL 100 mg

Chemoprophylaxe und -therapie der Virusgrippe Typ A

Die Anwendungsdauer ist begrenzt (siehe Ausführungen unter „Dosierung“).

Vigilanzminderung

Die Anwendungsdauer bei Fortsetzung der Behandlung mit oralen Gaben sollte 4 Wochen nicht

überschreiten (siehe Abschnitt 4.1).

4.3 Gegenanzeigen

Amantadin darf nicht angewendet werden bei Patienten mit

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen

Bestandteile

schwerer nicht kompensierter Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium IV)

Kardiomyopathien und Myokarditiden

AV-Block Grad II und III

vorbekannter Bradykardie unter 55 Schläge/min

bekanntem langem QT-Intervall (QTc nach Bazett > 420 ms) oder erkennbaren U-Wellen oder

angeborenem QT-Syndrom in der Familienanamnese

einer Vorgeschichte von schwerwiegenden ventrikulären Arrhythmien einschließlich Torsade de

pointes

gleichzeitiger Therapie mit Budipin oder anderen QT-verlängernden Arzneimitteln (siehe Abschnitt 4.5)

Verminderung von Kalium und Magnesium im Blut.

Amantadin darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei Patienten mit

Prostatahypertrophie

Engwinkelglaukom

Niereninsuffizienz (verschiedener Schweregrade; durch eine Verschlechterung der Filtrationsleistung

der Nieren besteht die Gefahr der Kumulation, siehe Abschnitte 4.2 und 4.4)

Erregungs- und Verwirrtheitszuständen

deliranten Syndromen sowie exogenen Psychosen in der Anamnese

sowie bei Patienten, die mit Memantin behandelt werden (siehe Abschnitt 4.5).

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Bei Patienten mit zugrunde liegenden psychischen Störungen können verstärkt Halluzinationen,

Verwirrung und Albträume auftreten.

Bis zu 50 % aller Parkinson-Patienten zeigen depressive Symptome, was das Risiko von Suizidgedanken

und Suizidversuchen wahrscheinlicher macht. Über eine geringe Zahl von Suizidversuchen, einige mit

tödlichem Ausgang, wurde unter der Behandlung mit Amantadin berichtet. Rezepte sollten deshalb für die

geringste, mit guter Patientenbetreuung in Einklang stehende Menge ausgestellt werden.

Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei Patienten, die an einem rezidivierenden Ekzem, einem

Magenulkus, oder an kardiovaskulären Störungen leiden oder gelitten haben.

Während der Behandlung mit Amantadin können periphere Ödeme auftreten, die vermutlich auf lokalen

Gefäßstörungen beruhen. Dies ist bei Patienten mit anamnestischen Hinweisen auf eine Herzinsuffizienz

zu beachten.

Amantadin sollte bei Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörungen nur mit Vorsicht angewendet

werden. Im Fall einer Nierenfunktionsstörung sollte die Dosierung entsprechend der individuellen

Kreatinin-Clearance angepasst werden. Die Amantadin-Plasmaspiegel sollten überwacht werden. Bei

Patienten, die sich auf Grund eines Nierenversagens einer Hämodialyse unterziehen müssen, sollte die

Dosierung vorsichtig angepasst werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden (siehe Abschnitte 4.2 und

4.9).

Vor Therapiebeginn und zu den Zeitpunkten 1 und 3 Wochen danach ist ein EKG (50 mm/s) zu schreiben

und die frequenzkorrigierte QT-Zeit nach Bazett (QTc) manuell zu bestimmen. Bei Dosiserhöhungen zu

einem späteren Zeitpunkt muss ein solches EKG vorher und 2 Wochen nachher geschrieben werden.

Danach haben EKG-Kontrollen zumindest jährlich zu erfolgen. Patienten mit QTc-Vorwerten über 420 ms

oder mit einem QTc-Anstieg von über 60 ms unter Amantadin HEXAL oder mit QTc-Zeiten > 480 ms unter

Amantadin HEXAL sowie mit erkennbaren U-Wellen sind von der Behandlung auszuschließen.

Bei Risikogruppen für Elektrolytstörungen, z. B. Diuretikamedikation, häufigem Erbrechen und/oder

Durchfall, Anwendung von Insulin in Notfallsituationen, Nierenerkrankungen oder anorektischen

Zuständen sind adäquate Laborkontrollen und ein entsprechender Elektrolytausgleich durchzuführen,

insbesondere für Kalium und Magnesium.

Patienten mit bekannten Herz-Kreislauf-Erkrankungen müssen während der gleichzeitigen Behandlung mit

Amantadin HEXAL unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle stehen. Sobald Symptome wie Palpitationen,

Schwindel oder Synkopen auftreten, ist Amantadin HEXAL abzusetzen und der Patient - innerhalb von 24

Stunden - auf eine eventuelle QT-Verlängerung zu untersuchen. Wenn keine QT-Verlängerung vorliegt,

kann Amantadin HEXAL unter Berücksichtigung der Gegenanzeigen und Wechselwirkungen wieder

eingesetzt werden (siehe Abschnitt 4.8).

Bei Herzschrittmacherpatienten ist die exakte Bestimmung der QT-Zeiten nicht möglich. Daher muss die

Entscheidung über eine Amantadin-Therapie in Abstimmung mit dem behandelnden Kardiologen

individuell erfolgen.

Die zusätzliche Gabe von Amantadin bei Parkinson-Patienten zur Prophylaxe und Behandlung der

Virusgrippe Typ A ist wegen der Gefahr der Überdosierung zu vermeiden.

Da Amantadin anticholinerge Effekte hat und eine Mydriasis bewirken kann, sollte es Patienten mit

unbehandeltem Engwinkelglaukom nicht verabreicht werden.

Kinder

Ausreichende Erfahrungen bei Kindern liegen nicht vor. Die Anwendung von Amantadin HEXAL 100 mg

ist bei Kindern ab 5 Jahre nur zur Prophylaxe und Behandlung der Virusgrippe Typ A vorgesehen.

Bei Kindern wurde Hypothermie beobachtet. Daher ist bei der Anwendung zur Prophylaxe und

Behandlung der Virusgrippe Typ A besondere Vorsicht geboten.

Abbruch der Behandlung

Ein abruptes Absetzen von Amantadin kann zu einer Verschlimmerung der Symptome der

Parkinson’schen Erkrankung oder zu Symptomen, die einem malignen neuroleptischen Syndrom (MNS)

gleichen, führen, sowie zu Katatonie oder zu kognitiven Manifestationen (z. B. Konfusionen, Verwirrtheit,

Verschlechterung des mentalen Zustands oder Delirien).

Bei Patienten, die gleichzeitig mit Neuroleptika und Amantadin behandelt wurden, existieren

Einzelberichte, die einen möglichen Zusammenhang zwischen der Exazerbation des malignen

neuroleptischen Syndroms oder der durch Neuroleptika induzierten Katatonie und dem Absetzen von

Amantadin vermuten lassen.

Demzufolge sollte die Behandlung mit Amantadin nicht abrupt abgesetzt werden.

Resistenz

Amantadin und Rimantadin entwickeln bei wiederholtem Kontakt in Influenza-Virenstämmen in vitro, wie

auch in vivo relativ rasch eine Resistenz. Influenza A-Viren, die (kreuz-)resistent gegen Amantadin oder

Rimantadin sind, können überhand nehmen, wenn diese Arzneistoffe für die Behandlung verwendet

werden. Es ist offensichtlich möglich, dass eine Transmission von Wirkstoff-resistenten Viren für das

Versagen von Prophylaxe und Behandlung in Haushalten und Heimen verantwortlich ist. Es gibt jedoch

keinen Hinweis dafür, dass eine Infektion mit einem resistenten Virus anders verlaufen würde, als eine mit

einem empfindlichen Virus.

Impulskontrollstörungen

Die Patienten sind regelmäßig hinsichtlich der Entwicklung von Impulskontrollstörungen zu überwachen.

Patienten und ihre Pflegepersonen sollten darauf hingewiesen werden, dass Verhaltenssymptome von

Impulskontrollstörungen, u. a. Spielsucht, verstärkte Libido, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben

oder Kaufsucht sowie Binge-Eating und zwanghaftes Essen, bei Patienten unter der Behandlung mit

dopaminerg wirkenden Arzneimitteln einschließlich Amantadin HEXAL auftreten können. Bei Entwicklung

dieser Symptome sind eine Dosisreduktion oder ein Ausschleichen der Behandlung zu erwägen.

Besondere Vorsichtshinweise für den Gebrauch

Bei Patienten, die gleichzeitig mit Neuroleptika und Amantadin behandelt werden, besteht die Gefahr des

Auftretens eines lebensbedrohlichen malignen neuroleptischen Syndroms, wenn Amantadin plötzlich

abgesetzt wird.

Bei Patienten mit einem hirnorganischen Psychosyndrom sowie zerebralen Anfallsleiden in der Anamnese

erfordert die Anwendung von Amantadin besondere Vorsicht, da sich einzelne Krankheitssymptome

verschlechtern und Krampfanfälle auftreten können (siehe Abschnitte 4.2 und 4.8).

Oft werden bei Parkinson-Patienten Krankheitszeichen wie niedriger Blutdruck, Speichelfluss,

Schweißausbrüche, erhöhte Körpertemperatur, Hitzestauungen, Wasseransammlungen und depressive

Verstimmungen beobachtet. Sie sind unter Beachtung der Neben- und Wechselwirkungen von Amantadin

zu behandeln.

Bei Auftreten von Verschwommensehen oder anderen Sehstörungen sollte ein Augenarzt konsultiert

werden, um ein Hornhautödem auszuschließen. Falls ein Hornhautödem diagnostiziert wird, ist die

Behandlung mit Amantadin abzusetzen.

Ein durch Amantadin verursachtes Hornhautödem ist im Allgemeinen innerhalb eines Monats reversibel.

Die Patienten sollen aufgefordert werden, beim Auftreten von Beschwerden beim Wasserlassen den

behandelnden Arzt aufzusuchen.

Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-

Galactose-Malabsorption sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Anwendung von Amantadin mit anderen Arzneimitteln, für die eine Verlängerung des QT-

Intervalls bekannt ist, ist kontraindiziert. Beispiele sind:

bestimmte Antiarrhythmika der Klasse IA (wie z. B. Chinidin, Disopyramid, Procainamid) und der Klasse

III (wie Amiodaron, Sotalol)

bestimmte Antipsychotika (wie z. B. Thioridazin, Chlorpromazin, Haloperidol, Pimozid)

bestimmte tri- und tetrazyklische Antidepressiva (wie z. B. Amitriptylin)

bestimmte Antihistaminika (wie z. B. Astemizol, Terfenadin)

bestimmte Makrolidantibiotika (wie z. B. Erythromycin, Clarithromycin)

bestimmte Gyrasehemmer (wie z. B. Sparfloxacin)

Azol-Antimykotika sowie weitere Arzneimittel wie Budipin, Halofantrin, Cotrimoxazol, Pentamidin,

Cisaprid oder Bepridil

Diese Aufzählung kann nicht vollständig sein. Vor der gleichzeitigen Anwendung von Amantadin mit einem

anderen Arzneimittel ist dessen Fachinformation dahingehend zu prüfen, ob eine Interaktion durch QT-

Verlängerung zwischen diesem Mittel und Amantadin möglich ist.

Es ist möglich, Amantadin mit anderen Antiparkinsonmitteln zu kombinieren. Zur Vermeidung von

Nebenwirkungen (wie z. B. psychotische Reaktionen) kann eine Dosisreduktion der anderen Arzneimittel

bzw. der Kombination notwendig werden.

Es liegen keine gezielten Untersuchungen über das Auftreten von Wechselwirkungen nach Verabreichung

von Amantadin mit anderen Antiparkinsonmitteln (z. B. mit Levodopa, Bromocriptin, Trihexyphenidyl etc.)

oder Memantin vor (siehe Abschnitt 4.8).

Bei gleichzeitiger Therapie mit Amantadin und den im Folgenden aufgeführten Arzneimittelgruppen bzw.

Wirkstoffen kann es zu den im Folgenden beschriebenen Wechselwirkungen kommen:

Anticholinergika

Verstärkung von Nebenwirkungen der Anticholinergika (Verwirrtheitszustände und Halluzinationen) bei

Kombination mit z. B. Trihexyphenidyl, Benzatropin, Scopolamin, Biperiden oder Orphenadrin

Indirekt zentral wirkende Sympathomimetika

Verstärkung der zentralen Wirkung von Amantadin

Alkohol

Verminderung der Alkoholtoleranz

Die gleichzeitige Verabreichung von Amantadin und Arzneimitteln oder Substanzen, die auf das

Zentralnervensystem wirken (z. B. Alkohol), kann die ZNS-Toxizität erhöhen. Hier wird eine sorgfältige

Überwachung empfohlen (siehe Abschnitt 4.9).

Levodopa (Antiparkinsonmittel)

Gegenseitige Verstärkung der therapeutischen Wirkung. Deshalb kann Levodopa mit Amantadin

kombiniert werden.

Vereinzelt wurde bei gleichzeitiger Anwendung von Amantadin und Neuroleptika oder

Levodopa über eine psychotische Dekompensation berichtet.

Memantin (Mittel zur Behandlung der Alzheimer-Demenz)

Memantin kann die Wirkung und Nebenwirkungen von Amantadin verstärken (siehe Abschnitt 4.3).

Andere Arzneimittel

Die gleichzeitige Gabe von Diuretika vom Typ der Kombination Triamteren/Hydrochlorothiazid kann die

Plasmaclearance von Amantadin reduzieren und zu toxischen Plasmakonzentrationen führen und toxische

Effekte verstärken (Verwirrtheit, Halluzinationen, Ataxie, Myoklonus). Eine gleichzeitige Anwendung sollte

daher unterbleiben.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft und Frauen im gebärfähigen Alter

Aufgrund von Fallberichten besteht der Verdacht, dass eine Anwendung von Amantadin während der

Schwangerschaft beim Menschen angeborene Fehlbildungen (kardiovaskuläre Defekte, Reduktion der

Gliedmaßen) auslösen kann.

Amantadin erwies sich in Tierstudien als embryotoxisch und teratogen (siehe Abschnitt 5.3). Daher darf

Amantadin in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine Behandlung mit

Amantadin aufgrund des klinischen Zustands der Frau zwingend erforderlich ist. Im Falle einer Therapie

im 1. Trimenon sollte eine Ultraschallfeindiagnostik durchgeführt werden.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung bis einschließlich 5 Tage nach der

letztmaligen Einnahme von Amantadin eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Falls Amantadin einer Patientin im reproduktionsfähigen Alter verschrieben wird, sollte diese darauf

hingewiesen werden, sich unverzüglich mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen, wenn sie schwanger zu

werden wünscht oder eine Schwangerschaft vermutet.

Stillzeit

Amantadin tritt in die Muttermilch über. Über unerwünschte Wirkungen bei gestillten Säuglingen wurde

berichtet (Hautausschlag, Harnretention, Erbrechen). Stillende Frauen sollten Amantadin nicht einnehmen.

Fertilität

Bei Tieren reduzierte Amantadin die Fertilität (siehe Abschnitt 5.3).

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Auswirkungen auf die Vigilanz und Akkommodation sind - auch im Zusammenwirken mit anderen Mitteln

zur Behandlung der Parkinsonsyndrome - nicht auszuschließen. Zu Beginn der Behandlung kann es daher

- über die krankheitsbedingten Einschränkungen hinaus - zu einer Verminderung der Fahrtüchtigkeit und

der Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, kommen. Dies gilt in verstärktem Maße bei gleichzeitigem

Alkoholkonsum.

4.8 Nebenwirkungen

Die unerwünschten Wirkungen von Amantadin treten gewöhnlich in den ersten 2-4 Behandlungstagen auf

und verschwinden wieder innerhalb von 24-48 h nach Absetzen von Amantadin.

Eine direkte Beziehung zwischen der Dosis und der Inzidenz von unerwünschten Wirkungen wurde nicht

nachgewiesen. Jedoch scheint die Tendenz zu bestehen, dass mit zunehmender Dosis unerwünschte

Wirkungen häufiger werden, besonders solche, die das ZNS betreffen.

Nebenwirkungen aus klinischen Studien, Spontanmeldungen und Fallberichten aus der Literatur sind nach

Organklassen aufgeführt. Innerhalb jeder Organklasse sind die Nebenwirkungen entsprechend ihrer

Häufigkeiten sortiert, beginnend mit den häufigsten Nebenwirkungen. Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppe

werden die Nebenwirkungen nach abfallendem Schweregrad angegeben.

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:

Sehr häufig (≥ 1/10)

Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)

Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)

Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)

Sehr selten (< 1/10.000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig: Schwindel

Gelegentlich: Kopfschmerzen, Lethargie, Ataxie, Dysarthrie

Selten: Tremor, Dyskinesie, Konvulsionen

Sehr selten: Auslösung epileptischer Anfälle, meist im Zusammenhang mit höheren als den empfohlenen

Dosen; Myoklonien, Symptome einer peripheren Neuropathie, Symptome ähnlich denen eines malignen

neuroleptischen Syndroms

Psychiatrische Erkrankungen

Häufig: Schlafstörungen, motorische und psychische Unruhe

Gelegentlich: Depression, Angstzustände, gehobene Stimmung, Agitiertheit, Nervosität, Schlaflosigkeit,

Halluzinationen, Albträume

Halluzinationen, Verwirrtheit und Albträume treten häufiger auf, wenn Amantadin zusammen mit

Anticholinergika verabreicht wird oder wenn der Patient an einer psychischen Störung leidet.

Selten: Verwirrtheit, Desorientierung, Psychosen

Berichtet wurde über Delirium, Hypomanie und Manie. Ihre Inzidenz ist aber nicht ohne Weiteres aus der

Literatur ersichtlich.

Besonders bei prädisponierten älteren Patienten können paranoid gefärbte, mit optischen Halluzinationen

einhergehende exogene Psychosen ausgelöst werden. Diese unerwünschten Wirkungen können

besonders bei Kombination von Amantadin mit anderen Antiparkinsonmitteln (z. B. Levodopa,

Bromocriptin) oder Memantin häufiger auftreten.

Nicht bekannt: Impulskontrollstörungen

Spielsucht, verstärkte Libido, Hypersexualität, zwanghaftes Geldausgeben oder Kaufsucht

sowie Binge-

Eating und zwanghaftes Essen können bei Patienten unter der Behandlung mit dopaminerg wirkenden

Arzneimitteln einschließlich Amantadin HEXAL auftreten (siehe Abschnitt 4.4).

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Häufig: Harnretention bei Prostatahypertrophie

Selten: Harninkontinenz

Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes

Häufig: Ausbildung einer Livedo reticularis (Bild einer „marmorierten Haut“), zuweilen verbunden mit

Ödemen im Unterschenkel- und Knöchelbereich

Gelegentlich: Diaphorese

Selten: Exanthem

Sehr selten: Photosensibilität

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Häufig: Übelkeit, Mundtrockenheit

Gelegentlich: Erbrechen, Verstopfung

Selten: Diarrhö

Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen

Gelegentlich: Anorexie

Herzerkrankungen

Gelegentlich: Palpitationen

Sehr selten: kardiale Arrhythmien wie ventrikuläre Tachykardie, Kammerflimmern, Torsade de pointes und

QT-Verlängerungen. In den meisten dieser Fälle lagen Überdosierungen, bestimmte Ko-Medikationen

oder Risikofaktoren für kardiale Arrhythmien vor (siehe Abschnitte 4.3, 4.4 und 4.5).

Herzrhythmusstörungen mit Tachykardie, Herzversagen

Gefäßerkrankungen

Häufig: orthostatische Dysregulation

Augenerkrankungen

Gelegentlich: Verschwommensehen*

Selten: Hornhautläsionen, z. B. punktförmige subepitheliale Trübungen, die mit einer Keratitis superficialis

punctata assoziiert sein könnten, Hornhautepithelödem und merklich verminderte Sehschärfe

Sehr selten: vorübergehender Visusverlust*, gesteigerte Lichtempfindlichkeit

* Sobald Visusverlust oder Verschwommensehen auftreten, sollte der Patient zum Ausschluss eines Hornhautödems augenärztlich

untersucht werden (siehe Abschnitt 4.4).

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems

Sehr selten: hämatologische Nebenwirkungen wie Leukopenie und Thrombozytopenie

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Gelegentlich: periphere Ödeme

Nicht bekannt: Bei Kindern wurde nach Markteinführung über Hypothermie berichtet (siehe Abschnitt 4.4).

Untersuchungen

Sehr selten: reversible Erhöhung von Leberenzymen

Sehr selten wurde über Suizidversuche bei mit Amantadin behandelten Patienten auch bei nur

kurzfristiger Prophylaxe oder Behandlung der Virusgrippe A berichtet.

Bei Anwendung von Amantadin zur Grippeprophylaxe treten häufig Schwindel, Nervosität, Gedächtnis-,

Konzentrations- und Schlafstörungen sowie gelegentlich Stimmungsveränderungen, Albträume und

Wahnwahrnehmungen leichteren Grades auf. Ein Abbruch der Behandlung ist nicht erforderlich.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Eine Überdosierung (entweder akute Überdosierung bei Einnahme mehrerer maximaler Empfehlungs-

dosen oder bei Einnahme hoher Dosen bei älteren Patienten und/oder bei Patienten mit Nieren-

insuffizienz) kann lebensgefährlich sein (siehe Abschnitt 4.4).

Grundsätzlich sollte immer an die Möglichkeit einer Mehrfachintoxikation, beispielsweise bei Einnahme

mehrerer Arzneimittel in suizidaler Absicht, gedacht werden.

Symptome einer Überdosierung

Neuromuskuläre Störungen und Symptome einer akuten Psychose sind hervorstechende Kennzeichen

einer akuten Vergiftung mit Amantadin.

Zentrales Nervensystem: Hyperreflexie, motorische Unruhe, Konvulsionen, extrapyramidale Symptome

wie Torsionsspasmen und dystonische Haltung, erweiterte Pupillen, Dysphagie, Verwirrtheit, Desorien-

tierung, Delirium, visuelle Halluzinationen, Myoklonus, Aggression/Feindseligkeit, Bewusstseinsstörungen

und Koma

Atemsystem: Hyperventilation, Lungenödem, Atembeschwerden einschließlich akute respiratorische

Insuffizienz

Herz-Kreislauf-System: Herzstillstand und plötzlicher Herztod wurden beobachtet, Sinustachykardie,

Arrhythmien, Kammerflimmern, Torsade de pointes, ventrikuläre Extrasystolen, Bluthochdruck

Gastrointestinaltrakt: Übelkeit, Erbrechen, Mundtrockenheit

Nierenfunktion: Harnretention, Nierenfunktionsstörung einschließlich Erhöhung des Harnstoff-Stickstoffs

und Abnahme der Kreatinin-Clearance

Überdosierung bei kombinierter Behandlung: Die peripheren und zentralen unerwünschten Wirkungen der

Anticholinergika werden durch gleichzeitige Verabreichung von Amantadin verstärkt. Bei Verwendung

hochdosierter Anticholinergika kann es zu akuten psychotischen Reaktionen kommen, die denen bei einer

Atropinvergiftung entsprechen können.

Durch gleichzeitige Einnahme von Alkohol oder zentralnervösen Stimulantien können die Symptome einer

akuten Amantadin-Vergiftung verstärkt oder verändert werden.

Therapiemaßnahmen bei Überdosierung

Eine spezifische medikamentöse Therapie oder ein Antidot ist nicht bekannt. Bei Intoxikation durch die

Einnahme von Filmtabletten ist Erbrechen auszulösen, eine Magenspülung oder Verabreichung von

Aktivkohle oder salinischen Abführmitteln, falls geeignet, vorzunehmen.

Durch Hämodialyse wird keine Ausscheidung signifikanter Mengen von Amantadin erreicht; bei Patienten

mit Niereninsuffizienz wurden nach einer oralen Einzeldosis von 300 mg bei vierstündiger Hämodialyse

7-15 mg ausgeschieden.

Überwachung des Blutdrucks, der Herzfrequenz, des EKGs, der Atmung und der Körpertemperatur sowie

Maßnahmen bei Auftreten von Hypotonie oder Herzrhythmusstörungen. Die Anwendung adrenerger

Substanzen bei einer Überdosis darf nur mit Vorsicht geschehen, da die dopaminerge Wirkung von

Amantadin maligne Arrhythmien auslösen kann.

Bei Konvulsionen oder exzessiver, motorischer Unruhe: Gabe von Antikonvulsiva, z. B. Diazepam i.v. oder

Phenobarbital i.m.

Bei vital bedrohlichen Intoxikationen sind darüber hinaus Intensivüberwachungsmaßnahmen erforderlich.

Therapeutisch kommen ferner Flüssigkeitszufuhr, Ansäuerung des Urins zur schnelleren Ausscheidung

der Substanz, gegebenenfalls Sedierung, antikonvulsive Maßnahmen und Antiarrhythmika (Lidocain i.v.)

in Frage.

Zur Behandlung neurotoxischer Symptome (wie oben beschrieben) kann bei Erwachsenen die intravenöse

Gabe von 1-2 mg Physostigmin alle 2 Stunden, bei Kindern 0,5 mg 2-mal in Abständen von 5-10 Minuten

bis zu einer Maximaldosis von 2 mg versucht werden.

Da Amantadin zu einem großen Teil unverändert mit dem Harn ausgeschieden wird, ist die

Aufrechterhaltung der renalen Ausscheidungsfunktion, eine ausgiebige und gegebenenfalls forcierte

Diurese zur Entfernung der Substanz aus der Blutbahn geeignet. Eine Erhöhung der Azidität des Harns

begünstigt die Ausscheidung von Amantadin mit dem Urin.

Es wird empfohlen, die Patienten hinsichtlich einer möglichen QT-Verlängerung und Faktoren, die das

Auftreten von Torsade de pointes begünstigen, z. B. Elektrolytstörungen (insbesondere Hypokaliämie und

Hypomagnesiämie) oder Bradykardie, besonders zu beobachten.

Bei akuten psychotischen Symptomen, Delirium, dystonischer Haltung und myoklonischen

Manifestationen: langsame i.v. Infusion von Physostigmin (in Dosen von 1 mg bei Erwachsenen, 0,5 mg

bei Kindern), wiederholte Verabreichung je nach dem anfänglichen Erfolg und den weiteren Erfordernissen,

wurde berichtet.

Bei Harnretention Katheterisierung: Verweilkatheter solange notwendig.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Dopaminerge Mittel, Adamantan-Derivate

ATC-Code: N04BB01

Amantadin weist vielfältige pharmakologische Effekte auf. Amantadin wirkt indirekt agonistisch am

striatalen Dopaminrezeptor. Tierstudien haben gezeigt, dass Amantadin die extrazelluläre

Dopaminkonzentration durch gesteigerte Dopaminfreisetzung als auch durch Hemmung der

Wiederaufnahme in die präsynaptischen Neurone erhöht. Amantadin hemmt in therapeutischen

Konzentrationen die NMDA-Rezeptor-vermittelte Freisetzung von Acetylcholin und kann so anticholinerge

Wirkungen hervorrufen. Mit L-Dopa zeigt es synergistische Wirkungen.

Zusätzlich für Amantadin HEXAL 100 mg

Amantadin hemmt die Protonenpumpenaktivität des Influenza-A Matrixproteins 2 (M2). Dadurch wird die

Freisetzung der Nukleinsäuren bereits eingedrungener Viren und damit die Aufnahme des viralen

Ribonuklein-Komplexes in den Zellkern der Zielzelle gehemmt, sowie die Freisetzung infektiöser Partikel

aus infizierten Zellen blockiert.

Die Schutzrate vor einer Infektion schwankt zwischen 50 und 95 %. Bei rechtzeitigem Beginn der Therapie

kann Amantadin die Dauer und den Schweregrad der Erkrankung um 50 % reduzieren.

Unter Therapie mit Amantadin werden stabile Mutationen, die zu resistenten Phänotypen führen,

selektiert. Nach 5-7 Tagen sind 50 % aller Isolate resistent. Resistente Stämme können von Person zu

Person übertragen werden.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption

Amantadinhydrochlorid wird nach oraler Gabe schnell und vollständig aus dem Gastrointestinaltrakt

resorbiert.

Plasmaspiegel, Elimination

Maximale Plasmakonzentrationen werden nach etwa 2 und 8 Stunden (t

) nach Gabe einer Einzeldosis

erreicht. Das leicht lösliche Amantadinhydrochlorid gibt eine höhere Amantadin-

Plasmaspitzenkonzentration als das schwerer lösliche Amantadinhemisulfat, dessen maximale

Plasmaspitzenkonzentration (C

) später auftritt als die des Hydrochlorids. Nach einer peroralen

Einzeldosis von 250 mg Amantadinhydrochlorid wird C

von 0,5 µg/ml erreicht.

Bei einer Dosierung von 200 mg/Tag tritt ein Steady State nach 4-7 Tagen ein, wobei Plasmaspiegel

zwischen 400-900 ng/ml erreicht wurden. Nach Einnahme von 100 mg Amantadinhemisulfat beträgt die

0,15 µg/ml.

Die Gesamtmenge an resorbiertem Wirkstoff (AUC-Wert) unterscheidet sich für beide Salze des

Amantadins nicht. Die Plasmaclearance war mit der renalen Clearance identisch, sie betrug bei gesunden

älteren Probanden 17,7 ± 10 l/h.

Das scheinbare Verteilungsvolumen (4,2 ± 1,9 l/kg) ist altersabhängig; es beträgt bei Älteren 6,0 l/kg.

Die Eliminationshalbwertszeit (HWZ) beträgt zwischen 10-30 Stunden, im Mittel etwa 15 Stunden. Sie wird

entscheidend vom Alter der Patienten beeinflusst. Ältere männliche Patienten (62-72 Jahre) zeigen eine

HWZ um 30 Stunden. Bei niereninsuffizienten Patienten kommt es zu einer erheblichen Verlängerung der

terminalen HWZ auf 68 ± 10 Stunden.

Amantadin wird zu etwa 67 % (in vitro) an Plasmaproteine gebunden, ca. 33 % befinden sich als freie

Fraktion im Plasma. Die Blut-Hirn-Schranke wird mit Hilfe eines sättigbaren Transportsystems

überwunden.

Amantadin wird nahezu vollständig unverändert mit dem Urin ausgeschieden (90 % der Einmaldosis),

geringe Mengen mit den Faeces.

Die Dialysierbarkeit von Amantadinhydrochlorid ist gering und liegt bei 5 % für eine Einzeldialyse.

Metabolismus

Beim Menschen wird Amantadin nicht metabolisiert.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Amantadin hat Wirkungen auf die Elektrophysiologie des Herzens, es verlängert u. a. die

Aktionspotentialdauer über eine Hemmung repolarisierender Kaliumströme. Diese Effekte können in

seltenen Fällen auch beim Menschen zu bestimmten Fällen von Herzrhythmusstörungen

(Spitzenumkehrtachykardien oder Torsade-de-pointes-Arrhythmien) führen.

In Studien zur chronischen Toxizität wurden in erster Linie ZNS-stimulierende Effekte gesehen. An

Hunden und Affen wurden vereinzelt Extrasystolen, am Hund auch leichte Fettinfiltrationen am

Herzmuskel beobachtet.

In einer Mutagenitätsprüfung mit etablierten In-vitro- und In-vivo-Tests ergaben sich für Amantadin keine

Hinweise auf ein genotoxisches Potential.

Langzeituntersuchungen zur Kanzerogenität von Amantadin liegen nicht vor.

Embryotoxizitätsstudien an Ratten, Mäusen und Kaninchen haben nur bei Ratten embryoletale Wirkungen

und Fehlbildungen in hoher Dosierung gezeigt. Es traten vermehrt Ödeme, Fehlstellungen der Hinterbeine

Skelettanomalien

auf.

Auswirkungen

auf die

Fertilität sind

unzureichend

untersucht, es

liegen

Hinweise auf eine Fertilitätsbeeinträchtigung bei Ratten vor.

Untersuchungen über den Peri-/Postnatalzeitraum wurden nicht durchgeführt.

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

mikrokristalline Cellulose

Croscarmellose-Natrium

Hypromellose

Lactose-Monohydrat

Macrogol 4000

Magnesiumstearat (Ph.Eur.)

Maisstärke

Povidon K 25

Talkum

Titandioxid (E 171)

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend

6.3 Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für diese Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Die Filmtabletten sind in PP/Aluminium-Blistern verpackt und in einen Umkarton eingelegt.

Amantadin HEXAL 100 mg

Packungen mit 30, 50, 60 und 100 Filmtabletten

Amantadin HEXAL 200 mg

Packungen mit 30 und 100 Filmtabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen

7. INHABER DER ZULASSUNGEN

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: medwiss@hexal.com

8. ZULASSUNGSNUMMERN

Amantadin HEXAL 100 mg

41224.00.00

Amantadin HEXAL 200 mg

45619.00.00

9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNGEN/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNGEN

Amantadin HEXAL 100 mg

Datum der Erteilung der Zulassung: 17. Dezember 1997

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 03. Dezember 2002

Amantadin HEXAL 200 mg

Datum der Erteilung der Zulassung: 16. Februar 2001

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 27. Februar 2003

10. STAND DER INFORMATION

Dezember 2018

11. VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

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