Actilyse - Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

Österreich - Deutsch - AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)

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Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation (PIL)

01-12-2020

Fachinformation Fachinformation (SPC)

08-03-2019

Wirkstoff:
ALTEPLASE
Verfügbar ab:
Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG
ATC-Code:
B01AD02
INN (Internationale Bezeichnung):
alteplase
Einheiten im Paket:
10 mg: 1 Durchstechflasche 467 mg Pulver, 1 Durchstechflasche 10 ml Wasser, Laufzeit: 36 Monate,20 mg: 1 Durchstechflasche 933 m
Verschreibungstyp:
Arzneimittel zur einmaligen Abgabe auf aerztliche Verschreibung
Therapiebereich:
Alteplase
Produktbesonderheiten:
Abgabe durch eine (öffentliche) Apotheke
Zulassungsnummer:
1-24717
Berechtigungsdatum:
2002-10-21

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Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.4

PACKUNGSBEILAGE

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.4

Gebrauchsinformation: Information für Anwender

Actilyse

- Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

Wirkstoff: Alteplase

Lesen Sie die gesamte Packungsbeilage sorgfältig durch, bevor Sie mit der Anwendung dieses

Arzneimittels beginnen, denn sie enthält wichtige Informationen.

Heben Sie die Packungsbeilage auf. Vielleicht möchten Sie diese später nochmals lesen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder das medizinische

Fachpersonal.

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder das medizinische

Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben

sind. Siehe Abschnitt 4.

Was in dieser Packungsbeilage steht

Was ist Actilyse und wofür wird es angewendet?

Was sollten Sie beachten, bevor Actilyse bei Ihnen angewendet wird?

Wie wird Actilyse angewendet?

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie ist Actilyse aufzubewahren?

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was ist Actilyse und wofür wird es angewendet?

Der Wirkstoff von Actilyse ist Alteplase. Er gehört zu einer Gruppe von Arzneimitteln, die als

Thrombolytika bezeichnet werden. Diese Arzneimittel sind in der Lage, Blutgerinnsel aufzulösen, die

sich in Blutgefäßen gebildet haben.

Actilyse 10 mg, 20 mg oder 50 mg werden zur Behandlung von verschiedenen Erkrankungen

eingesetzt, die durch die Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefäßen ausgelöst werden. Dazu

gehören:

Herzanfall infolge von Blutgerinnseln in den Herzarterien (akuter Herzinfarkt);

Blutgerinnsel in den Lungenarterien (akute massive Lungenembolie);

Schlaganfall infolge von Blutgerinnseln in den Gehirnarterien (akuter ischämischer Schlaganfall).

Was sollten Sie beachten, bevor Actilyse bei Ihnen angewendet wird?

Actilyse wird von Ihrem Arzt nicht angewendet werden,

wenn Sie überempfindlich (allergisch) gegen den Wirkstoff Alteplase, gegen Gentamycin

(Spurenrückstand aus dem Herstellungsprozess), gegen Naturkautschuk (auch Latex genannt,

welches Bestandteil des Verpackungsmaterials ist) oder gegen einen der sonstigen Bestandteile

dieses Arzneimittels sind (aufgelistet in Abschnitt 6);

wenn Sie an einer Krankheit leiden – oder diese kürzlich hatten –, die das Blutungsrisiko erhöht,

einschließlich:

Blutgerinnungsstörung oder Blutungsneigung

schwere oder gefährliche Blutungen an irgendeiner Stelle des Körpers

Blutungen im Gehirn oder Schädel

sehr hoher, nicht kontrollierter Blutdruck

bakterielle Infektion oder Entzündung der Herzklappen (Endokarditis) oder Entzündung des

Herzbeutels (Perikarditis)

Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)

Magengeschwür oder Darmgeschwüre

Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen)

krankhafte Veränderungen der Blutgefäße, wie z. B. lokale Schwellungen einer Arterie

(Aneurysma)

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bestimmte Tumoren

schwere Lebererkrankung;

wenn Sie Arzneimittel einnehmen, welche zur Blutverdünnung bestimmt sind (orale

Antikoagulanzien), außer geeignete Tests haben gezeigt, dass diese Medikamente keine klinisch

bedeutsame Aktivität auf das Koagulationssystem haben;

wenn Sie sich jemals einer Gehirn- oder Wirbelsäulenoperation unterziehen mussten;

wenn Sie sich innerhalb der letzten 3 Monate einer größeren Operation unterziehen mussten;

wenn Sie innerhalb der letzten 3 Monate eine schwere Verletzung erlitten haben;

wenn Sie kürzlich eine Punktion eines großen Blutgefäßes hatten;

wenn Sie innerhalb der letzten 10 Tage eine Herzdruckmassage erhalten haben;

wenn Sie innerhalb der letzten 10 Tage ein Kind geboren haben.

Ihr Arzt wird Actilyse auch nicht für die Behandlung von Herzinfarkten oder Blutgerinnseln in

den Lungenarterien anwenden,

wenn bei Ihnen ein Schlaganfall infolge von Gehirnblutungen (hämorrhagischer Schlaganfall)

vorliegt oder Sie jemals einen solchen erlitten haben;

wenn bei Ihnen ein Schlaganfall mit unbekannter Ursache vorliegt oder Sie jemals einen solchen

erlitten haben;

wenn Sie kürzlich (innerhalb der vergangenen 6 Monate) einen Schlaganfall infolge von

Blutgerinnseln in den Gehirnarterien (ischämischer Schlaganfall) erlitten haben, es sei denn, es

handelt sich um den Schlaganfall, der nun behandelt werden soll.

Außerdem wird Ihr Arzt Actilyse nicht für die Behandlung eines Schlaganfalles infolge von

Blutgerinnseln in den Gehirnarterien (akuter ischämischer Schlaganfall) anwenden,

wenn die Beschwerden infolge Ihres Schlaganfalles vor mehr als 4,5 Stunden eingesetzt haben

oder wenn es möglich wäre, dass die Beschwerden vor mehr als 4,5 Stunden eingesetzt haben,

weil Sie nicht wissen, wann diese einsetzten;

wenn Ihr Schlaganfall nur sehr leichte Beschwerden ausgelöst hat;

wenn bei Ihnen Anzeichen für Gehirnblutungen festgestellt werden;

wenn Sie innerhalb der letzten 3 Monate einen Schlaganfall erlitten haben;

wenn sich Ihre Beschwerden vor der Behandlung mit Actilyse rasch bessern;

wenn Sie einen sehr schweren Schlaganfall hatten;

wenn Sie zu Beginn des Schlaganfalles Krämpfe (Konvulsionen) hatten;

wenn Ihre Thromboplastinzeit (das ist ein Bluttest, mit dem Ihre Blutgerinnung untersucht wird)

nicht normal ist – es ist möglich, dass dieser Test nicht normal ausfällt, wenn Sie innerhalb der

vergangenen 48 Stunden Heparin (ein Arzneimittel zur Blutverdünnung) erhalten haben;

wenn Sie Diabetiker sind und schon jemals einen Schlaganfall erlitten haben;

wenn die Zahl Ihrer Blutplättchen (Thrombozyten) sehr gering ist;

wenn Ihr Blutdruck sehr hoch ist (über 185/100) und nur durch Injektionen entsprechender

Arzneimittel gesenkt werden kann;

wenn Ihr Blutzuckergehalt sehr niedrig ist (unter 50 mg/dl);

wenn Ihr Blutzuckergehalt sehr hoch ist (über 400 mg/dl);

wenn Sie jünger als 16 Jahre sind. (Jugendliche ab 16 Jahren siehe Abschnitt „Ihr Arzt wird

Actilyse nur mit besonderer Vorsicht einsetzen“.)

Ihr Arzt wird bei der Anwendung von Actilyse besonders vorsichtig sein,

wenn Sie zuvor allergische Reaktionen – und zwar andere als plötzliche lebensbedrohliche

allergische Reaktionen (schwere Überempfindlichkeiten) – gegen den Wirkstoff Alteplase, gegen

Gentamycin (Spurenrückstand aus dem Herstellungsprozess), gegen Naturkautschuk (auch Latex

genannt, welches Bestandteil des Verpackungsmaterials ist) oder gegen einen der sonstigen

Bestandteile dieses Arzneimittels hatten (aufgelistet in Abschnitt 6).

wenn bei Ihnen sonstige Umstände vorliegen – oder diese kürzlich vorlagen –, die das

Blutungsrisiko erhöhen, wie z. B.

kleinere Verletzungen

Biopsien (Entnahme von Gewebeproben)

Einstiche in größere Gefäße

intramuskuläre Injektionen

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externe Herzmassage;

wenn Sie zuvor schon einmal mit Actilyse behandelt wurden.

wenn Sie älter als 65 Jahre sind.

wenn Sie ein Jugendlicher im Alter von 16 Jahren oder älter sind, wird der Nutzen einer

Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls von Fall zu Fall sorgfältig gegen die Risiken

abgewogen.

Wenn Sie älter als 80 Jahre sind, kann es unabhängig von der Behandlung mit Actilyse zu einem

schlechteren Behandlungsergebnis kommen. Jedoch ist der Nutzen von Actilyse bei Patienten über

80 Jahren im Allgemeinen größer als die Risiken, und das Alter allein stellt kein Hindernis für die

Behandlung mit Actilyse dar.

Anwendung von Actilyse zusammen mit anderen Arzneimitteln

Informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich andere

Arzneimittel eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel

einzunehmen/anzuwenden.

Es ist besonders wichtig, dass Sie Ihrem Arzt mitteilen, wenn Sie eines der folgenden Arzneimittel

einnehmen oder kürzlich eingenommen haben:

Alle Arzneimittel, die zur Blutverdünnung eingesetzt werden, einschließlich

Acetylsalicylsäure

Warfarin

Cumarin

Heparin;

bestimmte Arzneimittel zur Blutdrucksenkung (sogenannte ACE-Hemmer).

Schwangerschaft, Stillzeit und Fortpflanzungsfähigkeit

Fragen Sie vor der Einnahme/Anwendung von allen Arzneimitteln Ihren Arzt oder Apotheker um Rat.

Ihr Arzt wird Ihnen Actilyse nur dann verabreichen, wenn der mögliche Nutzen für Sie das mögliche

Risiko für Ihr Baby aufwiegt.

Actilyse kann Spuren von Gentamycin aus dem Herstellungsprozess enthalten. Die Verpackung

enthält Naturkautschuk (Latex).

Wie wird Actilyse angewendet?

Actilyse wird von einem Arzt oder einer medizinischen Fachkraft zubereitet und Ihnen von diesen

verabreicht. Es ist nicht zur Selbstverabreichung bestimmt.

Die Behandlung mit Actilyse sollte so bald als möglich nach Beginn der Beschwerden begonnen

werden.

Es gibt drei verschiedene Erkrankungen, bei denen dieses Arzneimittel gegeben werden kann.

Herzanfälle (akuter Herzinfarkt)

Die für Sie geeignete Dosis hängt von Ihrem Körpergewicht ab. Die Höchstdosis an Actilyse beträgt

100 mg, wird aber niedriger sein, wenn Sie weniger als 65 kg wiegen. Actilyse kann auf zwei

verschiedene Arten angewendet werden:

im 90-Minuten-Behandlungsschema für Patienten, die innerhalb von 6 Stunden nach Einsetzen der

Symptome behandelt werden – es besteht aus:

einer Anfangsinjektion einer Teildosis von Actilyse in eine Vene;

einer Infusion der verbleibenden Dosis während der darauffolgenden 90 Minuten;

im 3-Stunden-Behandlungsschema für Patienten, die innerhalb von 6-12 Stunden nach Einsetzen

der Symptome behandelt werden – es besteht aus:

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einer Anfangsinjektion einer Teildosis von Actilyse in eine Vene;

einer Infusion der verbleibenden Dosis während der darauffolgenden 3 Stunden.

Ihr Arzt wird Ihnen zusätzlich zu Actilyse weitere Arzneimittel zur Verhinderung von Blutgerinnseln

geben. Dies wird so bald als möglich nach Beginn der Brustschmerzen erfolgen.

Blutgerinnsel in den Lungenarterien (akute massive Lungenembolie)

Die für Sie geeignete Dosis hängt von Ihrem Körpergewicht ab. Die Höchstdosis an Actilyse beträgt

100 mg, wird aber niedriger sein, wenn Sie weniger als 65 kg wiegen. Die Behandlung besteht

üblicherweise aus:

einer Anfangsinjektion einer Teildosis von Actilyse in eine Vene;

einer Infusion der verbleibenden Dosis während der darauffolgenden 2 Stunden.

Nach der Behandlung mit Actilyse wird Ihr Arzt eine Behandlung mit Heparin (einem Arzneimittel

zur Blutverdünnung) beginnen oder wieder aufnehmen.

Schlaganfall infolge von Blutgerinnseln in den Gehirnarterien (akuter ischämischer

Schlaganfall)

Actilyse muss innerhalb von 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Beschwerden verabreicht werden.

Je früher Sie Actilyse verabreicht bekommen, desto größer ist der Behandlungserfolg und desto

unwahrscheinlicher ist das Auftreten von schädigenden Nebenwirkungen. Die für Sie geeignete Dosis

hängt von Ihrem Körpergewicht ab. Die Höchstdosis an Actilyse beträgt 90 mg, wird aber niedriger

sein, wenn Sie weniger als 100 kg wiegen. Die Behandlung besteht üblicherweise aus:

einer Anfangsinjektion einer Teildosis von Actilyse in eine Vene;

einer Infusion der verbleibenden Dosis während der darauffolgenden 60 Minuten.

Sie dürfen während der ersten 24 Stunden nach der Behandlung mit Actilyse keine Acetylsalicylsäure-

haltigen Arzneimittel einnehmen. Wenn Ihr Arzt es für notwendig hält, wird er Ihnen eine Heparin-

Injektion verabreichen.

Wenn Sie weitere Fragen zur Anwendung dieses Arzneimittels haben, wenden Sie sich an Ihren Arzt

oder das medizinische Fachpersonal.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem

auftreten müssen.

Die nachstehend beschriebenen Nebenwirkungen wurden bei Personen, denen Actilyse verabreicht

wurde, beobachtet.

Sehr häufig (tritt bei mehr als 1 von 10 Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, auf)

Herzversagen – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Hirnblutungen (zerebrale Hämorrhagie) nach der Behandlung des Schlaganfalls, der durch ein

Blutgerinnsel in einer Hirnarterie verursacht wurde (akuter ischämischer Schlaganfall) – ein

Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Flüssigkeit in der Lunge (Lungenödem)

Blutungen eines verletzten Blutgefäßes (wie z. B. Hämatome)

niedriger Blutdruck (Hypotension)

Brustschmerzen (Angina pectoris)

Häufig (tritt bei weniger als 1 von 10 Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, auf)

erneuter Herzinfarkt

Blutungen im Gehirn (zerebrale Blutungen) nach der Behandlung eines Schlaganfalls (akuter

ischämischer Schlaganfall) – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Herzstillstand – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

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Schockzustand (sehr niedriger Blutdruck) aufgrund akuter Herzschwäche – ein Abbruch der

Behandlung kann erforderlich sein

Blutungen im Hals

Blutungen des Magens oder Darms, einschließlich Erbrechen von Blut (Hämatemesis) oder Blut im

Stuhl (Melaena, Blutungen des Enddarms), Zahnfleischbluten

Blutungen in Körpergewebe, die violette Blutergüsse hervorrufen (Ekchymosen)

Blutungen im Bereich der Harnwege und Geschlechtsorgane, die zu Blut im Urin führen können

(Hämaturie)

Blutungen oder Einblutungen (Hämatome) an der Einstichstelle

Gelegentlich (tritt bei weniger als 1 von 100 Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, auf)

Blutungen der Lunge wie z. B. blutiger Auswurf (Hämoptyse) oder Blutungen im

Atemwegsbereich – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Nasenbluten (Epistaxis)

unregelmäßiger Herzschlag nachdem die Durchblutung des Herzens wieder hergestellt wurde

Schädigung der Herzklappen (Mitralklappeninsuffizienz) oder der Herzkammerscheidewand

(Ventrikelseptumdefekt) – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Bildung von Blutgerinnseln in der Lunge (Lungenembolie), im Gehirn (zerebrale Embolie) und

allen anderen Körperbereichen (systemische Embolien)

Blutungen aus dem Ohr

niedriger Blutdruck

Selten (tritt bei weniger als 1 von 1.000 Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, auf)

Blutungen in den membranartigen Beutel, der das Herz umgibt (Hämoperikard) – ein Abbruch der

Behandlung kann erforderlich sein

innere Blutungen in den rückseitigen Bauchraum (retroperitoneale Blutungen) – ein Abbruch der

Behandlung kann erforderlich sein

Bildung von Blutgerinnseln in den Blutgefäßen (Embolien) – diese können im Körper zu anderen

Organen transportiert werden. Die Symptome hängen davon ab, welche Organe betroffen sind

allergische Reaktionen, z. B. Nesselsucht (Urtikaria) und Hautausschlag, Atembeschwerden

(Verkrampfungen der Atemwege), Schwellung der Haut und Schleimhäute (Angioödeme),

niedriger Blutdruck oder Schock – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Blutungen im Auge (okulare Hämorrhagie)

Übelkeit

Sehr selten (tritt bei weniger als 1 von 10.000 Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, auf)

schwerwiegende allergische Reaktionen (z. B. lebensbedrohliche Anaphylaxie) – ein Abbruch der

Behandlung kann erforderlich sein

Ereignisse, die das Nervensystem betreffen, wie z. B.

Krämpfe (Konvulsionen, epileptische Anfälle)

Sprachstörungen

Verwirrung oder Delirium (sehr schwere Verwirrung)

Angst verbunden mit Unruhe (Agitation)

Depression

verändertes Denken (Psychosen)

Diese Störungen treten oft in Verbindung mit einem Schlaganfall infolge eines Blutgerinnsels oder

einer Blutung im Gehirn auf.

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Blutungen innerer Organe, z. B. Leberblutungen (hepatische Hämorrhagie) – ein Abbruch der

Behandlung kann erforderlich sein

Bildung von Gefäßverschlüssen aus Cholesterinkristallen (Fettembolie) – diese können im Körper

zu anderen Organen transportiert werden. Die Symptome hängen davon ab, welche Organe

betroffen sind – ein Abbruch der Behandlung kann erforderlich sein

Blutungen, die eine Bluttransfusion notwendig machen

Erbrechen

Erhöhte Körpertemperatur (Fieber)

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

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Fälle bleibender Behinderung und Todesfälle können nach Gehirnblutungen oder anderen

schwerwiegenden Blutungsereignissen auftreten.

Meldung von Nebenwirkungen

Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder das medizinische

Fachpersonal. Dies gilt auch für Nebenwirkungen, die nicht in dieser Packungsbeilage angegeben

sind. Sie können Nebenwirkungen auch direkt über das nationale Meldesystem anzeigen:

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen

Traisengasse 5

1200 WIEN

ÖSTERREICH

Fax: + 43 (0) 50 555 36207

Website: http://www.basg.gv.at/

Indem Sie Nebenwirkungen melden, können Sie dazu beitragen, dass mehr Informationen über die

Sicherheit dieses Arzneimittels zur Verfügung gestellt werden.

Wie ist Actilyse aufzubewahren?

Normalerweise werden Sie Actilyse nicht aufbewahren müssen, da es Ihnen von Ihrem Arzt

verabreicht wird.

Bewahren Sie dieses Arzneimittel für Kinder unzugänglich auf.

Nicht über 25 ºC lagern. In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Dieses Arzneimittel darf nach dem auf dem Etikett der Durchstechflasche und dem Umkarton

angegebenen Verfalldatum nicht mehr verwendet werden. Das Verfalldatum bezieht sich auf den

letzten Tag des angegebenen Monats.

Gebrauchsfertig zubereitete Lösung

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung ist bei Temperaturen von 2 °C bis 8 °C 24 Stunden und bei

Temperaturen bis 25 ºC 8 Stunden nach Rekonstitution stabil.

Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Arzneimittel direkt nach Rekonstitution angewendet werden.

Sofern keine sofortige Anwendung erfolgt, liegen Lagerungszeit und Lagerungsbedingungen der

gebrauchsfertig zubereiteten Lösung in der Verantwortung des Anwenders und sollten normalerweise

nicht länger als 24 Stunden bei 2 °C bis 8 °C sein.

Inhalt der Packung und weitere Informationen

Was Actilyse enthält

Der Wirkstoff ist: Alteplase. Jede Durchstechflasche enthält 10 mg (entsprechend 5.800.000 I.E.),

20 mg (entsprechend 11.600.000 I.E.) oder 50 mg (entsprechend 29.000.000 I.E.) Alteplase.

Alteplase wird gentechnisch hergestellt unter Verwendung von Ovarial-Zellkulturen des

chinesischen Hamsters.

Die sonstigen Bestandteile sind: Arginin, Phosphorsäure (für pH Einstellung), Polysorbat 80.

Das Lösungsmittel ist Wasser für Injektionszwecke.

Der Gummistopfen des Verpackungsmaterials enthält Naturkautschuk (Latex).

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.4

Wie Actilyse aussieht und Inhalt der Packung

Actilyse besteht aus einem Pulver und einem Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- bzw.

Infusionslösung. Jede vollständige Packung enthält eine Durchstechflasche mit Pulver und eine

Durchstechflasche mit Lösungsmittel.

Actilyse ist in den folgenden Darreichungen erhältlich:

10 mg

1 Durchstechflasche mit Pulver mit 10 mg Alteplase

1 Durchstechflasche mit 10 ml Lösungsmittel

20 mg

1 Durchstechflasche mit Pulver mit 20 mg Alteplase

1 Durchstechflasche mit 20 ml Lösungsmittel

1 Überleitungskanüle

50 mg

1 Durchstechflasche mit Pulver mit 50 mg Alteplase

1 Durchstechflasche mit 50 ml Lösungsmittel

1 Überleitungskanüle

Es werden möglicherweise nicht alle Darreichungen in den Verkehr gebracht.

Pharmazeutischer Unternehmer und Hersteller

Zulassungsinhaber

Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG

Dr. Boehringer-Gasse 5-11

1121 Wien

Hersteller

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

Birkendorfer Straße 65

88397 Biberach an der Riss

Deutschland

Boehringer Ingelheim France

100-104 avenue de France

75013 Paris

Frankreich

Z.Nr.: 1-24717

Diese Packungsbeilage wurde zuletzt überarbeitet im Dezember 2020.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.4

Die folgenden Informationen sind für medizinisches Fachpersonal bestimmt:

Rückverfolgbarkeit

Um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen der Handelsname und die

Chargenbezeichnung des verabreichten Arzneimittels in der Patientenakte eindeutig dokumentiert

werden.

Die 2 mg Darreichung von Alteplase ist zur Anwendung bei akutem Herzinfarkt, akuter massiver

Lungenembolie oder akutem ischämischem Schlaganfall wegen des Risikos einer massiven

Unterdosierung nicht angezeigt. Für diese Indikationen sind ausschließlich die Durchstechflaschen mit

10 mg, 20 mg oder 50 mg Alteplase zugelassen.

Rekonstitution

Für die Rekonstitution einer Endkonzentration von 1 mg Alteplase pro ml wird das gesamte Volumen

des mitgelieferten Lösungsmittels in die Durchstechflasche mit dem Actilyse-Pulver überführt. Hierfür

muss die in den 20 mg und 50 mg Darreichungen enthaltene Überleitungskanüle verwendet werden.

Bei der 10 mg Darreichung sollte eine Spritze verwendet werden.

Für die Rekonstitution einer Endkonzentration von 2 mg Alteplase pro ml wird nur die Hälfte des

verfügbaren Volumens an Lösungsmittel verwendet (siehe Tabelle unten). In diesen Fällen muss für

den Transfer der benötigten Lösungsmittelmenge in die Durchstechflasche mit dem Actilyse - Pulver

immer eine Spritze verwendet werden.

Der Inhalt einer Durchstechflasche Actilyse-Pulver (10 mg, 20 mg oder 50 mg) wird unter aseptischen

Bedingungen mit Wasser für Injektionszwecke entsprechend der folgenden Tabelle gelöst, so dass

eine Endkonzentration von entweder 1 mg Alteplase/ml oder 2 mg Alteplase/ml erhalten wird:

Actilyse-Trockensubstanz

10 mg

20 mg

50 mg

Menge Wasser für

Injektionszwecke zur

Auflösung von Actilyse-

Trockensubstanz

10 ml

20 ml

50 ml

Endgültige Konzentration:

1 mg Alteplase/ml

1 mg Alteplase/ml

1 mg Alteplase/ml

Menge Wasser für

Injektionszwecke zur

Auflösung von Actilyse-

Trockensubstanz

5 ml

10 ml

25 ml

Endgültige Konzentration:

2 mg Alteplase/ml

2 mg Alteplase/ml

2 mg Alteplase/ml

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung sollte intravenös verabreicht werden. Die 1 mg/ml

gebrauchsfertig zubereitete Lösung kann mit steriler 0,9%iger Kochsalzlösung (9 mg/ml) bis zu einer

minimalen Konzentration von 0,2 mg/ml weiter verdünnt werden. Eine auftretende Trübung der

gebrauchsfertig zubereiteten Lösung kann bei weiterer Verdünnung nicht ausgeschlossen werden. Eine

weitere Verdünnung der 1 mg/ml gebrauchsfertig zubereiteten Lösung mit Wasser für

Injektionszwecke sowie generell die Verwendung kohlenhydrathaltiger Infusionslösungen – wie z. B.

Glukose – werden nicht empfohlen, da bei diesen Verdünnungen vermehrt Trübungen der

gebrauchsfertig zubereiteten Lösung beobachtet werden. Actilyse sollte nicht mit anderen

Arzneimitteln gemischt und nicht gleichzeitig über denselben Zugang gegeben werden (auch nicht mit

Heparin).

Hinsichtlich Lagerungsbedingungen bitte Abschnitt 5 dieser Packungsbeilage beachten.

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung ist nur zur einmaligen Verwendung bestimmt. Nicht

verwendete Lösung oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.4

Anweisungen für die Rekonstitution von Actilyse

Die Rekonstitution sollte

unmittelbar vor der Anwendung

durchgeführt werden.

Entfernen Sie die Schutzkappe

der Durchstechflasche mit dem

Wasser für Injektionszwecke

bzw. der Durchstechflasche mit

der Actilyse-Trockensubstanz,

indem Sie sie mit dem Daumen

nach oben drücken.

Wischen Sie die Gummistopfen

der Durchstechflaschen mit

einem Alkoholtupfer ab.

Nehmen Sie die

Überleitungskanüle* aus ihrer

Verpackung. Die

Überleitungskanüle ist steril und

muss nicht nochmals desinfiziert

oder sterilisiert werden. Nehmen

Sie zunächst nur eine

Schutzkappe ab.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

1

ZUSAMMENFASSUNG DER MERKMALE DES ARZNEIMITTELS

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

2

1.

BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Actilyse® - Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

2.

QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

1 Durchstechflasche mit Pulver enthält:

10 mg Alteplase (entsprechend 5.800.000 I.E.) oder

20 mg Alteplase (entsprechend 11.600.000 I.E.) oder

50 mg Alteplase (entsprechend 29.000.000 I.E.).

Alteplase wird gentechnisch hergestellt unter Verwendung von Ovarial-Zellkulturen des chinesischen

Hamsters. Die spezifische Aktivität des internen Referenzstandards beträgt 580.000 I.E./mg, bezogen

auf den zweiten internationalen Standard der WHO für t-PA. Die Spezifikation der spezifischen

Aktivität von Alteplase beträgt 522.000 bis 696.000 I.E./mg.

Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3.

DARREICHUNGSFORM

Pulver und Lösungsmittel zur Herstellung einer Injektions- bzw. Infusionslösung

Das Pulver liegt in Form eines farblosen bis schwach gelblichen Lyophilisatkuchens vor. Die

rekonstituierte Zubereitung ist eine klare und farblose bis schwach gelbliche Lösung.

4.

KLINISCHE ANGABEN

4.1

Anwendungsgebiete

Zur fibrinolytischen Therapie bei akutem Herzinfarkt

90-Minuten(= akzeleriertes)-Infusionsschema (siehe Abschnitt 4.2) für Patienten innerhalb von

6 Stunden nach Beginn der Symptome;

3-Stunden-Infusionsschema (siehe Abschnitt 4.2) für Patienten innerhalb von 6-12 Stunden

nach Beginn der Symptome und gesicherter Diagnose.

Bei Patienten mit akutem Herzinfarkt konnte durch Actilyse nachgewiesenermaßen die 30-Tage-

Sterblichkeit gesenkt werden.

Zur fibrinolytischen Therapie bei akuter massiver Lungenembolie mit hämodynamischer Instabilität

Die Diagnose Lungenembolie sollte möglichst mittels Pulmonalisangiographie oder nichtinvasiver

Verfahren wie Lungenszintigraphie gesichert werden. Ein günstiger Einfluss auf Mortalität und

Spätmorbidität ist bei Patienten mit Lungenembolie nicht nachgewiesen.

Zur fibrinolytischen Behandlung bei akutem ischämischen Schlaganfall

Die Therapie muss so früh wie möglich und darf nur innerhalb von 4,5 Stunden nach Beginn der

Symptome eines Schlaganfalls eingeleitet werden, nachdem eine intrakranielle Blutung durch

geeignete bildgebende Verfahren (z. B. kraniale Computer-Tomographie oder andere bildgebende

Diagnoseverfahren, die sensitiv auf Blutungen sind) ausgeschlossen wurde. Der Behandlungseffekt ist

zeitabhängig; eine frühzeitige Behandlung erhöht daher die Wahrscheinlichkeit eines günstigen

Ausgangs.

4.2

Dosierung und Art der Anwendung

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

3

Die Anwendung von Actilyse sollte so früh als möglich nach Symptombeginn erfolgen. Es gelten

folgende Dosierungsrichtlinien:

Akuter Herzinfarkt

Dosierung

90-Minuten(= akzeleriertes)-Infusionsschema für Patienten mit akutem Herzinfarkt innerhalb von

6 Stunden nach Beginn der Symptome.

Bei Patienten mit einem Körpergewicht ≥ 65 kg:

Anzuwendendes Volumen

entsprechend der Alteplase-

Konzentration

1 mg/ml

2 mg/ml

15 mg als intravenöser Bolus, unmittelbar gefolgt von

15 ml

7,5 ml

50 mg als intravenöse Infusion mit konstanter Infusionsrate

in den ersten 30 Minuten, unmittelbar gefolgt von

50 ml

25 ml

35 mg als intravenöse Infusion mit konstanter Infusionsrate

über 60 Minuten bis zur Maximaldosis von insgesamt

100 mg

35 ml

17,5 ml

Bei Patienten mit einem Körpergewicht < 65 kg sollte eine gewichtsbezogene Gesamtdosierung

erfolgen:

Anzuwendendes Volumen

entsprechend der Alteplase-

Konzentration

1 mg/ml

2 mg/ml

15 mg als intravenöser Bolus, unmittelbar gefolgt von

15 ml

7,5 ml

0,75 mg/kg Körpergewicht (KG) als intravenöse Infusion

mit konstanter Infusionsrate in den ersten 30 Minuten,

unmittelbar gefolgt von

0,75 ml/kg KG

0,375 ml/kg KG

0,5 mg/kg Körpergewicht (KG) als intravenöse Infusion mit

konstanter Infusionsrate über 60 Minuten

0,5 ml/kg KG

0,25 ml/kg KG

3-Stunden-Infusionsschema für Patienten mit akutem Herzinfarkt innerhalb von 6-12 Stunden

nach Beginn der Symptome.

Bei Patienten mit einem Körpergewicht ≥ 65 kg:

Anzuwendendes Volumen

entsprechend der Alteplase-

Konzentration

1 mg/ml

2 mg/ml

10 mg als intravenöser Bolus, unmittelbar gefolgt von

10 ml

5 ml

50 mg als intravenöse Infusion mit konstanter Infusionsrate

in der ersten Stunde, unmittelbar gefolgt von

50 ml

25 ml

40 mg als intravenöse Infusion mit konstanter Infusionsrate

über 2 Stunden bis zur Maximaldosis von insgesamt 100 mg

40 ml

20 ml

Bei Patienten mit einem Körpergewicht < 65 kg:

Anzuwendendes Volumen

entsprechend der Alteplase-

Konzentration

1 mg/ml

2 mg/ml

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

4

10 mg als intravenöser Bolus, unmittelbar gefolgt von

10 ml

5 ml

einer intravenösen Infusion mit konstanter Infusionsrate über

3 Stunden bis zur Maximaldosis von insgesamt 1,5 mg/kg KG

1,5 ml/kg KG

0,75 ml/kg KG

Begleittherapie

Eine antithrombotische Begleittherapie entsprechend den internationalen Richtlinien für die

Behandlung von Patienten mit Herzinfarkt mit andauernder ST-Streckenhebung wird empfohlen.

Art der Anwendung

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung sollte intravenös angewendet werden und ist für die

unmittelbare Anwendung bestimmt. Die Durchstechflaschen mit 2 mg Alteplase sind nicht für dieses

Indikationsgebiet angezeigt. Hinsichtlich der Anleitung vor der Rekonstitution bzw. Anwendung bitte

Abschnitt 6.6 beachten.

Akute massive Lungenembolie

Dosierung

Bei Patienten mit einem Körpergewicht ≥ 65 kg:

Es sollte eine Gesamtdosis von 100 mg Alteplase in 2 Stunden verabreicht werden. Die größte

Erfahrung liegt mit folgendem Infusionsschema vor:

Anzuwendendes Volumen

entsprechend der Alteplase-

Konzentration

1 mg/ml

2 mg/ml

10 mg als intravenöser Bolus über 1-2 Minuten, unmittelbar

gefolgt von

10 ml

5 ml

90 mg als intravenöse Infusion mit konstanter Infusionsrate

über 2 Stunden bis zur Maximaldosis von insgesamt 100 mg

90 ml

45 ml

Bei Patienten mit einem Körpergewicht < 65 kg:

Anzuwendendes Volumen

entsprechend der Alteplase-

Konzentration

1 mg/ml

2 mg/ml

10 mg als intravenöser Bolus über 1 – 2 Minuten, unmittelbar

gefolgt von

10 ml

5 ml

einer intravenösen Infusion mit konstanter Infusionsrate über

2 Stunden bis zur Maximaldosis von insgesamt 1,5 mg/kg KG

1,5 ml/kg KG

0,75 ml/kg KG

Begleittherapie

Nach der Gabe von Actilyse sollte eine intravenöse Heparinisierung begonnen (oder wieder

aufgenommen) werden, sobald die Werte der aPTT unterhalb des 2fachen des oberen Normalwertes

liegen. Die Infusion sollte auf einen aPTT-Wert von 50-70 Sekunden (Verlängerung des

Ausgangswertes um das 1,5-2,5fache) eingestellt werden.

Art der Anwendung

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung sollte intravenös angewendet werden und ist zur unmittelbaren

Anwendung bestimmt. Die Durchstechflaschen mit 2 mg Alteplase sind nicht für dieses

Indikationsgebiet angezeigt. Hinsichtlich der Anleitung vor der Rekonstitution bzw. Anwendung bitte

Abschnitt 6.6 beachten.

Akuter ischämischer Schlaganfall

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

5

Die Behandlung darf nur unter Verantwortung und Nachverfolgung eines in der neurovaskulären

Intensivmedizin ausgebildeten und erfahrenen Arztes durchgeführt werden (siehe Abschnitte 4.3 und

4.4).

Die Anwendung von Actilyse muss so früh wie möglich innerhalb von 4,5 Stunden nach dem Auftreten

der Symptome beginnen (siehe Abschnitt 4.4). Jenseits von 4,5 Stunden nach Einsetzen der

Schlaganfallsymptome besteht ein ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis für die Behandlung mit

Actilyse, so dass sie nicht angewendet werden darf (siehe Abschnitt 5.1).

Dosierung

Die empfohlene Gesamtdosis beträgt 0,9 mg Alteplase/kg Körpergewicht (insgesamt höchstens

90 mg), beginnend mit einer Anwendung von 10 % der Gesamtdosis in Form eines initialen

intravenösen Bolus und unmittelbar anschließender intravenöser Infusion der restlichen Gesamtdosis

über 60 Minuten.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

6

DOSIERUNGSTABELLE BEIM AKUTEN ISCHÄMISCHEN SCHLAGANFALL

Bei Anwendung der empfohlenen Standardkonzentration von 1 mg/ml entspricht das anzuwendende

Volumen (ml) der empfohlenen Dosierung (mg)

Körpergewicht

(kg)

Gesamtdosis

(mg)

Bolusdosis

(mg)

Infusionsdosis*

(mg)

36,0

32,4

37,8

34,0

39,6

35,6

41,4

37,3

43,2

38,9

45,0

40,5

46,8

42,1

48,6

43,7

50,4

45,4

52,2

47,0

54,0

48,6

55,8

50,2

57,6

51,8

59,4

53,5

61,2

55,1

63,0

56,7

64,8

58,3

66,6

59,9

68,4

61,6

70,2

63,2

72,0

64,8

73,8

66,4

75,6

68,0

77,4

69,7

79,2

71,3

81,0

72,9

82,8

74,5

84,6

76,1

86,4

77,8

88,2

79,4

100+

90,0

81,0

*angewendet in einer Konzentration von 1 mg/ml über 60 min als Infusion mit konstanter

Infusionsrate.

Begleittherapie

Sicherheit und Wirksamkeit dieses Dosisregimes wurden bei gleichzeitiger Gabe von Heparin oder

Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure innerhalb der ersten 24 Stunden nach

Symptombeginn nicht ausreichend untersucht. Daher darf innerhalb der ersten 24 Stunden nach der

Behandlung mit Actilyse aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos keine Gabe von intravenösem

Heparin oder Thrombozytenaggregationshemmern wie Acetylsalicylsäure erfolgen. Sofern Heparin

anderweitig indiziert erscheint (z. B. zur Prophylaxe von tiefen Beinvenenthrombosen), darf die Dosis

10.000 I.E. täglich subkutan nicht überschreiten.

Art der Anwendung

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung sollte intravenös angewendet werden und ist zur unmittelbaren

Anwendung bestimmt. Die Durchstechflaschen mit 2 mg Alteplase sind nicht für dieses

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

7

Indikationsgebiet angezeigt. Hinsichtlich der Anleitung vor der Rekonstitution bzw. Anwendung bitte

Abschnitt 6.6 beachten.

Kinder und Jugendliche

Zur Anwendung von Actilyse bei Kindern und Jugendlichen liegen begrenzte Erfahrungen vor.

Actilyse ist bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren zur Behandlung eines akuten ischämischen

Schlaganfalls kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3). Die Dosierung für Jugendliche im Alter von 16 bis

17 Jahren ist die gleiche wie für Erwachsene (siehe Abschnitt 4.4 zu Empfehlungen einzusetzender

Bildgebungsverfahren vor der Anwendung).

4.3

Gegenanzeigen

Im Allgemeinen sollte Actilyse in allen Indikationen bei Patienten mit bekannter Überempfindlichkeit

gegen den Wirkstoff Alteplase, Gentamycin (Spurenrückstand aus dem Herstellungsprozess) oder

einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile nicht angewendet werden.

Gegenanzeigen bei akutem Herzinfarkt, akuter massiver Lungenembolie und akutem ischämischem

Schlaganfall:

Actilyse darf nicht angewendet werden in Fällen mit erhöhtem Blutungsrisiko wie:

schwerwiegende Blutungsstörungen (akut oder innerhalb der vergangenen 6 Monate);

bekannte hämorrhagische Diathese;

Patienten unter wirksamer oraler Antikoagulanzientherapie, z. B. Warfarin-Natrium (INR > 1,3)

(siehe Abschnitt 4.4);

manifeste oder kurz zurückliegende schwere oder lebensgefährliche Blutung;

bestehende, anamnestisch bekannte oder Verdacht auf eine intrakranielle Blutung;

Verdacht auf Subarachnoidalblutung oder Zustand nach aneurysmatischer

Subarachnoidalblutung;

Schädigung des Zentralnervensystems in der Anamnese (z. B. Neoplasma, Aneurysma,

intrakranielle oder spinale Operation);

kurz zurückliegende (weniger als 10 Tage) traumatische externe Herzmassage, Entbindung,

kurz zurückliegende Punktion eines nicht komprimierbaren Blutgefäßes (z. B. Punktion der

Vena subclavia oder der Vena jugularis);

unkontrollierbare, schwere arterielle Hypertonie;

bakterielle Endokarditis, Perikarditis;

akute Pankreatitis;

nachgewiesene ulzerative Erkrankungen im Gastrointestinaltrakt innerhalb der vergangenen

3 Monate, Ösophagusvarizen, arterielle Aneurysmata, arteriovenöse Missbildungen;

Neoplasie mit erhöhtem Blutungsrisiko;

schwere Lebererkrankung einschließlich Leberversagen, Zirrhose, Pfortaderhochdruck

(Ösophagusvarizen) und akuter Hepatitis;

größere Operationen oder schwere Traumen innerhalb der vergangenen 3 Monate.

Zusätzliche Gegenanzeigen bei akutem Herzinfarkt

Hämorrhagischer Schlaganfall oder Schlaganfall unklarer Genese in der Anamnese;

bekannter ischämischer Schlaganfall oder transiente ischämische Attacke (TIA) in den

vergangenen 6 Monaten, ausgenommen akuter ischämischer Schlaganfall innerhalb der letzten

4,5 Stunden.

Zusätzliche Gegenanzeigen bei akuter massiver Lungenembolie

Hämorrhagischer Schlaganfall oder Schlaganfall unklarer Genese in der Anamnese;

bekannter ischämischer Schlaganfall oder transiente ischämische Attacke (TIA) in den

vergangenen 6 Monaten, ausgenommen akuter ischämischer Schlaganfall innerhalb der letzten

4,5 Stunden.

Zusätzliche Gegenanzeigen bei akutem ischämischen Schlaganfall

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

8

Beginn der Symptome des ischämischen Insultes mehr als 4,5 Stunden vor der Verabreichung

der Infusion oder Symptome, für die der zeitliche Beginn nicht bekannt ist und möglicherweise

mehr als 4,5 Stunden zurück liegt (siehe Abschnitt 5.1);

geringfügige neurologische Defizite oder Symptome, die sich vor Infusionsbeginn rasch

bessern;

klinisch (z. B. NIHSS > 25) bzw. durch geeignete bildgebende Verfahren nachgewiesener

schwerer Schlaganfall;

Krampfanfall zu Beginn des Schlaganfalls;

Nachweis für eine intrakranielle Blutung (ICH) im Computertomogramm;

Symptome, die auf eine Subarachnoidalblutung hinweisen, selbst bei normalem

Computertomogramm;

Heparingabe innerhalb der vergangenen 48 Stunden und Thromboplastinzeit oberhalb des

Normalwertes;

Patienten mit Schlaganfall in der Anamnese und begleitendem Diabetes;

Schlaganfall innerhalb der letzten 3 Monate;

Thrombozytenzahl unter 100.000/mm

systolischer Blutdruck über 185 mm Hg bzw. diastolischer Blutdruck über 110 mm Hg oder

Erfordernis aggressiver Maßnahmen (intravenöse Gabe von Arzneimitteln), um den Blutdruck

auf diese Grenzwerte zu senken;

Blutglukosespiegel unter 50 mg/100 ml oder über 400 mg/100 ml (< 2,8 mM oder > 22,2 mM).

Anwendung bei Kindern und Jugendlichen

Actilyse ist bei Kindern unter 16 Jahren zur Behandlung eines akuten ischämischen Schlaganfalls

kontraindiziert (Jugendliche ≥ 16 Jahre siehe Abschnitt 4.4).

4.4

Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Rückverfolgbarkeit

Um die Rückverfolgbarkeit biologischer Arzneimittel zu verbessern, müssen der Handelsname und die

Chargenbezeichnung des verabreichten Arzneimittels in der Patientenakte eindeutig dokumentiert

werden.

Die geeignete Alteplase Darreichungsform sollte sorgfältig und entsprechend der beabsichtigten

Anwendung ausgewählt werden. Die 2 mg Darreichung von Alteplase ist zur Anwendung bei akutem

Herzinfarkt, akuter massiver Lungenembolie oder akutem ischämischem Schlaganfall wegen des

Risikos einer massiven Unterdosierung nicht angezeigt. Für diese Indikationen sind ausschließlich die

Durchstechflaschen mit 10 mg, 20 mg oder 50 mg Alteplase zugelassen.

Die thrombolytische/fibrinolytische Behandlung setzt geeignete Überwachungsmaßnahmen voraus.

Actilyse sollte ausschließlich von einem in der Thrombolysetherapie ausgebildeten und erfahrenen

Arzt und unter Bedingungen, die eine kontinuierliche Überwachung und Nachbeobachtung des

Patienten gewährleisten, angewendet werden. Es wird empfohlen, dass bei der Behandlung mit

Actilyse – wie auch mit anderen Thrombolytika – auf jeden Fall die üblichen Geräte und

Medikamente zur Reanimation bereitstehen.

Überempfindlichkeit

Immunvermittelte Überempfindlichkeitsreaktionen in Zusammenhang mit der Anwendung von

Actilyse können durch den Wirkstoff Alteplase, Gentamycin (Spurenrückstand aus dem

Herstellungsprozess), einen der sonstigen Bestandteile oder den Stopfen der Durchstechflasche aus

Glas von Actilyse Pulver, der Naturkautschuk (ein Latexderivat) enthält, verursacht werden. Eine

anhaltende Bildung von Antikörpern gegen das rekombinante, menschliche Gewebs-

Plasminogenaktivator-Molekül wurde nach einmaliger Behandlung nicht beobachtet. Es liegen keine

systematischen Erfahrungen zu einer wiederholten Anwendung von Actilyse vor.

Es besteht außerdem ein Risiko für Überempfindlichkeitsreaktionen, die durch nicht-immunologische

Mechanismen vermittelt werden.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

9

Das Angioödem ist die am häufigsten unter Actilyse berichtete Überempfindlichkeitsreaktion. Dieses

Risiko kann bei der Therapie des akuten ischämischen Schlaganfalls und/oder bei gleichzeitiger

Behandlung mit ACE-Hemmern erhöht sein (siehe Abschnitt 4.5). Patienten, die in einer der

zugelassenen Indikationen behandelt werden, sind während und bis zu 24 Stunden nach der Infusion

auf ein Angioödem zu überwachen.

Bei Auftreten einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion (z. B. Angioödem) sollte die Infusion

abgebrochen und unverzüglich geeignete Behandlungsmaßnahmen eingeleitet werden. Diese können

auch eine Intubation umfassen.

Blutungen

Die häufigste Komplikation im Rahmen einer Actilyse-Therapie besteht in Blutungen. Eine

gleichzeitige Antikoagulation mit Heparin kann zu Blutungen beitragen. Da die Therapie mit Actilyse

zu einer Auflösung von Fibrin führt, kann es zu Blutungen aus frischen Punktionsstellen kommen.

Eine thrombolytische Therapie erfordert daher eine sorgfältige Beobachtung sämtlicher möglicher

Blutungsstellen (darunter solche nach Einführung eines Katheters, operative Gefäßfreilegung und

Nadelpunktion). Die Anwendung starrer Katheter, intramuskuläre Injektionen und nicht unbedingt

erforderliche Maßnahmen am Patienten sollten während der Therapie mit Actilyse vermieden werden.

Sollte eine potenziell bedrohliche Blutung, insbesondere eine zerebrale Blutung, auftreten, muss die

fibrinolytische Therapie abgebrochen werden. Eine gleichzeitige Gabe von Heparin muss ebenfalls

sofort beendet werden. Wegen der kurzen Halbwertszeit und des geringen systemischen Effekts von

Actilyse auf die Gerinnungsfaktoren ist im Allgemeinen eine Substitution von Gerinnungsfaktoren

nicht notwendig. In den meisten Fällen lassen sich Blutungen durch Unterbrechung der

fibrinolytischen und antikoagulatorischen Therapie, Volumenersatz und manuelle Kompression des

blutenden Gefäßes beherrschen. Wurde innerhalb von 4 Stunden vor Beginn der Blutung Heparin

verabreicht, sollte die Gabe von Protamin erwogen werden. Falls in seltenen Fällen die Blutung damit

nicht zum Stillstand gebracht wird, kann die Gabe von Blutprodukten gerechtfertigt sein. Die

Transfusion von Kryopräzipitaten, Frischplasma (fresh frozen plasma) und Blutplättchen sollte in

Erwägung gezogen werden; dabei ist klinische und Laborkontrolle nach jeder Verabreichung

erforderlich. Anzustreben ist ein Fibrinogenspiegel von 1 g/l durch die Kryopräzipitat-Transfusion.

Als letzte Alternative kann die Gabe von Antifibrinolytika erwogen werden.

Bei älteren Patienten besteht eine erhöhte intrakranielle Blutungsgefahr; bei diesen Patienten sollte

daher das Nutzen-Risiko-Verhältnis sorgfältig geprüft werden.

Wie bei allen Fibrinolytika ist der therapeutische Nutzen besonders sorgfältig gegen eventuelle

Risiken abzuwägen, dies gilt besonders bei:

kleinen, frischen Traumen wie Biopsien, Punktion größerer Gefäße, intramuskulären

Injektionen, Herzmassage zur Reanimation;

allen nicht in Abschnitt 4.3 erwähnten Situationen mit erhöhtem Blutungsrisiko.

Patienten unter oraler Antikoagulanzientherapie

Der Einsatz von Actilyse kann in Betracht gezogen werden, wenn die Dosierung oder die Zeit seit der

letzten Einnahme einer Antikoagulanzientherapie eine restliche Wirksamkeit unwahrscheinlich

erscheinen lassen. Dies ist durch geeignete Tests auf antikoagulative Aktivität betreffender Produkte,

die keine klinisch relevante Aktivität auf das Koagulationssystem zeigen (z.B. INR ≤ 1,3 für Vitamin-

K-Antagonisten oder andere relevante Tests für andere orale Antikoagulanzien sind innerhalb des

jeweiligen Normbereichs), zu bestätigen.

Kinder und Jugendliche

Zur Anwendung von Actilyse bei Kindern und Jugendlichen liegen bisher nur begrenzte Erfahrungen

vor.

Wenn die Anwendung von Actilyse zur Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls bei

sorgsam ausgewählten Jugendlichen ≥16 Jahren erwogen wird, ist der Nutzen auf individueller Basis

sorgfältig gegen die Risiken abzuwägen und ggf. mit dem Patienten und den Sorgeberechtigten zu

besprechen. Jugendliche ≥16 Jahre sind entsprechend den Anweisungen in der Fachinformation für

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

10

Erwachsene zu behandeln, nachdem mit geeigneten Bildgebungsverfahren „Stroke Mimics“

ausgeschlossen wurden und ein Arterienverschluss für das neurologische Defizit bestätigt wurde

(siehe Abschnitt 5.1).

Zusätzliche besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei akutem Herzinfarkt und akuter

massiver Lungenembolie

Eine Dosis von mehr als 100 mg Alteplase darf wegen eines zusätzlich erhöhten intrakraniellen

Blutungsrisikos nicht verabreicht werden.

Daher ist besonders darauf zu achten, dass entsprechend den in Abschnitt 4.2 gegebenen Hinweisen

die richtige Dosis verabreicht wird.

Wie bei allen Thrombolytika ist der erwartete therapeutische Nutzen sehr sorgfältig gegen eventuelle

Risiken abzuwägen, dies gilt besonders bei Patienten mit einem systolischen Blutdruck über

160 mm Hg (siehe Abschnitt 4.3) und mit fortgeschrittenem Alter, da hier das Risiko intrazerebraler

Blutungen erhöht sein kann. Da der therapeutische Nutzen auch bei älteren Patienten positiv ist, sollte

eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Bewertung erfolgen.

GPIIb/IIIa-Antagonisten

Die gleichzeitige Anwendung von GPIIb/IIIa-Antagonisten erhöht das Blutungsrisiko.

Zusätzliche besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei akutem Herzinfarkt

Arrhythmie:

Eine koronare Thrombolyse kann zu einer reperfusionsassoziierten Arrhythmie führen.

Reperfusionsarrhythmien könnten zu einem Herzstillstand führen, können lebensbedrohlich sein und

erfordern eventuell eine konventionelle antiarrhythmische Therapie.

Thromboembolie:

Die Anwendung von Thrombolytika kann bei Patienten mit Linksherzthrombus, z. B. Mitralstenose

oder Vorhofflimmern, das Risiko thromboembolischer Ereignisse erhöhen.

Zusätzliche besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen bei akutem ischämischen Schlaganfall

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

Die Behandlung darf nur unter Verantwortung und Nachverfolgung eines in der neurovaskulären

Intensivmedizin ausgebildeten und erfahrenen Arztes durchgeführt werden. Für die Bestätigung der

Behandlungsindikation können Maßnahmen zur Ferndiagnose entsprechend in Erwägung gezogen

werden (siehe Abschnitt 4.1).

Besondere Warnhinweise/Umstände im Zusammenhang mit vermindertem Nutzen-Risiko-Verhältnis

Die intrazerebrale Blutung stellt die bedeutendste Nebenwirkung der Behandlung eines akuten

ischämischen Schlaganfalls dar (bis zu 15 % der Patienten, jedoch ohne einen hierdurch verursachten

Anstieg der Gesamtmortalität und ohne einen relevanten Anstieg von Gesamtmortalität und

schwerwiegender Behinderung zusammen betrachtet, d. h. modified Rankin Scale [mRS] 5 und 6).

Verglichen mit anderen Anwendungsgebieten tragen Patienten mit einem akuten ischämischen

Schlaganfall, der mit Actilyse behandelt wird, ein deutlich höheres Risiko intrakranieller Blutungen,

zumal die Blutungen vorwiegend in das vom Infarkt betroffene Gebiet hinein erfolgen. Dies gilt

insbesondere unter folgenden Bedingungen:

alle Situationen, die in Abschnitt 4.3 aufgeführt sind, sowie ganz allgemein alle Situationen, die

ein hohes Blutungsrisiko einschließen;

je mehr Zeit zwischen dem Einsetzen der Schlaganfall-Symptome und Behandlungsbeginn

verstreicht, desto geringer fällt der klinische Nettonutzen aus. Deshalb sollte die Anwendung

von Actilyse nicht verzögert werden.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

11

Patienten, die mit Acetylsalicylsäure (ASS) vorbehandelt sind, können ein höheres

intrakraniales Blutungsrisiko haben, besonders wenn die Behandlung mit Actilyse sich

verzögert.

Im Vergleich mit jüngeren Patienten kann es bei Patienten im fortgeschrittenen Alter (über

80 Jahren) unabhängig von der Behandlung zu einem etwas schlechteren Behandlungsergebnis

kommen. Es ist auch wahrscheinlicher, dass bei ihnen die Schwere der Schlaganfälle

ausgeprägter ist, was bei einer thrombolytischen Behandlung zu einem höheren absoluten

Risiko für intrazerebrale Blutungen führen kann im Vergleich zu leichteren Schlaganfällen oder

im Vergleich mit nicht behandelten Patienten. Auch wenn die verfügbaren Daten darauf

hinweisen, dass der Nettonutzen von Actilyse bei Patienten über 80 Jahren im Vergleich mit

jüngeren Patienten geringer ausfällt, kann Actilyse bei Patienten über 80 Jahren nach

individueller Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses angewendet werden (siehe

Abschnitt 5.1). Patienten im fortgeschrittenen Alter sind erst nach sorgfältiger Prüfung zu

behandeln, wobei sowohl der allgemeine Gesundheitszustand als auch der neurologische Status

zu berücksichtigen sind.

Der therapeutische Nutzen ist bei Patienten mit einem Schlaganfall in der Vorgeschichte (siehe

auch Abschnitt 4.3) oder einem schlecht eingestellten bzw. unbehandelten Diabetes von

vornherein vermindert, dennoch ist auch bei diesen Patienten das Nutzen-Risiko-Verhältnis als

positiv anzusehen.

Bei Patienten mit einem sehr leichten Schlaganfall überwiegen die Risiken den zu erwartenden

Nutzen (siehe Abschnitt 4.3).

Patienten mit sehr schwerem Schlaganfall sollten wegen des höheren Risikos von

intrazerebralen Blutungen bzw. nicht zu überleben nicht behandelt werden (siehe

Abschnitt 4.3).

Bei Patienten mit ausgedehnten Infarkten besteht eine größere Gefahr eines ungünstigen

Ausgangs einschließlich schwerwiegender Blutungen und des Todes. Für diese Patienten sollte

das Nutzen-Risiko-Verhältnis besonders eingehend erwogen werden.

Bei Schlaganfall-Patienten sinkt die Wahrscheinlichkeit für einen günstigen Ausgang mit

zunehmender Dauer zwischen dem Einsetzen der Symptome und Einleitung der Behandlung,

zunehmendem Lebensalter, zunehmendem Schweregrad von Schlaganfällen sowie erhöhtem

Blutglukosespiegel zum Zeitpunkt der stationären Aufnahme; die Wahrscheinlichkeiten für

bleibende schwerwiegende Behinderungen und Tod oder symptomatische intrakranielle

Blutungen steigen dabei unabhängig von der Art der Behandlung.

Die Behandlung darf nicht später als 4,5 Stunden nach Einsetzen der Symptome begonnen werden, da

das Nutzen-Risiko-Verhältnis im Wesentlichen aus folgenden Gründen ungünstig ausfällt:

Rückgang des positiven Therapieeffekts im Zeitverlauf

Anstieg der Mortalitätsrate insbesondere bei Patienten mit vorheriger ASS-Therapie

Anstieg des Risikos symptomatischer Blutungen

Überwachung des Blutdrucks

Die Überwachung des Blutdrucks während sowie bis zu 24 Stunden nach der Verabreichung des

Arzneimittels ist sinnvoll. Eine intravenöse Hochdruckbehandlung wird bei einem systolischen

Blutdruck über 180 mm Hg bzw. einem diastolischen Blutdruck über 105 mm Hg empfohlen.

Sonstige besondere Warnhinweise

Die Reperfusion des ischämischen Gebietes kann in der Infarktzone ein Gehirnödem auslösen. Wegen

erhöhter Blutungsgefahr sollte innerhalb der ersten 24 Stunden nach Thrombolysebehandlung mit

Actilyse keine Behandlung mit Thrombozytenaggregationshemmern begonnen werden.

4.5

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Studien zu Wechselwirkungen von Actilyse mit anderen Arzneimitteln, die üblicherweise bei

Patienten mit akutem Herzinfarkt eingesetzt werden, wurden nicht durchgeführt.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

12

Arzneimittel, die die Gerinnungsfunktion beeinflussen

Bei Gabe von Cumarin-Derivaten, oralen Antikoagulanzien, Thrombozytenaggregationshemmern,

nicht fraktioniertem Heparin, niedermolekularen Heparinen (LMWH) oder die Blutgerinnung

störenden Wirkstoffen (vor, während oder innerhalb der ersten 24 Stunden nach einer Therapie mit

Actilyse) ist die Blutungsgefahr erhöht (siehe Abschnitt 4.3).

ACE-Hemmer

Die gleichzeitige Behandlung mit ACE-Hemmern kann das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion

erhöhen (siehe Abschnitt 4.4).

Die gleichzeitige Anwendung von GPIIb/IIIa-Antagonisten erhöht das Blutungsrisiko.

4.6

Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Actilyse bei Schwangeren vor.

Nicht-klinische Studien, die mit Alteplase in höheren Dosierungen als beim Menschen durchgeführt

wurden, zeigten eine fetale Unreife und/oder Embryotoxizität. Embryotoxizität ist auf die bekannte

pharmakologische Wirkung von Alteplase zurückzuführen. Alteplase gilt nicht als teratogen (siehe

Abschnitt 5.3).

Im Fall einer akuten, lebensbedrohlichen Erkrankung ist der Nutzen gegen das eventuelle Risiko

abzuwägen.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Alteplase in die Muttermilch übergeht.

Fertilität

Klinische Daten zur Fertilität sind für Actilyse nicht verfügbar. Nicht-klinische Studien, die mit

Alteplase durchgeführt wurden, zeigten keine unerwünschte Wirkung in Bezug auf die Fertilität (siehe

Abschnitt 5.3).

4.7

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von

Maschinen

Nicht zutreffend.

4.8

Nebenwirkungen

Die häufigsten Nebenwirkungen, die mit Actilyse in Verbindung gebracht werden, sind Blutungen

verschiedenster Art, die in einem Abfall des Hämatokrit- und/oder Hämoglobinwertes resultieren.

Die Nebenwirkungen werden nachstehend nach Häufigkeit und Systemorganklassen geordnet

aufgeführt. Die Häufigkeit wird gemäß folgender Konvention angegeben: Sehr häufig (≥ 1/10), Häufig

(≥ 1/100 bis < 1/10), Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100), Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000), Sehr

selten (< 1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht

abschätzbar).

Mit Ausnahme der intrazerebralen/intrakraniellen Blutungen als Nebenwirkung bei der Indikation

Schlaganfall sowie der Reperfusionsarrhythmie bei der Indikation akuter Herzinfarkt gibt es aus

medizinischer Sicht keinen Grund zur Annahme, dass das qualitative und quantitative

Nebenwirkungsprofil von Actilyse in der Indikation akute massive Lungenembolie und akuter

ischämischer Schlaganfall von dem in der Indikation akuter Herzinfarkt unterschiedlich ist.

Tabelle 1 Nebenwirkungen bei akutem Herzinfarkt, akuter massiver Lungenembolie und akutem

ischämischen Schlaganfall

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

13

Systemorganklasse

Nebenwirkung

Blutungen

Sehr häufig

Die intrazerebrale Blutung stellt die häufigste Nebenwirkung bei der

Behandlung des akuten ischämischen Schlaganfalls dar.

Alle Blutungen einschließlich der in dieser Tabelle genannten, z. B.

intrakraniell und nicht intrakraniell

Häufig

Intrazerebrale Blutungen (z. B. zerebrale Blutungen, zerebrale Hämatome,

hämorrhagischer Schlaganfall, hämorrhagische Transformation eines

Schlaganfalls, intrakranielles Hämatom, subarachnoidale Blutung) bei der

Behandlung des akuten Herzinfarkts und akuter massiver Lungenembolie

Blutungen im Bereich des Rachens

Gastrointestinale Blutungen (z. B. Magenblutungen, Blutungen aus

Magengeschwüren, rektale Blutungen, Hämatemesis, Melaena, Blutungen

im Mund, Zahnfleischblutungen)

Ekchymosen

Blutungen im Urogenitaltrakt (z. B. Hämaturie, Blutungen der Harnwege)

Blutungen im Bereich der Injektionsstelle (Blutung der Einstichstelle,

Blutungen und Hämatome an der Stelle, an der der Katheter gesetzt wird)

Gelegentlich

Blutungen im Bereich der Lunge (z. B. Hämoptyse, Hämatothorax,

Blutungen im Bereich des Respirationstrakts)

Nasenbluten

Blutungen im Bereich des Ohres

Selten

Blutungen im Bereich des Auges

Hämoperikard

Retroperitoneale Blutungen (z. B. Retroperitonealhämatom)

Nicht bekannt***

Blutungen parenchymatöser Organe (z. B. Leberblutungen)

Erkrankungen des Immunsystems

Selten

Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Hautausschlag, Urtikaria,

Bronchospasmus, Angioödem, Hypotonie, Schock)*

Sehr selten

Schwere Anaphylaxie

Erkrankungen des Nervensystems

Sehr selten

Ereignisse, die das Nervensystem betreffen (z. B. epileptische Anfälle,

Krämpfe, Aphasie, Sprechstörungen, Delirium, akutes Hirnsyndrom,

Agitation, Verwirrtheit, Depression, Psychose), häufig im Zusammenhang

mit gleichzeitigen ischämischen oder hämorrhagischen zerebrovaskulären

Ereignissen

Herzerkrankungen **

Sehr häufig

Wiederholt auftretende Ischämie/Angina-pectoris-Anfälle, Blutdruckabfall,

Herzversagen/Lungenödem

Häufig

Kardiogener Schock, Herzstillstand und Reinfarkte

Gelegentlich

Reperfusionsarrhythmien (z. B. Arrhythmien, Extrasystolen, AV Block

1. Grades bis zum vollständigen AV Block, Vorhofflimmern/-flattern,

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

14

Bradykardie, Tachykardie, ventrikuläre Arrhythmie, ventrikuläre

Tachykardie / Kammerflimmern, elektromechanische Entkopplung [EMD])

Mitralklappeninsuffizienz, Lungenembolie, andere systemische

Embolien/zerebrale Embolien, Ventrikelseptumdefekt

Gefäßerkrankungen

Selten

Embolie, die zu entsprechenden Schäden in den betroffenen Organen

führen kann

Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes

Selten

Übelkeit

Nicht bekannt***

Erbrechen

Untersuchungen

Gelegentlich

Blutdruckabfall

Nicht bekannt***

Erhöhung der Körpertemperatur

Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen

Nicht bekannt***

Fettembolie (Embolisierung von Cholesterinkristallen), die zu

entsprechenden Schäden in den betroffenen Organen führen kann

Chirurgische und medizinische Eingriffe

Nicht bekannt***

Notwendigkeit der Gabe einer Bluttransfusion

*Siehe Abschnitte 4.4 und 4.5.

** Herzerkrankungen

Wie bei anderen fibrinolytischen Substanzen wurden die oben genannten Ereignisse als

Folgeerscheinung eines Herzinfarktes und / oder einer thrombolytischen Behandlung berichtet. Diese

kardialen Ereignisse können lebensbedrohlich sein und zum Tode führen.

*** Häufigkeitsberechnung

Diese Nebenwirkungen wurden nach Zulassung des Arzneimittels beobachtet. Mit 95%iger Sicherheit

ist die Häufigkeitskategorie nicht größer als „selten“, könnte jedoch niedriger sein. Eine genaue

Berechnung der Häufigkeit ist nicht möglich, da diese Nebenwirkungen nicht in klinischen

Studiendatenbanken mit 8.299 Patienten auftraten.

Für Patienten, die einen Schlaganfall (einschließlich intrakranieller Blutungen) oder andere

schwerwiegende Blutungen erlitten haben, sind Fälle bleibender Behinderung und Todesfälle

beschrieben.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie

ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über

das nationale Meldesystem anzuzeigen:

Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen

Traisengasse 5

1200 WIEN

ÖSTERREICH

Fax: + 43 (0) 50 555 36207

Website: http://www.basg.gv.at/

4.9

Überdosierung

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

15

Symptome

Wenn die empfohlene Maximaldosis überschritten wird, steigt das Risiko intrakranieller Blutungen.

Bei Überdosierung von Actilyse kann es trotz der relativen Fibrinspezifität zu einem klinisch

bedeutsamen Abfall von Fibrinogen und anderen Gerinnungsfaktoren kommen.

Therapie

In den meisten Fällen reicht es, die physiologische Erholung der Faktoren nach Beendigung der

Therapie mit Actilyse abzuwarten. Bei schweren Blutungen ist die Gabe von Frischplasma (fresh

frozen plasma) zu empfehlen, erforderlichenfalls können synthetische Antifibrinolytika gegeben

werden.

5.

PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1

Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe:

Antithrombotika

ATC-Code:

B01AD02

Wirkmechanismus

Bei dem Wirkstoff von Actilyse (Alteplase) handelt es sich um einen rekombinanten, menschlichen

Gewebsplasminogenaktivator, ein Glykoprotein, welches Plasminogen direkt zu Plasmin aktiviert. Bei

intravenöser Verabreichung bleibt Alteplase im Kreislauf relativ inaktiv. Nach Bindung an Fibrin

aktiviert Alteplase das ebenfalls an Fibrin gebundene Plasminogen zu Plasmin, welches das

Fibringerinnsel abbaut, so dass es zu einer Auflösung kommt.

Pharmakodynamische Wirkungen

Aufgrund der relativen Fibrinspezifität kommt es nach einer Dosis von 100 mg Actilyse zu einem

mäßigen Abfall des Fibrinogens auf etwa 60 % (nach 4 Stunden) des Ausgangswertes. Nach

24 Stunden erreicht dieses im Allgemeinen wieder 80 %. Plasminogen und α

-Antiplasmin fallen auf

etwa 20 % bzw. 35 % (nach 4 Stunden) des Ausgangswertes und steigen wieder auf 80 % nach

24 Stunden. Ein ausgeprägter, länger dauernder Fibrinogenabfall wird nur bei wenigen Patienten

beobachtet.

Klinische Wirksamkeit und Sicherheit

In der an über 40.000 Patienten mit akutem Herzinfarkt durchgeführten GUSTO-Studie führte die

Gabe von 100 mg Alteplase über 90 Minuten und einer begleitenden Infusion von Heparin i.v. zu einer

niedrigeren Sterblichkeit nach 30 Tagen (6,3 %) im Vergleich zur Gabe von 1,5 Mio. I.E.

Streptokinase über 60 Minuten mit Heparin i.v. oder s.c. (7,3 %). Bei den mit Actilyse behandelten

Patienten war 60 und 90 Minuten nach Therapiebeginn eine höhere Offenheitsrate als bei

Streptokinase zu beobachten. Nach 180 Minuten oder später waren keine Unterschiede in der

Offenheitsrate festzustellen.

Die 30-Tage-Sterblichkeitsrate ist unter Actilyse im Vergleich zu Patienten ohne fibrinolytische

Therapie niedriger.

Die Freisetzung des Enzyms α-Hydroxybutyrat-Dehydrogenase (HBDH) ist vermindert. Die globale

Ventrikelfunktion und auch die regionale Wandbewegung sind im Vergleich zu Patienten ohne

fibrinolytische Therapie besser erhalten.

Akuter Herzinfarkt

Für Patienten, die innerhalb von 6-12 Stunden nach Symptombeginn mit 100 mg Actilyse über

3 Stunden behandelt wurden, zeigte eine Studie mit Plazebokontrolle (LATE) eine Senkung der

30-Tage-Sterblichkeit. Bei Patienten mit noch vorhandenen eindeutigen Anzeichen eines akuten

Herzinfarkts kann auch eine innerhalb von 24 Stunden eingeleitete Therapie nützlich sein.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

16

Akute massive Lungenembolie

Bei Patienten mit akuter, massiver Lungenembolie mit hämodynamischer Instabilität kommt es nach

Gabe von Actilyse zu einer schnellen Abnahme der Größe des Thrombus und des

Pulmonalarteriendrucks. Sterblichkeitsdaten sind nicht verfügbar.

Patienten mit akutem ischämischen Schlaganfall

In zwei in den USA durchgeführten klinischen Studien (NINDS A/B) wies ein signifikant höherer

Patientenanteil mit Alteplase ein günstiges Behandlungsresultat verglichen mit der Plazebogruppe auf

(keine oder minimale bleibende Behinderung). Diese Befunde wurden in der ECASS-III-Studie (siehe

nachfolgenden Absatz) bestätigt, nachdem zwischenzeitlich zwei europäische sowie eine zusätzliche

in den USA durchgeführte Studie – unter Bedingungen, die im Wesentlichen nicht mit der aktuellen in

der EU zugelassenen Produktinformation konform waren – die betreffenden Nachweise nicht

erbringen konnten.

Die ECASS-III-Studie wurde in Europa als plazebo-kontrollierte, doppelblinde Studie an Patienten mit

akutem Schlaganfall mit einem Zeitfenster von 3 bis 4,5 Stunden durchgeführt. Das

Behandlungsschema in der ECASS-III-Studie entsprach der europäischen Fachinformation für

Actilyse im Anwendungsgebiet Schlaganfall, mit Ausnahme des oberen Limits des Behandlungs-

Zeitfensters von 4,5 Stunden. Der primäre Endpunkt war die Behinderung nach 90 Tagen, aufgeteilt in

günstigen (modified Rankin Scale [mRS] 0 bis 1) und ungünstigen (mRS 2 bis 6) Ausgang. Insgesamt

821 Patienten wurden randomisiert (418 Alteplase/403 Plazebo). Es erreichten mehr Patienten

günstige Resultate mit Alteplase (52,4 %) im Vergleich zu Plazebo (45,2 %; Odds Ratio [OR], 1,34;

95 %-Konfidenzintervall 1,02–1,76; p = 0,038). Das Auftreten von intrazerebralen

Blutungen/symptomatischen intrazerebralen Blutungen war häufiger bei Alteplase im Vergleich zu

Plazebo (intrazerebrale Blutungen 27,0 % im Vergleich zu 17,6 %; p = 0,0012; symptomatische

intrazerebrale Blutungen gemäß ECASS III Definition 2,4% im Vergleich zu 0,2%, p = 0,008). Die

Mortalität war gering, es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen Alteplase (7,7 %) und

Plazebo (8,4 %, p = 0,681). Subgruppenanalysen der ECASS-III-Studie bestätigen, dass eine längere

OTT mit einem erhöhten Risiko für Mortalität und symptomatische ICH verbunden ist. Die Ergebnisse

der ECASS-III-Studie zeigen einen günstigen klinischen Gesamtnutzen für Actilyse bei einem

Zeitfenster von 3 bis 4,5 Stunden, während gepoolte Daten zeigen, dass der klinische Gesamtnutzen

für Alteplase bei einem Zeitfenster über 4,5 Stunden nicht mehr günstig ausfällt.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Alteplase in der Behandlung von akutem ischämischen

Schlaganfall mit einem Zeitfenster bis zu 4,5 Stunden von Beginn des Schlaganfalls bis

Behandlungsbeginn (OTT) wurde in einem fortlaufenden Register (SITS-ISTR: The Safe

Implementation of Thrombolysis in Stroke registry) bewertet. In dieser Beobachtungsstudie wurden

die sicherheitsrelevanten Ergebnisdaten von 21.566 Patienten, die innerhalb eines Zeitfensters von 0

bis 3 Stunden behandelt wurden, mit den Daten von 2.376 Patienten verglichen, die zwischen 3 und

4,5 Stunden nach Einsetzen des akuten Schlaganfalls (AIS) behandelt wurden. Das Auftreten von

symptomatischen intrakranialen Blutungen (entsprechend der SITS-MOST-Definition) war innerhalb

des Zeitfensters von 3 bis 4,5 Stunden (2,2 %) höher als bei einem Zeitfenster bis zu 3 Stunden

(1,7 %). Die Mortalitätsrate nach 3 Monaten war bei einem Zeitfenster von 3 bis 4,5 Stunden (12,0 %)

ähnlich wie bei einem Zeitfenster von 0 bis 3 Stunden (12,3 %) mit einer unbereinigten OR von 0,97

(95 %-Konfidenzintervall 0,84–1,13; p = 0,70) und einer bereinigten OR von 1,26 (95 %-

Konfidenzintervall 1,07–1,49; p = 0,005). Die SITS-Beobachtungsdaten bekräftigen die Hinweise aus

klinischen Studien, dass die Zeitspanne vom Einsetzen des Schlaganfalls bis zum Beginn der

Behandlung (OTT) als wichtiger Indikator für den Behandlungserfolg mit Alteplase nach einem

akuten Schlaganfall dient.

Ältere Patienten (> 80 Jahren)

Metaanalysen von adjustierten Daten von 6.756 Patienten, darunter auch Personen über 80 Jahren, aus

neun randomisierten Studien, in denen Alteplase mit Plazebo oder unverblindeten Kontrollen

verglichen wurde, untersuchten das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Alteplase bei Patienten > 80 Jahren.

Die Wahrscheinlichkeit eines guten Behandlungsergebnisses nach einem Schlaganfall (mRS 0-1 an

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

17

Tag 90/180) nahm unabhängig vom Alter in allen Altersgruppen (p-Wert der Interaktion 0,0203) bei

frühem Behandlungsbeginn zu und war mit einem größeren Nutzen verbunden.

Die Wirkung der Alteplase-Behandlung war bei Patienten bis 80 Jahren [mittlere

Behandlungsverzögerung 4,1 Stunden: 990/2512 (39 %) mit Alteplase behandelte Patienten vs.

853/2515 (34 %) Patienten in der Kontrollgruppe erzielten ein gutes Behandlungsergebnis an

Tag 90/180; OR 1,25, 95%-KI 1,10-1,42] ähnlich wie bei jenen über 80 Jahren [mittlere

Behandlungsverzögerung 3,7 Stunden: 155/879 (18 %) mit Alteplase behandelte Patienten vs. 112/850

(13 %) Patienten in der Kontrollgruppe erzielten ein gutes Behandlungsergebnis; OR 1,56, 95%-KI

1,17-2,08].

Bei Patienten über 80 Jahren, die bis zu 3 Stunden nach dem Ereignis mit Alteplase behandelt wurden,

wurde ein gutes Behandlungsergebnis bei 55/302 (18,2 %) im Vergleich zu 30/264 (11,4 %) in der

Kontrollgruppe erzielt (OR 1,86, 95%-KI 1,11−3,13); bei jenen Patienten, die zwischen 3 und

4,5 Stunden nach dem Ereignis mit Alteplase behandelt wurden, war das Behandlungsergebnis bei

58/342 (17,0 %) gut, im Vergleich zu 50/364 (13,7 %) in der Kontrollgruppe (OR 1,36, 95%-KI 0,87-

2,14).

Eine parenchymatöse Blutung Typ 2 trat innerhalb von 7 Tagen bei 231 (6,8 %) der 3.391 mit

Alteplase behandelten Patienten auf; in der Kontrollgruppe lag die Zahl bei 44 (1,3 %) von

3.365 Patienten (OR 5,55, 95%-KI 4,01-7,70).

Eine parenchymatöse Blutung Typ 2 mit tödlichem Ausgang trat innerhalb von 7 Tagen bei 91 (2,7 %)

der mit Alteplase behandelten Patienten auf; in der Kontrollgruppe lag die Zahl bei 13 (0,4 %)

Patienten (OR 7,14, 95%-KI 3,98-12,79).

Bei Patienten über 80 Jahren, die mit Alteplase behandelt wurden, trat eine intrakranielle Blutung mit

tödlichem Ausgang innerhalb von 7 Tagen bei 32/879 (3,6 %) auf, im Vergleich zu 4/850 (0,5 %) in

der Kontrollgruppe (OR 7,95, 95%-KI 2,79-22,60).

Das SITS-ISTR-Register umfasst 8.658 Patienten > 80 Jahren, die < 4,5 Stunden nach Auftreten eines

Schlaganfalls behandelt wurden. Hieraus wurden die Daten von 2.157 Patienten, die > 3 bis

4,5 Stunden nach Auftreten eines Schlaganfalls behandelt wurden mit denen von 6.501 Patienten, die

< 3 Stunden behandelt wurden, verglichen.

Die funktionelle Unabhängigkeit (mRS-Score 0-2) nach 3 Monaten betrug 36 bzw. 37 % (adjustierte

OR 0,79, 95 %-KI 0,68-0,92), die Mortalität lag bei 29.0 % bzw. 29,6 % (adjustierte OR 1,10, 95 %-

KI 0,95-1,28) und sICH (gemäß SITS-MOST-Definition) traten bei 2,7 % bzw. 1,6 % (adjustierte OR

1,62, 95 %-KI 1,12-2,34) auf.

Kinder und Jugendliche

Daten aus einer Registerstudie ohne Vergleichsgruppe zu Schlaganfallpatienten im Alter von

16 - 17 Jahren mit bestätigter Alteplase-Therapie stammen aus dem SITS-ISTR (Safe Implementation

of Treatments in Stroke - International Stroke Thrombolysis Register, ein unabhängiges

internationales Register). Zwischen 2003 und Ende 2017 wurden im SITS-Register insgesamt 25

Patienten mit bestätigter Anwendung von Alteplase in der Altersgruppe 16 - 17 Jahre erfasst. Die

mediane Alteplase-Dosis in dieser Altersgruppe betrug 0,9 mg/kg (0,83 - 0,99 mg/kg). Bei 23 von

25 Patienten wurde die Behandlung innerhalb des Zeitfensters von 4,5 Stunden nach Auftreten der

ersten Schlaganfallsymptome eingeleitet (19 nach 3 h; 4 nach 3 - 4,5 h; 1 nach 5 - 5,5 h; 1 Fall: keine

Angaben). Das Körpergewicht betrug 56 - 90 kg. Bei den meisten Patienten lag ein mittelschwerer

oder ein mittelschwerer bis schwerer Schlaganfall mit einem medianen NIHSS-Ausgangswert von 9,0

vor (1 - 30).

Bei 21 von 25 Patienten waren mRS-Scores am Tag 90 vorhanden. Am Tag 90 wiesen 14 von

21 Patienten einen mRS-Score von 0-1 auf (keine Symptome oder keine wesentliche Behinderung),

und 5 weitere Patienten hatten mRS=2 (leichte Behinderung). Das heißt, dass 19 von 21 Patienten

(mehr als 90%) am Tag 90 gemäß mRS ein günstiges Endergebnis erreicht hatten. Bei den übrigen

2 Patienten war das gemeldete Endergebnis eine mittelschwere bis schwere Behinderung (mRS=4;

n=1) bzw. war innerhalb von 7 Tagen der Tod eingetreten (mRS=6; n=1). Bei vier Patienten war kein

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

18

mRS-Score am Tag 90 angegeben. Laut den letzten verfügbaren Informationen hatten 2 dieser

4 Patienten am Tag 7 mRS=2 und 2 der 4 Patienten berichteten am Tag 7 über eine eindeutige

allgemeine Verbesserung.

Das Register verfügte auch über Sicherheitsdaten zu den Nebenwirkungen Blutungen und zerebralem

Ödem. Bei keinem der 25 Patienten in der Alterskategorie 16 - 17 Jahre waren symptomatische

intrazerebrale Blutungen (sICB, ICB-Typ PH2) aufgetreten. In 5 Fällen entwickelte sich nach der

Alteplase-Behandlung ein zerebrales Ödem. Bei 4 von 5 Patienten mit zerebralem Ödem wurde

entweder ein mRS zwischen 0 und 2 am Tag 90 angegeben oder sie zeigten am Tag 7 nach der

Behandlung eine allgemeine Verbesserung. Bei einem Patienten wurde am Tag 90 mRS=4

(mittelschwere bis schwere Behinderung) angegeben. Keiner dieser Fälle verlief tödlich.

Zusammengefasst enthielt das SITS-Register 25 Berichte über Patienten zwischen 16 und 17 Jahren

mit akutem ischämischem Schlaganfall, die gemäß den Empfehlungen für Erwachsene mit Alteplase

behandelt worden waren. Obwohl die geringe Fallzahl keine statistische Analyse zulässt, zeigen die

Gesamtergebnisse eine positive Tendenz, wobei diese Patienten die entsprechende Dosis für

Erwachsene erhalten hatten. Im Vergleich zu Erwachsenen lassen die Daten kein erhöhtes Risiko für

symptomatische intrazerebrale Blutungen oder Ödeme erkennen.

5.2

Pharmakokinetische Eigenschaften

Alteplase wird rasch aus dem Blut eliminiert und hauptsächlich in der Leber metabolisiert (Plasma-

Clearance 550-680 ml/Minute). Die dominante Plasmahalbwertszeit t

1/2α

beträgt 4-5 Minuten. Dies

bedeutet, dass nach 20 Minuten weniger als 10 % der Anfangskonzentration im Plasma vorhanden

sind. Für die restliche, in einem tiefen Kompartiment befindliche Menge ergibt sich eine zweite

Halbwertszeit t

1/2β

von etwa 40 Minuten.

5.3

Präklinische Daten zur Sicherheit

Bei subchronischen Toxizitätsuntersuchungen an Ratten und Krallenaffen wurden keine unerwarteten

Nebenwirkungen festgestellt. Mutagenitätstests erbrachten keinerlei Hinweise auf ein mutagenes

Potenzial von Actilyse.

Untersuchungen an trächtigen Tieren ergaben nach intravenöser Infusion pharmakologisch wirksamer

Dosen keine teratogene Wirkung. Bei Kaninchen führten Tagesdosen über 3 mg/kg Körpergewicht zu

Embryotoxizität (Embryoletalität, Wachstumsverzögerung). Bei Ratten wurde bei Dosen bis zu

10 mg/kg/Tag kein Einfluss auf die peri- und postnatale Entwicklung oder auf

Fruchtbarkeitsparameter beobachtet.

6.

PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1

Liste der sonstigen Bestandteile

Pulver

Arginin, Phosphorsäure (für pH Einstellung), Polysorbat 80

Lösungsmittel

Wasser für Injektionszwecke

6.2

Inkompatibilitäten

Die entsprechend den Angaben hergestellte gebrauchsfertige Lösung kann mit steriler 0,9%iger

Kochsalzlösung (9 mg/ml) bis zu einer minimalen Konzentration von 0,2 mg Alteplase pro ml weiter

verdünnt werden.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

19

Eine weitere Verdünnung, die Verwendung von Wasser für Injektionszwecke zur Verdünnung sowie

generell die Verwendung kohlenhydrathaltiger Infusionslösungen – wie z. B. Glukose – werden nicht

empfohlen, da bei diesen Verdünnungen vermehrt Trübungen der gebrauchsfertig zubereiteten Lösung

beobachtet werden.

Actilyse sollte nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt und nicht gleichzeitig über denselben Zugang

gegeben werden (auch nicht mit Heparin).

6.3

Dauer der Haltbarkeit

Ungeöffnete Durchstechflaschen

3 Jahre

Gebrauchsfertig zubereitete Lösung

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung ist bei Temperaturen von 2 °C bis 8 °C 24 Stunden und bei

Temperaturen bis 25 ºC 8 Stunden nach Rekonstitution stabil.

Aus mikrobiologischer Sicht sollte das Arzneimittel direkt nach Rekonstitution angewendet werden.

Sofern keine sofortige Anwendung erfolgt, liegen Lagerungszeit und Lagerungsbedingungen der

gebrauchsfertig zubereiteten Lösung in der Verantwortung des Anwenders und sollte normalerweise

nicht länger als 24 Stunden bei 2 °C bis 8 °C sein.

6.4

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.

Nicht über 25 ºC lagern.

Lagerungsbedingungen nach Rekonstitution des Arzneimittels siehe Abschnitt 6.3.

6.5

Art und Inhalt des Behältnisses

Pulver

Sterile Durchstechflaschen (10 ml, 20 ml oder 50 ml) aus Glas, die mit einem sterilen silikonisierten

grauen Butylgummistopfen und Aluminium/Kunststoff-Flip-off-Kappe verschlossen sind.

Lösungsmittel

Für die 10 mg-, 20 mg- und 50 mg Darreichungen ist das Wasser für Injektionszwecke in

Durchstechflaschen zu 10 ml, 20 ml oder 50 ml, abhängig von der Größe der Pulver-

Durchstechflaschen gefüllt. Die Durchstechflaschen mit Wasser für Injektionszwecke sind mit

Gummistopfen und Aluminium/Kunststoff-Flip-off-Kappen verschlossen.

Überleitungskanüle (nur bei den Darreichungen 20 mg und 50 mg enthalten)

Darreichungen

10 mg:

1 Durchstechflasche mit 467 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

1 Durchstechflasche mit 10 ml Lösungsmittel

20 mg:

1 Durchstechflasche mit 933 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

1 Durchstechflasche mit 20 ml Lösungsmittel

1 Überleitungskanüle

50 mg:

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

20

1 Durchstechflasche mit 2.333 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

1 Durchstechflasche mit 50 ml Lösungsmittel

1 Überleitungskanüle

Es werden möglicherweise nicht alle Darreichungen in den Verkehr gebracht.

6.6

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur

Handhabung

Für die Rekonstitution einer Endkonzentration von 1 mg Alteplase pro ml wird das gesamte Volumen

des mitgelieferten Lösungsmittels in die Durchstechflasche mit dem Actilyse-Pulver überführt. Hierfür

muss die in den 20 mg und 50 mg Darreichungen enthaltene Überleitungskanüle verwendet werden.

Bei der 10 mg Darreichung sollte eine Spritze verwendet werden.

Für die Rekonstitution einer Endkonzentration von 2 mg Alteplase pro ml wird nur die Hälfte des

verfügbaren Volumens an Lösungsmittel verwendet (siehe Tabelle unten). In diesen Fällen muss für

den Transfer der benötigten Lösungsmittelmenge in die Durchstechflasche mit dem Actilyse - Pulver

immer eine Spritze verwendet werden.

Der Inhalt einer Durchstechflasche Actilyse-Pulver (10 mg, 20 mg oder 50 mg) wird unter aseptischen

Bedingungen mit Wasser für Injektionszwecke entsprechend der folgenden Tabelle gelöst, so dass

eine Endkonzentration von entweder 1 mg Alteplase/ml oder 2 mg Alteplase/ml erhalten wird:

Actilyse Trockensubstanz

10 mg

20 mg

50 mg

(a) Menge Wasser für

Injektionszwecke zur

Auflösung von Actilyse-

Trockensubstanz

10 ml

20 ml

50 ml

Endgültige Konzentration:

1 mg Alteplase/ml

1 mg Alteplase/ml

1 mg Alteplase/ml

(b) Menge Wasser für

Injektionszwecke zur

Auflösung von Actilyse-

Trockensubstanz

5 ml

10 ml

25 ml

Endgültige Konzentration:

2 mg Alteplase/ml

2 mg Alteplase/ml

2 mg Alteplase/ml

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung sollte intravenös verabreicht werden. Die 1 mg/ml

gebrauchsfertig zubereitete Lösung kann mit steriler 0,9%iger Kochsalzlösung (9 mg/ml) bis zu einer

minimalen Konzentration von 0,2 mg/ml weiter verdünnt werden. Eine auftretende Trübung der

gebrauchsfertig zubereiteten Lösung kann bei weiterer Verdünnung nicht ausgeschlossen werden. Eine

weitere Verdünnung der 1 mg/ml gebrauchsfertig zubereiteten Lösung mit Wasser für

Injektionszwecke sowie generell die Verwendung kohlenhydrathaltiger Infusionslösungen – wie z. B.

Glukose – wird nicht empfohlen, da bei diesen Verdünnungen vermehrt Trübungen der

gebrauchsfertig zubereiteten Lösung beobachtet werden. Actilyse sollte nicht mit anderen

Arzneimitteln gemischt und nicht gleichzeitig über denselben Zugang gegeben werden (auch nicht mit

Heparin).

Inkompatibilitäten siehe Abschnitt 6.2.

Die gebrauchsfertig zubereitete Lösung ist nur zur einmaligen Verwendung bestimmt. Nicht

verwendete Lösung oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.

Anweisungen für die Rekonstitution von Actilyse

Die Rekonstitution sollte

unmittelbar vor der Anwendung

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

21

durchgeführt werden.

Entfernen Sie die Schutzkappe

der Durchstechflasche mit dem

Wasser für Injektionszwecke

bzw. der Durchstechflasche mit

der Actilyse-Trockensubstanz,

indem Sie sie mit dem Daumen

nach oben drücken.

Wischen Sie die Gummistopfen

der Durchstechflaschen mit

einem Alkoholtupfer ab.

Nehmen Sie die

Überleitungskanüle* aus ihrer

Verpackung. Die

Überleitungskanüle ist steril und

muss nicht nochmals desinfiziert

oder sterilisiert werden. Nehmen

Sie zunächst nur eine

Schutzkappe ab.

Stellen Sie die Durchstechflasche

mit dem Wasser für

Injektionszwecke aufrecht auf

eine stabile Fläche. Stechen Sie

von oben vorsichtig aber fest mit

der Überleitungskanüle vertikal

durch die Mitte des

Gummistopfens, ohne die Kanüle

zu drehen.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

22

Halten Sie die Durchstechflasche

mit Wasser für Injektionszwecke

und die Überleitungskanüle mit

einer Hand an den beiden

seitlichen Griffplatten fest.

Nehmen Sie die zweite

Schutzkappe von der

Überleitungskanüle ab.

Halten Sie die Durchstechflasche

mit dem Wasser für

Injektionszwecke und die

Überleitungskanüle mit einer

Hand an den beiden seitlichen

Griffplatten fest.

Halten Sie die Durchstechflasche

mit der Actilyse-Trockensubstanz

über die Überleitungskanüle und

platzieren Sie die Spitze der

Kanüle direkt in der Mitte des

Gummistopfens.

Drücken Sie die

Durchstechflasche mit der

Trockensubstanz von oben auf

die Überleitungskanüle und

durchstechen Sie vorsichtig aber

fest vertikal den Gummistopfen,

ohne zu drehen.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

23

Drehen Sie die beiden

Durchstechflaschen um, sodass

das gesamte Wasser in die

Durchstechflasche mit der

Trockensubstanz fließen kann.

Ziehen Sie die leere

Durchstechflasche zusammen mit

der Überleitungskanüle ab und

entsorgen Sie diese.

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

24

Schwenken Sie die

Durchstechflasche mit der

gebrauchsfertig zubereiteten

Actilyse-Lösung vorsichtig, bis

das restliche Pulver vollständig

gelöst ist. Nicht schütteln, um

Schaumbildung zu vermeiden.

Falls sich Schaum gebildet hat,

sollte die Lösung einige Minuten

lang stehen gelassen werden,

damit sich die Blasen auflösen

können.

Die Lösung enthält 1 mg/ml Actilyse. Sie sollte klar und farblos bis leicht gelblich sein

und keine Partikel enthalten.

Entnehmen Sie die benötigte

Menge mit Nadel und Spritze.

Um ein Auslaufen zu vermeiden,

sollte nicht die Einstichstelle der

Überleitungskanüle verwendet

werden.

Die Lösung ist für den sofortigen Gebrauch bestimmt.

Nicht verbrauchte Lösung ist zu entsorgen.

(*Wenn eine Überleitungskanüle im Kit enthalten ist. Die Rekonstitution kann auch mit Spritze und Nadel

vorgenommen werden.)

Actilyse - Pulver und Lösungsmittel

Version 4.3

25

7.

INHABER DER ZULASSUNG

Zulassungsinhaber

Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co KG

Dr. Boehringer-Gasse 5-11, 1121 Wien

Hersteller

Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG

Biberach an der Riss, Deutschland

8.

ZULASSUNGSNUMMER

Z. Nr: 1-24717

9.

DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG / VERLÄNGERUNG DER

ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 21. Oktober 2002

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 02. April 2015

10.

STAND DER INFORMATION

März 2019

VERSCHREIBUNGSPFLICHT / APOTHEKENPFLICHT

Rezept- und apothekenpflichtig, wiederholte Abgabe verboten

VERFÜGBARE PACKUNGSGRÖSSEN IN ÖSTERREICH

20 mg:

1 Durchstechflasche mit 933 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

1 Durchstechflasche mit 20 ml Lösungsmittel

1 Überleitungskanüle

50 mg:

1 Durchstechflasche mit 2.333 mg Pulver zur Herstellung einer Injektions- oder Infusionslösung

1 Durchstechflasche mit 50 ml Lösungsmittel

1 Überleitungskanüle

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